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Matthias Christ

Inhaltsverzeichnis:

Ist Toleranz intolerant gegenüber Intoleranten?

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Toleranz, Akzeptanz und Engstirnigkeit. Wo fängt das eine an, wo hört das andere auf? Die meisten Menschen stellen sich diese Frage nur selten und meist entdeckt man auch gar nicht, wie einige Menschen in der Richtung denken. Sind es anerkannte Wissenschaftler, die fordern man solle sozial-schwachen Familien doch endlich die Fähigkeit zur Fortpflanzung nehmen, da sich sonst das soziale Elend karnickelartig ausbreiten würde oder aber ob in vielen Ländern gerade uns Deutschen immer noch viele Ressentiments der nationalsozialistischen Gräueltaten nachhängen. Wer schon mal von einem aufgebrachten Holländer mit seinem Hund von seiner Einfahrt weggejagt wurde mit den Worten “f[..] german n[..]“(vgl. aufgebrachter Holländer 2005), weiß, wovon ich spreche.
Aber ist es ok, wenn Türken Türkenwitze machen oder Judenwitze von Deutschen erzählt werden? Wo hört es auf, wo sind die Grenzen des Geschmackes? Sollte es Grenzen geben oder sind gerade diese Tabuisierungen schädlich? Fragen über Fragen und wie immer keine Antworten. Daran sind gewiss die da oben Schuld, die sich unser Geld in die Tasche stecken (vgl. Bild immer).
Nachdem so viel über Vorurteile geredet wurde, sind wir eigentlich frei davon? Vorurteile dienen uns gewiss die Realität zu vereinfachen. Das als große Entschuldigung und Neuentdeckung regelmäßig gefeierte Konzept der Vereinfachung, soll hier jedoch nicht gewürdigt werden. Denn es ist schlichtweg einfach eine Ausrede. Jeder kann die Welt herunterbrechen, aber es muss möglich sein, davon auch wieder wegzukommen und jeden Menschen als Individuum zu sehen. Alle fordern es, aber nur wenige gestehen es auch anderen zu, indem sie sie nicht in Schubladen stecken. Nicht umsonst heißt es regelmäßig: Da kommt die Tussi oder da der Streber. Fast immer dienen sie der eigenen Überhöhung. Man ist eben nicht die oberflächliche Tussi oder der „freakige“ Streber. Dummerweise ist man immer irgendetwas und sobald man etwas ist, kann man von anderen darauf reduziert werden und in einer weiteren fiesen Schublade feststecken. Es könnte also langsam Zeit werden für eine etwas komplexe Sicht auf die Menschen, die die eigene Wertigkeit relativiert, aber nicht verneint. Eine beliebte Diskussion in diesem Feld ist das Verbot der NPD. Natürlich ist es fraglich, ob wir zulassen sollten, dass „Feinde der Demokratie“ Mitspracherecht in unserem Land haben und die Vorzüge einer Partei genießen dürfen. Aber, dass wir ihnen die Gründe dafür liefern, wird oft nicht mitbedacht. Menschen wenden sich von ethischen und moralischen Vorstellungen ab und folgen populistischen Strömungen, die kurzfristig Aussicht auf Besserung garantieren, nicht ohne Grund.
Die Tendenz Dinge herabzuwürdigen ist dabei Bestandteil der menschlichen Geschichte seit jeher schon. Angefangen bei Sklaven über Massentierhaltung bis Gen-Mais. Woher nehmen Menschen das Recht zu sagen ihre Art der Homosapiens sapiens wäre mehr wert, als eine andere? Die meisten Begründungen zur Unantastbarkeit des Lebens beruhen auf normativen Setzungen, die sich nur auf Menschen beziehen. Konsequente logische Überlegungen scheitern meist daran zu begründen wo die Unterschiede sind von Mensch zu Tier ohne den Randbereichen (bsp. Kleinkinder oder behinderten Menschen) die Existenzgrundlage zu entziehen. So ein Mist, wir können nicht begründen, warum wir Organismen halten um sie zu töten, bei uns selbst jedoch strikt dagegen sind. Wir bevorzugen uns offensichtlich nur auf Grund unserer Rasse. Diese gewagte These, die u. a. Peter Singer vertritt, zeigt auf, wie labil unsere Sicht auf die Dinge und die in ihr vorhandenen angeblichen Wahrheiten ist. Bevor Menschen sich also anmaßen Dinge zu kategorisieren und zu beurteilen, sollten sie vielleicht erst einmal ihr eigenes Weltbild auf die Probe stellen.
