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No 22 – Juli 2012

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Ausgabe 22 (PDF-Version)

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Horizonterweiterung im Tiergehege
Mein Praktikum war mehr als Mist

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Die Geschichte des Wildparks Pforzheim begann 1967 mit einem einzelnen Wildschweingehege, welches der Gartenmeister Otto Niebel im Hagenschießwald anlegte. Der Stadtrat Ewald Steinle erkannte das Potential des Geheges als Bürgerattraktion und gründete daraufhin den Förderverein mit dem Namen “Verein für die Förderung eines Wildparks”.
Am 16. März 1968 fanden sich fünfzig freiwillige Helfer ein, um Gehege zu bauen und Wege anzulegen. Bereits vier Monate später konnte der Wildpark
Pforzheim seine Türen öffnen. 2003 erlebte der Wildpark eine Wende, als Förster Carsten Schwarz die Leitung übernahm und den Wildpark mit viel Mühe und Geduld neu strukturierte.
Wo früher Flamingos neben Hirschen und Rentiere neben Bennetkängurus lebten, leben heute auf einer Gesamtfläche von 16,5 Hektar vierhundert Tiere neunzig verschiedener Heim- und Wildtierarten.
2011 habe ich den Wildpark Pforzheim als Praktikumsplatz für mein Grundpraktikum ausgewählt, nachdem ich zwei Jahre vorher bei einem Besuch von seiner familiären Atmosphäre und der Angebotsvielfalt für Kinder sehr positiv beeindruckt worden war.
Vor dem Praktikum ging ich davon aus, dass der Wildpark Pforzheim seine Tierpfleger auf die einzelnen Gehege aufteilt und jeder in seinem eigenen Bereich arbeitet. Dies erwartete ich auch für mich, erhoffte mir jedoch, vielleicht die Möglichkeit zu erhalten, eine Art Infotag für Kinder veranstalten zu können, um das Praktikum auch für meinen Berufswunsch des Lehramts nutzen zu können.
Am Morgen des ersten Tages wurden meine Erwartungen völlig übertroffen. Mein Chef erläuterte mir und einer Mitpraktikantin die Struktur des Wildparks, die sich doch von vielen ähnlichen Einrichtungen unterscheidet. Die Tierpfleger arbeiten gemeinsam in und an den unterschiedlichen Gehegen und verteilen sich gleichmäßig auf die anfallende Arbeit. Um meinen Chef zu zitieren: “Nicht jeder, wie er will, sondern jeder, wie er kann.”
Wir Praktikanten sollten in den nächsten Wochen jedoch nicht nur mit den Pflegern mitarbeiten, sondern in den Bereichen tätig werden, die uns zukunftstechnisch bereichern würden. Also besonders in den Bereichen der Verwaltung und Pädagogik.
Eine Besonderheit des Wildparks ist die Möglichkeit für Kinder ab zehn Jahren, sich zu Junior Rangern ausbilden zu lassen, um danach den Pflegern an den Wochenenden und in den Ferien unter die Arme zu greifen. Entstanden ist die Idee aufgrund der Problematik, dass viele Besucher Lebensmittel als Futter mitbrachten, um die Tiere zu füttern. Da dies aber keine auf die Tiere abgestimmte Nahrung ist, können so sehr leicht Krankheiten hervorgerufen werden. Die Junior Ranger lernen in ihrer Ausbildung sowohl den Wildpark und seine Bewohner und deren spezielle Bedürfnisse kennen als auch wie man gegebenenfalls mit Besuchern umgeht, die die Tiere mit etwas anderem als dem Wildparkfutter füttern oder ihnen auf andere Weise Schaden zufügen. Jeweils in der ersten und letzten Woche der Sommerferien können 30 Kinder an dieser Ausbildung teilnehmen. Teil der Ausbildung sind Tierpflegerarbeiten wie etwa Ausmisten und Füttern, Ausflüge in den Hagenschießwald, um etwas über das Ökosystem Wald zu erfahren, sowie Touren durch den Wildpark, auf denen die Kinder wichtige Fakten über verschiedene Tierarten lernen. Am letzten Tag müssen sie ihr gesammeltes Wissen in einem kleinen Test unter Beweis stellen, um endgültig Junior Ranger zu werden.
Während der Schulferien finden im Wildpark zusätzlich Aktionen für Kinder statt. Einmal in der Woche haben Kinder und ihre Eltern beispielsweise die Möglichkeit mit den Tierpflegern auf Futterrunde zu gehen. Nach einer allgemeinen Einführung zu den verschiedenen Futtermitteln werden die Kinder in kleine Gruppen aufgeteilt und gehen mit jeweils einem der Pfleger auf verschiedenen Routen durch den Park, bekommen ihren eigenen Eimer mit Futter und dürfen in die Gehege gehen, um die Tiere selbst zu füttern. Für viele Kinder eine tolle Gelegenheit, Tiere aus der Nähe und im direkten Kontakt zu erfahren. Ganzjährig werden außerdem Geburtstagsführungen und Schaufütterungen angeboten.
Junior Ranger beim Ausmisten im Gehege der Guanakos (einer Lama-Art)
Bild: Nina Gerlach
Zu meinen Aufgaben innerhalb des Praktikums zählte nicht nur die Betreuung während der Junior Ranger Ausbildung, sondern auch die aktive Gestaltung und Leitung einiger Aktivitäten für die Kinder. Einmal die Woche übernahmen meine Mitpraktikantin und ich eine Gruppe für die Futterrunde und ein bis zweimal in der Woche übernahmen wir Geburtstagsführungen.
Aber nicht nur die Arbeit mit den Besuchern zählte zu meinen Aufgaben. Wir Praktikantinnen erledigten verschiedene Verwaltungsaufgaben und halfen immer wieder den Tierpflegern bei der täglich anfallenden Arbeit in den Gehegen.
In der vorletzten Woche bekam ich die Gelegenheit, eine eigene Idee für das Ferienprogramm umzusetzen. In Zusammenarbeit mit meiner Mitpraktikantin plante ich eine Quiz-Rallye für Kinder, entwarf hierfür verschiedene Routen quer durch den Wildpark, gestaltete Werbeplakate und entwarf verschiedene Fragenblätter.
Das Praktikum im Wildpark Pforzheim hat mir nicht nur sehr viel Spaß gemacht, es hat mich auch um viele wichtige Erfahrungen bereichert. Die Arbeit mit den Tieren und Tierpflegern hat mir gezeigt, wie hart dieser Beruf ist und was alles dazu gehört. Die Beschäftigung mit den Kindern hat mir sehr viel Spaß gemacht und mich darin bestärkt, später im pädagogischen Bereich zu arbeiten. Außerdem hat sie mir auch gezeigt, dass Umweltpädagogik ein sehr spannendes Berufsfeld ist und eine interessante Alternative zum Lehramt sein kann.
Ich kann wirklich nur empfehlen, sich Praktikumsstellen zu suchen, die Ähnlichkeit zum Berufswunsch haben und Alternativen aufzeigen, um möglichst viele verschiedene Eindrücke zu bekommen. Denn so lernt man vielleicht Berufsfelder kennen, die man bisher für sich selbst noch gar nicht in Betracht gezogen hat, aber durchaus infrage kommen würden.
von Nina Gerlach

Reise in eine andere Welt
Vechtaer Delegation bereiste die Al Azhar Universität in Kairo im Zeichen des Kulturdialogs

