Ihna Grensemann

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PDF-Version der 8. Ausgabe

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Punktesekte

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Nach Weihnachten und vor Ostern entscheiden sich viele Bundesbürger für gute Vorsätze. Das Einhalten dieser Vorsätze ist meist schon einer davon, daneben gibt es aber noch die Klassiker: Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, der Liebsten öfter Blumen schenken, Fußballabende vom Freund ruhiger ertragen oder einfach öfter die Lateinvorlesungen besuchen.
Na gut, dass das mit Latein nicht einfach ist, weiß wohl jeder Germanistikstudent, aber abnehmen? Kann doch nicht so schwer sein…
Pünktlich zum Jahreswechsel war es dann soweit: Die bekannteste Abnahmegruppe der westlichen Welt, ja genau, die mit den zwei W, rief zur Gewichtsreduktion auf. Fröhlich lachende Frauen und bunte, frühlingsfrische Werbungen sprangen einem aus dem Fernseher auf das Sofa, direkt neben die Schokolade, und unterstützten die guten Vorsätze darin, den inneren Schweinehund in Ketten zu legen.
Okay, da ich ja schon länger bis immer nicht ganz so zufrieden mit mir war, entschloss ich mich, das örtliche Treffen zu besuchen. “Ein Versuch kann ja nicht schaden!” dachte ich mir und fuhr mit dem Rad (der erste Bewegungspunkt) zum Gruppentreffen. Im Saal eines Restaurants, wie passend, wartete schon eine Schlange Menschen in winterlich untypisch leichtem Outfit, um beim Gang auf die Waage ein gutes Ergebnis zu fördern; andere saßen schon auf den bereitstehenden Stühlen, und es war kalt. Ich mag Kälte nicht. Auf einem langen Tisch standen sämtliche Angebote von kalorienarmer Schlagsahne über kalorienarme Schokoriegel bis hin zu Büchern über kalorienarmes Kochen. Soweit die äußeren Gegebenheiten. Mehr Beobachtung war nicht möglich, denn jetzt stand ich unmittelbar vor der Waage und somit auch vor der Leiterin des Treffens. Sie begrüßte mich, drückte mir ein Heftchen in die Hand und bat mich, Platz zu nehmen.
Bildnachweis: pixelio (206643)
© Mensi / PIXELIO
Mit den Informationen bewaffnet, bezog ich Stellung auf meinem Stuhl und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Die Jacke ließ ich an, denn mir war ja schließlich kalt. Punkt acht ging es los. Die Leiterin stellte sich wie eine Lehrerin vor ihre Schüler und fragte in die Runde nach dem Befinden. Vereinzelte Antworten über zufriedene Abnahmen, nervige Gewichtsstillstände oder unliebsame Zunahmen wurden laut, begleitet vom Kopfnicken der anderen Teilnehmer. Nach einer kurzen Diskussion über die jeweiligen Zustände, wie sie erreicht worden seien, was man dagegen oder dafür tun könne, und natürlich mit den obligatorischen Bemerkungen über schlanke Ehemänner und maulende Kinder beim Gemüseeintopf, die das Abnehmen ja erschweren würden, wurde über das Thema des Abends, Kalzium, gesprochen.
Nach dem Gruppentreffen, das etwa 45 Minuten dauerte, stellte sich mir die Leiterin noch einmal persönlich und ausführlich vor, erläuterte mir das Ernährungskonzept und sprach von Punkten. Ja, alles klar, ich kannte Kalorien und Prozentangaben, aber PUNKTE? Nun, hier wurde mir erklärt, was es damit auf sich hatte, und das ich, wenn ich mich entschließen sollte mitzumachen, wöchentlich mit mehr Neuigkeiten über Punkte ausgestattet werden würde. Ich durfte wählen zwischen dem preisgünstigeren Abo und dem etwas kostspieligerem Einzeltreffen, entschied mich für ersteres, wurde gewogen und zack – war ich Mitglied der Punktesekte.
Mit weiteren Informationen, frischer Motivation und dem Wunsch nach einer heißen Dusche radelte ich nach Hause, schon gespannt, was jetzt passieren würde.
Jedes Lebensmittel hatte ab jetzt für mich Punkte, Pizza wenigstens 15, ein Glas Milch oder eine Scheibe Brot jeweils zwei, ein Stück (ja, ein klitzekleines Stückchen) Schokolade einen Punkt, Obst und Gemüse dafür aber gar keine. Für Sport gab es Bonuspunkte und damit ich den Überblick behielt, schrieb ich alles in ein Points-Tagebuch. Das war vor einigen Monaten, mittlerweile sind die ersten Pfunde weg, das Treffen hat den Raum und damit auch die Heizung gewechselt und demnächst bin ich vielleicht sogar Goldmitglied. Das ist aber dann schon wieder eine Geschichte für Mein erstes Mal : “Vom Verein geehrt werden…”
Wer mehr wissen möchte,
unter www.weightwatchers.de stehen alle Informationen.
von Ihna Grensemann

PDF-Version der 7. Ausgabe

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Trinationales Kolloquium in Polen

