No 15 – Mai 2010

Inhaltsverzeichnis:

PDF-Version der 15. Ausgabe

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
PDF-Version dieser Ausgabe:
uv_titel15

Klausuren, von Bologna zum Spicker
Was hat sich nach dem Bildungsstreik wirklich geändert?

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Foto: Jenniffer Malenz
2010, das letzte Jahr des Bologna-Prozesses. Viel ist passiert seit dem Aufkommen der Idee einheitliche Standards für den europäischen Hochschulsektor zu schaffen. Die grundlegende Idee der internationalen Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen ist gut, aber die praktische Umsetzung lässt einige Wünsche offen. Auch hier in Vechta haben sich die Studenten gegen diese Missstände erhoben, wie bereits in der letzten Ausgabe (uniVista No. 14) berichtet. Doch was hat sich geändert? Die Erinnerungen an die AP-Jagd verblassen und die Post-its, die man noch vereinzelt findet, sind die letzten Überbleibsel dieser Tage.
Nach allen Versprechungen und geglückten bzw. weniger geglückten Reden in der Aula fand sich schnell wieder der Alltag ein. Die Klausuren standen an, ohne dass sich große Änderungen ergeben hätten. Jedoch bestimmen gerade diese maßgeblich die Vergleichbarkeit eines Hochschulabschlusses. Immerhin zeigen sie an, dass man in einem speziellen Modul den Unterrichtsstoff sehr gut, gut bis hin zu ausreichend verstanden hat und wiedergeben kann. Sie sind also Messinstrumente. Aber wie kann man internationale Vergleiche anstellen, wenn es selbst innerhalb eines Studienganges große Spielräume zur Gestaltung einer Klausur gibt?
Eine Klausur beispielsweise kann aus verschiedenen Komponenten aufgebaut sein.
Den größten Anteil stellen meist die Multiple-Choice-Fragen, aber auch Rechnungen sowie offene Fragen können enthalten sein. Vergleicht man Multiple-Choice-Fragen mit offenen, so zeigt sich, dass neben der Abfrage von Wissen auch das Ausdrucksvermögen mit geprüft wird bei letzteren. Jemand, dem es nicht gelingt Sachverhalte präzise darzustellen, hat es hier oft schwerer als andere. Eine Rechenaufgabe wiederum stellt neben den erst genannten Fragetypen eine besondere Kategorie dar, denn sie verlangt außer dem Wiedergeben von Wissen auch das Anwenden. Dies kommt zwar auch in den anderen Fragetypen vor, aber in geringerem Ausmaß.
Eine Modulabschlussklausur kann also erheblich im Schwierigkeitsgrad und in den Anforderungen variieren. Die APs hingegen variieren nicht unter diesen Aspekten.
Foto: Jenniffer Malenz
Selbst wenn man dies außer Acht lässt, so kommt man zum nächsten Problem der Klausuren: Manche Module müssen mit einer Prüfung beendet werden, die für 3 Teilmodule übergreifend ist. Bei anderen muss man lediglich eine Prüfung in einem Teilmodul machen. Dennoch sind die APs gleich.
Auch der anfallende Workload ist keineswegs vergleichbar, da unterschiedliche Dozenten unterschiedlich schnell durch den Stoff gehen und somit Qualität und Quantität der Themen variieren. Einige Teilmodule können außerdem lediglich durch Anwesenheit abgeschlossen werden, da man in nur einem Teil-modul eine Prüfung schreiben muss. Was folgt, ist die obligatorische körperliche Anwesenheit in diesen Veranstaltungen.
Zu guter Letzt gibt es noch das Problem, dass es neben Klausuren auch mündliche Prüfungen und Referate sowie Hausarbeiten gibt. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark in Schwierigkeit und Umfang. Wer jetzt denkt, dass sich aufgrund der hohen Anzahl an Prüfungen während eines Studiums die einzelnen Ungerechtigkeiten gegenseitig aufheben, sollte bedenken, dass jede Note in den Klausuren hinterher mit darüber entscheidet, ob man einen Arbeitsplatz erhält oder ein Masterstudium beginnen darf.
Aus dieser Sicht wird es sogar fast unverantwortlich gegenüber der eigenen Zukunft nicht in einer Klausur zu betrügen, wo es nur geht. Gerade die Massenklausuren bieten allerlei Anlass zu Unterhaltungen, Spickern oder Internet-Handy-Suche aus gutem Grund.
Wenn man all dies abrechnet, so bleibt letztlich noch die Frage, wie gut man durch so eine Prüfung auf das Berufsleben vorbereitet wird. Lerne ich etwas für meinen Arbeitsplatz als Lehrer, Sozialarbeiter oder Manager?
Häufig erhält man nicht einmal die Gelegenheit die Klausur einzusehen und seine Fehler eventuell nachzubereiten. Aber darüber hinaus muss man sich fragen, was es mir bringt Definitionen von 1990 auswendig gelernt und die Bescheinigung darüber in Form einer Note erhalten zu haben, wenn es um das echte Anwenden von Wissen in Form von kritischen Entscheidungen geht, die das Leben von Menschen beeinflussen. Langfristig stellt das sogar den höheren Qualifizierungsgrad durch ein Studium infrage, da man sehr häufig lediglich nachweist, dass man ein gutes Gedächtnis hat, anstelle der Kompetenz mit dem gelernten Stoff Probleme lösen zu können.
Es darf also nicht mit dem Protest enden, nun müssen Lösungen gefunden werden.
von Matthias Christ

Schicht im Schacht?
Caféte ist für 9 Wochen bedingt geschlossen

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Trotz vorangegangener Gespräche mit Frau Assenmacher und Frau Eickhoff (Liegenschaftsmanagement) kann die bedingte Schließung der Caféte aufgrund der Umbaumaßnahmen im R-Gebäude nicht umgangen werden.
Die Caféte stellt einen Erholungsraum und Treffpunkt in den Pausen sowie in freien Veranstaltungszeiträumen dar. Neben „Café“ – wie der Name schon vermuten lässt – sind andere Getränke und kleine süße aber auch herzhafte Happen für zwischendurch im Angebot. Zudem werden morgens Brötchen mit unterschiedlichem Aufschnitt angeboten und dies alles zu einem guten Preis. Die Caféte ist also – kurz gefasst – ein Angebot von Studierenden für Studierende et al. und findet reichlich Anklang.
Diese kleine Lobeshymne auf die Caféte jedoch wird die 9-wöchig bedingte Schließung nicht abwenden können genauso wenig wie das allgemeine Wissen über die Wichtigkeit und Richtigkeit der Caféte.
Vom 10. Mai bis zum 16. Juli nun wird die Caféte als Seminarraum genutzt werden müssen, da durch das Baugeschehen in diesem Zeitraum der gesamte R-20-Flur sowie der Raum R 117 entfallen werden.
Diese Schließung bleibt jedoch eben dies: bedingt.
Das Caféten-Team konnte eine bleibende Öffnungszeit von täglich 8 bis 10 Uhr aushandeln, sodass der morgendliche Café und bei Bedarf auch das Brötchen nicht fehlen. Zudem wird die Caféte in der ersten vorlesungsfreien Woche direkt nach dem 16. Juli für mindestens eine Woche geöffnet sein, um den Studierenden während der Klausuren mit Nervennahrung wieder zur Seite zu stehen. In der vorletzten Woche fanden Informationsveranstaltungen statt, in denen auch über mögliche Alternativen für den 9wöchigen Zeitraum diskutiert wurde. Pläne wurden geschmiedet und werden gerade konkretisiert. Es ist in der Caféte also noch lange nicht “Schicht im Schacht”.
von Johanna Olberding

