No 14 – Februar 2010
Inhaltsverzeichnis:
- [↓] PDF: PDF-Version der 14. Ausgabe
- [↓] Test: Kannst Du einschätzen, wie Du auf andere wirkst?
- [↓] Uni: Offener Brief ans stille Örtchen
- [↓] Studium: “Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut”
- [↓] AStA informiert: 2010 – Ein nächster Schritt
- [↓] Uni: Aktionstag für Menschen mit Behinderung und chronischer Krankheit
- [↓] Leben: Die Welt in Tönen und Farben erschmecken
- [↓] Gesellschaft: Ganz schön hohl
- [↓] Kultur: The End is Near!
- [↓] Kunst: Art-Trash
- [↓] Kultur - Portrait: Erbarmungslos schlecht und irgendwie auch traurig
- [↓] Musik: Smells Like Musikrubrik
- [↓] Verschiedenes: Traumtrash – Recyceln ist sinnvoll!
- [↓] Studentisches: Ich bin viele – Ein Hoch aufs Stalken
- [↓] Studium: Ein Brasilianer in Vechta
- [↓] Literatur - Studentisches: Das Streben nach Wissen
- [↓] Perlen der Bibo: Kunst der Poesie, Ambitionen und Abgründe
- [↓] Perlen der Bibo: Kracht goes Postapokalyptik
- [↓] Horoskop: Horoskop Februar 2010
- [↓] Kreatives Forum: Träumer
- [↓] Studentendinner: Schweinemedaillons “Westmoreland”
- [↓] uniPlay: Fliegerbombe und Schleudergang
- [↓] Kolumne: Dreck – Ein Hoch auf die Putzlappen
Offener Brief ans stille Örtchen

Foto: Johanna Olberding
Liebstes stilles Uni-Örtchen,
ich hörte, Du wärest ziemlich angepisst!? Ich kann Dich da durchaus verstehen. Menschen besuchen Dich Tag für Tag und es ist kein „Sitzen-bleiben“, sondern ein „Stuhl-gang“. Wie soll da eigentlich ein auf gegenseitige Wertschätzung beruhendes Gespräch entstehen? Sie laden ihren Mist bei Dir ab mit der selbstverständlichen Annahme, dass du es einfach runterspülst.
Dies ist nicht der Grund für Dein verstopftes Aggressionsventil!? Das ist Dein Job? O.K., Du fühlst Dich trotzdem beschissen? Du stehst immer da und keinen interessiert es, wie er Dich verlässt? Getreu dem Motto „Lieber ein scheiß Ende, als endlose Scheiße“ ergeht es Dir und der häufige Appell „Verlasse mich so, wie Du mich vorfinden möchtest!“, geht in die Hose.
Ich möchte mich hier für Dich aussprechen. Du bist immer da, wenn man Dich braucht. Manchmal bist Du besetzt, aber sobald Du wieder frei bist, kann jeder kommen. Unter Deinen Hygienekollegen bist Du die am meisten besuchte.
Vergessen werden doch gerne einmal die kleinen, farbigen Mülltrennungseimer. Zwar auf jedem Flur beheimatet jedoch oft unbeachtet klagen sie mir ihre Einsamkeit. Dabei helfen sie doch jeden Mist zu sortieren und sind darin oft präziser als mancher Therapeut.
Sie würden sich also, ebenso wie Du, fürsorglicherer Beachtung erfreuen. Dann geht auch er besser runter, der Uni-Alltag.
von Johanna Olberding
“Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut”

Dieser Ruf klang am 2. Dezember 2009 durch die Straßen von Vechta. Nachdem in den Nachrichten von europaweiten Protesten unter der Überschrift Bildungsstreik berichtet wurde, taten auch die Studenten und Studentinnen der HS Vechta ihren Unmut über das Bildungssystem Jahr kund. Im Gegensatz zu den doch eher kleinen Demos vor der Einführung der Studiengebühren und der ersten Bildungsstreikaktion „Betteln für Bildung“ im Sommer `09 (mit ca. 100 Teilnehmern) folgten dieses Mal unglaubliche, nach der Schätzung der Polizei, 500 Menschen dem Aufruf des AStA. Schon allein diese Menge macht deutlich, in Vechta bewegt sich etwas. Mit dem guten Gefühl nicht allein zu sein, zogen die StudentInnen und auch Dozierende zunächst auf der Windallee Richtung Füchtel, um dann in die Große Straße einzubiegen. Wartende PKWs drückten mit lautem Hupen ihre Solidarität aus. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der großen Kreuzung vor Fix und Fax ging es dann zurück zur Hochschule und in die Aula.
Dort angekommen positionierten sich die studentischen VertreterInnen sowohl zu den bundesweit einheitlichen Forderungen, bezüglich der Mängel der Bachelor- und Masterstudiengänge, als auch zu den expliziten Forderungen an das Präsidium der Hochschule Vechta. Dieses reagierte prompt und stellte seine Position dar. Ebenso gaben Dozierende wie unter anderem Professor von Lahr und Professor Möhring Hesse ihre Meinung kund. Dabei wurde mit Parolen wie „Lassen Sie sich das nicht gefallen!“ (von Lahr) und guten Ratschlägen nicht gespart.
Zusammenfassend lassen sich drei Feststellungen treffen:
- Die studentische Vertretung ist nah an den Studierenden dran und in der Lage deren Wünsche schnell und gut umzusetzen. Denn der Wunsch nach dieser Demo wurde an sie heran getragen und sie reagierten prompt.
- Die Studierendenschaft ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und scheint mobilisiert.
- Das Präsidium ist zum Dialog bereit und arbeitet hinter den Kulissen an der Umsetzung zumindest einer Forderung, nämlich der besseren Transparenz über die Verwendung der Studiengebühren. Bereits vor den Protesten trat die AG Studiengebühren an uniVista heran und arbeitet mit uns zusammen an einer Möglichkeit die Hochschulöffentlichkeit über die Verwendung der Gelder umfassend zu informieren.
von Stefanie Bruns
Bilderalbum
2010 – Ein nächster Schritt
Ausblickend auf das Jahr 2010 gehen wir nun schwanger mit dem 2009 begonnenen bundesweiten Bildungsstreik, welcher von dem „Aktionsbündnis gegen Studiengebühren“ (ABS) und dem „Bündnis für Politik- und Meinungsfreiheit“ (bpm) organisiert wurde und gewiss auch in diesem Jahr weiter Thema sein wird.
Nachdem nun die Meinung der Studierendenschaft ein öffentliches Ohr gefunden hat – es ist gewiss noch nicht an jedes Ohr gedrungen – gilt es, bei der inneren Missstandswahrnehmung insofern zu verbleiben, die Nischen zur Eigeninitiative – neben Demonstrationen – weiter zu entdecken, abzusichern und zu nutzen.
Unmutsausdrücke wie “Das bringt doch nichts.”, “Als einzelne/r kann ich nichts ändern” u.v.m. weichen dem Bewusstsein konstruktiver Kommunikation und Zusammenarbeit.
Die Reichweite einer gegenwärtigen Position schafft die Möglichkeiten des gegenwärtigen Denkens und Handelns. Die Grundlage für jede Position bleibt die Information über aktuelle Geschehnisse im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen fällt unsere Hochschule in den Fokus. Die Aktionen vom 16. Juni und 2. Dezember 2009 verdichteten sich auf einen Appell an die „Baustellen“ der Hochschule Vechta selbst. Die Ende Januar diesen Jahres neugewählten Vertreter der Studierenden im Studierendenparlament (StuPa), Senat, der Zentralen Kommission für Lehre und Studium (ZKLS) sowie der Kommission für Frauenförderung und Gleichstellung (KFG) bedürfen Eurer Informationen aus Studiengängen, Veranstaltungen, von Prüfungsbedingungen u.s.w. Dabei bilden besonders Ungereimtheiten, Veränderungswünsche, Hinweise etc. die zu vertretende Meinung, welche den Studierendenvertretern in den Gremien der Hochschulpolitik eine Handlungsgrundlage bietet.
Nachdem nun die Meinung der Studierendenschaft ein öffentliches Ohr gefunden hat – es ist gewiss noch nicht an jedes Ohr gedrungen – gilt es, bei der inneren Missstandswahrnehmung insofern zu verbleiben, die Nischen zur Eigeninitiative – neben Demonstrationen – weiter zu entdecken, abzusichern und zu nutzen.
Unmutsausdrücke wie “Das bringt doch nichts.”, “Als einzelne/r kann ich nichts ändern” u.v.m. weichen dem Bewusstsein konstruktiver Kommunikation und Zusammenarbeit.
Die Reichweite einer gegenwärtigen Position schafft die Möglichkeiten des gegenwärtigen Denkens und Handelns. Die Grundlage für jede Position bleibt die Information über aktuelle Geschehnisse im Kleinen wie im Großen. Im Kleinen fällt unsere Hochschule in den Fokus. Die Aktionen vom 16. Juni und 2. Dezember 2009 verdichteten sich auf einen Appell an die „Baustellen“ der Hochschule Vechta selbst. Die Ende Januar diesen Jahres neugewählten Vertreter der Studierenden im Studierendenparlament (StuPa), Senat, der Zentralen Kommission für Lehre und Studium (ZKLS) sowie der Kommission für Frauenförderung und Gleichstellung (KFG) bedürfen Eurer Informationen aus Studiengängen, Veranstaltungen, von Prüfungsbedingungen u.s.w. Dabei bilden besonders Ungereimtheiten, Veränderungswünsche, Hinweise etc. die zu vertretende Meinung, welche den Studierendenvertretern in den Gremien der Hochschulpolitik eine Handlungsgrundlage bietet.
Viele Studierende der Hochschule Vechta sind am 2. Dezember 2009 in den „Rausch“ der durchaus berechtigten Demonstration gekommen. Jetzt Bedarf es des Umstrukturierungs-Rausches. Der verläuft um etliches stiller und zieht keineswegs so viel mediale Aufmerksamkeit auf sich. Er ist jedoch notwendig um dieses Kind auf die Welt zu bringen und zwar in einen vorbereiteten Kontext, welcher dem Kind – nennen wir es einmal Bildung jr. – gute Voraussetzungen zur „Bildung“ gibt.
von Johanna Olberding
Aktionstag für Menschen mit Behinderung und chronischer Krankheit
Die Hochschule als Ort der Bildung besitzt einen Auftrag. Dieser besteht nicht nur in der Forschung und der Wissensvermittlung, sondern auch in der Sicherstellung von gesellschaftlicher Teilhabe, Chancengleichheit und Integration. In diesem Sinne gab es am 25. November 2009 den Aktionstag mit dem Schwerpunkt „Schwerbehinderung und chronische Krankheit“.
Nachdem bereits die ersten baulichen Maßnahmen die Hochschule der Barrierefreiheit ein Stück näher gebracht haben, wurde der Umgang mit Schwerbehinderung und chronischer Krankheit auch inhaltlich gefüllt. Der Aktionstag bot eine erste Möglichkeit sich ausführlich sowohl fachlich als auch persönlich zu den verschiedensten Themen, vom persönlichen Budget, über die Rentenversicherung bis hin zur Organspende zu informieren. Zum einen durch die Referate von Experten und die Möglichkeit zur Diskussion, zum anderen an den zahlreich vorhandenen Infoständen der Aussteller.
Genutzt wurde dieses Angebot von ca. 60-70 Besuchern, die überwiegend nicht der Hochschule angehörten. Obwohl beinahe alle Studierenden in ihren Fachgebieten mit dieser Thematik spätestens im Berufsalltag professionell konfrontiert sein werden, haben nur wenige den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden.
Die Anwesenden jedoch äußerten sich über das Programm äußerst zufrieden. Das wurde auch in den zum Teil lebhaften Diskussionen nach den Referaten deutlich. Neben der Information war so der Austausch, vor allem zwischen den einzelnen Institutionen und professionellen Helfern, einer der zentralen Verdienste dieses Tages.
Genutzt wurde dieses Angebot von ca. 60-70 Besuchern, die überwiegend nicht der Hochschule angehörten. Obwohl beinahe alle Studierenden in ihren Fachgebieten mit dieser Thematik spätestens im Berufsalltag professionell konfrontiert sein werden, haben nur wenige den Weg zu dieser Veranstaltung gefunden.
Die Anwesenden jedoch äußerten sich über das Programm äußerst zufrieden. Das wurde auch in den zum Teil lebhaften Diskussionen nach den Referaten deutlich. Neben der Information war so der Austausch, vor allem zwischen den einzelnen Institutionen und professionellen Helfern, einer der zentralen Verdienste dieses Tages.
In der Folge haben sich vor allem in Vechta ansässigen Träger stärker vernetzt, so dass eine effektivere Zusammenarbeit möglich wird.
Darüber hinaus entstand ein Schulprojekt an der Justus von Liebig Schule. Die Abiturienten des sozialen Zweiges wollen nun, angeregt durch den Aktionstag, einen Wegweiser für behinderte Menschen erstellen und so die wichtigsten Informationen für Betroffene kompakt und einfach zur Verfügung stellen.
Auch für die Hochschule hat dieser Tag Folgen. Eine kleine, aber für Betroffene wichtige Anschaffung wird in der Mensa das Essen gehen erleichtern. So wird das Gleichstellungsbüro einen Rollwagen für die Mensa anschaffen, so dass die Tabletts bei Bedarf auch zum Sitzplatz geschoben werden können.
Darüber hinaus entstand ein Schulprojekt an der Justus von Liebig Schule. Die Abiturienten des sozialen Zweiges wollen nun, angeregt durch den Aktionstag, einen Wegweiser für behinderte Menschen erstellen und so die wichtigsten Informationen für Betroffene kompakt und einfach zur Verfügung stellen.