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Vechtaer Studenten in Polen.
Foto: Ihna Grensemann
Man mag der Meinung sein, Vechta sei mit seiner Lage am Rande vom Nichts nur mäßig international, doch ab und zu kann man sich eines Besseren belehren lassen…
Ein internationales Treffen mit anderen Studenten aus Polen und Frankreich? In Polen, wo das Bier so schön billig ist und Zigaretten noch bezahlbar? Eine Woche keine Uni und dafür auch noch entschuldigt werden? Klingt ja super!!
Wo ist der Haken? Achja, es ist ein akademisches Arbeitstreffen mit dem Thema „Widerstand im Dritten Reich“. Muss das sein? Haben wir das nicht lange Jahre an der Schule gehabt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir selbst nicht Schuld sind und wir trotzdem aufpassen müssen, dass das nicht noch mal passiert!? Reicht das denn nicht?
Um einen Schein für die Fahrt zu bekommen, war der Besuch eines vorbereitenden Seminars Pflicht.
Hier lasen wir Originaltexte der Widerständigen Helmuth James von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Sie waren die Köpfe einer Gruppe von Widerständigen, dem Kreisauer Kreis. Hey, war das nicht das Reiseziel?
Yorck und Moltke hatten während des Krieges Pläne erdacht, wie es nach Hitlers Sturz mit Deutschland weitergehen könnte. Denn dass der Krieg nicht mit einem Sieg für die Deutschen enden würde, schien ihnen offensichtlich. Ihre Ideen stützten sich auf die demokratischen Grundsätze Gleichheit der Menschen, Freiheit und Gerechtigkeit. Das Besondere an ihrem Widerstand war die Gewaltlosigkeit, denn „man kämpft nicht für irgendetwas, sondern nur gegen irgendetwas: Hass ist die Dominante des Krieges, nicht Liebe. Feigheit, Muckertum, Massenpsychose züchtet der Krieg.“ (H. Moltke).
Trotzdem sind sie gehengt worden, Moltke nur drei Monate vor Kriegsende, und nur weil er nachgedacht hatte. Weil er es gewagt hatte, gegen die NSDAP zu denken. Weil er die Würde jedes Menschen über seinen Glauben hob. Dieser Widerstand steht stellvertretend für viele andere. Für Menschen, die bereit waren, ihr Leben einem Ideal zu opfern. Menschen, die sich gewehrt haben.
Widerstand ist vielfältig: Es gibt ihn in den unterschiedlichsten Ausprägungen, als Volkswiderstand, als Einzelkämpfer, gewalttätig und gewaltfrei. Im Namen einer Organisation, einer Idee oder aufgrund der eigenen Moral. Widerstand ist so vielfältig wie die Menschen. Ihnen gemeinsam ist aber der Wille, etwas am aktuellen Zustand ändern zu wollen.
Genau diese Geisteshaltung hat den Bogen geschlagen von abgedroschener, langweiliger Geschichte zu einem interessanten Rückblick. Die Geschichte des Dritten Reiches ist so groß, unverständlich und grausam, dass es gar nicht genug Möglichkeiten geben kann, darüber zu informieren. Das muss nicht immer trocken oder langweilig sein, es geht nicht immer mit erhobenem Zeigefinger einher. In Kreisau waren wir auf dem Gut von Moltke untergebracht. Durch das Schloss zu gehen und zu wissen, dass vor etwas mehr als 60 Jahren in diesen Mauern Geheimtreffen stattfanden, berührt mehr als es viele Statistiken des Zweiten Weltkrieges zu schaffen vermögen.
So viele Fotografien zu sehen, Geschichten zu lesen und die einzelnen Menschen hinter den alten, angestaubten Büchern zu erkennen, geht tiefer unter die Haut als eine anonyme Zahl.
Die bunten Träume, Wünsche und Hoffnungen der Menschen, die der Maschinerie Hitlers zum Opfer fielen, sind es auch knapp 63 Jahre nach Kriegsende noch wert, gewürdigt und anerkannt zu werden.
Kreisau hat uns mit der Frage nach Hause geschickt, ob wir es merken würden, wenn sich wieder eine solche Macht zusammenbraut. Und ob wir den Wunsch hätten, uns zu wehren. Wie weit wir dafür gehen würden, ob wir uns unserer eigenen Moral beugen würden. Schwierige Fragen, die sich noch schwieriger beantworten lassen. Trotzdem: Mal einen Gedanken zu risikieren, kann ja nicht schaden!
von Ihna Grensemann

