No 07 – Januar 2008
Inhaltsverzeichnis:
- [↓] PDF: PDF-Version der 7. Ausgabe
- [↓] Studentisches: Holzauge sei wachsam …
- [↓] Studium: Trinationales Kolloquium in Polen
- [↓] Mein erstes Mal: Das erste Mal…
- [↓] Politik - Portrait: Benazir Bhutto – ein Nachruf
- [↓] Perlen der Bibo: Sehr viel Wasser, ein Junge und ein Tiger
- [↓] Perlen der Bibo: Von Leid und Liebe, Tränen und Träumen
- [↓] uniPlay: Märchenhafter Mieterschutz
- [↓] Interviews - Säulen der Uni: Der Schöne und das Biest
- [↓] unterwegs: Wildeshausen – Die Alternative zu Schöner wohnen
- [↓] Studium: Unser Semesterticket – ein Streitgespräch
- [↓] AStA informiert: Von „geraden“ und „ungeraden“ Lebensläufen
- [↓] Band - Interviews: „Ohne Musik geht gar nichts“
- [↓] X-treme: Licht an oder Licht aus?
- [↓] Studentendinner: Lachsfilet in Blätterteig mit Spinat
- [↓] Studentendinner: Kartoffel-Rosenkohlauflauf
- [↓] Horoskop: Hor(r)o(r)skop 2008
- [↓] Kolumne: Schenken ist schön…
Holzauge sei wachsam …
„Als ich nach dem Wochenende zurück in meine Wohnung kam, hatte ich das Gefühl, dass jemand ohne mein Wissen dort gewesen war. Ich rief natürlich gleich bei meinem Vermieter an und erfuhr, dass er Handwerkern Zutritt zu meiner Wohnung ermöglicht hatte. „Er wollte keine Zeit verlieren, denn Studenten seien schließlich so schlecht zu erreichen.“
Das Erlebnis der Studentin Verena ist manchem Studierenden in Vechta nicht unbekannt. Obwohl die eigene Wohnung bzw. das WG-Zimmer definitiv einen vom Gesetz geschützten Privatbereich darstellt, verschaffen sich einige Wohnungseigentümer in Abwesenheit ihrer Mieter Zutritt. Auf Nachfragen werden hierfür Gründe wie kleine Reparaturmaßnahmen, Zimmerbesichtigungen für potentielle Nachmieter oder auch ein allgemeines Nachdem- Rechten-Sehen angegeben. Der Gedanke, jemand Fremdes bewege sich unbemerkt in den eigenen vier Wänden, kann mitunter beängstigend sein, selbst wenn der Grund dafür, wie im Beispiel der Studentin Katja, jenseits der Neugierde liegt: „Nach dem Wochenende kam ich in meine Wohnung und fand im Wohnzimmer Laminat verlegt. Vorher war dort Teppich gewesen! Meine Vermieterin sah es als freundschaftlichen Dienst an. Sie erklärte mir, dass sie sogar meinen Hamster noch gefüttert hätte. Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte.“
Trotz aller Nächstenliebe für mittellose Studenten bleibt klarzustellen, dass ein Vermieter weder aus sorgenden noch aus überwachenden Gründen das Recht hat, eine vermietete Wohnung ohne Wissen des Mieters zu betreten. Allerdings ist es dem Eigentümer erlaubt, nach vorheriger Anmeldung seine Wohnung zu besichtigen, was ihm dann auch ermöglicht werden muss. Gründe hierfür wären beispielsweise eventuelle Nachmieter oder die Reparatur kleinerer und größerer Schäden, die den Wert der Immobilie auf längere Sicht senken könnten. Generell gilt jedoch, dass Besuche mindestens 24 Stunden vorher angekündigt werden müssen. Bei dieser Ankündigung ist der Vermieter ebenfalls verpflichtet, dem Mieter den Grund des Besuches mitzuteilen und weitere Besucher zu erwähnen. Von dieser Regel ausgenommen sind Notfälle wie ein plötzlicher Wasserrohrbruch oder der Verdacht auf Feuer. In diesem Fall darf auch ohne Benachrichtigung die Wohnung betreten bzw. eine Notöffnung vorgenommen werden. Daher ist es sinnvoll, einen Zweitschlüssel bei einer vertrauten Person im nahen Umfeld zu hinterlegen und dies dem Vermieter mitzuteilen. Zeiten, in denen die Wohnung besichtigt werden darf, sind gemeinhin auf Wochentage festgelegt. Dabei wird sich an den üblichen Arbeitszeiten orientiert, also 10-18 Uhr. In Ausnahmefällen können auch spätere Termine sowie das Wochenende berücksichtigt werden. Klauseln im Mietvertrag, die dem Vermieter ein Besuchsrecht zu jeder Zeit garantieren, sind ungültig und somit nichtig.

Ein Blick ins Mietrecht lohnt sich
auch für Studenten
auch für Studenten
Foto: Britta Simon
Sollte man das Gefühl haben, dass der Vermieter gerne mal einen Spaziergang durch die Wohnung unternimmt und sich dies auf Nachfrage auch bestätigt, besteht das Recht auf eine umgehende Kündigung des Mietvertrages. Kündigungsfristen sowie Schadenersatzansprüche seitens des Vermieters auf entgangene Miete sind in diesem Fall gegenstandslos.
Festzuhalten ist, dass Vermieter sich im Klaren darüber sein müssen, dass Studenten genauso zahlende Mieter sind wie eine Familie mit Kindern und somit ebenso ein Recht auf Privatsphäre in ihren vier Wänden besitzen. Daher ist ein Eindringen in den Wohnraum ohne Ankündigung nicht tolerierbar. Bei Unklarheiten oder bereits bestehenden Streitigkeiten sollten Studenten sich umgehend Rat beim deutschen Mieterbund einholen oder direkt einen Anwalt zur Hilfe nehmen. Denn wenn man in den eigenen vier Wänden nicht in Ruhe leben kann, wo dann?
von Britta Simon
Hilfestellen für Studierende:
Deutscher Mieterbund
- Im Internet unter: www.mieterbund.de
- oder per Telefon unter 0900/12 000 12 ( 2 Euro pro Minute )
Kostenlose Rechtsberatung an der Hochschule Vechta unter
www.asta-uni-vechta.de/home/information/rechtsberatung/
Deutscher Mieterbund
- Im Internet unter: www.mieterbund.de
- oder per Telefon unter 0900/12 000 12 ( 2 Euro pro Minute )
Kostenlose Rechtsberatung an der Hochschule Vechta unter
www.asta-uni-vechta.de/home/information/rechtsberatung/
Trinationales Kolloquium in Polen

Vechtaer Studenten in Polen.
Foto: Ihna Grensemann
Man mag der Meinung sein, Vechta sei mit seiner Lage am Rande vom Nichts nur mäßig international, doch ab und zu kann man sich eines Besseren belehren lassen…
Ein internationales Treffen mit anderen Studenten aus Polen und Frankreich? In Polen, wo das Bier so schön billig ist und Zigaretten noch bezahlbar? Eine Woche keine Uni und dafür auch noch entschuldigt werden? Klingt ja super!!
Wo ist der Haken? Achja, es ist ein akademisches Arbeitstreffen mit dem Thema „Widerstand im Dritten Reich“. Muss das sein? Haben wir das nicht lange Jahre an der Schule gehabt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir selbst nicht Schuld sind und wir trotzdem aufpassen müssen, dass das nicht noch mal passiert!? Reicht das denn nicht?
Um einen Schein für die Fahrt zu bekommen, war der Besuch eines vorbereitenden Seminars Pflicht.
Hier lasen wir Originaltexte der Widerständigen Helmuth James von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Sie waren die Köpfe einer Gruppe von Widerständigen, dem Kreisauer Kreis. Hey, war das nicht das Reiseziel?
Hier lasen wir Originaltexte der Widerständigen Helmuth James von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Sie waren die Köpfe einer Gruppe von Widerständigen, dem Kreisauer Kreis. Hey, war das nicht das Reiseziel?
Yorck und Moltke hatten während des Krieges Pläne erdacht, wie es nach Hitlers Sturz mit Deutschland weitergehen könnte. Denn dass der Krieg nicht mit einem Sieg für die Deutschen enden würde, schien ihnen offensichtlich. Ihre Ideen stützten sich auf die demokratischen Grundsätze Gleichheit der Menschen, Freiheit und Gerechtigkeit. Das Besondere an ihrem Widerstand war die Gewaltlosigkeit, denn „man kämpft nicht für irgendetwas, sondern nur gegen irgendetwas: Hass ist die Dominante des Krieges, nicht Liebe. Feigheit, Muckertum, Massenpsychose züchtet der Krieg.“ (H. Moltke).
Trotzdem sind sie gehengt worden, Moltke nur drei Monate vor Kriegsende, und nur weil er nachgedacht hatte. Weil er es gewagt hatte, gegen die NSDAP zu denken. Weil er die Würde jedes Menschen über seinen Glauben hob. Dieser Widerstand steht stellvertretend für viele andere. Für Menschen, die bereit waren, ihr Leben einem Ideal zu opfern. Menschen, die sich gewehrt haben.
Widerstand ist vielfältig: Es gibt ihn in den unterschiedlichsten Ausprägungen, als Volkswiderstand, als Einzelkämpfer, gewalttätig und gewaltfrei. Im Namen einer Organisation, einer Idee oder aufgrund der eigenen Moral. Widerstand ist so vielfältig wie die Menschen. Ihnen gemeinsam ist aber der Wille, etwas am aktuellen Zustand ändern zu wollen.
Genau diese Geisteshaltung hat den Bogen geschlagen von abgedroschener, langweiliger Geschichte zu einem interessanten Rückblick. Die Geschichte des Dritten Reiches ist so groß, unverständlich und grausam, dass es gar nicht genug Möglichkeiten geben kann, darüber zu informieren. Das muss nicht immer trocken oder langweilig sein, es geht nicht immer mit erhobenem Zeigefinger einher. In Kreisau waren wir auf dem Gut von Moltke untergebracht. Durch das Schloss zu gehen und zu wissen, dass vor etwas mehr als 60 Jahren in diesen Mauern Geheimtreffen stattfanden, berührt mehr als es viele Statistiken des Zweiten Weltkrieges zu schaffen vermögen.
So viele Fotografien zu sehen, Geschichten zu lesen und die einzelnen Menschen hinter den alten, angestaubten Büchern zu erkennen, geht tiefer unter die Haut als eine anonyme Zahl.
So viele Fotografien zu sehen, Geschichten zu lesen und die einzelnen Menschen hinter den alten, angestaubten Büchern zu erkennen, geht tiefer unter die Haut als eine anonyme Zahl.
Die bunten Träume, Wünsche und Hoffnungen der Menschen, die der Maschinerie Hitlers zum Opfer fielen, sind es auch knapp 63 Jahre nach Kriegsende noch wert, gewürdigt und anerkannt zu werden.
Kreisau hat uns mit der Frage nach Hause geschickt, ob wir es merken würden, wenn sich wieder eine solche Macht zusammenbraut. Und ob wir den Wunsch hätten, uns zu wehren. Wie weit wir dafür gehen würden, ob wir uns unserer eigenen Moral beugen würden. Schwierige Fragen, die sich noch schwieriger beantworten lassen. Trotzdem: Mal einen Gedanken zu risikieren, kann ja nicht schaden!
von Ihna Grensemann
Das erste Mal…
Wer erinnert sich nicht an seinen ersten Besuch bei Ikea, die ersten komischen Dinge, die man so in den Mund genommen hat, die ersten Panikattacken, die ersten körperlichen und geistigen Unfälle? Die Liste könnte ewig so weiter gehen, und manches davon möchte man gar nicht erlebt haben oder aber ganz schnell wieder vergessen. Wir haben uns gedacht: Verdrängen hilft nicht. Also setzten wir uns auseinander mit unserer Vergangenheit und schrieben sie auf, all die ersten Male, die uns geprägt haben. Die Titelstory gewährt euch also tiefe Einblicke in das Leben der Redaktion, exemplarisch also für den Rest der Weltbevölkerung, und lässt euch teilhaben an Dingen, die man die ersten zehn Jahre geheim hält, um dann leicht schmunzelnd darüber zu reflektieren. Gleichsam bildet die Titelgeschichte den Auftakt für die gleichnamige Rubrik, welche dann ab der nächsten uniVista im Sommersemester 2008 regelmäßig erscheint.
Natürlich seid auch ihr aufgefordert, uns an euren ersten Malen teilhaben zu lassen. Egal ob Konzertbesuch, Gefrierbrand am eigenen Körper oder Candlelight Dinner, lasst eure Gedanken schweifen, schreibt sie nieder und schickt sie uns.
Natürlich seid auch ihr aufgefordert, uns an euren ersten Malen teilhaben zu lassen. Egal ob Konzertbesuch, Gefrierbrand am eigenen Körper oder Candlelight Dinner, lasst eure Gedanken schweifen, schreibt sie nieder und schickt sie uns.
…oraler Kontakt mit seltsamen Dingen

© A. Flade / PIXELIO
Langsam schließe ich die Lippen um ihn, lasse ihn weiter in den Mund gleiten und betaste ihn vorsichtig und ein wenig scheu mit der Zunge…er fühlt sich glatt an und irgendwie hart…
Verdammt! Ich rede von einem gerösteten Mehlwurm, den ich gerade in den Mund genommen habe!! Ihr erinnert euch noch an diese witzigen Lutscher mit den Insekten drin? Ich musste unbedingt einen haben und zum ersten Mal ein Insekt essen…man, fühlte ich mich beim Kauf cool!! Nun, ich hab’s getan…und ihn gegessen…schmeckte ein wenig wie zu Brikett getoastetes Weißbrot. Also nicht so lecker. Aber der mehlwurmumhüllende Lutscher war gut.
Verdammt! Ich rede von einem gerösteten Mehlwurm, den ich gerade in den Mund genommen habe!! Ihr erinnert euch noch an diese witzigen Lutscher mit den Insekten drin? Ich musste unbedingt einen haben und zum ersten Mal ein Insekt essen…man, fühlte ich mich beim Kauf cool!! Nun, ich hab’s getan…und ihn gegessen…schmeckte ein wenig wie zu Brikett getoastetes Weißbrot. Also nicht so lecker. Aber der mehlwurmumhüllende Lutscher war gut.
…Kontakt zu den (gelben) Engel
Ich höre eigentlich immer Radio. Nein, eigentlich läuft immer Kassette. Auf jeden Fall Musik. Und diese laut. Wenn ich Auto fahre, brauche ich das. Nur dieses Mal hab ich das aus unerklärlichen Gründen nicht gemacht. Und so hörte ich den Knall. Ich konnte das gar nicht richtig zuordnen. Dann merkte ich, dass das Auto komisch fuhr, dann wieder, dass das Geräusch nicht besser wurde und dann, dass mir ein Reifen fehlte. Hinten links. 120kmh. A 29. Mahlzeit! Hinter mir kein Auto. Durchatmen. Auf den Seitenstreifen fahren. Ruhig bleiben. Keine Panik. Ich sagte mir das immer wieder und tat einfach alles dagegen. Und ich meine: wirklich alles. Das ganze Register. Ich rief bei dem Freund meiner Mutter an, Kfz-Meister. Der muss doch Ahnung haben. Ich machte den Kofferraum auf, suchte nach Ersatzreifen und Wagenheber, fand ersteren, aber den Heber nicht. Ich rief die Polizei an. Römms, Fahrtwind, 200 Sachen. Nein, nicht mein Puls! Wind peitschte mir ins Gesicht.