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Im März besuchte eine Delegation der Universität Vechta die Al Azhar Universität in Kairo. Der Besuch erfolgte als einer der Gruppenaustausche im Rahmen des Ahlan-Projektes zwischen den beiden Universitäten.
Die Eindrücke dieser Reise, an der ich als AStA-Referent teilnehmen durfte, möchte ich an dieser Stelle schildern. Mit dabei waren Dr. Lucia Licher, Dr. Lukas Aufgebauer, Evelyn Hoffmann, Mahzad Hoodgarzadeh, Birger Philipp, Stefan Wellen, Robert Benkens, Steven Zurek und ich – Keno Müller.
Zwischen den Weltwundern (v. l.): Keno Müller, Robert Benkens, Birger Philipp, Evelyn Hofmann und Stefan Wellen
Das Ahlan-Projekt
Das Ahlan-Projekt ist eine Kooperation zwischen der Universität Vechta und der Al Azhar Universität Kairo und soll die Mobilität der Studierenden beider Unis fördern. Für die Universität Vechta leitet und betreut Dr. Lucia Licher (Germanistik) das Projekt. Unterstützt und finanziert wird die Kooperation vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD). Künftig – ab dem Wintersemester 2012/2013 – soll der Masterstudiengang “Kulturwissenschaftliche Studien (auf Deutsch)” in Kairo starten und mit dem hiesigen Master “Kultureller Wandel” verknüpft sein. Dadurch können den angehenden Kulturwissenschaftlern Auslandssemester in der jeweiligen Partnerfakultät mit Anrechnung der Prüfungsleistungen ermöglicht werden. Im Vordergrund dieser Partnerschaft steht aber der Kulturdialog.
Einander verstehen lernen
Ziel des Kulturdialoges ist es, das Gegenüber kennenzulernen und zu verstehen. Vor diesem Hintergrund kann der Sinn eines solchen Austausches nicht hoch genug eingeschätzt werden. In Kairo begibt man sich als Europäer in eine vollkommen fremde Welt: Andere Sprache, andere Schrift, andere Bräuche, andere Prägung des Alltags durch die Religion(en) und auch in der Universität herrschen andere Verhältnisse. Es besteht eine deutliche Hierarchie zwischen den Professoren, den wissenschaftlichen Mitarbeitern und den Studierenden. Aber die Revolution des vergangenen Jahres hat merkliche Spuren hinterlassen. Studierende trauen sich, offener zu fragen und Dozenten bemühen sich, offener zu antworten. Den Studierenden der Al Azhar Universität stehen auf Seiten der Lehrenden zwei Gruppen gegenüber: die alteingesessenen, meist konservativen Professoren einerseits und die jüngeren, in Europa promovierten, meist liberal eingestellten Dozenten andererseits.
Der Kulturdialog mit Angehörigen der Al Azhar Universität ist von immenser politischer Bedeutung. Bereits 2006 befand das Nachrichtenmagazin Spiegel: “[...] Das bedeutendste intellektuelle Zentrum der Weltreligion, die der Prophet Mohammed vor über 1300 Jahren begründete [...], [ist] Al Azhar, die älteste Universität der Welt, die einflussreichste Moschee des sunnitischen Islams, dem 90 Prozent der rund 1,4 Milliarden Muslime der Welt anhängen. Keine Fatwas finden mehr Beachtung als jene der Al Azhar, und kaum jemand hat mehr Autorität in der islamischen Welt als die Gelehrten der Hochschule.” Nahezu alle islamischen Länder lassen hier ihre Eliten ausbilden. Wo sollte man also besser miteinander in Kontakt kommen und versuchen, einander verstehen zu lernen?
Die Deutschabteilung an der Al Azhar Universität
Bild: Stefan Wellen
Groß, größer, Al Azhar
Die Al Azhar wurde im Jahre 975 gegründet und ist damit die älteste Universität der Welt. Allein auf dem Hauptcampus – so erzählt man uns vor Ort – tummeln sich über 250.000 Studierende. Etwa eine halbe Million Studierende sind immatrikuliert – darunter gut ein Drittel Frauen, wobei Frauen- und Männercampus voneinander getrennt sind. (Im postgradualen Studium wird die Geschlechtertrennung allerdings seit Kurzem nicht mehr praktiziert.)
Der Campus hat gigantische Ausmaße, die mit unseren kleinen, familiären Uni-Vechta-Maßstäben nicht zu messen sind. Es ist eine Stadt für sich. Die Ausbildung ist stets islamisch geprägt und außerdem erschwinglich. Die Ausstattung mit Literatur oder Medien – gerade in der von uns vornehmlich besuchten Deutschabteilung – kann leider bestenfalls als mäßig bezeichnet werden. Ein Großteil der Studierenden ist arm oder von der Armut bedroht und nimmt täglich unglaubliche Strapazen auf sich, um zur Universität zu kommen.
Ausblick auf Kairo vom Nil aus
Bild: Keno Müller
Die brodelnde Stadt
Für Kairo gilt: nicht schön, aber schön groß. Das Stadtbild prägen Hitze, Staub, Lärm und Smog und dennoch gibt es in zahlreichen Parks herrliche Oasen der Ruhe, sensationelle Architektur, den gigantischen Nil und mit den Pyramiden von Gizeh das einzige noch erhaltene Weltwunder der Antike direkt vor den Toren der Stadt. In der Nacht erwacht das Leben erst richtig und bringt die Stadt durch seine Vielfalt zum Brodeln. All dies macht Kairo zu einem Flecken der Welt, den man gesehen haben sollte.
Ob es nun 16 oder 25 Millionen Menschen sind, die in Kairo leben, sie alle stehen im Stau. Eben sowenig wie eine genaue Volkszählung – daher die Unsicherheit über die tatsächliche Einwohnerzahl – scheint es in Kairo Verkehrsregeln zu geben. Auf der Fahrt quer durch die gesamte Stadt, vom Flughafen bis zur Nil-Insel Zamalek, auf der sich unser Hotel befand, begegnet man einer einzigen Ampel – und die ist aus. Polizisten regeln den Verkehr. Besser gesagt: Sie versuchen es! 2008 starben im Kairoer Verkehr mehr als 7.000 Menschen. Dass diese Zahl nicht noch höher ist, überrascht, wenn a.) auf der Autobahn ein Eselskarren steht, weil das Nutztier zur Nahrungsaufnahme halt macht, b.) ein Mann auf derselben Autobahn mit seinem Fahrrad – ein zwei Meter langes, mit frischgebackenen Brezeln belegtes Brett auf seinem Kopf balancierend – in die Pedale tritt, c.) die zu 300 Prozent befüllten Busse ihre Fahrgäste auf dem Mittelstreifen aussteigen lassen, und d.) die Passagiere des nubischen Altmetalls den Bus verlassen und die Devise des Kairoer Straßenverkehrs befolgen: Augen zu und durch! So dargestellt mag das noch recht lustig klingen, doch ist der Verkehrskollaps zu einem echten sozialen und wirtschaftlichen Problem geworden: Auf dem Weg zur Schule, zur Uni, zur Arbeit stehen die Menschen täglich mehrere Stunden im Stau.
Dr. Lukas Aufgebauer (Geschichte) in seinem
Element an der Universität des 6. Oktober
Bild: Stefan Wellen
Sie kämpfen für ihre Bildung
Die Kairoer Kommilitonen kämpfen für ihre Bildung. Kommilitone kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “Mitstreiter”. Man muss tatsächlich schon etwas Wehrhaftes an sich haben, um täglich diese Strapazen auf sich zu nehmen. Bildung ist für viele der Kommilitonen die einzige Chance und so zeigen sie ein beeindruckendes Engagement und Interesse. Selbst donnerstags – also vergleichbar mit einem Samstag bei uns – waren die von der Vechtaer Delegation angebotenen Workshops und Seminare voll besucht. Einige der Azhar-Studierenden folgten uns sogar an die “Universität des 6. Oktober”, eine Privatuni ca. 60 Kilometer außerhalb Kairos. Sie fuhren stundenlang mit dem Bus, mussten mehrmals umsteigen und standen – na klar – etliche Male im Stau, nur um an unseren Seminaren teilzunehmen. Nicht nur die Studierenden, sondern auch die Dozenten und besonders die wissenschaftlichen Mitarbeiter waren unglaublich engagiert und gastfreundlich. Sie opferten ihre Freizeit, um uns die Uni, die Sehenswürdigkeiten Kairos und die Pyramiden zu zeigen und stets stand etwas zu Essen auf dem Tisch. Warum erzähle ich das?
Ein Appell
Vom 26. August bis 15. September wird wieder eine Kairoer Delegation zur 3. Kulturwissenschaftlichen Sommerschule an unsere Universität kommen. Dieser Bericht ist verbunden mit der Bitte, sich auch als Studierender aus Vechta gastfreundlich und offen für den Kulturdialog zu zeigen, das heißt für die Kairoer – bzw. alle internationalen – Kommilitonen da zu sein, wenn diese uns im August zur Sommerschule besuchen. Alle kulturwissenschaftlichen Vorlesungen sowie die Vorträge und Präsentationen der internationalen Studierenden zu ihren Heimatländern sind hochschulöffentlich.
Nicht selbstverständlich
Eine solche Reise, wie sie hier skizziert wurde, macht einem deutlich, wie selbstverständlich einige Dinge des Studiums doch für uns sind: “Moderne” Sitzmöbel, kurze Wege, ein sauberer Campus, Seminarräume mit technischer Ausstattung und – nicht zuletzt – das Recht auf studentische Mitbestimmung und Selbstverwaltung. Gerne hätten die Kommilitonen vom Nil das Recht auf Mitbestimmung und so zeigten sie größtes Interesse, als ich von der studentischen Selbstverwaltung, Fachräten, dem StuPa, dem AStA und den Hochschulwahlen erzählte. Für die Studierenden in Kairo ist dies ein absoluter Traum und sie kämpfen derzeit für ein Studierendenparlament. Wir haben die studentische Selbstverwaltung und kämpfen mit einer Wahlbeteiligung von 13 Prozent und mangelnden Kandidaten für nahezu alle Gremien.
Die studentische Mitbestimmung ist keine Banalität und keine Selbstverständlichkeit, sie ist eine Chance, die es zu nutzen gilt!
von Keno Müller

Spießer!?