Das erste Mal…

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Wer erinnert sich nicht an seinen ersten Besuch bei Ikea, die ersten komischen Dinge, die man so in den Mund genommen hat, die ersten Panikattacken, die ersten körperlichen und geistigen Unfälle? Die Liste könnte ewig so weiter gehen, und manches davon möchte man gar nicht erlebt haben oder aber ganz schnell wieder vergessen. Wir haben uns gedacht: Verdrängen hilft nicht. Also setzten wir uns auseinander mit unserer Vergangenheit und schrieben sie auf, all die ersten Male, die uns geprägt haben. Die Titelstory gewährt euch also tiefe Einblicke in das Leben der Redaktion, exemplarisch also für den Rest der Weltbevölkerung, und lässt euch teilhaben an Dingen, die man die ersten zehn Jahre geheim hält, um dann leicht schmunzelnd darüber zu reflektieren. Gleichsam bildet die Titelgeschichte den Auftakt für die gleichnamige Rubrik, welche dann ab der nächsten uniVista im Sommersemester 2008 regelmäßig erscheint.
Natürlich seid auch ihr aufgefordert, uns an euren ersten Malen teilhaben zu lassen. Egal ob Konzertbesuch, Gefrierbrand am eigenen Körper oder Candlelight Dinner, lasst eure Gedanken schweifen, schreibt sie nieder und schickt sie uns.
…oraler Kontakt mit seltsamen Dingen
Bildnachweis: pixelio.de 151877
© A. Flade / PIXELIO
Langsam schließe ich die Lippen um ihn, lasse ihn weiter in den Mund gleiten und betaste ihn vorsichtig und ein wenig scheu mit der Zunge…er fühlt sich glatt an und irgendwie hart…
Verdammt! Ich rede von einem gerösteten Mehlwurm, den ich gerade in den Mund genommen habe!! Ihr erinnert euch noch an diese witzigen Lutscher mit den Insekten drin? Ich musste unbedingt einen haben und zum ersten Mal ein Insekt essen…man, fühlte ich mich beim Kauf cool!! Nun, ich hab’s getan…und ihn gegessen…schmeckte ein wenig wie zu Brikett getoastetes Weißbrot. Also nicht so lecker. Aber der mehlwurmumhüllende Lutscher war gut.
…Kontakt zu den (gelben) Engel
Ich höre eigentlich immer Radio. Nein, eigentlich läuft immer Kassette. Auf jeden Fall Musik. Und diese laut. Wenn ich Auto fahre, brauche ich das. Nur dieses Mal hab ich das aus unerklärlichen Gründen nicht gemacht. Und so hörte ich den Knall. Ich konnte das gar nicht richtig zuordnen. Dann merkte ich, dass das Auto komisch fuhr, dann wieder, dass das Geräusch nicht besser wurde und dann, dass mir ein Reifen fehlte. Hinten links. 120kmh. A 29. Mahlzeit! Hinter mir kein Auto. Durchatmen. Auf den Seitenstreifen fahren. Ruhig bleiben. Keine Panik. Ich sagte mir das immer wieder und tat einfach alles dagegen. Und ich meine: wirklich alles. Das ganze Register. Ich rief bei dem Freund meiner Mutter an, Kfz-Meister. Der muss doch Ahnung haben. Ich machte den Kofferraum auf, suchte nach Ersatzreifen und Wagenheber, fand ersteren, aber den Heber nicht. Ich rief die Polizei an. Römms, Fahrtwind, 200 Sachen. Nein, nicht mein Puls! Wind peitschte mir ins Gesicht.
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© adacta / PIXELIO
Die Autobahn kennt keine Geschwindigkeitsgrenzen. Aber mit Highspeed erfasst zu werden, bringts vermutlich schneller zu Ende als mit gemäßigten 120 ins Wachkoma verfrachtet zu werden. Ich rief die Polizei an. Ich stellte meinen Rucksack mit roter Lasche in 100 Meter Entfernung auf. Wo war nur das Warndreieck? Wo blieb nur die Polizei? Ich suchte weiter nach Wagenheber und Warndreieck. Das Radio blieb aus. Die Polizei kam viel zu spät. Grummelig stieg EINER aus. Und WIDERWILLIG rief er den ADAC. Kommunikation lief schleppend. Er auf dem Seitenstreifen. Ich hielt mich hinter einem Zaun auf. Ich sollte doch weg von der Fahrbahn, Muttis Freund sagte das doch. Polizei weg. Gott, was dachte der von mir?! Wo bleibt der ADAC? Ich gehe zum Kofferraum, ein letztes Mal. Ich suche und finde: das Warndreieck. Entscheide, dass der Rucksack seinen Zweck tut. Dann kommt der Wagenheber zum Vorschein. Ich entscheide mich: mutig zu sein. Ich will doch was zu erzählen haben, wenn ich das hier überlebe. Ich wechsele den ersten Reifen meines Lebens. Ich überlebe. Am Seitenstreifen auf der A29. Nur die A1 hätt das noch toppen können!
…Urlaub ohne die Erzeugerfraktion
Wir hatten es geschafft! Die Schlacht war geschlagen, und wir waren die Sieger. Stolz ohne Ende und mit einem Auto voll Gepäck und Proviant brachen wir nun auf zum ersten Urlaub ohne Eltern am Ostseestrand. Hinfahren durften uns die Erziehungsberechtigten noch. Aber dann waren wir endlich allein. Vier pubertierende Mädchen allein im Bungalow.
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Die Nächte wurden zu Tagen. Es wurde sich geliebt und gestritten ohne Ende. Die Urlaubskasse wurde voll ausgeschöpft, der Strand in Beschlag genommen und die Freiheit genossen. Nach zwei Wochen, die auch in unserer geliebten Seifenoper nicht turbulenter hätten ablaufen können, fühlten wir uns ein bisschen wie die einzigen Überlebenden eines schrecklichen Unglücks, als das Auto unserer Eltern in Sicht kam und wir wieder nach Hause fuhren. Erschöpft, um eine Erfahrung reicher, aber glücklich.
…mit 40 kmh der Schwerkraft trotzen
Als ich vor so einigen Jahren zum Geburtstag einen dieser tollen Fahrradcomputer geschenkt bekam, war völlig klar, was zuerst gemacht werden muss: Ein Geschwindigkeitsrekord muss her! Und da unsere Straße leicht abschüssig war, musste auch genau diese für den Versuch herhalten. Dass sie außerdem wie ein Hufeisen geformt ist, sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Ich begann also an einem schönen heißen Sommertag mit kurzer Hose und T-Shirt los zu brettern. Der Geschwindigkeitsmesser kletterte in ungeahnte Höhen, ich trat in die Pedale wie ein Verrückter, 34, 35, 36, 37… immer höher stieg der Messer an. Dann endlich 40!!! Juhu!!! Als ich dann aber den Kopf hob, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich zwar genug Straße hatte, um auf 40 km/h zu beschleunigen, aber kein einziger Meter Bremsweg zur Verfügung stand. Tief fliegend schlug ich mit dem Vorderrad am Bürgersteig an und wurde aus meinem Sattel über den Maschendrahtzaun auf die andere Seite des Bürgersteigs katapultiert… gerne wäre ich im Zaun gelandet, denn hinter dem Zaun bremsten ja Gott sei Dank nur dornenbewehrte Rosenbüsche meinen Aufprall. Als ich nach ca. 1 Minute des lauten Stöhnens langsam aufstand, sah ich, dass ich eine regelrechte Schneise durch die Büsche gerissen hatte und gute 3 m geflogen war. Das Rad hatte auch einen guten Teil zur Zerstörung des Vorgartens beigetragen, denn es hat beim Aufschlag den Zaun gewichtig zu Boden gepresst. Glücklicherweise hat mich keiner dabei gesehen… und mir geht’s gut, danke!
…auf Tuchfühlung mit der Kreisstadt
Endlich! Ich hatte das Abitur in der Tasche und war nun offiziell an der Hochschule Vechta eingeschrieben. Wer wollte mich jetzt noch aufhalten?
An einem schönen Tag im Oktober sollte es nun soweit sein. In Vechta wartete ein Schlüssel auf mich. Der Schlüssel zur Freiheit! Aber wo ist Vechta eigentlich? Mit vielen guten Ratschlägen und Landkarten machten wir uns auf den Weg. Schließlich kamen wir an. Aber wo war hier die Stadt? Einzelne Gebäude, kein Supermarkt, keine Bank. Wo war ich gelandet?
Besichtigung der WG. Ganz klar, hier wohnen Studenten. Der Kühlschrank war voll, voll mit Bier. Ich war froh, dass ich an diesem Tag noch nicht bleiben musste. Und Bremen und Osna sind ja auch nicht weit.
…einen Freund haben
Bildnachweis: Karen Ishikawa
Foto: Karen Ishikawa