Auch für die Hochschule hat dieser Tag Folgen. Eine kleine, aber für Betroffene wichtige Anschaffung wird in der Mensa das Essen gehen erleichtern. So wird das Gleichstellungsbüro einen Rollwagen für die Mensa anschaffen, so dass die Tabletts bei Bedarf auch zum Sitzplatz geschoben werden können.
Diese Veranstaltung und die aus ihr resultierenden Projekte sind nur kleine Schritte auf einem langen Weg hin zur Barrierefreiheit und Chancengleichheit. Doch auch wenn der Weg noch weit ist, die Hochschule Vechta ist die ersten Schritte gegangen. Auch in diesem Jahr wird es wieder einen Aktionstag mit dem Schwerpunkt Behinderung und chronische Krankheit geben.
von Stefanie Bruns
![]() Die Musikgruppe Takatina und die Veranstalter des Aktionstages
Foto: Stephanie Borchers
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Die Welt in Tönen und Farben erschmecken
Der Zimt riecht pink. Die Sonne schmeckt süß. Der Freitag ist feminin. Das Saxophon klingt quadratisch. Die 6 erscheint geschwätzig.
Die Sinne der Synästhetiker verschmelzen. Sie hören Farben, sehen Musik oder schmecken Ziffern. Solcherlei Aussagen klingen für viele Menschen befremdlich. Dennoch ist Synästhesie* kein Hirngespinst, sondern ein Phänomen, dessen medizinische Ursachen innerhalb der letzten 30 Jahre versucht wurde mit Hilfe der neuesten technologischen Durchbrüche zu entschlüsseln.
So wird zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass bestimmte neuronale Verbindungen für die ungewöhnliche Verkopplung der Sinne verantwortlich sind. Die Forscher vermuten, dass jedes Neugeborene bis zu seinem vierten Lebensmonat die Welt um sich herum synästhetisch wahrnimmt. Mit der Reifung des Gehirns beginnen die Sinne zum größten Teil autonom ihre Aufgaben zu erfüllen.
Bei wenigen Menschen bleiben diese speziellen Verknüpfungen ein Leben lang erhalten. Wie viele Synästhetiker es wirklich gibt, konnte noch nicht genau festgestellt werden. Häufig ist von dem Verhältnis 1:2000 die Rede.
Synästhesie kann verschiedenste Formen annehmen. So ist in der Theorie fast jede Kombination der Sinne denkbar, auch wenn noch nicht alle von ihnen bei Synästhetikern entdeckt werden konnten.
Die Ursache hierfür liegt zum einen an der noch sehr jungen Forschung, zum anderen daran, dass viele Menschen nichts von ihrer Synästhesie wissen. Sie gehen davon aus, dass jeder seine Umwelt auf dieselbe Weise erfährt. Die ungewöhnlichen Gefühle und Verbindungen werden als selbstverständlich beschrieben, da die eigene Welt nie anders erlebt wurde.
So wird zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass bestimmte neuronale Verbindungen für die ungewöhnliche Verkopplung der Sinne verantwortlich sind. Die Forscher vermuten, dass jedes Neugeborene bis zu seinem vierten Lebensmonat die Welt um sich herum synästhetisch wahrnimmt. Mit der Reifung des Gehirns beginnen die Sinne zum größten Teil autonom ihre Aufgaben zu erfüllen.
Bei wenigen Menschen bleiben diese speziellen Verknüpfungen ein Leben lang erhalten. Wie viele Synästhetiker es wirklich gibt, konnte noch nicht genau festgestellt werden. Häufig ist von dem Verhältnis 1:2000 die Rede.
Synästhesie kann verschiedenste Formen annehmen. So ist in der Theorie fast jede Kombination der Sinne denkbar, auch wenn noch nicht alle von ihnen bei Synästhetikern entdeckt werden konnten.
Die Ursache hierfür liegt zum einen an der noch sehr jungen Forschung, zum anderen daran, dass viele Menschen nichts von ihrer Synästhesie wissen. Sie gehen davon aus, dass jeder seine Umwelt auf dieselbe Weise erfährt. Die ungewöhnlichen Gefühle und Verbindungen werden als selbstverständlich beschrieben, da die eigene Welt nie anders erlebt wurde.
![]() “Einige Kreise” von Wassily Kandinsky (1926)
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Nicht-Synästhetiker haben nur bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit synästhetische Empfindungen nachzuvollziehen. Das unwillkürliche, immer gleiche Empfinden bei diesen synästhetischen Erfahrungen bleibt ihnen verborgen. Der einzig mögliche Zugang zu der Perzeption* eines Synästhetikers ist nur unter Hinzunahme des Begriffs der Assoziation denkbar. Diese beiden Vorgänge können nicht gleichgesetzt werden, jedoch dem Verständnis dienlich sein. Jeder kann beispielsweise musikalische Wahrnehmungen mit Begriffen aus anderen Bereichen verknüpfen. Wir können über eine Komposition aussagen, dass sie zu uns spricht, springt oder sich steigert. Derartige Gedankengänge sind für die meisten Menschen gut nachvollziehbar. Genau hier muss jedoch die Assoziation von der Synästhesie differenziert werden. Der Empfänger der Assoziation kann diese nur erleben, wenn er sich auf eine solche einlässt.
Der Synästhetiker hingegen hat keine Wahl. So wird die 6 immer rot, vertraut und feminin sein. Es entstehen untrennbare Einheiten, die nicht nur dann ablaufen, wenn über die Zahl gesprochen, sondern auch wenn nur an diese gedacht wird. Stehen auf einem Blatt schwarze Zahlen, werden sie dennoch, sobald sie gelesen und die Informationen im Gehirn verarbeitet werden, zu bunten Ziffern. Jeder Synästhetiker verbindet hierbei andere Farben und nicht nur diese bleiben über die Jahre erhalten, sondern auch die jeweiligen Nuancen. Ein Magentarot wäre genauso falsch wie Blau, da die 6 immer Weinrot sein muss.
Dass der Klang einer Trompete gelb und kantig erscheint, kann nur von einem Farbenhör-Synästhetiker, wie es zum Beispiel der Künstler Wassily Kandinsky war, nachempfunden werden. Ein Synästhetiker kann nämlich aufgrund seiner Veranlagung andere Synästhesiearten nicht nachvollziehen. Für eine Person, die Töne schmecken kann, und einen Nicht-Synästhetiker ist es gleichermaßen abstrus zu hören, dass jemand Grapheme personifiziert*.
Der Synästhetiker hingegen hat keine Wahl. So wird die 6 immer rot, vertraut und feminin sein. Es entstehen untrennbare Einheiten, die nicht nur dann ablaufen, wenn über die Zahl gesprochen, sondern auch wenn nur an diese gedacht wird. Stehen auf einem Blatt schwarze Zahlen, werden sie dennoch, sobald sie gelesen und die Informationen im Gehirn verarbeitet werden, zu bunten Ziffern. Jeder Synästhetiker verbindet hierbei andere Farben und nicht nur diese bleiben über die Jahre erhalten, sondern auch die jeweiligen Nuancen. Ein Magentarot wäre genauso falsch wie Blau, da die 6 immer Weinrot sein muss.
Dass der Klang einer Trompete gelb und kantig erscheint, kann nur von einem Farbenhör-Synästhetiker, wie es zum Beispiel der Künstler Wassily Kandinsky war, nachempfunden werden. Ein Synästhetiker kann nämlich aufgrund seiner Veranlagung andere Synästhesiearten nicht nachvollziehen. Für eine Person, die Töne schmecken kann, und einen Nicht-Synästhetiker ist es gleichermaßen abstrus zu hören, dass jemand Grapheme personifiziert*.
Synästehie: Altgriech. für „mitempfinden“ oder “zugleich wahrnehmen”.
Perzeption: Unbewusste Prozesse individueller Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung.
Graphem-Personifikationen: Dabei werden Zahlen oder Buchstaben Geschlechtern oder Persönlichkeitseigenschaften zugeordnet.
Wir sehen Farben, hören Töne, riechen Gerüche, ertasten und empfinden.
Diese Vorgänge wirken auf uns, als seien sie unmittelbar und stünden im direkten Kontakt mit der einen, allgemeingültigen Wirklichkeit. Doch neuronale Signale werden von unserem Gehirn nach festgelegten Kriterien subjektiv bewertet und gedeutet. Somit kann unsere eigens durch die Sinne kreierte Welt als dynamisches Konstrukt des Gehirns angesehen werden. Die Hypothese, dass jedes Individuum in seiner eigenen Realität lebt, die es sich zuvor selbst erschaffen musste, kann durch die eigene undurchdringbare Isolation, welche damit vorausgesetzt wird, angsteinflößend erscheinen.
Durch die Erfahrungsberichte der Synästhetiker entsteht jedoch eine Art Praxis zu dieser Theorie, mit derer es uns leichter fallen kann, sich der Individualität der eigenen Wahrnehmung bewusst zu werden und somit vielleicht sogar Einblicke in konträre Weltbilder zu gewinnen.
Diese Vorgänge wirken auf uns, als seien sie unmittelbar und stünden im direkten Kontakt mit der einen, allgemeingültigen Wirklichkeit. Doch neuronale Signale werden von unserem Gehirn nach festgelegten Kriterien subjektiv bewertet und gedeutet. Somit kann unsere eigens durch die Sinne kreierte Welt als dynamisches Konstrukt des Gehirns angesehen werden. Die Hypothese, dass jedes Individuum in seiner eigenen Realität lebt, die es sich zuvor selbst erschaffen musste, kann durch die eigene undurchdringbare Isolation, welche damit vorausgesetzt wird, angsteinflößend erscheinen.
Durch die Erfahrungsberichte der Synästhetiker entsteht jedoch eine Art Praxis zu dieser Theorie, mit derer es uns leichter fallen kann, sich der Individualität der eigenen Wahrnehmung bewusst zu werden und somit vielleicht sogar Einblicke in konträre Weltbilder zu gewinnen.
von Franziska Kliefoth
Ganz schön hohl
Von Flat-Earth-Society und Innenweltkosmos
Gemein aber wahr: Die Globus-Industrie belügt und betrügt uns. Zumindest gibt es Menschen, die das glauben. Auch heute noch…
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Die Erde ist ein Tortenboden. Der Nordpol liegt in der Mitte, drum herum die Kontinente und Ozeane. Die Antarktis ist ringförmig und begrenzt das Ganze nach außen. Davon gingen zumindest die Mitglieder der Flat-Earth-Society aus. Ihr Denken ging auf den Erfinder und Schriftsteller Samuel Rowbotham zurück. Dieser veröffentlichte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Streitschrift, in der er – aufbauend auf Bibel-Interpretationen – begründete, warum die Erde flach sein müsse. Bis zur Zeit des ersten Weltkriegs hatten Flat-Earth-Society und ihre Vorgänger-Organisationen einen gewissen Zulauf, danach wurde es ruhig um die Theorie der flachen Erde. Heute gibt es noch ein paar Internet-Seiten, die sich mit dem Thema befassen. Allerdings nicht wirklich ernsthaft.
Aktiver sind hingegen die Anhänger der Hohlwelt-Theorie. Für sie ist die Erde kugelförmig. Das ist aber auch die einzige Parallele zum gängigen Weltbild, denn wir leben nicht außen, sondern innen. Im Zentrum der ca. 12.000 Kilometer messenden hohlen Erde befinden sich Sonne, Sterne und Mond, letzterer hat einen Durchmesser von – nicht 3.476 – sondern etwa 200 Kilometern.
Warum es bisher niemandem aufgefallen ist? Das Licht, so die Hohl-Denker, verläuft nicht gerade, sondern in kreisförmigen Bahnen. Deswegen sind wir dem Glauben an die Außenwelttheorie verfallen, deswegen können Flugzeuge keine Abkürzungen nehmen, deswegen hat niemand bemerkt, dass die Unendlichkeit unter unseren Füßen liegt. Auch die Lichtgeschwindigkeit ist nicht konstant, sondern verlangsamt sich, umso weiter man dem Erdmittelpunkt kommt.
Und die Raumfahrt? Masse ist relativ, verringert sich, je weiter man sich der Erdmitte nähert. In dem Moment, in dem ein Space-Shuttle den Mond erreicht, hat es die Größe eines ferngesteuerten Autos, die Astronauten wiegen dann ca. 20 Gramm. Dadurch erwächst der Eindruck, der Mond ist 384.000 und nicht 6.000 Kilometer weit entfernt. Außerdem waren die Amis sowieso nicht auf dem Mond, das Ganze war ein Schwindel. Für Verschwörungstheorien haben Hohl-Denker immer ein offenes Ohr.
Das Ganze klingt nach den Fantasien eines Science-Fiction-Autors, der, wenn er Musiker wäre, „Cherry Cherry Lady“ singen würde. Wirft man allerdings einige althergebrachte Annahmen der Physik über Bord, zum Beispiel die Theorien Newtons und Galileis, dass die physikalischen Gesetze in allen Punkten des Raums die gleichen sind, wäre das Gedankengespinst vom Innenweltkosmos sogar möglich. Es ist nicht widerlegbar, aber auch nicht beweisbar. Fans abgedrehter Ideen nennen so was Grenzwissenschaft, für andere ist es pseudowissenschaftlicher Blödsinn. Und so ist es kein Wunder, dass die Theorie vom Innenweltkosmos schon als sie im Jahr 1870 vom Physiker und Alchemisten Cyrus Reed Teed verbreitet wurde (die Gedanken hierzu kamen ihm im Zuge eines Ohnmachtsanfalls), kaum jemanden überzeugt hat.
