No 08 – April 2008

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PDF-Version der 8. Ausgabe

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Punktesekte

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Nach Weihnachten und vor Ostern entscheiden sich viele Bundesbürger für gute Vorsätze. Das Einhalten dieser Vorsätze ist meist schon einer davon, daneben gibt es aber noch die Klassiker: Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, der Liebsten öfter Blumen schenken, Fußballabende vom Freund ruhiger ertragen oder einfach öfter die Lateinvorlesungen besuchen.
Na gut, dass das mit Latein nicht einfach ist, weiß wohl jeder Germanistikstudent, aber abnehmen? Kann doch nicht so schwer sein…
Pünktlich zum Jahreswechsel war es dann soweit: Die bekannteste Abnahmegruppe der westlichen Welt, ja genau, die mit den zwei W, rief zur Gewichtsreduktion auf. Fröhlich lachende Frauen und bunte, frühlingsfrische Werbungen sprangen einem aus dem Fernseher auf das Sofa, direkt neben die Schokolade, und unterstützten die guten Vorsätze darin, den inneren Schweinehund in Ketten zu legen.
Okay, da ich ja schon länger bis immer nicht ganz so zufrieden mit mir war, entschloss ich mich, das örtliche Treffen zu besuchen. “Ein Versuch kann ja nicht schaden!” dachte ich mir und fuhr mit dem Rad (der erste Bewegungspunkt) zum Gruppentreffen. Im Saal eines Restaurants, wie passend, wartete schon eine Schlange Menschen in winterlich untypisch leichtem Outfit, um beim Gang auf die Waage ein gutes Ergebnis zu fördern; andere saßen schon auf den bereitstehenden Stühlen, und es war kalt. Ich mag Kälte nicht. Auf einem langen Tisch standen sämtliche Angebote von kalorienarmer Schlagsahne über kalorienarme Schokoriegel bis hin zu Büchern über kalorienarmes Kochen. Soweit die äußeren Gegebenheiten. Mehr Beobachtung war nicht möglich, denn jetzt stand ich unmittelbar vor der Waage und somit auch vor der Leiterin des Treffens. Sie begrüßte mich, drückte mir ein Heftchen in die Hand und bat mich, Platz zu nehmen.
Bildnachweis: pixelio (206643)
© Mensi / PIXELIO
Mit den Informationen bewaffnet, bezog ich Stellung auf meinem Stuhl und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Die Jacke ließ ich an, denn mir war ja schließlich kalt. Punkt acht ging es los. Die Leiterin stellte sich wie eine Lehrerin vor ihre Schüler und fragte in die Runde nach dem Befinden. Vereinzelte Antworten über zufriedene Abnahmen, nervige Gewichtsstillstände oder unliebsame Zunahmen wurden laut, begleitet vom Kopfnicken der anderen Teilnehmer. Nach einer kurzen Diskussion über die jeweiligen Zustände, wie sie erreicht worden seien, was man dagegen oder dafür tun könne, und natürlich mit den obligatorischen Bemerkungen über schlanke Ehemänner und maulende Kinder beim Gemüseeintopf, die das Abnehmen ja erschweren würden, wurde über das Thema des Abends, Kalzium, gesprochen.
Nach dem Gruppentreffen, das etwa 45 Minuten dauerte, stellte sich mir die Leiterin noch einmal persönlich und ausführlich vor, erläuterte mir das Ernährungskonzept und sprach von Punkten. Ja, alles klar, ich kannte Kalorien und Prozentangaben, aber PUNKTE? Nun, hier wurde mir erklärt, was es damit auf sich hatte, und das ich, wenn ich mich entschließen sollte mitzumachen, wöchentlich mit mehr Neuigkeiten über Punkte ausgestattet werden würde. Ich durfte wählen zwischen dem preisgünstigeren Abo und dem etwas kostspieligerem Einzeltreffen, entschied mich für ersteres, wurde gewogen und zack – war ich Mitglied der Punktesekte.
Mit weiteren Informationen, frischer Motivation und dem Wunsch nach einer heißen Dusche radelte ich nach Hause, schon gespannt, was jetzt passieren würde.
Jedes Lebensmittel hatte ab jetzt für mich Punkte, Pizza wenigstens 15, ein Glas Milch oder eine Scheibe Brot jeweils zwei, ein Stück (ja, ein klitzekleines Stückchen) Schokolade einen Punkt, Obst und Gemüse dafür aber gar keine. Für Sport gab es Bonuspunkte und damit ich den Überblick behielt, schrieb ich alles in ein Points-Tagebuch. Das war vor einigen Monaten, mittlerweile sind die ersten Pfunde weg, das Treffen hat den Raum und damit auch die Heizung gewechselt und demnächst bin ich vielleicht sogar Goldmitglied. Das ist aber dann schon wieder eine Geschichte für Mein erstes Mal : “Vom Verein geehrt werden…”
Wer mehr wissen möchte,
unter www.weightwatchers.de stehen alle Informationen.
von Ihna Grensemann

Offener Brief an die Verkehrsteilnehmer der gehobenen Mittelklasse

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Bildnachweis: bf
Foto: Björn Franke
Lieber mobilisierter Verkehrsteilnehmer der gehobenen Mittelklasse, wie Dir sicherlich nicht entgangen ist, kann man derzeit relativ schonungslos in der Werbung verfolgen, dass jährlich etwa 5000 Menschen im Straßenverkehr ums Leben kommen. In vielen Fällen ist vor allem die hohe Geschwindigkeit eine Ursache hierfür. Opfer dieser Unfälle, wie Du sicherlich weißt, sind selten die, die sie verursacht haben. Eher ist es die ahnungslose Mutter mit zwei Kindern auf der Rückbank, der Ehemann auf dem Heimweg von der Arbeit, der Fahranfänger drei Wochen nach Erhalt des Führerscheins. Die Verursacher hingegen, welche sich in der Regel in gut gepolsterten Gefährten befinden, kommen zumeist mit marginalen Schäden davon. Nun möchte ich Dir, lieber Verkehrsteilnehmer der gehobenen Mittelklasse, die Frage stellen, warum es eben immer wieder dieselben Gefährte sind, welche durch zu hohes Tempo, dichtes Auffahren und aggressives Überholverhalten auffallen und somit eine nicht mindere Gefahr für Unfälle darstellen? Sollte es tatsächlich einen charakterlichen Zusammenhang zwischen einer Automarke und seinem Besitzer geben? Und wenn ja, wer beeinflusst in diesem Fall wen?
Nicht selten erlebe ich als treue Kleinwagenfahrerin aufgebrachte Fahrer wie Dich in mobilisierten Einzimmerwohnungen, wie sie, nervös ausscherend, auf einer nassen Landstraße versuchen, selbst die Laserpistole eines Polizisten in Erstaunen zu versetzen. Sicherlich gibt es auch für Dich gute Gründe, warum man an einem gewöhnlichen Wochentag einfach mal die Regeln des Überholens außer Kraft setzt. War es nun der Reihe folgend oder einfach Darwins Gesetz des Stärkeren? Was auch immer, Hauptsache schnell davon. Auch möchte ich gern wissen, was einen vermeintlich harmlosen Autofahrer in einer bayerischen Vorzeigemarke dazu zwingt, wutschnaubend mit Lichthupe das alleinige Recht der linken Spur einzufordern. Wahrscheinlich wirst Du argumentieren, dass man die Tatsache, dass Deutschland eines der wenigen EU Länder mit freier Tempowahl auf Autobahnen ist, doch ausnutzen müsse. Außerdem sei Zeit bekanntlich Geld. Obwohl: Bei einem solchen Auto sollte Dir letzteres wohl kaum Probleme bereiten.
In Anbetracht der zu Beginn genannten Zahl von bis zu 5000 unnötiger Todesopfer jedes Jahr im deutschen Straßenverkehr möchte ich Dir, lieber Verkehrsteilnehmer der gehobenen Mittelklasse, einen Vorschlag unterbreiten: Wie wäre es mit einer Woche Fahren in einem Kleinwagen, durchschnittliche PS-Zahl, geringe Knautschzone. Selbstverständlich für Dich und Deine Familie. Ausflüge, Besuche, die tägliche Fahrt zur Arbeit. Fahren wie genau die Menschen, die du sonst über die Straßen Deutschlands scheuchst. Vielleicht wirst du dann nachvollziehen, welches Gefühl einen durchfährt, wie sich Angst mit Ärger über die Überheblichkeit des Fahres im Rückspiegel paart. Und vielleicht wirst auch Du dann feststellen, dass es letztlich kaum auf die paar Minuten ankommt, die an manchen Orten Familien zerreißen. Denk mal drüber nach.
Herzlichst
Deine uniVista
von Britta Simon
Bildnachweis: bfBildnachweis: bf
Fotos: Björn Franke

Mobilität & Umwelt

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Foto: Lea Weber
Aufpassen, Spaßbremse! Als Student ist man auch in einer ständigen Zwickmühle: Wir würden gerne neue Autos kaufen, die so wenig CO² ausspucken wie möglich. Wenn es anders ginge, würden wir uns nicht in den Billigflieger setzen, um nach Spanien zu kommen. Denn wir wissen ja, das das Angebot (und die Nachfrage) an günstigen Flügen bedeutet, dass auch immer mehr Flieger am Himmel sind, die immer mehr die Luft verpesten. Und ja, auch wir haben die Biosprit-Verordnung zum Schutze der Umwelt unterstützt. Und wir hätten auch lächelnd hingenommen, dass der Liter Benzin um mehrere Cent teurer geworden ist. Hauptsache der Umwelt geht es gut. Wir würden, wir könnten, wir hätten. Irgendwie kommt es einem als Student vor, dass das Spiel an einem vorbeirauscht. Wir würden gerne mehr für die Umwelt tun, aber die meisten Studenten können kaum auf noch mehr verzichten, als sie es bisher tun. Und Umweltschutz ist nun einmal teuer. Auf das bisschen Spaß, was wir uns leisten können, wollen wir auch eigentlich nicht verzichten. Ein größeres Umweltbewusstsein erreicht man nur, wenn man auch aktiv am Prozess teilnehmen kann. Nun könnte man damit argumentieren, dass es schon aktiv genug ist, den Mitbewohner davon zu überzeugen, zum Lieblingsnachbarn namens Aldi mit dem Rad statt dem Auto zu fahren. Ein Tropfen auf den heißen Stein zwar, aber immerhin ein Anfang. Und selbst wenn uns nicht die Chance gegeben wird ein 3 Liter Auto zu kaufen und damit die Umwelt zu entlasten, so ist das Gewissen doch schon etwas beruhigt aufgrund dieser Großtat. Am besten denkt man darüber nach, wenn man im Flieger nach Barcelona sitzt. Auf dem Weg ins Shopping-Wochenende.
von Sebastian Dargel