Thank you for travelling
Einmal im Kreis mit der NordWestBahn

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Foto: Jenniffer Malenz
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
Irgendwann macht es dich einfach kirre, wenn du weißt, dass du eine 12-stündige(!) Zugfahrt vor dir hast und niemals eine der bereisten Städte von innen sehen wirst oder wenigstens ein Endziel vor Augen hast, statt am Ende nur wieder in Vechta (für mache schon tragisch genug) zu enden. Doch das alles war uns egal. Wir wollten das komplette Semesterticket an einem Tag ausnutzen, koste es, was es wolle. Da sind Einschnitte nötig!
Irgendwann hört man dann sogar auf, miteinander zu reden oder die Pferde zu zählen (es waren 26), sondern beendet auch das Hoffen darauf, dass etwas Spannendes passiert. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal eine längere Zugfahrt mitgemacht. Normalerweise passiert dort etwas. Irgendwas. Vielleicht sitzt man neben einem verrückten, komplett besoffenen Fußballfan, der versucht unter die Sitze zu erbrechen oder eine alte Omi führt Selbstgespräche über diese merkwürdigen Porzellanpuppen-Teleshops. Irgendwas halt. Bei uns war das nicht so. Es passierte nichts. Wir waren einfach gelangweilte Reisende neben gelangweilten Reisenden – mit dem Unterschied, dass sie in einem Zug saßen und wir in dem größten Karussell Niedersachsens, der NordWestBahn Vechta bis Vechta.
Monoton rattert der Waggon los. Emotionslose Berufspendler gucken emotionslos in die emotionslose niedersächsische Tiefebene. Die Tonbandstimme irgendeiner Bahnangestellten erklärt mir, dass wir auf dem Weg nach Esens sind. Esens – ein Name, den man (wenn überhaupt) nur von der Rückseite seines Studentenausweises kennt. Das hat auch seinen Grund: Esens ist nicht nur ein verschlafenes ostfriesisches Dorf, sondern auch das nördliche Ende der NordWestBahn. Doch für mich bekam es noch eine dritte Bedeutung. Esens war ein Symbol für die gesamte Reise, denn tatsächlich endet die Schiene hier vor einem großen grauen Poller. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Wir saßen uns bereits fünf oder sechs Stunden gegenüber, machten nur „Pause“, wo der Plan es vorsah, und stiegen niemals aus, sondern nur um. Wenn wir nicht unsere „heilige Mission“ zu erfüllen hätten, wäre man hier wohl ausgestiegen und hätte an der Nordsee ein paar Flaschen (oder Kisten) Bier getrunken. Statt dessen gucke ich kurz raus, höre eine Möwe schreien und nehme ernüchternd wahr, wie sich derselbe Zug, mit dem wir gekommen waren, in die umgekehrte Richtung aufmacht, um uns nach Bielefeld zu bringen. Der Betreiber eines schmierigen Autoskooters hätte jetzt gesagt: “Und weiter geht die wilde Fahrt.”
Ich schließe mit einem Appell:
Liebe Studenten, das Semesterticket ist toll, aber macht so was nicht nach! Mit der NordWestBahn im Kreis fahren, ist wie Sterben. Wirklich! Nehmt lieber Drogen, fangt das Rauchen an oder lasst das Anschnallen sein, aber macht nicht nach, was die wahnsinnigen uniVista-Kaputten da wieder ausprobiert haben. Lasst es einfach. Wirklich. Eure Psychohygiene wird Euch dankbar sein. (Ausserdem sind wir dafür um fünf Uhr aufgestanden! Um fünf! Wie bekloppt kann man eigentlich sein?)
von Thomas Hülsmann
Foto: Thomas Hülsmann
Zwischen Hüten und Zügen
“Was mach ich hier nur?”, war die erste Frage, die sich mir stellte, als sich an meinem freien Tag, morgens um fünf Uhr, der Wecker mit seinem schaurigem Piepton meldete, um damit den wohl merkwürdigsten Tag meiner Semesterferien einzuleiten. Wer bitte kam auf diese geistreiche Idee? Und was würde ich 12 Stunden lang mit den anderen anfangen? Fragen über Fragen, aber ich war bereit. Also traf ich alle Vorbereitungen, die für einen solch ereignisreichen Tag eben zu treffen sind, und begab mich auf den Weg zum Vechtaer Bahnhof, nachdem ich mit großer Genugtuung meinen Zauberbesen an meinem Fahrrad festgeklemmt hatte. Lange musste ich nicht warten an diesem Morgen, da bewegten sich auch schon zwei dunkle Gestalten auf mich zu. Die eine von ihnen rief laut: “Der Besen!” und lachte. Es war Thomas, der mit Tobias die Straße überquerte. Ich hatte wirklich befürchtet, dass sich keiner außer mir aus den Federn bewegen würde. Aber weit gefehlt.
So warteten wir gemeinsam noch kurze Zeit auf den Zug und stellten erstaunt fest, wie viele Leute so früh schon von A nach B unterwegs waren. Die NWB war gut befüllt, doch fanden wir einen Vierer-Platz, an dem wir uns gegenseitig unsere Habseligkeiten für den Tag zeigten und uns fragten, warum so viele
Harry-Potter-Dinge dabei waren. Nun ja, das nehme ich dann mal auf meine Kappe. Und es sollte ja auch noch seinen Zweck erfüllen. Tobias zeigte uns, wie stylish er mit Hut und uniVista-Shirt sein kann und Thomas präsentierte sich mit meinem tollen
Hogwarts-Outfit vor der Kamera.
Schon bald lugte die Sonne hervor und wir trafen in Bremen ein. Dort frühstückten wir bei einem Bäcker, posierten abermals vor der Kamera und begaben uns dann auf den Weg nach Wilhelmshaven. Welch ein schöner, weiter, flacher aber auch etwas trister Landesabschnitt. Und weil es sich anbot, haben wir die Gelegenheit genutzt, unsere intimsten Geheimnisse preiszugeben und über Gott und die Welt zu sprechen. Doch damit nicht genug. Es muss so zwischen Wilhelmshaven und Sande gewesen sein, als wir das Glück hatten, den kompletten Zug für uns alleine zu haben, als mein Hogwarts-Outfit und Tobias’ Quidditch-Ball zum Einsatz kamen. Ich habe tatsächlich den Schnatz gefangen und sogar einen Quaffel in den Torring bekommen. Welch ein Erfolg! Ravies rocken!