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Wie spießig darf ein Student sein?
Pauken, Trinken, die sündhaften, jungen Jahre genießen und dabei reifen? Das Gesamtpaket „Student“ ist vollgepackt und fest geschnürt. Prioritäten müssen her! Manch einer konzentriert sich auf die Entwicklung des Geistes, ein anderer auf Beanspruchung der Leber. Studentenschaft zweigeteilt. (Stereotype erleichtern Welt und Texte.)
Schon gehört? Der Sonnenkampkeller trägt seine Exzessveranstaltungen nun schon des Längeren in der Cubar aus. Warum? Manche Ober-, Neben- oder Gegenübermieter konnten (an maximal zwei Nächten im Monat) bei all dem Krach nicht schlafen, bei all dem Gestank nicht atmen und bei all dem Dreck nicht leben.
Nun hat eine Beschwerde beim Studentenwerk Wirkung gezeigt. Zwei Nächte im Monat besserer Schlaf und der für Studenten gedachte Keller ist von nun an spaßfreie und nutzlose Zone. Schade irgendwie. Statt eine höhere Instanz zu informieren, die befugt ist, dem Treiben ein Ende zu bereiten, hätte man als gestörter Mieter mit der Führungsspitze der organisierten Partykultur doch sicher auch eine Einigung erzielen können, die beide Seiten glücklich macht?
Aber wo liegen die Grenzen des Ertragbaren? Wo findet sich die Basis für einen Kompromiss? Hat man als Student nicht die Pflicht zu leben, dabei auch ab und an Krach zu machen und doch das Recht auf Ruhe und Sauberkeit?
Dass der Sonnenkampkeller nun in Cuba(r) liegt, ist wirklich tragisch. Denn was den Keller ausmachte, findet sich dort leider nirgendwo. Aber vielleicht hätte man auch einfach nur die Anlage leiser drehen sollen. Oder?
von Tobias Kunz
Aufspießen oder Klappe halten?
„Du kannst dich gerne hinter mir anstellen!“ Reaktion auf einen Vordrängler. „Ruf doch die Polizei.“ Rat bei dauerhaft lauter Musik beim Nachbarn. „Kannst du deinen Rauch auch woanders hin pusten?!“ Ratet mal …!
Sind diese Reaktionen spießig? Einige würden diese Frage wohl bejahen. Sollte man sich manchmal vielleicht trotzdem so verhalten?
Spießige Typen sind auch nur Menschen, genau wie Studis. Aber können sich Studis auch von Zeit zu Zeit spießig verhalten, ohne gleich von der Menge der Leute, die sich als cool und aufgeschlossen empfinden, komisch angesehen zu werden?
Einige möchten nicht zu diesen Menschen gehören, die auch mal ihren Mund aufmachen, wenn ihnen etwas nicht passt und die Rücksichtnahme von ihrer Umwelt einfordern. Dann lieber Klappe halten und abgekühlt lächelnd das Verhalten vom Gegenüber ignorieren. Schlafen kann man auch später.
Aber ist Spießertum nur ein Verhalten oder auch ein Gefühl? Kann man sich spießig fühlen, diesem Drang dann aber nicht nachgehen? Oder gehört es vielleicht dazu, sich auch gleich immer äußern zu müssen?
Wie bei jedem Drang ist es wahrscheinlich besser, ihn nicht runter zu schlucken, sondern bisweilen in (für sich und die Umwelt) verträglichen Dosen raus zu lassen. Sonst kann sich schnell ein seltsames Gefühl in der Magengegend einstellen.
Die Frage ist eigentlich nur: Wer ist wirklich spießig? Der, der sich so verhält oder der, der jemanden so bezeichnet? Beide nervt ja eigentlich nur das Verhalten vom Gegenüber. Die haben wohl mehr gemeinsam, als sie denken.
von Alexander Dressler

Der Macho* stirbt aus, so ein Glück!?
Eine Gesellschaft auf der Suche nach dem perfekten Männerbild