Mobilität & Gesellschaft

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“Wer aufhört zu rudern, der fällt zurück.”
Diese Worte schrieb mir meine Geschichtslehrerin bereits in der fünften Klasse in mein Poesiealbum. Sie sind ein Sinnbild für unsere Zeit, denn mehr denn je ist es wichtig, im Leben voran zu kommen. Sowohl im übertragenem, als auch im wörtlichen Sinn.
Nur der höchstmögliche Bildungsgrad, die bestmöglichen Noten erlauben zumindest die Illusion von einem guten, selbstbestimmten Leben ohne Zukunftsängste.
Denn in Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit ist niemand sicher und alle gehen Kompromisse ein, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben.
Flexibilität und Mobilität sind die Stichwörter unserer Zeit. Ein Arbeitnehmer soll genügsam sein. Er soll viel arbeiten für wenig Geld. Gut ausgebildet soll er sein, flexibel einsetzbar. Ein Kind hat er besser nicht, das stört nur bei der Erfüllung der Arbeit und nicht zuletzt sollen ihn Entfernungen nicht schrecken. Entweder, er zieht mit gesamter Familie der Arbeit hinterher, wie es Millionen Menschen in Amerika tun oder er nimmt lange Anfahrtswege in Kauf. So ist heute Pendeln für viele Menschen Alltag. 2004 mußten 30 Millionen Menschen einen langen Weg zur Arbeit, zum Studienplatz, oder zur Schule in Kauf nehmen. Ja, auch unsere Jüngsten bleiben nicht von dieser Entwicklung verschont. In ländlichen Gebieten brauchen Kinder für den Schulweg oftmals 1 Stunde und mehr.
Aber was macht das mit einem Menschen?
Mobilität bringt Wechsel und Veränderung mit sich. Dabei geht Stabilität verloren und damit auch Sicherheit. Soziale Bindungen lösen sich. Die Zufriedenheit in der Partnerschaft nimmt ab, denn die Familie und die Freunde sind nicht mehr in unmittelbarer Nähe. Viel Zeit wird auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause verbracht. Zeit, die für soziale Kontakte fehlt. Zeit, die jeder Mensch braucht, um sich zu erholen und seinen Interessen nachzugehen. Das lässt das soziale Netz löchrig werden. Die soziale Identität und auch das Gefühl der Zugehörigkeit, Geborgenheit gehen verloren. Dies ist nicht zuletzt mit aufkommenden Ängsten und Depressionen verbunden. Natürlich ist es auch physisch eine große Anstrengung, eine lange Fahrtstrecke zu bewältigen. So treten bei den Betroffenen häufig Kopfschmerzen, Magen- Darm-Beschwerden und Bluthochdruck auf. Auch Pendler, welche die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, bleiben von derlei Auswirkungen nicht verschont. In Bussen und Bahnen kommt außerdem eine, unter Umständen, höchst unangenehme Nähe zu fremden Personen dazu, welche als sehr belastend empfunden wird, und sich auch auf das eigene soziale Verhalten negativ auswirken kann. Kurz um: Pendeln gefährdet die Gesundheit.
Foto: Lea Weber
Klar ist wohl, dass ich mich vom Bild des Studenten, wie es die ´68er Generation geprägt hat, verabschieden muss, will ich halbwegs erfolgreich ins Berufsleben starten. Aber was ist das neue Bild eines Studenten? Wo ist der rote Faden, der einem sagt: „ Hier geht´s lang, das ist dein Weg!“ ? Was will ich vom Leben? Von wessen Meinung und Ansicht lasse ich mich überzeugen? Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Nur, wen soll man denn fragen? Meine Dozenten? Meine Kommilitonen? Das Kaffeesatz-Orakel?
Doch der gesellschaftliche Druck ist groß. Wer sich nicht um Arbeit bemüht, und dafür auch Opfer bringt, wird schnell an den Rand der Gesellschaft gedrängt. So bleibt gerade Menschen mit Familie nichts anderes übrig, als lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Denn die Politik fordert von den Arbeitnehmern zwar Mobilität, doch sie macht es ihren Bürgern nicht einfach. Ein Schulwechsel von Region zu Region ist schon schwierig, aber in einem Land mit 16 verschiedenen Bildungssystemen, ist ein Wechsel zwischen den Bundesländern schlichtweg eine Zumutung für jedes Kind.
Aber der Blick muss gar nicht so weit abschweifen. Die Einführung des Bachelor-Master-Systems sollte den Studierenden ermöglichen, auch innerhalb ihres Studiums sehr mobil zu sein. Ein in Europa einheitlich gestaltetes Schnellstudium, damit unsere Studierenden schneller auf den Arbeitsmarkt kommen und sich während des „Blitzstudiums“ auch schon an das Unterwegssein gewöhnt haben.
Wo soll das noch hinführen?
Das Idealbild der Wirtschaft wäre sicher ein Arbeitnehmer, welcher der Firma überall hin folgt. Ein Mensch, für den Arbeit und Konsum das Wichtigste im Leben sind.
Doch der Mensch ist ein soziales Wesen. Die Auswirkungen, dieses auf Leistungsfähigkeit aufgebautem System, zeigen sich nicht erst heute. Die Geburtenrate sinkt. Die Zahl der Single-Haushalte steigt. Ebenso steigen die Vereinsamung und die damit verbundenen psychischen Probleme.
Ist es nicht längst fünf nach zwölf? Warum passen sich Menschen und Politik an die Wirtschaft an? Die Wirtschaft hat das Geld und damit Macht. Doch ohne den Konsumenten gäbe es die Wirtschaft nicht. Jeder Einzelne hat die Wahl, ob er einen derartigen Anspruch unterstützt. Er hat die Wahl, sein Leben anders zu führen und Zeichen zu setzen. Ein Beispiel hierfür ist die „Slowfood“ Bewegung. Sie entstand aus Protest gegen das erste Fastfood-Restaurant und tritt für bewusstes Leben und vor allem bewusstes Essen ein. Es geht also auch anders.
von Stefanie Bruns

Rasten ohne Hasten?

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Fotos: Björn Franke
370 gibt es in Deutschland. Mal architektonisch reizvoll, mal im Charme der vergangenen Jahrzehnte. Im Grunde nimmt man sie nicht wahr, sie ziehen vorüber an den Fenstern der Automobilisten, es sei denn, man verspürt Hunger bzw. Durst, den Bedarf des Besuches von sanitären Anlagen oder das Auto braucht neuen Betriebsstoff.
Ein Ort des Rastens, nur für einen Moment, für vielleicht eine halbe Stunde.
Man wird Teil der Umgebung, die sonst an einem vorbeizieht, und doch gefangen in einer abgezäunten Welt der Autobahn, Landkarten, Kinderbespassungsutensilien. Mittlerweile haben die üblichen Vertreter der Junkfood – Industrie Einzug erhalten, so kann die burgeraffine Familie ebenso speisen wie ältere Damen und Herren, die zwischendurch einen Kaffee trinken wollen.
Biografien laufen nebeneinander her. Jeder verhaftet in sich selbst, das Ziel vor Augen, keine Zeit verlieren und schnell ankommen. Getrieben von Bedürfnissen, die den Menschen zum Halten zwingen. Die Herkunft, ob sozial oder geografisch, scheint egal.
Der fernfahrende Osteuropäer neben der aus dem Urlaub heimkehrenden Familie des Münsterlandes.
Der Regisseur Christian Petzold setzte sich bei dem stilistisch der Berliner Schule zuzurechnenden Film „Wolfsburg“ mit der Veränderung der Psyche des Menschen durch das Automobil auseinander: „Autofahren ist eine Massentätigkeit – es wird aber als etwas Individuelles verkauft. Es ist dein Auto, du bist in deinem Auto, du und die Welt. Dieser vereinzelte Mensch, der da sitzt, umgeben von Navigationssystemen, Geruchsfiltern, Verkehrsfunk, ist in seinem eigenen Film…“ (fluter, bpb, 31.08.2005)
Jeder in seinem eigenen Film, der selbst in der Raststätte nicht unterbrochen wird, oder gar endet. Das Smalltalk- Gespräch an der Kasse im Vergleich zur symbolhaften Interaktion aus Lichthupe, Bremslicht und Gestik auf den Fahrbahnen: Ein Hauch persönlicher?
Der Ort bleibt institutionalisiert – „Wann geht’s weiter?“.
Am Fenster Platz nehmend und nach draußen blickend gönnen wir uns einen Moment des Stopps in der Brückenraststätte Dammer Berger. Unter uns nimmt das Wort „Mobilität“ in ansehbarer Weise weiterhin Gestalt an. Auf der A1 kriechen, schlängeln, fahren, drängeln, jagen – manchmal ganz getreu dem Motto „Ich geb’ Gas, ich will Spaß“ -Autos, Wohnwagen, wie auch Laster auf zwei Richtungsfahrbahnen unter der Brücke durch.
Wir scheinen uns dem mobilen Treiben entzogen zu haben und zugleich bleiben wir mobil, denn an diesem Ort verweilt keiner länger als ein paar Stunden. Und doch:
Fotos: Björn Franke
Dieser Ort soll ein Ort der Rast sein. Der Ruhe nach dem Sturm eines Staus, stehendes Ventil für den durch Anspannung geladenen Ärger eines knapp entkommenen Unfalls, der Möglichkeit zum stillen Örtchen, dem „Sind wir jetzt da?“ ein kurzes Ende zu setzen. Aber auch ohne einen dieser Gründe ist allein die Aussicht der Raststätte einen kurzen Besuch wert.
Über der ständigen Bewegung einer fahrenden Bevölkerung fragen wir uns, ob sich Menschen hier begegnen. Doch nach einem Austausch über die Art einer Begegnung kommen wir zu dem vorläufigen Schluss, dass sich die Wege verschiedenster Menschen an diesem Ort nicht mehr als nur kreuzen.
Die Vielen, die hier zusammenkommen, rasten aber rosten nicht. Jeder in der Gruppe der Kraftwagen fahrenden bleibt sich seinem Ziel bewusst. Das Besondere an diesem Ort: Er scheint weitestgehend frei zu sein von sonstigen Scheidewegen menschlicher Unterschiede. Eine gewisse Neutralität politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Machenschaften. Das Augenmerk liegt auf den Grundbedürfnissen des Menschen, nicht mehr und nicht weniger.
Fastfood, Fastfoot. Ich muss weiter!
Mobilitätsgetrieben stehen wir auf und gehen Richtung Parkplatz …
von Björn Franke und Johanna Olberding
Raststätte “Dammer Berge”
“Dammer Berge” liegt an der A1 und erstreckt sich als eine von zwei Raststätten in Deutschland brückenförmig über die Autobahn. 2005 wurde die Anlage komplett renoviert. Seitdem gibt es dort Restaurants der Fastfood-Ketten Burger-King, Nordsee und Gustico, sowie zwei Coffee-Shops. In zwei Kiosk-ähnlichen Einkaufsbereichen bekommt man Tierfutter, Zeitschriften, Krawatten, Chips, CDs, Kinderspielzeug und vieles mehr, was man auf einer Autofahrt irgendwie brauchen könnte.
Wer die kostenpflichtige Toilette benutzt, erhält einen 50-Cent-Einkaufsgutschein, ansonsten sind die Preise – typisch Raststätte – heftig. Auch wer geistige Ablenkung vom Autofahren sucht, wird bedient: Eine Kinderecke lädt die lieben Kleinen, Geldspielgeräte die Zocker zum Spielen ein. Draußen wartet eine Kapelle auf durchreisende Christen, Eintrag im Gästebuch: „Bitte Herr, lass Bayern gegen Schalke gewinnen“. Und man kann natürlich auch tanken.
von Stefan Hirsch

