René Kohn

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Garantiert 100% wahr – Gerüchte an der Hochschule Vechta

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Vom Dolce-Vita-Leben eines Redakteurs über ausgelebte Träume wahrer Feuerwehrmänner und -frauen bis hin zur alles könnenden Chipkarte.
Biete 30qm möbliertes Zimmer im Laborstil mit zwei (Not-) Duschen, einem Waschbecken, zwei PCs inkl. Flachbildschirme und Drucker mit integriertem Scanner und Kopierer. Abgerundet wird das ganze Paket mit einem traumhaften Ausblick auf die Stadt (Vechta). Das Ganze erhältst du – und jetzt kommt’s – für umsonst! Nun gut, nicht ganz, denn du solltest schon ein wenig am Redaktionsleben interessiert sein, sprich den einen oder anderen Artikel schreiben können und wollen und was sonst noch so anfällt. Die eben geschilderte Ausstattung darf jeder in Anspruch nehmen, der bei uniVista mitarbeitet. Rechne also am besten nur etwa 3qm, denn neben dir arbeiten hier noch etwa 9 weitere Redakteure. Dass der Arbeitsraum umsonst ist, ist allerdings nicht zuletzt deshalb ganz sinnvoll, da diese Arbeit absolut ehrenamtlich ist. Ja, selbst die Werbeeinnahmen werden aufgelistet und kommen der Büroausstattung zugute. Immerhin bekommst du Tankgeld, wenn du Fahrten für Artikel auf dich nehmen musst. Manchmal ist sogar ein wenig Verzehr drin! Versprochen. Denke aber an die Quittungen.
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Bildquelle: Ein Teil der Grafik entstammt der Bildersammlung
des Bistumsarchivs Münster, der Urheber ist Gustav Albers.
Der Eintritt in die Redaktion erspart die leider ebenso wenig wie den Diplomern die Studiengebühren – sie alle müssen zahlen! Halten wir also fest: Für die Redaktionsarbeit gibt es kein Geld, keine (bis wenig) Vergünstigungen, und vor allem eines: jede Menge Arbeit. Das alles gibt es an der Hochschule Vechta oder sollte man besser sagen: An der Van Galen-Universität? Ja, genau, diesen Titel sollte die Hochschule einst tragen, nach dem Fürstbischof von Münster im 17. Jahrhundert benannt. Nun wird es dann doch „nur“ die Universität Vechta, also mutmaßlich. Aber allein dieser Umstand ist schon hoch zu schätzen, denn eigentlich gibt es diese Hochschule ja schon längst nicht mehr, sollte sie durch die Vorgängerregierung schon etliche Male geschlossen werden. Und wäre das eingetreten, dann hätte es in den vergangenen Semesterferien auch kein Angebot von Matthias Reim geben können. Ja, ihr hört richtig. Als Gastdozent hätte der Sänger des Gassenhauers „Verdammt ich lieb dich“ die Lücken im Wissen um die Schlagerfabrik schließen können. Tja, Pech gehabt. Bleibt immerhin noch die Möglichkeit des Selbststudiums an Mittwochabenden auf den Unipartys, allerdings nicht mehr vor B1. Wer auch immer sich nun angesprochen fühlt, möge ein wirklich schlechtes Gewissen haben. Die Entwendung von Feuerlöschern auf der wohl letzten B1-Party und deren unzweckmäßige Benutzung, einhergehend mit Beschädigungen am Uni-Inventar und an Kraftfahrzeugen, die sich in der Nähe des Campus befanden, hat dazu geführt, dass ab sofort keine Partys mehr in der Uni stattfinden. Die Außerhauspartys werden außerdem mit einer Extra-Aufwandsgebühr von 5 € pro Partygast belegt, so dass nunmehr ein Gesamteintrittspreis von stolzen 7 € zu zahlen ist, nicht zuletzt, um Jungenträume von Feuerwehrmännern weiterhin Träume sein zu lassen. Hierzu lest ihr natürlich keinerlei Presseberichte, wohl zu peinlich. Oder doch nur ein Gerücht?
Auf private Zwistigkeiten, Liebesgeplänkel und sonstigen Soap-Stoff im Dozentenkreise soll an dieser Stelle verzichtet werden. Und ganz ehrlich: Solche Gärtner- und Wer-mit-wem-und-wie-gut-oder-schlecht-Geschichten ändern sich ja doch täglich, so dass man Gefahr läuft, nicht nur längst Gewesenes zu veröffentlichen, sondern dafür auch noch eine Verleumdungsklage zu kassieren. Unschön!
Was sonst noch ganz interessant sein, mit der gut gefüllten Hochschulkasse finanziert werden und euch zu Gute kommen könnte, wären folgende Vorhaben: So wird die Hochschule Vechta ganz bald einen neuen Bühnenboden in der Aula erhalten, die Unibibliothek völlig neu konzipiert und ein (richtiger) Hörsaal nebst weiteren Seminarräumen gebaut. Ach ja, dann wird die Mensa erweitert, wofür allerdings der wirklich schöne Innenhof weichen muss; hinzu kommt eine weitere Essensausgabe, die nur Alternatives anbietet – versprochen! Und als wäre das nicht genug, wird der Campus wetterfest gemacht, d.h. ihr könnt bald im Trockenen über den Campus flanieren, unterirdisch und/oder über die überdachte Fußgängerbrücke. Ein Traum, nicht?
Und an eben dieser Traum-Uni könnt ihr bald mit nur einer Karte, die gleichsam euer Studentenausweis ist, kopieren, Bücher ausleihen und das Essen bezahlen und natürlich Bahn fahren bis nach Meppen und noch weiter. Das einzige Manko: Das alles hat seinen Preis. Für stolze 800 € ist das Studienpaket in Vechta dann zwar ein wenig teurer, aber es lässt auch keine Wünsche mehr übrig. Und nicht vergessen: den Gutschein für einen Tee in der Sprechstunde eines Dozenten eurer Wahl einlösen! In diesem Sinne immer schön weiter studieren an der baldigen Universität Vechta.
von René Kohn

B.A. – Was nun?

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Nach dem Bachelor ist vor dem Master oder der Ahnungslosigkeit. uniVista stellt euch ausgewählte Fortbildungsmöglichkeiten an den Unis und Fachhochschulen Deutschlands vor.
Bildquelle: aboutpixel.de / Eilig auf Reisen © 2008 stormpic (Rainer Sturm)
Bildquelle: aboutpixel.de / Palmen Sonne und Meer © 2009 stormpic (Rainer Sturm)
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Eine kuriose Anekdote vorweg: Seit Bestehen von uniVista geschieht es immer wieder, dass gleiche Überschriften für Artikel von anderen uninahen Magazinen gefunden werden, so auch in diesem Fall. Zur Verteidigung von Ehre und Originalität müsste man jetzt beweisen können, dass wir schon lange zuvor in Sitzungen genau diesen Artikelnamen entwickelt haben. Vielleicht aber spricht es auch einfach nur dafür, dass die redaktionelle Hochschullandschaft ähnlich denkt.
Einen Unterschied gibt‘s dann aber doch: “B.A. – Was nun?” zielt in Augen zwinkender Weise vor allem darauf ab, welche Studiermöglichkeiten ihr habt, wenn es zum Master of Education nicht mehr reicht und/oder ihr euch noch einmal völlig neu orientieren wollt. Dafür haben wir einige – wie wir finden – interessant anmutende Studiengänge gefunden, die sich nicht zuletzt durch ein ganz besonderes Prädikat auszeichnen: Sie sind fast alle absolut krisensicher, glauben wir.
Leisure and Tourism:
Die gute Nachricht zuerst: Diesen Studiengang gibt es – wie im übrigen alle hier vorgestellten – wirklich. Die schlechte: Wenn ihr nicht schon einen Bachelor in Freizeitpädagogik oder etwas Ähnlichem gemacht habt, dann könnt ihr diesen Masterstudiengang an der Hochschule Bremen leider nicht studieren. Und nein, Voraussetzung sind auch keine Zeugenaussagen eurer Kommilitonen, die mit euch zusammen auf den Wiesen gelegen haben, um einfach mal die gute Freizeit zu genießen.
Besser sind dann schon richtig gute Englischkenntnisse, ein Praktikum in der Tourismusbranche und eine Abschlussnote von 2,5.
Und dann geht‘s ans Eingemachte: Forschungsfragen aus Freizeit und Tourismus stehen auf dem Lehrplan. Methodische und analytische Kompetenzen werden hier auch erworben. Dann gibt es doch noch wieder ein Handlungsfeld namens Wellness – immerhin! Aber dazu kommen auch weitere, die sich folgendermaßen nennen: Erlebnis, aber halt auch Lernen, Gesundheit (und die bereits erwähnte Wellness), Kultur und nachhaltige Entwicklung. Ihr seht: Es gibt kein Ying ohne Yang oder anders: keine Freizeit ohne Stress. Wobei, da fällt mir ein, und wieder einmal muss ich eine Lehrkraft zitieren, die einst meinte: Sie hätte doch tatsächlich Freizeitstress gehabt, nämlich, als sie in Altersteilzeit gegangen ist. Freizeitstress? Hm, ob man den zu bewältigen auch im Studium lernt. Findet es selbst heraus binnen von 3 Semestern.
Automatisierungstechnik:
Es gibt gute und es gibt schlechte Science Fiction; die gute zeichnet sich dadurch aus, dass sie realisierbar scheint, so oder so ähnlich sprach einst eine Lehrerin, die zusammen mit ihrem Sohn ein wöchentliches Ritual beging, nämlich Star Trek zu gucken. Die Bewertung dieser Serie halte ich an dieser Stelle heraus. Was drin bleiben soll, ist das Vorstellen von Geräten, Apparaturen, Maschinen und Techniken, die das Leben noch ein wenig bequemer machen können. Man denke nur an die Möglichkeiten eines Hausroboters, der die eigenen vier Wände sauber hält, das Essen bereitet und am besten noch als Sekretär fungiert. Genial! Oder an diesen Replikator aus erwähnter Serie, der einfach mal eben das materialisieren lässt, was du ihm befiehlst.
Du bist ein Meister der Vorstellung und hast dazu auch noch handwerkliches, mindestens aber technisches Geschick? Der Begriff des Ingenieurs ist dir nicht vollkommen fremd? Dann entwickle Dinge, die wir uns morgen nicht mehr wegdenken können. Aber zunächst musst du natürlich ein wenig studieren und dich in den Grunddisziplinen Messen, Steuern und Regeln üben.
An folgenden Orten kommst du deinen Vorstellungen – natürlich in den bewährten Bachelor- und Masterstudiengängen – näher: Etwa am Leuphana College in Lüneburg oder aber an der Fachhochschule in Hannover.
Fußballmanagement:
Relativ neu im Programm steht dieser Studiengang, der seit April 2007 am IST-Studieninstitut mit Sitz in Düsseldorf in der Organisation eines Fernstudiums angeboten wird. Auch oder vielleicht gerade für die geschlechtliche Mehrheit an dieser Uni mag es sich hierbei um eine durchaus sinnvolle Alternative handeln: ob als klassische Spielerfrau, die in jedem Fall Ahnung von Fußball und Management haben sollte oder als Trainerin der Nationalmannschaft, was ein Spitzenjob ist; die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen wird zwar weniger gesehen, aber sie ist rein sportlich erfolgreicher als die Herrenmannschaft. In jedem Fall gilt aber: Als studierte/r Fußballmanager/in hat man es in Deutschland mit dem Volkssport Nummer 1 zu tun, der – ob Wettskandale oder Weltwirtschaftskrise – wahre Fanhorden anzieht, etwa 7% der Bevölkerung in Vereine rennen lässt und alles in allem genug Geld in genügend Kassen einspielt. Fazit: Wer kein Fußballmanagement studiert, will auch nicht reich werden. Selbst schuld! Auf Fußballdeutsch: klassisches Eigentor.
Radioactive and Hazardous Waste Management:
Es gibt ja so Berufe, die sind – naja, sagen wir – nicht ganz so beliebt, aber immerhin einigermaßen gut bezahlt, etwa der Entsorgungsfachmann bzw. die Entsorgungsfachfrau (oder auch „Müllmann“ genannt). Legen wir einfach noch eine Schippe darauf, aber nicht von dem gewöhnlichen Bio-, Rest- und Plastikmüll, sondern von dem richtig harten Stoff: Atommüll. Die Endlagerung radioaktiven Mülls ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft, und wenn es nach einigen eher konservativen Parteien geht, dann bleiben die Meiler auch noch eine ganze Weile länger am Start und die Müllberge können sich weiter türmen.
Nun bist natürlich du an der Reihe, der nämlich dafür Sorge trägt, dem ganzen gefährlichen Müll auf die Schliche zu kommen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wörter wie Geologie, Physik, Chemie, Mathematik, Bergbau und Bauingenieurswesen sollten dir weder fremd sein noch Angst einjagen. Einiges davon solltest du bereits im Bachelor mitgenommen haben, denn dann heißt es demnächst an der TU Clausthal: 4 Semester Master of Radioactive and Hazardous Waste Management oder etwas schlagzeilen-comicmäßiger: Hier wirst du zum Radioactiveman oder zur Radioactivewoman.
Popular Music:
Vielleicht habt ihr euch diese Frage auch schon einmal gestellt: Was haben die Menschen, die in den zahlreichen Casting-Shows in der Jury sitzen, eigentlich gelernt? Eine mögliche Antwort wäre diese: Sie haben Popular Music studiert. Denn hierin wird man gleich zu einem „Mehrfach-Spezialist“ in der Popularmusik ausgezeichnet. Klingt doch verlockend, oder? Neben einer musikpraktischen Ausbildung in zwei Instrumenten lernt man – halt ganz praktisch – gleich noch, wie man komponiert, arrangiert, Songs schreibt und das Rohmaterial schließlich in Studios produziert. Neben der bunten Praxis gibt‘s aber auch jede Menge Musiktheorie, Musikwissenschaft, Einblicke in die Medienwissenschaft und last but not least wartet dieser künstlerisch-wissenschaftliche Studiengang mit Begriffen wie Medienmanagement und Journalistik auf. Individualität und Interdisziplinarität stehen außerdem hoch im Kurse. Hierzu dienlich ist vor allem die Anbindung weiterer einschlägiger Institute (etwa des IJK, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung).
Also, wer meint, er habe den berühmt berüchtigten Rhythmus im Blut, den Soul in der Stimme und die Musik in den Ohren, der sollte sich für den achtsemestrigen Bachelor an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bewerben, am besten mit Pauken und Trompeten. Und immer schön daran denken: Der Ton macht die Musik. Viel Erfolg!
von René Kohn