Warum es bisher niemandem aufgefallen ist? Das Licht, so die Hohl-Denker, verläuft nicht gerade, sondern in kreisförmigen Bahnen. Deswegen sind wir dem Glauben an die Außenwelttheorie verfallen, deswegen können Flugzeuge keine Abkürzungen nehmen, deswegen hat niemand bemerkt, dass die Unendlichkeit unter unseren Füßen liegt. Auch die Lichtgeschwindigkeit ist nicht konstant, sondern verlangsamt sich, umso weiter man dem Erdmittelpunkt kommt.
Und die Raumfahrt? Masse ist relativ, verringert sich, je weiter man sich der Erdmitte nähert. In dem Moment, in dem ein Space-Shuttle den Mond erreicht, hat es die Größe eines ferngesteuerten Autos, die Astronauten wiegen dann ca. 20 Gramm. Dadurch erwächst der Eindruck, der Mond ist 384.000 und nicht 6.000 Kilometer weit entfernt. Außerdem waren die Amis sowieso nicht auf dem Mond, das Ganze war ein Schwindel. Für Verschwörungstheorien haben Hohl-Denker immer ein offenes Ohr.
Das Ganze klingt nach den Fantasien eines Science-Fiction-Autors, der, wenn er Musiker wäre, „Cherry Cherry Lady“ singen würde. Wirft man allerdings einige althergebrachte Annahmen der Physik über Bord, zum Beispiel die Theorien Newtons und Galileis, dass die physikalischen Gesetze in allen Punkten des Raums die gleichen sind, wäre das Gedankengespinst vom Innenweltkosmos sogar möglich. Es ist nicht widerlegbar, aber auch nicht beweisbar. Fans abgedrehter Ideen nennen so was Grenzwissenschaft, für andere ist es pseudowissenschaftlicher Blödsinn. Und so ist es kein Wunder, dass die Theorie vom Innenweltkosmos schon als sie im Jahr 1870 vom Physiker und Alchemisten Cyrus Reed Teed verbreitet wurde (die Gedanken hierzu kamen ihm im Zuge eines Ohnmachtsanfalls), kaum jemanden überzeugt hat.
von Stefan Hirsch
The End is Near!
Über Sex, Brustvergrößerung und was das alles in der Überschrift zu suchen hat
Ach, meine lieben Freunde, wir wissen es doch alle: Die Welt geht unter! Nichts ist offensichtlicher. Niemand rettet Tibet, niemand rettet das Weltklima, niemand rettet die Babyrobben! Und die Kultur macht da keine Ausnahme.
Um uns das alles vor Augen zu führen, gab uns Gott ein mächtiges Instrument, welches über jeden Zweifel erhaben ist und dem geschulten Betrachter aufzeigt, warum Nostradamus, Scientology und 100.000 Mayas nicht irren können: das Nachmittagsfernsehen. Nirgendwo sonst wird dem Interessierten so deutlich vorgeführt, warum der Weltenbrandt, zumindest auf kultureller Ebene, gar nicht mehr zu löschen ist.
Wenn Mister Methan bei Oliver Geißen zeigt, wie toll er auf Kommando furzen kann oder das kleine Nachbarsmädchen (14) davon erzählt, dass sie auf jeden Fall eine Brustvergrößerung von Körbchengröße B auf Doppel-D braucht, um den als Leguan ganzkörpertätowierten Sexpartner (46) der Mutter (26) zu verführen – ja, dann hört man die Apokalyptischen Reiter doch praktisch schon mit den Hufen scharren.
Die kulturelle Gosse, in der sich Barbara Salesch mit 9live zusammen auf die alten Zeitungen legen, K11 und Mitten im Leben ein paar Euro erbetteln und sich Lenßen und Partner mit Sturm der Liebe um den billigen Fusel zanken, ist das wahre Orakel vom Armageddon. Ohne irgendwas mit Sex, Titten, Drogen und Gewalt reißt man den abgestumpften 15-jährigen halt nicht mehr vom Hocker. Trash ist Quote.
Aber, lieber Leser, meckern hilft nichts und dem doofen Nachbarskind im Rahmen einer zünftigen Gehirnwäsche zwei Streichhölzer in die Augen zu klemmen und ihn von früh bis spät mit französischen arte-Kunstfilmen aus den frühen 70ern vollzustopfen, erscheint auch nicht sehr fruchtbringend (obwohl ich den Gedanken irgendwie reizvoll finde).
Die kulturelle Gosse, in der sich Barbara Salesch mit 9live zusammen auf die alten Zeitungen legen, K11 und Mitten im Leben ein paar Euro erbetteln und sich Lenßen und Partner mit Sturm der Liebe um den billigen Fusel zanken, ist das wahre Orakel vom Armageddon. Ohne irgendwas mit Sex, Titten, Drogen und Gewalt reißt man den abgestumpften 15-jährigen halt nicht mehr vom Hocker. Trash ist Quote.
Aber, lieber Leser, meckern hilft nichts und dem doofen Nachbarskind im Rahmen einer zünftigen Gehirnwäsche zwei Streichhölzer in die Augen zu klemmen und ihn von früh bis spät mit französischen arte-Kunstfilmen aus den frühen 70ern vollzustopfen, erscheint auch nicht sehr fruchtbringend (obwohl ich den Gedanken irgendwie reizvoll finde).
Anmerkungen des Autors: Zwei bei Kalwass erscheint nicht in der Aufzählung, da “ihre Therapiestrategien grundsätzlich nachvollziehbar sind.” (Zitat: Stefanie Bruns, Diplompädagogin)
Desweiteren trauern wir um Lenßen und Partner, von dem keine neuen Folgen produziert werden.
Desweiteren trauern wir um Lenßen und Partner, von dem keine neuen Folgen produziert werden.
Eine echte Lösung hatte nur einer: Der letzte “vorderste Front”-Kämpfer der Kultur, den wir jemals im Nachmittagsfernsehen bewundern durften, war ironischerweise ein quasi geisteskranker Bauwagenbewohner in Latzhosen.
Peter Lustig‘s prägnant-passendes Postulat lautete: “Abschalten!”
Peter Lustig‘s prägnant-passendes Postulat lautete: “Abschalten!”
von Thomas Hülsmann
Art-Trash
Unsere lieben Kunststudenten sind schon ein eigentümliches Völkchen. Meistens sieht man sie mit blauen Müllsäcken, unter denen sich sonderbare Handtuchhalter verbergen, durch die Flure eilen oder sie verstecken sich gleich ganz im Designgebäude. Aber offensichtlich scheinen sie ja auf bestem Wege zu einem Kunstpädagogen zu sein, denn nicht erst seit der Verhüllung des Reichstags ist klar: Künstler lieben Müllsacke! Aber sie machen nicht etwa halt bei der Verpackung, es geht in der Kunst ja auch um Inhalte. So kommt es, dass neben bemalten Klobrillen, auf einem Sockel stehenden Pissoirs und ausgestellten Betten inklusive Präservativ- und Tamponvorrat eben auch Kinderpuppen mit Penisnasen und Anusmündern ausgestellt werden. Kunst ist eben, wenn man trotzdem lacht.
Aber wer ist nun Schuld an dieser Kunstmisere? Was ist aus dem klassischen Begriff der Kunst als eine allgemeine Schönheit oder dem Vollkommenem geworden? Nun mag das Ergebnis einer öffentlichen Masturbation durchaus etwas subjektiv Schönes sein, aber ob derartige Selbstdarstellung nun auch Kunst ist? Fragen, denen es sich zu stellen gilt, wenn man nicht irgendwann das hilflose Opfer eines solchen “Happenings” werden will.
Aber wer ist nun Schuld an dieser Kunstmisere? Was ist aus dem klassischen Begriff der Kunst als eine allgemeine Schönheit oder dem Vollkommenem geworden? Nun mag das Ergebnis einer öffentlichen Masturbation durchaus etwas subjektiv Schönes sein, aber ob derartige Selbstdarstellung nun auch Kunst ist? Fragen, denen es sich zu stellen gilt, wenn man nicht irgendwann das hilflose Opfer eines solchen “Happenings” werden will.
Die Gründerväter und Wegbereiter, welche die modernen Erklärungsengpässe mit gewichtigen Worten wie Surrealismus, Dadaismus oder Objektkunst füllen, mögen zwar durchaus nachvollziehbare Motive haben. Letztlich ist aber auch ein Wasserspiel mit Namen Fontäne – oben erwähntes Pissoir – fernab von Dingen, die den gemeinen Menschen zum Nachdenken bringen oder unsere Gesellschaft weiterentwickeln. Haben es Duchamp, Beuys und die in ihrer Tradition sich verstehenden Künstler übertrieben? Ist die Ignoranz der Menschen noch zu groß gegen anmutige Schlammhaufen und Selbstverstümmelung? Oder ist Kunst heutzutage doch nur noch Müll? Als wäre diese Fragestellung nicht schon schwierig genug, hatten die lieben Künstler noch eine Idee. “Wenn unsere Kunst eh nur noch als Trash angesehen wird, warum nehmen wir dann nicht gleich Abfall dafür?” Dadurch wurden die klassischen Materialien wie Stein, Glas oder Holz durch etwas ersetzt, was diese auf ganz neue Form miteinander kombiniert. Nämlich Müll.
Dass dies durchaus interessant sein kann, beweist Joshua Allen Harris, der in New York Abluftskulpturen aus Mülltüten ausstellte. Harris brachte an den Gittern der Luftschächte über den U-Bahn-Gleisen Mülltüten so an, dass diese sich durch den Luftzug der vorbeifahrenden Bahnen aufrichteten und so Giraffen, Eisbären oder gleich einen ganzen Zoo bildeten. Geht man anfangs an diesen kurzlebigen Luftgestalten vorbei, wirken sie wie Abfall. Doch durch das Leben in der U-Bahn erhalten sie eine ganz neue Form und werden vom bloßen Müll zu etwas Spektakulärem in den Straßen der Weltmetropole.
Ein anderes Beispiel, dass vor allem ältere Menschen als bloße Verschandelung ansehen, stellt das Graffiti dar. Ob nun jedes “Fuck you” auf einer Straßenbahn oder die Toiletten jeder Großstadt demnächst ins Museum gehören, sei dahingestellt. Doch auch dieses Gekritzel kann eine Form der Kunst darstellen. Darum wird es heute sogar als offizielle Auftragsarbeit ausgeführt oder als Street-Art zur Kunst gerechnet. Sogar die Sprachwissenschaft oder die Meinungsforschung sehen heute dieses “schreckliche Geschmiere” als interessantes Forschungsobjekt an. Eines ist klar, die New Yorker Lufttiere und die Graffitis in aller Welt haben große Zustimmung gefunden. Ob nun auf YouTube oder gar als Ausdruck ganzer Bevölkerungsgruppen auf den Mauern unserer Gesellschaft. Aus Müll kann tatsächlich Kunst werden.
Ein anderes Beispiel, dass vor allem ältere Menschen als bloße Verschandelung ansehen, stellt das Graffiti dar. Ob nun jedes “Fuck you” auf einer Straßenbahn oder die Toiletten jeder Großstadt demnächst ins Museum gehören, sei dahingestellt. Doch auch dieses Gekritzel kann eine Form der Kunst darstellen. Darum wird es heute sogar als offizielle Auftragsarbeit ausgeführt oder als Street-Art zur Kunst gerechnet. Sogar die Sprachwissenschaft oder die Meinungsforschung sehen heute dieses “schreckliche Geschmiere” als interessantes Forschungsobjekt an. Eines ist klar, die New Yorker Lufttiere und die Graffitis in aller Welt haben große Zustimmung gefunden. Ob nun auf YouTube oder gar als Ausdruck ganzer Bevölkerungsgruppen auf den Mauern unserer Gesellschaft. Aus Müll kann tatsächlich Kunst werden.
Ein Künstler, der sich ganz in dieser Tradition versteht, ist Dieter Roth. Der 1998 verstorbene Universalkünstler hat Zeit seines Schaffens versucht vor allem sein eigenes Leben abzubilden. So verstand er sich sehr gut darauf, ein gut gewürztes Buch zu einer Literaturwurst zu verarbeiten oder alltägliche Dinge wie Schokolade, Käse oder auch Hasenkot als Teil seiner Kunst zu archivieren. Der markante Satz “Die Gegenstände, welche aus Schokolade oder Ähnlichem sind, dürfen (oder sollen) zergehen, vergehen, zerfallen, abgefressen, abgebrochen, zerschnitten, verkratzt werden – und das tut ihnen gut!” beschreibt seine Sicht auf die Kunst sehr genau.
Aber worin liegt der künstlerische Wert aus dem Kot und dem Stroh eines Hasens einen Hasen zu formen und es als Multiple zu bezeichnen? Roth stellt das Kaputte, das Vergängliche oder eben das Verschimmelte in den Mittelpunkt seiner Kunst und formte aus dieser “Scheiße” sein Lebenswerk. Den Höhepunkt fand dieser Recyclingwahn in seinem Schimmelmuseum in Hamburg, in dem Kunst weit über das Verfallsdatum aufbewahrt, zum Unglück der Nasen der Besucher jedoch nicht konserviert wurde. Aber vielleicht hat der Ekelkünstler doch etwas geschafft, was einen Wert hat. Das Thema Sterblichkeit ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Vielen fällt es schon schwer offen darüber mit anderen Menschen zu sprechen. Es ist eben etwas, dass man am liebsten von sich fernhält. Nun aber – wenn auch aus lauter Ärger darüber, dass so ein Mensch Kunstpreise erhält – setzt sich der ein oder andere vielleicht doch mit diesem Thema auseinander und vielleicht wird das im Moment noch heikle Thema doch irgendwann in der breiten Öffentlichkeit diskutierbar. Immerhin hat Dieter Roth sein ganzes Leben akribisch dem gewidmet, was andere Leute achtlos wegwerfen. Folglich sollten wir seine Arbeit auch nicht unaufmerksam auf dem Haufen des Kunstmülls entsorgen.