Nachdem wir uns also in Ostfriesland völlig verausgabt hatten, fuhren wir fröhlich weiter nach Osnabrück. Um die Reise noch extremer zu gestalten, diesmal stehend, so Tobias‘ Vorhaben, woran uns dann leider eine Schaffnerin hinderte und uns Plätze zuwies. Daher war diese Fahrt relativ unspektakulär. Bis auf den jungen Herrn neben mir, der das Bedürfnis hatte, während seines Schlafes mit dem Kopf auf meiner Schulter zu liegen. Daher nahm ich automatisch eine wenig rückenschonende Haltung ein, um ihm dies nicht zu ermöglichen. Tobias und Thomas fanden das sicher sehr amüsant.
Da dies aber nicht der Höhepunkt des Tages sein sollte, beschlossen wir dann eine Gemeinschaftsgeschichte zu schreiben und gingen diesem Vorhaben auch direkt auf dem Weg in Richtung Bielefeld nach. Nie war ich so kreativ, nie so reich an wohlgeformten Wörtern. Und weil nach diesem literarischen Meisterwerk unsere Köpfe leer und unsere Körper schlapp waren, nutzen wir die restliche Fahrt nach Vechta nur noch dafür, um in der Gegend herumzustarren oder auch um zu schlafen.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nun zum einen weiß, wie viele Orte ich kostenlos mit der NWB erreichen kann, wie es in Niedersachsen aussieht und wo ich ungestört Zugfahren kann. Zum anderen habe ich meine beiden Mitredakteure besser kennengelernt sowie umgekehrt, was doch immer eine tolle Sache ist und zum Zugfahren einfach dazugehört! Thank you for travelling! .
von Jenniffer Malenz
Foto: Jenniffer Malenz
Meine persönlichen Lowlights
Mal so was richtig Extremes machen. Das war das Motto. An die Grenzen gehen. Das Licht am Ende des Tunnels sehen und dann schnell abbiegen. Dass die NordWestBahn ein Zug des schleichenden Wahnsinns sein kann, wusste ich aus Erfahrung. Dass das karge Flachland im Norden reichlich Halluzinationen zutage bringt, auch. Ich war eingestellt auf Verspätungen, quälende Nahverkehrsschaffner und tobende Schulklassen, die einem die fröhliche Gesinnung nehmen. Doch dann das: Es passierte absolut gar nichts! Nicht ein Hauch von Abenteuer oder näher kommendem Nervenzusammenbruch. 12 Stunden geregeltes Beieinandersitzen in Harmonie und Geselligkeit. Mal reichlich abschweifend, dann wieder intensiver. Ist das extrem? Ja! Wieso? Schon allein das ganze Vorhaben ist von extremer Stumpfheit, dass die Schilderung der Erlebnisse einen Platz in dieser Rubrik finden darf. Hier meine persönlichen Lowlights.
Beginnen wir mit dem ersten extremen Akt.
05:30 Wenn man zu einer Zeit aufsteht, an der die letzten Gäste im Blue ein Bier bestellen, kann das keineswegs gesund sein. Motivation ist reichlich wenig vorhanden, dem kommenden Tag mit positiver Energie entgegenzutreten, da er doch dafür reserviert ist, die Zeit in Zügen der NWB abzusitzen, welche sogar Ortschaften anfährt, an dem kein Wunsch präsenter ist, als zu fliehen oder zu sterben.
06:01 Bahnhof Vechta. Ich mag diesen Ort eigentlich. Er ist stets der Beginn einer Reise zu aufregenderen Orten als eben dieses Vechta. Heute soll er mich in exakt einer Tageshälfte wieder begrüßen. Gut, dass Hermine uns begleitet. Vielleicht kann sie uns allesamt hinweg zaubern.
Als Student hat man irgendwann vergessen, dass Arbeitszeit auch schon vor 8:30 Uhr beginnen kann. Die NWB war nämlich voll von müden Lohnjägern, was ich in meiner einmaligen Situation, in ihrer Gegenwart zu verweilen, extrem lustig fand.
11:00 Wenn ich Möwen kacken sehe, bin ich recht zufrieden, da ich mir darüber im Klaren bin, dass das Meer nicht weit sein kann. Die NWB hält am obersten Zipfel ihres Liniennetzes leider nicht direkt am Strand. So konnte ich mir etwas salzigen Geruch einbilden, bevor wir wieder in Richtung extremer Landwirtschaft und Tierzüchterei fuhren.
13:00 Um alles einen Grad extremer zu gestalten, gebot ich meinen Mitstreitern (Hermine kann übrigens nicht zaubern) zwei Stunden im Stehen zu verweilen. Ich hätte mich dafür allerdings gegen eine eifrige Schaffnerin auflehnen müssen, welche die Fahrgäste so verteilte, dass auch Quasimodo bequem gesessen hätte. Aus Erfahrungswerten weiß ich allerdings, dass es keine Mittel gibt, Kontrolleure in ihrem natürlichen Jagdgebiet von dem Glauben an eine gute Sache zu überzeugen. Zumindest nicht in unserem Fall. Das extreme Vorhaben scheiterte.
15:55 Bielefeld ist extrem hässlich. Ich möchte mir kein Urteil über die gesamte Stadt erlauben, aber alles, was sich um den Bahnhof befindet, ist eine Beleidigung für neugierige Augen. Außerdem rannten ständig Arminia-Fans über den Zuggang. Die sind auch nicht schön anzusehen. Aber sie verhielten sich sehr vorbildlich. Kein Grölen, kaum am Saufen. Fast schon extrem langweilig.
18:30 Vechta. Wir sind zurück. Nicht einmal die Knochen schmerzen. Ich fühle mich extrem ausgeruht. Der Tag kann endlich beginnen. Dennoch muss ich noch so einige extreme Sachen festhalten. Zum einen waren meine Mitstreiter extrem sympathisch. Zum anderen sollte man bedenken, dass Zug fahren und Bier trinken eine notwendige Mischung zur Aufrechterhaltung des ausgeruhten Reisestiles ist. Ich verzichtete! Und das war richtig extrem!
von Tobias Kunz