PDF-Version der 12. Ausgabe

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Das Studium hinterlässt Fragen – und das ist gut so!

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Ich bin ein Befürworter von Fragen und halte es auch ganz sprichwörtlich: Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten. Vielleicht muss man auch ein wenig so denken, wenn das Ziel der Lehramtsberuf sein soll. Aber zunächst noch einige weitere Informationen über den Verfasser: Der Studiengang Master of Education ist nach nunmehr zwei Semestern absolviert. Das impliziert so einiges: Etwa einen vorherigen Bachelorabschluss mit mastergemäßem Schnitt, insgesamt acht Semester Studieren und eine Menge an Prüfungsleistungen, dass beim nachträglichen Durchlesen der Leistungsnachweise die Augen immer größer werden. Wie man das geschafft hat? Die erste Frage verrät ein wenig Ungläubigkeit und Staunen. Man sollte es auch: Studieren ist ein Wahnsinnsakt. Immerzu denken. Nachdenken, überdenken, neu denken, um dann endlich in den Händen das lang ersehnte Zeugnis zu halten: Welch ein Andenken!
Und es impliziert ferner ein ganzes Bündel an aufgekommenen Fragen, mitunter auch die nicht unwichtige Grundsatzfrage: Warum werde ich Lehrer? Die Antwort verschiebe ich auf später.
Die Berg- und Talfahrten hinter den Noten lassen sich oftmals nur erahnen. Ein wenig rastlos geht es von Station zu Station. Am Ende wirst du sie alle besucht haben und mindestens gut bestanden haben müssen, um weiter zu kommen und den Anschluss nicht zu verpassen. Und um ganz sicher zu gehen, solltest du am besten auf 1 lernen, denn man glaubt ja gar nicht, wie viele sehr gute Abschlüsse es hierzulande gibt.
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Zeit finden für Fragen ans und im Studium
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Aber noch einmal zurück zu dem Bild mit den Stationen. Ein Ziel der neueren Studiengänge gilt der gleichmäßigeren Verteilung der Prüfungsleistungen über das gesamte Studium. Was im Bachelor noch relativ gut funktioniert, stellt sich als Farce für den Master heraus. Ist es wirklich sinnvoll, den Master of Education auf nur zwei Semester anzulegen? Ein Blick in den Aufgabenkatalog für dieses professionalisierte Kurzstudium sollte genügen, um eine halbwegs realistische Einschätzung zu bekommen: 22 Stationen inklusive Fachpraktikum, mündliche Prüfung und Masterarbeit. Wenngleich hier und da in den Anforderungen zurückgerudert wird, bleibt ein weiterer Aspekt zumindest fragwürdig, wenn man sich das hehre Ziel der Verteilung vor Augen führt: Allein die Masterarbeit macht ein Viertel der Abschlussnote aus! Im ohnehin zu kurz geratenen Studium kommt spätestens hiermit der nötige Druck auf, damit es ihn auf jeden Fall weiterhin gibt: den Abschlussstress.
Einige Fälle sind mir in meinem Freundeskreis bekannt. Jene, die das gute alte Staatsexamen gemacht haben. Die fielen dann immer nach ihrem Examen in das berühmtberüchtigte schwarze Loch, weil sie ein ganzes Semester nonstop Prüfungen hatten. Wie wird das mit den Bachelor- und Masterabsolventen sein? Nach mindestens vier Jahren Studium, der Reise von einer Station zur nächsten, der permanenten Konfrontation mit Prüfungsleistungen? Das Beste, was einem dann passieren kann, ist es wohl, unmittelbar ins Referendariat zu flüchten, vorausgesetzt die Eins vor dem Komma steht. Hauptsache das Stresslevel hoch halten. 
Es war selten im Studium so einfach, Zeilen zu füllen wie hier und jetzt. Hier darf und soll es kürzer und knapper sein, steht keine Note am Ende, aber natürlich eine Leserschaft, die sich fragt: Ja und, was wolltest du uns eigentlich sagen? Diese Frage ist wie jede andere berechtigt. Die Antwort darauf ist hoffentlich nicht dumm: Jedes Studium sollte Fragen aufkommen und hinterlassen. Viele Fragen habe ich an dieser Stelle nicht gestellt und Antworten auch nur unzureichend gegeben. Dabei hätte ich einige Vorschläge, die gar nicht so neu und originell sein wollen, sondern in ihrem schlichten Verlangen vielmehr dem Unmut vieler Studierenden Rechnung tragen wollen, etwa zur Neustrukturierung zumindest des Masterstudiengangs: Warum nicht den Master auf die Regelstudienzeit von drei Semestern anheben? Warum die Bachelornote nicht anteilig in die Masterabschlussnote einfließen lassen?
Ach ja, hier spricht im übrigen keiner, der seine Abschlussarbeit vergeigt hat oder der befürchten muss, das Referendariat erst in zwei Jahren machen zu können, weil die Note nicht mehr hergibt. Einzig und allein spricht hier jemand, der hofft, viele Fragen im Studium gestellt zu haben und der sie auch jetzt noch stellt. Jemand, der seinen Schülerinnen und Schülern später gerne erzählen möchte, dass das Studium mehr als nur Mittel zum Zweck ist.
Und auf die Frage, warum ich Lehrer werden will, kann ich nur antworten: Eine gute Frage, aber noch bin ich keiner. Aber ich habe eine Vorstellung und werde es herausfinden, neue Fragen stellen und die eine oder andere brauchbare Antwort finden.
von René Kohn

Weltuntergang – Und Du bist in Vechta!

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Weltuntergang… in Vechta? Oh man. Da, wo am Wochenende um acht Uhr schon die Bürgersteige hochgeklappt werden? Toll. Na ja, lässt sich nunmal nicht ändern. Da stecke ich also fest und überlege, was ich tun soll. Ich schätze, dass ich alle meine vermeintlichen Freunde zwingen würde, den letzten Tag unseres Lebens miteinander zu verbringen. Joa. Ansonsten, vielleicht ein paar Dinge, die man sonst noch nie gemacht hat… warum auch immer. Vielleicht irgendwas Kreatives an die Uni-Wände malen oder so. Ansonsten: Warten, beten und hoffen, aber Weltuntergang in Vechta ist echt unfair… zumindest für solche, die ihre Heimat woanders haben. Echt, ey!
von Sarah Kotten
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© SarahC. / PIXELIO
© Gerd Altmann (geralt) / PIXELIO
Ich bin nicht sonderlich mutig. Vor allem nicht, wenn es darum geht, jemandem ganz klipp und klar die Meinung zu sagen. Ganz egal, ob die positiv oder negativ ausfällt. Meistens versuche ich alles ganz diplomatisch und so „einerseits-andererseits“-technisch auszudrücken. Ich denke aber immer: „Man müsste mal demunddem und so weiter…“ Ich denke, das würde ich tun: Ich würde den ganzen Tag damit verbringen, Lobhudeleien und (auch platonische) Liebeserklärungen an die (entsprechenden) Leute zu bringen und andere entsprechende Leute verbal (obwohl, dann is´ ja auch egal…) in der Luft zu zerreißen. Und dank Telefon geht das ja sogar über die Grenzen von Vechta hinaus…
von Lea Weber
Die Welt geht heute unter? Das allein ist schon eine gruselige Vorstellung. Zu allem Überfluss muss ich das dann auch noch in Vechta erleben? Wahrscheinlich würde ich meine Familie anrufen und mich dann mit meinen Freunden verabreden und in den Weltuntergang reinfeiern. Vielleicht würde ich auch Rotz und Wasser heulen und mich verkriechen. Oder all die Dinge tun, die ich schon immer tun wollte. Aber darüber müsste ich nachdenken und die Zeit hab ich doch gar nicht. Aaaargh.
von Stefanie Bruns
Auf der einen Seite gibt es Vechta, auf der anderen Seite die Welt. Wenn auch die Welt untergeht – Vechta bleibt. Im Falle eines Weltuntergangs rettet Weltfremdheit das Leben!
von Johanna Olberding
Weltuntergang, und ich bin in Vechta? Kein Ding. Ich schiebe alle unkoscheren Gedanken beiseite, zähle ein paar Ave Maria auf und bekreuzige mich. Denn wenn das wie mit dem Wetter läuft, dann machen die apokalyptischen Reiter eben so Halt vor den gläubigen Toren Vechtas wie der Niederschlag. Und wenn nicht, naja dann gibt’s ja immer noch das Paradies, und da ist ja eh alles schön. Nun, und wenn der heilige Schein nicht über Vechta wacht, dann gehe ich gepflegt mit meinen Liebsten in die Cubar und feier eine letzte Sause mit genügend Long Island Ice Teas. Insel, ich komme.
von René Kohn
Die Welt geht unter und ich bin dabei! Das ist ein fucking Event! An so einem Tag muss man was Besonderes machen. Mit Freunden treffen? Heulen? Kann man auch an allen anderen grauen Kleinstadttagen. Ich würde mir einen Porsche 911 Turbo mieten, und auf Vechtas Straßen alle 4 Teile von The Fast and the Furious nachspielen. In einem rosa Hasen-Kostüm. Betrunken. Bußgeld? Punkte? Scheiß drauf, die Welt geht unter und mit ihr mein Führerschein.
von Stefan Hirsch
Ich würde wohl zunächst abwarten, inwiefern meine ausbrechenden animalischen Triebe der aufkommenden Anarchie standhalten würden. Sicher spannend, ob ich dann Opfer oder (Wohl)täter wäre. Ansonsten würde ich Kette rauchen und dem letzten Feuer meines Lebens auf dem Pferd vor der Sparkasse in einem ausreichend geistesgestörten Zustand singend und heulend entgegen reiten.
von Tobias Kunz