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* Ein sich übertrieben männlich gebender Mann. Häufige Eigenschaften: frauenverachtend, Imponiergehabe, narzisstisch, konservativ
Was passiert nur mit unserem Männerbild?
Man(n) versteht die Welt nicht mehr: Seit Jahrhunderten schon perfektionierte er seine Rolle als Macho, als Macker, als der Macher eben. Zack, Peng, ein halbes Jahrhundert der Emanzipation zerstört eine jahrtausendlange “männliche” Entwicklung. Doch steckt der Macho wirklich in jedem Mann? Oder fixieren sich Männer auf traditionelle, typische männliche Werte, weil es eben gerade von ihnen erwartet wird? Weil es das ist, was sie ohne groß nachzudenken scheinbar einfach drauf haben? Was erwartet eigentlich die Gesellschaft von den Männern von Morgen? Würden alle Frauen diese Pseudokerle am liebsten zum Mond schießen?
Man(n) versteht die Welt nicht mehr: Seit Jahrhunderten schon perfektionierte er seine Rolle als Macho, als Macker, als der Macher eben. Zack, Peng, ein halbes Jahrhundert der Emanzipation zerstört eine jahrtausendlange “männliche” Entwicklung. Doch steckt der Macho wirklich in jedem Mann? Oder fixieren sich Männer auf traditionelle, typische männliche Werte, weil es eben gerade von ihnen erwartet wird? Weil es das ist, was sie ohne groß nachzudenken scheinbar einfach drauf haben? Was erwartet eigentlich die Gesellschaft von den Männern von Morgen? Würden alle Frauen diese Pseudokerle am liebsten zum Mond schießen?
Der moderne Mann (sowie die moderne Frau) sollten in der heutigen Zeit flexibel den verschiedensten Rollenerwartungen entsprechen. Der Mann soll gleichzeitig erfolgreich im Beruf und ausgeglichener Familienvater sein. Er soll seinen Jungs zeigen, dass sie auch weinen dürfen und den Töchtern, dass sie sich emanzipiert durchzusetzten haben. Ein perfekter “Allrounder” in allen Bereichen. Der Macho als innerer Schweinehund darf scheinbar dann auf den Plan treten, wenn eine Runde Drinks für die Ladies fällig werden oder das Licht im Schlafzimmer ausgeht: “Ich mach das schon Schatz!” Männer, welche diese ambivalenten Rollenerwartungen der Frauenwelt nicht erfüllen, dürfen sich nicht selten schnell den Stempel eines Versagers abholen. Zu Recht?!
Das Spiel des Lebens
Klingen diese Anforderungen der modernen Gesellschaft für uns Studenten nicht eher wie ein Hall aus ferner Zukunft? Ehe und Familie scheinen für die meisten noch weit entfernt. Oder ist gerade das Studium die Lebensphase, in der sich zeigt, ob aus einem jungen Mann, ein “real men” wird? Studenten sehen sich gerne als Freigeister. Seit jeher gehen wir mit offeneren Augen als manch andere gesellschaftliche Gruppe durchs Leben. Das Leben und uns selbst experimentell erkunden. Das ist unsere Fachgebiet, unsere Passion. Die Türen stehen uns offen, wir sind jung, just do it!
Gefährlich scheint es dann zu werden, wenn das Machosein nicht nur eine Randkomponente eines Mannes darstellt, sondern seine gesamte Lebenseinstellung dominiert. Eine Lebenseinstellung die dem Anschein nach nicht generell von allen Frauen abgelehnt wird. Der Macho, als Libero auf dem Spielfeld des Spiels “Wer bekommt wen?”, zwischen den Teams Männer und Frauen ist immer noch ein zuverlässiger Stürmer, der Pep in die Partie bringt. Das mag vielleicht einer der interessantesten Gründe sein, aus dem der Macho am Leben erhalten wird. Wenn alles Metro wird, “same same but different”, wo bleibt dann noch die Spannung? Frauen und Männer sollen gleichberechtigt sein, aber sie sollen nicht gleich sein! Der Macho vermag uns trotz seiner Überalterung und negativen Erscheinungsform, immer noch daran zu erinnern, warum es die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau sind, die das Spiel des Lebens interessant machen.
Rettet den Macho, so scheint das Votum. Denn spätestens, wenn die Rechnung auf dem Tisch liegt, freuen sich möglicherweise einige Frauen über die kleinen Vorteile der klassischen Geschlechterrollen.
Prof. Dr. Kim-Patrick Sabla wurde 1977 geboren.
Er ist Diplom-Sozialpädagoge und Diplom-
Pädagoge. Seit Wintersemester 2010/11 hält
er die Juniorprofessor für Soziale Arbeit
mit Schwerpunkt Gender an der Universität
Vechta.
Foto: Universität Vechta
Genderaspekte in der modernen Gesellschaft: ein Interview
Gender und Rollenerwartungen sind Themen, welche sowohl im Alltag als auch in der Wissenschaft spannende Problemfelder darstellen.
Prof. Dr. Sabla wagte den Versuch, das Thema “Genderaspekte in der modernen Gesellschaft” näher zu beleuchten und stellte sich den Fragen unseres Mitarbeiters.
Prof. Dr. Sabla, Sie sind seit dem Wintersemester 2010/11 Juniorprofessor für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Gender an der Universität Vechta. Was verstehen Sie unter dem Begriff Gender?
Ich benutze den Begriff Gender eig. ungerne, da er oft als Anglizismus verwendet und mit Frauenthemen gleichgesetzt wird. In diesem Kontext wird oft von Schnappmechanismen gesprochen. Wenn bestimmte Menschen Gender hören, sind sie sofort raus aus dem Gespräch, dann schnappt die Tür zu. Sie denken: “Ah ja, es geht um Frauenthemen!” Tatsächlich ist es so, dass Gender, als theoretische Folie direkt aus der feministischen Frauenbewegung kommt, als Perspektive. Ich spreche aber gerne von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen. Es geht mir nicht darum zu sagen, was ist geschlechterspezifisch, also typisch Mann, typisch Frau, sondern spannend wird es gerade in der Sozialen Arbeit oder in anderen sozialen Bereichen bei den Geschlechterverhältnissen. Für mich ist Gender Geschlecht und Geschlechterverhältnisse.
Aus Ihrer Sicht: Wie hat sich die Rolle des Mannes seit der Emanzipierungswelle der Frau in den 60er Jahren verändert?
Der Rollenbegriff setzt ja voraus, dass es eine Rolle gibt, die ich selber ausfüllen möchte. Ich denke, dass sich mehr die Rollenerwartung verändert hat, als die Rolle selbst. Das ist etwas, das wir in der empirischen Forschung erkennen können. Der Anteil der Zeit, den Männer z. B. als Väter in ihren Familien verbringen, hat sich eigentlich recht minimal verändert. Was sich aber stark verändert hat, gerade in den letzten Jahren auch durch die Familienpolitik, sind Rollenerwartungen darüber, was ein Mann alles zu leisten hat. Also: Er soll weiterhin der Familienernährer sein, muss aber auch gleichzeitig für die Kindererziehung da sein. Er muss mehrere, teilweise sehr widersprüchliche Aufgaben erfüllen.
Der Mann in der Zukunft?
(Überlegt) Er wird sehr flexibel sein müssen! Die Erwartungen werden immer ambivalenter in unserer postmodernen Gesellschaft. An uns alle. Gleichzeitig gibt es aber einen Ruf zu einer Retraditionalisierung, der Ruf nach den richtigen Männern, den traditionellen Männer. Den vernimmt man auch, denn viele Frauen möchten gar nicht, dass die (Männer) so flexibel werden.
Mehr Männer in die Soziale Arbeit”, eine Forderung um den aktuellen Rollenwandel zu steuern?
Vorweg, ich betone, es ist ein Diskurs, den ich nicht propagiere, sondern den ich sehr kritisch sehe. Zwei Drittel unserer Studierenden der Sozialen Arbeit in Vechta sind weiblich. In der Praxis haben wir viel mit männlichen Klienten zu tun, da wäre es gar nicht schlecht, wenn es auch mehr männliche studierte Fachkräfte geben würde. Es stellt sich auch für uns Lehrende an der Uni die Frage, welche fachlichen Anteile noch eine Rolle spielen, wenn insbesondere das Geschlecht in der Praxis schon ein starkes Qualifizierungs-merkmal darstellt.
Was ist ein “echter Mann”?
Sehen Sie die Tendenz, dass Männer überwiegend zur gesellschaftlichen Emanzipierung der Frau schweigen?
Nun, es ist ja ein recht großes Schweigen. Einer der größten Faktoren ist meiner Meinung nach der Arbeitsmarkt bzw. die Arbeitssituation. Es wird in diesem Kontext auch vom “Big Elephant in the room” gesprochen: Jeder weiß, dass er da sitzt, aber niemand spricht über ihn. Dieser Elefant dominiert Rollen innerhalb von Beziehung und Familien. So bringen Männer durch ihr Schweigen nicht zum Ausdruck, dass sie nicht daran teilhaben wollen, sondern es ist tatsächlich so, dass Arbeitsmarkt und Arbeitssituation sehr stark vorstrukturiert sind. So mag durchaus der Wille vorhanden sein, Dinge zu verändern und anders zu leben, gerade in Blick auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Junge Paare möchten gleichberechtigt in die Arbeit starten, doch spätestens, wenn das erste Kind da ist, kommt die Frage auf, wer kümmert sich darum und wer verdient derweil das Geld. Solange Männer immer noch mehr verdienen als Frauen, wird es auch immer so sein, dass Männer arbeiten gehen. Daher kann man ihnen nicht vorwerfen, dass sie stillschweigend arbeiten gehen und sich aus allem raushalten, sondern es sind aktuelle Gegebenheiten, an denen sie momentan faktisch wenig ändern können.
Es kann also festgestellt werden, die Wirtschaft hinkt den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen hinter her?
Ja, aber zugleich werden die Forderungen der Wirtschaft gegenüber den Arbeitnehmern immer ambivalenter, zum einen sollen diese flexibler sein, aber im Grunde genommen bieten sie bislang wenig Möglichkeiten, Familie und Beruf zu vereinen. Um das noch einmal zu betonen, ich möchte damit die Männer nicht entschuldigen. “Sie möchten ja alle, aber sie können nicht wegen der Arbeit.” Das ist zwar ein wichtiger Faktor, aber ich würde mir auch hier mehr Mut wünschen, in Arbeitskontexten zu sagen: “Ich habe keine Zeit, mein Sohn hat ein wichtiges Spiel.” Ich denke, das muss man(n) sich auch ein Stück weit nehmen und erkämpfen. Da dürfen wir nicht warten, bis uns der Arbeitsmarkt uns das erlaubt. Solange niemand sagt, meine Tochter ist krank, ich kann morgen nicht zum Meeting kommen, wird sich in der Richtung auch nicht viel ändern!
Anschließend an diese Thematik: Empfinden Sie Frauenförderung, insbesondere im Wirtschaftssektor, als Diskriminierung, wenn im gleichen Zug nicht auch die Männer gefördert werden?
Das mag im Einzelfall so aussehen, dass man denkt: “Mist ich habe auf diese Stelle gar keine Chance, weil ich ein Mann bin.” Ich glaube aber insgesamt muss man das realistischer sehen, solange die Strukturen so ungleich, ungerecht verteilt sind und die Chancen ebenso, muss es tatsächlich Programme geben, die, wenn man sie isoliert betrachtet, wie etwa eine Frauenquote, ungerecht erscheinen, die aber im Gesamtkontext, letztendlich einer großen Chancenungleichheit vorbeugen und etwas Chancengleichheit herstellen. Im Großen und Ganzen denke ich, so wie die Dinge liegen, dass sämtliche Quoten und Fördermaßnahmen ihre Berechtigung haben, wobei man langfristig beobachten muss, ob dadurch nicht neue Ungerechtigkeiten entstehen.
Sie haben sich in ihren verschiedenen Publikationen insbesondere mit Erziehungsforschung und Erziehungsproblematiken von Vätern beschäftigt. Wie schätzen Sie die Auswirkung des sich verändernden Rollenverständnisses des Mannes auf seine Vaterrolle ein?
Die größte Auswirkung ist die, dass es erst mal eine gewisse Unzufriedenheit verstärkt. Da immer offensichtlicher wird, dass der Wunsch mehr Vater zu sein und diesen mit den Rahmenbedingungen von Familie zu verbinden, große Schwierigkeiten birgt. Es gibt von daher generell den Versuch, die wenige Zeit, die da ist, besonders schön zu gestalten. Das beinhaltet aber auch ein Stück weit mehr Auseinandersetzung, insbesondere mit der eigenen Partnerin. Mit der Forderung “Mehr Väter in die Familien” muss sich nämlich auch das Rollenverständnis der Frauen verändern. In diesem Kontext ist einer der Knackpunkte oder auch Streitpunkte, die Familienerziehung. Da kann oder muss Soziale Arbeit unterstützend sein, dass solche Aushandlungsprozesse erfolgreich laufen.
Ein großer Teil der Studenten unserer Universität wird sich in ihrem späteren Berufsfeld u. a. mit dem richtigen Umgang mit Jungen beschäftigen. Welche Entwicklung gab es aus ihrer Sicht in den letzten Jahren in der Erziehungsforschung?
Da stelle ich gerade fest, dass wir, was dieses Thema “Das Leben von Jungen” betrifft, viel zu wenig wissen, sowohl von Jungen als auch von Mädchen. Ich würde das auch nicht so isoliert betrachten wollen, es geht nun vor allem um das Geschlechterverhältnis. Im Diskurs um Jungen als Bildungsverlierer ist das manchmal wie eine Revanche entgegen der starken Mädchenförderung. Ich sehe dies als einen sehr ungünstigen Trend, das eine gegen das andere auszuspielen. Von daher würde ich an die zukünftige Generation von jungen Frauen und Männern, die in sozialen Bereichen arbeiten, eigentlich erwarten, dass sie sich weder auf das eine, noch auf das andere alleine fixieren, sondern sensibel sein müssen. Was ich ablehne, ist so was wie Genderspezifik oder geschlechtsspezifisches Verhalten. Da werden wir auch nicht in der Lage sein, klar zu formulieren: “Für Jungen muss es so oder so sein.” Ich glaube, wenn wir mit Blick auf Geschlechterverhältnisse sehen, dass man da gucken muss, wie man Räume eröffnet, für Jungen und Mädchen sich so zu entwickeln, wie es ihren Bedürfnissen entspricht, ihren Interessen nach und nicht genderspezifisch. “Die Jungen haben ein expressiveres Verhalten, deswegen muss man mehr Sport mit ihnen machen.” Jungen sind nicht gleich Jungen, sowie Mädchen nicht gleich Mädchen sind. Es gibt Mädchen, die haben auch ein expressives Verhalten, es gibt Jungen, die keine Lust haben auf Fußball. Da würde man ein größeres Unrecht tun, wenn man versucht genderspezifisch zu arbeiten. Ich glaube man muss stärker auf individuelle Bedürfnisse und Interessen eingehen.
Zum Abschluss die Frage des Artikels: “Der Macho stirbt aus, so ein Glück!?”
Auf den ersten Blick, wenn es denn so ist, dann ist es ein Glück für alle Beteiligten, weil Machosein eigentlich auch ganz schön anstrengend ist.
uniVista bedankt sich für das Gespräch.
Charlie Sheen in “Two and a half Men”
als Inbegriff des Machos
Weitere Meinungen
Wir haben auch noch verschiedene Studierenden gefragt, ob es ein Glück ist, dass der Macho ausstirbt:
Ich glaube nicht, dass Machos aussterben, es muss welche geben, weil es ja sonst langweilig ist und einige Frauen stehen ja auch drauf … allerdings bin ich froh, dass ich keinen habe!
(Maren, 24, Germanistik)
In der Gesellschaft ist der Macho noch nicht ausgestorben. Wo der Mensch nur hinguckt, gibt es zum Teil legitimierten Sexismus und Chauvinismus, sodass es noch sehr lange braucht, bis der Mensch davon sprechen kann, dass der Macho ausgestorben ist.
(Anonym, 23, Germanistik/Musik)
Zum Glück natürlich. Es gibt doch nichts Besseres, als Männer, die auch mal putzen oder kochen!
(Maria, 23, kath. Theologie)
Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass der Macho nicht ausstirbt und nicht aussterben wird. Schalte ich nachmittags einen neuen Bildungssender (RTL, RTL II, ProSieben) ein, dann sehe ich mindestens fünf Machos und Personen, die es mal sein wollen, innerhalb kürzester Zeit. Entweder zeigen sie ihre Vorstellungen von Männlichkeit wie ein nordkanadischer Elch in der Paarungszeit – lauthals und übertrieben – oder es zeigt sich eine Person, bei der sämtliche männlichen Geschlechtsmerkmale dank der modernen Mode und Stylingvorstellungen nicht mehr vorhanden sind, aber trotzdem noch eine Geschlechterverteilung im Kopf herrscht wie zu Großmutters Zeiten. Es tut mir leid, aber der Macho ist noch lange nicht ausgestorben. Er hat nur neue Gesichter und so lange Frauen auf dieses Gehabe anspringen, wird sich daran auch nie etwas ändern.
(Alex, 26, Alumni)
Man bemerkt, auch am Trend der beliebten Filme und Serien zu erkennen, dass anscheinend der einfühlsame, umsorgende Typ Mann von Frauen erwünscht ist. In Zeiten der Emanzipation verträgt sich eben Macho-Frau nicht immer so gut mit Macho-Mann. Aber eben so wenig, wie sich Frau komplett in eine egozentrische, spuckende Sprücheklopferin verwandeln soll-te, halte ich es für wenig anziehend, wenn aus meinem starken Mann ein weinerlicher, anhänglicher (, glitzernder) Junge wird. Es sind eben beide Seiten in einem guten Verhältnis erwünscht – wie immer ein recht hoher Anspruch.
(Miriam, 18, Informatik)
Zwar hat es Charlie Sheen schwer, aber manchen Männern würde ein bisschen Machosein gut tun.
(Matthias, 24, Dienstleistungsmanagement)
Generell gilt für mich, dass es selbstverständlich ist, dass Menschen gleichgestellt sind, egal welches Geschlecht etc. sie haben, und da haben wiederum “Machos” im herkömmlichen Sinne keinen Platz, da das eine gewisse Überlegenheit vorgaukelt. Ein Maß an Machodasein ist natürlich auch mal zu tolerieren, weil es zur Persönlichkeit gehören kann, und solange das auch noch aus Spaß, nahezu ironisch, geschieht, ist es vollkommen in Ordnung.
(Sinje, 19, Religionswissenschaften)
Schön wär‘s! Leider gibt’s immer wieder Frauen, die auf Macho-Getue stehen – und dem wird Mann eben gerecht! Aber zum Glück folgen ja nicht alle Männer diesen Erwartungen einiger Damen und so lassen sich “die Guten” eben viel schneller erkennen!
(Marina, 23, Soziale Arbeit)
Fragen und Text: Jendrik Bartels