Die alten Vorstellungen von Gut und Böse sind lange hinfällig und spiegeln nicht die komplexen Folgen einer realistischen Denkweise dar. Kausalität kann fast beliebig ausgedehnt werden und gute Dinge können zu schlechten Dingen führen und umgekehrt. Nicht einmal die Sichtweise ob gut oder böse muss immer gleich sein. Während die betrogene Ehefrau den nichts-ahnenden Ehemann als Schwein bezeichnet und ermordet, hat die Geliebte ihr Glück verloren. Aber wie soll der Mensch dann mit der Realität umgehen? Wenn der Müllmann nicht als Ziel des Spottes gelten darf und „Fette“ vielleicht sogar wertvollere Menschen sind als die schlanke Beautyqueen. Und welche Rolle spielt Schönheit überhaupt? Kann der Versuch anderen zu gefallen überhaupt als Schönheit gewertet werden oder ist er nur Ausdruck der eigenen selbstsüchtigen Wünsche nach Akzeptanz? Aber zum Glück haben wir ja noch strikte Anti-Haltungen. Atheismus, Punks, Einzelgänger, sie alle wollen sich von der Masse auf ihre Weise abheben und machen leider häufig eine eigene Sparte der Intoleranz auf. Argumentieren die einen, der Glaube wäre massenhafter Infantilismus und würde die Menschen blenden zum Zweck der Selbstbereicherung und Kontrolle, greifen die anderen die Angepasstheit des normalen Menschen an oder ziehen sich gleich ganz aus der Gesellschaft zurück. Der Schlüssel scheint ein Konzept zu sein, was nicht ohne weiteres einleuchtet.
Entgegen der Prämisse des Selbstbewusstseins, ist es vielleicht ab und an gut zu realisieren, dass Menschen gar nicht so viel wert sind. Sie sind auch nur Organismen, die aufgrund chemischer und elektrischer Prozesse mehr oder minder ihre Aufgaben erfüllen. Trotz allem ist damit nicht Mördern und Unsicherheit Tür und Tor geöffnet. Vielmehr sollte man ihn relativieren und nicht so übertreiben, wie es einige Anhängerin der Emanzipation tun und hinter allem und jedem eine Diskriminierung der Frauen sehen und darüber vergessen, dass Frauen gerade weil sie anders sind als Männer und andere Ansprüche haben, sich zwar nicht im Wert von ihnen unterscheiden (alle sind ja gleich unbedeutend), aber dennoch anders behandelt werden sollten. Eine übertriebene Homogenisierung von Dingen kann also auch schädlich sein.
Unterschiede sind also gar nicht so schlimm und sollten von uns eher als Chance begriffen werden Neues zu entdecken und seine alten Denkmuster verlassen zu können.
Angemerkt sei noch, dass die vorgestellten Denkströmungen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder mir darstellen, sondern lediglich herausfordernde und aggressive Ansätze sind das Denken der Leute einmal andersherum zu interpretieren.
von Matthias Christ
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WG-Leben

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Von DER Form studentischen Zusammenlebens
Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf mein Bett, während ich langsam die Augen öffne. Es ist kurz vor 7. Die kühle Morgenluft ist angenehm im Vergleich zur Hitze des gestrigen Tages. Am liebsten möchte ich nicht aufstehen, auch wenn ich weiß, dass die Vorlesungen um 8:30 Uhr beginnen. Gerade bereit, mich noch einmal für fünf Minuten umzudrehen und möglicherweise etwas zu verschlafen, höre ich eine Tür aufgehen und eine andere sich verschließen und weiß: Oh Scheiße, jemand ist im Bad.
Wer sich für ein Leben in Vechta, auch wenn es nur für die 3-4 Tage an der Uni ist, entschieden hat, der weiß, wovon ich spreche. WG-Leben ist in einer Stadt, in der fast jeder Einwohner Räume an Studenten vermietet, wohl eine der häufigsten Formen des Wohnens. Ganz getreu unserer Serie uniPlay finden gerade in WGs die Abenteuer des Alltags statt.
Foto: Alexander Braun / aboutpixel.de
Putzen, Schrubben und Saugen
Der Hausputz ist ein beliebtes Thema in jeder WG. Wo viele Menschen zusammenleben und jeder es irgendwie nicht richtig einsieht, den Schmutz des anderen immer mit wegzuräumen, dort müssen Lösungen gefunden werden.
Diese sind oft vielfältig und reichen von verzweifelter Aufgabe und Versinken im Müll (Das ist doch gemütlich!) bis hin zur strikten Planung durch einen sogenannten Putzplan (Hält sich ja eh keiner dran!). Aber selbst wenn die anstehenden Aufgaben erledigt werden, so gibt es immer noch himmelweite Unterschiede zwischen „das Waschbecken sauber machen“ und „das Waschbecken wirklich sauber machen“. Sofern man nicht zu empfindlich ist, sollte man jedoch in der Lage sein, früher oder später die Sachen zu regeln.
Küche, Geschirr und Kochen
Ein anderes Betätigungsfeld ist die Küche. Von jedem gerne genutzt zur schnellen Bereitung eines köstlichen Studentendinners (Ja, es war Ironie), aber von keinem gerne aufgeräumt. Dabei ist das sich teilweise stapelnde Geschirr nur ein Teil des Problems. Backende Oberflächen, Krümel und Spritzer von Nudelwasser sind alte Freunde, die man in vielen WG-Küchen antrifft. Die obligatorischen Alkoholrückstände (Flaschen, was sonst) sind natürlich auch immer mit von der Partie. Die wenigen WGs, die einen Geschirrspüler ihr Eigen nennen können, haben es natürlich besser. Sie dürfen sich darüber streiten, wer denn mal wieder das Hightech-Gerät ausräumen darf. Allerdings ist natürlich nicht alles schlecht. Immerhin kann man sich mal ab und zu was vom Mitbewohner ausborgen, der die Wurst eh nicht mehr essen wollte (bestimmt!).