Bilderalbum
uniVista No. 08: Rasten ohne Hasten

Der Mann, der mit dem Tod flirtete

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Dezember 2007: In einer Zeit, in der Stuntmen in Klärgruben tauchen um eine trashige Popularität zu erlangen, erscheint der Tod eines amerikanischen Motorrad- Artisten im Ruhestand in der Süddeutschen Zeitung. Kein Wunder, Robert Craig „Evel“ Knievel war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Seine Motorrad-Stunts, meistens Sprünge über lange Reihen von Trucks und seine Flüge in selbstgebastelten Raketen zogen Tausende in ihren Bann.
Seinen Künstlernamen erwarb sich Evel (ja, mit zwei E) Knievel übrigens im Gefängnis. Nachdem er seinen Job als LKW-Fahrer verloren hatte, angeblich, weil er beim Wheelies fahren mit seinem Truck eine Stromleitung gekappt hatte, wurde er mehrfach straffällig. Zumeist waren es relativ harmlose Delikte, Diebstähle und kleinere Einbrüche. Nach seiner Haft versuchte er es mit halb-seriöser Arbeit. Halb-seriös, weil er Gerüchten zufolge als Versicherungsvertreter einen Großteil seiner Policen an die Insassen einer psychiatrischen Anstalt verkaufte, und weil er als Anbieter von Jagdreisen mit seinen Kunden in Naturschutzgebieten wilderte.
Im Alter von 27 Jahren gründete der 1938 in Montana geborene Knievel die Evel Knievel’s Motorcycle Daredevils, und begann seine Karriere als Stuntman. Seinen großen Durchbruch erlangte Knievel, als er 1967 versuchte, über die Brunnenanlage des Caesars Palace in Las Vegas zu springen.
Bildnachweis: Wikimedia Commons
Urheber: Bill Wolf, Sean / Wikimedia
Commons
(Lizenz: CreativeCommons)
Die missglückte Landung beförderte ihn in die Schlagzeilen, und mit 40 Knochenbrüchen für 29 Tage ins Koma. Überhaupt waren zahlreiche seiner Stunts extrem gefährlich und endeten oft genug mit lebensbedrohlichen Verletzungen. So zum Beispiel 1974 der Sprung über den Snake-River-Canyon in Idaho, bei dem sich der Bremsfallschirm seines raketengetriebenen Motorrades zu früh öffnete. Insgesamt 38 mal verunglückte Evel Knievel spektakulär. Er steht im Guiness Book of Records als der Mann mit den meisten Knochenbrüchen der Welt. Diese reale, unmittelbare Gefahr war es wohl auch, die seine Stunts für viele so faszinierend machte, ihn in den Augen mancher sogar zum Helden werden ließ. Bereits 1976 gab es ein Evel Knievel-Computerspiel, zweimal wurde sein Leben verfilmt, unter anderem mit Pamela Anderson in der Rolle seiner Freundin.
Er selber lehnte diese Verklärung seiner Person ab, sagte einmal: „Ich war ein guter Motorradfahrer und ein ziemlich guter Geschäftsmann. Ein Held war ich nicht.“ 1980 hörte Knievel auf, unterstützte nur noch gelegentlich seinen Sohn Robbie bei dessen Stunt-Shows. Mit dem Alter machten ihm die Spätfolgen seiner zahlreichen Operationen mehr und mehr zu schaffen. Zuletzt litt er unter Atembeschwerden und Leberproblemen. Robert Craig „Evel“ Knievel starb am 30. November 2007 im Alter von 69 Jahren.
von Stefan Hirsch

Vom Erkennen und Erreichen, von Freundschaft und Frohsinn

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Knapp 800 Kilometer durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela, eine unglaubliche Reise, selbst für tiefgläubige Menschen, die diesen Weg schon mehrmals gegangen sind. Und nun machte sich Hans Peter Kerkeling auf diesen Weg und hat ein Buch darüber geschrieben? Das klang so unglaublich, dass ich es lesen musste. Das Buch zeigt den Entertainer von einer ganz anderen Seite, immer wieder geht der sich selbst als untrainierter Moppel bezeichnende Mann an seine persönlichen Grenzen. Auf der Suche nach, ja nach was eigentlich? Sich selbst? Nach Gott? Als Leser hat man das Gefühl, Hape Kerkeling die ganze Zeit auf seinem Weg zu begleiten und gerät beim Lesen schnell selbst ins Grübeln, über sich und wie die Welt zusammenhängt. Man begleitet ihn über die ganze Etappe, über die Gipfel der Pyrenäen, durch das Baskenland, Navarra und Rioja bis nach Galicien zum Grab des heiligen Jakob. Mit gewohntem Witz und Charme, aber auch mit eher ungewohnter Nachdenklichkeit und Tiefsinn, lässt er den Leser an Momenten der Stille und Einsamkeit, aber auch an skurrilen Begegnungen und neuen innigen Freundschaften teilhaben. Insgesamt ein Buch, dass ich mit Spannung und Freude gelesen habe und zudem man auch als eher „nichtgläubiger“ Mensch wie ich gerne greifen darf.
Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg: meine Reise auf dem Jakobsweg
Signatur: 379588
von Melanie Ehlert

Von Mordlust und Markenkleidung, Geldgeschäften und Gewaltorgien

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„Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion abgesehen von Gier und Abscheu.“
Auf den ersten Blick ist Broker Patrick Bateman ein lebendes Klischee: Jung, gutaussehend, arrogant und ehrgeizig. Mit seinen Arbeitskollegen trifft er sich in teuren Clubs, kokst und führt sterbenslangweilige Gespräche über Mode, Frauen und die ewige Arbeit. Dazugehören ist alles, alle sind reich, haben tolle Jobs, sind perfekt gekleidet. Individualität gibt es in Batemans Kreisen nicht, ständig wird er verwechselt, erscheint austauschbar. Doch teils unbemerkt, teils ignoriert lebt er eine perverse Lust auf Sex und Gewalt aus, ermordet beinahe wahllos Obdachlose, Prostituierte und Disko-Bekanntschaften.
Verstörend ist der Aufbau von American Psycho: Obwohl nicht völlig klar ist, ob die von Ich-Erzähler Bateman verübten Taten wirklich passiert oder nur die Phantasien eines Wahnsinnigen sind, beschreibt er seine Welt äußerst detailreich. Er teilt z.B. auf ca. 2 1/2 Seiten mit, wie seine Stereo-Anlage aussieht. Diesen eher langatmigen Passagen stehen die Mordszenen gegenüber, die – anders als im Film – mit einer derart gnadenlosen Präzision beschrieben werden, dass einem beim Lesen tatsächlich übel werden kann. Wer sich diesen Klassiker der amerikanischen Popliteratur ausleihen will, sollte also starke Nerven haben, nicht umsonst war der Roman von `96 bis `01 in Deutschland indiziert.
Bret Easton Ellis: American Psycho
Signatur: 354893
von Stefan Hirsch