Mein erster Freund war wiederum ein Freund meiner Cousine. Ein netter Junge mit der Aussicht auf einen eigenen Handwerksbetrieb. Groß, blond und mit Brille (denn das sind die besten Typen). Und besagte Verwandte fand wohl, dass es langsam an der Zeit sei, mich zu liieren. Ich war ja immerhin schon 14! Im besten Clueless-Style berichtete sie uns dann gegenseitig von unserer Großartigkeit – großartige Hobbies, großartiger Musikgeschmack (ich hatte damals noch gar keinen Musikgeschmack, bei und zu Hause lief nur FFN), großartige Nettigkeit – und vereinbarte ein erstes Treffen auf ihrem Geburtstag. Es existieren immer noch Fotos davon, anscheinend hatte ich Spaß, an den ich mich aber dank einer Flasche Blue Curaçao zwecks Aufregungsbekämpfung nicht mehr erinnern kann. Als einziges sind mir seine warmen, treuen Hundeaugen im Gedächtnis geblieben (leider stellte er sich als gar nicht so treu heraus, aber das wäre wohl eher eine Episode für „Mein erstes Mal: sich trennen“). Und so kam es von einem Date zum nächsten und von einem Kuss zur Beziehung. Und wie sehr ich verliebt war! Er war toll… Aber vor allem war ich vergeben. Liiert. Eine Pionierin in der Klasse. Das war sicher genauso ausschlaggebend für mein verklärtes Dauergrinsen. Das erste Mal einen Freund haben ist ein großes Gefühl. Ein Gefühl von Verliebtheit, aber auch von Herzschmerz. Mit den Eltern feilschen, um Fahrdienst betteln, die Pille nehmen, den ersten Sex haben, sich ver- und unverstanden fühlen. Vom Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt. Pubertät pur und das zu zweit.
…blau gelbe Impressionen
Bildnachweis: Björn Franke
Foto: Björn Franke
Ich war 21, hatte grade meine erste WG bezogen und brauchte: Möbel. Woher? IKEA! Ja, als jung-dynamische Landpomeranze klang das nach Abenteuer und großer Welt. Her mit Ektorp, Lunna und Köttbullar. Rein in den Konsum. Oh, es war ein Genuss, erst die Fahrt mit der Straßenbahn, dann die S-Bahn nach Köln-Godorf und schließlich der Bus zum Parkplatz… Auf der Heimfahrt beanspruchte ich vier Sitze und mehrere der großen blauen IKEA-Taschen, um all den Krimskrams (natürlich war ich an GLIMMA, den 100 Teelichtern, auch nicht vorbeigekommen) mit sämtlich verfügbaren Verkehrsmitteln in meine Wohnung zu befördern. Mein erstes Mal IKEA? Teuer!
…ungenügende Leistung bringen
Ich war jung, dynamisch trotz Rauchens oder gerade deswegen, in der neunten Klasse, die längste Zeit Streber gewesen. Ich war nun rebellisch (siehe Rauchen), aufmüpfig schon immer, ansonsten jeglichem Unterrichtsgeschehen gegenüber desinteressiert. Ich sagte natürlich nur dann was, wenn ich schweigen sollte und umgekehrt. Und dann war es soweit, ich arbeitete da wirklich drauf hin. Ich wollte es so: Nach Jahren der Zweier, manchmal Einser und der nur wenig befriedigenden Dreier und völlig inakzeptablen Vierer und sinnlosen Fünfer: Endlich die Sechs! Das Fach: Physik. Lichtbrechungswinkel, Fallgeschwindigkeiten, Wellen,… Ich hatte einfach keine Antworten parat auf Optik, Mechanik und wie das alles hieß. Auf die wirklich wichtigen Fragen, etwa wie die Relativitätstheorie denn funktioniere, hatte mein Lehrer entweder keine Antwort für mich, der ja eh nichts verstand oder schlichtweg auch keine Ahnung, was er natürlich nicht zugab. Egal. Denn endlich war sie da, die Sechs! Wie cool man damit war!
Bildnachweis: pixelio.de 178429
© Hans-Peter Reichartz / PIXELIO
…Selbstfolter für die Schönheit
„Aua…aaaaah…uuuuuh…oh Mensch…tut das weeeeh!!! Ach, ich stell mich nur an, andere machen das doch auch… OH MEIN GOTT!!!! Werden diese Schmerzen jemals enden??“ Ich schaue auf die Anleitung. „WAAAAS? Die Achseln soll man sich damit machen können? Die BINKINIZONE? Sind die wahnsinnig??“ Ich weiß nicht, ob ein Mann sich vorstellen kann, wie das ist, wenn man sich jedes Haar einzeln ausreißt, wenn die fiesen kleinen Metallscheiben ein Haar zu packen bekommen und es samt Wurzel von seinem von Natur aus angestammten Platz gewaltsam entfernen. Jedes Haar, ein neuer individueller Schmerz. Schön! Mein erstes Mal epilieren, war auch mein letztes Mal, bin ich eben ein Schattenparker und greife lieber das erste…zweite…zweihundertste Mal zum Rasierer.
…Selbstbezacherln mit Instantsuppe
…irgendwann muss man es ja mal machen und Erfahrungen mit Herrn Knorr sammeln. Sich zum Bespiel selbst bekochen und eine ganz ganz tolle „KNORR Gemüse satt Instantsuppe“ kredenzen. 80% Gemüse, Olivenöl und Kräuter – vegetarisch, cholesterinfrei und fettarm – für 2 Teller…irre, dacht ich mir…dummerweise weiß ich nicht, was die gute Suppe gekostet hat, naja. Das Kochen stellte kein großes Problem dar…500ml Wasser warm machen, einrühren…ziehen lassen. Sieht aus wie Babybrei. Suppe? Hmm, eher wie Püree, nur flüssiger. Gemüse? War bestimmt drin, irgendwo. Ach, kommt schon…war halt einfach zu kochen und mein erstes Mal „Gemüse satt Suppe“!
…Synapsenstreik
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Es ist Nacht…ich sitze vor meinem PC und starre auf den Bildschirm. Vor mir: ein leeres Worddokument. Der Cursor, der markiert, wo ich mich gerade im nicht vorhandenen Satz befinde, scheint mich zu verhöhnen…sein Aufblinken gleicht mechanischem, rhythmischem Gelächter: Ha-ha-ha. Meine Augen brennen und meine Finger liegen eiskalt auf den Plastiktasten. Schreiben, schreiben: JA! Nur was denn?? Ich schaue zur Seite und sehe eine Motte, die immer und immer wieder mit dem Kopf gegen meine Fensterscheibe fliegt, ich betrachte sie eine Weile, vielleicht würde mir diese Art der Kopfarbeit auch mehr zusagen? Der Blick auf den Bildschirm, wieder die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit. Ich mache den Versuch, einige unbeholfene Buchstaben in eine Reihe zu bringen. Faszinierend, wie lange man dafür brauchen kann und das nur, um sie dann in einem Anfall enttäuschter Wut innerhalb von zwei Sekunden wieder auszulöschen. Ich lasse den Kopf leicht mit der Schreibtischplatte kollidieren: „Denk nach…denk nach…denk…aua.“ Schmerz- auch nicht hilfreich. Jede Formulierung gleicht dem Erklimmen des Mount Everest. Die deutsche Sprache in all ihren Facetten erscheint mir feindlich gesinnt, mein Kopf- eine dumpfe pochende Kugel. Ich raufe meine Haare und blicke auf die Uhr: 3.47 Uhr. Mehr als Zeit um die persönliche Escape-Taste zu drücken und ins Bett zu gehen, abspeichern muss ich ja nichts. Morgen wird mein PC wieder in der Ecke auf mich warten, wie eine dicke, fiese, hässliche Spinne. Mein erstes Mal Schreibblockade? Ja und mit Sicherheit nicht die letzte. Aber wahrscheinlich wird mein nächstes erstes Mal die Überwindung derselben sein…
…die Alternative zum Automobil nutzen
Wenn Benzinpreise Höhen erreichen, die selbst Krösus für inakzeptabel halten würde, überlegt sich auch ein eingefleischter Autofahrer, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. So geschah es, dass ich mich an einem ganz gewöhnlichen Freitagnachmittag, auf einem ganz gewöhnlichen Bahnhof in Niedersachsen zur einer ganz gewöhnlichen Zugfahrt einfand. Zumindest dachte ich dies. Stutzig machte mich bereits im Vorfeld die Planung der Fahrt. Noch gut gelaunt, stellte ich bei einem Blick auf den Fahrplan im Internet fest, dass eine sonst eineinhalbstündige Autofahrt per Bahn 3,5 Stunden dauern sollte. Zweimal Umsteigen mit eingeschlossen. Nun gut, Lesen soll bilden, her mit der Unterhaltungsliteratur. Die erste Etappe betrug 40 Minuten und brachte neue Einblicke in die Jamba Klingelton Welt. Auch wurde mein, so dachte ich, bisher reichhaltiges Vokabular an Flüchen und Beschimpfungen durch modernere Kreationen erweitert, die dem einen oder anderen hätten die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Froh, diesen Zug nach 40 Minuten verlassen zu können, stieg ich aus, um in den nächsten Zug zu wechseln. Bei einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass mir kaum noch zwei Minuten für den Umstieg blieben. Jetzt war nicht vorhandenes, sportliches Talent gefragt. Die Reistasche in der einen, den Tragebeutel in der anderen Hand und den Rucksack auf dem Rücken, spurtete ich hastig über die Brücke und kam, wenn auch mit Schweißperlen auf der Stirn, auf der anderen Gleisseite an. Pünktlich zum Einstieg in die nächste Bahn.
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Foto: Björn Franke