© adacta / PIXELIO
Die Autobahn kennt keine Geschwindigkeitsgrenzen. Aber mit Highspeed erfasst zu werden, bringts vermutlich schneller zu Ende als mit gemäßigten 120 ins Wachkoma verfrachtet zu werden. Ich rief die Polizei an. Ich stellte meinen Rucksack mit roter Lasche in 100 Meter Entfernung auf. Wo war nur das Warndreieck? Wo blieb nur die Polizei? Ich suchte weiter nach Wagenheber und Warndreieck. Das Radio blieb aus. Die Polizei kam viel zu spät. Grummelig stieg EINER aus. Und WIDERWILLIG rief er den ADAC. Kommunikation lief schleppend. Er auf dem Seitenstreifen. Ich hielt mich hinter einem Zaun auf. Ich sollte doch weg von der Fahrbahn, Muttis Freund sagte das doch. Polizei weg. Gott, was dachte der von mir?! Wo bleibt der ADAC? Ich gehe zum Kofferraum, ein letztes Mal. Ich suche und finde: das Warndreieck. Entscheide, dass der Rucksack seinen Zweck tut. Dann kommt der Wagenheber zum Vorschein. Ich entscheide mich: mutig zu sein. Ich will doch was zu erzählen haben, wenn ich das hier überlebe. Ich wechsele den ersten Reifen meines Lebens. Ich überlebe. Am Seitenstreifen auf der A29. Nur die A1 hätt das noch toppen können!
…Urlaub ohne die Erzeugerfraktion
Wir hatten es geschafft! Die Schlacht war geschlagen, und wir waren die Sieger. Stolz ohne Ende und mit einem Auto voll Gepäck und Proviant brachen wir nun auf zum ersten Urlaub ohne Eltern am Ostseestrand. Hinfahren durften uns die Erziehungsberechtigten noch. Aber dann waren wir endlich allein. Vier pubertierende Mädchen allein im Bungalow.

© tobman / PIXELIO
Die Nächte wurden zu Tagen. Es wurde sich geliebt und gestritten ohne Ende. Die Urlaubskasse wurde voll ausgeschöpft, der Strand in Beschlag genommen und die Freiheit genossen. Nach zwei Wochen, die auch in unserer geliebten Seifenoper nicht turbulenter hätten ablaufen können, fühlten wir uns ein bisschen wie die einzigen Überlebenden eines schrecklichen Unglücks, als das Auto unserer Eltern in Sicht kam und wir wieder nach Hause fuhren. Erschöpft, um eine Erfahrung reicher, aber glücklich.
…mit 40 kmh der Schwerkraft trotzen
Als ich vor so einigen Jahren zum Geburtstag einen dieser tollen Fahrradcomputer geschenkt bekam, war völlig klar, was zuerst gemacht werden muss: Ein Geschwindigkeitsrekord muss her! Und da unsere Straße leicht abschüssig war, musste auch genau diese für den Versuch herhalten. Dass sie außerdem wie ein Hufeisen geformt ist, sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Ich begann also an einem schönen heißen Sommertag mit kurzer Hose und T-Shirt los zu brettern. Der Geschwindigkeitsmesser kletterte in ungeahnte Höhen, ich trat in die Pedale wie ein Verrückter, 34, 35, 36, 37… immer höher stieg der Messer an. Dann endlich 40!!! Juhu!!! Als ich dann aber den Kopf hob, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich zwar genug Straße hatte, um auf 40 km/h zu beschleunigen, aber kein einziger Meter Bremsweg zur Verfügung stand. Tief fliegend schlug ich mit dem Vorderrad am Bürgersteig an und wurde aus meinem Sattel über den Maschendrahtzaun auf die andere Seite des Bürgersteigs katapultiert… gerne wäre ich im Zaun gelandet, denn hinter dem Zaun bremsten ja Gott sei Dank nur dornenbewehrte Rosenbüsche meinen Aufprall. Als ich nach ca. 1 Minute des lauten Stöhnens langsam aufstand, sah ich, dass ich eine regelrechte Schneise durch die Büsche gerissen hatte und gute 3 m geflogen war. Das Rad hatte auch einen guten Teil zur Zerstörung des Vorgartens beigetragen, denn es hat beim Aufschlag den Zaun gewichtig zu Boden gepresst. Glücklicherweise hat mich keiner dabei gesehen… und mir geht’s gut, danke!
…auf Tuchfühlung mit der Kreisstadt
Endlich! Ich hatte das Abitur in der Tasche und war nun offiziell an der Hochschule Vechta eingeschrieben. Wer wollte mich jetzt noch aufhalten?
An einem schönen Tag im Oktober sollte es nun soweit sein. In Vechta wartete ein Schlüssel auf mich. Der Schlüssel zur Freiheit! Aber wo ist Vechta eigentlich? Mit vielen guten Ratschlägen und Landkarten machten wir uns auf den Weg. Schließlich kamen wir an. Aber wo war hier die Stadt? Einzelne Gebäude, kein Supermarkt, keine Bank. Wo war ich gelandet?
Besichtigung der WG. Ganz klar, hier wohnen Studenten. Der Kühlschrank war voll, voll mit Bier. Ich war froh, dass ich an diesem Tag noch nicht bleiben musste. Und Bremen und Osna sind ja auch nicht weit.
An einem schönen Tag im Oktober sollte es nun soweit sein. In Vechta wartete ein Schlüssel auf mich. Der Schlüssel zur Freiheit! Aber wo ist Vechta eigentlich? Mit vielen guten Ratschlägen und Landkarten machten wir uns auf den Weg. Schließlich kamen wir an. Aber wo war hier die Stadt? Einzelne Gebäude, kein Supermarkt, keine Bank. Wo war ich gelandet?
Besichtigung der WG. Ganz klar, hier wohnen Studenten. Der Kühlschrank war voll, voll mit Bier. Ich war froh, dass ich an diesem Tag noch nicht bleiben musste. Und Bremen und Osna sind ja auch nicht weit.
…einen Freund haben

Foto: Karen Ishikawa
Mein erster Freund war wiederum ein Freund meiner Cousine. Ein netter Junge mit der Aussicht auf einen eigenen Handwerksbetrieb. Groß, blond und mit Brille (denn das sind die besten Typen). Und besagte Verwandte fand wohl, dass es langsam an der Zeit sei, mich zu liieren. Ich war ja immerhin schon 14! Im besten Clueless-Style berichtete sie uns dann gegenseitig von unserer Großartigkeit – großartige Hobbies, großartiger Musikgeschmack (ich hatte damals noch gar keinen Musikgeschmack, bei und zu Hause lief nur FFN), großartige Nettigkeit – und vereinbarte ein erstes Treffen auf ihrem Geburtstag. Es existieren immer noch Fotos davon, anscheinend hatte ich Spaß, an den ich mich aber dank einer Flasche Blue Curaçao zwecks Aufregungsbekämpfung nicht mehr erinnern kann. Als einziges sind mir seine warmen, treuen Hundeaugen im Gedächtnis geblieben (leider stellte er sich als gar nicht so treu heraus, aber das wäre wohl eher eine Episode für „Mein erstes Mal: sich trennen“). Und so kam es von einem Date zum nächsten und von einem Kuss zur Beziehung. Und wie sehr ich verliebt war! Er war toll… Aber vor allem war ich vergeben. Liiert. Eine Pionierin in der Klasse. Das war sicher genauso ausschlaggebend für mein verklärtes Dauergrinsen. Das erste Mal einen Freund haben ist ein großes Gefühl. Ein Gefühl von Verliebtheit, aber auch von Herzschmerz. Mit den Eltern feilschen, um Fahrdienst betteln, die Pille nehmen, den ersten Sex haben, sich ver- und unverstanden fühlen. Vom Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt. Pubertät pur und das zu zweit.
…blau gelbe Impressionen

Foto: Björn Franke
Ich war 21, hatte grade meine erste WG bezogen und brauchte: Möbel. Woher? IKEA! Ja, als jung-dynamische Landpomeranze klang das nach Abenteuer und großer Welt. Her mit Ektorp, Lunna und Köttbullar. Rein in den Konsum. Oh, es war ein Genuss, erst die Fahrt mit der Straßenbahn, dann die S-Bahn nach Köln-Godorf und schließlich der Bus zum Parkplatz… Auf der Heimfahrt beanspruchte ich vier Sitze und mehrere der großen blauen IKEA-Taschen, um all den Krimskrams (natürlich war ich an GLIMMA, den 100 Teelichtern, auch nicht vorbeigekommen) mit sämtlich verfügbaren Verkehrsmitteln in meine Wohnung zu befördern. Mein erstes Mal IKEA? Teuer!
…ungenügende Leistung bringen
Ich war jung, dynamisch trotz Rauchens oder gerade deswegen, in der neunten Klasse, die längste Zeit Streber gewesen. Ich war nun rebellisch (siehe Rauchen), aufmüpfig schon immer, ansonsten jeglichem Unterrichtsgeschehen gegenüber desinteressiert. Ich sagte natürlich nur dann was, wenn ich schweigen sollte und umgekehrt. Und dann war es soweit, ich arbeitete da wirklich drauf hin. Ich wollte es so: Nach Jahren der Zweier, manchmal Einser und der nur wenig befriedigenden Dreier und völlig inakzeptablen Vierer und sinnlosen Fünfer: Endlich die Sechs! Das Fach: Physik. Lichtbrechungswinkel, Fallgeschwindigkeiten, Wellen,… Ich hatte einfach keine Antworten parat auf Optik, Mechanik und wie das alles hieß. Auf die wirklich wichtigen Fragen, etwa wie die Relativitätstheorie denn funktioniere, hatte mein Lehrer entweder keine Antwort für mich, der ja eh nichts verstand oder schlichtweg auch keine Ahnung, was er natürlich nicht zugab. Egal. Denn endlich war sie da, die Sechs! Wie cool man damit war!

© Hans-Peter Reichartz / PIXELIO
…Selbstfolter für die Schönheit
„Aua…aaaaah…uuuuuh…oh Mensch…tut das weeeeh!!! Ach, ich stell mich nur an, andere machen das doch auch… OH MEIN GOTT!!!! Werden diese Schmerzen jemals enden??“ Ich schaue auf die Anleitung. „WAAAAS? Die Achseln soll man sich damit machen können? Die BINKINIZONE? Sind die wahnsinnig??“ Ich weiß nicht, ob ein Mann sich vorstellen kann, wie das ist, wenn man sich jedes Haar einzeln ausreißt, wenn die fiesen kleinen Metallscheiben ein Haar zu packen bekommen und es samt Wurzel von seinem von Natur aus angestammten Platz gewaltsam entfernen. Jedes Haar, ein neuer individueller Schmerz. Schön! Mein erstes Mal epilieren, war auch mein letztes Mal, bin ich eben ein Schattenparker und greife lieber das erste…zweite…zweihundertste Mal zum Rasierer.
…Selbstbezacherln mit Instantsuppe
…irgendwann muss man es ja mal machen und Erfahrungen mit Herrn Knorr sammeln. Sich zum Bespiel selbst bekochen und eine ganz ganz tolle „KNORR Gemüse satt Instantsuppe“ kredenzen. 80% Gemüse, Olivenöl und Kräuter – vegetarisch, cholesterinfrei und fettarm – für 2 Teller…irre, dacht ich mir…dummerweise weiß ich nicht, was die gute Suppe gekostet hat, naja. Das Kochen stellte kein großes Problem dar…500ml Wasser warm machen, einrühren…ziehen lassen. Sieht aus wie Babybrei. Suppe? Hmm, eher wie Püree, nur flüssiger. Gemüse? War bestimmt drin, irgendwo. Ach, kommt schon…war halt einfach zu kochen und mein erstes Mal „Gemüse satt Suppe“!
…Synapsenstreik

© www.jenpix.de / PIXELIO
Es ist Nacht…ich sitze vor meinem PC und starre auf den Bildschirm. Vor mir: ein leeres Worddokument. Der Cursor, der markiert, wo ich mich gerade im nicht vorhandenen Satz befinde, scheint mich zu verhöhnen…sein Aufblinken gleicht mechanischem, rhythmischem Gelächter: Ha-ha-ha. Meine Augen brennen und meine Finger liegen eiskalt auf den Plastiktasten. Schreiben, schreiben: JA! Nur was denn?? Ich schaue zur Seite und sehe eine Motte, die immer und immer wieder mit dem Kopf gegen meine Fensterscheibe fliegt, ich betrachte sie eine Weile, vielleicht würde mir diese Art der Kopfarbeit auch mehr zusagen? Der Blick auf den Bildschirm, wieder die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit. Ich mache den Versuch, einige unbeholfene Buchstaben in eine Reihe zu bringen. Faszinierend, wie lange man dafür brauchen kann und das nur, um sie dann in einem Anfall enttäuschter Wut innerhalb von zwei Sekunden wieder auszulöschen. Ich lasse den Kopf leicht mit der Schreibtischplatte kollidieren: „Denk nach…denk nach…denk…aua.“ Schmerz- auch nicht hilfreich. Jede Formulierung gleicht dem Erklimmen des Mount Everest. Die deutsche Sprache in all ihren Facetten erscheint mir feindlich gesinnt, mein Kopf- eine dumpfe pochende Kugel. Ich raufe meine Haare und blicke auf die Uhr: 3.47 Uhr. Mehr als Zeit um die persönliche Escape-Taste zu drücken und ins Bett zu gehen, abspeichern muss ich ja nichts. Morgen wird mein PC wieder in der Ecke auf mich warten, wie eine dicke, fiese, hässliche Spinne. Mein erstes Mal Schreibblockade? Ja und mit Sicherheit nicht die letzte. Aber wahrscheinlich wird mein nächstes erstes Mal die Überwindung derselben sein…
…die Alternative zum Automobil nutzen
Wenn Benzinpreise Höhen erreichen, die selbst Krösus für inakzeptabel halten würde, überlegt sich auch ein eingefleischter Autofahrer, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. So geschah es, dass ich mich an einem ganz gewöhnlichen Freitagnachmittag, auf einem ganz gewöhnlichen Bahnhof in Niedersachsen zur einer ganz gewöhnlichen Zugfahrt einfand. Zumindest dachte ich dies. Stutzig machte mich bereits im Vorfeld die Planung der Fahrt. Noch gut gelaunt, stellte ich bei einem Blick auf den Fahrplan im Internet fest, dass eine sonst eineinhalbstündige Autofahrt per Bahn 3,5 Stunden dauern sollte. Zweimal Umsteigen mit eingeschlossen. Nun gut, Lesen soll bilden, her mit der Unterhaltungsliteratur. Die erste Etappe betrug 40 Minuten und brachte neue Einblicke in die Jamba Klingelton Welt. Auch wurde mein, so dachte ich, bisher reichhaltiges Vokabular an Flüchen und Beschimpfungen durch modernere Kreationen erweitert, die dem einen oder anderen hätten die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Froh, diesen Zug nach 40 Minuten verlassen zu können, stieg ich aus, um in den nächsten Zug zu wechseln. Bei einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass mir kaum noch zwei Minuten für den Umstieg blieben. Jetzt war nicht vorhandenes, sportliches Talent gefragt. Die Reistasche in der einen, den Tragebeutel in der anderen Hand und den Rucksack auf dem Rücken, spurtete ich hastig über die Brücke und kam, wenn auch mit Schweißperlen auf der Stirn, auf der anderen Gleisseite an. Pünktlich zum Einstieg in die nächste Bahn.