Von der Spinnerei zum Sozialen Netzwerk

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Profilseite bei kaioo
Foto: Björn Franke
Das Prinzip der Social Community boomt – fast jedem bekannt dürften die Plattform studiVZ für Studenten und Klone wie schülerVZ und meinVZ sein. uniVista hat Thomas Kreye, den Vater und ursprünglichen Ideengeber von kaioo, einer nicht-kommerziellen, gemeinnützigen Plattform, die durch Spenden finanziert wird, besucht, und ihn zum Interview gebeten. Kaioo bietet Menschen – wie andere Social Communities auch – die Möglichkeit gibt, sich Profile anzulegen, Gruppen zu gründen und beizutreten und sich dadurch mit seinen Freunden virtuell zu vernetzen.
kaioo ist laut Aussage von Kreye aus einer Spinnerei entstanden. Die Idee war eine Website zu erstellen, auf der sich Leute freiwillig Werbevideos anschauen, um dort „ihre Zeit zu spenden“ und mit dem gespendeten Werbeerlös etwas Gutes zu tun. Das Problem: Die Leute besuchen so eine Seite einmal und dann nie wieder. Daraus entstand die Idee, eine Community zu gründen, bei der der „Spende deine Zeit“-Gedanke in den Hintergrund rückt, da in einer Community die Nutzer die Werbung eher nebenbei wahrnehmen.
Kreye war zum damaligen Zeitpunkt in der Unternehmensentwicklung bei Bertelsmann beschäftigt und sprach mit Kollegen über diese Idee. Rolf Schmidt-Holtz, ehemaliger Stern-Chefredakteur und mittlerweile im Vorstand von SonyBMG, war begeistert und stellte eine Summe aus seinem Privatvermögen zur Verfügung.
Im Sommer 2007 wurde eine Satzung entworfen und damit die Entwicklung von kaioo gestartet. Die Zielgruppe von kaioo umfasst nicht nur Studenten, sondern Menschen jeden Alters, unabhängig von beruflicher und gesellschaftlicher Zugehörigkeit.
Ende November 2007 ging die Community an den Start – mit rudimentärem Funktionsumfang und dem Problem, in der sowieso schon von Datenschützern kritisch beäugten Landschaft der Social Communities Glaubwürdigkeit zu erlangen.
„Die Leute müssen sehen, dass wir das auch wirklich ernst meinen“, sagt Kreye. „Durch den Gesellschaftsvertrag wird festgelegt, dass unsere Mittel zeitnah für soziale Zwecke verwendet werden müssen.“
Doch für neue Communites ist der Start schwer, denn die Menschen bleiben dort, wo sie ihre Freunde – ihre virtuelle Heimat – haben. Somit kamen anfangs nur Menschen zu kaioo, die die Konzeption gut fanden.
Das Konzept setzt neben der Gemeinnützigkeit auf aktive Beteiligung der Nutzer. So gibt es zum Beispiel eine Gruppe, die sich um die Ausgestaltung der AGB kümmert. Kreye dazu: „Die AGB sind momentan sicherlich nicht optimal, aber sie sollen dadurch nutzeroptimal gestaltet werden.“ Neben dem Wert der Mitbestimmung gilt auch der Wert der Meinungsfreiheit: „Zu Anfang funktionierte die Löschfunktion noch nicht. Dann gab es einen Thread ‚Wir wollen hier raus!‘. Wir haben den Thread stehen gelassen, weil wir dachten, es muss noch intelligente Menschen geben, die sich das erstmal anschaun und sich dann ein Urteil bilden. Aber wir haben uns damit auch in den Fuß geschossen, weil sowas ja auch abschreckt.“ Die Nutzer sollen sich bei kaioo nicht als Kunden fühlen, sondern als aktive Mitgestalter. Laut Kreye können die Nutzer selbst das beste „Monitoring“ liefern, wenn es um problematische Inhalte wie beispielsweise Schmuddelbilder geht. Der betreffende Nutzer wird in einem solchen Fall angeschrieben, dass er den problematischen Inhalt entfernen möge. Denn eine Löschung des Nutzers würde nur dazu führen, dass er sich in der nächsten Minute wieder neu anmeldet. Sofern die Inhalte gesetzeswidrig sind, werden die Daten des Nutzers nur auf richterlichen Beschluss herausgerückt.
kaioo wurde in der Vergangenheit oft die Nähe zu Bertelsmann vorgeworfen und kritische Stimmen fragten, ob kaioo am Ende nur Adressen für die Firma sammeln sollte, doch Kreye betont, dass dieser Gedanke indiskutabel sei und dass daran kein Interesse bestünde – er selbst war zwar 1,5 Jahre dort angestellt, doch die Firma Bertelsmann war für ihn nur ein Arbeitgeber und kaioo habe mit Bertelsmann überhaupt nichts zu tun.
Ein Problem, welches gewissermaßen aus dem Prinzip der Social Communities resultiert, ist der Datenschutz. Jeder Nutzer kann die Daten anderer Nutzer einsehen, seien es Freunde oder die Redakteure aus der Boulevardpresse, wie vor einiger Zeit geschehen, als eine schülerVZ-Nutzerin verunfallte und die Zeitung mit den vier Buchstaben Bilder aus ihrem Fotoalbum verwendete. Kreye sagt dazu, dass er hofft, dass die Menschen aufgrund der Thematisierung des Datenschutzes bei kaioo generell dafür sensibilisiert werden, welche Daten sie von sich in sozialen Netzwerken preisgeben.
Für die Zukunft der mittlerweile 35.000 Mitglieder fassenden Community kaioo plant Kreye, im Juni und Juli vieles zu verändern. Die Plattform wird seiner Aussage nach kaum wiederzuerkennen sein – am Prinzip der Gemeinnützigkeit wird sich zwar nichts ändern und die Werbeeinnahmen werden weiterhin gespendet werden, doch die Nutzer von kaioo sollen noch stärker ins Geschehen involviert werden.
Sebastian Ebert und Thomas Kreye
Foto: Cindy Klechowicz
Details des sich in der Entwicklung befindlichen Konzeptes sind jedoch noch geheim, der momentane Stand der Community ist aber keinesfalls das Endprodukt.
Mittel- bis langfristig kann Kreye sich auch vorstellen, kaioo nach dem Open- Source-Prinzip weiterzuentwickeln, da der Grundsatz der Ehrenamtlichkeit der Idee, möglichst viel Geld für wohltätige Zwecke zu spenden, am ehesten entspricht: Je weniger Mitarbeiter fest angestellt sind und je mehr Menschen das Projekt auf freiwilliger, ehrenamtlicher Basis unterstützen, desto mehr Kosten werden gespart und desto mehr Geld kommt gemeinnützigen Zwecken zugute – ein Grundsatz, den das Team von kaioo selbst zu leben scheint, wenn man wie wir die Chance hat, sich das einfach eingerichtete Büro im Hamburger Mediadeck einmal selbst anzuschauen.
von Björn Franke und Cindy Klechowicz

Bielefeld gibt es wirklich

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„Schau dich hier um und dann in dich hinein, denn jeder braucht nen Platz zum glücklich sein, wir laden dich und deine Leute ein, um heute da zu sein, wo man sich liebt, in der Stadt die es nicht gibt“. Sicher ist, dass die Fantastischen Vier eine andere Stadt als Bielefeld im Kopf hatten, als sie diese Zeilen schrieben. Sicher ist jedoch auch, dass die uniVista die vermeintliche Stadt, die es nicht gibt, nicht nur gefunden hat, wir haben sie auch bereist und intensiv begutachtet.
Berlin sieht das sicherlich
etwas anders, aber man wird
noch träumen dürfen.
Foto: Sebastian Dargel
Bielefeld ist die zweitgrößte Stadt, die man mit unserem Semesterticket besuchen kann. Mit 330000 Einwohnern liegt sie zwar immer noch weit hinter Bremen, dafür aber auch weit vor allen anderen. Mitten im schönen Ostwestfalen, am Teutoburger Wald, ist Bielefeld vor allem einen Besuch wert, wenn euch Niedersachsen doch ein wenig zu flach ist.
Die Anfahrt nach Bielefeld legt euch leider einige Stolpersteine in den Weg. Eine Fahrt dauert 2 Stunden und 19 Minuten, falls in Osnabrück der Zug nach Bielefeld erreicht wird. Das erfordert aber Glück und Sportlichkeit, sonst kommt eine Stunde Wartezeit in Osnabrück dazu. Außerdem wird der Zug „Haller Willem“, den wir mit unserem Ticket nutzen können, nur auf der Nordwestbahn- Seite und nicht auf der Bahn-Seite angezeigt. Sollte man dann aber doch nach der langen Reise in Bielefeld ankommen, wird man wohl überrascht sein, wie attraktiv die eigene Heimatstadt im verregneten Wetter wirkt. Denn keine Frage, Bielefeld ist um den Bahnhof herum nicht schön anzusehen. Das Beste vorweg: Sollte man sich doch aus dem Zug trauen und nur 5 Minuten in egal welche Richtung gehen, hat man das Schlimmste hinter sich. Und was euch genau erwartet, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.
Die Altstadt
Unweit des Bahnhofs gelangt man in die im Stadtbezirk Mitte liegende Altstadt. Diese ist allemal einen Besuch wert. Denn in diesem mit 79 000 Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadtviertel herrscht eine sehr angenehme und ruhige Atmosphäre. Das Bild wird von liebevoll restaurierten Altbauten bestimmt. Diese beherbergen di verse Läden (darunter haufenweise Edelboutiquen) und Cafés, welche zum Verweilen und Geld ausgeben einladen. Darüber hinaus hat die Altstadt, wenn man in kleinere Häusernischen abbiegt und den Hundehaufen ausweicht, auch einige besondere Bauten zu bieten. So zum Beispiel die Nicolai Kirche. Sie wurde um 1340 erbaut und ist damit die älteste Stadtkirche. In dieser gotischen Hallenkirche steht der Antwerpener Schnitzaltar, dessen genaues Entstehungsdatum bis heute ungeklärt ist.
Auch Bielefeld hat auf
die uniVista gewartet.
Foto: Sebastian Dargel
Kunsthalle Bielefeld
„Künstler = arm“: Für viele schwingt bei dem Gedanken an künstlerisches Schaffen der bittere Beigeschmack der Armut mit. Ein scheinbarer Widerspruch zu dem im November 2006 für 140 Mill US $ (106, 9 Mill €) verkauften Gemälde No. 5 1948 des Künstlers Paul Jackson Pollock. Oft scheint gerade das Ende des Lebens eines Künstlers den Anfang des Wertanstiegs seiner Werke zu bedeuten.
Doch: Emil Nolde (1867 – 1956) bricht mit dem Vorurteil der Armut. Er malte während seiner Lebzeit und schaffte es, durch Postkartendrucke und Veröffentlichungen als freischaffender Maler zu leben. Er malte im expressionistischen Stil und war einer der großen Aquarellisten. Wer die Ausstellung Begegnung mit dem Nordischen besucht, die noch bis zum 12. Mai 2008 in der Bielefelder Kunsthalle zu sehen ist, den erwarten nordische Landschaften, Phantasieaquarelle und Zeichnungen. Zum Besuch reizend ist eben dieser Kontrast der Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen Noldes. Der Künstler ermöglicht einen facettenreichen Einblick in seine Person, in seine Leidenschaften und in seine Veränderungen, durch die er öfter als einmal im Leben ging. Der Besuch der Ausstellung ähnelt einer großen Auswahl an Pralinen. Man bleibt bei denen, denen man verfallen ist.
Die Sparrenburg
Also Mauern bauen
können sie ja,
die Bielefelder.
Foto: Sebastian Dargel
Dieses historische Bauwerk ist das Wahrzeichen Bielefelds. Schon allein deshalb kamen wir natürlich auch nicht umhin, diese zu besuchen. Um 1300 erbaut, liegt die Burg auf einer Anhöhe und ist durch die Altstadt erreichbar.
Ihr heutiges Erscheinungsbild, so in der Informationsbroschüre zu lesen, hat die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten. Der Aufstieg zu den Festungsanlagen ist beschwerlich, da die Wege sehr steil sind.
Doch wer erstmal oben angelangt ist, wird mit einem fürstlichen Ausblick über Bielefeld belohnt. Wer außerdem noch den Turm besteigen und sich im Burgkiosk laben möchte, sollte darauf achten, in der Saison zu kommen (von April bis Oktober). An dieser Stelle sei auch auf das Spektakulum hingewiesen, einem großen Mittelaltermarkt, der alljährlich stattfindet. In diesem Jahr vom 25.07 bis zum 27.07.08.
Heimattierpark Olderdissen
Etwas außerhalb der Stadt, aber mit dem öffentlichen Nahverkehr problemlos zu erreichen, liegt der Heimat- Tierpark Olderdissen.
Das 15 Hektar große Gelände ist sehr offen gestaltet. Lediglich ein Schild weist darauf hin, dass man nun das Gelände des Tierparks betritt. Eintritt ist keiner fällig, aber um Spenden wird gebeten. Der Rundgang ist sehr abwechslungsreich gestaltet. Zu sehen gibt es das übliche Dammwild, aber auch Bären, Wölfe und sogar ein Luchs und vieles mehr. Das heißt, wenn die Tiere gerade gewillt sind, sich zu zeigen. Die artgerecht gestalteten Gehege bieten viele Versteckmöglichkeiten und fordern den Besucher auf, etwas genauer hinzuschauen und Geduld zu haben. Natürlich fehlen auch die obligatorischen Ziegen, Gamsen und Esel nicht, welche einige Redaktionsmitglieder zu Entzückensschreien animierten und natürlich unbedingt mit Futter aus den aufgestellten Automaten versorgt werden mussten.
Darüber hinaus ist auch ein kleiner Abenteuerpfad Teil des Rundgangs auf dem sich nicht nur Kinder richtig austoben können.
Klare Sache, nach diesem Rundgang weiß man ein bisschen mehr über unsere heimische Tierwelt und hatte viel Bewegung und natürlich auch reichlich Vergnügen.
von Sebastian Dargel, Stefanie Bruns, Julia Stock und Johanna Olberding
Und so erreicht ihr Bielefeld:
Hin:
Vechta – Osnabrück
Mo.-Fr. 5:29 – 20.29 st.
Sa. 7:29 – 12:29 + 13:29 – 19:29 st.
So. 9:29, 11:29, 13:29, 15:29 + 17:29-20:29 st.
Zurück:
Bielefeld – Osnabrück
Mo.-Fr. 5:59 – 19:59 st. + 21:03, 22:33
Sa. 6:03 – 21:03 st.
So. 8:03, 9:03 + 11:03 – 15:03 zweist. + 16:03 – 21:03 st.
Osnabrück – Bielefeld
Mo.-Fr. 6:35 – 20:35 st. + 22:12
Sa. 6:35 – 20:35 st.
So. 7:35 – 13:35 zweist. + 14:35 – 20:35 st.
Osnabrück – Vechta
Mo.-Fr. 7:26 – 20:26 st. + 22:53
Sa. 7:26-15:26 st., 17:26, 19:26 + 22:53
So. 9:26, 11:26 + 13:26 – 20:29 st. + 22:53