Aber worin liegt der künstlerische Wert aus dem Kot und dem Stroh eines Hasens einen Hasen zu formen und es als Multiple zu bezeichnen? Roth stellt das Kaputte, das Vergängliche oder eben das Verschimmelte in den Mittelpunkt seiner Kunst und formte aus dieser “Scheiße” sein Lebenswerk. Den Höhepunkt fand dieser Recyclingwahn in seinem Schimmelmuseum in Hamburg, in dem Kunst weit über das Verfallsdatum aufbewahrt, zum Unglück der Nasen der Besucher jedoch nicht konserviert wurde. Aber vielleicht hat der Ekelkünstler doch etwas geschafft, was einen Wert hat. Das Thema Sterblichkeit ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Vielen fällt es schon schwer offen darüber mit anderen Menschen zu sprechen. Es ist eben etwas, dass man am liebsten von sich fernhält. Nun aber – wenn auch aus lauter Ärger darüber, dass so ein Mensch Kunstpreise erhält – setzt sich der ein oder andere vielleicht doch mit diesem Thema auseinander und vielleicht wird das im Moment noch heikle Thema doch irgendwann in der breiten Öffentlichkeit diskutierbar. Immerhin hat Dieter Roth sein ganzes Leben akribisch dem gewidmet, was andere Leute achtlos wegwerfen. Folglich sollten wir seine Arbeit auch nicht unaufmerksam auf dem Haufen des Kunstmülls entsorgen.
Nach allem Ausblick in die Welt, wie ist es eigentlich in Vechta mit der Kunst bestellt? Alles Müll? Oder Müll mit Aussage? Sind die 3 Säulen hinter dem Infopoint nur ein nett gemeinter Versuch die Kunst hineinzulassen oder stellen sie wirklich etwas dar?
Denn auch das perfekteste Gemälde kann ohne Bedeutung nicht mehr wert sein als eine Zeichnung auf einem Bierdeckel oder die Karikatur über den Lieblingsdozenten. Ein Selbstversuch soll Klarheit über die Verhältnisse an unserer Uni bringen. Also ab ins Designgebäude zu einer zufälligen Vorlesung, eine große Thermoskanne Kaffee mit im Gepäck. Los geht‘s!
Nach anstrengden 1 ½ Stunden verlasse ich den kleinen Raum indem die vielleicht 12 Plätze nur zur Hälfte genutzt werden. Eines ist mir jetzt jedoch klar: Ob o.b.-Tampons, Teebeutel oder Tetrapacks, all das verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn die Designer von Morgen haben neben Glitzi-Elchen und Go-Go-Tänzern stets ihre knallharte Recherche im Blick, mit der sie gängige Produktverpackungen weiterentwickeln und verbessern wollen. Jedenfalls ist dies die Theorie.
Allerdings ist auch hier das Denken wirtschaftlich geprägt und die zuvor unermüdlich betriebenen Nachforschungen wurden gerade zu dieser Vorlesung dummerweise vergessen. Schade, dabei hatte man sich laut eigener Aussage doch gerade dieses Mal sehr viel Mühe gegeben. Design ist eben nicht gleich Kunst. Aber natürlich geht es hier ansonsten sehr professionell zu, denn es werden auch Materialeigenschaften besprochen und mögliche Zugänge zum Schaffensprozess thematisiert. Wie ernst es den angehenden Kunst- und Designpädagogen ist, wird spätestens beim Maschinenschein klar. Neben dem Riskieren einiger Extremitäten, wird vor allem die Geduld der zukünftigen Gestalter herausgefordert. Trotz der Abhärtung durch fachinterne Nicht-Absprache bei der Konzeption des Studienangebotes und der Fehlkalkulation von Studienplätzen in diesem Wintersemester ist das Warten auf zehn andere Kommilitonen vor der großen Kreissäge anstrengend. Glücklicherweise haben die Planungsschwierigkeiten, die manchen “zu Tränen rührten”, mittlerweile ein Ende gefunden. Die in Winterschlussverkauf-Manier durchgeführten Einschreibungen auf ausgehängten Listen in die Kurse am Grabbeltisch können also ruhigen Gewissens als Propädeutika angesehen werden. Alles natürlich, damit das Stud.IP nicht unter dem Ansturm der neuen Studenten zusammenbricht. Außerdem schadet ein wenig Nostalgie nie, früher war ja eh alles besser. Nach all diesen Strapazen kann das Studium nun also endlich beginnen. Endlich!
Denn auch das perfekteste Gemälde kann ohne Bedeutung nicht mehr wert sein als eine Zeichnung auf einem Bierdeckel oder die Karikatur über den Lieblingsdozenten. Ein Selbstversuch soll Klarheit über die Verhältnisse an unserer Uni bringen. Also ab ins Designgebäude zu einer zufälligen Vorlesung, eine große Thermoskanne Kaffee mit im Gepäck. Los geht‘s!
Nach anstrengden 1 ½ Stunden verlasse ich den kleinen Raum indem die vielleicht 12 Plätze nur zur Hälfte genutzt werden. Eines ist mir jetzt jedoch klar: Ob o.b.-Tampons, Teebeutel oder Tetrapacks, all das verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn die Designer von Morgen haben neben Glitzi-Elchen und Go-Go-Tänzern stets ihre knallharte Recherche im Blick, mit der sie gängige Produktverpackungen weiterentwickeln und verbessern wollen. Jedenfalls ist dies die Theorie.
Allerdings ist auch hier das Denken wirtschaftlich geprägt und die zuvor unermüdlich betriebenen Nachforschungen wurden gerade zu dieser Vorlesung dummerweise vergessen. Schade, dabei hatte man sich laut eigener Aussage doch gerade dieses Mal sehr viel Mühe gegeben. Design ist eben nicht gleich Kunst. Aber natürlich geht es hier ansonsten sehr professionell zu, denn es werden auch Materialeigenschaften besprochen und mögliche Zugänge zum Schaffensprozess thematisiert. Wie ernst es den angehenden Kunst- und Designpädagogen ist, wird spätestens beim Maschinenschein klar. Neben dem Riskieren einiger Extremitäten, wird vor allem die Geduld der zukünftigen Gestalter herausgefordert. Trotz der Abhärtung durch fachinterne Nicht-Absprache bei der Konzeption des Studienangebotes und der Fehlkalkulation von Studienplätzen in diesem Wintersemester ist das Warten auf zehn andere Kommilitonen vor der großen Kreissäge anstrengend. Glücklicherweise haben die Planungsschwierigkeiten, die manchen “zu Tränen rührten”, mittlerweile ein Ende gefunden. Die in Winterschlussverkauf-Manier durchgeführten Einschreibungen auf ausgehängten Listen in die Kurse am Grabbeltisch können also ruhigen Gewissens als Propädeutika angesehen werden. Alles natürlich, damit das Stud.IP nicht unter dem Ansturm der neuen Studenten zusammenbricht. Außerdem schadet ein wenig Nostalgie nie, früher war ja eh alles besser. Nach all diesen Strapazen kann das Studium nun also endlich beginnen. Endlich!
Aber wie geht man nun am besten mit der Kunst um? Auch wenn es einige gibt, die lediglich Aufmerksamkeit erregen wollen, damit die Kasse stimmt, Kunst ist etwas, dass man nicht einfach abtun sollte. Sie ist allemal eine Herausforderung und die in diesem Querschnitt gegebenen Beispiele zeigen, dass man nicht jeden Hundehaufen, nicht jeden Schimmelkäse, aber auch nicht jeden Studiengang gleich als Trash bezeichnen sollte. Manchmal muss man eben ganz unten anfangen, um etwas wirklich Großes zu schaffen.
von Matthias Christ
Erbarmungslos schlecht und irgendwie auch traurig
Eine unauslöschliche Lichtgestalt des internationalen Filmbusiness ist ohne Zweifel: Uwe Boll. Nach Ed Wood als schlechtester Regisseur aller Zeiten verschrien, dreht und produziert dieser gleichwohl stur und eigenwillig einen Film des Grauens nach dem anderen. Viele kennen sicher Bruchstücke aus seiner tragischen, filmischen Laufbahn. Hinter trashigen Meisterwerken mit schauspielerischen Minimaltalenten wie Far Cry (Til Schweiger), Alone in the Dark (Christian Slater) oder Dungeon Siege (Jason Statham) steht sein Name.
Der Gebürtige Wermelskirchener erblickte am 22. Juni 1965 das Licht der Welt, um sie Jahre später mit seiner Kunst zu bestrafen. Zunächst jedoch studierte er Filmregie sowie Literatur, Film- und Betriebswirtschaft, um anschließend Mitte der Neunziger zum Doktor der Philosophie zu promovieren.
Wenn auch unbegabt im Filme drehen, hat Boll ein gutes Händchen als Geschäftsmann. Als Mitgründer und Geschäftsführer der Boll-KG (BOLU – Filmproduktions- und Verleih GmbH) ist es ihm erlaubt, seine Filme aus daraus entstehendenden Gewinnen und zusätzlich aus deutschen Medienfonds zu finanzieren. Des einen Freud (Boll), des anderen Leid (Publikum), staatliche Filmförderung für die Machwerke kam logischerweise bisher noch nie zu Stande, weshalb sich Boll überwiegend darauf “spezialisiert”, einschlägig bekannte Computerspiele mit hohem Gewaltfaktor zu verfilmen, in der Hoffnung die spielwütige Playstation-Generation würde die Kinos stürmen und damit kostendeckendes Geld einspielen.
Trotz eines gewissen Charmes, welcher von seinen dilitantischen Filmen zeitweilig ausgeht, muss man im Endeffekt zugeben: Uwe Bolls Machwerke sind für den kultivierten Filmliebhaber purer Schmerz. Nach ersten Erfahrungen mit Kurzfilmen auf Super 8 und Video stieg Boll 1991 mit seinen ersten Langspielfilmen in das Geschehen deutscher Filmproduktionen ein. Bis 2003, bevor er sich an die erste Verfilmung eines Computerspieles wagte (House of the Dead), versuchte Boll mit provokanten Themen das Publikum auf seine Werke aufmerksam zu machen. Unter anderem inszenierte er 1993 eine fingierte Dokumentation über den Tod des ehemaligen Politikers Uwe Barschel (Barschel – Mord in Genf). Das brisante Thema über Verschwörung und Machenschaften, welche dem realen Sterbetag Barschels vorangingen, setzt Boll unbedarft in den Sand. Weiterhin setzt sich der talentfreie Regisseur mit dem sensiblen Thema des Amoklaufes auseinander (Amoklauf, 1994). Allerdings wurde mehr Wert auf die Gewaltveranschaulichung und pornographischen Sequenzen gelegt als den psychologischen Werdegang des Protagonisten. Was bleibt, ist ein sinnfreies Filmwerk unterster Klasse.
Wenn auch unbegabt im Filme drehen, hat Boll ein gutes Händchen als Geschäftsmann. Als Mitgründer und Geschäftsführer der Boll-KG (BOLU – Filmproduktions- und Verleih GmbH) ist es ihm erlaubt, seine Filme aus daraus entstehendenden Gewinnen und zusätzlich aus deutschen Medienfonds zu finanzieren. Des einen Freud (Boll), des anderen Leid (Publikum), staatliche Filmförderung für die Machwerke kam logischerweise bisher noch nie zu Stande, weshalb sich Boll überwiegend darauf “spezialisiert”, einschlägig bekannte Computerspiele mit hohem Gewaltfaktor zu verfilmen, in der Hoffnung die spielwütige Playstation-Generation würde die Kinos stürmen und damit kostendeckendes Geld einspielen.
Trotz eines gewissen Charmes, welcher von seinen dilitantischen Filmen zeitweilig ausgeht, muss man im Endeffekt zugeben: Uwe Bolls Machwerke sind für den kultivierten Filmliebhaber purer Schmerz. Nach ersten Erfahrungen mit Kurzfilmen auf Super 8 und Video stieg Boll 1991 mit seinen ersten Langspielfilmen in das Geschehen deutscher Filmproduktionen ein. Bis 2003, bevor er sich an die erste Verfilmung eines Computerspieles wagte (House of the Dead), versuchte Boll mit provokanten Themen das Publikum auf seine Werke aufmerksam zu machen. Unter anderem inszenierte er 1993 eine fingierte Dokumentation über den Tod des ehemaligen Politikers Uwe Barschel (Barschel – Mord in Genf). Das brisante Thema über Verschwörung und Machenschaften, welche dem realen Sterbetag Barschels vorangingen, setzt Boll unbedarft in den Sand. Weiterhin setzt sich der talentfreie Regisseur mit dem sensiblen Thema des Amoklaufes auseinander (Amoklauf, 1994). Allerdings wurde mehr Wert auf die Gewaltveranschaulichung und pornographischen Sequenzen gelegt als den psychologischen Werdegang des Protagonisten. Was bleibt, ist ein sinnfreies Filmwerk unterster Klasse.