Gute zweieinhalb Stunden sollten nun noch vor mir liegen. Ganz schön lange Zeit, dachte ich so bei mir. Doch hatte ich die Rechnung ohne eine junge Dame gemacht, die mich bereits nach kurzer Zeit mehr oder weniger unfreiwillig in ihr Talk Show-taugliches Privatleben einweihte. So war ich mir nach drei viertel Fahrzeit nicht mehr wirklich sicher, ob nun der der erste oder zweite Freund Vater des Kindes sei oder die beste Freundin doch eine Verräterin und ob der kleine Sohn mit englischem Vornamen jemals die deutsche Sprache ohne Sch-Laute erlernen würde, war ebenfalls fragwürdig. Ich hoffte, sie einmal auf einer meiner 10 nächsten Fahrten wieder zu treffen, um etwaige Verständnisprobleme klären zu können. Bei meinem nächsten und gleichzeitig letzten Umstieg war ich dennoch froh, mein Ziel fast erreicht zu haben. Es war inzwischen dunkel geworden und laut meiner Berechnung durfte ich an diesem Bahnhof tatsächlich etwas verschnaufen, bevor die nächste Bahn kommen sollte. Doch etwas war an diesem Ort seltsam. Wer in seinem Leben schon einmal die Verfilmung Langoliers von Stephen King gesehen haben sollte, würde nun meiner Beschreibung folgen können. Es war seltsam still an diesem Bahnhof, fast beängstigend. Ein junger Mann kam auf mich zu und fragte, ob ich in dieselbe Richtung wolle wie er. Als ich dies bejahte, zeigte er auf eine große Uhr am Gebäude und erklärte, dass der Zug bereits vor 15 Minuten abgefahren sei. 15 Minuten? Mein Zug hatte 15 Minuten Verspätung gehabt? Wieso hatte das niemand den Fahrgästen erklärt? War es ihnen etwa egal, dass man im Nichts landen würde? Nun gut, der nächste würde garantiert bald kommen, versuchte ich mich zu beruhigen. Doch auch hier war der Wunsch der Vater des Gedanken, denn drei Stunden sollte ich schon noch auf den Nachfolger warten. So blieb mir nichts anderes übrig, als per Telefon Jemanden zu bitten, mich von diesem trostlosen Ort abzuholen. Gut zweieinhalb Stunden später saß ich mit einem Tee in der Hand in einem warmen Zimmer. Fazit meiner ersten längeren Reise in der Nordwestbahn: durch Fahrtkostenbeteiligung und Handygesprächen hatte ich mein durch Zugfahren Erspartes zu einem Großteil wieder verloren, von verschwendeter Lebenszeit und eventueller Gefährdung wichtiger Gehirnzellen durch Jamba Monatspakete und ungeklärter Vaterschaften ganz zu schweigen. Dafür habe ich mir allerdings geschworen, beim nächsten Tankstopp mein Auto auch nur ein ganz kleines bisschen zu verfluchen.
…Verschönerung der Eigen-Fassade
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© Jeanne / PIXELIO
Damals, also schon länger her, so mit 15, war ich bei einer Freundin zu Besuch. Ich weiß nicht warum, aber wir färbten uns die Haare. Das machte ich, seit ich so alt war, regelmäßig, also mir die Haare färben. Von Braun auf Bronze, Kupfer, irgendwie blond. Also auf jeden Fall heller. Und da geschah es, als ich mir die Haare danach wusch, dass noch ein wenig Schaum in den Haaren war. Schauma! Und da ging ich mit meinen Händen durch die Haare. Und auf einmal waren sie so James Dean bis Elvis-mäßig zu einer Tolle hochgestylt. Ohne Schaum wäre das völlig undenkbar gewesen, und ich war so stolz auf mich, dass ich das fortan immer machen sollte, zunehmend mit sämtlichen Gelsorten. Und zwar, wenn auch in Variationen, bis heute. Und da fällt mir ein, es gibt es ein Bild von mir aus ungestylten Zeiten. Natürlich gibt’s mehrere, aber auf dem geh ich gar nicht. Das Schlimme: Es ist auf meiner eigenen Konfirmation. Und nun weiß ich, auf wen man hören sollte, wenn es um Stylingtipps geht. Gott ist es scheinbar nicht, denn morgens, also am Tag meiner Konfirmation, sagte meine Mutter zu mir: Willst du nicht ein wenig was in die Haare machen. Mein Gott, musste sie mich lieben, dass sie mich ohne Gel außer Haus lies.
…Konsum illegaler Substanzen
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© alt_f4 / PIXELIO
Ich bin ein wenig im Zwiespalt. Kann ich im Hochschulmagazin über Drogen schreiben? Und zwar nicht als sozialwissenschaftlich motivierte Abhandlung, sondern als Erfahrungsbericht? Welcher noch nicht einmal abschreckend als Junkie in der Gasse endet? Aber wenn nicht in einem Unimagazin, wo dann? Ich meine, wem wird gewöhnlich Drogenkonsum zugetraut? Und wer müsste selber über Pro und Contra an einer Hochschule mit pädagogischem Schwerpunkt Bescheid wissen? Eben.
Mein erstes Mal illegale Drogen nehmen war gänzlich unspektakulär. Das einzige, was mir irgendwo hinstieg -und leider nicht in den Kopf, sondern in den Magen- war das Nikotin. Mir als Nichtraucher war speiübel. Das war‘s. Aber ein junger Mensch lässt sich nicht so schnell abschrecken und somit testete ich beim nächsten Versuch das Peace nicht in einem Joint, sondern in einer Bong (selbstgebaut aus einer Wasserflasche). Wir wollten auf ein Dorffest, welche bekanntlich ohne zumindest legale Drogen nicht auszuhalten sind: die Zelte stets taghell erleuchtet, die Landelite zu finden in der Jungschützenecke und der DJ ergießt nicht nur schlechte Musik in die biergeschwängerte Luft, er kann auch miese Ansagen. Nachdem ich mir die Lunge aus dem Hals und das THC in den Kopf gehustet hatte, schien der unterdurchschnittliche Radiotechno blau, alle Menschen nett und zu Hause erwartete mich nur Fressflash statt Kater.
…Kongressiale Eindrücke
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© S. Hofschlaeger / PIXELIO
Ich war beim internationalen Kongress des Psychodramainstituts für Europa (Pife) in Berlin, als Studentin, ohne Abschluss und ohne besondere Vorkenntnisse. Ich muss verrückt gewesen sein. Tausend Szenarien schwirrten mir durch den Kopf, was alles schief gehen kann und auf wie viele verschiedene Arten ich mich blamieren könnte. Ich war drauf und dran, alles abzusagen.
Trotzdem stürzte ich mich ins Getümmel. Ich deckte mich mit Literatur ein und knüpfte erste zarte Kontakte und schon war ich mitten drin. 190 Leute aus 17 Nationen! Ich hab noch nie so viele Sprachen auf einem Haufen gehört.
Der nächste Kongresstag nahm mich voll in Anspruch. Vorträge und Workshops ließen keine Langeweile aufkommen und boten mir viel Gelegenheit weitere Kontakte zu knüpfen, welche dann am Abend auf der Party vertieft werden konnten. Mein Zustand nach durchwachter Nacht war am Sonntag grenzwertig. Nichtsdestotrotz habe ich es irgendwie nach Hause geschafft. Mein erstes Mal Kongress- großartig!
…Tupper-Party ab 18
Durch mehrere Zufälle und einige liebenswert-verrückte Freundinnen saß vor einigen Wochen diese Frau bei mir im Zimmer. Die Dildofee. Zwei dieser Körbe der Marke „Mutti geht mal einkaufen“ brachte sie mit und ich war mir nicht so sicher, ob ich wirklich wissen wollte, was es darin zu bestaunen gab. Mit acht Mädels saßen wir im Kreis um Sekt und Wodkabowle zur Hemmschwellensenkung und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
„Ja Hallo, ich bin eure Dildofee, ich sag mal „du“, ne? Und als erstes möchte ich euch die Raupe Nimmersatt vorstellen!“ Zack, fing die Dame an zu plaudern und zauberte als erstes etwas länglich-blaues mit einem freundlichen Gesicht aus ihrer Wunderkiste. Hibbeliges Kichern, rote Wangen und ziemlich viel Neugier war die Reaktion. Ob wir wohl mal anfassen dürften? „Klar, also alles, was ich euch hier heute Abend vorstelle ist absolut jungfräulich und natürlich dürft ihr anfassen, probieren, gucken soviel ihr wollt, darum seid ihr ja hier!“ „Oh, guck mal, wie niedlich, die hat ja sogar `ne Nase…“ Keine Frage, mit niedlichen Gesichtern und weicher Oberfläche kriegt man die Mädels, besonders wenn der Wodka anschlägt.
Nachdem uns die verschiedenen Vorzüge dieses Dildos aufgezählt wurden, unter anderem würden Männer ihn aufgrund des Comicgesichtes nicht als Konkurrenz wahrnehmen, sei das Ding absolut leicht zu reinigen und dank des Saug-Sockels sogar als Klorollenhalter zu verwenden, verschwand die Nervosität und wir wussten auf einmal, warum Dildoparties auch als das Gegenstück zur Tupperparty gelten: acht Weiber lassen sich in aller Ruhe über die Vor- und Nachteile von unkaputtbaren Plastikteilen informieren und tauschen ihre Erfahrungen aus. Besser als bei Dr. Sommer.
Gegen Mitternacht ging eine spannende Veranstaltung zu Ende, die für eine Menge Lacher und Information gesorgt hatte, ohne anrüchig zu sein. Ganz ohne Peinlichkeiten hatten wir einen tollen Abend, der nicht viel gemein hatte mit der Erwachsenen-Ecke aus der Videothek. Und wenn ihr auch mal Lust habt, vor der nächsten Uniparty mal ganz anders vorzuglühen, findet ihr alle Informationen unter: www.dildofee.de
von Britta Simon, Ihna Grensemann, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn, Sebastian Dargel und Stefanie Bruns