PDF-Version der 11. Ausgabe

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Kuschelpädagogik und Wuthöhle

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Mehr Anonymität für TV-Familien!
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Mittlerweile ist die Fernsehlandschaft nicht mehr ohne die zahlreichen Sendungen mit scheinbar pädagogischem Format vorstellbar. Quote und Nachfolgeproduktionen geben zu erkennen: Die Nachfrage beim Zuschauer ist vorhanden, danach etwa, wie man sich zu verhalten hat, wenn etwas schief läuft in der Familie, eingedenk des Haustieres. Im multimedialen Rahmen erhalten die Bedürftigen Hilfe von Experten, oftmals Diplompädagogen, welche mit Rede und Tat und manchmal auch fragwürdigen Konzepten zur Seite stehen. Disziplin, Regeln, Prinzipien sind dabei immer wieder Schlagwörter, die fallen. Greift das Verständnis von Pädagogik durch und in den Medien zu kurz? Diese und weitere Fragen sollen im Folgenden geklärt werden. Als Gesprächspartner stand uns Dipl.-Päd. Andreas Hoenig zur Verfügung.
Greift das Verständnis von und durch die Medien zu kurz?
Also wenn ich mir die Medienformate, dir mir bekannt sind, betrachte, dann wird da ein Verständnis von Pädagogik kolportiert, das techniklastig ist und eine Heilsbringung in Extremsituationen verspricht, die ich für nicht machbar halte. Ich schließe mich damit Kritiken, zum Beispiel des DJI (Anm. d. Red.: Deutsches Jugendinstitut) an, die deutlich sagen, dass etwa die Frage der Nachhaltigkeit überhaupt nicht nachgewiesen ist. Ich bin aber auch nicht ausschließlich negativ-kritisch eingestellt gegenüber medialer Aufbereitung solcher Formate. Nur die Art und Weise, wie es gegenwärtig geschieht, finde ich mindestens fragwürdig.
„Interessant finde ich dann auch das Phänomen, umso rigider die Kollegin Saalfrank vorgeht, umso höher ist die Quote.“
Einmal etwas überspitzt formuliert: Jura-Studium bei Salesch (wahlweise auch bei anderen Gerichtsshows) und Pädagogikstudium bei Super Nanny? Verwirklicht sich hierin ein Bildungsauftrag der Medien?
Mit Sicherheit nicht. Vielmehr sind die Quoten von 15% und mehr ein Hinweis darauf, dass es einen absolut hohen Bedarf gibt. An der Stelle bin ich ein Befürworter medialer Bearbeitung solcher Fragen und ein Befürworter dessen, dass wir uns des Mediums Fernsehen bedienen, weil das nun einmal das Medium Nummer 1 Deutschlands ist. Aber natürlich sehe ich die mediale Aufbereitung, wie sie vor allem durch die Privatsender passiert, kritisch. In Videoclipform werden dramatische Lebenssituationen festgehalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt – da kann ich mich nur dagegen verwehren. Das kann so nicht sein. Was nicht heißt, dass das nicht grundsätzlich so sein kann.
Kommen wir doch einmal zu dem Auftrag von RTL. Laut RTL.de ist nämlich das Ziel der Super Nanny „eine fundierte Analyse, Besprechung der Erziehungssituation und eine individuelle pädagogische Beratung für die Eltern zu leisten“. RTL will nach eigener Aussage „mit diesem Format einerseits den betroffenen Familien eine Hilfestellung bieten, andererseits aber auch dem Zuschauer anhand von unterschiedlichen Fällen Lösungsansätze für Probleme in der eigenen Familie aufzeigen.“
Glauben Sie, dass dies mit diesem Format geschieht?
Das bezweifel ich. Ich bezweifle sogar den Ansatz. Natürlich versucht sich RTL in der Öffentlichkeit darzustellen, sozusagen, dass es kein Format sei, das auf Quote angelegt ist. Diese Darstellung halte ich für schlichtweg falsch. Natürlich agiert vor allem die Frau Saalfrank – und das ist im Grunde auch überhaupt die einzige, worüber ich mir ein Urteil erlauben kann – pädagogisch. Aber das Heilsversprechen, das da gebracht wird, ist, du hältst dich an einen gewissen Regelkatalog, Familienregeln – vom „Stillen Stuhl“ hat sie Gott sei Dank Abstand genommen – und dann ist das machbar. Die Krise ist anhand von ein, zwei, drei Interventionsmöglichkeiten, die sie zur Verfügung stellt, gelöst. Das ist vor dem Hintergrund der Sozialen Arbeit und der Arbeit mit Familien so nicht richtig. Es geht halt nicht so einfach. Und es werden wesentliche Aspekte, die wir als Vertreter der Sozialen Arbeit für wesentlich halten, außer Acht gelassen. Die Darstellung der Betroffenen, auf Seiten der Eltern vor allem die betroffenen Mütter, im Sinne von erzieherischer Inkompetenz, die Kinder als Monster, was sie de facto nun mal nicht sind, und die Väter finden weitestgehend überhaupt nicht statt – da wird ein Familienbild kolportiert, das nicht der Realität entspricht. Dramatische Verkürzung.
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Oft der einzige Ansprechpartner
© Rosel Eckstein / PIXELIO
Glauben sie, dass eine öffentliche Preisgabe des Privatlebens vor der Fernsehnation eine langfristig wirksame Stigmatisierung für die zur Schau gestellten Kinder, die Eltern, die übrigen Familienmitglieder und das weitere familiäre Umfeld zur Folge haben kann oder ist diese laut gewordene Kritik ebenfalls zu sehr in den Medien dramatisiert worden?
Also die Stigmatisierungseffekte, die da stattfinden, haben ihren dramatischen Höhepunkt erreicht bei dieser Folge mit dem 13-jährigen Mädchen. Und das war für mich genau der Punkt, an dem RTL sich mit seinem hehren Anspruch widerspricht. Nach meinem Kenntnisstand haben eine Mutter und ihre Tochter per einstweiliger Verfügung versucht, die Ausstrahlung des Formats zu verhindern, was nicht gelungen ist aufgrund vertraglicher Verbindungen, so dass es zur Ausstrahlung der Sendung kam. Mit der Folge, dass dieses Mädchen zumindest einen kurzfristigen psychiatrischen Aufenthalt und einen Zusammenbruch hatte. Und das konterkariert das, was RTL auf seinen Internetseiten als pädagogisches Format verkauft. Damit wird deutlich, worum es geht. Interessant finde ich dann auch das Phänomen, umso rigider die Kollegin Saalfrank – und wir haben beide die gleiche Ausbildung genossen – vorgeht, umso höher die Quote. Das gipfelt dann darin, dass ein 3-jähriges Kind auf dem Stillen Stuhl sitzen muss. Ein 3-jähriges Kind! Und da mache ich auch eine deutliche Kritik fest an Frau Saalfrank, die sich hier sozusagen vor den Karren des Senders spannt. Aber sie handelt nicht durchgängig unpädagogisch.
„Mich erinnert Frau Saalfrank in ihrer Methodik eher an so einen pädagogischen Wirbelsturm. Und ich befürchte, dass der, wenn er sich gelegt hat, eine ganze Menge Chaos hinterlässt.“
Wobei man sagen muss, dass gerade dieses Element ja aus der Sendung verschwunden ist. Es gibt keine stillen Orte mehr, weder Stuhl noch Treppe. Dieser Kritikpunkt, der auch laut geworden ist in den Medien, wurde also berücksichtigt. Haben Sie noch eklatant andere Puntke, die für Sie negativ auffallen?
Ein ganz wesentliches Moment, das für Schwierigkeiten bei diesem Format sorgt, ist diese Zeitschiene. Frau Saalfrank ist im Grunde genommen gezwungen sofort zu agieren, und das in ausgesuchten, höchst eskalativen Familien, die kein repräsentativer Querschnitt durch die Erziehungsrealität auch schwieriger Familien sind. Jetzt wissen wir, dass diese schnellen Reaktionen ein hohes Fehlerrisikio in sich birgt. Ich habe diese Sequenz vor Augen, wie sie über Funk coacht. Jetzt dies, jetzt das, jetzt jenes. Da stellt sich für mich die Frage: Was lernt ein Mensch an Erziehungskompetenz, wenn er so eine aus dem Psychodrama abgeleitete Methode des Alter Ego machen soll, also ferngesteuert agiert? Die Erziehungskompetenz wird hierdurch nicht erhöht. Der Kritikpunkt ist ganz klar die Reduzierung auf eine sehr technisch ausgerichtete Soziale Arbeit. Techniken sind die Lösung. Das alleine kann so nicht stimmen.
Es gibt natürlich auch eine umfassende Kritik der Deutschen Gesellschaft für Systemische Beratung, die sich absolut distanziert. Und natürlich distanzieren sie sich, weil es zuwider läuft gegen Grundsätze Sozialer Arbeit. Ich habe in Familien mit schwierigen Kindern gearbeitet. Und ich weiß, dass sich die Arbeit anders darstellt. Es gibt eben nicht den schnellen Erfolg. Und das, was das Format Super Nanny hier vorgibt, deckt sich eben hierin nicht mit meinen Erfahrungen. Außerdem muss ich sagen, dass ich es keiner Familie, mit der ich zusammengearbeitet habe, zugemutet hätte, diese Extremsituationen medial zur Schau zu stellen. Das ist mehr als grenzwertig. Das ist ethisch verwerflich.
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Kindern fehlen oft die Worte
© erysipel / PIXELIO
Dann würde uns doch einmal interessieren, was Sie der Super Nanny unter vier Augen sagen würden?
Ich glaube, ich würde ihr tatsächlich sogar zu ihrem Mut gratulieren. Ich meine, sich in die Öffentlichkeit zu stellen und zu agieren, da ist es vollkommen klar, dass sie dann auch Projektionsfläche wird. Sie stellt sich sozusagen zur Verfügung in ihrem beruflichen Handeln. Da gehört Mut zu, vor allem, wenn man sich einmal anguckt, dass viele Agierende der Sozialen Arbeit große Angst davor haben, dass man in ihre Karten guckt – diese Angst scheint sie überwunden zu haben. Sie stellt sich selbst ja auch öffentlich dar. Und sie hat ja auch gerade zu Anfang große Schwierigkeiten gehabt. Was ich gut finde ist, dass sie versucht, Einfluss zu nehmen auf eine weitere Pädagogisierung. Und das mache ich fest an der letzten Folge, die gelaufen ist, die dann medial aufgearbeitet wurde als ihre erste Niederlage. Frau Saalfrank gibt auf. Die Inobhutnahme. Da finde ich, dass sie absolut richtig reagiert hat. Sie hat nicht die schnelle Lösung geliefert, sondern ganz klar gesagt, da sei eine Grenze für sie, das könne sie nicht. Das war keine Niederlage, das war ein Sieg. Ich würde ihr den Mut auch hausintern wünschen, dass sie weiter versucht, das Format pädagogischer zu gestalten. Das ist zurückzuführen auf die Person Saalfrank, nicht auf den Sender, mein Eindruck. Und ich würde sie natürlich versuchen zu motivieren, das Format dahingehend zu verändern, dass erstens dieses Heilsversprechen ein bisschen relativiert wird und dass sie zweitens eine höhere Aufmerksamkeit auf den Schutz der Klienten legt. Andere Sender, insbesondere die Öffentlich-Rechtlichen, nehmen sich auch den Erziehungsfragen an, aber die tun das anders.
„Es macht wenig Sinn, hier wieder in der Ecke zu sitzen und mit dem Moralfinger zu drohen, dass das alles nicht geht. Wir sollten das als fachliche Herausforderung für die Zukunft verstehen.“
Nun, aber gerade was den Schnitt und die Schnitttechnik angeht, kann man ja auch nachlesen, dass Frau Saalfrank selbst hierauf keinen Einfluss hat.
Nun, ich gebe jetzt auch ein Interview und weiß gar nicht, was nachher in der uniVista steht und wie das dann dargestellt wird.
Richtig. Das wird mediengerecht aufbereitet.
Weiter im Programm: Sie hatten gerade schon den hohen Marktanteil angesprochen und meinten, das sei Ausdruck von Bedarf. Meinen Sie nicht auch, dass sich dahinter ein Ausdruck von Sensationslust gleichsam verbirgt?