Im Jahre 2006 schien Uwe Boll die ständigen (jedoch meist berechtigten) Einwände gegenüber seinem filmischen Schaffen nicht mehr zu verkraften und organisierte mit viel Promotion einen Boxkampf gegen seine fünf größten Kritiker: “Wenn ihr immer schreibt, ihr wollt mich umhauen, foltern, kreuzigen, erschießen, dann kommt nach Vancouver und wir boxen.” Gesagt und getan: Boll, welcher selbst über Boxerfahrung verfügt, gewann alle fünf Kämpfe. Der symbolisch amüsante Akt gegen sämtliche Kritiker hielt 2008 Computerspiele-Qualitätstester Robert Harvey nicht davon ab, eine Petition im Internet gegen Boll zu veröffentlichen. Virtuelle Unterschriften von ca. 330.000 Menschen forderten den Regisseur auf, seine verheerenden Aktivitäten im Filmgeschäft aufzugeben. Eine Million Namen wären laut Boll jedoch nötig gewesen um seine Tätigkeiten einzustellen. Die daraufhin von ihm selbst ins Leben gerufene Pro-Boll-Petition erreichte nicht einmal annähernd 10.000 Unterschriften. Die Kaugummimarke Stride bot dafür jedem Teilnehmer einen Warengutschein an, welcher sich für die Anti-Boll-Petition engagieren würde, bis das Ziel der Unterschriften von einer Million erreicht würde. Das ganze Unterfangen blieb jedoch folgenlos und so dreht Boll heute noch Filme.
Im Jahre 2009 kam der lang ersehnte Durchbruch auf der Karriereleiter des Schrottfilmers. Er erhielt gleich zweimal die Goldene Himbeere. Er wurde als schlechtester Regisseur geehrt. Daneben erhielt er die Auszeichnung für das “schlechteste, bisherige Lebenswerk”.
Zurzeit verhunzt Boll sicherlich die Biographie über Max Schmeling, welche noch dieses Jahr in unsere Kinos kommen soll. Henry Maske verkörpert übrigens die Boxlegende. Der Trailer lässt schon jetzt das nächste typische Boll-Werk vermuten: Erbarmungslos schlecht und irgendwie auch traurig.
von Tobias Kunz
Smells Like Musikrubrik
So. Ein Musikartikel zum Thema “Trash” muss her. Gute Idee, eigentlich. Der erste Gedanke: Rezensiere eine Platte, die du total trashig findest. Doch dann kommt dir der Gedanke, es könnte viele Menschen geben, die diese toll finden und dir aufs Dach steigen.
Unwillkürlich frage ich mich, ob es nicht etwas gibt, das musikalisch ist und trotzdem harmloserweise mit “Trash” verbunden werden kann. Natürlich! Wer erinnert sich nicht daran? Die MitschülerInnen, die schwarze T-Shirts mit kreuzäugigen Smileys trugen, über denen der knallgelbe Schriftzug Nirvana prangte. Zumeist jüngeren Alters. Und möglicherweise hatte man selbst ein T-Shirt dieser Art. Stimmt, da war ja mal was. Aber was war das überhaupt?
Unwillkürlich frage ich mich, ob es nicht etwas gibt, das musikalisch ist und trotzdem harmloserweise mit “Trash” verbunden werden kann. Natürlich! Wer erinnert sich nicht daran? Die MitschülerInnen, die schwarze T-Shirts mit kreuzäugigen Smileys trugen, über denen der knallgelbe Schriftzug Nirvana prangte. Zumeist jüngeren Alters. Und möglicherweise hatte man selbst ein T-Shirt dieser Art. Stimmt, da war ja mal was. Aber was war das überhaupt?
Der Begriff “Grunge” bedeutet zwar nicht gerade trashig, dafür schmutzig oder dreckig. Ursprünglich bezeichnete er keine Jugendkultur und wurde auch nicht in den Neunzigern erfunden. Denn in den späten Sechzigern kamen einige Bands mit einem raueren und dreckigeren Klang als die Bands im restlichen Rockgenre daher, darunter The Stooges und The Velvet Underground. Mit rohen Akkorden und verzerrten Soli ließen sie ihre Songs kaum im Studio bearbeiten. Sie wurden als “grungy” bezeichnet und beeinflussten mit ihrem ungewöhnlichen Sound nicht nur die aufkommende Punkmusik. Jahre später, in den späten Achtzigern, beriefen sich einige Bands im Nordwesten der Vereinigten Staaten, in Seattle, auf diese Grundlagen.
Die Anfänge der Szene werden von Quelle zu Quelle unterschiedlich beschrieben. Eine einheitliche Aussage ist jedoch, dass die Bands, die später die Aufmerksamkeit der Musikwelt erlangen sollten, zunächst im “Untergrund” experimentierten. Sie wurden von diversen College-Rundfunksendern gespielt, was bald die Aufmerksamkeit kleiner Labels auf die Bands zog. So wurde 1988 in Seattle das Label Sub Pop gegründet, das eng mit dem Produzenten Jack Endino zusammen arbeitete. Es vertrat Bands wie Green River, Soundgarden und eben auch das Aushängeschild der Szene, Nirvana. Ein Label, ein Produzent, ein Klang, ein Genre. Die Bands des Labels ähnelten sich nicht nur im Klang, auch in den Texten ging es zumeist um die gleichen Dinge. Depression und Außenseitertum konnten hier ausgemacht werden, allerdings waren natürlich Ausnahmen möglich. Der “Seattle-Sound” war geboren.
Die Öffentlichkeit außerhalb von Seattle reagierte verhalten, doch in der Stadt selbst war man begeistert. Schließlich erschien 1991 Nirvanas “Nevermind” samt dazugehöriger Single “Smells Like Teen Spirit” und führte den Grunge-Hype herbei. MTV spielte das Video rauf und runter und die Augen und Ohren der Welt, auch die der Major-Labels, richteten sich auf Stadt und Sound. Nirvana hatte bereits vor Erscheinen des Albums einen Vertrag mit einem Major unterschrieben, andere Bands folgten diesem Beispiel in der kommenden Zeit, so auch Soundgarden.
Doch zum Begriff der Jugendkultur gehört nicht nur die Musik, sondern auch ein einheitliches Auftreten. In Seattle war das Flanellhemd ein Kleidungsstück für jedermann. Mit dem Aufkommen des Grunge-Hypes wurde es zum Dresscode der Szene; ein Stück Corporate Identity. Ob das im Sinne der Bands war, lässt sich bestreiten.
Die Vermarktung war im vollen Gange, der Druck von außen stieg an, die Medien brauchten immer neues Futter. Infolgedessen herrschten in vielen Bands Differenzen und einige Künstler äußerten, sie könnten mit dem Druck nicht umgehen. Kurt Cobain, Sänger Nirvanas, äußerte sich wie folgt: “Famous is the last thing I wanted to be.”
Und so wurde er zu einer der tragischsten Personen in der Geschichte der Musik. Seit den Neunzigern heroinabhängig versuchte er damit ein Magenproblem in den Griff zu bekommen, an dem er schon lange Jahre litt. 1994 fand die Grunge-Szene mit Cobains Tod dann ihr jähes Ende. Am 8. April wurde er tot in seinem Haus in Seattle aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind noch immer umstritten; abseits der Verschwörungstheorien lautet die offizielle Todesursache: Selbstmord.
Die Öffentlichkeit außerhalb von Seattle reagierte verhalten, doch in der Stadt selbst war man begeistert. Schließlich erschien 1991 Nirvanas “Nevermind” samt dazugehöriger Single “Smells Like Teen Spirit” und führte den Grunge-Hype herbei. MTV spielte das Video rauf und runter und die Augen und Ohren der Welt, auch die der Major-Labels, richteten sich auf Stadt und Sound. Nirvana hatte bereits vor Erscheinen des Albums einen Vertrag mit einem Major unterschrieben, andere Bands folgten diesem Beispiel in der kommenden Zeit, so auch Soundgarden.
Doch zum Begriff der Jugendkultur gehört nicht nur die Musik, sondern auch ein einheitliches Auftreten. In Seattle war das Flanellhemd ein Kleidungsstück für jedermann. Mit dem Aufkommen des Grunge-Hypes wurde es zum Dresscode der Szene; ein Stück Corporate Identity. Ob das im Sinne der Bands war, lässt sich bestreiten.
Die Vermarktung war im vollen Gange, der Druck von außen stieg an, die Medien brauchten immer neues Futter. Infolgedessen herrschten in vielen Bands Differenzen und einige Künstler äußerten, sie könnten mit dem Druck nicht umgehen. Kurt Cobain, Sänger Nirvanas, äußerte sich wie folgt: “Famous is the last thing I wanted to be.”
Und so wurde er zu einer der tragischsten Personen in der Geschichte der Musik. Seit den Neunzigern heroinabhängig versuchte er damit ein Magenproblem in den Griff zu bekommen, an dem er schon lange Jahre litt. 1994 fand die Grunge-Szene mit Cobains Tod dann ihr jähes Ende. Am 8. April wurde er tot in seinem Haus in Seattle aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind noch immer umstritten; abseits der Verschwörungstheorien lautet die offizielle Todesursache: Selbstmord.
Nach Cobains Tod trennten sich viele Bands und der Hype um Grunge legte sich. Die bekannteste Seattle-Band, die noch heute performt, ist Pearl Jam. Andere Künstler haben neue Bands gegründet, beispielsweise Dave Grohl, ehemaliger Nirvana-Schlagzeuger und jetzt Sänger der Foo Fighters, oder Chris Cornell, ehemaliger Soundgarden-Sänger und danach bei Audioslave.
Apropos tragische Figuren des Musikbusiness: “Nevermind” löste im Januar 1992 Michael Jacksons “Dangerous” von der Nummer Eins der Billboard-Charts ab.
Apropos tragische Figuren des Musikbusiness: “Nevermind” löste im Januar 1992 Michael Jacksons “Dangerous” von der Nummer Eins der Billboard-Charts ab.
von Pia Klein
Traumtrash – Recyceln ist sinnvoll!
Virtuelles Kino. Eintritt frei, beste Sitzplätze. Jede Nacht in Deinem eigenen Kopf. Welche Programmsparte Dich erwartet? Nun, das liegt ganz in Deinem eigenen Empfinden. Träume sind ja, wie man so schön sagt: Der Spiegel unserer Seele. Alles, was in unserem Bewusstsein unformuliert ruht, macht sich in unserer Traumwelt bemerkbar und soll uns somit den Schlüssel zur Erklärung unserer alltäglichen Probleme und Aufgaben überreichen.
Ob man daran nun glaubt oder nicht, was Nacht für Nacht in unserem Kopf projiziert wird, insofern man sich nach dem Aufwachen noch daran erinnern kann, ist eine unsägliche Flut an Bildern und kreativen Auswüchsen, die nur ein benebelter Verstand zu Tage fördern vermag. Bevor man sich jedoch nach bloßem Gefühl in eigenen Erklärungen zur Deutung seiner Träume verirrt, sollte man eventuell doch einmal ein Medium zur Traumdeutung aufsuchen. Es könnte ja sein, dass falsche Interpretationen bzgl. unseres derzeitigen Empfindens uns schlicht an den Rand des Wahnsinns führen.
Angenommen Du liegst in einer lauen Sommernacht unter dem prächtigsten Sternenhimmel, für den sich die Natur gar wirklich sehr aufgeopfert hat. Du schwelgst in Gedanken, die sich alle um Dein wunderbares Leben drehen und dann schläfst Du ein, bevor Du auch nur einmal versucht hast, den großen Wagen über Dir zu entdecken. Stattdessen siehst Du Dich selbst. Einfach so, in einem schwarz gepuderten, unverzierten, leeren Raum. Das ist nichts Ungewöhnliches, könnte man denken, wenn deinem Selbst gegenüber nicht schlicht anfangen würde, das Gesicht wegzufaulen. Da stehst Du also und Du schimmelst. Du kannst den üblen Prozess der Verwesung nicht aufhalten und so siehst Du Dir selbst und den vergammelnden Tatsachen ins Auge. Bis Du aufwachst und Dir stockstarr über Dein doch so angenehm unangetastetes Gesicht streichelst. “Was jetzt?”, denkt sich Dein Verstand. “Was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen? Steht mir Krankheit bevor, Hautkrebs oder Akne?” Nun, schauen wir im TraumWiki nach: “Vor einem Neubeginn steht oft Auflösung, etwa die Beendigung einer Beziehung. In ihnen ist keine Energie mehr vorhanden, sie weiter zu führen. Die Angst davor kann sich in Fäulnis ausdrücken.” Statt des eigenen Leides und Todes zu fürchten, muss man sich nun also Gedanken darüber machen, welche Person man ermüdet aus seinem Leben kickt. Danke, Traumdeutung.
![]() © Marvin Siefke / PIXELIO
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Zweiter Fall: Es ist späte Nacht. Du kommst erschöpft von der Arbeit und wirfst Dich direkt mit Anlauf in Dein Bett, um in ein sorgenfreies Schlummerland zu entgleiten. Denkste so. Denn anstatt unbehelligt in ein unaufgeregtes Dunkel zu starren, wird Dir in der eigens erschaffenen Traumwelt ein Päckchen Crack in die Hand gedrückt. Dummerweise befindet sich die Stadt, in der Du Dich aufhältst, soeben in einem Ausnahmezustand. Blaulicht streift durch dunkle Gassen und Polizeikontrollen versperren den Horizont. Du versuchst den Weg zu finden, um mit dem Crack an ein unbekanntes Ziel zu kommen. Auch wenn Du nicht drogensüchtig bist, solch einen Wert schmeißt man nicht weg. Zu spät. Ein liebäugelnder Dackel leckt über Deine Tasche mit erweiterten Pupillen und ein Polizist an seiner Leine packt Dich direkt in den Streifenwagen. “Was jetzt?”, denkt sich Dein Verstand. “Was will mir mein Unterbewusstsein damit sagen? Werde ich für meine bisherigen illegalen Aktivitäten bestraft? Konflikt mit Polizei oder GEZ? Juckt nach all den Jahren wieder das Pudernäschen?” Nochmals der Blick ins TraumWiki: “Drogen auf illegalem Weg zu erwerben, lässt auf eine überhöhte Risikobereitschaft schließen. Ein unangenehmes Drogenerlebnis im Traum kann auf die Angst, den Verstand zu verlieren, zurückgeführt werden. Von der Polizei abgeführt werden kann Schuldgefühle wegen tatsächlich oder vermeintlich unmoralischer Handlungen anzeigen.” Ja dann, danke Traumdeutung. Du hast wieder einmal den Tag gerettet.