Regenbogenforelle gegrillt mit Zucchini-Antipasti

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Marc Friederichs, Koch im Mensateam Vechta
Foto: Jenniffer Malenz
Vorspeise
Kalte Buttermilch-Gurkensuppe:
  • 1 l Buttermilch
  • 2 Salatgurken
  • Salz, Pfeffer & evtl. Cayennepfeffer
Zunächst musst Du die Gurken schälen. Für die Suppeneinlage werden etwa 50 g Gurken in feine Streifen geschnitten und bis zum Essen aufbewahrt. Die übrigen Gurken werden zusammen mit der Buttermilch püriert und dann mit Salz und Pfeffer, evtl. auch Cayennepfeffer, abgeschmeckt. Nun stellst Du die Suppe und Einlage kühl und gibst vor dem Genuss die Gurkenstreifen in die Suppe.
Hauptspeise
Regenbogenforelle in der Folie gegrillt, mit Zucchini-Antipasti, dazu Ciabattabrot:
  • 4 ganze Forellen
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Tomaten
  • 50 g Butter
  • 1 Zweig frischen Dill
  • Aluminiumfolie
  • 1 Zucchini (etwa 30 cm lang)
  • 1 gelbe Paprika
  • 1 rote Paprika
  • Olivenöl
  • Ciabattabrot
  • Kräuter der Provence, Salz & Pfeffer
Wasche erst einmal die Zucchini. Schneide dann die Blüte und den Stiel ab und das Übrige in Scheiben. Nun beide Paprika waschen, durchschneiden, entkernen und evtl. erneut waschen, danach in Stücke schneiden. Jetzt kannst Du die Zucchini- und Paprikastücke in Olivenöl anbraten. Dabei ist darauf zu achten, dass das Gemüse nicht zu gar wird und sich keine Flüssigkeit bildet. Mit Salz, Pfeffer und Kräutern der Provence würzen.
Trenne nun vier Stücke Alufolie ab, die etwa 20 cm länger sind als die Fische. Schäle die Zwiebeln und schneide diese sowie die Tomaten in Scheiben. Die küchenfertigen Forellen werden nun gewaschen und in die Mitte eines Stückes Folie gelegt. Würze den Fisch mit Salz und Pfeffer. Jetzt belegst Du jede Forelle abwechselnd mit einigen Scheiben Tomaten und Zwiebeln. Auf das Gemüse legst Du etwas Butter und darauf etwas frischen Dill. Ziehe nun die Alufolie oberhalb und unterhalb der Forelle hoch, lege die beiden Enden oben zusammen und knicke sie zweimal um. Die äußeren Enden werden eingedreht, ähnlich einem Bonbon. Lege nun die Fische auf den Grill, wo sie etwa 30 Min. gegrillt werden müssen. Alternativ kann man sie auch etwa 30 Min. bei 160 °C im Ofen backen.
Währenddessen musst Du das Ciabattabrot backen, etwa 15 Min. bei 160 °C. Nach dem Abkühlen schneidest Du es in breite Scheiben und reichst es zum Hauptgang.
Nachspeise
Erdbeeren mit grünem Pfeffer in Apfelsinensaft:
  • 100 g Zucker
  • etwas Wasser
  • 30 ml Apfelsinensaft
  • 1000 g frische Erdbeeren
  • 1-2 Esslöffel grüner Pfeffer
Wasche zuerst die Erdbeeren und putze sie (Blättchen abschneiden). Größere Früchte schneidest Du in Stücke. Lasse nun den Zucker mit sehr wenig Wasser in einem Topf auf dem Herd schmelzen. Wenn er flüssig und leicht bräunlich ist, wird er mit dem Apfelsinensaft abgelöscht. (Das bedeutet, man gießt den Saft in den Zucker. Dabei zischt und spritzt es stark.) Den Karamell auflösen lassen. Die Erdbeeren in die Flüssigkeit geben und köcheln lassen. Nach etwa einer Minute gibst Du den grünen Pfeffer zu und lässt ihn mitköcheln.
Guten Appetit wünschen das Studentenwerk Osnabrück und die uniVista Redaktion!
Ausarbeitung: Marc Friederichs
Text: Jenniffer Malenz