Ich glaube, es ist beides. Wesentlicher für mich ist jedoch ganz klar die Message, dass es Bedarf gibt. Vielleicht müssen wir uns fragen: Wie können wir diesen Bedarf auch verantwortlich befriedigen? Wie kann sich die Soziale Arbeit oder auch die Familienarbeit in der Öffentlichkeit anders darstellen? Oder auch die Arbeit mit Ausreißern oder ähnlichem. Es sind ja verschiedenste Formate. Natürlich geht‘s dabei auch um die Befriedung einer Sensationsgier, eines gewissen Voyeurismus. Und diese ganzen Sendungen, auch diese Ausreißer-Formate, zeichnen sich dadurch aus, dass ein Bild von Kindern und Jugendlichen gezeigt wird, das sie an den Symptomen misst. Wir gucken nur auf die Person und nicht auf das Symptom. Das ist das, was wir predigen. Du bist gut, dein Verhalten ist schlecht. Und so werden Menschen über ihr Verhalten oder über Verhaltensspitzen, wenn man so will, stigmatisiert. Also es ist nicht der Sven, sondern der jugendliche Ausreißer.
Wie realitätsgetreu ist das Format?
In der Realität stellen sich familienunterstützende Maßnahmen im Sinne von SPFH (Anm. d. Red.: Sozialpädagogische Familienhilfe) oder auch Familientherapien als langfristig angelegte Hilfsmaßnahmen dar. Die durchschnittliche Behandlungsdauer einer SPFH ist auf zwei Jahre angelegt und nicht auf einige wenige Wochen. Also erinnert mich Frau Saalfrank in ihrer Methodik eher an so einen pädagogischen Wirbelsturm. Und ich befürchte, dass der, wenn er sich gelegt hat, eine ganze Menge Chaos hinterlässt.
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Einsames Warten auf muntere Gäste
© Martin Müller / PIXELIO
Ein aktuelles Format, das für Sie derzeit einen pädagogischen Auftrag erfüllt?
In den Dritten des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens finden sich solche Sendeformate durchaus, aber auch die Sendereihe 37° im ZDF kann hier genannt werden. Auch hier gab es schon solche Folgen. Da sollten die Leute von RTL mal reinschauen, wenn sie das, was sie im Internet veröffentlichen, ernst meinen. Aber es ist natürlich klar, dass hier unterschiedliche Zielgruppen bedient werden sollen.
Es wird jedoch auch klar: Das Fernsehen bleibt das Bildungsmedium Nummer 1. Und wir nehmen es nicht wirklich wahr. Also es könnte ja auch von Seiten der Sozialen Arbeit versucht werden, aktiv solche Formate zu bilden, die dann wissenschaftlich abgesichert sind. Aber ich sehe diese Initiative nicht, das heißt aber auch, dass es wenig Sinn macht, hier wieder in der Ecke zu sitzen und mit dem Moralfinger zu drohen, dass das alles nicht geht. Wir sollten das als fachliche Herausforderung für die Zukunft zu verstehen.
Haben Sie denn eine Idee, wie eine Sendung aussehen könnte, die einen pädagogischen Inhalt hat und eine Hilfestellung für den „kleinen Mann“ sein kann?
Das ist eine gescheite Frage. Also ich hab das Konzept nicht im Schreibtisch. Mir ist im Augenblick auch keins bekannt. Aber ich glaube, dass deutlich geworden ist: Es gibt den Bedarf, und das vielleicht nicht nur aus Sensationsgier. Die Verzweiflung der Menschen in dieser Situation, und zwar aller Menschen, der kleinen und der großen, die da drin sind, ist immens. Stellen Sie sich mal den Alltag vor. Sie haben ja kein Alternativleben, selbst wenn sie sagen: Ich hab jetzt hier die Nase voll und geh in das nächste. Das können sie nicht.
„Ich werde mich auch in Zukunft nicht abends vor die Röhre quetschen, um eine pädagogische Fortbildung zu nehmen.“
Sie haben darauf hingewiesen, dass man das Bildungsmedium Fernsehen auch als eine Herausforderung für die Soziale Arbeit begreifen kann. Medienerziehung an der Hochschule Vechta. Findet das statt oder eher nicht?
Es gibt innerhalb der Studiengänge die Möglichkeit, medial zu arbeiten. Wir nutzen, ich kann das zumindest für unseren Fachbereich sagen, durchaus auch Medien. Wir tun das aber meiner Meinung nach noch nicht in der Form, wie wir das sollten. Ich halte das für ausbaubar.
Gibt es da Wunschvorstellungen?
Natürlich wäre eine bessere technische Ausstattung, welche die Arbeit mit neuen Medien möglich macht, gut. Also ich bin in meinen Veranstaltungen, ich kann das ja nur für meine sagen, ein recht techniklastiger Dozent. Ich würde das aber noch ausbauen wollen.
Ich halte das auch für ein geeignetes Medium. Nicht, um den Studierenden 90 Minuten einen Film zu zeigen, und das war dann meine Veranstaltung. Aber eine gezielte Anwendung medialer Formate, um Theorie durch Praxis zu unterfüttern, halte ich für sinnvoll.
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Kinder wollen wahrgenommen werden!
© Christine Becker / PIXELIO
Kommen wir zu einer Frage, die wir uns im Rahmen eines Streitgespräches in dieser Ausgabe stellen: Sind Lehrer Pädagogen?
Ja. Natürlich sind Lehrer Pädagogen.
Warum? Der pädagogische Anteil ist doch sehr gering im Studium.
Wie würden Sie das bezeichnen, wenn erwachsene Menschen sechs Stunden täglich mit Kindern arbeiten im Sinne von Bildung und Erziehung? Ich nenne das Pädagogik. Also natürlich sind Lehrer Pädagogen. Sozusagen Bildungspädagogen. Ich kann kein unpädagogischer Lehrer sein. Ich bin vielleicht ein schlechter oder guter Pädagoge, wie immer man das auch festmachen will. Aber ich bin einer als Lehrer. Man könnte die Frage ja erweitern: Sind Hochschullehrer Pädagogen? Ja.
(Es wird gezweifelt.)
Jetzt sehe ich ganz kritische Mienen. Aber natürlich sind wir das.
„Sind Hochschullehrer Pädagogen? Ja.“
Nun, aber der größte Anteil der Dozierenden, gerade auch in der Professorenschaft, sind sich ihrer Stühle doch sehr sicher und nehmen einen pädagogischen Auftrag nicht wirklich wahr. Da werden die Veranstaltungen 08/15 runter gerissen, welche Motivation da auch immer hinter steckt.
Da werde ich mich jetzt nicht zu äußern. Ich würde ganz gerne noch einmal zu den Lehrern zurückkommen. Ich kenne eine ganze Menge Lehrer. Ich weiß, dass in dieser Berufsgruppe ganze viele Leute ganz engagiert arbeiten. Ich lebe mit einer Lehrerin zusammen, und ich sehe und ich weiß, wie sie ihren Job macht. Und ich bin mit Lehrern befreundet, von denen ich weiß, dass sie sich einen Kopf um „ihre“ Kinder machen. Ich erlebe an Schulen eine zunehmende Bereitschaft, sich pädagogischen Fragestellungen zu öffnen, und zwar durch alle Schulformen hinweg, bis zum Gymnasium. Und ich habe in meiner kurzen Zeit, in der ich hier als Lehrender tätig bin, und in der Zeit, in der ich an Schulen tätig bin, um Konflikte zu lösen und Leute fortzubilden, festgestellt, dass die sich sehr stark öffnen. Also ich bin auf jeden Fall bereit, eine Lanze für Lehrer zu brechen. Für mich ist ein Lehrer ganz klar ein Pädagoge und er hat für mich den Anspruch darauf, dass ich ihn a) ernst nehme und dass ich ihm b) gute Motive unterstelle. Und wie in jeder Berufsgruppe mag es vereinzelt Leute geben, wo man sagt, naja, vielleicht hast du die falsche Berufsentscheidung getroffen. Aber das passiert auch bei Dachdeckern. Aber sagen Sie mir, waren Sie schon einmal in der sechsten Klasse, Hauptschule? Dann erzählen Sie mir mal, wie Sie das unpädagogisch lösen, wenn man rein versucht, Bildung zu vermitteln. Aber vielleicht sollte man darüber nachdenken, ob man den Bereich Pädagogik – pädagogische Ziele bieten wir an im Lehramtsstudium – ein wenig mehr betont in diesem Studium. Ich glaube nämlich sehr wohl, dass die pädagogischen Herausforderungen nicht geringer werden.
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Bis hierhin und nicht weiter!
© Christine Becker / PIXELIO
Eben das wäre auch eine Frage: Inwiefern spiegelt sich dieses pädagogische Mehrbedürfnis, welches Sie gerade attestiert haben, im Lehramtsstudium überhaupt wider?
Also die genuine Aufgabe von Lehrern ist Bildungsvermittlung. Aber nichtsdestotrotz ist der pädagogische Auftrag vorhanden. Und ich glaube auch immer noch, dass wir Nachbesserungsbedarf haben. An einer Hochschule, die so aufgestellt ist wie unsere, ist es natürlich möglich, genau an der Stelle sozusagen nachzubessern. Ich halte heute Abend zum Beispiel ein Seminar, wo ich Studierende – allerdings der Sozialen Arbeit – dahingehend befähige, Sozialkompetenztraining an Schulen zu geben. Die werden das in der Praxis durchführen.
Da kann man als Lehramtskandidat direkt neidisch werden. Unser pädagogisches Studium ist praxisfrei. Das, was Sie schildern, wäre wünschenswert. Also auch einmal in die Praxis zu gehen und unter diesem Aspekt Erfahrungen zu sammeln.
Da bin ich natürlich mit dem Curriculum zu wenig vertraut. Aber noch einmal: Auch die Öffnung der Schulen hin zu mehr Sozialpädagogik findet statt. Das von der Bundesregierung initiierte Projekt „Jugendhilfe und Schule“, das sich zunächst der Vermittlung von Neunt- und Zehntklässlern in den Arbeitsmarkt beschäftigte, das fruchtet ja. Also ist Soziale Arbeit in den Schulen angekommen. Sie finden kaum noch eine Hauptschule, die nicht mit Sozialen Arbeitern ausgestattet ist, wenngleich es davon auch noch zu wenige gibt. Meistens ist das dann eine halbe Stelle für eine Schüleranzahl von 300 bis 600. Also die Kollegen, die da arbeiten, könnten noch eine ganze Menge Support gebrauchen. Aber Tatsache ist, da findet etwas statt.
Nun, es ging jetzt auch nicht darum, dass angehende Lehrer die gleiche Ausbildung erfahren wie angehende Soziale Arbeiter, aber darum, dass man Einblicke gewinnt. Dass die Kommunikation, auch für späterhin, besser klappt und die Konkurrenz zwischen Pädagogen und Lehrern herausgenommen wird, gerade im Bereich Schule.
Andreas Hoenig wurde
am 1. Februar 1963
geboren. Er ist
Diplompädagoge und
seit WS 2007/08 als
Lehrkraft für besondere
Aufgaben an der
Hochschule Vechta
beschäftigt. Er ist
Sozialtherapeut in
der Jugendhilfe und
AAT/CTT-Trainer.
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Foto: Andreas Hoenig
Ja, ich glaube allerdings, dass wir schon länger dabei sind, diese Grenzen zu überschreiten. Haben Sie die neueste Ausgabe des Fokus gelesen? Dort wird ein Projekt vorgestellt in Duisburg. „Duisburg schlägt keiner“ heißt das. Das ist ein Freund und Kollege von mir, der dort ein ganzes Kollegium fit macht und schult im Bereich sozialer Kompetenzen und Konflikttrainings an einer Schule für Erziehungshilfen. Dort findet sozusagen eine Pädagogisierung der ganzen Schule statt, aber immer vor dem Hintergrund, dass es hier um Bildungsvermittlung geht.
Die Tendenz geht ja auch dahin, dieses dreigliedrige Schulsystem aufzugeben. Ich halt das für den richtigen Weg, weiter Sozialarbeit in die Schulen zu integrieren, aber auch Lehrer auf der anderen Seite für sozialpädagogische Methoden zu öffnen und auch selber zu befähigen.
„Ich muss Bock haben auf das, was ich
tue und ansonsten sollte ich es sein lassen.
Ganz einfach.“
Was macht einen Superpädagogen aus?
Zunächst mal, dass er sich nicht für super hält. Also dieses Wort „super“ mag ich nicht. Was macht einen guten Pädagogen aus? (denkt nach) Ich könnte jetzt anfangen, hier irgendwie zwanzig Adjektive runterzumurmeln. Ich könnte auch die großen drei von Rogers benennen: Authentizität, Empathie, Wertschätzung.
Ich könnte mich auf Waldner berufen: 80 Prozent Empathie und 20 Prozent Biss. Er muss Lust an seiner Arbeit haben. Der muss Spaß haben an der Arbeit mit Menschen und muss sozusagen auch daran glauben, was er da macht und an die Menschen, mit denen er arbeitet. Der muss auch an die Fähigkeit des Menschen glauben, sich selbst zu helfen. Wesentlich ist: Ich muss das, was ich tue, mit Leidenschaft und gerne tun. Wenn ich das tue, habe ich ein gutes Zeug, um ein guter Pädagoge zu sein. Dann kommen noch ein paar Techniken dazu, man kann an seiner Haltung arbeiten. Aber ich muss Bock haben auf das, was ich tue und ansonsten sollte ich es sein lassen. Ganz einfach.
Wir bedanken uns für das Interview.
Das Interview führten René Kohn und Stefanie Bruns