Wusstet Du, dass sämtliche Personen, welche in Deinen Träumen vorkommen und die Du nicht aus Deinem realen Leben kennst, Du selbst bist? Eine Tatsache, wie ich finde, welche sehr interessant ist, wenn man überlegt, was man in seinen Träumen aus dieser Perspektive so alles mit sich selbst anstellt. Dinge, über die Du Dir am Besten selbst Gedanken machst, falls Du mal wieder Deinen Traumtrash recyceln willst.
von Tobias Kunz
Ich bin viele – Ein Hoch aufs Stalken

© Jörg Klemme, Hamburg / PIXELIO
Ich bin Safet, Eugen, Alex, Johanna und Stefan. Ich bin ein Dozent dieser Uni. Und ich bin der Dalai Lama.
Ich wohne an sechs verschiedenen Orten Deutschlands. Auf meinem Amazon-Wunschzettel wünsche ich mir weiter leben: Eine Jugend und Muttersterben.
Ich bin engagiert: bei der Caritas Krebsberatung, bei der Christlichen Arbeiterjugend Köln und beim Adventssingen.
Ich wohne an sechs verschiedenen Orten Deutschlands. Auf meinem Amazon-Wunschzettel wünsche ich mir weiter leben: Eine Jugend und Muttersterben.
Ich bin engagiert: bei der Caritas Krebsberatung, bei der Christlichen Arbeiterjugend Köln und beim Adventssingen.
Ich bin bei meinVZ und facebook.
Ich bin all das und gar nichts davon:
Ich bin Julia.
Ich wohne in Vechta.
Bei Amazon gibt es eine Buchbesprechung von mir.
Ich bin nicht christlich tätig.
Und ich bin bei studiVZ und xing.
Ich bin all das und gar nichts davon:
Ich bin Julia.
Ich wohne in Vechta.
Bei Amazon gibt es eine Buchbesprechung von mir.
Ich bin nicht christlich tätig.
Und ich bin bei studiVZ und xing.
Aber wenn ich mich selbst bei 123people.de suche, finde ich oben genanntes heraus. Unter anderem. Denn dort stehen auch meine Adresse und ein Teil meiner Telefonnummer… Aber auf Web 2.0 und Datenfreigabe wurde genug geschimpft. Ich habe auch keine Lust darauf, Euch mit erhobenem Finger zu ermahnen, Eure Daten vertraulich zu behandeln. Denn würdet Ihr dies tun, hätten die Menschheit und ich nichts mehr zu stalken! Was machen z. B meine Ex-Freunde gerade? er eine scheint immer noch zu Hause zu wohnen und ist unter seinem alten Spitznamen auch bei myspace zu finden.
Der Nächste wohnt – ach du liebe Güte, ich weiß, warum ich mit beiden Schluss gemacht habe – auch noch zu Hause, hat aber diese ganzen genannten politischen Bücherkommentare sicher nicht verfasst.
Und falls der nächste nicht wirklich gerade in Stäbelow (wo auch immer) wohnt, ist über ihn nichts herauszufinden. Nun gut, er hatte damals ja nicht einmal ein Handy.
Das langweilt Euch? Wie wäre es dann mit einer Recherche über DozentInnen oder HochschulmitarbeiterInnen? Ich sag nur schon mal vorab, um etwaige Enttäuschungen zu vermindern: Frau Assenmachers Profil verrät Euch nichts Neues. Und auch die Suche nach Herrn Kürschner ist kaum spannender.
Der Nächste wohnt – ach du liebe Güte, ich weiß, warum ich mit beiden Schluss gemacht habe – auch noch zu Hause, hat aber diese ganzen genannten politischen Bücherkommentare sicher nicht verfasst.
Und falls der nächste nicht wirklich gerade in Stäbelow (wo auch immer) wohnt, ist über ihn nichts herauszufinden. Nun gut, er hatte damals ja nicht einmal ein Handy.
Das langweilt Euch? Wie wäre es dann mit einer Recherche über DozentInnen oder HochschulmitarbeiterInnen? Ich sag nur schon mal vorab, um etwaige Enttäuschungen zu vermindern: Frau Assenmachers Profil verrät Euch nichts Neues. Und auch die Suche nach Herrn Kürschner ist kaum spannender.
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Wie aber Herr Klohn 1997 aussah und ob Frau Wienken sich immer noch über “Rückmeldungen, Anregungen und Ideen zu den in der Homepage angelegten Schwerpunkten” freut, könnt ihr unter web.archive.org herausfinden. Das ist eine “Waybackmachine”, die euch auf alte Internetseiten bringt, getreu dem Motto “take me back”.
Die Frage, die mir nun kommt, ist, ob DozentInnen auch nach Studierenden googeln. Haben sie Fake-studiVZ-Accounts? Falls das jemand von Euch erstalkt: schreibt es mir! Denn dann findet Ihr meine Emailadresse sicher auch heraus…
Die Frage, die mir nun kommt, ist, ob DozentInnen auch nach Studierenden googeln. Haben sie Fake-studiVZ-Accounts? Falls das jemand von Euch erstalkt: schreibt es mir! Denn dann findet Ihr meine Emailadresse sicher auch heraus…
Und nun? Seid Ihr immer noch da? uniVista weglegen und PC anschmeißen! Was könnte schon sozialer sein als rumzustalken? Ihr entdeckt Neuigkeiten über Euer (erweitertes) Netzwerk und könnt diese dann zur allgemeinen Erheiterung Eurer Freunde weitergeben.
Und zur Selbsterfahrung nutzt es auch: Ihr entdeckt schlimme Partybilder von Euch? Dann arbeitet an Euch… und schraubt Eure Schamgrenze runter…
Und zur Selbsterfahrung nutzt es auch: Ihr entdeckt schlimme Partybilder von Euch? Dann arbeitet an Euch… und schraubt Eure Schamgrenze runter…
von Julia Stock
Ein Brasilianer in Vechta
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Mein Name ist Vinícius Laurindo und ich studiere Philosophie und Sozialwissenschaften an der Universidade Federal da Paraíba (UFPB). Im Moment bin ich im 6. Semester und seit letztem Sommersemester studiere ich an der Hochschule Vechta. Weil ich sehr beeindruckt bin, was das Austauschprogramm zwischen Vechta und João Pessoa ermöglicht, will ich die Chance nutzen und Euch an dieser Stelle von einigen Erfahrungen meinerseits berichten.
Akademisches Leben:
Das akademische Leben an der Hochschule Vechta bedeutet für mich eine sehr reiche kulturelle Erfahrung. Außer der deutschen Sprache kann ich auch das deutsche Uni-System kennenlernen. Es ist ganz anders im Vergleich zu Universitäten in Brasilien. Die Universität von João Pessoa ist viel größer als die Hochschule Vechta, jedoch ist mir aufgefallen, dass die Seminare hier größer sind.

Deutschland hat eine sehr große philosophische Tradition, das ist für meine akademische Erfahrung sehr wichtig. Hier habe ich den Zugang zu vielen philosophischen Werken. Ich habe also die Möglichkeit die Werke im Orginal zu lesen, nicht mehr nur in der Übersetzung. Außerdem kann ich mit dieser Erfahrung reifer in meinem Bereich werden und vielleicht kann ich später wieder nach Deutschland kommen, um meinen Master zu machen. Deshalb ist diese Erfahrung ganz wichtig für mich, weil die Sprache langsam leichter wird und ich die deutsche Kultur schon erlebe.
Viele kulturelle Aspekte haben mich sehr beeindruckt, wie z. B. die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden. Meiner Meinung nach gibt es eine große Distanz zwischen den beiden Gruppen. Die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden ist etwas anders in Brasilien. Vor allem kann es sein, dass die Studierenden nach den Vorlesungen mit den Dozierenden noch über das Seminar oder andere Sachen sprechen können. Hier in Vechta sehe ich schon einen großen Unterschied. Mir ist auch aufgefallen, dass alle sehr förmlich sind. Die Beziehung unter den Leuten ist hier sehr besonders. Beispielsweise werde ich hier auch anders angesprochen: In Vechta heiße ich nicht mehr Vinícius, sondern Herr Laurindo. Diese Feinheiten der deutschen Kultur sind schon genug, um einen Brasilianer in Erstaunen zu versetzen. Mit solchen gemachten Erfahrungen kann ich mit Sicherheit sagen: Sich auf die deutsche Kultur einzulassen bedeutet für mich, eine neue Kultur zu erleben.
Viele kulturelle Aspekte haben mich sehr beeindruckt, wie z. B. die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden. Meiner Meinung nach gibt es eine große Distanz zwischen den beiden Gruppen. Die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden ist etwas anders in Brasilien. Vor allem kann es sein, dass die Studierenden nach den Vorlesungen mit den Dozierenden noch über das Seminar oder andere Sachen sprechen können. Hier in Vechta sehe ich schon einen großen Unterschied. Mir ist auch aufgefallen, dass alle sehr förmlich sind. Die Beziehung unter den Leuten ist hier sehr besonders. Beispielsweise werde ich hier auch anders angesprochen: In Vechta heiße ich nicht mehr Vinícius, sondern Herr Laurindo. Diese Feinheiten der deutschen Kultur sind schon genug, um einen Brasilianer in Erstaunen zu versetzen. Mit solchen gemachten Erfahrungen kann ich mit Sicherheit sagen: Sich auf die deutsche Kultur einzulassen bedeutet für mich, eine neue Kultur zu erleben.
Praktikum:
Dieses Programm zwischen Vechta und der brasilianischen Universität hat mir auch ermöglicht, ein Praktikum zu machen. Ich habe in Lohne ein Praktikum bei der Tafel gemacht. Die Lohner Tafel ist eine Nichtregierungsorganisation (NRO), die Spenden von Fabriken und Supermärkten bekommt. Solche Spenden sind Nahrungsmittel, welche übrig geblieben sind. Dennoch wählt die Lohner Tafel Essen aus und verteilt es unter ungefähr 400 Leuten pro Woche, die keine finanzielle Möglichkeit haben, ohne Hilfe täglich satt zu werden.
Als Herr Sandkötter, Soziologe und Leiter des Brasilienaustauschs an der Uni Vechta, mit mir über dieses Angebot gesprochen hatte, war ich sehr neugierig geworden, weil meine Arbeit bei der Tafel armen Leuten helfen würde. Mein Eindruck von der Einkommensverteilung in Deutschland war immer sehr positiv, weil ich keine armen Personen gesehen hatte und alles sehr reich aussieht. Ich weiß, dass Deutschland sehr reich ist, aber ich hatte gedacht, das wäre nur in großen Städten so, wie zum Beispiel in Berlin oder in München, aber nein, es ist überall so. Ich sehe hier in Vechta nur schöne Häuser, teure Autos, viel Konsum, Luxus – ein Lebensstil, den viele erreichen wollen. Ich habe sogar gedacht, dass alle hier das ideale Leben haben. Dieser Eindruck über die deutsche Gesellschaft hat sich jedoch total verändert, als mein Praktikum bei der Lohner Tafel angefangen hat. Es ist mir aufgefallen, dass solch ein Bild von teuren Autos, schönen großen Häusern, Luxus zu eingeschränkt und einseitig ist.
Als Herr Sandkötter, Soziologe und Leiter des Brasilienaustauschs an der Uni Vechta, mit mir über dieses Angebot gesprochen hatte, war ich sehr neugierig geworden, weil meine Arbeit bei der Tafel armen Leuten helfen würde. Mein Eindruck von der Einkommensverteilung in Deutschland war immer sehr positiv, weil ich keine armen Personen gesehen hatte und alles sehr reich aussieht. Ich weiß, dass Deutschland sehr reich ist, aber ich hatte gedacht, das wäre nur in großen Städten so, wie zum Beispiel in Berlin oder in München, aber nein, es ist überall so. Ich sehe hier in Vechta nur schöne Häuser, teure Autos, viel Konsum, Luxus – ein Lebensstil, den viele erreichen wollen. Ich habe sogar gedacht, dass alle hier das ideale Leben haben. Dieser Eindruck über die deutsche Gesellschaft hat sich jedoch total verändert, als mein Praktikum bei der Lohner Tafel angefangen hat. Es ist mir aufgefallen, dass solch ein Bild von teuren Autos, schönen großen Häusern, Luxus zu eingeschränkt und einseitig ist.
Wollt auch Ihr den Blick über den Tellerrand wagen?
Dann informiert Euch jetzt über Euer Wintersemester 2011/12 in Brasilien! Denn der Vorbereitungskurs beginnt am 12.04.2010!
Nähere Infos gibt‘s bei Dr. Stephan Sandkötter
(e-Mail: stephan.sandkoetter[at]uni-vechta.de)
Dann informiert Euch jetzt über Euer Wintersemester 2011/12 in Brasilien! Denn der Vorbereitungskurs beginnt am 12.04.2010!