Briefe gegen das Vergessen

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Amnesty International (ai) ist eine unabhängige Mitgliederorganisation, die sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzt. Als größte Menschenrechtsorganisation hat sie mehr als 1,8 Millionen Mitglieder und Unterstützer. In vielen Kampagnen und Aktionen wenden sie sich gegen schwer wiegende Verletzungen der Rechte eines jeden Menschen auf Meinungsfreiheit, auf Freiheit von Diskriminierung, sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit. Die Organisation ist auf das Engagement, die Unterstützung und Hilfe der Bürger angewiesen. Eine Aktion die sich auf dieses Engagement stützt, ist die weltweite Aktion Briefe gegen das Vergessen, die Teil der Kampagne Wir brauchen Ihren EinSatz ist. Hierbei geht es darum, Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen und die entsprechenden Behörden und Akteure zum Handeln zu bringen. Die Aktion Briefe gegen das Vergessen wirkt durch die enorme Anzahl, die einen öffentlichen Druck auslöst. Je höher die Anzahl der Briefe, umso größer und breiter wird das Interesse an einem Fall. Dazu ist neben des öffentlichen Appells eine schlüssige Beweislage notwendig, die sich an Fakten hält und fragwürdige Vorgehensweisen aufzeigt, und so Menschenrechtsverletzungen aufdeckt. Genau das ist das Schwierige an dieser Aktion, das Sammeln von Fakten und Beweisen, die gerade nicht an die Öffentlichkeit kommen sollen.
Bei dieser Aktion EinSatz zu zeigen ist unkompliziert. Im Internet auf der Homepage von ai oder in einigen Tageszeitungen werden regelmäßig aktuelle Fälle veröffentlicht (jährlich veröffentlichter Bericht von ai). Warum erscheint es nun wichtig, sich an einer solchen Aktion zu beteiligen? Was habe ich damit zu tun, wenn sowas irgendwo passiert? Überall auf der Welt werden Menschenrechte verletzt. Ein Beispiel ist Folter. In vielen Demokratien werden im Zuge des Kampfes gegen den Terrorismus Anhörungspraktiken eingesetzt, die noch vor Jahren als Folterpraktiken angesehen, verboten waren. Ob in den USA das sogenannte Waterboarding oder in Deutschland das Fixieren von Händen und Beinen, das, auf dem Bauch liegend, tödlich enden kann. ai versucht an einzelnen Fällen solche Menschenrechtsverletzungen aufzudecken. Dafür erscheint eine breite, aktive, aufgeklärte Öffentlichkeit wichtig, die auch ein Interesse daran hat, dass vor dem Gesetz wirklich jeder gleich behandelt wird. Der folgende Fall, welcher ebenso aktuell wie exemplarisch ist, spielt im Kosovo.
Mon Balaj und Arben Xheladini wurden am 10. Februar 2007 während einer Demonstration für die Unabhängigkeit des Kosovo in Pristina von nicht identifizierten Angehörigen einer rumänischen Polizeieinheit umgebracht. Die Beamten dienten in der internationalen zivilen Polizei als Teil der Übergangsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK). Die Demonstration wurde von der Nichtregierungsorganisation Vetëvendosje (Selbstbestimmung) organisiert, um gegen einen Vorschlag des UNO-Sondergesandten Martti Ahtisaari über den zukünftigen Status des Kosovo zu protestieren. 78 Demonstrierende wurden bei den gewalttätigen Ausschreitungen verletzt, sieben von ihnen schwer. Man fand nach der Demonstration vier verschiedene Gummigeschosse und mit Plastik überzogene Stahlpatronen auf dem Gelände. Zwei Untersuchungsberichte der UNMIK kamen zu dem Schluss, dass die beiden Männer durch Gummigeschosse getötet wurden, welche die Angehörigen der rumänischen Polizeieinheit gegen die Demonstrierenden verwendet hatten. Mitarbeiter der UNMIK-Rechtsabteilung konnten jedoch die für ihren Tod verantwortlichen Beamten nicht ermitteln. Darüber hinaus zogen die rumänischen Behörden im März 2007 Polizeibeamte aus dem Kosovo ab, obwohl diese entscheidende Informationen über den Vorfall hätten liefern können. Danach hat es keine offizielle Untersuchung zur Aufklärung der Todesfälle und Verletzungen von Demonstrierenden mehr gegeben.
Wenn ihr Amnesty unterstützen wollt, könnt ihr höflich formulierte Briefe an die UNO-Behörden im Kosovo schreiben, in welchen ihr sie auffordert, eine strafrechtliche Untersuchung zum Tod von Mon Balaj und Arben Xheladini anzustrengen. Weiter könnt ihr sie auffordern die Immunität aller Angehörigen der UNMIK-Polizei aufzuheben, welche verdächtigt werden an den beiden Todesfällen beteiligt zu sein, und an die rumänischen Behörden appellieren alle rumänischen Polizeibeamten in den Kosovo zurückzusenden, die bei der Demonstration anwesend waren, sodass eine Befragung dieser erfolgen kann.
von Dennis Horn
Schreibt an:
Joachim Rücker
Special Representative of the
UN Secretary-General
Room 511
UNMIK Headquarters
38000 Pristina
Kosovo
Telefax: 001 – 212 – 963 98 77
E-Mail: ehailu@un.org
(Standardbrief Luftpost bis 20g: € 0,70)
Und sendet bitte eine Kopie eures Schreibens an:
Botschaft von Rumänien
S.E. Herrn Bogdan Mazuru
Dorotheenstr. 62–66
10117 Berlin
Telefax: 030 – 21 23 93 99

Terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not
Eine Vechtaer Arbeitsgruppe stellt sich vor

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Foto: Hans-Martin Grosse-Oetringhaus / terre des hommes
Die gemeinnützige Organisation terre des hommes wurde 1966 in der Schweiz gegründet. Ziele der Arbeit waren zu Beginn in erster Linie die Versorgung von Kindern in Kriegsgebieten. Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Arbeitsgebiet jedoch stetig. Heute steht der Name terre des hommes für zahlreiche rechtlich unabhängige und selbstständige Organisationen, welche unter dem Dachverband International Federation terre des hommes zusammenwirken. Die Organsitation sieht sich selbst als entwicklungspolitisches Kinderhilfswerk, das sich bei seiner Arbeit streng an den Kinderrechten orientiert. Finanziert wird die Arbeit von terre des hommes in erster Linie durch Spenden, hinzu kommt ein geringer Anteil öffentlicher Zuschüsse. Daneben sind es vor allem auch ehrenamtliche Arbeitsgruppen, welche die Arbeit von terre des hommes maßgeblich unterstützen. Inzwischen existieren in 129 deutschen Städten Gruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben. Menschen über Projekte zu informieren, Spendenaufrufe zu organisieren, sowie auf Probleme aufmerksam zu machen.
Seit Ende 2007 existiert eine solche Arbeitsgruppe nun auch an der Hochschule Vechta, die von Studierenden ins Leben gerufen wurde. Neben Informationsveranstaltungen sind vor allem Filmabende, Ausstellungen und regelmäßige Treffen der Gruppe geplant, zu denen Interessierte jederzeit eingeladen sind. Schwerpunktthemen der Arbeitsgruppe stellen unter anderem Kinderarbeit, Kindersoldaten, sowie mangelnde Bildungsmöglichkeiten in Entwicklungsländern dar. Darüber hinaus werden auch regionale Aspekte in die Projektarbeit der Gruppe miteinbezogen. Trotz der vielen Vorhaben betonen die Studierenden, dass in erster Linie der Spaß an ehrenamtlicher Tätigkeit und der Kontakt mit Gleichgesinnten im Vordergrund stehen sollen. Weitere Informationen über die Arbeit von terre des hommes können der Homepage www.terredeshommes.de entnommen werden. Herzlich seid ihr auch zu der studiVZ-Gruppe terre des hommes eingeladen, in der ihr über alles auf dem Laufenden gehalten werdet. Wer Interesse an einer Teilnahme in der Arbeitsgruppe hat oder sich generell über die Projekte der Vechtaer Studierenden informieren möchte, kann dies über die neue Kontaktadresse terre-des-hommes-vechta[at]gmx.de.
von Britta Simon, Stefanie Bruns und Johanna Olberding

