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Nachbarn
Nett, listig, krank
© Klaus-Peter Wolf / PIXELIO [1]
In schlechten Hollywoodfilmen sind sie die Frau oder der Mann von nebenan, der sich beim Salz ausleihen schon bald als Traumpartner entpuppt. Sie sind hilfsbereit, liebenswürdig, füttern unsere Tiere und gießen die Blumen während wir auf den Kanaren in der Sonne braten. Sie achten auf unsere Kinder, backen Kuchen und laden uns auf gemütliche Gartenpartys ein. Eier, Mehl und Zucker scheinen immer für uns vorrätig, die Ohren für unsere Sorgen stets geöffnet.
Vechta zählt für die meisten wohl eher zur Kategorie “Dorf” und das nicht ohne Grund. In der Studentenstadt gibt es wohl insgesamt mehr Einfamilienhäuser als Tretminen. Die Kinder der Nachbarn gehen in die gleiche Klasse, besuchen den gleichen Verein, oder teilen andere Interessen. Man kennt sich schon lange und weiß um den Klatsch der ganzen Straße.
“Der Jonas geht nicht auf´s Gymnasium, hast du das schon gehört?”, ertönt es über den Gartenzaun und erzeugt eine wildentbrannte Diskussion darüber, warum die Eltern dagegen nichts unternehmen. Denn sie wissen doch, was besser ist. Warum in aller Welt wird hierbei nicht um ihre Meinung gefragt?
Integrierter als integriert könnte man vermuten, ist man, wenn man in Vechta lebt. Man winkt dir fröhlich zu und du fühlst dich verstanden und akzeptiert. Man weiß mehr über dich, als du über dich selbst. Spätestens, wenn du ausgegrenzt wirst, weil du grob gegen die “Nachbarschaftsregeln” verstoßen hast, weil du vergessen hast, die “1. Nachbarn” zu einer Party einzuladen, merkst du, wie diese überfreundliche Spezies wirklich von dir denkt. Gartenpartys werden ohne dich geplant, deine Kinder verlieren plötzlich ihre Sachen in der Schule, deinem Hund hat man die Beine rasiert und jemand ganz lustiges hat Goldfische in deinen Pool gesetzt.
Doch bekanntlich sind nicht alle gleich. Neben den überinteressierten Nachbarn, kann man in Vechta auch durchaus dem desinteressierten Nachbarn begegnen. Jeder macht das, was er will. Wann er will, wo er will, wie laut er will. Ohne Rücksicht auf Verluste. Schreiende Plagen, knallende Türen, brüllende Mütter. Zigarettenstümmel in deinem Blumenkasten, zerklopfte Flaschen auf dem Gehweg und mit Kondomen überzogene Gartenzwerge. Die Polizei guckt gerne mal vorbei und sorgt regelmäßig dafür, dass du alle paar Monate andere Leute kennenlernst, da die alten Mieter ausgezogen sind. Die Paparazzi lauern hinter deinem Auto, um die Razzia bei den Leuten nebenan zu fotografieren und dich selbst hat noch nie einer gesehen. Kurzum: Anonym und asozial.
Was für eine Welt. Kaum zu glauben, dass es Nachbarn jenseits dieser beiden Extreme gibt. Verständige Menschen, die es schaffen die Balance zwischen Freundlichkeit und Akzeptanz zu halten. Nachbarn, die weder Furcht noch Abscheu auslösen. Ich habe sie selten getroffen.
von Jenniffer Malenz
© D/G / PIXELIO [1]
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Nachbarn
Datum: 6. Dezember 2011
Rubriken: Artikel,Gesellschaft,Jenniffer Malenz,No 20 - Dezember 2011
Adresse: http://www.univista.de/2011/12/06/nachbarn/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de