Katharina Debbeler
Inhaltsverzeichnis:
- [↓] PDF: PDF-Version der 21. Ausgabe
- [↓] Kultur - Studentisches: Vechta ist einfach langweilig?!
- [↓] Interviews - Säulen der Uni: Wer Autos repariert, schafft Räder mit links
- [↓] Perlen der Bibo: Mit Geduld zum Glück
- [↓] PDF: PDF-Version der 20. Ausgabe
Vechta ist einfach langweilig?!
Veranstaltungen ohne Studenten
Klar, das Provinznest Vechta ist nicht gerade der Ort, an dem man erwartet, auf kulturelle Hochgenüsse zu stoßen. Die Studenten fahren, vor Langeweile geplagt, nach der Uniparty heim und gehen dort ins Theater oder auf Lesungen. Naja, es ist nicht nur in Vechta so. Auch im schicken Ludwigshafen schauen die Studenten lieber RTL, betrinken sich oder lernen für ihre Dauerprüfungen.
Die frischgebackene Universitätsstadt sieht diesen Zustand jedoch nicht als aussichtslos. So berichtet Dr. Frank Käthler, Amtsleiter für das Amt für Medien, Marketing, Kultur und Wirtschaftsförderung der Stadt: „Im Gegensatz zum letzten Jahr hat die Anzahl der Theatergänger zugenommen. Mag sein, dass das an der Auslagerung von Vorlesungen ins Metropol liegt, wo Angebote besser registriert werden. Außerdem planen wir mit dem AStA zusammen Veranstaltungen. Auf jeden Fall werden die Studenten stärker aufmerksam gemacht, ob sie kommen, ist natürlich eine andere Geschichte.“ So gibt es am 25. April im Gulfhaus einen Kabarettabend mit Klaus Urban.
Ludger Hausfeld, Geschäftsführer des Gulfhauses gibt an, dass auf den wöchentlichen Veranstaltungen kaum Studenten anzutreffen seien. Kein Wunder?
Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass vieles schlechter gemacht wird, als es tatsächlich ist. Wenn man als freie Mitarbeiterin der hiesigen Regionalzeitung, wöchentlich in Konzerten, Lesungen und Theaterstücken sitzt, fällt schnell auf, dass unbekannte Künstler sehr wohl in der Lage sind, in ihrer Materie aufzugehen, die Menschen zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.
Zum vergangenen Weltfrauentag wurde in der Uni-Aula ein Kabarett veranstaltet. Sicher könnte man, wie 1968 BHs verbrennen, Männer verfluchen und versuchen den Papst zu stürzen. Allerdings wäre es auch nicht schlecht, bei sich selbst anzufangen. Sia Korthaus, hat es geschafft zu zeigen, wie unsinnig manche Alltagserscheinungen sind. Und wer kennt schon Sia Korthaus?
Könnte man nicht, trotz Provinzmief und Dauerstress einen Versuch wagen? Schaut man in den Kulturkalender, gibt es durchaus viele Angebote, die relativ günstig sind. Provinzieller und öder als in anderen öden Provinzen sind sie wahrscheinlich nicht. Und die Wiederholung von „Bauer sucht Frau“ gibt es auch im Internet, ohne Werbung.
von Katharina Debbeler
Wer Autos repariert, schafft Räder mit links
Ingo Knierim - Der Mann aus der Fahrradwerkstatt
Egal ob ein platter Reifen oder ein Schloss ohne Schlüssel. Dieser Mann kann alles richten: Ingo Knierim, 33 Jahre alt, gelernter Automechaniker und seit einigen Semestern Student der Sozialen Arbeit an der Universität Vechta. Er übernahm 2009 die Fahrradwerkstatt, aber sucht inzwischen nach einem Nachfolger und hofft auf Interessenten.

Bild: Ingo Knierim
Ingo, Du machst schon seit einigen Jahren die Fahrradwerkstatt. Wie bist Du an den Job gekommen?
Ich habe meinen Vorgänger Robert bei einem Fußballturnier kennengelernt. Er meinte, wenn ich Autos reparieren könnte, würde das ja auch mit Rädern gehen. Von ab und zu einem Fahrrad entwickelte sich das Ganze doch zu sehr vielen Fahrrädern. (lacht)
Wie viele Räder hast Du in der Woche?