terre des hommes

Die Linke – ein Streitgespräch

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Pro
Nun ist es geschehen. Wieder einmal hat sich die so genannte Linke aufgespaltet und heraus gekommen ist eine Partei aus WSAG und der PDS. Sie beansprucht nichts weniger, als das Konzept für soziale Gerechtigkeit zu haben und das schlechte Gewissen der etablierten Parteien zu sein. Ihr aggressiver Wahlkampf und die geballten Polemiken der beiden Vorsitzenden Gysi und Lafontaine verfehlen ihre Wirkung nicht: SPD und CDU entdecken soziale Inhalte wieder für sich und die Menschen wählen dennoch die Linke. Oft einfach nur um den anderen Parteien eins auszuwischen. Doch letztlich haben diese Protestwähler die Türen für die Linke in die Landtage von Hessen und Niedersachsen geöffnet.
In einer Demokratie bestimmt der Wähler, wer an die Macht kommt. So sollte es zumindest sein. Doch die Parteien denken gar nicht daran, sich mit dieser Situation zu arrangieren und es auch als Chance zu sehen für neue Koalitionen und neue politische Spielräume. Stattdessen wird Wahlkampf mit der Aussage gemacht „Mit denen werden wir nicht zusammen arbeiten.“ Das ist nicht nur reichlich wenig Inhalt für eine Volkspartei, das ist schlichtweg dumm. Schon in den 80er Jahren gab es eine ähnliche Entwicklung, als die Grünen auf den Plan traten und das gut eingespielte Drei-Parteien-System durcheinander brachten. Damals wie heute zeigten die etablierten Parteien die gleiche Reaktion: Ablehnung. Damals machte der in Hessen amtierende Ministerpräsident Börner die Grünen hoffähig, indem er gegen alle Widerstände mit ihnen koalierte. Schließlich und endlich regierten die Grünen zusammen mit der SPD unter der Führung von Gerhard Schröder unser Land. Eine Koalition ist nie eine Liebesheirat, sondern in den meisten Fällen ein Kompromiss auf dem kleinsten Nenner. Auch wenn es wohl keiner zugeben würde, geht es vordringlich darum, die Gestaltungsmacht zu haben. Diese hätte natürlich jede Partei gern für sich allein. Doch mit dem Einzug der Linken in das Parlament wird es wohl keine Regierung einer Partei mehr geben (Bayern ausgenommen). Umso wichtiger ist es für die Parteien, handlungsfähig zu bleiben. Deswegen sollten nach einer Wahl zunächst mit allen Parteien Gespräche geführt werden. Letztlich sollten dann Inhalte die Koalitionsbildung bestimmen.Die Linke wird nicht verschwinden nur weil die etablierten Parteien nicht mit ihr reden.
Grafik: die-linke.de
Vielmehr sollten sie mit in die Verantwortung genommen werden. Denn spätestens dort wird sich zeigen, wie viel ihre Wahlversprechen wert sind.
von Stefanie Bruns
Contra
Die Linkspartei ist nun also auch in vier alten Bundesländern vertreten. Das kann man einerseits als Unzufriedenheit mit den großen Volksparteien CDU und SPD ansehen. Andererseits muss man aber nicht die beliebte Phrase der „Politikverdrossenheit“ benutzen, sondern kann das Wort „Politikignoranz“ einführen. Die bisherigen Erfolge, die die Linkspartei in den Parlamenten der neuen deutschen Länder vorzuweisen hat, sind ungefähr so hoch wie die der NPD. Gehen also gegen null. Ich bin mir über die moralische Frage des Vergleiches völlig bewusst, keine Sorge. Zumindest ist aber hier schon einleuchtend, dass eine Frustwahl selten die erhoffte Verbesserung mit sich bringt.
Nicht nur die Aussagen, die die Linkspartei tätigt, sind utopisch. Ein Mindestlohn von 1000 Euro hört sich natürlich gut an. Nur wer das bezahlen soll, das weiß keiner. Die Steuerzahler, die sowieso kaum noch über eigenes Geld verfügen? Der Staat, dessen Kassen leer sind? Oder der Arbeitgeber? Letzteres wäre vielleicht am Besten, doch frage ich mich wie ein Frisör seine Lehrlinge mit 1000 Euro bezahlen soll, wenn ein Haarschnitt 10 Euro kostet. Ich persönlich möchte nicht 20 Euro dafür zahlen, denn die habe ich nicht! Eine Außenpolitik ist bei der Linkspartei leider überhaupt nicht vorhanden, außer dass man die EU an sich unterstützt, die deutschen Truppen gefälligst nach Hause kommen sollen, eine weltweite Abrüstung von Nöten ist, und dass nach der Auflösung der NATO nur noch Friede, Freude, Eierkuchen herrscht.
Die Politiker selbst sind auch wenig vertrauenswürdig. Das Sprachrohr Gregor Gysi hat schon im Jahre 2002 bewiesen, dass er unfähig ist, ein politisches Amt zu bekleiden. Ganze 6 1/2 Monate hat er als Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen in Berlin hinter sich gebracht. Bravo. Und jetzt wollen die Linken also in die Landtage eintreten. Sie werden es auch.
Aber sollte man wirklich darüber nachdenken, die ewiggestrigen Pseudokommunisten mit in den politischen Alltag einzubringen? Oder sollten die großen Parteien nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben und ihre soziale Ader wiederfinden und damit Politik auf der ganzen Bandbreite abliefern, statt ihre eigenen Wahlversprechen, wie es Frau Ypsilanti getan hat, in der Luft zu zerschießen? Oder sollte nicht die Linkspartei auch ein wenig von ihren harschen Standpunkten abrücken? Das Risiko, weiter in die Mitte zu rücken, ist dann zwar gegeben, aber mehr Alltagstauglichkeit würde den Linken sicherlich auch mehr Zuspruch geben und nicht Wählerstimmen im zweistelligen Prozentbereich zur Verschwendung verkommen lassen.
von Sebastian Dargel

Neues aus Übersee

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Sonntage eignen sich besonders gut für Spaziergänge.
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Nicht nur für ältere Generationen in den Wäldern des Umlandes, auch für Mittzwanziger in urbanen Welten. An einem Sonntag im März waren wir mit den Drei As des Autonomen Architektur Ateliers Bremen und 120 Interessierten in der Bremer Überseestadt unterwegs, unter dem Titel: Neues aus Übersee. Keine Führung durch touristisch interessante Bereiche, sondern die Fortbewegung als Selbstzweck, verbunden mit der Betrachtung des städtischen Raums. Das vermeintlich Uninteressante wird sichtbar, herausgehoben aus dem Dornrösschenschlaf des Alltags. Gebäude, Freiflächen, seit Jahren oder gar Jahrzehnten brach liegend, auf ihre Umnutzung wartend. Zeitzeugen der Industrialisierung, teilweise abgetragen und auf einen Haufen geworfen. Aber es gibt auch Gebäude, die von der Abrissbirne verschont blieben. Sie erhalten ein neues Leben. Daneben das aufgefüllte Hafenbecken, von einem Zürcher Landschaftsarchitekten zu einer Hügellandschaft umgewandelt.
So machten sich also drei Vechtaer Studenten auf, um urbane Welten zu entdecken. Mit unseren Füßen, Augen und Ohren. Es ging über Beton und Asphalt, über Hügel und Gräben, an einsamen Garagen und neuen Discountern vorbei. Wir wandelten sogar über Wasser, ehemaliges Wasser (oben genanntes Hafenbecken). Wir sahen vom Parkhausdach halb Bremen, sahen alt neben neu, verfallen neben schön, sahen die Natur ihren Platz zurück erobern. Wir hörten drei junge Architekten, teilweise sympathisch nervös, und lernten dabei, was wohnen im Mischgebiet ist, wo alternatives Theater gespielt wird, was Schuppen außer Treckergaragen noch sein können und wo die Wetten dass? Außenwette stattfand. Nach drei Stunden spazieren, klettern, wandern gab´s noch ein nettes Angebot zu Kaffee und Gespräch.
von Björn Franke und Julia Stock
Bildnachweis: bfBildnachweis: bf
Fotos: Björn Franke

Bilderalbum
uniVista No. 08: Überseestadt

Schadstoffstark und leistungsarm

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Geplanter Stopp
kurz vor der niederländischen Grenze
Foto: Britta Simon, René Kohn
Wieso werden Bekannte ständig an der Grenze zwischen Holland und Deutschland angehalten? Liegt es vielleicht am Fahrzeug (VW Bus T1) mit dem sich schmuggeln noch lohnen würde? Liegt es an den klischeebehafteten Dreadlocks? Oder sind es die schweren Augenlider, mit denen manche aufgrund einer Liderschwäche schon seitdem sie vier sind herumlaufen müssen? Ist der Faktor „Aussehen“ überhaupt ein Kriterium für Zollfahnder, sich die Gestalten im Auto genauer anzusehen?
Wir haben wirklich an alles gedacht und vorher im Internet ausspioniert, wie man sich am sichersten in die Fänge des Zolles bringt. Das ist eigentlich ganz einfach: Nächstgrößere niederländische Stadt anfahren, sich zwielichtig vor Coffeeshops rumtreiben, den Beamten Zeit lassen, sich das Kennzeichen zu notieren und dann möglichst unauffällig über die fast unsichtbare Grenze zwischen der BRD und den Niederlanden fahren. Irgendwann sollte man dann, wenn man alles richtig gemacht hat, an den rechten Seitenstreifen gelotst werden und sich den Damen und Herren der Grenzüberwachung stellen dürfen.
Die Idee:
Wir fahren nach Holland und überqueren die Grenze immer und immer wieder, in unterschiedlichen Verkleidungen und Autos, bis wir angehalten werden und der niederländischen oder deutschen Polizei erklären, wie die Mottoparty heißt, zu der wir unterwegs sind. Das wird ein Spaß!!!
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Flower Power-Posing
Foto: Britta Simon
Materialien:
Ein alter, schmutziger, leicht verbeulter Polo FOX und ein neuer, glänzender, schmucker Nissan Micra aus dem großen Fuhrpark der Redaktion. Natürlich tippten wir alle auf eine schnelle Gefangennahme des Fuchses.
Verkleidungskrams (Perücken, Schminke, Kostüme), Utensilien (große Schultüte, die wir entsprechend gestalten, Schmuck, Sonnenbrillen…)
Die Durchführung:
Wir fahren vormittags los in Richtung und durchs Emsland, Haren. Der Grenzübergang befindet sich von Vechta aus in etwa 150 km Entfernung. Zwei Kilometer davor ist der Treffpunkt auf der deutschen Seite. Zwei Kilometer hinter der Grenze der niederländische. Ist klar, oder? Am Treffpunkt wird sich umgezogen und schick gemacht für die Überfahrt. Im Falle eines Autos: Vier Male (sprich hin und zurück und hin und zurück), im Falle von zwei Autos die Hälfte, also jeweils hin und zurück. Macht unterm Strich 2-4 Verkleidungen für jeden. Am späten Nachmittag bis abends sollte die Rückreise möglich sein, es sei denn, wir befinden uns derweil in einer Zelle, was blöd wäre, weil wir das ja schon hatten, es sei denn, wir landen in einer niederländischen Zelle – der ultimative Zellenvergleich!
Welche Frage sich dem uniVista-Team stellt, ist nun: Reicht es schon aus, einfach nur unkonform auszusehen und sich in Grenznähe aufzuhalten um Bekanntschaft mit den Wächtern der Grenzen zu machen? Testen.
Einige Möglichkeiten: Langes Haar muss natürlich mindestens in einem Fall aus dem Fenster wild im Fahrtwind wehen. Die Schultüte lugt ebenso aus dem Fenster. Eine Fraktion sollte komplett mit Sonnenbrillen unterwegs sein. Aktenkoffer wären auch nicht schlecht. Höh höh… Personenanzahl:
Bildnachweis: bs, rk
Bildnachweis: bs, rk
Bildnachweis: bs, rk
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Fotos: Britta Simon, René Kohn
Vier Leute in jedem Fall, entweder in einem Auto oder zwei in jedem. Für die Zwei-Auto-Variante wären auch sechs Leute möglich.
Das Hippieoutfit:
So wie unsere Generation es noch aus der CD-Werbung Top Hits of the Sixties kennt. Ihr wisst schon. Diese Werbespots, wonach man denkt, das Sound of Silence und Mercedes Benz ein und derselbe Song sind oder zumindest, dass sich diese astrein zusammenmixen lassen.
Außerirdisch:
Ein bisschen Alufolie auf dem Schädel toupieren und schon sieht man aus wie ein merkwürdiges Alien. Oder zumindest wie jemand, der Alufolie auf dem Kopf hat. Alf und E.T. drehen sich im kleinen Grabe um.
Geisterfahrer:
Der alte Bettlakentrick schockt immer noch. Und immer dran denken: Große Augenlöcher und eine Mundöffnung sind essentiell für einen gutgelaunten Poltergeist!
Piekfein:
Ja ja, wir putzten uns raus. Nur vom Feinsten. Mein lieber Scholli, ich hab den Anzug immer noch an. Wenn Oma uns so sehen könnte. Piekfein und irgendwo im Nirgendwo.
Von der Theorie in die Praxis:
Die Hinreise im Schnelldurchlauf: Einsteigen, fahren, aussteigen, tanken, einsteigen, fahren, fahren, fahren, aussteigen, Kostüm wählen, umziehen, einsteigen, über die Grenze fahren.
Der piekfeine Dress brachte leider nicht den gewünschten Erfolg. Es war keine Polizistenseele in Sicht. Warum auch? Es ist ja nichts Besonderes, gut gekleidet zu sein. Mehr Chancen erhofften wir uns von den außerirdischen Metallköpfen, doch nichts geschah.
Der Geist brachte auch keinerlei Erfolg. Wieder ein Bettlaken umsonst geopfert. Das nächste mal wird themengerecht gefahren: Gegen den Strom!
Auch das Hippieoutfit, auf welches wir in Verbindung mit dem alten, schmutzigen (ihr wisst schon…) Polo FOX fast schon all unser Bargeld gewettet hätten, machte uns keineswegs verdächtiger. Da kann man nur sagen „Myth busted“ und wieder was gelernt. Es liegt nicht am Aussehen der Fahrzeuginsassen, ob man an den Grenzen einer Kontrolle unterzogen wird. Den Grenzbewachern hätte eine gewisse Toleranz zugesprochen werden können, wenn denn welche vor Ort gewesen wären. Dieser Test ist unbedingt zur Nachahmung geeignet, wenn man einmal „Schadstoffstark und leistungsarm“ handeln möchte.
von Kai Pröpper, René Kohn, Stefanie Bruns und Britta Simon.
Ihr wollt uns leiden sehen? Verständlich!
Schickt eigene Vorschläge für uniVista x-treme an
redaktion[at]univista.de