Vom Höhenrausch gepackt
Tausche Achterbahn gegen Segelflugzeug

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Bist Du schon mal geflogen? Ich meine, so richtig geflogen? Ich meine, ohne große Passagiermaschine und dutzende Mitflieger drum rum. So ganz ohne Motor, mit bloßer Windenergie und Thermik? – Ich schon.
Bild: Nina Gerlach
Letzten Sommer bekam ich die Gelegenheit, einen Freund von mir zu seinem Verein zu begleiten. Dem Segelflugverein Aero-Club Hagen e. V.
An einem Samstag fuhren wir schon ganz früh am Morgen nach Sümmern, wortwörtlich „in the middle of nowhere“. Mitten zwischen all den Feldern und Äckern befand sich ein kleiner Flugplatz, bestehend aus einem Tower, einem Hangar, einem Vereinsheim und einer kleinen Werkstatt.
Trotz der wirklich frühen Uhrzeit wimmelte es dort bereits von Menschen unterschiedlichen Alters. Zu Beginn jeden Flugtages werden in einem kurzen Briefing die Aufgabenverteilung und die Wetterlage besprochen. Die Aufgabenverteilung rotiert jedoch im Laufe des Tages, so dass jeder die Gelegenheit bekommt zu fliegen. In meiner Aufgabe als Schnupperschülerin durfte ich mich in sämtlichen Bereichen umschauen. Zu Anfang war ich etwas zögerlich, aber als ich erst einmal eingearbeitet war, hat es richtig Spaß gemacht.
Und dann hieß es schließlich, dass ich an der Reihe sei. Plötzlich wurde mir ganz schön mulmig zumute, denn aus der Nähe betrachtet, wirken diese hauchdünnen Flugzeugwände gar nicht so vertrauenerweckend. Und als mir dann noch ein Fallschirm angezogen wurde, wuchs meine Nervosität. Aber es gab kein Zurück, ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, durch die Luft zu segeln.
Eine Duo-Discus aus der Nähe
Bild: Nina Gerlach
Über ein langes Kunststoffseil wurde das kleine Flugzeug an einer Winde befestigt. Als mein Pilot Alex und ich in den kleinen Zweisitzer eingestiegen und startklar waren, wurde das Seil mittels der Winde eingezogen. Mit gehörigem Schwung wurden wir über die Wiese gezogen und dann stiegen wir plötzlich senkrecht in die Luft. Auf einer Höhe von 350 m wurde das Seil ausgeklingt und wir waren auf uns allein gestellt.
Ich war schier überwältigt, von dem was sich mir bot. Unter uns eine atemberaubende Aussicht, über uns der sonnige Himmel und um uns herum nichts als Freiheitsgefühl. Doch dann kam leider ein Rückschlag. Alex fragte mich, ob ich nicht mal das Steuer übernehmen wolle, und erklärte mir die wesentlichen Steuerelemente. Zaghaft probierte ich es und stellte dann die Frage, ob ich irgendwas falsch machen könne. Daraufhin kam prompt die Antwort “Naja, das, was du grad’ machst, zum Beispiel. Die Antwort saß. Sofort gab ich das Steuer wieder ab, doch plötzlich überkam mich ein ganz ungutes Gefühl. Obwohl alles in Ordnung war, signalisierte mir mein Unterbewusstsein aus irgendeinem Grund, etwas anderes und mir wurde fürchterlich schlecht. Also bat ich Alex zu landen.
Die Landung machte dann allerdings wieder richtig Spaß. Nach einem sanften Sinkflug setzen wir auf und schossen mit unserer Restgeschwindigkeit über die Wiese, bis wir schließlich zum Stehen kamen. Mit beiden Beinen wieder fest am Boden realisierte ich dann, was ich so eben erlebt hatte und bedauerte, dass ich den Flug abgebrochen hatte, denn schlecht war mir inzwischen gar nicht mehr. Da es mittlerweile schon recht spät war, bot mit Alex an, dass ich am nächsten Wochenende noch einmal mitfliegen dürfe. Sofort sagte ich ja.
Alles in allem war es ein super tolles Erlebnis. Und richtig vorbereitet habe ich den zweiten Flug sehr genossen. Vielen Dank an meinen Piloten Alexander Bornemann, Michael Schaffert und natürlich den Aero-Club Hagen e.V.
Mein persönliches Fazit zu diesem wirklich ungewöhnlichen Hobby: Alle Daumen hoch, es ist der Wahnsinn! Auch wenn es sehr zeitaufwendig und wetterabhängig ist, ist Segelfliegen ein sehr schönes Hobby, das viel Spaß macht, verhältnismäßig günstig ist und sowohl Jung als auch Alt begeistern kann. Solltet Ihr einmal die Gelegenheit bekommen, das Segelfliegen auszuprobieren, ich kann es Euch wirklich nur empfehlen. Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, da oben durch die Luft zu gleiten und es macht einfach mega viel Spaß.
von Nina Gerlach

Wahre Geschichten
Das Leben kann so seltsam sein!

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Kann mich Facebook ins Gefängnis bringen?
Sofern Du clever genug bist, ein Bild von Dir hochzuladen, auf dem Du Benzin aus einem Streifenwagen klaust – Ja! So erging es zumindest einem Mann aus Kentucky, dessen Bild auf Umwegen leider die Polizei erreichte und der daraufhin eingesperrt wurde.
Sollte ich Unternehmensberatern trauen?
Vielleicht! Nur auf Geschäftsreisen sollte man sie lieber nicht begleiten. Der ein oder andere könnte sich sonst lediglich in Damenunterwäsche bekleidet an den Flughäfen dieser Welt zeigen, wie es ein Amerikaner auf verschiedenen Flügen mit US Airways bereits mehrfach getan hat.
Meine Bremsen funktionieren nicht, was tue ich?
Keine Panik, einfach die Tür öffnen und mit dem Fuß manuell bremsen! So schaffte es zumindest ein 24-Jähriger aus Michigan, sein Fahrzeug zum Stehen zu bringen. Abgesehen davon, dass er zuvor vier weitere Autos rammte.
Ist wenigstens auf die Polizei Verlass?
Normalerweise bestimmt. Zwei Polizisten in Los Angeles jagten jedoch lieber Frauen hinterher, als gefährlichen Kriminellen. Obwohl die beiden im Dienst waren, tauchten sie so in einem Pornofilm auf. Zwar kamen die beiden zunächst ungestraft davon, jetzt drohen ihnen jedoch Disziplinarmaßnahmen.
Auf dem Parkplatz eines Yachtclubs sollte meinem Auto nichts passieren, oder?
Stimmt, solang es sich nicht um den Redneck Yacht Club in Florida handelt. Dort musste eine 16-Jährige Besucherin feststellen, dass ein Monstertruck, angeheizt durch eine kleine Menschenmenge, mehrmals über ihr Auto gefahren war. Der Yachtclub bezeichnete dies später als „unglücklichen Zwischenfall mit ihrem Eigentum“.
Kann ich mit einem Pümpel eine Bank überfallen?
Leider nein! Ein Mann aus Utica, New York versuchte vergeblich damit die Bankangestellten dreier Banken zu überreden seinen Beutel mit Dollar-Noten zu füllen. Die gute alte Saugglocke bringt eben doch nicht alles zum Fließen. Glücklicherweise stellte die Polizei den schwer bewaffneten Mann wenig später.
Werden die Anforderungen an das Personal weiter steigen?
Wenn es nach einer chinesischen Teeplantage geht, ja. Dort dürfen nämlich nur Jungfrauen mit einem C-Körbchen arbeiten, die keinerlei Narben oder Wunden haben. Außerdem dürfen die Teeblätter lediglich mit dem Mund aufgesammelt werden um sie dann in speziellen Körben (Chaliuqing) zu platzieren. Um die anstrengende Arbeit zu bewältigen, müssen sie sogar spezielle Trainingsprogramme für Lippen und Nacken absolvieren. Was nach Sexismus klingt, verkauft das Unternehmen als edelsten Tee der Welt.
Schönheitsköniginnen würden sich doch nie die Hände schmutzig machen, oder doch?
Zumindest in Texas ist das etwas anders. Miss Snake Charmer 2011 – Laney Wallace – muss nicht nur Klapperschlangen enthaupten und häuten, sondern auch einen Handabdruck aus deren Blut an einer Wand hinterlassen. Auf den ersten Blick wirkt diese Art des Schönheitswettbewerbs ungewohnt barbarisch. Für die Einheimischen ist es jedoch ein Weg, sich mit dem Problem der wachsenden Population von Klapperschlangen auseinanderzusetzen.
von Matthias Christ

Warum ich besser bin als du – eine Polemik
Reaktion auf das Thema "Veganismus" der letzten Ausgabe