Nähere Infos gibt‘s bei Dr. Stephan Sandkötter
(e-Mail: stephan.sandkoetter[at]uni-vechta.de)
Die Lohner Tafel hat mir nämlich eine andere Seite von Deutschland gezeigt. Da sah ich ungefähr 400 Leute mit großen Familien zu Hause, die nicht genügend zu essen hatten. Manchmal waren die Kinder nicht zu Hause, sondern mit ihren Eltern bei der Tafel und es ist oft passiert, dass die Kinder sehr zufrieden waren, weil ein Kollege von mir oder ich ihnen einfach extra Obst gegeben haben. Es war für mich eine sehr traurige Situation. Dennoch kann ich sagen, dass ich durch mein Praktikum ein bisschen besser die deutsche Gesellschaft kennen lernen konnte. Wenn ich meinen ersten Eindruck von der deutschen Gesellschaft mit meinem heutigen Eindruck vergleiche, merke ich, dass man das ganze Leben mit einem falschen Eindruck leben kann. Ich glaube, dass ich diese Erfahrung in meinem Leben nicht vergessen werde.
von Vinícius Laurindo
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Das Streben nach Wissen

Foto: Jenniffer Malenz
Der Raum ist heute viel dunkler als sonst, doch fällt es mir kaum auf, da ich gebückt über meinem Block hänge und verzweifelt überlege, wie ich mir weitere Informationen über die Lesegewohnheiten meiner Mitstudenten aneignen kann. Das ist das Thema, was mich interessiert. Wie um Himmels Willen übersteht man diese Vorlesung ohne sich nicht nebenbei auch auf andere Dinge zu konzentrieren. Natürlich nur zur Überbrückung. Wir wollen ja etwas lernen und das nicht zu wenig.
Und just in diesem Moment bemerke ich, dass der Raum so dunkel ist, weil die Rollläden aus unerfindlichen Gründen unten sind und der Winter langsam aber sicher ins Land gezogen ist. Das Wetter ist grau und kein Mensch kommt auf die Idee das Licht einzuschalten. Vielleicht ist man von diesen ganzen sonnenfreien Stunden so sehr neben sich, dass es keinen mehr stört. Während mein Blick also im Raum umherschweift und ich überlege, ob ich es riskieren soll uns zu erleuchten, nehme ich eine junge Frau wahr, die es schafft in dieser einbrechenden Dämmerung unter ihrem Pult zu lesen. Wahrhaftig und freudig kann ich schon auf den ersten Blick erkennen, dass es sich weder um Luhmann noch um eine sonstige Lektüre der Sozialen Arbeit handelt. Obwohl es hier sicherlich definitionsabhängig ist. Fakt ist, dass sie liest. Sie findet die Zeit, sich mit Wissen voll zu stopfen, egal in welchem Sinne. Und ich erinnere mich an die Sätze, die uns zig Dozenten in der Einführungswoche sagten und die sich in mein Gehirn einbrannten, wie wohl kaum ein anderer Satz. “Studieren heißt Lesen.” oder auch “Eine eigene Meinung kann man sich nur durch Lesen aneignen.” Meine Kommilitonin steckt mittendrin in diesem Versuch eine gute Studentin zu sein, oder eben eine vorzeigbare.
Wie dem auch sei. Meine Frage dreht sich nun darum, was sie liest. Also nehme ich mir vor dies herauszufinden. Was lesen die Studenten? Diese Frage werde ich allerdings nicht in dieser Vorlesung im heute düsteren B1-Saal stellen. Nein, ich befrage im R-Gebäude meine Mitstudenten der Sozialen Arbeit nach ihren Lesegewohnheiten und stelle tatsächlich fest, dass diese ebenso bestrebt sind sich ihr Wissen lieber anzulesen. Angeblich lesen sie neben ihren privaten Wälzern tatsächlich Literatur, die sie durchs Studium bringen soll. Ohne Zwang, sondern rein aus Interesse. Kann das stimmen?
So lasse ich meinen Blick weiter schweifen und entdecke hier und dort den ein oder anderen mit seiner Lektüre. So lügt man mit Statistik bis hin zu diversen Romanen. Von Diekmann bis Rowling. Ich entdecke sogar das Vörlesbook för Wiehnachten von Heinrich Höpken in den Händen eines Kommilitonen. Alle streben sie nach Wissen. Oder wenigstens ein Teil davon.
Jedenfalls beschließe ich dem nachzugehen, obwohl die Antwort doch auf der Hand liegt. Es ist nicht von Nachteil sich zu belesen. Das weiß jeder. Doch wählen wir dabei das Richtige? Und was ist schon richtig? Was falsch? Reicht es nicht, überhaupt zu lesen? Hilft das allein nicht schon dabei, sich beispielsweise besser ausdrücken zu können?
Doch was lesen meine Mitstudenten? Was bewegt sie? Was interessiert sie? Was hilft ihnen weiter? Was bringt ihnen wiederum nichts? Und wann finden sie überhaupt die Zeit dafür? Diesbezüglich habe ich schon einiges herausfinden können. So bevorzugen die Zugfahrer unter uns das Lesen während der Fahrt, was durchaus naheliegend scheint. Andere wiederum entdecke ich lesend während der Vorlesungen bzw. des Seminars. Und so sitzen sie zusammengekauert und wissbegierig über ihren Büchern und tauchen ein in ihre, von ihnen ausgewählte, verschriftlichte Welt, ohne auch nur ein Wort vom Dozenten wahrzunehmen, der ihnen möglicherweise gerade in diesem Moment erzählt, wie wichtig das Lesen für ihre weitere Entwicklung und welches Buch dafür besonders geeignet sei. Doch wir stecken schon mittendrin. Noch bevor diese Sätze fielen, wie mir scheint, waren wir bestrebt zu lesen. Liegt es an den Worten der Lehrenden oder an uns selbst?
Ein Blick in die Bibliothek spricht ebenso Bände. Hier wird gesucht, gelesen, recherchiert und kopiert, als hinge ihr Leben davon ab. Ist es wahr? Macht nur das Lesen Euch groß und gebildet? Eröffnet es Euch abkürzende Wege zum angestrebten Ziel?
So lasse ich meinen Blick weiter schweifen und entdecke hier und dort den ein oder anderen mit seiner Lektüre. So lügt man mit Statistik bis hin zu diversen Romanen. Von Diekmann bis Rowling. Ich entdecke sogar das Vörlesbook för Wiehnachten von Heinrich Höpken in den Händen eines Kommilitonen. Alle streben sie nach Wissen. Oder wenigstens ein Teil davon.
Jedenfalls beschließe ich dem nachzugehen, obwohl die Antwort doch auf der Hand liegt. Es ist nicht von Nachteil sich zu belesen. Das weiß jeder. Doch wählen wir dabei das Richtige? Und was ist schon richtig? Was falsch? Reicht es nicht, überhaupt zu lesen? Hilft das allein nicht schon dabei, sich beispielsweise besser ausdrücken zu können?
Doch was lesen meine Mitstudenten? Was bewegt sie? Was interessiert sie? Was hilft ihnen weiter? Was bringt ihnen wiederum nichts? Und wann finden sie überhaupt die Zeit dafür? Diesbezüglich habe ich schon einiges herausfinden können. So bevorzugen die Zugfahrer unter uns das Lesen während der Fahrt, was durchaus naheliegend scheint. Andere wiederum entdecke ich lesend während der Vorlesungen bzw. des Seminars. Und so sitzen sie zusammengekauert und wissbegierig über ihren Büchern und tauchen ein in ihre, von ihnen ausgewählte, verschriftlichte Welt, ohne auch nur ein Wort vom Dozenten wahrzunehmen, der ihnen möglicherweise gerade in diesem Moment erzählt, wie wichtig das Lesen für ihre weitere Entwicklung und welches Buch dafür besonders geeignet sei. Doch wir stecken schon mittendrin. Noch bevor diese Sätze fielen, wie mir scheint, waren wir bestrebt zu lesen. Liegt es an den Worten der Lehrenden oder an uns selbst?
Ein Blick in die Bibliothek spricht ebenso Bände. Hier wird gesucht, gelesen, recherchiert und kopiert, als hinge ihr Leben davon ab. Ist es wahr? Macht nur das Lesen Euch groß und gebildet? Eröffnet es Euch abkürzende Wege zum angestrebten Ziel?
Um diese Fragen zu klären und mehr über Eure Lese- und Bildungsgewohnheiten herauszufinden, haben wir für Euch eine Umfrage vorbereitet, dessen Auswertung Ihr in der uniVista No. 15 lesen könnt. Anregungen und Wünsche hierzu nehmen wir gerne entgegen und versuchen es in unsere weitere Planung zu integrieren. Auch sonstige Rückmeldungen sind gerne gesehen.
Außerdem sei angemerkt, dass Ihr vom 18 bis 21. März 2010 die Möglichkeit habt, auf der Leipziger Buchmesse nach weiteren wissenswerten Büchern Ausschau zu halten.
Ich wünsche Euch viel Erfolg!
Ich wünsche Euch viel Erfolg!
von Jenniffer Malenz
Kunst der Poesie, Ambitionen und Abgründe
Der Leser, welcher ohnehin ein Faible für die Abgründe des menschlichen Daseins hegt, sollte sich ohne Bedenken dies Werk von Milan Kundera zu Gemüte führen. Ohne grobe Anklage, viel mehr mit liebenswürdiger Bewunderung, zeichnet der Autor ein Netz individueller Beziehungen zwischen seinen Figuren, welches sich von bedingungsloser Liebe bis hin zu rasender Verachtung erstreckt.
Im Mittelpunkt des niveauvoll erzählten Dramas steht der heranwachsende Jaromil, der nach dem frühen Ableben seines Vaters von seiner übermäßig ergebenen Mutter großgezogen wird. Die ist es auch, welche in ihm den begnadeten Dichter zu erkennen glaubt. So wird Jaromil nicht an die Poesie mit all ihren Facetten herangeführt, sondern förmlich von ihr überschüttet. Der Leser sieht einen ausgeklügelten Leidensweg des Protagonisten, welcher auf der Suche nach Anerkennung und Bewunderung, überfordert von den eigenen und fremden Ansprüchen erkennen muss, dass sein eigener Glanz, lediglich eine trübe Abfärbung sämtlicher Vorbilder ist.
Kundera schafft es meisterhaft mit atmosphärisch dichtem Erzählstil die Aufmerksamkeit seiner Leser zu gewinnen ohne diese zu langweilen. Selten liegen Ironie und Tragik so nah beisammen wie in dieser Perle.
Im Mittelpunkt des niveauvoll erzählten Dramas steht der heranwachsende Jaromil, der nach dem frühen Ableben seines Vaters von seiner übermäßig ergebenen Mutter großgezogen wird. Die ist es auch, welche in ihm den begnadeten Dichter zu erkennen glaubt. So wird Jaromil nicht an die Poesie mit all ihren Facetten herangeführt, sondern förmlich von ihr überschüttet. Der Leser sieht einen ausgeklügelten Leidensweg des Protagonisten, welcher auf der Suche nach Anerkennung und Bewunderung, überfordert von den eigenen und fremden Ansprüchen erkennen muss, dass sein eigener Glanz, lediglich eine trübe Abfärbung sämtlicher Vorbilder ist.
Kundera schafft es meisterhaft mit atmosphärisch dichtem Erzählstil die Aufmerksamkeit seiner Leser zu gewinnen ohne diese zu langweilen. Selten liegen Ironie und Tragik so nah beisammen wie in dieser Perle.
Milan Kundera: Das Leben ist anderswo
Signatur: 228399
Signatur: 228399
von Tobias Kunz
Kracht goes Postapokalyptik
Wenn die Welt seit 100 Jahren Krieg gegen sich selbst führt und die Schweiz ein Großsowjetisches Reich von Analphabeten ist, genießt man gerade eines der ungewöhnlicheren Szenarien der deutschsprachigen Popliteratur.
Mit Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht wird der Leser in eine Postapokalytische Dystopie gerissen. Eine Geschichte von Menschen, die ihr gesamtes Leben in einem sinnlosen Krieg-um-des-Krieges-willen verbringen. Beeindruckend dicht schildert Kracht den Kampf ums Überleben und die ideologische Verblendung der Charaktere. Er zeichnet eine Welt, in welcher der ganz normale Wahnsinn von Krieg, fließenden Fronten und dem Verfall jeder Kultur zu einem Hintergrundrauschen wird. Erzählt wird der ganze Wahnsinn aus der Sicht eines schwarzen schweizer „Komissärs“, welcher versucht merkwürdige Morde an seinen Eidgenossen aufzuklären.
Wer sich mit dem durch und durch abgefuckten Szenario (Schwarz-Afrikanische Schweizer üben am Kilimandscharo den alpinen Winterkrieg!!) anfreunden kann, findet in diesem Buch tatsächlich eine wahre Perle der Bibo. Sprachlich brilliant. Lesen!
Mit Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht wird der Leser in eine Postapokalytische Dystopie gerissen. Eine Geschichte von Menschen, die ihr gesamtes Leben in einem sinnlosen Krieg-um-des-Krieges-willen verbringen. Beeindruckend dicht schildert Kracht den Kampf ums Überleben und die ideologische Verblendung der Charaktere. Er zeichnet eine Welt, in welcher der ganz normale Wahnsinn von Krieg, fließenden Fronten und dem Verfall jeder Kultur zu einem Hintergrundrauschen wird. Erzählt wird der ganze Wahnsinn aus der Sicht eines schwarzen schweizer „Komissärs“, welcher versucht merkwürdige Morde an seinen Eidgenossen aufzuklären.