Foto: Björn Franke
Gute zweieinhalb Stunden sollten nun noch vor mir liegen. Ganz schön lange Zeit, dachte ich so bei mir. Doch hatte ich die Rechnung ohne eine junge Dame gemacht, die mich bereits nach kurzer Zeit mehr oder weniger unfreiwillig in ihr Talk Show-taugliches Privatleben einweihte. So war ich mir nach drei viertel Fahrzeit nicht mehr wirklich sicher, ob nun der der erste oder zweite Freund Vater des Kindes sei oder die beste Freundin doch eine Verräterin und ob der kleine Sohn mit englischem Vornamen jemals die deutsche Sprache ohne Sch-Laute erlernen würde, war ebenfalls fragwürdig. Ich hoffte, sie einmal auf einer meiner 10 nächsten Fahrten wieder zu treffen, um etwaige Verständnisprobleme klären zu können. Bei meinem nächsten und gleichzeitig letzten Umstieg war ich dennoch froh, mein Ziel fast erreicht zu haben. Es war inzwischen dunkel geworden und laut meiner Berechnung durfte ich an diesem Bahnhof tatsächlich etwas verschnaufen, bevor die nächste Bahn kommen sollte. Doch etwas war an diesem Ort seltsam. Wer in seinem Leben schon einmal die Verfilmung Langoliers von Stephen King gesehen haben sollte, würde nun meiner Beschreibung folgen können. Es war seltsam still an diesem Bahnhof, fast beängstigend. Ein junger Mann kam auf mich zu und fragte, ob ich in dieselbe Richtung wolle wie er. Als ich dies bejahte, zeigte er auf eine große Uhr am Gebäude und erklärte, dass der Zug bereits vor 15 Minuten abgefahren sei. 15 Minuten? Mein Zug hatte 15 Minuten Verspätung gehabt? Wieso hatte das niemand den Fahrgästen erklärt? War es ihnen etwa egal, dass man im Nichts landen würde? Nun gut, der nächste würde garantiert bald kommen, versuchte ich mich zu beruhigen. Doch auch hier war der Wunsch der Vater des Gedanken, denn drei Stunden sollte ich schon noch auf den Nachfolger warten. So blieb mir nichts anderes übrig, als per Telefon Jemanden zu bitten, mich von diesem trostlosen Ort abzuholen. Gut zweieinhalb Stunden später saß ich mit einem Tee in der Hand in einem warmen Zimmer. Fazit meiner ersten längeren Reise in der Nordwestbahn: durch Fahrtkostenbeteiligung und Handygesprächen hatte ich mein durch Zugfahren Erspartes zu einem Großteil wieder verloren, von verschwendeter Lebenszeit und eventueller Gefährdung wichtiger Gehirnzellen durch Jamba Monatspakete und ungeklärter Vaterschaften ganz zu schweigen. Dafür habe ich mir allerdings geschworen, beim nächsten Tankstopp mein Auto auch nur ein ganz kleines bisschen zu verfluchen.
…Verschönerung der Eigen-Fassade

© Jeanne / PIXELIO
Damals, also schon länger her, so mit 15, war ich bei einer Freundin zu Besuch. Ich weiß nicht warum, aber wir färbten uns die Haare. Das machte ich, seit ich so alt war, regelmäßig, also mir die Haare färben. Von Braun auf Bronze, Kupfer, irgendwie blond. Also auf jeden Fall heller. Und da geschah es, als ich mir die Haare danach wusch, dass noch ein wenig Schaum in den Haaren war. Schauma! Und da ging ich mit meinen Händen durch die Haare. Und auf einmal waren sie so James Dean bis Elvis-mäßig zu einer Tolle hochgestylt. Ohne Schaum wäre das völlig undenkbar gewesen, und ich war so stolz auf mich, dass ich das fortan immer machen sollte, zunehmend mit sämtlichen Gelsorten. Und zwar, wenn auch in Variationen, bis heute. Und da fällt mir ein, es gibt es ein Bild von mir aus ungestylten Zeiten. Natürlich gibt’s mehrere, aber auf dem geh ich gar nicht. Das Schlimme: Es ist auf meiner eigenen Konfirmation. Und nun weiß ich, auf wen man hören sollte, wenn es um Stylingtipps geht. Gott ist es scheinbar nicht, denn morgens, also am Tag meiner Konfirmation, sagte meine Mutter zu mir: Willst du nicht ein wenig was in die Haare machen. Mein Gott, musste sie mich lieben, dass sie mich ohne Gel außer Haus lies.
…Konsum illegaler Substanzen

© alt_f4 / PIXELIO
Ich bin ein wenig im Zwiespalt. Kann ich im Hochschulmagazin über Drogen schreiben? Und zwar nicht als sozialwissenschaftlich motivierte Abhandlung, sondern als Erfahrungsbericht? Welcher noch nicht einmal abschreckend als Junkie in der Gasse endet? Aber wenn nicht in einem Unimagazin, wo dann? Ich meine, wem wird gewöhnlich Drogenkonsum zugetraut? Und wer müsste selber über Pro und Contra an einer Hochschule mit pädagogischem Schwerpunkt Bescheid wissen? Eben.
Mein erstes Mal illegale Drogen nehmen war gänzlich unspektakulär. Das einzige, was mir irgendwo hinstieg -und leider nicht in den Kopf, sondern in den Magen- war das Nikotin. Mir als Nichtraucher war speiübel. Das war‘s. Aber ein junger Mensch lässt sich nicht so schnell abschrecken und somit testete ich beim nächsten Versuch das Peace nicht in einem Joint, sondern in einer Bong (selbstgebaut aus einer Wasserflasche). Wir wollten auf ein Dorffest, welche bekanntlich ohne zumindest legale Drogen nicht auszuhalten sind: die Zelte stets taghell erleuchtet, die Landelite zu finden in der Jungschützenecke und der DJ ergießt nicht nur schlechte Musik in die biergeschwängerte Luft, er kann auch miese Ansagen. Nachdem ich mir die Lunge aus dem Hals und das THC in den Kopf gehustet hatte, schien der unterdurchschnittliche Radiotechno blau, alle Menschen nett und zu Hause erwartete mich nur Fressflash statt Kater.
Mein erstes Mal illegale Drogen nehmen war gänzlich unspektakulär. Das einzige, was mir irgendwo hinstieg -und leider nicht in den Kopf, sondern in den Magen- war das Nikotin. Mir als Nichtraucher war speiübel. Das war‘s. Aber ein junger Mensch lässt sich nicht so schnell abschrecken und somit testete ich beim nächsten Versuch das Peace nicht in einem Joint, sondern in einer Bong (selbstgebaut aus einer Wasserflasche). Wir wollten auf ein Dorffest, welche bekanntlich ohne zumindest legale Drogen nicht auszuhalten sind: die Zelte stets taghell erleuchtet, die Landelite zu finden in der Jungschützenecke und der DJ ergießt nicht nur schlechte Musik in die biergeschwängerte Luft, er kann auch miese Ansagen. Nachdem ich mir die Lunge aus dem Hals und das THC in den Kopf gehustet hatte, schien der unterdurchschnittliche Radiotechno blau, alle Menschen nett und zu Hause erwartete mich nur Fressflash statt Kater.
…Kongressiale Eindrücke