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Um ehrlich zu sein, war die Freude im Vorfeld groß. Nach den langen Sommerferien kehrte ich zurück an “meine” Uni und schon nach wenigen Tagen sah ich sie auf den Bistro-Tischen liegen: die neue uniVista. Auf der unteren Hälfte des Covers stand reichlich versteckt etwas von einem “Vegan-Experiment”. Ich dachte an die Reihe uniVista X-treme” und freute mich schon auf einen launigen Artikel über die Probleme ohne Fleisch. Der Artikel war dann auch recht launig und endete zu meinem Vergnügen mit dem Konsum eines Schnitzels. Doch letztendlich verkam er dennoch teilweise zu einer mehrseitigen Hetzschrift – ausgerechnet gegen Vegetarier!
Denn offenbar reicht es nicht mehr nur aus, Nutztiere vor der Schlachtung und damit vor etwas zu retten, für das sie so oder so bestimmt sind. Weit gefehlt! Neuerdings darf man nicht einmal mehr Eier essen oder gar Milch trinken. In mehreren Artikeln werde ich darüber aufgeklärt, dass die Schlachtung zur Fleischgewinnung abgrundtief böse ist und wir stattdessen eine Gleichstellung von Mensch und Tier anstreben sollten. Jedes Tier habe also das Recht zu schweigen (!), das Recht auf einen Anwalt (!!) und wenn es sich keinen Anwalt leisten kann, so werde einer gestellt (!!!). Ich bin entzückt und gerührt …
Auch der Wert für mich in meiner Eigenschaft als Mensch ist in dieser Ausgabe der uniVista enorm. Ich lerne, dass ich ein sogenannter “Omni” bin. Süß! Dass sich hinter diesem hochtrabend-niedlichen Begriff das deutsche Wort “Allesfresser” verbirgt, ist weniger lustig. Denn, so erfahre ich mit zunehmender Fassungslosigkeit, ein solcher “Omni” mache sich keinerlei Gedanken über sein Essen. Im Gegenteil! Wenn ich die Schreiberlinge des Veganer-Pamphlets richtig verstehe, bin ich ein solch gewissenloser “Omni”. Unterstütze ich etwa mit meinen morgendlichen Cornflakes mit Milch eine ganz üble Sorte Mensch? Den deutschen Milchbauern? Diese raffgierigen und übermäßig reichen Männer, die an jedem Liter Milch bis zu ein paar Cent verdienen und aus lauter Dankbarkeit für ihr großes Vermögen regelmäßige Treckerparaden vor dem Kanzleramt und dem Bundeslandwirtschaftsministerium veranstalten. Eine offensichtliche Huldigung ihrer wahrhaft schweinischen Komplizen!
Um diesem finsteren Treiben Einhalt zu gebieten, muss ich einem der Autoren zufolge zur Soja-Milch greifen. Das sei nicht nur gesünder für mich, sondern auch für Mutter Erde, die sich dann über weniger CO2-Ausstoß freuen könne. Diese Milch, die nun also die Basis für den mittwochabendlichen White Russian bilden soll, wird aus Soja gewonnen. Eine Wunderpflanze, die vor allem vom sympathischen Agrar-Großkonzern Monsanto in den nahe gelegenen USA oder auch im noch näheren Argentinien produziert wird. Und das auch noch in umweltfreundlichen und zukunftsweisenden Monokulturen! Die klimaneutrale Verschiffung dieser eierlegenden Wollmilchsau unter den Nutzpflanzen ist dank ölgetriebener und sehr kompakter Containerschiffe wunderbar möglich. Und das Beste kommt noch: Für diese Schiffe muss man keinerlei Eingriffe in die Natur – wie beispielsweise eine Elb… äh … Flussvertiefung – vornehmen, mit der man Obstbauern oder anderen “guten” Landwirten die Lebensgrundlage rauben könnte.
All diese erschütternden Fakten lassen die Milch des Bauern aus der Region ganz schnell sauer werden. Und sauer bin ich nach der Lektüre dieses schonungslosen Veganer-Exposés auch. Getrieben von meinem Ehrgeiz, die Welt JETZT zu retten, renne ich heim zu meinem Kühlschrank. Die böse Milch wird ein Opfer des Ausgusses und die noch böseren Steaks vergrabe ich im Garten. Kein Wesen wird sie so JEMALS zu sich und damit große Schuld auf sich nehmen. Nach dieser harten und doch gerechten Arbeit setze ich mich in meinen fair gehandelten Gartenstuhl, öffne ein Bionade und erfreue mich für den Rest des Tages an meiner moralischen Überlegenheit.
von Julius S.

Leave Behind

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Bilder: Meike Münck

Klausureindrücke während der Aufsicht

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1
Gebeugte Rücken überall,
manchmal ertönt der Türen Knall,
leis auch vernehmbar Raschelns Schall
und manchmal eines Stiftes Fall.
Die Stirnen runzeln sich fürwahr
In dieser großen Schreiberschar:
Gedanken, neblig oder klar –
So fließen sie aufs Formular.
Ein Lächeln von Bekannten hier
Und dort ich wie Trostbitte spür;
Das Warten manchmal an der Tür
Zeigt: Blase ist noch voll mit Bier –
Doch Wasser oder Cola nur
Kennzeichnen hier die Trinkkultur.
Zur Fastenzeit in R 02
Ruft jeder seinen Geist herbei,
dass er von Stress ihn mache frei,
erfreulich das Ergebnis sei.
Denn klausurschreibend sitzen sie
Vor weißen Tischen in der Früh
Ein Wort darf dabei fallen nie,
die Nase neigt sich fast zum Knie.
Naturgeräusche bloß man hört:
Stuhlrücken, Husten ungestört,
die Blätter werden mal gerafft
mal umgelegt mit sanfter Kraft;
zuweilen trinkt man, isst man auch,
sein Recht einfordert dann der Bauch.
2
3
Man kommt und holt sich noch ein Blatt,
schon seitenlang man vor sich hat –
und so auch Pinkelpausenzeit
und Rauchen von dem Druck befreit:
Die Worte fließen nicht so glatt,
das viele Denken macht auch matt
und weiß man mal nicht recht Bescheid,
der Blick nach oben Hilf bedeut´t (?)
Verboten ist es, sich zur Seit
Zu wenden bei Gelegenheit,
auch Sprechen ist total verboten:
Mogelversuch versaut die Noten;
So ratsam ist es, ganz allein
Sich an den Aufgaben zu freun.
Den Saal durchweht ein Angstschweißhauch:
Kann ich die Klausur schaffen auch?
Kenn ich der Systematik Brauch?
Lohnt sich der wochenlange Schlauch?
Was wollen die Gutachter lesen?
Wär´s vielleicht besser so gewesen?
Die Angst treibt manche(n) gar zum “Tresen”,
um wie gewünscht Fragen zu lösen.
Dort sitzt, Aufsicht führt ein Dozent,
den jeder der Studenten kennt,
der prüft hier sein Sonett-Talent,
doch allen nur das Beste gönnt,
wenn strenge Blicke er versend´t,
ob er `nen Mogelversuch fänd.
4
5
Wieder die Studenten schreiben,
Köpf über Blätter gebeugt;
Ob sie auch in Zukunft bleiben
Diesem Thema geneigt?
Vieles, was sie tun und treiben,
von Gewohnheit zeugt,
hoffentlich sie sich dran reiben,
wenn Gesellschaft streikt.
Was auch immer sie bewegt,
Wirken heißt auch Sprechen,
solang Herz und Hirn sich regt,
nicht die Knochen brechen,
werden sie mit off´nen Augen
ihren Weg gehen, wenn sie taugen.
Einige heben, schmerzverzerrt,
ihren Arm mal an,
wohl ein Äderchen versperrt?
Lock´rung lindern kann?
Auch die Schreibspannung, verkehrt,
hindert den Elan,
manche ihre Locke stört,
hält das Aug in Bann …
Körperlockerung macht fit
Auch das Hirn … denkt mit.
Was wollen die Gutachter lesen?
Wär´s vielleicht besser so gewesen?
Die Angst treibt manche(n) gar zum “Tresen”,
um wie gewünscht Fragen zu lösen.
6
7
Der Stift streicht hörbar das Papier –
So ruhig ist es selten hier -,
die Finger werden ausgewrungen,
schwer seufzt die Luft auch durch die Lungen;
die eine liegt fast auf dem Blatt,
auch Stirnefalten findet statt,
die Locke wird hinweggestrichen,
erneut dem Outfit angeglichen.
Zuweilen birgt man(n) das Gesicht,
wenn die Idee abrupt abbricht,
auch Räuspern hört man, stieren Blick
nimmt wahr man, schreibendes Geschick
paart sich mit Schreibgeräusch – zum Glück?
Dazwischen knurrt Dozentenbauch
Und Handytöne hört man auch.
Gar mancher hält den Kopf sich fest –
Ob er dann Klügeres rauslässt?
Es bringt sie die Klausur zum Schweigen
Und jeder, jede eifrig schreibt;
Die Köpfe auf das Blatt sich neigen,
es gilt ja hier: wer schreibt, der bleibt!
Denkwürdig, mehrzahlig beweibt
Sind die Personen, die einsteigen
In dieses Quiz, die Pflicht sie treibt,
der sie sich zähneknirschend beugen.
Was tun? Das Joch soll sein gelinde
Und soll womöglich Spaß bereiten,
das jeder jede leichtlich finde,
was ich erklärte hier beizeiten,
woran sie manchmal sich erfreuten –
ich glaube nicht, dass ich sie schinde!
8
von Eberhard Ockel

