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Neues Semester, neues Ich!
© Gerd Altmann / PIXELIO [1]
Neulich in der Nordwestbahn von Osnabrück nach Vechta habe ich wieder eine sogenannte “Teilzeitpendlerin” kennengelernt. Nein, die allwöchentlichen Unipartys seien ihr fremd, da der Stundenplan es zulasse, nur bis Mittwoch in der Kleinstadt Vechta zu bleiben. Sobald die letzte Vorlesung abgesessen sei, gehe es wieder nach Hause, in Richtung Westen, Süden, Norden, Osten wo auch immer die Heimat sein mag. Vier Tage die Woche grüßt dann wieder die Parallelwelt, fernab von Campusgetratsche, Studentenpartys und Mensaessen. Bei Mutti schmeckt es doch immer noch am Besten!
Lässt man sich allerdings tatsächlich voll und ganz auf das Unileben ein, kann man schon ganz schöne Entscheidungsschwierigkeiten bekommen. Fakt ist: man verpasst immer etwas. Die Frage ist nur, WAS?
In der “Ersti-Woche” fängt der Entscheidungsstress durch den “Markt der Möglichkeiten” schon an. Die gutgemeinte Auswahl an freizeitgebundene Aktivitäten kann neben dem Erkunden des Campus, der Suche nach geeigneten Gleichgesinnten und dem Aufstellen des ersten Studienplanes ganz schön für Überforderungen sorgen.
Die Frage ist, wer möchte ich im Unileben sein, was interessiert mich, wonach richte ich meine Entscheidungen? Möglichkeiten hat man viele, das steht fest. Plane ich für die Zukunft und engagiere ich mich hochschulpolitisch, oder trete ich einem Fachrat bei. Vielleicht nutze ich auch das umfangreiche Sportprogramm um Bekanntschaften zu intensivieren und mich selber in Form zu halten. Oder gehe ich doch lieber meinen Neigungen nach, indem ich mich den Studentenreitern, den UNIted in Christ Mitgliedern oder den schreibebegeisterten uniVista Mitwirkenden anschließe.
Vielleicht muss aber auch das große Geld her und ich nehme neben zahlreichen anderen Jobs auch noch eine Tutorenstelle an.
Nehme ich jede Uniparty mit oder verbringe ich doch lieber einen gemütlichen Kochabend unter Freunden. Ach ja und einen Auslandsaufenthalt wollte ich doch auch noch machen. Der gehört heute praktisch so zum Lebenslauf, wie das eigene Geburtsdatum.
Nicht zu vergessen die Prüfungen, die man ganz nebenbei bestehen sollte. Und ständig erwarten alle, dass man immer so schön ausgeglichen und entspannt ist.
Am Schlimmsten ist die Sommerzeit, wo der “Terror an Möglichkeiten” sich gefühlsmäßig verdoppelt.
Fällt der Sommer nicht gerade ins Wasser “muss” man ständig grillen und wird von jedem Fachrat dazu eingeladen, was den Sportkonsum aufgrund des zu sich genommenen Fleisches auch noch mal erhöhen sollte. Nein, bei schönem Wetter darf man nicht zu Hause vor dem Fernseher sitzen, sondern muss auch wirklich alle Sonnenstrahlen und angebotenen Freizeitaktivitäten mitnehmen.
Der “Markt der Möglichkeiten” spiegelt sich auch in unserer Gesellschaft wieder. Auch bekannt als ein Pluralismus der Lebenslagen. Die Welt wird komplexer, man kann alles machen, jeder sein, der man gerne sein möchte. Und neben den zahlreichen selbst gewählten Ausbildungen, Studiengängen, Bekanntschaften, nachgegangenen Interessen, Leidenschaften, betriebenem Konsum muss einem immer noch genügend Zeit bleiben ausgeglichen zu sein und nicht womöglich an einem Burn-Out zu erkranken.
Bleibt nur noch die Frage offen: Wäre das Leben einfacher, müsste man keine Entscheidungen treffen, weil es gar keine Alternativen gäbe? Wohl kaum, denn dann wäre das Leben doch viel uninteressanter, langweiliger und eintöniger.
Viel Spaß beim Ausprobieren, Herumexperimentieren und Herausfinden der eigenen Vorlieben und Möglichkeiten, welche die Studienzeit mit sich bringen. Wer die Wahl hat, hat die Qual!
von Ina Bushuven
uniVista | Campusmagazin Vechta (www.univista.de)
Titel: Neues Semester, neues Ich!
Datum: 6. Dezember 2011
Rubriken: Artikel,Ina Bushuven,No 20 - Dezember 2011,Studentisches
Adresse: http://www.univista.de/2011/12/06/neues-semester-neues-ich/
Links im Artikel:[1] PIXELIO - http://www.pixelio.de