Extrem, extremer, Tai Chi – Eine Woche Hochschulsport

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Für die X-Treme-Aktion dieser Ausgabe wandelten wir auf den Spuren des Gerüchtes: „Sport ist Mord“. Zu viert erstellten wir uns einen Wochenplan nach Vorgabe des Hochschulsports, teilten das Programm auf und los ging‘s. Von Akrobatik Jonglage über schweißtreibende Aktivitäten wie Fitness Spezial oder Cardio Step haben wir alles mitgenommen. Wie sich das Ganze abgespielt hat und welche Angebote die Hochschule bietet, seht ihr im Folgenden.
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Fotos: Jessica Barbato, Mira Brink, Lea Weber
Montag:
Fitness Spezial: Auftakt in die uniVista-X-treme-Woche. Ich bin noch voller Elan und Motivation. Meine Aufgabe in dieser Stunde: Fitness Spezial im Multifunktionsraum. Pünktlich beginnt das Warm-Up, das einen Menschen ohne Kondition bereits an sein Limit treibt. Es geht hoch und runter und rechts und links mit Hanteln und Stepper oder auch ohne. Das Tempo und die Körperspannung bestimmen den Rhythmus. Sehr schnell komme ich ins Schwitzen und völlig außer Atem. Bei Trainingsanfängern ist höllischer Muskelkater garantiert. Erschöpfungsfaktor: sehr hoch.
Power Gym: Genau so stelle ich mir vor, wie es damals zugehen musste beim Bund Deutscher Mädels. Modelllernen par excellence. Ich merke jedoch einigermaßen schnell, dass man nicht alles nachmachen muss, was die Kursleiterin vormacht, etwa das Peace-Zeichen für die Zahl der Wiederholungen. Der Schwierigkeitsgrad ist zu bewältigen. Prima zum Aufwärmen, und man kommt gut rein in die Übung. Power Gym ist für alle, die einen Fabel für Massenchoreo haben, die gerne das machen, was vorgemacht wird – schöne Abwechslung zum Selbststudium – und für all diejenigen, die zumindest im Ansatz Taktgefühl haben und die denken, für meine Beine wollte ich schon immer mal was tun.
Effektives Bodyworkout: Der Bund Deutscher Mädels nimmt nun auch Jungs auf. Wir sind zu dritt! Die Kursleiterin spricht nun durch ein Mikro. Das lässt Schlimmes erahnen. Nach einer Weile kommt dann doch die Frage auf: Warum machen die hier genau das Gleiche wie beim Power Gym? Dann wird alles anders: Krasse Choreos! Der Step-Schritt wird ums Jogging auf der Stelle ergänzt. Der Anspruch steigt. Der Puls auch. Das effektive Bodyworkout ist gleichsam wie Power Gym für Massenchoreo-Fans, vor allem aber etwas für Schnellmerker von komplexen Schrittfolgen.
Indoor-Cycling: Es folgt als dritter und letzter Kurs für mich Indoor-Cycling (Spinning). Nun steht Kleingruppenchoreo auf dem Plan. Das Prinzip ist ziemlich einfach: Man fährt auf einem Rad, ohne voranzukommen und ist trotzdem fertig. Was die Musiklautstärke angeht, hat man eigentlich das Gefühl, in einer Disco zu sein. Ach, wie schön! Feiern und Sporten. Weil meine Muskeln nach zwei Workoutkursen richtig gut aufgewärmt sind, läuft das Rad wie eine Eins. Nach einer halben Stunde bin ich aber wirklich am Ende. Ich höre nur noch bruchstückhaft, was der Kursleiter von sich gibt, etwa: „Firestarter ist ein Berg.“ Alles klar. Und jeder andere Song ist auch ein Berg. Dass Sport eine Droge sein soll, wird mir allmählich klar. Dieser Kurs, das steht fest, ist der absolut anstrengendste von den dreien.
Jazz & Modern Dance: Hier wird eine Choreografie mit geschmeidigen und anmutigen Bewegungen zu langsamer Musik einstudiert. Da ich etwa sieben bis acht Wochen zu spät komme, ist zumindest mein Erschöpfungsfaktor eher gering.
Fußball für Frauen – ab in die Turnhalle: Was ich da sehe, macht mir Angst! Mädels sind dabei, sich aufzuwärmen und kicken Bälle, als seien diese an ihnen festgewachsen. Hallo? Ich bin froh, wenn ich den Ball treffe und soll nun mit Fußballerinnen zusammenspielen? Ich stelle dabei nur ein herumlaufendes Hindernis dar. Naja, war ich nicht offen für alles? Also Schockzustand überwinden und dazugesellen. Wenigstens ist dummes Herumstehen nicht anstrengend.
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Fotos: Rene Kohn, Lea Weber
Dienstag:
Kickaerobic: Ausgerechnet heute droht die Übungsleiterin mit Abwechslung und zwar in Form eines Springseils. Das können natürlich nur Mädels, denke ich ganz klischeebehaftet und beweise es mir ein wenig später dann auch. Die Kick-Moves sind mal was Neues (im Spiegel dabei permanenter Selbstbeobachtung ausgesetzt zu sein, ist nur schwer erträglich mit meiner Eitelkeit). Die Hanteln geben einem den Rest oder das nötige Gewicht in die Hände, damit auch jede Bewegung dreimal so intensiv gespürt werden kann – Wahnsinn! Kickaerobic ist was für die, die denken, wenn sie wie Bruce Lee kämpften, sähen sie gut aus – ist aber nicht so. (Keine Ahnung, wie der das so geschmeidig aussehen lässt – asiatisches Gengut?)
Effektives Workout: Bewegt wird sich zu afrikanischer Musik. Zwei Übungsleiterinnen fördern und fordern jeweils eine Gruppe, mal mit Ausdauer, mal mit Kraftsport. Hauptsache aber: Die ganze Zeit bewegen. Ich erfahre, dass diese Kombination topp für die Fettverbrennung sei. Fazit: Feine Sache!
Aqua-Fitness: Die Übungen sind denen bei Power Gym recht ähnlich, die Musik auch: Pop aus den 80ern und Dancefloor aus den 90ern. Nicht ganz so anstrengend und halt im Wasser. Ich bin mal wieder der einzige Mann und hoffe, dass die Kommilitonen nicht denken, ich wäre nur vorbei gekommen, um auch im Winter ein paar Mädels im Bikini zu sehen. Ansonsten irgendwie ganz lustig, aber irgendwie auch nicht mein Sport.
Badminton: Das Schöne: Endlich mal wieder selbst bestimmen, was man tut bzw. wird hier nichts nachgemacht, sondern nach simplem Reaktionsschema auf Aktionen des Gegenübers reagiert. Natürlich kann man bei professionellem Spiel auch höchst komplex reagieren. Ich gewinne einen Satz, bin halt topfit.
Ich verliere einen Satz. Hallo, nach drei Stunden Sport (an diesem Tag) ist das ja wohl kein Ding. Außerdem: Verlieren ist sportlich. Badminton ist definitiv für alle was, die kurze Sprints mögen, etwas Geschick mit federleichten Bällen beweisen und gerne selbst bestimmen, was sie tun.
Volleyball für Fortgeschrittene: Der Titel sagt eigentlich schon alles. Wer gerne baggert, hechtet und angreift, ist hier genau richtig. Obwohl jede Bewegung einfach nur weh tut, da sich der Muskelkater des Vortages deutlich zeigt, wird zwei Stunden lang fleißig gespielt. Die Nerven liegen blank. Die Kraft hat sich schon einmal in die Weihnachtsferien verabschiedet. Ein einzelner Gedanke herrscht 24 Stunden in meinem Kopf vor: AUA! Erschöpfungsfaktor: mittel.
Shaolin Kempo: Während dieses Kurses erfahre ich, dass es sich hierbei um chinesische Kampfkunst handelt, die sehr komisch aussieht. Man tippelt hektisch auf einer Stelle, vermöbelt mit den Händen sein Gegenüber und sobald man gegen Regeln verstößt, die ich mir gar nicht alle merken konnte, wird kurz aufgehört. Ich bin zwar leicht überfordert, aber es ist interessant und lustig.
Indoor Cycling: Das ist so eine Art Hardcore-Version vom Fahrrad-Ergometer-Training. Blöderweise komme ich zwei oder drei Minuten zu spät, deswegen stelle ich das Gerät eher schnell als passend ein, und erfahre auf die harte Tour, dass das Rad keinen Freilauf hat, und man, wenn man plötzlich aufhört zu treten, aus dem Pedal rutscht, welches einem dann von hinten in die Wade knallt. Anstrengend ist das ganze auch. Als ich hinterher zur Umkleide gehe, fragt mich eine Kommilitonin, ob mit mir alles in Ordnung sei…
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Fotos: Rene Kohn, Lea Weber, Mira Brink, Jessica Barbato
Mittwoch:
Den heutigen sportlichen Abend leite ich mit Spinning (Indoor-Cycling) ein. Wieder einmal werden zahlreiche Berge erklommen. Spätestens bei H. P. Baxters Stimme vergesse ich meinen Muskelkater. Die Hütte brennt, und ich bin gut drauf. Die Droge Sport scheint allmählich ihre Höchstwirkung zu erreichen.
Nach der Spinning-Aktion geht’s rüber zum Hip Hop. Der Kurs ist voll von Leuten, die genau so aussehen, wie ich mir Hip Hopper vorstelle. Ich find’s schön, wenn Erwartungen bestätigt werden. Das Aufwärmen soll nur kurz sein, ist aber wirklich anstrengend. Danach verabschieden wir uns, weil die Hip Hopper schon seit Semesterbeginn an einer Choreo feilen, und die wollen wir natürlich nicht vollends sabotieren.
Parallel zum Hip Hop findet Akrobatik Jonglage statt. Der Übungsleiter gibt sofortige Entwarnung: Nein, mit Akrobatik habe das nichts zu tun, aber eben mit Jonglieren. Und das lernen wir nun mit drei Bällen. Es zeigt sich schnell, dass ich kein Talent habe, dafür aber meine extreme Begleiterin. Dass sie die ganzen Lobe einheimst, bereits mit drei Bällen jonglierend und als Naturtalent bewundert, derweil ich mich immer noch mit zwei Bällen abmühe, fördert meine Motivation nicht zwingend. Am Ende habe ich ein Gefühl dafür, dass Jonglieren ganz schön viel Übung bedarf, vor allem dann, wenn linke und rechte Gehirnhälfte bisher noch nicht wirklich viel zusammen unternommen haben. Nun, auf dass sie sich besser kennen lernen in Zukunft. .
Fit und Gesund: Jetzt tun wir mal etwas für die Gesundheit. Ich stelle mich auf und warte auf Instruktion. Der Kurs ist recht locker. Es wird ein beweglicher Stab, den ich vorher noch nie gesehen habe, eingesetzt, der einmal die Arme richtig durchschüttelt. Dieser Kurs ist sehr locker, was mich freut, da sich die Motivation immer mehr verabschiedet und der Muskelkater sich bereits in dem Stadion befindet, dass man alleine nicht mehr die Treppen hoch und runter kommt. Erschöpfungsfaktor: gering.
Body-Fitness ist eigentlich ein anderes Wort für Body-Workout. Die Übungen sind quasi identisch und sprechen daher auch die gleichen Muskelpartien an. So ein Mist! Noch mehr Schmerzen. Ich bin froh, wenn die Stunde vorbei ist. Aufgeben ist nicht.
Hockey: Am Mittwoch habe ich einen so heftigen Muskelkater, dass ich beim Treppensteigen den Handlauf verwende. Aber egal, jammern werde ich später in meinem Artikel – also jetzt –, erstmal muss ich zum Unihockey. Da wegen der nahenden Weihnachtsferien nur acht Leute gekommen sind, ist das eine ziemlich Rennerei (hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich Muskelkater habe?), macht aber richtig Spaß und in der recht gemischten Mannschaft komme ich auch als Neuling zurecht.
Badminton findet gleich im Anschluss in der selben Halle statt. Das hat zwei Vorteile: Ich komme pünktlich und brauche mich dafür noch nicht mal bewegen. Ab und zu treffe ich sogar den Ball und meine Mitspieler sagen, dass man mir eigentlich fast kaum anmerkt, dass ich seit Jahren nicht mehr gespielt habe, und vorher eineinhalb Stunden Hallenhockey hatte. Nett.
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Fotos: Lea Weber, Jessica Barbato
Donnerstag:
Tai Chi: Hier ist alles extrem, und zwar extrem weich. Das ist nicht nur die Übersetzung, sondern auch Programm: weich fließende Bewegungen, durchaus mit Körperspannung, aber endlich mal weder Ausdauer noch Kraft. Ohne Muskelkater wäre dieser Kurs wirklich so richtig entspannend. Erhalte zunächst Einzeltraining, weil wir uns immer noch kurz vor Weihnachten befinden, bis mein extremer Leidensgenosse Bauch, Beine, Po, Rücken kraftlos aufgibt und nun eintaucht in asiatisch sphärische Klänge mit nur zu passend gehauchten Anweisungen unserer Übungsleiterin. Nach der Einführung bleibt nur zu sagen: Wirklich mal etwas anderes, und man sieht gar nicht so bescheuert aus in der Slowmotion wie etwa noch beim Kickaerobic. Bruce Lees Großmutter wäre stolz.
Cardio Step: Mit Cardio Step bestreite ich den nunmehr fünften und letzten Workout-Kurs der Hochschulsport- und X-treme-Woche. Die choreographischen Einlagen sind verhältnismäßig einfach. Das Step-Board hat es allerdings in sich, und die Hanteln werden auch wieder aus dem Schrank geholt. Alles in allem ein wirklich anstrengender, schweißtreibender Kurs. Dass es kurz vor Zwölf noch einmal so heftig werden würde, war bei dem Namen des Kurses abzusehen. Ich habe es wohl verdrängt und bin froh, als es heißt: Nun legt euch auf die Matten und entspannt. Ja, das mache ich nun.
Selbstverteidigung: Draufhauen, wenn es von Nöten ist , kann nicht jeder. Dabei ist es in der heutigen Gesellschaft sehr wichtig, sich verteidigen zu können. Der Peter gab uns hierbei eine kleine Einführung. Erschöpfungsfaktor: sehr hoch.
Aqua-Fitness: Ich mag Wasser. Und Aqua Fitness von nun an auch. Mit eigentlich ausschließlich weiblichen Mitmenschen im Vechteraner Schwimmbad herumzuplanschen hat mir gut gefallen. Man lernt neue Leute kennen und kann nach dem Kurs noch umsonst das Bad nutzen. Wie praktisch. Kerlen wird ermöglicht, Frauenbekanntschaften zu machen: was will man(n) mehr?
Bauch, Beine, Po, Rücken: Ich bin so fit wie Johannes Heesters. Weniger ist mehr gilt offensichtlich nicht bloß für Benzinpreise. BBPR ist irgendwie eher schmerzhaft, weil ich einen fiesen Muskelkater in Bauch, Beinen, Po und Rücken habe (übrigens nicht nur dort).
Fazit:
Die Woche war außerordentlich anstrengend, aber auch spannend und lehrreich. Das Gerücht, Sport ist Mord, können wir in einer solchen Dosierung nur teilweise bestätigen. Die Muskeln verabschiedeten sich bereits Mitte der Woche, aber der Geist und der Wille haben im Sinne der Berichterstattung überlebt.
von Jessica Barbato, Mira Brink, René Kohn und Stefan Hirsch