© S. Hofschlaeger / PIXELIO
Ich war beim internationalen Kongress des Psychodramainstituts für Europa (Pife) in Berlin, als Studentin, ohne Abschluss und ohne besondere Vorkenntnisse. Ich muss verrückt gewesen sein. Tausend Szenarien schwirrten mir durch den Kopf, was alles schief gehen kann und auf wie viele verschiedene Arten ich mich blamieren könnte. Ich war drauf und dran, alles abzusagen.
Trotzdem stürzte ich mich ins Getümmel. Ich deckte mich mit Literatur ein und knüpfte erste zarte Kontakte und schon war ich mitten drin. 190 Leute aus 17 Nationen! Ich hab noch nie so viele Sprachen auf einem Haufen gehört.
Der nächste Kongresstag nahm mich voll in Anspruch. Vorträge und Workshops ließen keine Langeweile aufkommen und boten mir viel Gelegenheit weitere Kontakte zu knüpfen, welche dann am Abend auf der Party vertieft werden konnten. Mein Zustand nach durchwachter Nacht war am Sonntag grenzwertig. Nichtsdestotrotz habe ich es irgendwie nach Hause geschafft. Mein erstes Mal Kongress- großartig!
Trotzdem stürzte ich mich ins Getümmel. Ich deckte mich mit Literatur ein und knüpfte erste zarte Kontakte und schon war ich mitten drin. 190 Leute aus 17 Nationen! Ich hab noch nie so viele Sprachen auf einem Haufen gehört.
Der nächste Kongresstag nahm mich voll in Anspruch. Vorträge und Workshops ließen keine Langeweile aufkommen und boten mir viel Gelegenheit weitere Kontakte zu knüpfen, welche dann am Abend auf der Party vertieft werden konnten. Mein Zustand nach durchwachter Nacht war am Sonntag grenzwertig. Nichtsdestotrotz habe ich es irgendwie nach Hause geschafft. Mein erstes Mal Kongress- großartig!
…Tupper-Party ab 18
Durch mehrere Zufälle und einige liebenswert-verrückte Freundinnen saß vor einigen Wochen diese Frau bei mir im Zimmer. Die Dildofee. Zwei dieser Körbe der Marke „Mutti geht mal einkaufen“ brachte sie mit und ich war mir nicht so sicher, ob ich wirklich wissen wollte, was es darin zu bestaunen gab. Mit acht Mädels saßen wir im Kreis um Sekt und Wodkabowle zur Hemmschwellensenkung und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
„Ja Hallo, ich bin eure Dildofee, ich sag mal „du“, ne? Und als erstes möchte ich euch die Raupe Nimmersatt vorstellen!“ Zack, fing die Dame an zu plaudern und zauberte als erstes etwas länglich-blaues mit einem freundlichen Gesicht aus ihrer Wunderkiste. Hibbeliges Kichern, rote Wangen und ziemlich viel Neugier war die Reaktion. Ob wir wohl mal anfassen dürften? „Klar, also alles, was ich euch hier heute Abend vorstelle ist absolut jungfräulich und natürlich dürft ihr anfassen, probieren, gucken soviel ihr wollt, darum seid ihr ja hier!“ „Oh, guck mal, wie niedlich, die hat ja sogar `ne Nase…“ Keine Frage, mit niedlichen Gesichtern und weicher Oberfläche kriegt man die Mädels, besonders wenn der Wodka anschlägt.
Nachdem uns die verschiedenen Vorzüge dieses Dildos aufgezählt wurden, unter anderem würden Männer ihn aufgrund des Comicgesichtes nicht als Konkurrenz wahrnehmen, sei das Ding absolut leicht zu reinigen und dank des Saug-Sockels sogar als Klorollenhalter zu verwenden, verschwand die Nervosität und wir wussten auf einmal, warum Dildoparties auch als das Gegenstück zur Tupperparty gelten: acht Weiber lassen sich in aller Ruhe über die Vor- und Nachteile von unkaputtbaren Plastikteilen informieren und tauschen ihre Erfahrungen aus. Besser als bei Dr. Sommer.
„Ja Hallo, ich bin eure Dildofee, ich sag mal „du“, ne? Und als erstes möchte ich euch die Raupe Nimmersatt vorstellen!“ Zack, fing die Dame an zu plaudern und zauberte als erstes etwas länglich-blaues mit einem freundlichen Gesicht aus ihrer Wunderkiste. Hibbeliges Kichern, rote Wangen und ziemlich viel Neugier war die Reaktion. Ob wir wohl mal anfassen dürften? „Klar, also alles, was ich euch hier heute Abend vorstelle ist absolut jungfräulich und natürlich dürft ihr anfassen, probieren, gucken soviel ihr wollt, darum seid ihr ja hier!“ „Oh, guck mal, wie niedlich, die hat ja sogar `ne Nase…“ Keine Frage, mit niedlichen Gesichtern und weicher Oberfläche kriegt man die Mädels, besonders wenn der Wodka anschlägt.
Nachdem uns die verschiedenen Vorzüge dieses Dildos aufgezählt wurden, unter anderem würden Männer ihn aufgrund des Comicgesichtes nicht als Konkurrenz wahrnehmen, sei das Ding absolut leicht zu reinigen und dank des Saug-Sockels sogar als Klorollenhalter zu verwenden, verschwand die Nervosität und wir wussten auf einmal, warum Dildoparties auch als das Gegenstück zur Tupperparty gelten: acht Weiber lassen sich in aller Ruhe über die Vor- und Nachteile von unkaputtbaren Plastikteilen informieren und tauschen ihre Erfahrungen aus. Besser als bei Dr. Sommer.
Gegen Mitternacht ging eine spannende Veranstaltung zu Ende, die für eine Menge Lacher und Information gesorgt hatte, ohne anrüchig zu sein. Ganz ohne Peinlichkeiten hatten wir einen tollen Abend, der nicht viel gemein hatte mit der Erwachsenen-Ecke aus der Videothek. Und wenn ihr auch mal Lust habt, vor der nächsten Uniparty mal ganz anders vorzuglühen, findet ihr alle Informationen unter: www.dildofee.de
von Britta Simon, Ihna Grensemann, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn, Sebastian Dargel und Stefanie Bruns
Benazir Bhutto – ein Nachruf
Wie ein Phönix aus der Asche tauchte am 19. Oktober 2007 Benazir Bhutto auf der politischen Weltbühne auf.
An diesem Tag berichteten alle Sender von ihrer triumphalen Ankunft in Karachis. Es wurden jubelnde Massen gezeigt und eine Frau, welche nichts weniger zum Ziel hatte, als Pakistan von Pervez Musharraf und seinem Militärregime zu befreien und die Demokratie im Land zu etablieren.
Das klang zu schön um wahr zu sein. Um Mitternacht desselben Tages wurde dieser Siegeszug dann auch jäh durch zwei Sprengsätze, welche in unmittelbarer Nähe von Bhuttos Konvoi explodierten, beendet.
135 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben. Benazir Bhutto blieb unverletzt. Doch nur 69 Tage später hatte sie nicht mehr so viel Glück. Sie wird auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem Selbstmordattentäter beschossen und stirbt durch eine Bombe, welche der Terrorist unmittelbar nach den Schüssen zündet. Mit ihr verloren noch etliche weitere Menschen ihr Leben. Zurück bleibt ein Land im Schockzustand. Wieder einmal haben Terroristen einen Hoffnungsträger der Demokratie ermordet und somit die Hoffnung vieler Millionen Menschen auf Frieden und Stabilität vernichtet. Doch wer war Benazir Bhutto, und woher hatte sie diese Macht, welche sie letztlich das Leben kostete? Sie war die Tochter des ehemaligen Premierministers von Pakistan, Zufikar Ali Bhutto. Sie studierte in Harvard und Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaftslehre. Nach ihrem Studienabschluss kehrte sie nach Pakistan zurück. 1977 wurde ihr Vater nach einem Putsch inhaftiert und 1979 schließlich gehängt. Daraufhin wurde Benazir Bhutto vom neuen Machthaber unter Hausarrest gestellt. 1984 wurde ihr erlaubt auszureisen. Sie ging nach Großbritannien und wurde Exilführerin der Partei ihres Vaters, der PPP (Pakistan Peoples Party).
1988 fanden erstmals nach elf Jahren wieder demokratische Wahlen in Pakistan statt. Benazir Bhutto gewann diese und wurde als erste Frau in einem islamischen Land Premierministerin. Ihre Regierung währte jedoch nur 2 Jahre. Schon 1990 wurde sie wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt. 1993 gelang es ihr ein zweites Mal, an die Spitze der Regierung gewählt zu werden. Doch auch diesmal wurde die Regierung nach 3 Jahren 1996 wegen erneuter Korruptionsvorwürfe aufgelöst. Benazir Bhutto bestritt diese Vorwürfe. Es kam nie zur Anklage. Von 1999 bis 2007 lebte sie im Exil in Dubai und den Vereinigten Staaten.
Sie war also keine Unbekannte auf dem politischen Parkett, ihr plötzliches Auftreten kein Zufall. Es gab Spekulationen, nach denen die amerikanische Regierung, besorgt ob Musharraf´s Schwäche, einen Deal mit Selbigem und Bhutto eingefädelt hat. Demnach sollte Musharraf seine Uniform ablegen und damit auch seinen Oberbefehl über das Militär, dürfe aber weiter Präsident bleiben. Benazir Bhutto sollte wieder als Premierministerin installiert werden.
Dieses Vorgehen erscheint in keinster Weise demokratisch und seine Umsetzung fragwürdig. Zwar hat Musharraf seinen Teil mittlerweile erfüllt und zeigt sich nun der Öffentlichkeit im Anzug. Aber ändert das wirklich etwas und wird er sich jetzt, da die Oppositionsführerin tot ist, weiter dazu verpflichtet fühlen? Desweiteren hätte Benazir Bhutto gar keine dritte Amtszeit als Premierministerin antreten dürfen. Denn die pakistanische Verfassung sieht maximal zwei Legislaturperioden für den Premier vor.
An diesem Tag berichteten alle Sender von ihrer triumphalen Ankunft in Karachis. Es wurden jubelnde Massen gezeigt und eine Frau, welche nichts weniger zum Ziel hatte, als Pakistan von Pervez Musharraf und seinem Militärregime zu befreien und die Demokratie im Land zu etablieren.
Das klang zu schön um wahr zu sein. Um Mitternacht desselben Tages wurde dieser Siegeszug dann auch jäh durch zwei Sprengsätze, welche in unmittelbarer Nähe von Bhuttos Konvoi explodierten, beendet.
135 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben. Benazir Bhutto blieb unverletzt. Doch nur 69 Tage später hatte sie nicht mehr so viel Glück. Sie wird auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem Selbstmordattentäter beschossen und stirbt durch eine Bombe, welche der Terrorist unmittelbar nach den Schüssen zündet. Mit ihr verloren noch etliche weitere Menschen ihr Leben. Zurück bleibt ein Land im Schockzustand. Wieder einmal haben Terroristen einen Hoffnungsträger der Demokratie ermordet und somit die Hoffnung vieler Millionen Menschen auf Frieden und Stabilität vernichtet. Doch wer war Benazir Bhutto, und woher hatte sie diese Macht, welche sie letztlich das Leben kostete? Sie war die Tochter des ehemaligen Premierministers von Pakistan, Zufikar Ali Bhutto. Sie studierte in Harvard und Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaftslehre. Nach ihrem Studienabschluss kehrte sie nach Pakistan zurück. 1977 wurde ihr Vater nach einem Putsch inhaftiert und 1979 schließlich gehängt. Daraufhin wurde Benazir Bhutto vom neuen Machthaber unter Hausarrest gestellt. 1984 wurde ihr erlaubt auszureisen. Sie ging nach Großbritannien und wurde Exilführerin der Partei ihres Vaters, der PPP (Pakistan Peoples Party).
1988 fanden erstmals nach elf Jahren wieder demokratische Wahlen in Pakistan statt. Benazir Bhutto gewann diese und wurde als erste Frau in einem islamischen Land Premierministerin. Ihre Regierung währte jedoch nur 2 Jahre. Schon 1990 wurde sie wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt. 1993 gelang es ihr ein zweites Mal, an die Spitze der Regierung gewählt zu werden. Doch auch diesmal wurde die Regierung nach 3 Jahren 1996 wegen erneuter Korruptionsvorwürfe aufgelöst. Benazir Bhutto bestritt diese Vorwürfe. Es kam nie zur Anklage. Von 1999 bis 2007 lebte sie im Exil in Dubai und den Vereinigten Staaten.
Sie war also keine Unbekannte auf dem politischen Parkett, ihr plötzliches Auftreten kein Zufall. Es gab Spekulationen, nach denen die amerikanische Regierung, besorgt ob Musharraf´s Schwäche, einen Deal mit Selbigem und Bhutto eingefädelt hat. Demnach sollte Musharraf seine Uniform ablegen und damit auch seinen Oberbefehl über das Militär, dürfe aber weiter Präsident bleiben. Benazir Bhutto sollte wieder als Premierministerin installiert werden.
Dieses Vorgehen erscheint in keinster Weise demokratisch und seine Umsetzung fragwürdig. Zwar hat Musharraf seinen Teil mittlerweile erfüllt und zeigt sich nun der Öffentlichkeit im Anzug. Aber ändert das wirklich etwas und wird er sich jetzt, da die Oppositionsführerin tot ist, weiter dazu verpflichtet fühlen? Desweiteren hätte Benazir Bhutto gar keine dritte Amtszeit als Premierministerin antreten dürfen. Denn die pakistanische Verfassung sieht maximal zwei Legislaturperioden für den Premier vor.
Die Korruptionsvorwürfe gegen Benazir Bhutto konnten nie geklärt werden. Nur unter einer rechtlich zweifelhaften Amnestie konnte sie überhaupt in ihr Heimatland zurückkehren. Die Wahrheit hat sie nun mit ins Grab genommen. Doch was auch immer an diesen Vorwürfen dran ist, so war sie doch eine Hoffnungsträgerin für ein Land, welches sich nach Frieden und Stabilität sehnt. Sie konnte ihre Ziele nicht mehr selber erreichen. Aber vielleicht strahlen ihre Persönlichkeit und ihre Ideale auch über ihren Tod hinaus und sorgen für eine Fortführung der demokratischen Bestrebungen in Pakistan. Um den Willen und die Ideen von Benazir Bhutto weiter zu führen und umzusetzen, hat ihr 19-jähriger Sohn Bilawal Bhutto Zardari am 30. Dezember 2007 den Parteivorsitz der PPP übernommen.
von Stefanie Bruns
Sehr viel Wasser, ein Junge und ein Tiger
Nein, hier geht’s nicht um Janosch, wie aus dem englischen Titel „Life of Pi“ eher deutlich wird, sondern um eine wunderbare Erzählung vom Leben des Inders Piscine Molitor Matel.
Piscine, aufgrund der fehlenden Französisch-Kenntnisse seiner Lehrer und Mitschüler oft Pissin genannt und somit vielen Spöttereien ausgesetzt, kann im Laufe seines Schülerlebens den Namen Pi für sich beanspruchen. Mit diesem Namen, seiner Familie und einem kompletten Satz Zootiere reist er auf einem Schiff nach Kanada, einem vermeintlich besseren Leben entgegen. Der alte Dampfer sinkt eines Nachts jedoch auf den Grund des Pazifiks und Pi schwimmt als einzig Überlebender alleine in einem Rettungsboot. Einzig Überlebender? Nein, nicht ganz: Ein großer bengalischer Tiger hat die Katastrophe ebenfalls überlebt.
Was nun beginnt ist ein anrührende und teils tragische, teils komische Geschichte über Glaubensfragen, Tigerzähmung, Vegetarier und Weltansichten eines Schiffbrüchigen, die den Leser das Salzwasser auf der Zunge schmecken lässt. Yann Martel malt mit seinen Worten zarte und raue, stille und wilde Bilder und lässt einen nach der Lektüre noch lange über die merkwürdigen Begebenheiten mitten im stillen Ozean nachdenken.
Piscine, aufgrund der fehlenden Französisch-Kenntnisse seiner Lehrer und Mitschüler oft Pissin genannt und somit vielen Spöttereien ausgesetzt, kann im Laufe seines Schülerlebens den Namen Pi für sich beanspruchen. Mit diesem Namen, seiner Familie und einem kompletten Satz Zootiere reist er auf einem Schiff nach Kanada, einem vermeintlich besseren Leben entgegen. Der alte Dampfer sinkt eines Nachts jedoch auf den Grund des Pazifiks und Pi schwimmt als einzig Überlebender alleine in einem Rettungsboot. Einzig Überlebender? Nein, nicht ganz: Ein großer bengalischer Tiger hat die Katastrophe ebenfalls überlebt.
Was nun beginnt ist ein anrührende und teils tragische, teils komische Geschichte über Glaubensfragen, Tigerzähmung, Vegetarier und Weltansichten eines Schiffbrüchigen, die den Leser das Salzwasser auf der Zunge schmecken lässt. Yann Martel malt mit seinen Worten zarte und raue, stille und wilde Bilder und lässt einen nach der Lektüre noch lange über die merkwürdigen Begebenheiten mitten im stillen Ozean nachdenken.
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger
Signatur: 383024
Signatur: 383024
von Ihna Grensemann
Von Leid und Liebe, Tränen und Träumen
Jeder kennt das Tagebuch der Anne Frank. Die Geschichte eines jüdischen Mädchens, das sich vor den Nazis versteckt hielt und schließlich doch sterben musste. So tragisch es auch ist, so war ihr Schicksal leider doch kein Einzelfall.
Ebenso erging es einem jüdischen Mädchen in Rumänien, Selma Meerbaum Eisinger. Auch sie lebte erst in einem Ghetto bevor sie schließlich mit 18 Jahren in ein Arbeitslager deportiert wurde und dort verstarb. Auch sie hat der Nachwelt etwas hinterlassen:
Auf abenteuerliche Weise wurde durch all die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit ein Gedichtband mit 57 Gedichten gerettet. Der Band trug den Namen Blütenlese und so heißt er auch heute noch. Darin enthalten sind sowohl ihre Übersetzungen von Gedichten, also auch eigene Gedichte. Geschrieben in einer unwägbaren Zeit und ihrer großen ersten Liebe gewidmet. Ihre Sprache war Deutsch und ihre Worte entfalten große Kraft.
Nicht selten möchte man weinen, immer ist man berührt, und niemals kann man sich diesen Versen entziehen.
Selma Meerbaum-Eisinger: Blütenlese
Signatur: 140 815
Signatur: 140 815
von Stefanie Bruns
Märchenhafter Mieterschutz
Eines Tages stand unser Vermieter vor der Tür, und fragte, ob er für ein paar Tage bei uns wohnen könne. Seine Freundin hatte ihn rausgeworfen, weil er sie mit ihrer Schwester, ihrer Mutter und ihrem Friseur betrogen hatte. |
![]() Eigentlich war uns nicht ganz wohl bei der Sache, aber wir trauten uns nicht, ‚nein‘ zu sagen, immerhin gehörte ihm unsere Wohnung. Besonders Charlene war genervt von seiner ebenso plumpen wie schmierigen Art. |
![]() Wir hielten eine Krisensitzung, kamen aber zu keinem Ergebnis. Was sollten wir tun? Einfach abwarten, bis er von selber ging? Ihn rausschmeißen? Selber ausziehen? Seine Freundin bitten, ihm zu verzeihen? |
![]() Plötzlich flog eine Fee herein. Sie schoss mit ihrem Zauberstab auf Tequila-Tony, der hinter der Tür gelauscht hatte. In einem gleißenden Lichtblitz schmolzen er und all unsere Probleme zu einem Gedankenpups zusammen. Phantasien können so schön sein… |
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Können auch Gedankenpupse noch nerven? Befindet sich die WG in der nächsten Ausgabe wieder in trauter Viersamkeit? Zieht Tequila-Tony erneut bei seiner Freundin ein oder hat er ein sportliches Verhältnis mit Enrico? Könnte es sein, dass das immer noch leerstehende Zimmer doch noch vermietet wird? Vielleicht das alles, aber bestimmt vieles mehr erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe. Seid gespannt!
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von Stefan Hirsch
Der Schöne und das Biest
Wer kennt ihn nicht, den männlichen Handlanger Ullas?! Der sonnen(bank)gebräunte Sunnyboy gehört genau so zum Bistroinventar wie unsere erste Säule. Über eine Stellenausschreibung gings vor fünf Jahren zum Studentenwerk Osnabrück. Vor der Tätigkeit im Studentenwerk Osnabrück war der 33-jährige beim Bund, ganze vier Jahre! Nun steht der gelernte Koch Rede und Antwort zur Arbeit und zum Privaten.
Also du hast richtig Karriere beim Bund gemacht? Mit Grundausbildung und allem drum und dran? Und dann ging’s an den Herd?
Genau. Ich hab mich freiwillig gemeldet beim Bund. Danach hab ich dann ein halbes Jahr gar nichts gemacht. Und dann… wo war ich denn überall. In Syke, in der Feinkostproduktion. Hat mit Koch eigentlich nichts zu tun; da musste man eher Maschinen bedienen. Dann ging’s ins Hotel Bremer Tor hier in Vechta, danach war ich im Famila-Center.
Für welches Gericht bist du denn berühmt? Was kannst du besonders gut? Was attestieren dir deine Freunde?
Ach, ich kann am besten Brötchen schmieren. Und Pommes.
Aber du musst doch irgendwas im Petto haben als gelernter Koch?
Für Freunde koch ich italienisch.
So, jetzt mal zu den harten Fragen: Wie oft bist du im Sonnenstudio zu finden? Obwohl, ist das jetzt so eine gemeine Frage? Ist doch eigentlich kein Geheimnis (?)
Ich geh gar nicht ins Solarium. – Ja, ok. Zweimal die Woche Steckdose. Auch mal drei- oder viermal.
Auch ganzjährig dann?
Ja klar. Wenn ich nicht in den Urlaub fliegen kann, geh ich ins Solarium. (Pause) Sieht man das denn so stark?
Nein nein. Aber ein bisschen lässt dein Teint darauf schließen. Also der Verdacht ist da.
Außerdem wohn ich neben einem Sonnenstudio.
Ok, wenn nicht gerade Sonnenbank, wo tankst du sonst gerne Sonne, jetzt mal reisetechnisch?
Eigentlich nur Spanien. Mallorca. Ibiza. Gran Canaria. Teneriffa.
Von welchem Ort würdest du am ehesten fliehen?
Vor Ulla.
Wie? Überall, wo Ulla ist? So anstrengend?
Ja. Naja, ok, es gibt halt Tage, da haben wir Spaß und halt auch Tage, an denen das weniger der Fall ist. Aber nach acht Stunden Ulla ist man schon mal froh, wenn man an einem Ort ist, an dem man seine Kollegen nicht sieht.
Na gut, dann kommen wir doch mal zu eurem Verhältnis? Wie würdest du das sonst noch beschreiben?
Ach, im Grunde spaßig, witzig. Kann auch mal ernst sein. Hin und wieder kracht’s auch. Aber das ist ja normal.
Also ein professionell freundschaftliches Verhältnis?
(lacht) Ja, stimmt. Klappt wunderbar.
Und mal auf ein Bierchen treffen, abends?
Ich bin bei Ulla schon ein paar Mal gewesen. Habe weder Sekt noch Bier bekommen. Das muss in die Zeitung rein, auf jeden Fall.