Freundschaften, Beziehungen, Familien
Neben diesen Dingen gibt es natürlich auch noch Personen in so einer WG. Das gefährliche Netzwerk zwischen ihnen, was einem Irrgarten aus sozialen Fallen gleichkommt, ist hochkomplex und oft von Außenstehenden nicht zu durchschauen. Abzuraten ist jedoch von Beziehungen in einer WG. Es ist schön seinem Ex jedem Tag in der Küche zu begegnen (isn’t it?). Aber auch Freundschaften können gefährlich sein. Nicht unbedingt für die, die sie haben, aber als Dritter sollte man immer bemüht sein, sich nicht abhängen zu lassen. Sonst steht einem schnell das gesellschaftliche Aus bevor. Nicht selten wird dann ohne den- oder diejenige etwas beim Italiener bestellt. Oder aber der gemeinsame Einkauf endet darin, dass man alleine abends zum Combi läuft, um schnell noch was zu kriegen, weil man ja den ganzen Tag auf die anderen gewartet hat (freundlich, wie man ist!). Großartig ist, wenn die Familien der Mitbewohner mal zu Besuch kommen. Meistens werden sie schnell ins Zimmer verfrachtet (hoffentlich hat keiner gesehen, wie Mami mir nen Kuss auf die Wange gedrückt hat!). Der gute Ruf und die Coolness stehen oftmals auf dem Spiel. Man ist ja nun erwachsen und hat die Eltern eh nur aus Höflichkeit mal eingeladen. Allerdings scheinen alle eine Art Konsens darüber zu haben, dass man die Eltern gegenseitig in Ruhe lässt und versucht sich nicht zu zeigen.
Foto: Jack Simanzik / aboutpixel.de
Bad – The Place to be!
Was gibt es Schöneres: Es ist 7 Uhr, die Uni fängt bald an und das Bad ist belegt. Dabei musste man eigentlich schon am Abend zuvor, war aber von seiner harten Studierarbeit zu geschafft (eigentlich hat mal wieder jemand eine halbe Stunde geduscht), um das Klo noch aufzusuchen. Neben fantasievollen Plänen, die Uni-Toiletten zum Zähneputzen zu benutzen, freut man sich jedoch trotzdem, wenn das Bad endlich frei wird. Erleichterung macht sich breit und man ist außerdem froh, sich endlich fertig machen zu können in der Gewissheit, dass mindestens einer gerade auf die Uhr schaut, wann man denn endlich fertig sei. Auge um Auge, Zahn um Zahn!
Tiere
Eine schöne Abwechslung im WG-Alltag sind Tiere. Selten trifft man sie zwar an, aufgrund von besorgten Vermietern, aber wenn, ist es immer spannend, da sie das WG-Leben mit allerlei Problemen bereichern. Gut ist, wenn sie nur einem gehören, der sie wirklich will. Das klärt alle Zuständigkeiten und man kann sich mehr auf die angenehmen Dinge konzentrieren (Gilt natürlich nicht für den Besitzer!).
Geld
Manche Dinge wirken auch ohne Rahmen abschreckend genug. Eine solche Sache ist Geld. Wann immer es an den Geldbeutel geht, sind Probleme schon vorprogrammiert. Fragen nach dem Sinn des Lebens, verzweifelt artikuliert in der Frage: “Wer zum Teufel verbraucht immer so viel Klopapier?”, gefolgt von wilden Untersuchungen des Verbrauchs sind nur einige utopische Auswüchse des WG-Sprengers schlechthin. Wer bezahlt eigentlich immer die Staubsaugerbeutel und Putzlappen und die ganzen Reiniger? Solange ich es nicht bin, bin ich auf jeden Fall einverstanden!
Spaßig wird es auch, wenn Dinge gemeinsam angeschafft werden und hinterher beim Ausziehen es doch ganz sicher Mitbewohner A war, der das meiste dazu bezahlt hat und deswegen auch alle Ansprüche geltend macht, das Objekt seiner Begierde zu behalten.
© Jörg Siebauer / PIXELIO
The Room
Häufig besteht eine Art magische Grenze in einer WG. Die Türschwelle zum Zimmer der anderen ist oftmals heilig. Nur selten fühlt man sich eingeladen genug die unsagbare Mauer zu überwinden. Immer fühlt es sich irgendwie komisch an. Man will ja nicht zu aufdringlich wirken, aber Alkohol kann häufig Berührungsängste aller Art kurieren. Dr. Vodka ist eben der Beste! Es ist allerdings auch gefährlich, zu leichtfertig mit dem Raum der anderen umzugehen. Verschwindet etwas, wird man immer komisch angeguckt und zumindest der Typ, der einen eh nie leiden konnte, vermutet, man habe damit etwas zu tun. Troublesome!