Lehrer vs. Pädagogen

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Lehrer und Pädagogen – ein ungleiches Paar?
© Klaus-Uwe Gerhardt / PIXELIO
Was Lehrer und Lehrerinnen nicht alles sind oder besser sein sollen…
Als eine Art berufliches Sammelbecken vereinigt sich gleich ein ganzes Sammelsurium an möglichen Berufsbezeichnungen in ihren Spiegelbildern, die man nur zu gerne sieht, blickt man in eben dieses Becken. Verzerrungen werden scheinbar übersehen. Allein das bemühte Bild gibt bereits zu bedenken. Lehrer, das ist „ein“ Beruf. Soviel vorweg. Steigen wir dennoch ein in dieses Sammelbecken möglicher Berufszuschreibungen. Wer kennt sie nicht, diese Kinder aus Pädagogen-Familien? Und welche Berufe verbergen sich dahinter? Natürlich, ein Lehrer-Ehepaar. Lehrer sind also Pädagogen. Hierfür gibt es zwar einen eigenen Studiengang, aber gehen wir diesem Bild nach. Anteile des Lehrerstudiums beschäftigen sich klar mit Fragen aus der Erziehungswissenschaft. Jeder Lehramtskandidat hat denn auch zu lernen, was unter „Pädagogik“ zu verstehen ist. Aber heißt das späterhin auch, dass man Pädagoge ist? Wohl nicht. Es ist eine Zuschreibung. Der Lehrer mutiert damit, wie so oft, zu einer Art Projektionsscheibe einer kränkelnden Gesellschaft. Diagnose: Verdrängung, etwa von Aufgaben, die primär in der Familie zu leisten sind und meinetwegen auch von ausgebildeteten Pädagogen. Diesen Ansprüchen kommen Lehramtskandidaten dann mit Idealismus entgegen, der schnell bröckelt. Lehramtskandidaten tun sich dann auch besser, wenn sie sich selbst weniger als angehende Pädagogen als vielmehr eben als angehende Lehrer sehen. Dieser handelt zwar späterhin in bestimmten Situationen und Institutionen, in denen es auch auch um Persönlichkeitsentwicklung geht; das ist bereits dem simplen Umstand bei aller geachteten Komplexität zu verdanken, dass Menschen immer aufeinander einwirken und sich entsprechend beeinflussen, prägen etc. Es ist aber vorrangig nicht das Ziel des Lehrers, erzieherisch und damit pädagogisch zu handeln, sondern es ist seine Aufgabe, Wissen vermitteln zu können. Oder er schafft Situationen, in denen Wissen aufgebaut werden kann. Diese Tätigkeit ist weniger eine pädagogische als vielmehr eine didaktische. Dahinter stehen neben grundlegenden Techniken und Methoden der Vermittlung gleichsam ein fachwissenschaftliches Studium von zwei Fächern. Ohne eine solche Ausbildung kann ein Lehrer, selbst wenn er noch so pädagogisch handeln und wirken will, kein adäquater Berater oder Begleiter sein. Dass Kinder und Jugendliche in dieser Zeit und auch in Lernprozessen neue Erkenntnisse hinzugewinnen, zu lernen lernen und sich nicht zuletzt weiter entwickeln oder eben auch manchmal verharren, stehen bleiben und erst einmal zurückrudern müssen, das alles mag zu der verqueren Aussage führen, Lehrer seien Pädagogen. Nein, sie sind Lehrer, wenngleich sie das Studiensystem derweil als Meister der Erziehung entlässt.
von René Kohn
Lehrer sind keine Pädagogen, sollten es aber werden!
Lehrer sind in meinen Augen keine Pädagogen, aber sie sollten es sein. In der Schule ging es noch nie nur um bloße Wissensvermittlung, dennoch liegt der Schwerpunkt der Lehrerausbildung auf den Fachwissenschaften und die Pädagogik findet nur am Rande statt und meist in Form der alten Klassiker. In Zeiten, in denen Lehrer reihenweise das Handtuch schmeißen (Bsp. Rütli- Schule), in der Verarmung (wirtschaftlich und seelisch) in der Gesellschaft zunimmt, sind Lehrer mehr denn je mit verhaltensauffälligen und vernachlässigten Kindern konfrontiert. Die Schule ist in einem Land mit Schulpflicht für jeden eine wichtige und prägende Institution.
Es sind also vielfältige Aufgaben und Problematiken, welche ein Lehrer zu bewältigen hat, wohlgemerkt neben dem Anspruch, dem Lehrplan gerecht zu werden. Dennoch wird an den Universitäten nicht auf diese Herausforderungen reagiert. Es fehlen Angebote für die Studierenden, welche sie befähigen, im Klassenzimmer zu agieren und angemessen zu reagieren. Es fehlt pädagogisches Handwerkszeug, welches die Lehrer auch die Selbstsorge lehrt. Steigende Burnout-Zahlen bei Lehrern zeigen die Notwendigkeit von Strategien zur Psychohygiene, welche durch eine umfassende pädagogische Ausbildung erlernt werden können.
Didaktik und Pädagogik sind keine Gegensätze und sollten Hand in Hand gehen.
Noch sind Lehrer keine Pädagogen, aber sie sollten es werden!
von Stefanie Bruns

Alle Jubeljahre – Jubiläen: Die Geschichte von B. und M.