Das ist unterschiedlich, (überlegt) aber im Schnitt etwa 10. Oft sind es nur Kleinigkeiten, wie ein loser Stecker, eine lose Kette oder ein platter Reifen.
Und Dein Geld verdienst Du mit den Einnahmen, die Du über die Reparaturen erwirtschaftest?
Genau. Die Uni unterstützt mich, indem sie den Strom und die Heizung übernimmt. Der AStA hat meinem Vorgänger Robert ein Startkapital überlassen, um eine gewisse Basis an Ersatzteilen, also Ketten, Schläuche und Mäntel anzuschaffen.
Mit deinen 33 Jahren bist Du doch schon recht alt. Was hast Du vorher alles gemacht?
Zuerst war ich auf der Realschule, dann habe ich eine Ausbildung zum Automechaniker gemacht. Anschließend kamen das Fachabi und der Bund. Danach studierte ich fünf Semester lang Maschinenbau. Das war aber gar nicht mein Ding. Dann arbeitete ich wieder.
Wie bist Du auf deinen jetzigen Studiengang gekommen? Automechaniker, Maschinenbau und soziale Arbeiten passen ja nicht wirklich zusammen.
Mein Ziel ist es diese Bereiche miteinander zu verbinden. In Lohne zum Beispiel gibt es von der Caritas eine Fahrradwerkstatt, in der Schulabbrecher über das Handwerk wieder einen Sinn im Leben bekommen sollen. So etwas in der Art würde ich später gerne machen.
Hast Du eigentlich noch Freizeit mit Deinen ganzen Rädern?
Ja klar, ich wäre zwar bestimmt ein Semester eher fertig geworden, aber ich konnte meinen Lebensunterhalt zum Teil selbst bestreiten und das war mir wichtig. Sonst spiele ich noch Fußball in der zweiten Mannschaft von Oythe. Außerdem verbringe ich noch viel Zeit im Wohnheim und mit meiner Freundin.
Wie lange bist Du noch da?
Ich denke bis Anfang/Mitte Sommersemester 2012. Aber stressen, meinen Schuppen leerzuräumen, muss ich mich bis jetzt noch nicht.
Das Interview führte Katharina Debbeler.
Mit Geduld zum Glück

Cover: Anaconda Verlag
Seit Jahrhunderten träumt jedes Mädchen vom perfekten Mann mit einer ebenso tadellosen Familie. Auch zu Jane Austens Zeiten, dem England des ausgehenden 18. Jahrhunderts, gehören solche Fantasien eindeutig dem Reich der Märchen an – wie Fanny Price, die Protagonistin des Klassikers „Mansfield Park“ am eigenen Leib erfahren muss.
Fanny, ein schüchternes, intelligentes und grundgutes Mädchen hat trotz ihres höchst weiblichen Wesens wenig Glück im Leben. Sie kommt aus armseligen Verhältnissen und muss aus unergründlichen Motiven bei ihren versnobten Verwandten in „Mansfield Park“ leben. Die Bertrams machen ihr mit persönlichen Angriffen und ständigen Forderungen das Leben zur Hölle. Ihre einzigen Lichtblicke sind Onkel Sir Thomas und Cousin Edmund. Nicht verwunderlich, dass sich Fanny in den freundlichen und vollkommenen Vetter verliebt. Doch wie immer kommt es zunächst anders als erhofft.
Denn das Geschwisterpaar Crawford, das sich dreist in Fannys Leben drängt, zieht in das benachbarte Anwesen. Mary, eine zickige High Society-Göre schmeißt sich charmelos an Edmund ran. Auch ihr Bruder Henry sieht sich genau nach den Damen von Mansfield um. Als er die Töchter des Hauses genügend umworben hat, fällt ihm Fanny ins Auge, die er aufgrund ihrer Ablehnung zu ehelichen beschließt.
Trotz der „guten Partie“, die der reiche Henry abgäbe, lehnt Fanny den Antrag ab. Sir Thomas ist außer sich und schickt seine unbeugsame Nichte zu ihren Eltern. In der heruntergekommenen Behausung beginnt eine Zeit der Langeweile und Armut. Entgegen ihrer vorherigen Antipathie freut sie sich über Briefe der vormals furchtbaren Mary und über Besuche von Henry. Vielleicht findet das ungleiche Paar ja doch noch zueinander.
Jane Austen: Mansfield Park
Signatur: 138032 (englische Version)
Signatur: 138032 (englische Version)
von Katharina Debbeler