Back for Good

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In den Semesterferien hatte sich bei uns nicht viel verändert. Auch unser Vermieter, Tequila-Toni, den seine Freundin rausgeworfen hatte, weil er sie mit ihrer Schwester, ihrer besten Freundin und ihrem Friseur betrogen hatte, wohnte noch immer bei uns und litt unter Liebeskummer.

Blöderweise versuchte er jeden Abend, seinen Schmerz in Tequila zu ertränken, und nölte irgendwem von uns besoffen die Ohren voll. Es war wirklich anstrengend. Doch hätten wir ihm sagen sollen, dass er nervt? Immerhin wohnten wir recht günstig.

Wir hielten Krisenrat. Wir mussten ihn loswerden. Nur wie? Wir trauten uns nicht, ihn einfach rauszuwerfen, und irgendwie tat er uns auch leid. Ausgerechnet Bob sollte Recht behalten, denn…

…plötzlich klingelte es. Tequila-Tonis Freundin stand vor der Tür, und wollte – wahrscheinlich beflügelt durch das Frühlingserwachen – ihrer Beziehung eine zweite Chance geben. Nach einem klärenden Gespräch versöhnten sich beide und gingen gemeinsam nach Hause. Wie schön.
Wird Tequila-Toni seiner Freundin treu bleiben? Und was geschieht mit unserer WG, wenn nicht? Wird Enrico sich in einem 24-Stunden-Fitness-Center einrichten, Bob ein Auslandssemester in Kolumbien auf einer Kaffeeplantage machen und Charlene Studium und Wohnung aufgeben, um endlich die lang ersehnte Modell-Karriere in Angriff zu nehmen? Und wird Nadine in die WG kommen und selbst unseren Normalo nicht mehr antreffen? Ihr werdet es erfahren. Versprochen. In der nächsten Ausgabe im Juli 2008.
von Stefan Hirsch

Gleichstellungsbüro plant Fortsetzung des Mentoring-Programms

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Studentinnen mit ihren Mentorinnen aus
dem Mentoring-Programm 2007/2008
Foto: Björn Franke & René Kohn
Beruflich erfolgreiche Frauen unterstützen Studentinnen der Hochschule Vechta bei ihrer Karriereund Lebensplanung.
Die zweite Auflage des Mentoring-Programms für Studentinnen ging Anfang April mit einem Abschluss-Workshop erfolgreich zu Ende. Fast ein Jahr lang konnten zehn Studentinnen der Hochschule von den Erfahrungen weiblicher Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen der Region profitieren. Mentoring ist eine Strategie zur Unterstützung des Nachwuchses bei der Planung und Gestaltung der Karriere. Es basiert auf einer zeitlich befristeten Partnerschaft, in der eine Nachwuchskraft – die Mentee – von einer Führungskraft – der Mentorin – betreut wird. Neben den regelmäßigen Treffen mit ihren Mentorinnen nahmen die Studentinnen zusätzlich an einem Rahmenprogramm teil, das verschiedene Seminare u.a. zu den Themen Selbstbewusstes Auftreten, Selbst-Management oder Bewerbungstraining beinhaltete.
Das Gleichstellungsbüro plant eine dritte Runde des Projekts und will damit weiteren engagierten Studentinnen bei ihrer Karriereplanung helfen. Interessentinnen können sich bei Ann-Kathrin Berkefeld montags und dienstags unterBder Nummer 04441-15-625 melden oder direkt im Gleichstellungsbüro (D-Gebäude) persönlich vorbei kommen.
von Ann-Kathrin Berkefeld

Neues zum Semesterticket

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Ich fuhr mit meinen Freunden nach Bremen. Die Fahrt mit der NWB war kostenlos und ich konnte mir von meinem schon sehr strapazierten Budget gerade noch eine Flasche Wein leisten. Ich war aber frohen Mutes, mit netten Leuten einen entspannten Abend zu verbringen. Die gute Laune verging mir jedoch schnell, als Meike strahlend noch in der Tür erzählte, dass sie und der Rest beschlossen hatten, auf die Reeperbahn nach HH zu fahren. Alle fanden die Idee hervorragend und konnten meine sprachlose Bestürzung nicht verstehen. Als ich erzählte, dass ich pleite bin und mir nicht leisten kann, 40 € einfach so auszugeben, lachten sie nur und schrieen im Chor heraus: „Semesterticket!“. „Toll“, dachte ich – „Semesterticket. War klar“, und antwortete laut: „Ich habe aber keins.“ Diesmal ergriff fast alle stummes Entsetzen. Nur Meike, der nicht mal so etwas die Sprache verschlagen kann, sagte: „Wie? Hast du das Studium aufgegeben? Erzähl!“
Nun, irgendwann wurde der Abend doch noch ganz nett, aber der saure Ticket-Nachgeschmack blieb und nicht mal die Nordwestbahnfahrt konnte ihn versüßen. Kommt Euch dabei was bekannt vor? Ja? Obwohl ich erst seit Kurzem ein Amt im AStA bekleide, habe ich schon einige E-Mails bekommen, die davon zeugen. Um diese zu beantworten, musste ich mich über die Lage und die Bemühungen meiner Vorgänger informieren. Die Situation stellt sich, kurz gefasst, folgendermaßen dar: Es wurden mehrere Versuche unternommen, das Semesterticket zu erweitern. Alle Verhandlungen mit der Bahn scheiterten jedoch nicht nur an den 80,- Euro, die sie für ihr sehr begrenztes Angebot haben wollten, sondern auch an uns Studierenden, die diese Mehrkosten nicht zu tragen bereit waren (s. auch „Unser Semesterticket – ein Streitgespräch“ in uniVista No.7).
Soll das aber alles sein? Nicht doch! Der AStA bleibt weiterhin am Ball und um das zu beweisen, hier unser 3-Schritte- Plan:
1. StadtBus – Ticket
Mit diesem Ticket dürften wir durch Vechta fahren, so viel wir lustig sind. Die Firma Wilmering hat sich Gedanken gemacht und wird speziell für die Hochschulstudenten ihr Angebot erweitern. Außerdem sind Uni- Party-Nachtbusse im Gespräch. Kosten? Das normale Semesterticket kostet 96 €, wir haben die einmalige Chance, es für ca. 10 € zu bekommen.
2. Weser-Ems-Bus
Es geht hierbei um die Linien 660 und 696. Damit wäre auch die Strecke nach Ahlhorn gesichert und wir kämen nach Oldenburg, ohne weitere Kosten auf uns nehmen zu müssen. Herr Schneider, Verkehrsplaner der Weser- Ems GmbH, bemüht sich, die Strecken, die bisher hauptsächlich von Schülern genutzt werden, auch für die Studierenden der Hochschule Vechta attraktiv zu gestalten. Hier seid Ihr alle gefragt! Wann und wohin wollt Ihr fahren, welche Strecken sind für Euch interessant?
3. VBN – Ticket
Zu guter Letzt können wir mit Eurer Zustimmung in den Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen aufgenommen werden und somit hätten wir das gleiche Semesterticket wie 9 weitere Unis in Niedersachsen. Darum geht es doch, oder? Alle Unis, die dazu gehören, bezahlen den gleichen Preis (z.Zt. ca. 90,- €) ohne jegliche Abstufungen, was für unsere verhältnismäßig kleine Uni von großem Vorteil wäre. Wo gilt das Ticket? Innerhalb des VBN-, des VEJ- und des VGC- Gebietes gilt es in allen öffentlichen Verkehrsmitteln, wie Straßenbahnen, Stadtbussen und allen Regionalbuslinien und Nahverkehrszügen (2. Klasse) der NWB, des Metronoms, der EVB, der Nordseebahn und der DB (RE, RB, SE) und weiteren Schienenstrecken. Klartext gefällig? Ein spontaner Reeperbahnbesuch wäre kein Problem mehr. In Hannover shoppen gehen? Aber ja doch, und zwar ohne die lästigen Bahnkosten, dafür aber mit neuen Schuhen in der Tasche.
Das ist unserer Drei-Schritte-Plan. Drei Hürden, die nicht einfach zu überwinden sind. Erstens brauchen wir Eure Unterstützung, Eure Stimmen; zweitens ein wenig mehr Unterstützung (vor allem rechtzeitige Überweisungen des Teils der studentischen Beiträge an den AStA) seitens der Hochschulverwaltung und… Zeit, um die Verhandlungen zu Eurer Zufriedenheit zu führen. Und Ihr seid gefragt. Kommt zur Vollversammlung, zögert nicht, wenn Ihr aufgefordert werdet, an einer Umfrage oder Abstimmung diesbezüglich teilzunehmen.
ABER: Ich will Euch hier kein Verkehrsparadies aufschwatzen und deswegen möchte ich an dieser Stelle unterstreichen, dass die Verhandlungen immer noch im vollen Gange sind. Die genauen Bedingungen müssen noch erarbeitet werden und es ist nicht gesagt, dass die Kooperation mit den Bahn- und Busunternehmen zustande kommt. Das „vollkommene Ticket“ wird auch nicht ab dem kommenden Wintersemester möglich sein, sondern aus Verwaltungsgründen frühestens zum Sommer-semester 2009. Dies erfordert jedoch vor allem Eure Zustimmung. Außerdem hängt auch nicht alles allein vom AStA ab. So ein Ticket ist eine sehr komplizierte Angelegenheit und da wir mit Eurem Geld operieren, können wir uns keine riskanten Investitionen und Verträge erlauben. Habt also bitte noch etwas Geduld mit uns. Über den Verlauf unserer Verhandlungen werden wir Euch auf unserer Homepage informieren.
Aber Kopf hoch! Ich glaube nicht nur daran, ich weiß, dass dieses Vorhaben gute Aussichten auf Erfolg hat.
Mit besten Empfehlungen,
Isabella Mittwollen
AStA- Finanzreferentin