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Boris Antonio und seine Schwester Maria Esclarmonde (im Folgenden B.A. und M.Ed.) hatten es von Anfang an nicht leicht. Mit ihrer Geburtsstadt hatten sie noch verhältnismäßig Glück. Im schönen Italien lag die Stadt, die ein wenig klingt wie eine berühmte Speise aus dem selben Land: Bologna. Und selbst mit der Familie war es gar nicht so schlecht um sie bestellt: Sie war riesengroß, und die Verwandten kamen aus fast allen europäischen Ländern. So weit so gut. Oder auch nicht? Der Schein trog, denn so toll es war, eine solch große Familie zu haben, sie alle, ob Tante Amelié aus Frankreich oder Onkel Karl Heinz aus Deutschland, sie alle hatten immer irgendwas auszusetzen und wussten natürlich immer alles besser. Egal, wohin sie reisten, und sie reisten viel und gern, immer war da jemand, der es besser wusste und auf den sie sich neu einzustellen hatten.
© magicpen / PIXELIO
Da kamen die beiden eines Tages auf die glorreiche Idee, die kurze Zeit, die sie ja immer nur zur Verfügung hatten, so gut wie nur möglich auszunutzen und stellten gemeine Dinge an. Ihr Lieblingsziel war zumeist die Universität der Stadt – merkwürdigerweise gab es in jeder Stadt, in der ihre Verwandten lebten, eine Universität. Hier stürmten sie die Büros, gingen an die Schränke und Schreibtische, tauschten Zettel aus, spielten mit dem Kopierer, fertigten Kollagen an… Schließlich zogen sie weiter und hinterließen, wie Kinder das nun mal gerne tun, ein gewaltiges Chaos, das Tante Amelié schon erleben durfte, was sie aber für sich behielt und ihrem Bruder Karl Heinz in Deutschland verschwieg. Hier nun wüteten die beiden in den vergangenen Jahren kreuz und quer durch die Republik und besuchten viele ihrer Verwandten.
Erst einmal ins schulfähige Alter gekommen, galt es natürlich, nebenbei einen Schulabschluss zu machen, und hier kommen wir nun wieder zum Anfang zurück, denn leicht, so haben wir festgestellt, hatten es die beiden nun wahrlich nicht. Die ständigen Wechsel und Veränderungen in ihrem Leben, kein wirkliches Zuhause, das fehlende stabile Umfeld – kein Wunder, dass die beiden Kinder ganz verunsichert sein mussten. Ihr chaotisches, zuweilen zerstörerisches Verhalten mag ein Ventil hierfür sein, dass niemand sie wirklich und für längere Zeit in ihr Herz geschlossen hat. Nur schwer fanden sie Anschluss, wenn sie wieder einmal neu irgendwo ankamen; sie waren oftmals sehr eigen, zuweilen sehr auf sich selbst bedacht, ohne wirkliches Interesse am Mitmenschen. Und was ihre Leistungen anging, nun, die wurden so unterschiedlich bewertet, so unterschiedlich Tante Amelié aus Frankreich und Onkel Karl Heinz aus Deutschland sprechen, der wiederum seinen schwäbelnden Bruder, den Peter, kaum verstand. Mal waren sie die Besten, mal Mittelfeld, mal die die Schlechtesten; manchmal kam es sogar vor, dass man gar nichts mit ihnen anzufangen wusste. Was habt ihr da gemacht? Und warum?, hieß es dann etwa, und B.A. und seine Schwester M.Ed. schüttelten die Köpfe. Keine Ahnung, wir haben das einfach so gemacht, sagten sie dann. Aber einmal abgesehen von dem mangelnden Sozialverhalten und den unterschiedlich bewerteten Voraussetzungen, wer ihnen vorwarf, sie lernten zu langsam oder seien immer nur abgelenkt, nun, denen kann gesagt werden, dass sie sehr tüchtig waren. Schnell holten sie Stoff auf und nach, erzielten gute bis sehr gute Ergebnisse und wurden schließlich in die Klasse 4 versetzt – Abschlussklasse Primarschule. Das ist jetzt.
© Thomas Kölsch / PIXELIO
Es geht um nichts weniger als um die Empfehlung für die weiterführende Schule. Es geht also um Weichenstellung für die Zukunft. Dass Züge, besonders schnellere, hierbei schon entgleist sind, ist kein Geheimnis, und ein wenig Angst können B.A. und seine Schwester M.Ed. auch haben: Eifrig dabei sind etwa 23.000 Kollegen von Karl Heinz und Peter, die Gleise zu demontieren. Sie, Professoren, Dozenten, Wissenschaftler, sprechen sich nämlich für eine neue Strecke aus. Der Weg des Geschwisterpärchens, wir konnten ihn ein wenig begleiten, habe nämlich alles andere als Erfolge gebracht: Viel zu viele wollen viel zu viele Interessen durchsetzen und vergessen darüber das, worum es einst ging, damals in Bologna: B.A. und MEd – das sollten Symbole, Garanten, Statusfiguren für Internationalisierung und Vergleichbarkeit werden. Und was noch? Kürzere Studienzeiten. Na gut, geschenkt. Letzteres kann man aber auch verdrehen: Quantität vor Qualität. Stichwort Scheuklappenstudium. Und was stellen wir hierzulande bei Karl Heinz und Peter noch fest? Es studieren nicht mehr StudentInnen – der Geschwisterboom um B.A. und M.Ed. blieb aus. Die Abbrecherquoten steigen. Stichworte: Gleiche Stofffülle bei kürzerer Studiendauer. Und bis man eine Person gefunden hat, die einem eine Prüfungsordnung erklären kann, nun, das war wohlmöglich auch früher schon nicht so einfach. Aber damals hatten sich die meisten an die alte Prüfungsordnung mittlerweile gewöhnt und wussten, was drin stand.
Hintergrund:
Im nächsten Jahr wird der Bologna-Beschluss 10 Jahre alt. Kein Grund zu feiern, sagen sich 23.000 Professoren und Wissenschaftler. Sie haben ihre Unterschrift dafür gegeben, dass sofortige drastische Gegenmaßnahmen bzgl. des Bachelor-Studienganges eingeleitet werden.
Abgesehen davon lässt die europäische Geschichte in Hinblick auf den Bachelarius-Abschluss keinen Optimiusmus für diesen versprühen: Immer wieder wurde er eingeführt, um einige Jahre später wieder zu verschwinden.
Welche Empfehlung also geben wir unseren künftigen Zehnjährigen im nächsten Jahr? Trotz tüchtigen Arbeitsverhaltens, trotz guter bis sehr guter Noten? Sollte man sie noch einmal wiederholen lassen, um Zeit zu gewinnen für die richtige Entscheidung und den hoffentlich richtigen Weg? Oder im Gegenteil: Schicken wir sie auf eine Schule für Hochbegabte und schauen, was passiert. Hier findet doch Förderung statt, wenn es auch nur für die Wenigsten ist (vgl. Studierendenzahlen). Oder sollten wir ein einfaches Ticket ohne Rückfahrt nach Bologna kaufen, und sie erst dann wieder in die weite Welt schicken, bis dort all die Zettel sortiert worden sind, die die beiden – man verzeihe es ihnen – durcheinander gebracht haben. Ich meine, mein Gott, waren wir nicht alle einmal neun Jahre alt und haben uns so benommen?
Wichtig bleibt, was schon immer wichtig gewesen ist für unsere Kleinen in der Gesellschaft, also auch für Boris Antonio und Maria Esclarmonde: Klare und nachvollziehbare Strukturen zu schaffen, ohne dabei die freie Entfaltung, die Kreativität und die Phantasie vollkommen zu verwerfen, denn das alles werden wir brauchen, um Lösungen zu finden, die dem Wirrwarr der derzeitigen Hochschullandschaft Europas Konstruktives entgegensetzen.
von René Kohn

“Er war Superstar. Er war populär.”

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Grabmal von Johann Hölzel in Wien
So lauten die Worte nicht irgendeines Songs irgendeines Künstlers. Hier nämlich wittert Geschichte, Ruhm, Erfolg, Anerkennung. Es handelt sich dabei nämlich um einzigartiges deutschsprachiges Kulturgut, das auch in Übersee so viel Anerkennung fand, dass es sich ganze drei Wochen an der Spitze der Billboard-­Charts halten konnte. Für alle, die nun immer noch krampfhaft in ihren musikalischen Erinnerungen suchen, möge das Geheimnis nun gelüftet werden: Rock Me Amadeus, so nennt sich der Chartbreaker. Und dahinter steht Falco. Und um seine Geschichte oder sagen wir, um einige Stationen davon wird es in diesem Artikel gehen, anlässlich zu seinem 10. Todestag. Das ist der eine Grund, warum gerade Falco ausgewählt wurde, es ist darüber hinaus aber auch die musikalische Geschichte, die etwas Verklärtes, zuweilen vielleicht auch etwas Mystisches an sich hat. Man mag dafür auch das Wort Legende bemühen.
Wo ist er denn also? Mit dem weitaus weniger vermarktungsfähigen Namen Johann Hölzel erblickt dieser im Jahre 1957 in Wien als einziger von drei Überlebenden die Welt. Johanns Geschwister verliert die Mutter nämlich bereits in der Schwangerschaft. Diesen doch eher außergewöhnlichen Umständen folgt im Grunde eine typische Künstlersozialisation: Mit Stützflügel und Plattenspieler war er schon in den ersten Jahren bestens ausgerüstet worden. Die Attestierung des absoluten Gehörs mit fünf Jahren lässt irgendwie darauf schließen, dass Fähigkeiten vermutet und bestätigt wurden, mehr dann aber auch nicht. Im Jugendalter brach er die Schule, wie kann es anders sein, natürlich ab, fing eine Berufsausbildung zum Bürokaufmann bei einer Versicherungsanstalt an, die er auch an den Nagel hing, um dann über einen kurzen Abstecher beim österreichischen Wehrdienst im Bundesheer endlich wieder der eigentlichen Passion zu folgen – der Musik – und begann ein Studium am Wiener Musikkonservatorium, das er wiederum schmiss, um „ein richtiger Musiker“ zu werden. Mit E-Gitarre und Bass zog er vornehmlich durch Wien und machte sich einen Namen vor allem in der Underground-Szene. Ach ja, was den Namen angeht, so spielte hier der Skispringer mit dem durchaus sprechenden Namen, Falko Weißpflog, auch der „Falke“ genannt, den Namenspatron.
Falco, bestach durch zweierlei, was sich im Grunde nie ändern sollte: Zum einen war es sein äußerliches Gebärden, so kokettierte er gerne mit gespielter oder ernsthafter (?) Eitelkeit und Dekadenz. Beispiel: Bei einem Auftritt trug er über seinem Anzug einen Plastikschutz. Zum anderen waren es seine Texte, die teils so provokativ anmuteten, dass sie von Hörsendern boykottiert wurden. Bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl die 1986 erschiene Single-Auskopplung aus seinem erfolgreichsten Album (Falco 3), Jeanny und das dazugehörige Video, in dem er sich selbst in Zwangsjacke als Frauenmörder darstellt. Begründung: Gewalt verherrlichend. Neben Gewalt ist es aber vor allem die Wiener Drogenszene, welche er lyrisch mal deutlich, mal unterschwellig ironisch bearbeitet. Dass der Mann mit dem Koks in den 90er Jahren auftaucht – stilistisch nun im Elektro-Pop-Gewand –, trägt dem Spiel mit der doppelten Bedeutung vor diesem Hintergrund Rechnung. Die dreifache Bedeutung mag ersehen werden, wenn man Falcos Alkohol- und Drogenprobleme ergänzt.
Es sind diese Doppeldeutigkeiten und Verweise zwischen Künstler und Werk, die Falcos Geschichte ausmachen. Er war ein Selbstinszenierer par exellence und wusste dies auch gut zu verpacken, sei es in Plastikschutzfolie oder in programmatisch anmutende Texte. Beispiele gefällig? Siehe Überschrift. Mit diesen Zeilen schaffte Falco den internationalen Durchbruch, und ob damit nur Amadeus gemeint war, wer weiß es… Die ganze Welt dreht sich um mich, hieß es Ende der 90er in der Egoist. Die wohl berühmtesten Worte hörten wir aber nach seinem Ableben bei einem tragischen Autounfall in der Dominikanischen Republik, seiner letzten Heimat, wenn er in Out Of The Dark sprechsingt: Muss ich denn sterben, um zu leben? Das ewige Hinterherhängen nach dem einstmals großen Erfolg in den 80er Jahren sollte nach seinem Tod vorbei sein, denn er schaffte es ein zweites Mal durchzustarten, leider ohne es selbst mitzubekommen.
Ach ja, und wer nun meint, hey, Falco, der war doch voll uncool, und der konnte doch gar nicht rappen, dem sei gesagt, dass er mit Der Kommissar den ersten erfolgreichen Rap-Song eines ‚Weißen’ auf sich vereinigen konnte – noch vor Eminem! In diesem Sinne.
von René Kohn