Geht nicht, gilt nicht
Porträt eines Künstlers, Gestalters und Pädagogen

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Foto: Karl-Eckhard Carius
Wieder einmal schneit es, wie an so vielen Tagen dieses Winters. Der Weg, den ich gehe, ist halb von Schnee und Eis bedeckt. Es ist fast mittags, nur noch wenige Stunden trennen mich von der bis dahin einzigen Mahlzeit des bisherigen Tages. Aber dennoch bin ich nicht auf dem Weg in die Mensa. Mein Weg führt mich ins N-Gebäude, welches direkt hinter meinem vermeintlichen Ziel liegt: 1. Stock.
Um 10 Uhr dieses 28. Januars findet dort ein Treffen statt, von dem ich nicht weiß, was mich erwartet.
An diesem bewölkten Januartag traf ich das erste Mal auf Karl-Eckhard Carius, der derzeit in der von ihm geleiteten Arbeitsstelle für intermediäre Gestaltung forscht und künstlerisch tätig ist. Es hieß, er wolle seine Website der Presse vorstellen. Jedoch hatte ich noch nie an einem derartigen Pressetermin teilgenommen und war gespannt und auch ein wenig aufgeregt, wie es ablaufen würde. Zunächst erwartete ich jedoch nicht viel, da derartige Homepages meist selbsterklärend sind und man den Inhalt lediglich lesen muss. Ich sollte jedoch überrascht werden und einige interessante Dinge herausfinden.
Wer ist Prof. Carius nun? Vor dem Termin war er für mich ein Unbekannter. Einer von vielen, denen man gewiss irgendwo schon einmal begegnet ist. Aber das ist er nicht. Vielmehr ist es jemand, der das tägliche Leben eines jeden Studenten mit beeinflusst. Sei es, wenn wir den Studentenausweis mit dem von ihm designten Logo in der Mensa vorlegen oder über die von ihm designte Homepage der Uni Vechta Informationen einholen. Aber auch auf dem Campus hinterlässt er sein Zeichen, nämlich eines im Wind. Ich meine damit natürlich den Himmelsstürmer auf dem W+K-Gebäude der Uni, der dort seit Jahren als Symbol des Wandels und vor allem der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden steht. Denn das Projekt entstand im Rahmen eines von ihm geleiteten Seminars unter der Mitwirkung von Studenten. Auch das Studienangebot der Uni wurde durch ihn verändert. Als einer der ersten Unis in Deutschland führte Vechta das Fach Design unter der Aufsicht von Prof. Carius ein, der das Institut für intermediäre Gestaltung (IMEG) leitete. Somit behält seine Website recht: Er ist Künstler, Gestalter und Pädagoge.
Seine Internetpräsenz vereint diese drei Rollen in sich und richtet sich an ein Fachpublikum. Es wird dabei jedoch nie die Grenze hin zur bloßen Selbstdarstellung überschritten. Vielmehr sollen dem interessierten Besucher Denkanstöße gegeben werden. Dies gelingt auch, da die ganze Website von der Botschaft der zahlreichen Bilder lebt, die mal schön, mal kurios, mal trivial erscheinen, aber dennoch nicht leichtfertig abgetan werden sollten. Ein Bild beispielsweise zeigt Menschen am Strand. Diese Urlaubsidylle wird jedoch von Brandlöchern, die in das Bild mit einer Lupe eingebrannt wurden, zerrissen und die uns allen so wohl bekannte Sonne wirkt auf einmal fast feindlich auf dem Hintergrund dieses Sonnenbrand II genannten Bildes.
Es gibt aber auch Bilder, die Carius beim Spielen der Geige im Wasser zeigen, aufgenommen in Leningrad. Dass er sich damit dem KGB widersetzte, erahnt man jedoch nicht bei diesem so friedlich wirkenden Bild.
Bild: Karl-Eckhard Carius
Was mich an diesem vormittäglichen Treffen besonders faszinierte, war jedoch seine Art über die Pädagogik zu sprechen. Für ihn ist Erziehung gleichzusetzen mit Inspiration, mit dem Herausführen in eine Freiheit des Denkens, die Raum für eigene Ansätze schafft.
Denn wie sollen Innovationen in der Pädagogik geschehen, wenn wir den Pädagogen von morgen das Wissen von gestern beibringen?
Dies war daher auch nie sein Ziel. Er verstand sich eher als Türöffner, als Begleiter. Damit sei jedoch keineswegs gesagt, dass er es seinen Schülern und Studenten deswegen leicht machte. Im Gegenteil, Projekte unter seiner Leitung bezogen die Studenten stets mit ein und beteiligten sie an jeder Stufe des Prozesses. Von der Idee, über die Beschaffung der Materialien und der Finanzierung bis hin zur letztendlichen Realisation. Dadurch entstanden dann unser Zeichen im Wind oder die Giganten auf dem Dach auf der deutschen Schule in Lissabon, die u.a. großes internationales Interesse der Presse erhielten. Besonders herausragend ist das Goethe-Pessoa-Projekt, welches als Vorbild für interdisziplinäre Arbeit gesehen werden kann, aber auch als Zeichen seines interkulturellen Engagements. Die Plastik stellt die beiden großen Dichter Goethe und Pessoa einander gegenüber und befindet sich, wie auch die Giganten, in Lissabon.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der klare Überblick und die interessanten Themen die Seite zu einer zum Denken anregenden Sightseeing-Tour durch Carius’ Leben und Schaffen machen und garantiert einen Blick wert sind.
www.ke-carius.de
von Matthias Christ

Eine Perle in Gottes Hand

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Weißt DU eigentlich wer DU bist?
Zeig dein Lächeln, dein Gesicht.
Niemand anderes als DU.
Zeig dein Herz und dann schau zu!
DU bist die Liebe seines Lebens.
Wertvoll, hübsch und interessant,
egal was andere Menschen sagen,
DU bist eine Perle in Gottes Hand.
Weißt DU eigentlich was DU kannst?
Alles Gute kommt aus seiner Hand.
Niemand macht es so wie DU.
Geh´ einen Schritt auf andere zu.
DU bist die Liebe seines Lebens.
Einzigartig, stark und anerkannt,
egal was andere Menschen sagen,
DU bist eine Perle in Gottes Hand.
Weißt DU eigentlich wie er fühlt?
Wie dein Leben sein Herz berührt?
Niemand anders so wie DU.
Lass seine Liebe einfach zu.
DU bist die Liebe seines Lebens.
Wertvoll, hübsch und interessant,
egal was andere Menschen sagen,
DU bist eine Perle in Gottes Hand.
DU bist die Liebe seines Lebens.
Einzigartig, stark und anerkannt,
egal was andere Menschen sagen,
DU bist eine Perle in Gottes Hand.
DU bist eine Perle in Gottes Hand.
DU bist eine Perle in Gottes Hand.
Hintergrundbild: © Renate Kalloch / PIXELIO

B.

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Ich lege mich ins Bett, ein leises Klappen des Lichtschalters legt meinen Gedanken die Bahn frei, die gesamte Dunkelheit meines Zimmers auszufüllen. Nur mein CD Player leuchtet noch, die Weakerthans habe ich mir aus dem Regal gekruschtelt, obwohl ich sie eigentlich nie besonders gut leiden konnte, aber nach den 6 Bier klingen sie irgendwie doch gar nicht so schlecht. Ich muss an die klebrigen Datteln denken, die mir heute Nachmittag jemand geschenkt hat, den ich nicht kenne … und an das viele Bier. In meinem Bett verschwimmen ihre Geschmäcker. Ich selber rieche nach geräuchertem Speck, was meine Gedanken sofort zu meinem Vater führt, der jetzt mit Sicherheit Heißhunger bekäme … vielleicht kann er es auch bis nach Hause riechen und ist schon auf halbem Wege zum Kühlschrank, der bei offener Tür fast so hell leuchtet, wie das Lagerfeuer an dem ich saß, das Lagerfeuer, dass mich zum Räucherspeck gemacht hat. Viel zu lange Balken liegen im Feuer und ragen über die Feuerstelle hinaus, bilden eine Wippe. An jedem Ende steht jemand, in der Mitte die Hitze. Gummibärchen werden als Marshmallow-Ersatz aufgespießt und über die Glut gehalten. Wie die Sohlen meiner Schuhe werden sie immer weicher und fangen an zu zerfließen. In meinen Kreppschuhsohlen kleben jetzt Steine. So klebrig wie Datteln, die mir jemand geschenkt hat. Auf zwei roten Polstern liegt ein blonder Hund und sieht schön aus, viele wären gerne an seiner Stelle. Andere gehen an uns vorbei und suchen Nadjas Party, wir dann auch. Jemand spielt auf der Gitarre was von Prince und singt dazu … ich esse Nudeln … trinke mehr Bier … schlafe ein. Unter meiner Decke ist es warm, ich  schaue raus, in meinem Zimmer ist es kalt und hell. Es ist leer, die Musik ist aus und ich bin durstig. Meine Gedanken verflogen, ein Gefühl hat sie breit gemacht. Ich drücke auf play, die Weakerthans lassen das Gefühl sich wieder in Gedanken verwandeln. Ja. Ich finde sie doch nicht gut.
von Johanna Müller
Hintergrundbild: © Bernd Sterzl / PIXELIO