Sehr viel Wasser, ein Junge und ein Tiger

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Nein, hier geht’s nicht um Janosch, wie aus dem englischen Titel „Life of Pi“ eher deutlich wird, sondern um eine wunderbare Erzählung vom Leben des Inders Piscine Molitor Matel.
Piscine, aufgrund der fehlenden Französisch-Kenntnisse seiner Lehrer und Mitschüler oft Pissin genannt und somit vielen Spöttereien ausgesetzt, kann im Laufe seines Schülerlebens den Namen Pi für sich beanspruchen. Mit diesem Namen, seiner Familie und einem kompletten Satz Zootiere reist er auf einem Schiff nach Kanada, einem vermeintlich besseren Leben entgegen. Der alte Dampfer sinkt eines Nachts jedoch auf den Grund des Pazifiks und Pi schwimmt als einzig Überlebender alleine in einem Rettungsboot. Einzig Überlebender? Nein, nicht ganz: Ein großer bengalischer Tiger hat die Katastrophe ebenfalls überlebt.
Was nun beginnt ist ein anrührende und teils tragische, teils komische Geschichte über Glaubensfragen, Tigerzähmung, Vegetarier und Weltansichten eines Schiffbrüchigen, die den Leser das Salzwasser auf der Zunge schmecken lässt. Yann Martel malt mit seinen Worten zarte und raue, stille und wilde Bilder und lässt einen nach der Lektüre noch lange über die merkwürdigen Begebenheiten mitten im stillen Ozean nachdenken.
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger
Signatur: 383024
von Ihna Grensemann

PDF-Version der 6. Ausgabe

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PDF-Version der Sonderausgabe No 2

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PDF-Version der 5. Ausgabe

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V-City Festival 2007

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Romantisch ging die Sonne unter, ehrfürchtiges Schweigen breitete sich im Walde aus, die Tiere versammelten sich, um dem Schauspiel beizuwohnen…
Aber wer war schon im Wald?
Laut und live – das war die Devise am Mittwoch, 13. Juni 2007 im Gulfhaus beim ersten V-City-Festival. Der AStA und die uniVista hatten geladen und ihr kamt reichlich. Knapp 500 Leute ließen sich von guter Livemusik was auf die Ohren geben und sorgten für eine tolle Stimmung, so dass wir, eure Redaktion, schon von einer weiteren Party träumen.
Den Anfang machte die Band New Page of History aus Dinklage. Die jungen Newcomer überzeugten mit guter handgemachter Musik und großer Stimme. Trotz der schwierigen Startposition schafften sie es, euch zum Tanzen zu motivieren.
Die Cover-Band
New Page of History
Foto: Björn Franke
Nach einer kurzen Umbaupause begann die Rock-Pop-Combo der Uni, ganz klar mit Heimvorteil, ihr Programm zu spielen. Tolle Stimmen, ungewöhnliche Instrumente und ansprechende Titel sorgten für eine heiße Stimmung. Selbst die T-Shirts klebten an den Leibern…
Die erste Non-Cover-Band des Abends war nach der Combo am Start. SwanSea aus Oldenburg ließ die Menge toben. Die Temperatur erreichte ungeahnte Höhen und der Beat ging in die Beine. Die drei Jungs ließen sich im heißen Scheinwerferlicht nicht lumpen und bewiesen, dass auch unbekannte Titel, wenn sie nur gut genug sind, für Begeisterungsstürme sorgen können!
Die Hip-Hopper Cleva `n` Smart
Foto: Susann Franke
Für die Freunde gepflegten Hip-Hops stand als letzter Live-Act Cleva `n` Smart auf der Bühne. Die Menge poste und bekam es von der Bühne zurück. Gefühlte 48° C im Raum ließen keinen Platz für cooles Abhängen; die Menge war mit Spaß und allen Sinnen dabei, sich von Rhythm and Rhymes akustisch versorgen zu lassen.
Nach den gelungenen Live-Auftritten der vier Bands war der Abend noch nicht zu Ende, DJ Crystal übernahm die musikalische Begleitung und ließ seine Dancing- People noch bis tief in die Nacht vor der Bühne nicht zur Ruhe kommen.
Auch den Außenbereich des Gulfhauses habt ihr gut gefüllt und mal wieder bewiesen, wie partytauglich die Vechtaer Studenten sind. Wir hoffen, ihr hattet mindestens soviel Spaß wie wir und bedanken uns an dieser Stelle an das Team vom Gulfhaus, sowie bei allen Beteiligten und Die natürlich euch für euer zahlreiches Erscheinen.
von Ihna Grensemann