Vom Bund ins Bistro – Jörg
Foto: René Kohn
Dass du von Ulla nichts angeboten bekommen hast? Machst du das denn wenigstens? Also bist du Gastangeber?
Ja, aber natürlich.
Also musst du dir die Getränke selbst mitbringen. Kommen wir zum nächsten: Welches Filmpärchen wärt ihr?
Also auf jeden Fall die Schöne und das Biest. In umgekehrter Reihenfolge.
Schon mal über die Zeit danach nachgedacht?
Also ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, noch mit fünfzig im Bistro zu sitzen. Wobei ich mich momentan hier richtig wohl fühle.
Also bleibst du uns noch ein wenig erhalten?
Ja klar, länger als…(Pause) zum Beispiel meine Kollegin…
Wie? Gibt’s Gerüchte um Ulla? Erzähl!
Naja, irgendwann wird sie auch in Rente gehen.
Das stimmt wohl, aber das ist ja noch hin. Ulla ist doch noch jung.
Ja klar, sie ist 33.
Ach so, ich dachte, sie ist 29.
Und weiter geht’s: Das peinlichste Erlebnis im Bistro?
Und weiter geht’s: Das peinlichste Erlebnis im Bistro?
Peinliches im Bistro. Hm, eigentlich gab’s da nichts. Was Peinliches ist mir mal in der Mensa an meinem zweiten oder dritten Arbeitstag passiert. Da hat mir jemand an der Ausgabe nen Zettel zugesteckt und gesagt; „Kannst mich anrufen, wenn du magst.“ Da ruf ich doch nicht an, hab ich mir gedacht, ich bin doch nicht bescheuert.
Also hast du’s nicht gemacht? Ist nichts draus geworden?
Piep. (Soll wohl „Ja“ heißen, Anm. der Redaktion)
Ja, ja. Kontaktbörse Mensaschlange. Alles klar. Na gut, ich frag da jetzt auch nicht nach. Gibt’s ihn noch an der Uni?
Nein.
Na gut, kommen wir zur schönen Seite des Arbeitslebens, wobei das Letztere jetzt ja scheinbar nicht ganz so übel gewesen ist. Also, das fand ich besonders…
(denkt nach)
Hat dich berührt, bewegt, begeistert…
Hm, ne, also alles…
gleichmäßig toll.
Ja, ich bin super glücklich. Eine bessere Arbeit hatte ich noch nicht. Macht Spaß, jeden Tag was anderes. Nette Leute.
Ja schön. Was machst du eigentlich im Sommer? Ich meine mich zu erinnern, dass du auch gerne mal acht Wochen fern der Uni bleibst.
Ach du, sind auch mal zehn Wochen. Ja, was mach ich da. Die ganze Zeit im Urlaub geht ja auch nicht. Eigentlich faulenzen, faulenzen, faulenzen. Erholen. Irgendwann besuch ich dann auch mal wieder das Bistro, so nach ein paar Wochen, weil die ganze Zeit zu Hause sein, geht nicht. Dann ist ja auch noch Schützenfest, Stoppelmarkt, Diepholzer Großmarkt. Und dann ist die Zeit auch schon wieder vorbei.
Das wünsche ich euch allen 2008:
Sollen alle so bleiben wie sie sind.
Und wenn sie nicht zufrieden sind?
Wenn sie nicht zufrieden sind, dann müssen sie halt daran arbeiten. Also ich muss sagen, dass 2007 für mich ein wirklich gutes Jahr war, von daher kann alles so bleiben.
Gut, also hast du alles gerissen, was du reißen konntest?
Äh, wie meinst du das jetzt?
Naja, am Ende kam jetzt ja sogar noch nen Interview mit der Zeitung heraus. Also, goldener Abschluss, oder?
Ja.
Das Interview führte René Kohn.
Wildeshausen – Die Alternative zu Schöner wohnen
![]() ![]() ![]() Fotos: Björn Franke
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Wildeshausen. Das klingt wild, prosaisch, und wie der Gegenentwurf zu Schöner Wohnen. Stehen hier die Regale, die Jaqueline in ihren Bann zogen? Entdeckte hier der Techno-Wikinger seine Liebe zur elektronischen Musik? Wohl kaum. Doch was erwartet einen in dem Ort, dessen trashiger rosa Bahnhof wahrscheinlich jedem auf dem Weg nach Bremen schon mal aufgefallen ist?
![]() ![]() ![]() ![]() Fotos: Björn Franke
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Die Vorbereitung der Fahrt verlief enttäuschend. Der Luftkurort Wildeshausen ist die älteste Stadt im Oldenburger Land, und mit rund 18000 Einwohnern nur unwesentlich kleiner als Vechta. Eigentlich sollte es also genug geben, worüber es sich lohnt zu berichten. Doch das Druckereimuseum wird in den Wintermonaten nur sporadisch geöffnet, das Brennereimuseum ebenso. Die Großsteingräber, eine aus der Jungsteinzeit erhaltene Grabanlage, liegen deutlich außerhalb, kommen also vor allem dann als Ziel in Frage, wenn man mit dem Auto nach Wildeshausen fährt, und wollen nicht so recht in unsere Unterwegs-Rubrik, in der wir mit der Nord-West-Bahn reisen, passen. Bleiben also noch die Innenstadt und die Alexanderkirche. Na toll! Wobei die Innenstadt gefällt. Klar, als Jagdrevier für jemanden, der den Vorsatz gefasst hat, mit Hardcore-Shopping seinen Dispo auf Anschlag zu bringen, eignet sie sich weniger. Aber mit ihren alten Häusern, die aus diesen für Norddeutschland so typischen roten Backsteinen gebaut sind, und den vielen kleinen Geschäften verströmt sie ein nettes Kleinstadt-Flair, das Vechta mit seiner etwas sterilen Großen Straße fehlt. Und auch wenn es um diese Jahreszeit so interessant ist wie gelber Schnee: Der Weihnachtsmarkt ist wirklich schön. Mit Kinderkarussell und den üblichen Bratwurst-, Mandel- und Glühweinbuden erstreckt er sich reizvoll arrangiert über den von zum Teil historischen Gebäuden umrahmten Marktplatz. Lediglich vom Kauf eines Überraschungspaketes sollte man absehen: Unseres enthielt ein neonfarbiges Haargummi und ein äußerst hässliches Portemonnaie. Wer glaubt, dass es jemanden gibt, der sich über so etwas freut, würde auch einem Veganer ein T-Bonesteak braten. Die Alexanderkirche existiert bereits seit dem 9. Jahrhundert, und ist die älteste Kirche im Oldenburger Land. Der eindrucksvolle rote Backsteinbau zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten Wildeshausens, seine ehemals zwei Türme – heute ist es nur noch einer – finden sich in dem Wappen der Stadt wieder. Gegessen haben wir in der Brasserie am Marktplatz. Der Salat war gut, die Nackensteaks fettig und gut, die Preise fair. Als Luftkurort hat Wildeshausen natürlich auch einen Kurpark. Im Sommer ist es in dem an der Hunte gelegenen Park sicher schön, bei winterlicher Kälte und mit kahlen Bäumen hingegen mäßig spannend. Vor der Kurmuschel stehen keine Haltung annehmenden Rentner, sie scheint als Treffpunkt von Jugendlichen zu dienen und lässt einen dankbar dafür sein, dass man in einer Großstadt aufgewachsen ist. Wer sich noch an Sarah Connor erinnern kann, hat gute Chancen, ihr in Wildeshausen persönlich zu begegnen. Die 27-jährige Sängerin, die 2005 bei der Eröffnung der Allianz Arena mit „Brüh im Lichte dieses Glückes“ unfreiwillig eine höchst individuelle Version der deutschen Nationalhymne sang, dürfte wohl die prominenteste Einwohnerin der Stadt sein.
Mit der Fun Factory gibt es in Wildeshausen sogar eine Großraumdisco. Die Fun – ja, man sagt tatsächlich DIE – öffnet Freitags, Samstags und manchmal auch in der Woche, Informationen zum Programm finden sich auf ihrer Homepage (www.funfact.de). Hier könnt ihr auf drei verschiedenen Areas die ganze Nacht durchtanzen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Während es in der Soul Suite „strictly Black Music“ heißt, sorgen die Resident DJs in der Mainhall der Fun Factory z.B. mit Charts, Black, Pop und Dance für Stimmung. Für „Snacks & more“ ist im Disco eigenen Restaurant auch gesorgt. Wer also die Nacht in tanzender Bewegung verbringen will, der ist in einer der größten Discotheken im Nordwesten der Republik mehr als gut aufgehoben. Am Mega Snow Party Weekend (18- 19.01) könnt ihr die FUN gleich testen, die Veranstalter garantieren Neuschnee im ganzen Laden.
von Stefan Hirsch und Melanie Ehlert
Und so erreicht ihr Wildeshausen:
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Hin: Vechta – Wildeshausen Mo.-Fr. 5:29 – 20.29 st. Sa. 7:29 – 12:29 + 13:29 – 19:29 st. So. 9:29, 11:29, 13:29, 15:29 + 17:29-20:29 st. |
Zurück: Wildeshausen – Vechta Mo.-Fr. 7:00- 23:00 st. Sa. 9:00- 19:00 st. + 21:00, 23:00 So. 11:00- 17:00 zweist. + 18:00- 23:00 st. |
Bilderalbum
Unser Semesterticket – ein Streitgespräch
Pro
Die Wintersportgebiete im Harz, die Badeorte an der Nordsee, dazwischen Städte wie Hannover, Hamburg und Wildeshausen: Niedersachsen ist nicht wirklich scheiße. Wer sich davon erst noch überzeugen muss, kann es dank des Semestertickets der Deutschen Bahn völlig kostenlos. Vorausgesetzt natürlich, er studiert nicht in Vechta. Im Gegensatz zu anderen niedersächsischen Universitäten gilt unser Semesterticket nur im deutlich kleineren Streckennetz der Nord-West-Bahn.
Angeblich haben wir das selber so gewollt: Vor Jahren hat es Umfragen gegeben, denen zufolge die Vechtaer Studenten kein Interesse an einem niedersachsenweit gültigen Semesterticket, dass Mehrkosten von ca. 57,- € pro Halbjahr bedeuten würde, haben. Doch ist dieses Nein noch aktuell? Viele von uns sind Pendler und Wochenendheimfahrer, eine Bahncard 50 kostet mittlerweile selbst mit Ermäßigung 110,- €, ein Liter Normalbenzin fast 1,40 €, das Semesterticket würde sich für die meisten innerhalb kurzer Zeit bezahlt machen.
Auch andere Gründe wurden angeführt:
Angeblich haben wir das selber so gewollt: Vor Jahren hat es Umfragen gegeben, denen zufolge die Vechtaer Studenten kein Interesse an einem niedersachsenweit gültigen Semesterticket, dass Mehrkosten von ca. 57,- € pro Halbjahr bedeuten würde, haben. Doch ist dieses Nein noch aktuell? Viele von uns sind Pendler und Wochenendheimfahrer, eine Bahncard 50 kostet mittlerweile selbst mit Ermäßigung 110,- €, ein Liter Normalbenzin fast 1,40 €, das Semesterticket würde sich für die meisten innerhalb kurzer Zeit bezahlt machen.
Auch andere Gründe wurden angeführt:

Das Semesterticket
ziemlich überschaubar
ziemlich überschaubar
Die Bahn habe kein ernsthaftes Interesse, den Vechtaer Studenten ein Semesterticket zur Verfügung zu stellen, denn die Hochschule Vechta sei zu klein, der Bahnhof zu weit weg. Außerdem müsse die Uni eine heftige Vertragsstrafe zahlen, falls die Rechnung der Bahn zu spät bezahlt werden würde. Unüberwindliche Hürden? Unlösbare Probleme? Zumindest Vertragsstrafen lassen sich vermeiden, indem der Vertag einfach erfüllt wird. Für unsere Studentenvertreter ist das Thema Semesterticket mittlerweile durch. Zu Recht? Was spräche dagegen, erneut herauszufinden, ob sich die Mehrheit von uns ein solches Ticket wünscht, und – wenn das der Fall sein sollte – dafür zu sorgen, dass wir es bekommen?
von Stefan Hirsch
Contra
Unsere Pendler nutzen größtenteils das Auto und haben keine Lust auf die Bahn. Dazu kommt, dass alle Nichtpendler natürlich auch nicht einsehen, nicht 57,00 Euro, mehr bezahlen sollen für nichts.
Diese Diskussion führen wir in schöner Regelmäßigkeit, jedenfalls solange ich an dieser Uni bin, und das sind schon 3,5 Jahre. Der Asta hat sich diesbezüglich auch schon mit der Deutschen Bahn auseinandergesetzt. Die ist grundsätzlich nicht wirklich interessiert, weil Vechta nun mal keinen DB Bahnhof hat und erst ab Bremen bzw. Osnabrück dieselbe genutzt werden könnte.
Dazu kommt noch, dass wir mit 3500 Studierenden verhältnismäßig klein sind und es deshalb für die Bahn nicht gerade attraktiv ist, mit uns Geschäfte zu machen.
Dazu kommt noch, dass wir mit 3500 Studierenden verhältnismäßig klein sind und es deshalb für die Bahn nicht gerade attraktiv ist, mit uns Geschäfte zu machen.
Auch nicht unerheblich sind natürlich die Bedingungen eines solchen Vertrages. Hier müssen wir uns nur an die Unstimmigkeiten mit der NWB erinnern. Das fängt bei laminierten oder vorläufigen Studentenausweisen an und lässt sich fortführen. Da die DB nun aber um einiges größer ist, sieht deren Vertrag auch Vertragsstrafen vor. Diese haben eine ganz erhebliche Höhe und würden fällig werden, wenn zum Beispiel die Überweisung nicht rechtzeitig kommt. Nun kennen wir die Uni und ihre Studenten. Da werden Studiengebühren und Semesterbeiträge zu spät gezahlt, im schlimmsten Fall erst nach Mahnung. Dann muss das Geld noch verteilt werden (Asta, Studentenwerk, NWB, Studiengebühren, Verwaltung). Das dauert. Der Asta erhält seine Gelder oft erst sehr spät. Deshalb wird angenommen, dass ein Risiko besteht, den Vertrag vielleicht nicht 100 % erfüllen zu können.

Hannover Hbf – per Semesterticket unerreichbar
Foto: Björn Franke
Die Gelder, die dann fällig würden, hätten ganz erhebliche Auswirkungen auf uns alle. Nun kann man sagen, dass das alles eine Frage der Organisation ist und zu lösen wäre. Meiner Meinung nach ist das eher ein strukturelles Problem und eben nicht so ohne weiteres aus der Welt zu schaffen.
Vollversammlungen wegen des Semestertickets gab es in den letzten Semestern des Öfteren. Denn der Asta muss sich jedes Mal die Legitimation der Studentenschaft holen, um den Vertrag zu verlängern. Diese sind nicht nur sehr schlecht besucht, dort wird auch oft über einen Euro mehr gemosert. So wurde zwar seither nicht mehr über ein Niedersachsenticket abgestimmt, aber es scheint eben auch kein Interesse daran zu geben.
Vollversammlungen wegen des Semestertickets gab es in den letzten Semestern des Öfteren. Denn der Asta muss sich jedes Mal die Legitimation der Studentenschaft holen, um den Vertrag zu verlängern. Diese sind nicht nur sehr schlecht besucht, dort wird auch oft über einen Euro mehr gemosert. So wurde zwar seither nicht mehr über ein Niedersachsenticket abgestimmt, aber es scheint eben auch kein Interesse daran zu geben.
von Stefanie Bruns
Von „geraden“ und „ungeraden“ Lebensläufen
Viele Studierende sind sich sicher: Das Leben ist ein Stückweit vorausplanbar. Ziele, die frühzeitig definiert werden, lassen sich mit großem Engagement und viel Disziplin über einen längeren Zeitraum hinweg verwirklichen. So funktionieren die „geraden Karrieren“ der meisten Studierenden in Vechta: Erst das Abitur, dann das Studium, anschließend das Referendariat, um schließlich als Lehrer bis zur Pensionierung an einer staatlichen Schule tätig zu sein. Zudem sind die meisten Studierenden am Beginn ihres Studiums an der hiesigen Hochschule augenscheinlich noch sehr jung. Aber es gibt ja auch noch die Anderen; die Langzeitstudenten, deren Anzahl in Anbetracht der eingeführten Studiengebühren sich in der Zukunft immer weiter verringern wird; die Seniorstudenten und eben jene Studierende, die um die 30 Jahre alt sind und schon eine Berufsausbildung oder vergleichbares absolviert haben, um aus den unterschiedlichsten Motiven heraus nunmehr durch das Studium eine neue berufliche Laufbahn einschlagen. Viele von ihnen sind auf Unterstützung durch das BAföG angewiesen: Von den Eltern erfahren sie im Regelfall keine finanzielle Unterstützung mehr und Nebenjobs sind im Zeitalter des Bachelor-Masterstudiengangs nur noch bedingt möglich. Unterstützung erfahren sie dabei, wie die anderen Studierenden, auch nur dann, wenn es sich dabei um das Erststudium handelt. Genau dies stellt aber die Problematik im Bachelor-Mastersystem dar. Mit dem Erwerb des Bachelor ist das Erststudium beendet, so dass der Masterstudiengang als Zweitstudium gilt. Da der Master of Education aber auf den Bachelor SKN aufbaut, womit beide zusammen einen konsekutiven Studiengang bilden, zahlt das Bafög-Amt im „Normalfall“ auch Leistungen an die Studierenden dieses Masterstudiengangs. Für die „Ü-30“ Studierenden gilt dies aber wohl nicht, wie einem „Ü-30er“ gesagt wurde. Obwohl er sich noch mitten im Bachelor-Studium befand, stellte er schon einen „Antrag auf Vorab-Entscheidung“ bezüglich des Erhalts von Leistungen für die Zeit des Masterstudiums. So einen Antrag kann jeder Studierende stellen. Somit erfährt er, ob ihm für einen bestimmten Zeitraum eine Unterstützung zusteht. In diesem Fall hat der Kommilitone dies aber in der Gewissheit getan, eine schriftlichte Ablehnung zu erhalten, um dann gegebenenfalls juristische Schritte einzuleiten. Groß war seine Verwunderung, als ihm die Leistungen in einem Schreiben des Amtes bewilligt wurden. Wenige Wochen später erreichte alle Studierenden der Hochschule Vechta eine Mail, in der eine Bafög-Zahlung an unsere überdreißigjährigen Kommilitoninnen und Kommilitonen in der Zeit ihres Master of Education Studiums nicht mehr kategorisch ausgeschlossen wurde. Daraus ergeben sich für mich eine Reihe von Erkenntnissen:
- Jeder Studierende sollte einen Bafögantrag stellen, selbst wenn ihm vorher verbal durch seinen Sachbearbeiter wenig Hoffnung gemacht worden ist.
- Die „Ü-30-Studierenden“ stellen an dieser Hochschule zwar eine Minderheit dar, sind aber auch ein Bestandteil des universitären Lebens und Mitglieder der Studierendenschaft.
- In unserer Gesellschaft gibt es nicht nur „gerade Karrieren“, die linienförmig verlaufen. So mancher Studierende wird möglicherweise einmal umdenken müssen. Im Leben eines Menschen kann es immer passieren, dass zunächst vorgezeichnete Wege auf einmal nicht mehr begehbar sind. Dafür können sich dann aber Türen öffnen, die vorher fest verschlossen waren.
von Ralf Weber
„Ohne Musik geht gar nichts“
Noch vor der großen Weihnachtspause trafen wir uns mit Safet und seinem Freund Christoph. Beide kennen sich aus der Schule, und die Musik hat sie zueinander gebracht. Nun arbeiten sie zusammen an verschiedenen Projekten. Was Safet über Kekse und Krümel denkt und was der „King of Queens“ mit ihm zu tun hat, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.
Hallo, schön dass du es einrichten konntest.
Ja, ich hab mir die Zeit genommen, bei dem Terminkalender… (lacht)
Also, ordentlich ausgefüllt der Terminkalender?
Ja, genau. (lacht) Nein, überhaupt nicht eigentlich, ich mach ja grad das Examen und habe keine Vorlesungen nebenbei, so dass ich eigentlich relativ viel Zeit habe.

So präsentiert sich
Safet im Studi-VZ
Safet im Studi-VZ
Foto: Safet Fotiou
Manche sagen ja immer, im Examen hat man keine Zeit, aber ich hab wohl welche. Wenn man sich das Lernen vernünftig einteilt, geht das.
Okay. Wie viel Zeit nimmt denn die Musik für dich in Anspruch?
Das ist eigentlich die restliche Zeit. Also, echt viel, das kann ich jetzt so nicht schätzen. Aber ohne Musik geht gar nichts. Musik ist immer dabei, entweder läuft sie oder ich mache sie.
Wie lange machst du schon Musik?
Eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Als kleines Kind mit Keyboard angefangen. Und so professioneller, auch mit Aufnehmen, seit ein paar Jahren.
Also hast du auch richtig Klavier gelernt?
Ich hab mir das autodidaktisch beigebracht. Ich spiele nur nach Gehör, nicht nach Noten. Aber mittlerweile kann ich sie auch lesen.
Wie lange machst du schon Musik?
Also, wie gesagt, sehr lange schon. Irgendwann, wenn ich es mir leisten kann, will ich ein eigenes kleines Studio haben.
Was genau ist das für eine Musikrichtung, die du machst? Kann man das festlegen?
Ich glaube schon. Das geht so in die R´n´B-Soul-Pop-Richtung, würde ich sagen. Wobei mein Geschmack weit gefächert ist, ich höre mir gerne Rock an, Jazz, also wirklich alles.
Kannst du dir vorstellen, auch was in einer Band zu machen oder bist du eher so der Solokünstler?
Ne, überhaupt nicht, ich hab sogar ein paar Projekte, wo wir eine Band haben, mit Schlagzeug, Gitarre und so. Mache ich sogar gerne, weil es ne andere Richtung, ein anderer Stil ist. Ich probiere gerne rum, bin nicht zu festgelegt.
Ich habe da so ein Gerücht gehört und will das jetzt mal gerne bestätigt haben: Popstars, da gewesen?
Ja, bei Popstars war ich auch schon mal, das war so vor 5 Jahren, als die die Band NuPagadi gecastet haben. Der eine in der Jury war, glaube ich, der Produzent von Nena.
Uwe Petersen?
Genau. Er hat gesagt: „Du bist sehr musikalisch, passt aber einfach nicht ins Konzept.“ Nu- Pagadi – da bin ich schon sehr froh, dass es da nicht weitergegangen ist. Ein anderes Casting, was mich eher geprägt hat, war Fame Academy, ich weiß nicht, ob ihr davon gehört habt. Da hab ich mal mitgemacht und bin unter die letzten 60 gekommen, also recht weit. Das war auch eine Erfahrung, die mich geprägt hat. Da gab’s ne Bewerbung, da musste man ne CD hinschicken mit Songs. Und aus den 5000 Bewerbungen wurden die besten 100 ausgewählt. Und das ging dann weiter, bis nach Köln. Und ich glaube, die letzten 18 sind dann in dieses Haus gekommen. Erfahrungen habe ich also reichlich sammeln dürfen.
Würdest du denn wieder so ein Casting mitmachen oder war das so ne Pubertätssache?
Also, Pubertät nicht, ich wollt das schon mitmachen, einfach erfahren, wie das so ist. Egal, ob man so was als Sprungbrett benutzen kann oder nicht. Aber mittlerweile halte ich von Catsings nicht mehr so viel. Dann schon eher so über die eigene Schiene, zum Beispiel übers Internet. Das Internet ist mittlerweile so ein großes Portal, jeder kann sich jedem präsentieren. Wie zum Beispiel diese King of Queens- Geschichte. Da gab es viel Feedback, da hat man die Leute erreicht. Lieber so als Casting.
Die King of Queens-Geschichte? Erzähl mehr!
Vor ein paar Monaten lief ja die letzte Staffel von King of Queens im deutschen Fernsehen, und da hatte mein Kumpel Christoph die Idee, dass ein Abschiedssong doch super wäre. Er hat mich dann auch gleich gefragt, weil ich auch großer Fan der Serie bin, und ich sagte nur: Klar, warum nicht? Einfach nur ein Song für die Fans, ein Tribut quasi und das dann vielleicht ins Internet stellen. Ja, und dann hab ich ein Lied gemacht und letztendlich ist daraus dann ein kleiner Erfolg geworden. Christoph hat dazu ein Video gedreht, Ausschnitte aus Episoden von King of Queens, passend zum Text natürlich. Dann haben wir das ins Internet gestellt. Wir haben auch die Cast von King of Queens angeschrieben und Antwort bekommen. Nachdem wir noch viel positives Feedback aus den Fanforen bekommen haben, schrieben wir Njoy an, ob das nicht etwas für sie wäre. Tja, und irgendwann lief es dann im Radio.
Wie stellst du dir vor, könnte es weitergehen? Mit der Musik, mit dem Studium?
Zunächst einmal steht der Abschluss des Studiums im Vordergrund. Wenn das geschafft ist und irgendwann vielleicht mal Geld über ist, dann denke ich sicher über ein eigenes Studio nach mit eigenem Equipment, um dann meine eigenen Sachen aufnehmen zu können.