Die Leipziger Buchmesse 2010
Hören, sehen, lesen und fühlen

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Foto: Jenniffer Malenz
Dank meiner Tätigkeit in der uniVista-Redaktion, war es mir möglich dieses Jahr – erstmalig – zur Leipziger Buchmesse zu reisen. In der sächsischen Stadt findet jährlich das bekannte Lesefestival Leipzig liest statt, das viele Leute von nah und fern anzieht. Sie besuchen Veranstaltungen in der ganzen Stadt, die sich rundum mit Literatur beschäftigen, und natürlich auch die Buchmesse selbst, auf der ich mich hingegen ausschließlich befand. Viele Eindrücke habe ich dort gewonnen und das ein oder andere aus diesen Tagen gezogen, was ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte.
In einer Welt, in der die Neuen Medien immer angesagter sind, nehmen die Besucherzahlen der Buchmesse nicht etwa ab, wie man daraus hervorgehend vermuten könnte. Nein, im Gegenteil. Wie die regionale Tageszeitung in Leipzig berichtete, steigt die Zahl der Buchinteressierten von Jahr zu Jahr an. Deshalb sei es sinnvoll frühzeitig Fahrt und Unterkunft zu buchen und sich somit ohne Stress auf die 4 Tage des Ausnahmezustands Leipzigs zu freuen.
Außerdem bietet sich die Bahnfahrt schon allein deswegen an, weil man mit der Messeeintrittskarte kostenlos den Nahverkehr in Leipzig und Umgebung (bis nach Halle) am Besuchstag nutzen kann. Auch das Messegelände ist wohl am besten mit der Bahn zu erreichen.
Das Gelände selbst besteht aus mehreren großen Hallen sowie einer gewölbten Haupthalle aus Glas. Das ist sehr schön anzusehen und macht einen ungemein freundlichen und hellen Eindruck. Allerdings wird es dort auch im recht kühlen März extrem warm, was sicherlich auch mit den Scheinwerfern, Kameras und der hohen Besucheranzahl zusammenhängt.
Falls es einem zu warm wird und man zusätzlich zu viel Ballast zu tragen hat, kann man für einen geringen Preis die Garderobe in Anspruch nehmen oder aber ergattert sich bei diversen TV- und Verlagsständen Papptüten, in denen man alles verstauen
kann.
Cosplayer in Action
Foto: Jenniffer Malenz
Die gewölbte Glashalle ist hauptsächlich mit Ständen von TV-Sendern belegt, während die Halle 2 befüllt ist mit Kinderbuchverlagen, der Kinderbuchhandlung sowie Fantasy, Anime usw. Außerdem befindet sich dort die sog. Cosplay-Halle, in der sich jährlich die Cosplayer (Personen, die einem japanischen Verkleidungstrend folgen) zusammenfinden, um dort am Fotowettbewerb teilzunehmen und somit evtl. für das beste Kostüm prämiert zu werden. In Halle 3 befindet sich die Buchhandlung für Erwachsene. Außerdem ist diese hauptsächlich mit Verlagen anderen europäischer Länder gefüllt, was beim Durchqueren dieser äußerst interessant ist, da man von allen Seiten Lesungen und Interviews hört, teilweise mit Übersetzung. In den Hallen 4 und 5 befinden sich wiederum eher deutsche Verlage, die Autoren-Arena der Leipziger Volkszeitung, die Autorenbuchhandlung sowie die Signierstände.
Des Weiteren sind vor und hinter der Messe kleine Wasserflächen, die ebenfalls dazu einladen, sich gemütlich hinzusetzen und zu verschnaufen. Insgesamt also eine wirklich sehr schöne Atmosphäre.
Donnerstag, der 18. März
Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse 2010
Direkt nach der Ankunft in Leipzig fuhr ich zur Messe, um die diesjährige Verleihung mitzuerleben. Da bis dahin noch etwas Zeit war, entschloss ich mich währenddessen einem Interview von Michael Mittermeier zu lauschen, der sein Buch Achtung Baby vorstellte und Anekdoten daraus erzählte. Ein sympathischer Mensch, der im Anschluss an das Interview noch für all seine Fans, die auf ihn warteten, signierte.
Der Preis der Leipziger Buchmesse wurde bis dahin schon fünfmal vergeben und zeichnet Autoren für ihre Bücher in den Kategorien Sachbuch und Belletristik sowie den Autor einer besonders gelungenen Übersetzung aus, die von der Jury am ersten Tag der Buchmesse veröffentlicht werden. Viele waren für diesen Preis nominiert, einige Autoren schon Wochen zuvor in den Medien vertreten. Und so fieberte man jenem Moment entgegen, in dem die Sieger bekannt gegeben werden würden.
Die Hallen waren ca. zur Hälfte mit Presse gefüllt, die sich gegen 16 Uhr in der großen Glashalle sammelte. Auch ich fand mich dort ein, um nun das folgende Ergebnis zu erfahren:
Der Preis in der Kategorie Belletristik ging an Georg Klein mit seinem Buch Roman unserer Kindheit, zu dem Ihr weitere Informationen innerhalb unserer Rubrik Perlen der Bibo entnehmen könnt. Des Weiteren gewann Ulrich Raulff mit Kreis ohne Meister in der Kategorie Sachbuch. Ulrich Blumenbach erhielt für die Übersetzung des Buches Unendlicher Spaß von David Foster Wallace den Preis in der gleichnamigen Kategorie.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nun zum einen weiß, wie viele Orte ich kostenlos mit der NWB erreichen kann, wie es in Niedersachsen aussieht und wo ich ungestört Zugfahren kann. Zum anderen habe ich meine beiden Mitredakteure besser kennengelernt sowie umgekehrt, was doch immer eine tolle Sache ist und zum Zugfahren einfach dazugehört! Thank you for travelling! .
Jury des Preises der Leipziger Buchmesse 2010
Foto: Jenniffer Malenz
Freitag, der 19. März
Da nun die Gewinner des Leipziger Buchpreises bekannt waren, wurden sie hier und dort natürlich zu Interviews geladen. So auch Georg Klein am Freitagvormittag bei 3sat. Dort beantwortete er bereitwillig einige Fragen bezüglich seines Preises und las noch einige Minuten aus dem Anfang seines Buches vor, was die Menschen um ihn herum ganz aufmerksam werden lies.
Nachdem ich nun etwas mehr Überblick auf dem Gelände hatte, besuchte ich im Anschluss diverse Veranstaltungen.
Aus meinem Programmheft entnahm ich, dass in der „Textbox“ poetische Texte vorgetragen werden. Und so begab ich mich zum Stand in der Glashalle, in der die Sprecher in einer kleinen Box vor einem Mikrofon standen. Allerdings konnte man ihre Stimmen nur hören, wenn man sich einen der davor hängenden Kopfhörer nahm und ihren Worten lauschte, die kritisch und poetisch zugleich waren.
Der Tag endete für mich schließlich mit einer Recherche über die Eulenspiegel Verlagsgruppe, die mir während der Messe auffiel. Die von ihr vorgestellten Bücher greifen häufig Themen der ehemaligen DDR auf. Teilweise auch aus persönlichem Interesse stöberte ich in diesem Sortiment herum und empfehle Euch, euch ebenso die Zeit dafür zu nehmen, nach Büchern zu stöbern und sich darin zu verlieren.
Katy Karrenbauer
Foto: Jenniffer Malenz
Samstag, der 20. März
Ganz verloren fühlte ich mich am Samstagmorgen, als ich schon auf der Fahrt zum Hauptbahnhof kaum in die Züge kam, weil es überall von verkleideter Menschen wimmelte. Der gesamte Hauptbahnhof war gefüllt mit Cosplayern, die ein Gefühl einer anderen Welt vermittelten, und somit natürlich auch die Messe selbst.
Da an diesem Tag jedoch viele Prominente vor Ort waren, lies ich mich von dem Getümmel nicht abschrecken und fuhr auch wieder zur Messe. Günter Grass, der Autor von Die Blechtrommel, signierte Bücher und fand vor sich eine lange Schlange, die bis in die nächste Halle hineinreichte. Jostein Gaarder, der das philosophische Buch Sophies Welt schrieb, sollte ebenfalls zum Signieren kommen, fiel aber leider wegen Krankheit aus. Dies nahm mich wirklich mit, da ich ein begeisterter Fan von diesem Buch bin. Wenigstens weiß ich nun, welchen Geschlechts Jostein Gaarder angehört. Mir war es bislang aufgrund des undeutlichen Namens nicht ganz einleuchtend gewesen, dass er männlich ist.
Weitere Freude bereitete mir Katy Karrenbauer, die zunächst in der LVZ-Autoren-Arena für ein Interview zur Verfügung stand, das sie äußerst sympathisch erscheinen lies, und anschließend zum Signieren bei der Eulenspiegel Verlagsgruppe war. Auch ich konnte glücklicherweise ein Autogramm erhalten. Lustigerweise sollte man erwähnen, dass auf ihrem Tisch ein Stapel mit Autogrammkarten bereitstand, der nach einigen Minuten und dem Kommentar von Karrenbauer „Was? Wie sehe ich denn darauf aus? Das geht nicht mit dem Doppelkinn“ plötzlich nicht mehr bereitlag. Auch Thomas M. Stein war zum Signieren anwesend und schenkte mir für ein Foto ein Grinsen.
Doch damit nicht genug. Paul Maar, Erfinder der Kinderbuchfigur Das Sams, war freudestrahlend und sympathisch am Signiertisch für seine jungen Leser bereit, ihnen mit einem Autogramm und einer kleinen und hübschen Zeichnung das Buch zu signieren. Und wie bereits erwähnt, war auch Michael Mittermeier einer der anwesenden Prominenten.
Nach der Autogrammstunde von Frau Karrenbauer besichtigte ich noch eine sehr interessante Fotoausstellung, die Bilder aus dem Jahr 1989 zeigte. Dies macht deutlich, wie vielseitig die Buchmesse verschiedenst interessierte Leute anspricht. So auch die in Unmengen verkleideten Leute, die leider auch einen großen Haufen Müll in der Cosplay-Halle hinterließen. Ein wohl rundum buntes Treiben, wie man sagt.
Sonntag, der 21. März
Auch der Sonntag war ein sehr gut besuchter Tag, an dem es sich dennoch gelohnt hat auf der Messe anwesend zu sein und die Bücher, die man am Donnerstag oder Freitag besichtigt hat, nun günstiger und direkt an den Verlagsständen zu ergattern.
Diese Gelegenheit habe auch ich genutzt, bis ich dann wieder in Richtung Vechta aufbrach.
Zusammenfassend kann ich für das nächste Jahr nun raten, den Donnerstag dafür zu nutzen, um in Ruhe nach Büchern zu stöbern, da man aufgrund der hohen Presseanzahl genügend Plätze erhält, um in diese hineinzulesen. Des weiteren ist es, aufgrund der allgemein geringeren Besucherzahlen im Vergleich zu Samstag und Sonntag, sehr gut, sich allgemein erst einmal zu orientieren und umzusehen. Auch der Freitag bietet sich im Allgemeinen dafür an, obwohl sich auch gegen Nachmittag die Hallen mehr und mehr mit Besuchern füllen.
Der Samstag hingegen ist extrem voll und eignet sich wohl eher dazu, die Stadt und Umgebung kostenlos zu erkunden. Der Aufenthalt auf der Messe ist dem nur vorzuziehen, wenn man den Cosplayern oder aber Prominenten unbedingt begegnen möchte.
Sonntag, wie bereits erwähnt, stellt die beste Gelegenheit dar, die Bücher, die man haben möchte, kostengünstiger beim Verlag selbst zu erwerben.
Insgesamt bin ich sehr froh, auf der Leipziger Buchmesse gewesen zu sein und lege es jedem von Euch ans Herz, diese Tage im März 2011 zu erleben.
Weitere Fotos und Informationen zur Buchmesse Leipzig findet Ihr im Bilderalbum und auf www.leipziger-buchmesse.de.
von Jenniffer Malenz
Foto: Jenniffer Malenz