Bilderalbum
uniVista No. 05: V-City Festival

Vom Wachsen und Werden, von Lust und Liebe

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Amara ist 16, Fritz ist 43. Amara ist Schülerin, Fritz Dirigent. Amara kommt aus Spanien, Fritz aus Wien. Amara ist Tochter, Fritz ist Vater. Amara ist auf der Suche nach der Liebe für´s Leben, Fritz auf der Suche nach der Liebe für ein paar Stunden… und sie treffen sich mitten in Berlin.
So beginnt die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe und ein vor Gefühlen platzender Roman. Auf mehreren hundert Seiten führt Regina Faerber den Leser aus Sicht von Amara in die Kunst des Erwachsenwerdens und in die Träume einer ersten Liebe ein. Es ist das Hin und Her zwischen Familie und Freiheit, zwischen Gruppenzwang und Individualität, welches Amara in Verwirrung stürzt, Fragen aufwirft und das Miterleben ihrer Entwicklung so spannend macht.
Die Geschichte dieser beiden ungleichen Menschen ist so lebensnah und gleichzeitig so ungewöhnlich, dass das Lesen zum Vergnügen wird, auch für Leser die die Pubertät, zumindest nach eigenem Erkenntnisstand, bereits hinter sich gebracht haben.
Regina Faerber: Hölderlinstr. 11
Signatur: 5.2 A fae = 274864
von Ihna Grensemann

Wer wir sind und was wir wollen?
Zum heutigen Selbstverständnis des Studenten

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Fotos: Karen Ishikawa
Rollenfindung – Ein Versuch
Was eigentlich ist los? Ganz ehrlich. Ich meine, welche Rolle spielen wir Studenten noch in unserem Studentendasein? Wie definieren wir uns in dieser Rolle? Definieren wir uns überhaupt? Und wenn ja, heißt es dann, heutzutage Student zu sein, das meint, sich von einer Vorlesung zum nächsten Seminar zu bewegen, dazwischen wird noch ein bisschen gelesen, Kaffee getrunken, in die Mensa gegangen und wieder zugehört? Heißt Student zu sein heute, möglichst schnell durchzukommen durch ein vorgefertigtes Studium, in dem kaum noch Möglichkeiten geboten werden, sich zu entscheiden, was man machen möchte, weil das zur Folge haben könnte, dass, ja dass ein Studium tatsächlich länger als Regelstudienzeit dauern könnte? Alles schön diszipliniert, kontrolliert, fremdbestimmt und schnell. Ist das das neue Selbstverständnis des heutigen Studenten? Diese Fragen und Gedankengänge klingen bereits etwas provokativ an, natürlich, denn mindestens zum Thema Bloß-schnell-durch-sein und- immer-schön-gerad-aus-und-nie-nach-rechts-oder-links-gucken muss doch gesagt werden, was haben wir denn am Ende davon, wenn wir alle schnell fertig sind? Gut, mehr Geld im Portemonnaie. Aber haben wir etwas mitgenommen? Einsichten, Ansichten, Perspektiven, Alternativen…? Oder stehen wir, die Durchgehetzten, am Ende einfach nur auf Zehenspitzen herum, auf der Suche nach…ja nach was eigentlich? Nach dem besten Platz, einer guten Aussicht? Man könnte an das Bild denken, in dem sie alle auf Zehenspitzen stehen und letztlich keiner besser sieht. Abgesehen davon mag das auch nicht die angenehmste Position sein. Man muss den Standpunkt auch einmal verlagern. Vielleicht hilft es sogar, sich einmal hinzusetzen, vielleicht auch einmal, alle Viere von sich zu strecken, vielleicht in einem Seminar zur Stimm- und Atemtechnik oder in einem Sportkurs. Möglicherweise muss man auch einmal hochspringen, weitspringen, und vielleicht kann man so was auch als Nicht- Sportstudent angehen. Aufkommen kann man immer falsch. Und zu stolpern mag auch nicht verkehrt sein. Wir alle wissen doch, wie wir gehen gelernt haben: von Fall zu Fall….(letzteres ist geklaut, hat irgend so ein Neuropsychologe letztens in einem Film gebracht…Spitzer oder so…also nicht, dass ich mich mit fremden Federn schmücken will)
Immer wieder höre ich kritische Stimmen, was das heutige Studentendasein angeht, aber nicht etwa von den Studenten selbst, nein. Von meinem Vater bekomme ich regelmäßig zu hören, dass es wohl üblich heutzutage ist, alles hinzunehmen. Damals wäre das natürlich unmöglich gewesen. Ich höre Stichworte wie unpolitische Generation. Und zwischendurch klingt dann wieder das Klischee hindurch, wie wir Studenten leben. Pro Sieben, Taff, 17h: Guten Abend, Deutschland. Guten Morgen, liebe Studenten. Nun, aber wer sich schon nicht für die Probleme unseres Landes interessiert geschweige denn dafür, wie viel wir nun fürs Studium bezahlen müssen und überhaupt scheinbar alles über sich ergehen lässt, naja, dem wird wohl auch das egal sein. Aber trifft dieses Bild überhaupt zu? Als BaMa-Student erkenne ich hierin keine Wirklichkeit, wahrscheinlich habe ich um genannte Uhrzeit nicht einmal Zeit zum Fernsehen, und wenn mir davon jemand erzählt, dann habe ich gerade tausend andere Dinge im Kopf, den ich vielleicht noch schüttel, weil ich denke: Ja nee, ist klar. Ich glaube aber in der Tat, dass es den meisten egal ist, ob ein Bild zutrifft oder nicht und das Wenigste wird noch reflektiert, also kritisch reflektiert. Es geschieht was geschieht. Reflexion, Selbstreflexion, Kritik, alles das scheint fehl am Platze zu sein. Die an anderer Stelle zitierte “Suche nach der Wahrheit” wird ersetzt durch die Suche nach möglichen Klausurfragen. Was ist relevant? Kommt das auch vor? Müssen wir Daten kennen? Personen? Ist der Film von letzter Woche von Bedeutung, dieser Text, der Aufsatz? Nein, heißt es dann vielleicht, aber möglicherweise aufschlussreich. Immerhin reagieren Dozenten nun auch schon darauf und ergänzen ihre Seminare durch entsprechende Kommentare, was denn nun von diesen neunzig Minuten wichtig sein könnte. Danke!
Aber wem soll man einen Vorwurf machen? Vielleicht schlicht und einfach den neuen Strukturen, nämlich, dass die Universität mit den neuen Strukturen immer verschulter wird, aber mein Gott, so schlecht kann das ja auch nicht sein, oder?! Ich meine, letztlich gehen die meisten von uns wieder in die Schule, und ein bisschen mehr Praxis kann so schlecht nicht sein. Das neue Selbstverständnis des Studenten heutzutage? Die Frage stand am Anfang, und mir ist nun klar, dass ich falsch daran gegangen bin. Unsere Rolle ist ja vielmehr die eines Schülers, ohne diese Rolle abwerten zu wollen. Nein, darin liegt eine gewisse Herausforderung, und nächstes Mal wird diese dann einmal näher untersucht.
Übrigens: letztens war ich mit einem Kumpel in Italien. Vor Bologna sind wir abgedreht, Richtung Meer. Versprach mehr Aussicht.
von René Kohn
Ich bin genervt, ich bin frustriert…
Was nicht nur die ersten Zeilen eines Songs von den Ärzten sind, beschreibt meine Gefühle beim Anblick meines Schreibtisches recht treffend. Hier ein Abgabetermin für eine Ausarbeitung, da das Handout für das anstehende Referat, schon zugedeckt von ominösen Readern, unleserlichen Mitschriften, Büchern und dort noch der Kalender mit den dick unterstrichenen Klausurterminen. Nebenbei auch noch Zettel und Flyer mit den nächsten Partyterminen, Freundesadressen aus der ganzen Republik die ich doch schon lange mal wieder besuchen wollte, Festivaltickets, irgendeine Notiz weist noch auf die Arbeitsstelle für die Semesterferien hin und beinahe schon höhnisch grinsend sieht mich eine Postkarte mit dem Spruch „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ an.
Das hatte ich mir anders vorgestellt!
Damals, vor drei- vier Jahren, als ich noch in der Schule saß und vom tollen Studentenleben geträumt habe, war mir eines völlig klar: Das wird eine relaxte Zeit! Mit vielen Parties, nächtelangen Diskussionen über Gott und die Welt, spannenden Vorlesungen von begeisterungsfähigen Professoren, jeden Tag ausschlafen und Semesterferien mit dem Rucksack in Sizilien. An Arbeitsdruck und Modulabschlussklausuren hab ich nicht im Traum gedacht. Jetzt ist es kurz vor Mitternacht und ich bin nicht auf der Party mit meinen Freunden sondern am Rechner und versuche, trockene Fakten in mein Hirn zu speisen. Dabei habe ich im Hinterkopf ständig die Frage, ob ich nicht grade die Party des Jahres verpasse und mein Sozialleben sich auf die einsamen Gespräche mit meiner Yuccapalme beschränken wird.
Klar ist wohl, dass ich mich vom Bild des Studenten, wie es die ´68er Generation geprägt hat, verabschieden muss, will ich halbwegs erfolgreich ins Berufsleben starten. Aber was ist das neue Bild eines Studenten? Wo ist der rote Faden, der einem sagt: „ Hier geht´s lang, das ist dein Weg!“ ? Was will ich vom Leben? Von wessen Meinung und Ansicht lasse ich mich überzeugen? Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Nur, wen soll man denn fragen? Meine Dozenten? Meine Kommilitonen? Das Kaffeesatz-Orakel?
Am Besten mich selbst.
Denn wer weiß mehr über meine Wünsche, Träume und Erfahrungen als ich? Und auf wessen Meinung sollte ich mehr Wert legen als auf meine?
Und während mir diese Gedanken so durch die Synapsen kreisen, wird mir bewusst, dass es nicht nur die Freiheiten und Rechte des Studentenlebens, sondern eben auch die Verpflichtungen und Bindungen sind, die es so reich machen. Die für Gesprächsthemen sorgen, die mich beschäftigen und mich zwingen, mich mit mir und meiner Arbeitshaltung auseinander zusetzen.
Und so nach und nach, also wirklich sehr langsam, verliert der Anblick meines Schreibtisches seinen Schrecken und ich mache mich an die Arbeit- in dem sicheren Wissen, dass der nächste Mittwoch, die nächste Party, kommen wird und ich Yucca dann doch noch eine Topfblume als Gesellschaft beistellen werde.
von Ihna Grensemann
“Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 kein Kapitalist ist, hat keinen Verstand.”
Eine Freundin aus der Schweiz fragte mich vor paar Wochen, wo man in Osnabrück in besetzten Häusern übernachten kann. In einem der beiden Vechtaer Kinos gab es eine Veranstaltung der Contra AG zum Abschiebelager in Bramsche-Hesepe. Die Zuschauer: weitgehend Jugendliche. Die 68er von morgen?
Auch wenn man im Laufe der Zeit – oder sollte ich schreiben, im Laufe des Erwachsenwerdens? – immer mehr revolutionäre Gedanken gegen die eines geplanten Lebensentwurfs eintauscht, man mag sich doch fragen, ob das politische Interesse der Studierendenschaft abnimmt – sofern überhaupt vorhanden, jedenfalls in unserer beschaulichen Kleinstadt. Gewiss ist Vechta keine klassische Universitätsstadt, die Studenten identifizieren sich wahrscheinlich weniger mit ihrer Hochschule als Studierende anderer Unis.
Immerhin, ein kleiner Teil der Studierenden engagiert sich, im AStA, StuPA, beim Linken Vechta, oder bei uns in der Redaktion…, auch wenn die Motivation, sich außerhalb des eigentlichen Studiums zu betätigen, wohl aufgrund der Straffheit des BA/MA-Studiums wohl immer geringer ausfallen wird.
Prof. von Laer sagte im Rahmen der Informationsveranstaltung zum Studiengebührenboykott, es sei nicht der Sinn der Universität, ein wirtschaftliches Unternehmen zu sein, sondern nach der Wahrheit zu forschen. Forschen wir, die Studierenden, nach der Wahrheit?
Haben wir, die Studierenden, eine gesellschaftliche Verantwortung, gegen eingefahrene Strukturen anzugehen und frischen Wind in die alltägliche Welt der Praxis zu bringen?
In einem Artikel in der taz über eines der Camps in Rostock während des G8-Gipfels wurde unter anderem über eine Studentin berichtet, Mitte 20, aus Berlin, studiert Sozialpädagogik und will die Welt verändern. So etwas meine ich aber gar nicht zwangsläufig, dass jeder Student nach Heiligendamm hätte fahren sollen oder ähnliches.
Ich meine vielmehr, dass wir darauf achten, was uns an dieser Welt stört, dass wir nicht so werden wie die Menschen, die ihre eingefahrenen Muster haben und jegliche Veränderung ablehnen. Menschen, die nicht mehr nach links und rechts schauen und nicht sehen, was sie eigentlich machen. Es fängt in uns selbst an.
von Björn Franke
Fotos: Karen Ishikawa & Björn Franke