Husarentopf mit Schweinefleisch und Pusztagemüse

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Zutaten:
  • 400 g geschälte Kartoffeln
  • 400 g Balkangemüse und/oder grüne Brechbohnen
  • 90 g Puszta Salat
  • 100 g Mais
  • 90 g Silberzwiebeln
  • eine Paprika
  • 100 ml Rapsöl
  • 400 g frischen Schinken vom Schwein
  • 400 g Tomatenketchup
  • etwas Thymian und geschroteten bunten Pfeffer (nach Geschmack)
Prüfe zunächst alle Produkte auf einwandfreien Zustand, getreu dem Satz: Nur ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig – nur ein wenig verdorbene Zutat verdirbt das ganze Essen.
Wenn alle Zutaten ihrem Aussehen und Geruch nach ansprechend sind, kann es mit der Materialbereitung losgehen.
Du brauchst einen Topf, eine Pfanne, ein Brettchen, Schälmesser und Gemüsemesser. Schäle die Kartoffeln und schneide sie zu Würfeln. Koche sie zusammen mit etwas Salz in Wasser an.
Schneide das frische Schweinefleisch in kleine Stücke und brate es in Öl an. Anschließend gibst du Mais, Pusztasalat, Sielberzwiebeln und das gebratene Fleisch zu den Kartoffeln. Lasse den Husarentopf etwas kochen und gebe nach deinem Geschmack Tomatenketchup, Thymian, Pfeffer und Salz hinzu. Noch einmal umrühren – fertig. Um den Geschmack zu intensivieren kannst du etwas von der Dosenflüssigkeit des Mais und der Silberzwiebeln hinzufügen. Auch etwas Brühe gibt zusätzlichen Geschmack. Vor allem achte aber darauf, dass der Husarentopf nicht zu wässrig wird. Es soll ja auch deftig sein und satt machen.
Das Mensateam Vechta und uniVista wünschen einen guten Appetit!
von Johanna Olberding

Möhren-Zartweizenbratling

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Anette Kröger-Nordiek
Foto: Björn Franke
Zutaten:
  • 80 ml Rapsöl
  • Prise Zucker
  • 40 ml Vollei
  • 60 g geriebenen Goudakäse mit 48% Fett i.Tr.
  • 160 g lose frische Karotten
  • 20 g frischen Porree und Lauch
  • 80 g frische Zwiebeln
  • Etwas Petersilie
  • 120 g Zartweizen
  • Etwas gemahlenen weißen Pfeffer
  • Liebstöckel
  • 30 g Knödelpulver (halb und halb von Pfanni)
  • Etwas Jodsalz
Die ersten beiden Schritte wie oben bei dem Fleischfresserrezept aber ohne den Topf.
WICHTIG: Den Ebly-Zartweizen am Vortag in Wasser einweichen! Putze Möhren und Lauch und schneide sie in Streifen. Schneide die Zwiebeln in kleine Würfel und mische alle Zutaten in einer Schüssel zusammen.
Würze die Masse anschließend nach Geschmack und portioniere die Bratlinge nun á 160 g. Nun kannst Du die Bratlinge in der Pfanne mit Fett braten.
Dazu eine kleine Salat- oder Gemüsebeilage und Kräutersoße. Trennkost und lecker!
Das Mensateam Vechta und uniVista wünschen einen guten Appetit!
von Johanna Olberding

Oh, es klingelt,…
Über das geschlechtsspezifische Fernmeldeverhalten

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“… Hallo, ich bin´s. … Was war denn das heut‘ Morgen im Seminar? Was wollte der Typ denn bitte von dir? (lacht) … (lacht wieder) … Ja, das habe ich mich auch gefragt. … Und eben auf dem Weg nach Hause …. Ja … Da hab ich Katha getroffen. … Du weißt schon, die mit dem Freund. … Na, der mit diesem seltsamen … Genau! (kichert) Naja, sie hat mir erzählt, dass sie Herrn P. gesehen hat. … Nein, nicht in der Uni. Rate! … Nein. … Schlimmer! …. Noch schlimmer! … Genau, in ihrer WG! … Er kam aus dem Zimmer ihrer Mitbewohnerin. Morgens! … Nee, ich kenn die nicht. … Ach. … Ach! … DIE ist das? Hat die nicht `nen Freund? … Ach so, hab ich verwechselt. Aber wie krass ist denn das? … Naja, zurück zu vorhin. Was hat der Typ gesagt? … Schon ein bisschen stumpf, oder? … Und, was machst du jetzt? … Echt? … Hm, ich weiß nicht. Sicher? … Wart‘ doch erst mal heute Abend ab. … Wie, du kommst nicht? Warum? … Kein Geld ist keine Ausrede. … Man, hier geht doch sonst nix, da muss man wenigstens mittwochs los. … Wir könnten doch vorsaufen. … Ich hab noch Reste. … Eklig? Eklig macht besoffen! (lacht) … Doch doch, das wird super. … Kannst ihn ja auch einladen. (lacht lauter) … Ok, eigentlich war das ein Scherz. … Naja, kannste ruhig machen. Ich frag dann noch ein paar Leute. … Ich meld mich später noch mal. … tschüß!“ „ … Hey. … Richtig! … Also, ich wollt dich fragen, ob du heut‘ Abend zum Vorsaufen kommst. … Bei mir. … Keine Ahnung, so um acht, neun? … Das ist ja super, ich hab auch noch was. … (lacht) … Ja, das hab ich auch schon gehört. Krass, ne?! … Ich dacht auch, ich fall aus allen Wolken, als Nadja das erzählt hat. … Unglaublich. … Ich mein … Irgendwie ist er ja auch ganz niedlich. … Naja, im Vergleich zu den anderen Profs. … Nein, ich bin nicht eklig! (lacht leise) … Oh, warte mal grad. … Da war nur grad mein Mitbewohner, hab das mal mit heut‘ geklärt. Der lädt dann auch noch ein paar Leute ein. … Gut, dann bis später! …”
“… Hallo. … Ich bin´s. … Ich rufe eigentlich an wegen…
Bildnachweis: pixelio.de (162319, 162320)
© Konstantin Gastmann / PIXELIO
Genau, woher … Ach, und hat sie auch von ihrer neuen Bekanntschaft erzählt? … Ja, dem Typen von heut‘ Morgen. … Der aus dem Seminar. … Ja, sie will sich ja anscheinend wirklich mit dem treffen! Oder ihn mitbringen heut Abend. … Hm. (lacht) … Und das von Nadjas Mitbewohnerin, haste das gehört? … … …”
von Julia Stock
Frauen und Naturwissenschaften, diese Kombination klingt ebenso phantastisch wie Frauen und Technik. Aber war es nicht Madame Curie, die das hochgefährliche Radium entdeckte? Und was die zweite Sache betrifft, fällt mir auf Anhieb eine technische Errungenschaft ein, die zwar von keiner Frau erfunden worden ist, aber die sie sich so sehr zu eigen gemacht hat, dass man das eine nicht mehr ohne das andere denken kann: das Telefon. Es ist schon abenteuerlich, wie lange und mit welcher Intensität die weiblichen Wesen unter uns das Telefonieren zelebrieren. Tag ein, Nacht ein – aus. Welch verbales Spiel, das kein Gegenüber in 3D braucht, welch gestische Vollkommenheit, die seit der Erfindung des kabellosen Telekommunikationsgerätes weitere Perfektion erfährt. Von Handys und den grenzen- und mauerlosen Möglichkeiten gar nicht zu sprechen. Unter dem Strich ist das alles wirklich eindrucksvoll und irgendwie, ja, auch irgendwie erschreckend. Was Männer vielleicht am Anfang einer Beziehung und ansatzweise in Fernbeziehungen schaffen und sonst möglichst kompakt in drei Sätzen runtersagen, da kommt Frau und füllt auf: ein eingeschobener Nebensatz, denn so gehört es sich, hier. Einen Hauptsatz finden wir noch dort. Und am Ende ist noch lange kein Ende in Sicht, sondern Punkt Punkt Punkt… Es ist nicht so, dass ich ein absoluter Anti-Telefonierer bin, ganz bestimmt nicht, aber manchmal habe ich einfach keine Lust. Ich sage dann Ja- oder Hm- oder Mhm-Sätze. Kennt jeder. Und manchmal bewege ich ganz langsam den Hörer weg, die Stimme am anderen Ende wird dann immer leiser. Dann wieder halte ich nur meinen Mund dran und sage einen dieser besagten Sätze, am besten aber nicht Ja, wenn ich vorher gar nichts gehört habe. Wenn Frau trotzdem fragen sollte, warum ich Mhm oder Hm gesagt habe, dann kommt die Ausrede mit dem Pudding, den ich gerade esse und der mir schmeckt. Nüsse eignen sich verständlicherweise nicht. Übrigens ist das mit dem Essen eine galante Ausrede, wie ich finde, denn beim Essen will man doch niemanden stören, oder? Also ist das Gespräch beendet. Bis es dann zehn Minuten später wieder klingelt. Man könnte dann unter die Dusche gesprungen sein, nen Spontanbesuch von nem Kumpel bekommen haben – nur auf ein Bier, versprochen! Man könnte, man könnte. Mann hätte auch etwas anderes erfinden können als das Telefon. Aber dann hätte es die Frau irgendwann erfunden. Garantiert! Und ich glaube sowieso, dass ein kaputtes Telefon, das noch funktionieren könnte, von einer Frau, eingeschlossen in einem Raum, ohne Probleme, mit etwas Zeit, repariert werden würde. Garantiert.
Nun gut, ich mache Schluss, denn es klingelt … oh, es ist das Telefon…
von René Kohn

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