Vor allem unangenehm ist der erste Besuch der Mitbewohner im eigenen Zimmer. Es wird sich umgeschaut und man kommt sich vor, als hätte man das eigene Leben an die Wände geschrieben und jeder könne nun offen darin lesen. Glücklicherweise hatte man vorher aufgeräumt. Das war natürlich keine große Arbeit, denn das Zimmer ist immer so ordentlich. Wirklich!
Ein beliebter Sport ist es auch die Zimmer der anderen zu benennen. Ob es nun das Schlösschen oder der Bunker ist, Hauptsache ist, es spiegelt auf mehr oder weniger ironisch Art und Weise den Raum und seinem Bewohner wieder.
Do Re Mi Fa …
Musik ist natürlich ein beliebtes Thema in WGs. Jeder kennt eigentlich den Musikgeschmack des anderen. Die Wände sind ja dünn genug, so dass man sich auch nachts noch von den Geräuschen des Nebenraumes entspannt wach halten lassen kann und nicht in unangenehme Träume verfallen muss. Wie praktisch! Gut ist, wenn die Musikgeschmäcker etwa übereinstimmen. iTunes-Mediatheken werden getauscht und alle sind zufrieden. Im schlimmsten Fall jedoch trifft Klassik auf Metal und leider ist jede der Personen davon überzeugt, dass seine Musik wertvoll wäre und die andere lediglich Geräusch darstellt.
Spannend wird es, wenn die nächtlichen Geräusche nicht von einem Menschen, sondern von Zweien erzeugt werden. Es ist ja nicht so, dass man dem anderen seinen Spaß nicht gönnt, aber ich muss morgen früh um 6 raus und es dauert jetzt schon 1 Stunde. Irgendwann ist doch auch mal gut!
Rauchen
Gibt es einige wenige glückliche Raucher, die in einer Raucher-WG gelandet sind, so gibt es auch etliche, die mit den lieben Nicht-Rauchern ihre Zeit verbringen müssen. Nur weil die ihre Gesundheit so schrecklich wichtig nehmen, muss ich mich selbst bei gefühlten -20°C draußen vor die Tür stellen. Eine Frechheit. Aber auch die Erfindung sogenannter Inhalationsräume (Raucherzimmer) ist eine interessante Antwort auf das Problem. Der Raum indem man problemlos Forellen räuchern könnte ist das Klein-Od einer jeden WG, in der Raucher leben. Ein Schutz gegen die Kälte und eine Möglichkeit über die Nicht-Raucher zu lästern, die wahrscheinlich gerade Salat oder so etwas essen. Ha, Spießer!
Wenn man also nichts dagegen hat, im Schmutz zu versinken, der Waschmaschine gerne um 3 Uhr morgens lauscht, nichts gegen Auflaufexzesse und Alkoholausschweifungen hat und eigentlich eh nicht so aufs Geld schaut, dann sollte man nicht davor zurückschrecken, in eine WG zu ziehen. Es ist auf jeden Fall eine besondere Zeit, die man nicht so schnell vergessen wird. Ach und eigentlich hat man in Vechta eh keine andere Wahl.
von Matthias Christ
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Von dumm zu dümmerer und wie Goethe dabei helfen kann

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Hoffnungslos gestrandet im Leben? Keinen Plan, worum es eigentlich gerade geht? Überall lauter Fragezeichen?
Das muss nicht sein! uniVista präsentiert:
Doof It Yourself, die entspannende, leichte Lektüre für den Heimgebrauch.
Der nicht ganz ernst zu nehmende Leitfaden für die Generation Doof. Oberflächlich, platt und eigentlich nicht lustig, zaubert es dennoch ab und an ein Lächeln auf den geneigten Akademiker (Ein Tipp des Buches: Leute imitieren; hier: Goethe).
Der Preis für die All-Round-Lebenshilfe, unfassbar! 0,00 € und das ganz ohne Geld. Frei in der Bibliothek. Ich bin doch nicht blöd! Obwohl das Buch was anderes sagt …
Wer also Bilding, Arbeiting, Unterhalting und Liebing mal aus einer platten Perspektive betrachten mag und sich nicht mit hochtrabenden Worten aus der Affäre stehlen will, der sollte sich die Bild-Brille anziehen und einen Blick auf dieses Kleinod werfen.
Daher schließe ich mit den Worten: “Lernen und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Lernen ohne Genießen verhärmt, Genießen ohne Lernen verblödet.”
Stefan Bonner & Anne Weiss: Doof it yourself
Signatur: 401889
von Matthias Christ
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Klausuren, von Bologna zum Spicker

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Was hat sich nach dem Bildungsstreik wirklich geändert?
Foto: Jenniffer Malenz
2010, das letzte Jahr des Bologna-Prozesses. Viel ist passiert seit dem Aufkommen der Idee einheitliche Standards für den europäischen Hochschulsektor zu schaffen. Die grundlegende Idee der internationalen Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen ist gut, aber die praktische Umsetzung lässt einige Wünsche offen. Auch hier in Vechta haben sich die Studenten gegen diese Missstände erhoben, wie bereits in der letzten Ausgabe (uniVista No. 14) berichtet. Doch was hat sich geändert? Die Erinnerungen an die AP-Jagd verblassen und die Post-its, die man noch vereinzelt findet, sind die letzten Überbleibsel dieser Tage.