Liebeserklärung an die Uni Vechta

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Liebe Uni
Als ich dich das erste Mal sah, warst du nur ein kleiner Haufen Institute und Gebäude irgendwo am Rande der Norddeutschen Tiefebene. Umgeben von Gefängnissen und Schweinefarmen blieb mir dein Glanz verborgen. Das Auto brachte mich in deine Stadt und hätte ich nicht rechtzeitig gebremst, wäre ich, ohne es zu bemerken, durch Vechta hindurch gefahren, ohne dich von innen betrachtet zu haben.
Das erste Mal, als ich deine Hallen betrat, war für mich kein Ereignis großartiger Empfindungen, die ersten Dinge, die ich von dir sah, lösten keine Begeisterungsstürme in mir aus.
Jedoch vertraten deine Mitarbeiter dich mit Stolz. Deine Studenten sind kommunikativ und lebensfroh. Deine Bibliothek ist übersichtlich und doch fundiert. Deine Mensa wartet mit leckeren Gerichten auf. Deine Parties sind der Mittelpunkt sämtlicher Gerüchte und Geschichten. Dein Standort ist gesichert. Die Wohnmöglichkeiten in deiner Nähe sind luxuriös. Dein Bistro erleichtert mit seinem Fairtrade-Kaffee das Durchhalten. Deine Abschlüsse sind erstrebenswert. Deine Parkplätze sind liebevoll angelegt. Deine Auslandskontakte sind brilliant. Und dein Studentinnenanteil lässt das Herz eines jeden Mannes höher schlagen.
Und darum frage ich dich: Willst du mit mir in den Master gehen?
Ja ( ) Nein ( ) Vielleicht ( )
Deine Ihna Grensemann

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