Bilderalbum
uniVista No. 15: Leipziger Buchmesse 2010

Vom Leben und Leiden, mit Witz und Wahnsinn

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Lust auf ein Buch, das mal wieder das eingestaubte Herz so richtig erwärmt? Polski Blues lesen! Janosch kennt man wohlmöglich meist in Verbindung mit einer komischen Tigerente. Hier erfreut er auch die gereifte Generation mit Sinn für Menschlichkeit und Sprache.
Protagonist des Buches ist Filmregisseur Staszek Wandrosch, welcher mit Freunden durch sein heimatliches Polen reist, um sein altes Idol aufzuspüren: den legendären Jazztrompeter Zdenek Koziol. Eine Vielzahl dazu stoßender skurriler Gestalten erhöht dabei das Lesevergnügen. Allesamt versuchen sie, die Frage zu beantworten, was in einer von Armut geprägten Welt einen Lebenskünstler auszeichnet.
Die Darstellung vom polnischen Land und seinen Leuten geschieht dabei so herzlich, dass man in eine Stimmung versetzt wird, die konstant auf mageren 156 Seiten einen verregneten Nachmittag die Stirn bietet. Dabei halten sich Witz und Tragik die Waage, dass man es Janosch hoch anrechnen muss, ohne Bedarf an abgegriffenem Feel-Good-Kitsch, eine grau gezeichnete Welt, in wohlige Wärme zu hüllen.
Extra für Euch bestellt und von der Bibliothek rangeschafft, wünschen wir ein wohlwollendes Leseerlebnis für schwere und für leichte Zeiten.
Janosch: Polski Blues
Signatur: 407568
von Tobias Kunz

Worte der Vergangenheit aus dem Herz eines Kindes

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Liest man erstmals die Zeilen dieses Buches, so entschwebt man alsbald in die Tragik eines scheinbar unbeschwerten Sommertages kleiner Kinder und fühlt sich direkt selbst in diese Szenerie versetzt. Unfassbar ehrlich, düster und magisch, wie es scheint, ist der Roman unserer Kindheit von Georg Klein völlig berechtigt zum Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2010 in der Kategorie Belletristik gewählt worden.
Von Klein selbst als seelisch und emotional erfassend bezeichnet, stellt dieses Buch autobiografisch dar, wie die Kinder der frühen sechziger Jahre ihrer Fantasie freien Lauf lassen, sich fühlen und hingeben in einer Welt, die um sie herum stattfindet. Eine Welt, die sie festhält, ihnen so unheimlich spannend erscheint und ihnen viel mehr Freude bereitet, als es dem Erwachsenen möglich ist.
Wer also einen Einblick ins kindliche Erleben wünscht, dem lege ich diesen Roman ans Herz. Seine Sprache ist prägnant und zieht einen außergewöhnlich in ihren Bann.
Georg Klein: Roman unserer Kindheit
Signatur: CQYk6722 = 411051
von Jenniffer Malenz
Georg Klein (l.) liest auf der Leipziger Buchmesse aus seinem Roman vor
Foto: Jenniffer Malenz