Foto: Safet Fotiou
Auf jeden Fall möchte ich immer nebenbei Musik machen und wenn dies dann sogar noch mit Erfolg verbunden wäre, dann wäre das schon toll. Im Falle des King of Queens-Songs haben sich schon zwei Plattenfirmen gemeldet, und auch wenn der Song eigentlich nicht aus kommerziellen Gründen entstanden ist, ist allein der Kontakt zu diesen Firmen natürlich schon eine prima Sache
Studierst du denn auch Musik?
Nein, ich studiere Deutsch und Sport. Als ich im Sommer 2002 mit dem Studium begann, hatte ich einfach nicht die Lust, mich mit dem Lernen der Noten zu befassen.
Ist denn in Zukunft noch was mit dem Barbershop Vechta geplant?
Es soll definitiv im Januar ein Auftritt stattfinden. Wir treffen uns wöchentlich mit den Jungs und es macht nach wie vor eine Menge Spaß.
Machst du sonst noch irgendwas an der Uni?
Sport natürlich. Also ich leite hier den Hochschulsport, Fußball. Ja, und wie gesagt, ich habe keine Vorlesungen mehr. Gut, Mensa.
Mensa ist auch eine ganz wichtige Vorlesung (lacht)
Genau.
Im Januar steht das V-City Festival an. Wie stellst du dir das vor? Wie könnte das werden?
Puh, ich hab mir da ehrlich gesagt noch keine Gedanken drüber gemacht. Ich lass mich einfach überraschen.
Es wird auf jeden Fall wieder ein ganz wilder Sound-Mix. Ihr könnt euch da z.B. auf Dark Melodic Rock, Hip Hop und Rock-Pop-Cover freuen.
Klingt nach einer schönen Mischung!
Sekt oder Selters
Weltmeer oder Weiher?
Weltmeer. Ich hab einfach dieses Bild im Kopf, blau und Freiheit.
Keks oder Krümel?
Kekse… ich denke gerade an Butterkuchen und hab voll Hunger.
Also kann man sagen, du gibst dich nicht im Krümeln zufrieden, sondern nur mit Keksen?
Ja auf jeden Fall, ich nehm mir, was ich will. (lacht)
Grabschen oder Gruscheln?
Oh! Mittlerweile gruscheln. Die StudiVZ-Sucht halt.
Mit oder ohne?
Boar!… (macht eine lange Pause und überlegt grinsend) Ich enthalte mich dieser Frage einfach mal…
Vechta oder Wech da?
Vechta. Auf jeden Fall! Ich bin jetzt seit 5 Jahren hier und habe hier so tolle Leute kennen gelernt und Vechta ist mir richtig ans Herz gewachsen. Wenn es ums Nachtleben geht, ist eine Großstadt natürlich spaßiger. Aber zum Leben ist es hier genau richtig.
Irgendwelche letzten Worte?
Hmmm – Freut euch auf mehr von uns.
Das Interview führten Julia Stock und Melanie Ehlert.
Mehr unter: www.myspace.com/safetfotiouchristyles
Licht an oder Licht aus?
Was passiert, wenn man sturzbetrunken auf einer Uni Party rumrandaliert? Richtig! Man kommt, wenn die Polizei gerufen wird, in die Ausnüchterungszelle. Was einen da erwartet und was es für ein Gefühl ist, dort zu sein, haben wir für euch noch vor dem großen Fest getestet.
Ein großes Dankeschön an die örtliche Polizei für diese Erfahrung.
Ein großes Dankeschön an die örtliche Polizei für diese Erfahrung.
45 Minuten anstehen, es ist kalt. Der zuvor zu mir genommene Glühwein und die selbst gemachte Feuerzangenbowle verlieren langsam ihre angenehme, leicht betäubende Wirkung. Mir ist im Gegensatz zur Außentemperatur mächtig warm, aufgrund der drängelnden Personen vor und hinter mir… was ist denn hier los? Ist doch nur ne Uni- Party?!
(1 Stunde später) … die Getränke sagen uns sehr zu – viele Menschen hier, ein Dauergrinsen macht sich auf meinem Gesicht breit, die Musik rauscht in meinen Ohren, ich swinge vor der Theke im Takt des Liedes – 4 Ouzo bitte…2 Charly… 2 Jägi-Cola…2 Bacardi-Sprite…2 Heino…
Melanie Ehlert
Es gibt wohl unzählige Möglichkeiten, wie so ein Abend mit 1,8 Promille enden kann. Drei davon finde ich am interessantesten – oder zumindest an dieser Stelle nennenswert. Da wäre zunächst die Angenehmste: Man tanzt mit guten Freunden in der Dorfdisse zu guter Musik, nimmt sich mit einer schönen Eroberung ein Taxi nach Hause und lässt es anschließend so richtig krachen. Man wacht in einem warmen Bett auf, die Sonne scheint einem aus dem Arsch und alles ist in Butter. Weniger angenehm sieht dagegen die Unfallstation des örtlichen Krankenhauses aus, welche die zweite Endstation eines Abends darstellen kann. In diesem Fall hat man mit einem ordentlichen Brauseschädel entweder direkt vor der Disco das Laufen auf zwei Beinen verlernt und ist mehr oder weniger elegant auf die Nase gefallen, oder man hat sich selbige von Disco-Vitali plätten lassen, da dieser durch das unvollständige Genuschel irgendwie die Keuschheit seiner Mutter in Frage gestellt sah. Weniger schön. Und drittens kann man dort enden, wo ich mich wahrscheinlich gerade befinde: In der Ausnüchterungszelle der Polizeiinspektion Vechta. Weil ich es selbst kaum glauben kann, gehe ich noch mal auf Nummer sicher und teste, ob ich wirklich hier bin. In der Horizontalen befinde ich mich schon mal, das merke ich auch mit meinen geschlossenen Augen. Meine Hände wandern links und rechts neben mich, aber dort liegt kein warmer weiblicher Körper unter einer verschwitzten Decke. Verdammt. Meine Hand geht zur Nase, einmal dran gewackelt, stelle ich erfreut fest, sie ist auch noch ganz. Okay, ich befinde mich also wirklich in der Zelle. Der Schatten der Gitterstäbe, der durch die schmalen Fenster fällt, bestätigt es hinreichend. Auch wenn ich hier unter anderen Voraussetzungen gelandet bin wie der Rest der Klientel, der hier gewöhnlich die Nacht verbringt. Dazu zählen wohl verlassene (Ex-)Freunde, die gedacht hatten, Sorgen könnten nicht schwimmen. Bürohengste, die auf der Weihnachtsfeier beim Flirt mit der Kröger aus der Buchhaltung zu tief ins Feuerzangenbowleglas geschaut haben. Oder Leute, die meinen, Laternen auszutreten, imponiere irgendjemanden. Ich dagegen bin schlicht und ergreifend hier, weil eine liebe Bekannte einen schwachen Moment meiner Person schamlos ausnutzte und sich unter Zeugen den Handschlag und das Versprechen einholte, doch mal eine Nacht für unsere uniVista mein schönes Bettchen aufzugeben und dort zu nächtigen, wo man normalerweise freiwillig nicht hin will. Sie habe da Kontakte, schon klar. Wenigstens macht sie selbst mit. Ändern kann ich daran jetzt nichts mehr, denn wie gesagt, ich befinde mich in einer Zelle. Und Zellen haben in ihrer archetypischen Funktion die Eigenschaft, ihren Insassen großzügigerweise die immer wieder nervige Entscheidung abzunehmen, wo man denn als nächstes hingeht und was man denn jetzt schon wieder als nächstes macht. Aber der Reihe nach. Kurz nach unserer Ankunft im blau-silbernen Passat- Kombi (oder war nur ich blau und habe bloß silberne Sterne gesehen? Egal, ich freue mich übrigens auf meine Kinder. „Als ich in eurem Alter war, waren Polizeiautos noch grün-weiß!“ „Boooah!“) betreten wir durch eine Art Schleuse die kleine, aber feine Polizeiwache Vechtas. Gleich nach hinten durch ins Büro, hinsetzen und pusten. Mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht schiele ich auf das Display des stationären Alkomaten-Test-Geräts. Denn mein Kapitaleinsatz im Waldhof hat dem Pustefix nach tatsächlich eine Rendite von 1,8 Promille erwirtschaftet. Hat sich ja doch gelohnt! Sollte Aktionär werden.
Gleich im Anschluss Handy, Schlüssel, Portemonnaie, Gürtel, Jacke und Schuhe abgeben. Die Kleinteile kommen in einen verschließbaren, abwaschbaren Beutel. Der Rest – man weiß es nicht. Aber so viel Vertrauen sollte man seinem Freund und Helfer schon entgegenbringen.
Gleich im Anschluss Handy, Schlüssel, Portemonnaie, Gürtel, Jacke und Schuhe abgeben. Die Kleinteile kommen in einen verschließbaren, abwaschbaren Beutel. Der Rest – man weiß es nicht. Aber so viel Vertrauen sollte man seinem Freund und Helfer schon entgegenbringen.

Zelle belegt
Foto: Björn Franke
Als der gute Mann aber, der ja auch irgendwie mein Gastwirt ist, sich demonstrativ die weißen Latexhandschuhe überstreift, wurde ich dennoch leicht nervös. Es blieb Gott sei Dank beim bestens durch Film und Fernsehen bekannten Durchsuchen. Hände oben an die Wand, Beine auseinander, ein Griff hier, ein Klopfen dort. Eine fiese Leibesvisitation, bei denen die zumindest maskulin-heterosexuelle rektale Unschuld touchiert wird, war wohl durch meine Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft nicht vonnöten. Dann mal ab in den Bau. Das Grau der Fliesen könnte man sich durchaus auch in seinem eigenen Badezimmer vorstellen. Postmodern und gar nicht mal hässlich. Überhaupt bin ich überrascht, wie geräumig der Raum ist. Hier hätten auch drei bis vier Personen entspannt eingesperrt werden können. Dagegen gibt es nur einen gefliesten Steinsockel, der zusammen mit einer dünnen Plastikmatratze meine Schlafstätte darstellt. Dann sind noch drei Sachen zu klären: Licht an oder aus? Eine oder zwei Decken? Und hier ist der Rufknopf mit Gegensprechanlage, soll ja wohl vorkommen, dass Betrunkene mal aufs Örtchen müssen. Werde mich übrigens beim Reiseveranstalter beschweren, dass ich trotz anders lautendem Prospekt das Klo nicht auf dem Zimmer habe, sondern es mir mit anderen Gästen auf dem Flur teilen muss. Ich entscheide mich für die Option mit zwei Decken und Licht aus. Will ja auch irgendwann mal schlafen. Und dann geht auch schon die Tür zu. Sogleich beginne ich, meine Eindrücke dieser Zelle mit gängigen Vorurteilen abzugleichen. Erstens, wenn eine solch dicke Stahltür abgeschlossen wird, macht es tatsächlich so ein herrlich- tiefsattes „KLACK-KLACK“ wie im Film. Mann. So müsste eine Mercedes S-Klasse klingen, wenn man sie abschließt. DAS wäre chefmäßig-souverän. Dann denke ich, dass der ganze Raum vom Würfelhusten meiner Vorgänger eigentlich höllisch stinken müsste. Tut er aber keineswegs! Und selbst die Decken, die aber eher aussehen wie Einwegdecken und sich auch so rau anfühlen, riechen nicht besonders schlimm. Finde ich zumindest. Kann natürlich aber auch an der Rendite liegen. Nachdem ich mir diese spärlichen Informationen über diesen spärlich eingerichteten Raum in mein spärlich aufnahmebereites Gehirn eingeprägt habe, um sie mangels Stift oder Diktiergerät an dieser Stelle auch gescheit wiedergeben zu können, schlafe ich auch schon recht bald auf der Matratze ein.
Christopher Vielhaber
Licht an – oder Licht aus? Ich entscheide mich für Licht aus, was soll ich hier auch sehen? Die Tür fällt zu, es wird abgeschlossen, das Licht erlischt. Unsicher gehe ich in Socken über den gekachelten Boden und setze mich auf die dünne Latexmatratze. Plötzlich bin ich nicht mehr so überzeugt davon, dass eine Nacht in der Ausnüchterungszelle eine so enorm lustige Idee war… In meinem Kopf und meinen Ohren rauscht es noch von der Party, Bilder fegen durch meinen benebelten Schädel. Ich schaue mich ein wenig um, die Gitterstäbe werfen einen Schatten an die Wand – ich bin tatsächlich eingesperrt. Ein komisches Gefühl. Der Beamte sagte, er würde in einer halben Stunde nach mir sehen – was Christopher wohl gerade macht? Es ist ziemlich seltsam in der Zelle, ich wickle mich in eine der erhaltenen Decken und starre in die Dunkelheit. Mir ist ein wenig schwindelig, die Kacheln der Wand, an die ich mich gelehnt habe, sind hart, kalt und ungemütlich. Ich höre keinen einzigen Ton… nur meinen Atem und das Rauschen in meinen Ohren. Ich lausche eine Weile, da muss ein Beamter über den Flur gehen… aber an der Zellentür tut sich nichts.
Was ich die ganze Zeit gedacht habe? – Ich weiß es nicht mehr so genau, aber es muss einfach ALLES gewesen sein. Wie lange sitz ich denn schon hier? Er hatte doch gesagt, er wollte in einer halben Stunde wiederkommen?