Nach allen Versprechungen und geglückten bzw. weniger geglückten Reden in der Aula fand sich schnell wieder der Alltag ein. Die Klausuren standen an, ohne dass sich große Änderungen ergeben hätten. Jedoch bestimmen gerade diese maßgeblich die Vergleichbarkeit eines Hochschulabschlusses. Immerhin zeigen sie an, dass man in einem speziellen Modul den Unterrichtsstoff sehr gut, gut bis hin zu ausreichend verstanden hat und wiedergeben kann. Sie sind also Messinstrumente. Aber wie kann man internationale Vergleiche anstellen, wenn es selbst innerhalb eines Studienganges große Spielräume zur Gestaltung einer Klausur gibt?
Eine Klausur beispielsweise kann aus verschiedenen Komponenten aufgebaut sein.
Den größten Anteil stellen meist die Multiple-Choice-Fragen, aber auch Rechnungen sowie offene Fragen können enthalten sein. Vergleicht man Multiple-Choice-Fragen mit offenen, so zeigt sich, dass neben der Abfrage von Wissen auch das Ausdrucksvermögen mit geprüft wird bei letzteren. Jemand, dem es nicht gelingt Sachverhalte präzise darzustellen, hat es hier oft schwerer als andere. Eine Rechenaufgabe wiederum stellt neben den erst genannten Fragetypen eine besondere Kategorie dar, denn sie verlangt außer dem Wiedergeben von Wissen auch das Anwenden. Dies kommt zwar auch in den anderen Fragetypen vor, aber in geringerem Ausmaß.
Eine Modulabschlussklausur kann also erheblich im Schwierigkeitsgrad und in den Anforderungen variieren. Die APs hingegen variieren nicht unter diesen Aspekten.
Foto: Jenniffer Malenz
Selbst wenn man dies außer Acht lässt, so kommt man zum nächsten Problem der Klausuren: Manche Module müssen mit einer Prüfung beendet werden, die für 3 Teilmodule übergreifend ist. Bei anderen muss man lediglich eine Prüfung in einem Teilmodul machen. Dennoch sind die APs gleich.
Auch der anfallende Workload ist keineswegs vergleichbar, da unterschiedliche Dozenten unterschiedlich schnell durch den Stoff gehen und somit Qualität und Quantität der Themen variieren. Einige Teilmodule können außerdem lediglich durch Anwesenheit abgeschlossen werden, da man in nur einem Teil-modul eine Prüfung schreiben muss. Was folgt, ist die obligatorische körperliche Anwesenheit in diesen Veranstaltungen.
Zu guter Letzt gibt es noch das Problem, dass es neben Klausuren auch mündliche Prüfungen und Referate sowie Hausarbeiten gibt. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark in Schwierigkeit und Umfang. Wer jetzt denkt, dass sich aufgrund der hohen Anzahl an Prüfungen während eines Studiums die einzelnen Ungerechtigkeiten gegenseitig aufheben, sollte bedenken, dass jede Note in den Klausuren hinterher mit darüber entscheidet, ob man einen Arbeitsplatz erhält oder ein Masterstudium beginnen darf.
Aus dieser Sicht wird es sogar fast unverantwortlich gegenüber der eigenen Zukunft nicht in einer Klausur zu betrügen, wo es nur geht. Gerade die Massenklausuren bieten allerlei Anlass zu Unterhaltungen, Spickern oder Internet-Handy-Suche aus gutem Grund.
Wenn man all dies abrechnet, so bleibt letztlich noch die Frage, wie gut man durch so eine Prüfung auf das Berufsleben vorbereitet wird. Lerne ich etwas für meinen Arbeitsplatz als Lehrer, Sozialarbeiter oder Manager?
Häufig erhält man nicht einmal die Gelegenheit die Klausur einzusehen und seine Fehler eventuell nachzubereiten. Aber darüber hinaus muss man sich fragen, was es mir bringt Definitionen von 1990 auswendig gelernt und die Bescheinigung darüber in Form einer Note erhalten zu haben, wenn es um das echte Anwenden von Wissen in Form von kritischen Entscheidungen geht, die das Leben von Menschen beeinflussen. Langfristig stellt das sogar den höheren Qualifizierungsgrad durch ein Studium infrage, da man sehr häufig lediglich nachweist, dass man ein gutes Gedächtnis hat, anstelle der Kompetenz mit dem gelernten Stoff Probleme lösen zu können.
Es darf also nicht mit dem Protest enden, nun müssen Lösungen gefunden werden.
von Matthias Christ
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Geht nicht, gilt nicht

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Foto: Karl-Eckhard Carius
Porträt eines Künstlers, Gestalters und Pädagogen
Wieder einmal schneit es, wie an so vielen Tagen dieses Winters. Der Weg, den ich gehe, ist halb von Schnee und Eis bedeckt. Es ist fast mittags, nur noch wenige Stunden trennen mich von der bis dahin einzigen Mahlzeit des bisherigen Tages. Aber dennoch bin ich nicht auf dem Weg in die Mensa. Mein Weg führt mich ins N-Gebäude, welches direkt hinter meinem vermeintlichen Ziel liegt: 1. Stock.