Horoskop Mai 2010

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Stier
Finanzielle Sorgen sollten nicht zu eng gesehen werden. Auch wenn es beruflich nicht sonderlich gut läuft, kommende Nahtoderfahrungen sind in nächster Zeit von größerer Bedeutung.
Zwillinge
Solltest Du jetzt vorhaben die Welt zu erobern, die Sterne stehen verdammt günstig. Mit Witz, Anmut und einer selbstverständlichen Leichtigkeit ziehst Du alles und jeden in Deinen Bann. Damit legst Du das Fundament für ewig währendes Glück und Vollkommenheit.
Krebs
Du bist unendlich motiviert in Sachen „Pläne schmieden“. Leider mangelt es Dir an ausreichend Kompetenzen diese umzusetzen. Deine subtile arrogante Art wird Dir dabei die nötige Unterstützung anderer vom Leib halten.
Löwe
Schönheit allein reicht leider nicht aus. Du kommst die Tage einfach nicht in Fahrt und Deine andauernde Zurückgezogenheit geht den Ersten bald auf den Zeiger.
Jungfrau
Du versprichst Dir viel von den kommenden Wochen und Monaten. Zu viel? Nein, Deine Erwartungen werden sogar noch übertroffen. Vor Dir liegt der beste Sommer, den Du je erlebt hast.
Waage
In der Liebe tut sich bei Dir einiges. Wenn Du Single bist, stehen die Sterne günstig, jemanden zu finden, der Dir sein Herz schenken möchte. Möglicherweise ist das Ganze nicht von Dauer, und alles, was bleibt, ist eine hartnäckige Syphilis-Infektion. Doch was wäre die Alternative? Nicht nur Domian-Fans wissen: Objekt-Sexualität ist keine Lösung..
Skorpion
Die Zeit ist reif für neue Kontakte. Die Frühlingsluft ermöglicht Dir, Dich hervorragend zu verstellen und Dein wahres, langweiliges Selbst zu verbergen. Dankbarkeit und Freundschaft könnten dafür gedeihen.
Schütze
Deine gute Laune ist wirklich unerträglich. Zwar hast Du das Gefühl mit Deinem harmonischen Gemüt die Leute anzustecken, stößt dabei mit Deiner Ekel erregenden Glücksschwafelei jedoch nur auf Ablehnung.
Steinbock
Du bist manchmal unzufrieden mit Deinem Leben? Du hättest gerne mehr geschafft, hättest gerne Erfolge, auf die Du zurück blicken könntest? Vielleicht hast Du recht. Vielleicht ist Dein Leben wirklich jämmerlich. Doch das untere Ende ist noch nicht erreicht. Gut möglich, dass das bald anders ist. Die Sterne jedenfalls sagen: „Herzlich willkommen am Arsch!“
Wassermann
Voller Erwartung sehnst Du den kommenden Sommer herbei. Doch wie war diese Jahreszeit 2009 oder 2008? Ein paar warme Tage und viel Regen? Ein Camping-Urlaub mit dem jetzigen Ex-Freund? 35 Grad im Zimmer und jede Menge Klausuren im Nacken? Mal im Ernst: Wer mit solchen Erfahrungen Vorfreude entwickelt, würde mit einem halben Hähnchen zum Tierarzt gehen.
Fische
Es ist schön, dass Du nach unendlichem Rumlungern ein neues Hobby gefunden hast. Du strahlst wie nie zuvor Zuversicht und Fröhlichkeit aus. Doch sei vorsichtig. Experimente mit Rauschgift sind nicht auf Dauer befriedigend.
Widder
Manchmal fühlst Du Dich unverstanden, einsam und unbeliebt. Nur nicht den Kopf hängen lassen! Vielleicht liegt es ja bloß an der unzureichenden Leistungsfähigkeit Deines Deodorants, dass niemand neben Dir sitzen möchte. Vielleicht auch nicht. Gut möglich, dass Dich wirklich keiner leiden kann. Die Sterne jedenfalls liefern darauf keine Antwort. Warum? Na weil sie Dich nicht mögen.
von Stefan Hirsch und Tobias Kunz
Hintergrundbild: © Martin Kolb / PIXELIO

Wirsingroulade, dazu Zwiebelsuppe und Grießflammerie

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Gekocht von Vera Böske (Praktikantin) und
Kai Brockmeyer (Auszubildender)
vom Mensateam Vechta
Foto: Jenniffer Malenz
Vorspeise
Überbackene Zwiebelsuppe:
  • 30ml Öl
  • 900g Zwiebeln
  • 2l Rinderbrühe
  • 1 Stück Stangenweißbrot
  • Knoblauch nach Bedarfn
  • 250g Gouda (geraspelt)
Nachdem Du die Zwiebeln geschält und in Streifen geschnitten hast, schwitzt Du sie in heißem Öl an. Sobald sie glasig sind, löschst Du sie mit etwas Weißwein ab und füllst sie mit der Rinderbrühe auf. Wenn die Zwiebeln weich sind, schmeckst Du die Suppe mit Salz und Pfeffer ab und füllst sie in Tassen. Dann bedeckst Du die Suppe mit einer gerösteten Scheibe vom Stangenweißbrot, bestreust sie mit Käse und überbackst alles.
Hauptspeise
Wirsingkohlroulade:
  • ca. 1kg Schweinehackfleisch
  • 1 Kopf Wirsing
  • 3 Möhren
  • 1 Sellerie
  • 1l Rinderbrühe
  • 50g Tomatenmark
Zunächst nimmst Du die Blätter vom Wirsing ab und blanchierst sie (kurz mit heißem Wasser überbrühen). Danach würzt Du das Hackfleisch und formst es zu 6 gleichgroßen Bällchen. Diese ummantelst Du dann mit dem Wirsing und verbindest sie dabei geschickt. Nun würfelst Du den Sellerie und die Möhren. Dann brätst Du die rohen Rouladen an und nimmst sie danach wieder aus dem Topf. In diesen gibst Du jetzt die Möhren- und Selleriewürfel und brätst diese ebenfalls an. Gib das Tomatenmark hinzu, lasse es anbraten, lösche den Ansatz ab und fülle ihn mit Rinderbrühe auf. Nun fügst Du die Rouladen hinzu und lässt sie bei mittlerer Hitze ca. 60 min. schmoren. Danach passierst Du die Soße mit einem Pürierstab und bindest sie, wenn nötig, mit Soßenbinder ab.
Savoyardkartoffeln:
  • 600-700g Kartoffeln
  • 1l Brühe
  • Salz
  • Pfeffer
Wasche die Kartoffeln, schäle sie und schneide sie dann in 2mm dicke Scheiben. Lege sie nun in eine Auflaufform in die gewünschte Form und würze sie. Danach übergießt Du die Scheiben mit Brühe und garst sie im Ofen.
Glasierte Möhren:
  • 400g Möhren
  • 50g Honig
Schäle die Möhren, bringe sie in die gewünschte Form und blanchiere sie. Nun löst Du den Honig mit etwas Wasser in einem Topf auf dem Herd auf, bis er zähflüssig ist. Dann gibst Du die Möhren hinzu und schwenkst sie kurz im Honig.
Nachspeise
Grießflammerie:
  • 500ml Milch
  • 120g Grieß
  • 100g Zucker
  • 3 Eigelb
  • 3 Eiweiß
  • Mark einer Vanilleschote
Vermische zunächst den Grieß mit 50g Zucker. Gib dann die Milch mit dem Vanillemark in einen Topf und lasse sie aufkochen. Dann fügst Du den Grieß hinzu und lässt ihn quellen. Nun mischst Du das Eigelb unter den Grieß, solange dieser noch heiß ist. Dann schlägst Du das Eiweiß solange auf, bis Du Eischnee erhältst, rührst den restlichen Zucker unter und mischst ihn mit der Grießmasse. Stelle den Grieß kalt.
Orangensoße:
  • 8 Orangen
  • 25g Zucker
  • 1 Blatt Gelatine
Weiche die Gelatine in kaltem Wasser ein und presse die Orangen. Den daraus gewonnenen Saft kochst Du auf, zuckerst ihn und löst die Gelatine, die Du zuvor aus dem Wasser entnimmst und kurz ausdrückst, darin auf. Nun stellst Du auch diese Soße kalt.
Vanillesoße:
  • 8 Orangen
  • 500ml Milch
  • 50g Zucker
  • 1 Eigelb
  • 2 Eier
  • 1/2 Vanilleschote
Schneide die Vanilleschote auf und kratze das Mark aus. Koche die Milch mit diesem und der Schote auf und entferne diese wieder. Nun schlägst Du die Eier mit dem Zucker schaumig, fügst die Milch hinzu und schlägst es mit dem Eigelb zur Rose auf (im heißen Wasserbad schlagen, bis es schaumig wird). Stelle die Soße kalt.
Guten Appetit!
Ausarbeitung: Kai Brockmeyer
Text: Jenniffer Malenz
Mit freundlicher Unterstützung der Mensa Vechta.