Weiße Kacheln, Matratze, Decke – was ein Luxus
Foto: Björn Franke
Ich ziehe die Knie an den Körper und schlinge die Arme um sie… Wer hier wohl schon so alles gesessen hat? Was der oder diejenige wohl hier gedacht, geschweige denn gemacht hat? Plötzlich durchbricht grelles Neonlicht die Dunkelheit, es schmerzt in den Augen, die Tür wird geöffnet. „Na, alles klar?“ Ich nicke und blinzle leicht benommen „Und? Wie lange bist du schon hier, was meinst du?“ Ich denke kurz nach. „Ganz schön lange, ne dreiviertel Stunde bestimmt.“ Lachend weist der Beamte mich darauf hin, dass ich erst 10 MINUTEN in der Zelle sitze. „Naja, ich komm’ in einer halben Stunde nochmal wieder… Licht an oder Licht aus?“ „Licht aus…“ murmel ich, das wird eine lange Nacht, an Schlafen ist nicht zu denken…
Melanie Ehlert
Als ich durch das inzwischen eingeschaltete Licht wieder aufwache, ist es nur wenige Stunden später und schon Zeit zu gehen. Also rasch zur Rezeption, noch einmal kurz den nur wenig gesunkenen Pegel gemessen, ausgecheckt und Wertsachen zurückerhalten. Frühstück gibt es nicht, also ab zum Bäcker. Da kann mir keiner sagen, ich hätte die Nacht auf Staatskosten verbracht – ist im Normalfall nämlich sauteuer, so ne Aktion, besonders wenn man die Fahrbereitschaft beanspruchen sollte. Alles in allem war es weniger schlimm, als ich befürchtet hatte. Auf ein fröhliches „Auf Wiedersehen!“ habe ich aber mal vorsichtshalber verzichtet.
Christopher Vielhaber
Lachsfilet in Blätterteig mit Spinat
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F
i s c h |
![]() Foto: Björn Franke
für 4 Personen
Zutaten:
Lasse zuerst den Spinat und das Lachsfilet antauen und heize den Ofen auf 200°C vor. Taue die Blätterteigscheiben auf (Achtung! Lasse sie dabei nicht aufeinander liegen, sonst pappen sie zusammen.). Nun schneidest du den Spinat grob und drückst ihn aus. Würfle die Zwiebel und lasse sie in Margarine anschwitzen (so dass sie leicht glasig wird), füge den Spinat hinzu. Würze das Ganze mit Pfeffer, Salz und Muskat und lasse es abkühlen. Währenddessen schneidest du das aufgefundene Gemüse in feine Streifen und mischt diese mit dem Käse unter den Spinat. Nun würzt du das angetaute Lachsfilet mit Zitronensaft, Pfeffer und Salz und schneidest ihn in Stücke. Nimm eine Blätterteigscheibe, tue die Spinatmischung und ein Lachsstück darauf und klappe den Teig zusammen (sieht so ähnlich wie eine große Tortellini aus). Verquirle das Eiweiß mit dem Eigelb und bestreiche damit die Taschen. Backe diese ca. 15 Minuten..
Das Mensateam Vechta und uniVista wünschen einen guten Appetit!
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Kartoffel-Rosenkohlauflauf
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e g e t a r i s c h |
für 4 Personen
Zutaten:
Heize zuerst den Ofen auf 180°C vor. Schäle nun die Kartoffeln, dann koche sie und den Rosenkohl. Verquirle Eier und Milch und würze dies mit Salz, Pfeffer und Muskat. Schneide die Karotten in feine Streifen und mische diese mit dem Rosenkohl, den Kartoffeln und der Eiermilch. Fülle alles in eine Auflaufform, bestreue es mit Käse und gare es ca. 30 Minuten.
Das Mensateam Vechta und uniVista wünschen einen guten Appetit!
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Hor(r)o(r)skop 2008
Während die im Internet als kostenlos versprochenen Jahreshoroskope doch immer 9,99 oder 19,99 Euro kosten, ist unsere grausige Vorschau, das Horrorskop 2008, nicht nur kostenlos, sondern regelrecht umsonst.
Wassermann
Wenn du im Jahr 2007 kleine Brötchen gebacken hast, solltest du das in diesem Jahr auf jeden Fall beibehalten, ist einfach besser für die Figur. Im Studium wirst du beweisen, was in dir steckt, wenn du dir donnerstagmorgens die B1- Party noch mal durch den Kopf gehen lässt. Im Seminar. In der überfüllten Aula. Vielleicht möchtest du auch neue Wege einschlagen. So einen Ruf wird man ja auch schlecht wieder los.
Fische
Es drängt dich nach größeren Veränderungen, Mittelmaß kannst du kaum ertragen. Sei aber gewarnt, Mittelmaß ist immer noch besser als das, was du so machst. Deine Erwartungen an andere sind übertrieben hoch: auch du musst dich mal zum Putzdienst in der WG herablassen. Wenn du mehr erreichen willst im Liebesleben, solltest du einfach mal das Haus verlassen. Menschen kennen lernen ist ein wichtiger Schritt im Sozialleben.
Stier
Gegen Veränderungswünsche im beruflichen Bereich ist nichts einzuwenden, es kann einfach nicht jeder Pädagoge werden. Aber Schuster, bleib bei deinen Leisten: dann halt Lehrer. In der Schule warst du doch gut in Deutsch. Und gebastelt hast du auch immer gern. Aber leider läuft nicht alles so gut. 2008 wird nicht das Jahr der Liebe für dich, schade.
Zwillinge
Zieh doch mal Bilanz und schau, was du bis jetzt in deinem Leben erreicht hast. War ja nicht so viel. Wahrscheinlich bist du damit noch nicht so zufrieden, verständlich. Dann kremple dieses Jahr die Ärmel hoch und pack es an: neuer Name, neues Geschlecht, neue Identität. Wenn du nicht ganz so drastisch vorgehen willst, kannst du dich ja mal engagieren. Zum Beispiel im Hochschulmagazin. Quatsch in Horrorskopen kann jeder verfassen.
Krebs
Man kann ja nicht immer aus dem Vollen schöpfen. Das Jahr 2008 wird finanziell hart für dich. Das BAföG-Amt findet dein verstecktes Konto mit dem Geerbten von Oma. Das heißt Zurück- und Strafe zahlen für dich. Wenn du den Beamten auf Knien anflehst, sieht er vielleicht von einer Anzeige ab. Macht sich nicht so gut im Vorstrafenregister neben dem Eintrag wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz. Oh, das wusstest du noch gar nicht?
Jungfrau
In diesem Jahr neigst du dazu, mehr zu erwarten, als realistisch ist. Zum Beispiel ein Ausreichend in der wichtigen Klausur. Nicht immer bringt Lernen einem zum Ziel, manchmal kommt Bestechung besser. Bleib also auf dem Teppich, sauge den öfters mal ab und werfe einen Blick in deine Geldbörse. Herrscht dort Flut, steht den guten Noten und der körperlichen Liebe nichts mehr im Wege.
Widder
Herzlich willkommen am Arsch! Das neue Jahr verwandelt dein Leben in ein Jammertal aus Schmerz aus und Tränen. Was das konkret bedeutet? Wenn du das wüstest wärst du froh, wenn es dir nicht verraten worden wäre..
Löwe
Die Sterne stehen günstig für dich, eine neue Liebe zu finden. Es wird jemand sein, der dir noch nie über den Weg gelaufen ist, und den du doch irgendwo schon mal gesehen hast. Halte also die Augen auf, wenn du in der Speckfilmabteilung deiner Videothek bist…
Steinbock
Das letzte Jahr war der Hammer? Einfach genial, die geilste Zeit deines Lebens? Tja, dann kann es ja jetzt nur noch bergab gehen. Das gute daran: Man gewöhnt sich an (fast) alles, naja, sagt man zumindest. Aber egal, schon bald wirst du es selbst wissen.
Waage
Mars wirbelt gewaltig Staub auf. Vielleicht gewinnst du einen 7stelligen Geldbetrag. Vielleicht wirst du auch zu unrecht eines Mordes verdächtigt und zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, wer weiß? Tipp: Nicht die Seife aufheben.
Skorpion
Auf zu unbekannten Horizonten! Das Jahr 2008 verhilft dir zu völlig neuen Einsichten und Erfahrungen: Es könnte z.B. sein, dass du herausfindest, dass Zähne beim Küssen nur stören. Oder dass das Dosenpfand eigentlich eine super Sache ist. Astrotipp: Wenn du dieses Jahr gesund bleiben willst, werd besser nicht krank.
Schütze
2007 war eher geht so? 2006 und 2005 auch nicht besonders? Wie wird dann wohl 2008? Unsere Empfehlung: Es muss nicht immer Champagner sein, wenn du weniger erwartest wirst du seltener enttäuscht. Also: Fahrrad statt Ferrari, Youporn statt Hollywood.
von Stefan Hirsch und Julia Stock.
Schenken ist schön…
Wenn die Zeit drängt, kommt zumindest die männliche Kreativität ins Stolpern
Mein Geburtstag steht an. Die letzten zwei Monate habe ich in ahnender Voraussicht – ist ja nicht mein erster Freund – zig Anspielungen auf mögliche Geschenke gemacht. Ich weiß ja, dass sich Jungs irgendwie schwer damit tun, das Passende für ihre Partnerin zu finden. (Das Passende? Was hat mich denn da geritten? Noch mal: Ich weiß ja, dass sich Jungs irgendwie schwer damit tun, überhaupt ein Präsent für ihre Partnerin zu finden.) Also streute ich hier und da mal einen Hinweis, blieb mal länger vor einem Schaufenster stehen oder erzählte von schönen Dingen, „die ich mir aber ja jetzt, so kurz vor meinem Geburtstag, nicht selbst kaufe“. Ich selber wäre bei solch Andeutungen total eingeschnappt, würde es doch bedeuten, dass mein Liebster mir nicht zutraut, ein großartiges Geschenk für ihn auch ohne seine Hilfe zu finden. Mir, die in ihrem Timer extra eine Seite für Geschenkideen hat, die das ganze Jahr sofort brillante Geistesblitze hinsichtlich der Schenkerei einträgt und die immer Augen und Ohren offen hält. Aber rücksichtsvoll wie ich, die evolutionär bedingte Sammlerin mit Weitblick, halt bin, gebe ich Tipps und harre am Geburtstagmorgen den Päckchen, die da kommen. Ha. Ha ha. Könntet ihr mich hören, vernähmt ihr ein trockenes Hüsteln. Ihr fragt euch, was sich denn so Grauseliges im Geschenkpapier verbarg? Es gab gar nichts zum Auspacken, durch die Cellophanhülle des Blumenstraußes konnte ich auch so durchgucken. Rausgeschmissenes Geld für eine zwei Tage lang höchstens gespielte Freude. Was ist denn da von meinen Botschaften nicht angekommen? Was denkt sich ein Mann beim Geschenkekauf? Denkt er dabei überhaupt? Es wird wohl so gewesen sein:
Ein bis zwei Tage vorher erfährt er von meinem Geburtstag. Entweder, weil er es wirklich in seinem Timer/seinem Handy stehen hat, über StudiVZ, oder es fällt ihm im Zuge meiner Geburtstagsvorbereitungen ein. Wenn dann langsam die Zeit drängt, fährt er in die Stadt. Er weiß, dass ich gern lese, hat aber keine Ahnung, welche Bücher ich schon habe. Ein Gutschein kommt ihm dann doch ein bisschen langweilig vor. Und es gibt so viele Möglichkeiten, so viele Dinge, die ihn interessieren würden, er kann das alles gar nicht erfassen, es läuft an ihm vorbei.

© BirgitH / PIXELIO
Und auf einmal ist es kurz vor acht, die Geschäfte schließen bald, leichte Panik erfasst ihn. Er, ganz der Jäger, stürmt den nächsten Blumenladen. „Ich brauche einen Strauß für meine Freundin zum Geburtstag! Er darf ruhig teuer sein.“ Denn ich werde ja sicher seinen guten Willen an den langstieligen und kostspieligen Rosen erkennen…
von Julia Stock
Geschenke müssen in einer funktionierenden Beziehung ja immerhin dreimal im Jahr besorgt werden. Das wäre an Weihnachten, am Geburtstag und am Jahrestag. Aber einfach ein Geschenk kaufen ist aus Sicht der Frau ja tierisch unpersönlich und deswegen sollte man sich schon mindestens 5 Monate vor dem Tag der Tage im Klaren sein, was denn der Freund Schönes braucht. Oder nein: Es wird nichts Brauchbares geschenkt, sondern was Liebes, Persönliches und vor allem Selbstgemachtes. Hier gibt es natürlich haufenweise Optionen, die Frau ziehen kann, aber am persönlichsten und auch fast am beliebtesten ist Folgendes: Erstmal alle Fotos, die je zusammen fabriziert haben, zusammensuchen… eine Collage ist doch wohl das Schönste, was der Herr kriegen kann! Am besten mit mehr Fotos von der Frau als von dem Mann. Wenn dann endlich alles zusammen gesammelt ist, geht es ab in den nächsten Bastelladen. Pappe, Kleber, Glitzersterne… alles eingepackt und ab an die Arbeit. Da Frau ja grundsätzlich feststellt, dass prinzipiell alle Fotos aus einem völlig falschen Winkel aufgenommen wurden, werden im nächsten Monat mehrere Fotoshootings mit der besten Freundin arrangiert. Aber halt: vorher werden noch Klamotten gekauft, damit auch alles wirklich brandneu ist, wenn der Liebste sein Geschenk bekommt. Nachdem auch diese Hürde gemeistert ist, sind es auch nur noch 3 Monate bis zum Jahrestag. Nun folgen die ca. 2- bis 10 Treffen mit der Freundin, es wird alles ins beste Licht gerückt und abgedrückt. Das ganze, vermischt mit den Fotos aus dem letzten gemeinsamen Urlaub, wird auf einen schönen Bogen Regenbogenpappe geklebt und reich verziert.
So. Nun sind es aber noch knappe 2 Monate bis zur Geschenkübergabe. Hmm – da stellt sich die berechtigte Frage, ob es sich wirklich lohnt, solange den Mund zu halten, obwohl er sich doch so sehr freuen würde, oder ob man doch nicht lieber zeitnah die Bombe platzen lassen sollte. Ach was soll’s, er kriegt das Geschenk einfach so, und ich denke mir was Neues aus, was ich ihm zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zum Jahrestag schenken kann. Irgendwie war die ganze Arbeit ja gar keine, sondern eher ein Spaß, der sich gerne wiederholen lässt. Denn verdammt nochmal, er würde es vor seinen Freunden nicht zugeben, aber er ist doch mehr als stolz auf die Frau, die sich eine solche Mühe für ihn gegeben hat.
von Sebastian Dargel


Eines Tages stand unser Vermieter vor der Tür, und fragte, ob er für ein paar Tage bei uns wohnen könne. Seine Freundin hatte ihn rausgeworfen, weil er sie mit ihrer Schwester, ihrer Mutter und ihrem Friseur betrogen hatte.