Um 10 Uhr dieses 28. Januars findet dort ein Treffen statt, von dem ich nicht weiß, was mich erwartet.
An diesem bewölkten Januartag traf ich das erste Mal auf Karl-Eckhard Carius, der derzeit in der von ihm geleiteten Arbeitsstelle für intermediäre Gestaltung forscht und künstlerisch tätig ist. Es hieß, er wolle seine Website der Presse vorstellen. Jedoch hatte ich noch nie an einem derartigen Pressetermin teilgenommen und war gespannt und auch ein wenig aufgeregt, wie es ablaufen würde. Zunächst erwartete ich jedoch nicht viel, da derartige Homepages meist selbsterklärend sind und man den Inhalt lediglich lesen muss. Ich sollte jedoch überrascht werden und einige interessante Dinge herausfinden.
Wer ist Prof. Carius nun? Vor dem Termin war er für mich ein Unbekannter. Einer von vielen, denen man gewiss irgendwo schon einmal begegnet ist. Aber das ist er nicht. Vielmehr ist es jemand, der das tägliche Leben eines jeden Studenten mit beeinflusst. Sei es, wenn wir den Studentenausweis mit dem von ihm designten Logo in der Mensa vorlegen oder über die von ihm designte Homepage der Uni Vechta Informationen einholen. Aber auch auf dem Campus hinterlässt er sein Zeichen, nämlich eines im Wind. Ich meine damit natürlich den Himmelsstürmer auf dem W+K-Gebäude der Uni, der dort seit Jahren als Symbol des Wandels und vor allem der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden steht. Denn das Projekt entstand im Rahmen eines von ihm geleiteten Seminars unter der Mitwirkung von Studenten. Auch das Studienangebot der Uni wurde durch ihn verändert. Als einer der ersten Unis in Deutschland führte Vechta das Fach Design unter der Aufsicht von Prof. Carius ein, der das Institut für intermediäre Gestaltung (IMEG) leitete. Somit behält seine Website recht: Er ist Künstler, Gestalter und Pädagoge.
Seine Internetpräsenz vereint diese drei Rollen in sich und richtet sich an ein Fachpublikum. Es wird dabei jedoch nie die Grenze hin zur bloßen Selbstdarstellung überschritten. Vielmehr sollen dem interessierten Besucher Denkanstöße gegeben werden. Dies gelingt auch, da die ganze Website von der Botschaft der zahlreichen Bilder lebt, die mal schön, mal kurios, mal trivial erscheinen, aber dennoch nicht leichtfertig abgetan werden sollten. Ein Bild beispielsweise zeigt Menschen am Strand. Diese Urlaubsidylle wird jedoch von Brandlöchern, die in das Bild mit einer Lupe eingebrannt wurden, zerrissen und die uns allen so wohl bekannte Sonne wirkt auf einmal fast feindlich auf dem Hintergrund dieses Sonnenbrand II genannten Bildes.
Es gibt aber auch Bilder, die Carius beim Spielen der Geige im Wasser zeigen, aufgenommen in Leningrad. Dass er sich damit dem KGB widersetzte, erahnt man jedoch nicht bei diesem so friedlich wirkenden Bild.
Bild: Karl-Eckhard Carius
Was mich an diesem vormittäglichen Treffen besonders faszinierte, war jedoch seine Art über die Pädagogik zu sprechen. Für ihn ist Erziehung gleichzusetzen mit Inspiration, mit dem Herausführen in eine Freiheit des Denkens, die Raum für eigene Ansätze schafft.
Denn wie sollen Innovationen in der Pädagogik geschehen, wenn wir den Pädagogen von morgen das Wissen von gestern beibringen?
Dies war daher auch nie sein Ziel. Er verstand sich eher als Türöffner, als Begleiter. Damit sei jedoch keineswegs gesagt, dass er es seinen Schülern und Studenten deswegen leicht machte. Im Gegenteil, Projekte unter seiner Leitung bezogen die Studenten stets mit ein und beteiligten sie an jeder Stufe des Prozesses. Von der Idee, über die Beschaffung der Materialien und der Finanzierung bis hin zur letztendlichen Realisation. Dadurch entstanden dann unser Zeichen im Wind oder die Giganten auf dem Dach auf der deutschen Schule in Lissabon, die u.a. großes internationales Interesse der Presse erhielten. Besonders herausragend ist das Goethe-Pessoa-Projekt, welches als Vorbild für interdisziplinäre Arbeit gesehen werden kann, aber auch als Zeichen seines interkulturellen Engagements. Die Plastik stellt die beiden großen Dichter Goethe und Pessoa einander gegenüber und befindet sich, wie auch die Giganten, in Lissabon.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der klare Überblick und die interessanten Themen die Seite zu einer zum Denken anregenden Sightseeing-Tour durch Carius’ Leben und Schaffen machen und garantiert einen Blick wert sind.