Das verschwundene Gestern und ein ungewisses Morgen

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Cover: Bastei Lübbe
Im Mittelpunkt des Romans von Lisa Genova steht die Familie Howland. John und seine Frau Alice, beide Anfang 50, arbeiten in Harvard als erfolgreiche Wissenschaftler und Professoren. Er widmet sich dabei mit Leib und Seele der Biologie (Krebsforschung), seine Frau ist bedeutende Wissenschaftlerin der Psycholinguistik (kognitive Psychologie).
Das Paar führt ein beschauliches Leben, wie viele andere “Best Ager” auch: Die Kinder sind aus dem Haus, es wird aus der Distanz Anteil genommen am Leben der erwachsenen Kinder und sie gehen auch voller Energie ihren Jobs nach. Schleichend beginnt sich dann aber, die Idylle zu wandeln. Denn Alice fängt an, nicht mehr richtig “zu funktionieren”. Die kognitiven Veränderungen von Alice bringt ihr Mann zunächst mit dem Arbeitsstress und den beginnenden Wechseljahren in Zusammenhang. Im Verlauf des Buches findet eine subtile Beschreibung aus Sicht der Betroffenen über diesen vielschichtigen Prozess einer beginnenden Demenz statt. Das Ganze wird jedoch ergänzt durch die zahlreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, was die emotionale Seite der Geschichte erweitert.
Die Autorin Lisa Genova schafft es, durch ihr profundes Wissen als Psychologin und promovierte Neurowissenschaftlerin eine anrührende und zugleich hoffnungsvolle Geschichte zu erzählen über die mannigfaltigen Veränderungen einer früh beginnenden Demenz.
Zudem wirft sie die zentrale Frage auf, was noch wichtig für uns ist, wenn die Erinnerungen und unser Wissen verschwinden. Ideen und Antworten auf diese philosophische Frage findet Ihr in dem Buch Mein Leben ohne gestern.
Lisa Genova: Mein Leben ohne gestern
Signatur: 430 396
von Lena Bischoff

Pflichtprogramm für die Leseecke

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Cover: Deutscher Taschenbuch Verlag
Einen der höchsten Berge in der Literaturlandschaft sollte man womöglich nicht als Perle bezeichnen. Zu empfehlen ist Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald aus dem Jahr 1925 dennoch, beziehungsweise genau deswegen (der Klassiker ist auf Platz 46 der Liste der 100 besten Bücher des 20. Jahrhunderts von Le Monde). Mit wunderbaren Beschreibungen aber flottem Erzählstil schildert Fitzgerald das (wilde) Treiben im Amerika der 20er Jahre.
Nick Carraway, der Ich-Erzähler, nimmt den Leser mit auf die pompösen Partys seines reichen und ominösen Nachbarn Jay Gatsby in Long Island. Dieser hat jedoch nicht im Sinn, einem exzessiven Dasein zu frönen, vielmehr hofft er auf ein Wiedersehen mit seiner ehemaligen, ebenfalls sehr gut situierten, Liebschaft Daisy.
Diese, eine entfernte Cousine von Nick, ist schon längst verheiratet mit dem aggressiven Tom sowie junge Mutter. Dennoch setzt Gatsby alles daran, seine verlorene Liebe zurückzuerobern und somit sein einsames Dasein zu beenden. Nur dieser Plan hat seinen Preis.
Was sich nun nach einer Vorlage für Rosamunde Pilcher anhören mag, entwickelt sich einerseits zu einer ergreifenden Story (Leichen!), andererseits nimmt Fitzgerald feinfühlig eine zusehends kalte Gesellschaft auseinander. (Welchen Wert besitzen Liebe und Freundschaft?)
Übrigens: Bevor dieses Jahr Leonardo DiCaprio dem großen Gatsby auf der Leinwand ein Gesicht gibt, sollte man sich von dem Roman vielleicht ein eigenes Bild machen.
Francis Scott Fitzgerald: Der große Gatsby
Signatur: 99 894
von Tobias Kunz

Ein fantastisches Gleichnis

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Cover: Deutscher Taschenbuch Verlag
“Was bringen sie den Kindern eigentlich heutzutage in den Schulen bei?” Dieses Zitat stammt von jenem schlauen Professor, in dessen Haus sich ein Zimmer befindet, in dem nichts als ein Wandschrank voller Pelze steht. Und genau in jenem Schrank beginnt das erste Abenteuer der vier Geschwister Peter, Edmund, Suse und Lucy.
Narnia ist für uns eine fremde Welt, in der die Tiere reden können, Fuchs und Hase friedlich am Festtisch sitzen, Riesen, Zentauren, Zwerge, Hexen und allerlei andere fantastische Wesen leben. Doch Narnia wird schon seit langer Zeit von der weißen Hexe beherrscht. Sie ist es, die dafür sorgt, dass in Narnia immer Winter ist, aber niemals Weihnachten.
In Narnia freunden sie sich mit Herrn Biber an, er soll sie zu Aslan bringen. Zusammen mit Aslan, dem König der Könige, müssen die Kinder Narnia befreien. Doch der Hexe dürstet es nach Edmunds Blut, denn durch einen Verrat an seinen Geschwistern ist er an die Hexe gebunden. Nur durch ein großherziges Opfer gelingt es, sein Leben zu retten. Aslan opfert sich für Edmund. Doch wie sollen sie nun Narnia retten? Und was hat es mit einem sehr alten und sehr starken Zauber auf sich?
Clive Staples Lewis: Der König von Narnia
Signatur: 391 148
von Carola Hofmann

Abenteuer Jugend
Verrückt, verliebt, verloren

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Cover: rororo
Tschick (Andrej Tschichatschow), so nennt man den Jungen mit dem unaussprechlichen Namen, der eines Tages neu in die Klasse von Maik Klingenberg kommt. Ein Junge fernab davon nur im Geringsten gemocht zu werden. Jemand, über den man gerne sprach, wenn er in der Schule betrunken vom Stuhl fiel und weil er einfach sonderbar war. Ganz anders als Maik eben. Dieser war eher unscheinbar und seine Eltern mit sich selbst beschäftigt. Und so kam es, dass er in den Sommerferien das Haus für sich allein hatte. Doch nicht für lange. Gemeinsam mit Tschick, der plötzlich mit einem geklauten Wagen aufkreuzt, reisen die beiden in die Walachei – ohne die geringste Kenntnis, wo diese ist.
Auf der Reise dorthin erleben sie so manches Abenteuer und spätestens an der Stelle, als Maik Tschick einen Bart mit Edding ins Gesicht malt, um ihn am Steuer älter wirken zu lassen, überkommt einen das Lachen, das so schnell nicht mehr verschwindet. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden 14-Jährigen eine Freundschaft – die in ihren Anfängen einiges durchzustehen hat: Geldmangel, Stress mit “Frauen” und Verfolgungsfahrten mit der Polizei sind nur einige Beispiele.
Ein Muss für alle Junggebliebenen, Humorliebenden und Herrndorf-Fans, dessen Thriller Sand erst in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse im Genre Belletristik gewann.
Und auch tschick gehört zu den guten Büchern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es im letzten Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde sowie in diesem Jahr für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012.
Wolfgang Herrndorf: tschick
Signatur: CQYh 4362 = 423 693
von Jenniffer Malenz

Sudoku

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Das Sudoku gibt es nur als PDF-Version:

Die Einhorn-Sache

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Ein ganz normaler Tag in der WG: Man liegt so herum und genießt das süße Nichtstun. Stress ist schließlich neurotoxisch. Und so begab es sich, dass man beschloss, die nächsten Wochen erstmal gar nichts zu tun. Schief auf der Wiese stehen oder mit dem Tiger aus der Ecke quatschen ist aber okay.

Boom, Paupau und Knallpeng! Plötzlich und ganz unerwartet tauchen aus dem Nichts zwei Austauschstudenten aus New York und Moskau auf. Um die politisch angespannte Vergangenheit ihrer Länder aufzuarbeiten, beschließt die WG ein Picknick zur Feier ihrer selbst zu veranstalten.

Was dann passiert, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Die Flasche Vitamalz kippt um, wird unsichtbar und ihr Inhalt verteilt sich im ganzen Raum und verzaubert den Rest der WG und auch die Gäste in Einhörner.

Während sich die Einhörner still und heimlich zu einem großen Mega-Einhorn formatieren, kämpft WG-Hund Kingkong mit der Entscheidung, alles, was er sieht, aufzufressen.

Texte & Bilder: Carolin Makus
Inspiration & Outside Assistance: Tomke Diederike zur Brügge & Luiz Henrique Heins Bueno

Was hältst Du von unserem Neubau?

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Bild: Jenniffer Malenz
Mir gefällt der moderne Entwurf, der auf der Homepage zu sehen ist, sehr gut. Der moderne Stil wird dem Gesamtbild der Uni ein wenig mehr Pep geben. Ich freue mich über zwei neue Hörsäle und hoffe, dass es durch die Erweiterung in den Seminaren oder auch Vorlesungen aufgrund der Teilnehmerzahl und z. T. kleinen Räumen nicht mehr so beengt sein wird.
(Kerstin)
Ich finde den Neubau gut, denn Vorlesungen im Kino finde ich nicht so geeignet, um zu lernen.
(Sina)
Ich finde, eine wirkliche Meinung über das Gebäude kann man sich erst bilden, wenn es fertig gestellt wurde.
(Henning)
Ich finde es sinnvoll, ein neues Hörsaalgebäude zu bauen, denn in vielen Räumen ist es gerade zu Semesterbeginn zu voll.
(Nadine)
Ich finde den Neubau auf jeden Fall sinnvoll. Gerade die Uni Vechta benötigt mehr Räumlichkeiten. Zu der Optik kann ich leider noch nichts sagen.
(Andrè)
Die Frage stellte Carola Hofmann

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