San Francisco

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 

Nachdem in der letzten Episode die gesamte WG unter einer Schneelawine begraben wurde, scheint alles vorbei. Ist dies das Ende? Und was wurde aus der Waschmaschine?

Gedanken wabern durch den Nebel des Bewusstseins. War dies tatsächlich der Himmel? Wo war Bob?

Stimmen. Worte. Bobs Verstand schien zu bersten. Bobs Verstand? Etwas war merkwürdig.

Oh, zum Glück war die Lawine und das Jenseits nur eine drogeninduzierte Halluzination von Bob. Da haben wir alle ja gerade noch mal Glück gehabt.
Jetzt, wo die WG gerettet ist (naja, streng genommen nur Bob), stellen sich jedoch nur noch mehr Fragen, die nach Antworten schreien. Warum halluziniert Bob sich in fremde Körper? Was ist mit der Waschmaschine?
Und wer zu Hölle ist Arno Dübel? All das erfahrt Ihr nächstes Mal (wer´s glaubt…)
Texte: Thomas Hülsmann
Kulissen: Thomas Hülsmann und Tobias Kunz
Inspiration: Arno Dübel
Fotos: Alexander Dressler

Plötzlich exmatrikuliert: Was nun?

Indexseiten:     [Rubriken]     [Ausgaben]     [Autoren]
 
 
 
Der Zukunft lächelnd entgegen
Dichte Wälder, sprudelnde Flüsse und weite Felder ziehen an mir vorbei. Nichts und niemand kann mich stressen und stellt mir Fragen. Lediglich der nette Herr, der mir in diesem Moment einen frischen Kaffee anbietet. Doch kann ich ihn mir nicht leisten, und wenn wir ehrlich sind, bekommt der mir eh nicht. Aber auch das interessiert mich nicht, denn ich bin glücklich und frei. Keine Klausuren, kein Lernen und kein Zwang mich mit Dingen zu beschäftigen, die schon bald nicht mehr von Bedeutung sind. Denn ich bin exmatrikuliert, aus Gründen, die eben dafür sprechen. Ich als zukünftige Sozialarbeiterin? Die Traumblase ist nun zerplatzt. Doch wen kümmert‘s? Genügend andere, zum Teil selbst psychische Wracks, können diesen Job jetzt gerne für mich übernehmen. Ich hingegen nutze nun die Zeit für meine andere Leidenschaft.
Wie dumm wäre ich, wenn ich nun aufgeben würde? So bereise ich die Welt, oder wenigstens Nordrhein-Westfalen. Denn ich bin auf dem Weg nach Dortmund, da ich im Internet gelesen habe, dass ich mich dort zur Journalistin ausbilden lassen kann. Und was liegt nun näher, als diesen Weg anzustreben? Richtig: nichts! Also begebe ich mich auf den Weg dorthin, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, der letzten Endes bewirken soll, dass ich aufgenommen werde und meinen weiteren Lebensweg im angrenzenden Bundesland beschreiten werde. Es bleibt nur zu hoffen, dass er mich glücklich macht. Und so träume ich schon von künftigen Tagen, die mich am Abend sagen lassen, dass ich den richtigen Weg gewählt habe. Sie werden mich daran erinnern, wie ich einst hier saß und mich damit abgefunden hatte, „versagt“ zu haben. Sie werden mich aber auch daran erinnern, dass ein Weg nicht alles bedeutet und eine Fähigkeit von mir nicht alles ausmacht. Und während ich voller Hingabe positiv denke, frage ich mich, ob dieser Optimismus vielleicht nur daher rührt, weil dies alles rein hypothetisch ist.
von Jenniffer Malenz
Der Zukunft ächzend entgegen
Exmatrikuliert. Schon allein die unterschwellige Kraft, welche dieses Wort zu bieten hat, kann einem zartbesaiteten Studenten Angst einjagen. Da lacht man an einem sonnigen Morgen dem Himmel entgegen und in der bedrohlichen Dunkelheit eines kleinen Briefkastens entfaltet sich ein Wisch des Grauens. “Sie wurden exmatrikuliert. Sie haben versagt. Sie sind von der Liste der Pseudo-Intellektuellenelite gestrichen worden. Packen Sie ihre Sachen. Ihre ungenügenden Fähigkeiten werden hier keinesfalls mehr benötigt.”
Das feine Polster des Studentendaseins hat man mit perfektionierter Faulheit oder grenzenloser Dummheit zerstört. Die neu gewonnene Freiheit schmeckt bitter. Wohin mit der eigenen, vorerst gescheiterten Existenz?
Ein Abend an der Theke einer Eckkneipe sollte Klarheit schaffen. Dieser Ort hat eine raue Menge an gescheiterten Existenzen zu bieten und sollte bei der Frage helfen, ob man sich selbst dazuzählt.
Die geöffneten Arme der Familie fühlen sich an wie Schläge in das Gesicht. Das geht schon in Ordnung. 600 Euro pro Semester, investiert für das eigene besiegelte Scheitern. Da kann man die Wut und Enttäuschung der verwandten Geldgeber schon nachvollziehen. Die Rolle des Sündenbocks sollte man akzeptieren.
Irgendwann, nach wochenlangem Suhlen im Selbstmitleid, sollte man wieder in die Zukunft schauen. Das Leben anpacken. Der eigene Blick muss in die richtige Richtung gehen. Nämlich genau zu den Leuten, welche noch viel mehr versagt haben. Das ist menschlich und stärkt Körper und Geist. Immatrikulation heißt dann das Zauberwort. Eine Anmeldefrist für den Neuanfang gibt es nämlich nicht.
von Tobias Kunz

Kontakt

uniVista
Campusmagazin Vechta
Driverstr. 22
Raum CN 2 (hinter dem N-Gebäude)
Postfach 12 an der Uni (vor B1)
49377 Vechta
fon: 04441-15-617
email: redaktion[at]univista.de