www.ke-carius.de
von Matthias Christ
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Art-Trash

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Unsere lieben Kunststudenten sind schon ein eigentümliches Völkchen. Meistens sieht man sie mit blauen Müllsäcken, unter denen sich sonderbare Handtuchhalter verbergen, durch die Flure eilen oder sie verstecken sich gleich ganz im Designgebäude. Aber offensichtlich scheinen sie ja auf bestem Wege zu einem Kunstpädagogen zu sein, denn nicht erst seit der Verhüllung des Reichstags ist klar: Künstler lieben Müllsacke! Aber sie machen nicht etwa halt bei der Verpackung, es geht in der Kunst ja auch um Inhalte. So kommt es, dass neben bemalten Klobrillen, auf einem Sockel stehenden Pissoirs und ausgestellten Betten inklusive Präservativ- und Tamponvorrat eben auch Kinderpuppen mit Penisnasen und Anusmündern ausgestellt werden. Kunst ist eben, wenn man trotzdem lacht.
Aber wer ist nun Schuld an dieser Kunstmisere? Was ist aus dem klassischen Begriff der Kunst als eine allgemeine Schönheit oder dem Vollkommenem geworden? Nun mag das Ergebnis einer öffentlichen Masturbation durchaus etwas subjektiv Schönes sein, aber ob derartige Selbstdarstellung nun auch Kunst ist? Fragen, denen es sich zu stellen gilt, wenn man nicht irgendwann das hilflose Opfer eines solchen “Happenings” werden will.
Die Gründerväter und Wegbereiter, welche die modernen Erklärungsengpässe mit gewichtigen Worten wie Surrealismus, Dadaismus oder Objektkunst füllen, mögen zwar durchaus nachvollziehbare Motive haben. Letztlich ist aber auch ein Wasserspiel mit Namen Fontäne – oben erwähntes Pissoir – fernab von Dingen, die den gemeinen Menschen zum Nachdenken bringen oder unsere Gesellschaft weiterentwickeln. Haben es Duchamp, Beuys und die in ihrer Tradition sich verstehenden Künstler übertrieben? Ist die Ignoranz der Menschen noch zu groß gegen anmutige Schlammhaufen und Selbstverstümmelung? Oder ist Kunst heutzutage doch nur noch Müll? Als wäre diese Fragestellung nicht schon schwierig genug, hatten die lieben Künstler noch eine Idee. “Wenn unsere Kunst eh nur noch als Trash angesehen wird, warum nehmen wir dann nicht gleich Abfall dafür?” Dadurch wurden die klassischen Materialien wie Stein, Glas oder Holz durch etwas ersetzt, was diese auf ganz neue Form miteinander kombiniert. Nämlich Müll.
Dass dies durchaus interessant sein kann, beweist Joshua Allen Harris, der in New York Abluftskulpturen aus Mülltüten ausstellte. Harris brachte an den Gittern der Luftschächte über den U-Bahn-Gleisen Mülltüten so an, dass diese sich durch den Luftzug der vorbeifahrenden Bahnen aufrichteten und so Giraffen, Eisbären oder gleich einen ganzen Zoo bildeten. Geht man anfangs an diesen kurzlebigen Luftgestalten vorbei, wirken sie wie Abfall. Doch durch das Leben in der U-Bahn erhalten sie eine ganz neue Form und werden vom bloßen Müll zu etwas Spektakulärem in den Straßen der Weltmetropole.
Ein anderes Beispiel, dass vor allem ältere Menschen als bloße Verschandelung ansehen, stellt das Graffiti dar. Ob nun jedes “Fuck you” auf einer Straßenbahn oder die Toiletten jeder Großstadt demnächst ins Museum gehören, sei dahingestellt. Doch auch dieses Gekritzel kann eine Form der Kunst darstellen. Darum wird es heute sogar als offizielle Auftragsarbeit ausgeführt oder als Street-Art zur Kunst gerechnet. Sogar die Sprachwissenschaft oder die Meinungsforschung sehen heute dieses “schreckliche Geschmiere” als interessantes Forschungsobjekt an. Eines ist klar, die New Yorker Lufttiere und die Graffitis in aller Welt haben große Zustimmung gefunden. Ob nun auf YouTube oder gar als Ausdruck ganzer Bevölkerungsgruppen auf den Mauern unserer Gesellschaft. Aus Müll kann tatsächlich Kunst werden.
Ein Künstler, der sich ganz in dieser Tradition versteht, ist Dieter Roth. Der 1998 verstorbene Universalkünstler hat Zeit seines Schaffens versucht vor allem sein eigenes Leben abzubilden. So verstand er sich sehr gut darauf, ein gut gewürztes Buch zu einer Literaturwurst zu verarbeiten oder alltägliche Dinge wie Schokolade, Käse oder auch Hasenkot als Teil seiner Kunst zu archivieren. Der markante Satz “Die Gegenstände, welche aus Schokolade oder Ähnlichem sind, dürfen (oder sollen) zergehen, vergehen, zerfallen, abgefressen, abgebrochen, zerschnitten, verkratzt werden – und das tut ihnen gut!” beschreibt seine Sicht auf die Kunst sehr genau.