Wer sich mit dem durch und durch abgefuckten Szenario (Schwarz-Afrikanische Schweizer üben am Kilimandscharo den alpinen Winterkrieg!!) anfreunden kann, findet in diesem Buch tatsächlich eine wahre Perle der Bibo. Sprachlich brilliant. Lesen!
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Signatur: CQYk8532=395842
Signatur: CQYk8532=395842
von Thomas Hülsmann
Horoskop Februar 2010
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Steinbock
Nicht mehr so die Motivation vorhanden? Momentan kein Wunder und völlig berechtigt. Ein Weilchen wird dies leider noch anhalten. Glück ist, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.
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Wassermann
Bei Dir steht einiges auf der “To-Do”-Liste. Wirf noch einmal einen Blick darauf. Einiges kannst Du vielleicht streichen.
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Fische
Du hast viel erlebt und erreicht. Sei stolz auf Dich und klopf Dir auf die Schulter.
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Widder
Das Jahr 2010 wird bei Dir ziemlich entspannt. Uni-Stress verdrängst Du erfolgreich und anderes wird schnell geklärt. Freundschaften solltest Du besonders pflegen, sonst könntest Du bald alleine dastehen.
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Stier
In letzter Zeit musstest Du ziemlich viel wegstecken. Nun brauchst Du eine Pause und mal wieder Zeit nur für Dich. Gönn Dir was!
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Zwillinge
Gefühlschaos. Mal so, mal so und immer ohne Grund… Abwarten bringt nix. Es wird Zeit, dass Du dich für eine Sache entscheidest und Dir klar darüber wirst, wo Du stehst.
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Krebs
Du hast Dich nur noch auf das neue Jahr gefreut und wolltest einen Neustart? Dann los! Von nix kommt nix.
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Löwe
Als Löwe wirst Du in diesem Jahr einiges zu verteidigen haben. Werde lockerer. Dir will niemand etwas Böses.
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Jungfrau
Glücklich, zufrieden, ausgeglichen… Das wirst Du in diesem Jahr häufig sein und das wirkt sich auf Deine Mitmensch-en aus. Dieses kannst Du gut nutzen.
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Waage
Du drehst noch einmal richtig auf. Perfekter Zeitpunkt, um Vorgeschobenes anzupacken.
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Skorpion
Du vergisst gerne mal, dass es auch noch andere Menschen gibt außer Dir. Achte etwas mehr auf sie. Besser spät als nie.
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Schütze
Du erwartest ganz schön viel von Dir. Wenn Dir was am Leben liegt, lege Deine Messlatte etwas tiefer – Wer weniger Stress hat, lebt schließlich länger.
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von Mira Brink
Träumer
Und du wartest
Und du träumst
Und du träumst
Und du findest was du träumst
Und du träumst
Und du träumst
Und sie wartet
Und du träumst
Und du träumst
Und sie wartet
Und du träumst
Und du träumst
Und ER kommt
Und du träumst
Und du träumst
ER träumt nicht
Und du träumst
Und du träumst
Und sie wartet
Und du träumst
Und du träumst
Und sie lässt das Warten bleiben
Doch du träumst
Und du träumst
Und verträumst worauf du wieder wartest.
Und du träumst
Und du träumst
Und du findest was du träumst
Und du träumst
Und du träumst
Und sie wartet
Und du träumst
Und du träumst
Und sie wartet
Und du träumst
Und du träumst
Und ER kommt
Und du träumst
Und du träumst
ER träumt nicht
Und du träumst
Und du träumst
Und sie wartet
Und du träumst
Und du träumst
Und sie lässt das Warten bleiben
Doch du träumst
Und du träumst
Und verträumst worauf du wieder wartest.
von Tobias Kunz
Schweinemedaillons “Westmoreland”
dazu Tomatensuppe und Quarkcreme
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F
l e i s c h |
![]() Gekocht von Kai Brockmeyer
(Azubi im Mensateam Vechta) Foto: Tobias Kunz
Tomatensuppe mit Croutons:
Würfle die geschälten Zwiebeln und schwitze im Olivenöl glasig. Nun würfelst Du die Tomaten und schwitzt sie mit. Anschließend fügst Du die Gemüsebrühe hinzu. Gewürze und nach Geschmack Salz und Pfeffer beigeben, alles pürieren und mit Sahne vollenden. Für die Croutons brätst du ein bisschen Inneres vom Toast in der Pfanne an.
Schweinemedaillons:
Zuerst schneidest Du die Medaillons in ca. 60g schwere Scheiben und brätst sie an. Den Ansatz löst Du dann mit Rotwein ab und lässt ihn einreduzieren. Nun blanchierst Du kurz die Tomaten, würfelst sie und fügst sie der Soße hinzu. Evtl. musst Du noch mit Stärke binden. Abschmecken und fertig.
Frühjahrsgemüse:
Zuckerschoten und Möhren waschen und wenn notwendig in gewünschte Form bringen. Dann kannst Du das Gemüse abblanchieren. Mische nun das Wasser mit dem Honig, das Gemüse darin schwenken und bissfest garen.
Macair-Kartoffeln:
Zuerst kochst Du die geschälten Kartoffeln bis sie übergar sind. Dann dämpfst Du sie aus und presst sie. Die entstandene Masse mischst Du nun mit dem Eigelb und den Schinkenwürfeln. Nun formst Du auf einer bemehlten Fläche eine Rolle mit ca. 4cm Durchmesser. Danach schneidest Du sie in dünne Streifen (1-2cm) und brätst sie in der Pfanne.
Quarkcreme:
Dazu musst Du die Sahne schlagen, die Gelatine einweichen und die Vanille in Zitronensaft auflösen bzw. auskochen. Nun mischst Du Quark und Sahne und schmeckst mit Zucker ab. Vier Stunden kaltstellen – fertig.
Erdbeersoße:
Erdbeeren mit etwas Wasser aufkochen pürieren und zuckern. Nach gewünschter Konsistenz fügst Du Wasser hinzu.
Das Mensateam Vechta und uniVista wünschen einen guten Appetit!
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Fliegerbombe und Schleudergang
![]() Ein Tag wie jeder andere. Eines drögen Morgens, an dem sich alle WG-Mitglieder so ganz wunderbar bei nebenbei laufendem TV entspannen, flattert eine fröhliche Neuigkeit durch die Gemächer und erhellt die verstaubten Gemüter. Bob hat gelernt seine Wäsche zu waschen. |
![]() Die Botschaft reißt sofort alle in einen berauschenden Bann. Jeder scheint sich zu freuen und Bob in seinem neu eroberten Lebensabschnitt das Beste zu wünschen, was man halt so jemanden wünschen kann, der allmählich sämtliche Facetten des schwierigen Lebens in den Griff zu bekommen scheint. |
![]() Alle sind sich einig. Bob ist von nun an ein anderer Mensch. Sein neuer Lebensmut und die damit einhergehenden verschärften Sinne strahlen eine unendliche Energie aus, welche sich in die noch so winzigste Pore der WG-Räumlichkeiten ausbreitet und alle restlichen Mitbewohner gleichwohl beflügelt. |
![]() Doch da ein unverhoffter Schicksalsschlag. Von einem Moment zum nächsten fliegt der doch eben noch so energiegeladene Wohngemeinschaftspalast in die Luft und wird von einer wuchtigen Schneelawine begraben. Doch bevor einer unserer tapferen Helden auch nur das Ausmaß des Schreckens verarbeitet hat, wird schon wieder an die Zukunft gedacht. |
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Doch wie wird diese Zukunft wohl aussehen? Wird Bob einen jämmerlichen Tod sterben oder doch noch bügeln lernen? Wird er es überhaupt überwinden mit dreckigen Sachen in das Krankenhaus gebracht zu werden? Und was ist mit Nadine und Enrico? Werden sie Kinder bekommen und sich den teuflischen Krallen der Ehe hingeben oder einfach nur ins Gras beißen? Ist das ganz und gar das Ende?
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Text und Kulissen: Tobias Kunz
Inspiration: Robert Betz Fotos: Alexander Dressler |
Dreck – Ein Hoch auf die Putzlappen
Dreck wächst mit seinen Aufgaben. Dreck verweist auf Leben. Ja, Dreck reinigt sogar den Magen. Wieso also ein solch wunderbares Produkt unserer großzügigen Umwelt bekämpfen? Obwohl er alle Eigenschaften besitzt, der sich im Normalfall die Gesamtheit aller menschlichen Sinne entziehen möchte, bindet er vortrefflich die Charakterzüge eines Menschen zu einem Ganzen. Man möchte wissen mit welcher Person man es zu tun hat? Das Ausmaß der Verwüstung individueller Umfelde gibt darauf die Antwort. Nach dem Motto: Zeig mir deine Behausung und ich sage dir, wer du bist. Das Spektrum ist groß. Von psychisch gestörten Messies bis hin zu psychisch gestörten Ordnungswahnsinnigen. Oder unbrachial betrachtet: Von Menschen geregelter Verhältnisse bis hin zu Typen getriebener Planlosigkeit. Vielleicht sind solcherlei Betrachtungen wissenschaftlich relevant, vielleicht aber auch einfach nur: Müll.
Im Rahmen fortlaufender Emanzipation in allen sozialen Bereichen möchte ich auch sogleich das ausgelutschte Thema über die Unterschiede der Haushaltsführung zwischen den Geschlechtern verwerfen, entsorgen und pfandfrei niemals wiederverarbeiten.
Solange man angekündigten Besuch nicht als Gelegenheit auffasst, das vorläufig geplante Saubermachen tatsächlich umzusetzen, so bleibt zu sagen, das ein ungepflegtes Territorium eine Gelegenheit darstellt, um die Ernsthaftigkeit einer Beziehung zu Freund/Freundin oder Anderes auf die Probe zu stellen: Du willst mich? Du bekommst mich nur mit diesem und meinem Zimmer!
Im Rahmen fortlaufender Emanzipation in allen sozialen Bereichen möchte ich auch sogleich das ausgelutschte Thema über die Unterschiede der Haushaltsführung zwischen den Geschlechtern verwerfen, entsorgen und pfandfrei niemals wiederverarbeiten.
Solange man angekündigten Besuch nicht als Gelegenheit auffasst, das vorläufig geplante Saubermachen tatsächlich umzusetzen, so bleibt zu sagen, das ein ungepflegtes Territorium eine Gelegenheit darstellt, um die Ernsthaftigkeit einer Beziehung zu Freund/Freundin oder Anderes auf die Probe zu stellen: Du willst mich? Du bekommst mich nur mit diesem und meinem Zimmer!

© Gisela Peter / PIXELIO
Es ist doch auch so, dass ein monatelanges, dahinsiechendes räumliches Umfeld einen Bezug zu der persönlichen Vergangenheit darstellt. Überwindet man sich wirklich einmal, den Frühjahrsputz durchzuziehen, könnte man unter dem eigenen Bett Dinge entdecken, die einem in schöne frühere Tage zurückversetzen. Eine Budweiserflasche vielleicht? – Ach ja, die verrückte Tschechin auf der WG-Party von `97. Das waren noch Zeiten. Das eigene unordentliche Zimmer dient also auch leidlich als eine Art Tagebuch.
Im Endeffekt bleibt zu erwähnen: Ob ordentlich oder unordentlich. Solange der Teppich nicht anfängt zu leben, ist doch alles in recht geordneten Verhältnissen.
von Tobias Kunz
So! Ich bin dann vor ein paar Monaten umgezogen. Im alten Zimmer hatte ich Laminat… also keinen Teppich. Ich hatte mich gut auf meinen Umzug vorbereitet, aber eine stille Gefahr habe ich nicht gesehen. Als mir meine Freunde geholfen haben mein Bett auseinander zu bauen, da sprangen sie mir fast ins Gesicht. Sie haben mich ausgelacht und streckten mir ihre grauen Zungen entgegen. Staubhasen oder wahlweise auch Staubmäuse genannt. Sie sammelten sich gesellig auf dem Boden und lachten uns mit ihrem Staub an. Zugleich mussten wir alle bei diesem Anblick keuchen vor Entsetzen… Naja, eigentlich eher wegen dem Staub, aber so klingt es dramatischer. Frisch umgezogen habe ich mir geschworen mehr für mein Zimmer zu sorgen. Daraus wurde leider noch nicht so viel, aber jetzt putze ich wenigstens. Mein Zimmer aufräumen? Ja, schon, aber… seien wir doch mal ehrlich! Wie viele von Euch räumen ihr Zimmer auf, wenn sich nicht gerade die Eltern oder anderer Besuch angemeldet hat? Also, ich gestehe hiermit, dass ich mein Zimmer nur aufräume, wenn Besuch kommt. Das ist in meinen Augen aber auch völlig in Ordnung, denn ich muss schließlich darin schlafen und nicht mein Besuch (naja, im Regelfall ist das so). Zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass ich aber wenigstens einen Grund habe mal richtig aufzuräumen und Besuch ist doch immer schön, also räume ich dann auch gerne auf, um meine Gäste gut zu empfangen. Und da ja Ausnahmen immer die Regel bestätigen, muss ich hier noch hinzufügen, dass auch sehr gerne während der Klausurenzeit geputzt wird. Hand aufs Herz, das ist doch bei Euch auch so.
Also hoch mit Euch Studenten und an die Putzlappen. Versucht auch, ohne dass Besuch kommt, Eure Staubhasen zu fangen und bringt sie zum Stillschweigen, denn sie haben kein Recht auf Leben! Mögen die Putzmittel und -lappen mit Euch sein!
von Sarah Kotten


