Aber worin liegt der künstlerische Wert aus dem Kot und dem Stroh eines Hasens einen Hasen zu formen und es als Multiple zu bezeichnen? Roth stellt das Kaputte, das Vergängliche oder eben das Verschimmelte in den Mittelpunkt seiner Kunst und formte aus dieser “Scheiße” sein Lebenswerk. Den Höhepunkt fand dieser Recyclingwahn in seinem Schimmelmuseum in Hamburg, in dem Kunst weit über das Verfallsdatum aufbewahrt, zum Unglück der Nasen der Besucher jedoch nicht konserviert wurde. Aber vielleicht hat der Ekelkünstler doch etwas geschafft, was einen Wert hat. Das Thema Sterblichkeit ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Vielen fällt es schon schwer offen darüber mit anderen Menschen zu sprechen. Es ist eben etwas, dass man am liebsten von sich fernhält. Nun aber – wenn auch aus lauter Ärger darüber, dass so ein Mensch Kunstpreise erhält – setzt sich der ein oder andere vielleicht doch mit diesem Thema auseinander und vielleicht wird das im Moment noch heikle Thema doch irgendwann in der breiten Öffentlichkeit diskutierbar. Immerhin hat Dieter Roth sein ganzes Leben akribisch dem gewidmet, was andere Leute achtlos wegwerfen. Folglich sollten wir seine Arbeit auch nicht unaufmerksam auf dem Haufen des Kunstmülls entsorgen.
Nach allem Ausblick in die Welt, wie ist es eigentlich in Vechta mit der Kunst bestellt? Alles Müll? Oder Müll mit Aussage? Sind die 3 Säulen hinter dem Infopoint nur ein nett gemeinter Versuch die Kunst hineinzulassen oder stellen sie wirklich etwas dar?
Denn auch das perfekteste Gemälde kann ohne Bedeutung nicht mehr wert sein als eine Zeichnung auf einem Bierdeckel oder die Karikatur über den Lieblingsdozenten. Ein Selbstversuch soll Klarheit über die Verhältnisse an unserer Uni bringen. Also ab ins Designgebäude zu einer zufälligen Vorlesung, eine große Thermoskanne Kaffee mit im Gepäck. Los geht‘s!
Nach anstrengden 1 ½ Stunden verlasse ich den kleinen Raum indem die vielleicht 12 Plätze nur zur Hälfte genutzt werden. Eines ist mir jetzt jedoch klar: Ob o.b.-Tampons, Teebeutel oder Tetrapacks, all das verdient unsere Aufmerksamkeit. Denn die Designer von Morgen haben neben Glitzi-Elchen und Go-Go-Tänzern stets ihre knallharte Recherche im Blick, mit der sie gängige Produktverpackungen weiterentwickeln und verbessern wollen. Jedenfalls ist dies die Theorie.
Allerdings ist auch hier das Denken wirtschaftlich geprägt und die zuvor unermüdlich betriebenen Nachforschungen wurden gerade zu dieser Vorlesung dummerweise vergessen. Schade, dabei hatte man sich laut eigener Aussage doch gerade dieses Mal sehr viel Mühe gegeben. Design ist eben nicht gleich Kunst. Aber natürlich geht es hier ansonsten sehr professionell zu, denn es werden auch Materialeigenschaften besprochen und mögliche Zugänge zum Schaffensprozess thematisiert. Wie ernst es den angehenden Kunst- und Designpädagogen ist, wird spätestens beim Maschinenschein klar. Neben dem Riskieren einiger Extremitäten, wird vor allem die Geduld der zukünftigen Gestalter herausgefordert. Trotz der Abhärtung durch fachinterne Nicht-Absprache bei der Konzeption des Studienangebotes und der Fehlkalkulation von Studienplätzen in diesem Wintersemester ist das Warten auf zehn andere Kommilitonen vor der großen Kreissäge anstrengend. Glücklicherweise haben die Planungsschwierigkeiten, die manchen “zu Tränen rührten”, mittlerweile ein Ende gefunden. Die in Winterschlussverkauf-Manier durchgeführten Einschreibungen auf ausgehängten Listen in die Kurse am Grabbeltisch können also ruhigen Gewissens als Propädeutika angesehen werden. Alles natürlich, damit das Stud.IP nicht unter dem Ansturm der neuen Studenten zusammenbricht. Außerdem schadet ein wenig Nostalgie nie, früher war ja eh alles besser. Nach all diesen Strapazen kann das Studium nun also endlich beginnen. Endlich!
Aber wie geht man nun am besten mit der Kunst um? Auch wenn es einige gibt, die lediglich Aufmerksamkeit erregen wollen, damit die Kasse stimmt, Kunst ist etwas, dass man nicht einfach abtun sollte. Sie ist allemal eine Herausforderung und die in diesem Querschnitt gegebenen Beispiele zeigen, dass man nicht jeden Hundehaufen, nicht jeden Schimmelkäse, aber auch nicht jeden Studiengang gleich als Trash bezeichnen sollte. Manchmal muss man eben ganz unten anfangen, um etwas wirklich Großes zu schaffen.
von Matthias Christ
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