Strahlend durchs Studium

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Dieses Mal trafen wir auf den Elektriker der Uni, Heinrich Luers. Bepackt mit einem kleinen quadratischen Mitbringsel, einem Buch zum Energiesparen, erfuhren wir nicht nur einige praktische Tipps zum nachhaltigeren Umgang mit Strom, sondern auch etwas darüber, was unser Hauselektriker außerdem macht, wenn er nicht gerade à la MacGyver-Manier alles dafür tut, dass wir strahlend durchs Studium gehen können. Der Stromtipp vorweg: Licht aus, wenn ihr den Seminarraum verlasst.
Foto: Hochschule Vechta
Wann und wie sind Sie zur Hochschule gekommen?
Ich hab vorher beim Elektrounternehmer in Visbeck gearbeitet, der seinen Laden dann zugemacht hat. Meine Vorstellung war es aber schon immer als Hausmeister zu arbeiten. Dann kam die Uni. Und das war 1983.
Da geben Sie im Grunde schon das Stichwort: Wie fühlt es sich an, 25 Jahre in einem Betrieb zu sein?
Kann man sich nicht vorstellen. Die sind so verflogen.
Das ist doch eine gute Sache, wenn man denkt, dass es gar nicht so lange war, dann muss die Arbeit ja eigentlich Spaß machen, oder?
Richtig, ist nicht schlecht.
Besondere Erinnerungen an diese 25 Jahre?
Wir waren zweimal auf einer Demo in Hannover. Die wollten die Uni schließen. Damals war ja nix los. 300, maximal 500 Studenten. Kein Vergleich zu heute! Dann sind wir mitgefahren nach Hannover und haben demonstriert.
Mit Erfolg. (beide lachen)
Ob das unser Erfolg war, weiß ich nicht.
Was gibt’s denn sonst noch für bewegende Momente?
Eine lustige Geschichte fällt mir noch ein: Da gab es mal einen Stromausfall im Seminarraum bei den Biologen im A-Trakt, und ich wurde gerufen. Die Studenten hatten Mikroskope aufgebaut, und nichts ging mehr. Der Fehler war schnell gefunden, und so bekam ich vom voll besetzten Seminarraum Applaus dafür.
Ja, schön! Zu ihrer Arbeit als Elektriker. Als Laie denke ich jetzt mal, dass Sie mindestens gut in Physik waren?
Als Kind hab ich Elektrikern bei der Arbeit zugesehen. Das hat mich fasziniert. Da hab ich dann selber rumgebastelt. Das war mein Ding, und das wollt ich dann auch machen.
Das Hobby also zum Beruf gemacht.
Ich habe auch noch andere Hobbys, so ist es nicht.
Ja? Was denn?
Damals hab ich Super8-Filme gemacht. 1984 war das. Da hab ich meine erste Kamera gekauft. Das war eine ganz einfache Stummfilmkamera und ich hab ich pausenlos gefilmt. Das ist mein 2. Hobby.
Ach so, und das betreiben sie heute auch noch?!
Natürlich, aber heute filme ich mit Video-Kamera.
Und irgendwelche besonderen Sachen oder Motive?
Hauptsächlich Familienaufnahmen, also eher privat. Wobei, einmal haben wir einen Sketsch an der Uni gedreht, aber das muss ja nicht in die Zeitung rein. (lachen)
Lüersche Filmaufnahmen werden wir also nicht an der Uni zu sehen bekommen. Schade. Wieder zurück zu Ihrer Arbeit als Elektriker hier an der Uni: Was heißt es, einen Tag Elektriker an der Hochschule zu sein?
Das ist eine ganze Menge. Geräteprüfung. Um die Telefonanlage kümmere ich mich auch. Fast täglich schalte ich da Telefone um oder frei. Leuchtmittel wechseln gehört ja sowieso dazu. Ich habe das mal durchgerechnet, wie viele Glühbirnen und Röhren ich in den vergangenen 25 ausgewechselt habe: Das waren ca. 46.000 Stück.
Wow! Wahnsinn!
Nun, dann bin ich da, wenn der Strom ausfällt oder auch für die Aufzüge.
Gab’s den Fall schon mal, dass jemand stecken geblieben ist?
Also nicht bei mir, ich hab noch keinen rausgeholt. Mein Kollege hat mal jemanden aus dem Aufzug in der Bibliothek befreit.
Apropros Bibliothek. Was passiert da eigentlich genau, von wegen Umbauarbeiten?
Also im nächsten Jahr gibt’s da erst wesentliche Änderungen, dann kommt dann nämlich die Ausleihtheke nach unten.
Oh, interessant. Was kann die Hochschule denn noch gebrauchen – was wünschen Sie ihr für die nächsten 25 Jahre?
Dass es weiter so aufwärts geht wie jetzt…, dass sie dann baldigst eine Universität ist.
Ja. Und für sich selbst?
Für mich selbst? Gesundheit.
Ist was für die nächsten 25 Jahre geplant, gibt’s da noch was, steht da noch was an?
12 Jahre hier noch, denk ich. Dann bin ich im Rentenalter. Und danach… mein Leben genießen.
Das Interview führte René Kohn.

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Schadstoffstark und leistungsarm

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Bildnachweis: bs, rk
Geplanter Stopp
kurz vor der niederländischen Grenze
Foto: Britta Simon, René Kohn
Wieso werden Bekannte ständig an der Grenze zwischen Holland und Deutschland angehalten? Liegt es vielleicht am Fahrzeug (VW Bus T1) mit dem sich schmuggeln noch lohnen würde? Liegt es an den klischeebehafteten Dreadlocks? Oder sind es die schweren Augenlider, mit denen manche aufgrund einer Liderschwäche schon seitdem sie vier sind herumlaufen müssen? Ist der Faktor „Aussehen“ überhaupt ein Kriterium für Zollfahnder, sich die Gestalten im Auto genauer anzusehen?
Wir haben wirklich an alles gedacht und vorher im Internet ausspioniert, wie man sich am sichersten in die Fänge des Zolles bringt. Das ist eigentlich ganz einfach: Nächstgrößere niederländische Stadt anfahren, sich zwielichtig vor Coffeeshops rumtreiben, den Beamten Zeit lassen, sich das Kennzeichen zu notieren und dann möglichst unauffällig über die fast unsichtbare Grenze zwischen der BRD und den Niederlanden fahren. Irgendwann sollte man dann, wenn man alles richtig gemacht hat, an den rechten Seitenstreifen gelotst werden und sich den Damen und Herren der Grenzüberwachung stellen dürfen.
Die Idee:
Wir fahren nach Holland und überqueren die Grenze immer und immer wieder, in unterschiedlichen Verkleidungen und Autos, bis wir angehalten werden und der niederländischen oder deutschen Polizei erklären, wie die Mottoparty heißt, zu der wir unterwegs sind. Das wird ein Spaß!!!
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Flower Power-Posing
Foto: Britta Simon
Materialien:
Ein alter, schmutziger, leicht verbeulter Polo FOX und ein neuer, glänzender, schmucker Nissan Micra aus dem großen Fuhrpark der Redaktion. Natürlich tippten wir alle auf eine schnelle Gefangennahme des Fuchses.
Verkleidungskrams (Perücken, Schminke, Kostüme), Utensilien (große Schultüte, die wir entsprechend gestalten, Schmuck, Sonnenbrillen…)
Die Durchführung:
Wir fahren vormittags los in Richtung und durchs Emsland, Haren. Der Grenzübergang befindet sich von Vechta aus in etwa 150 km Entfernung. Zwei Kilometer davor ist der Treffpunkt auf der deutschen Seite. Zwei Kilometer hinter der Grenze der niederländische. Ist klar, oder? Am Treffpunkt wird sich umgezogen und schick gemacht für die Überfahrt. Im Falle eines Autos: Vier Male (sprich hin und zurück und hin und zurück), im Falle von zwei Autos die Hälfte, also jeweils hin und zurück. Macht unterm Strich 2-4 Verkleidungen für jeden. Am späten Nachmittag bis abends sollte die Rückreise möglich sein, es sei denn, wir befinden uns derweil in einer Zelle, was blöd wäre, weil wir das ja schon hatten, es sei denn, wir landen in einer niederländischen Zelle – der ultimative Zellenvergleich!
Welche Frage sich dem uniVista-Team stellt, ist nun: Reicht es schon aus, einfach nur unkonform auszusehen und sich in Grenznähe aufzuhalten um Bekanntschaft mit den Wächtern der Grenzen zu machen? Testen.
Einige Möglichkeiten: Langes Haar muss natürlich mindestens in einem Fall aus dem Fenster wild im Fahrtwind wehen. Die Schultüte lugt ebenso aus dem Fenster. Eine Fraktion sollte komplett mit Sonnenbrillen unterwegs sein. Aktenkoffer wären auch nicht schlecht. Höh höh… Personenanzahl:
Bildnachweis: bs, rk
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Fotos: Britta Simon, René Kohn
Vier Leute in jedem Fall, entweder in einem Auto oder zwei in jedem. Für die Zwei-Auto-Variante wären auch sechs Leute möglich.
Das Hippieoutfit:
So wie unsere Generation es noch aus der CD-Werbung Top Hits of the Sixties kennt. Ihr wisst schon. Diese Werbespots, wonach man denkt, das Sound of Silence und Mercedes Benz ein und derselbe Song sind oder zumindest, dass sich diese astrein zusammenmixen lassen.
Außerirdisch:
Ein bisschen Alufolie auf dem Schädel toupieren und schon sieht man aus wie ein merkwürdiges Alien. Oder zumindest wie jemand, der Alufolie auf dem Kopf hat. Alf und E.T. drehen sich im kleinen Grabe um.
Geisterfahrer:
Der alte Bettlakentrick schockt immer noch. Und immer dran denken: Große Augenlöcher und eine Mundöffnung sind essentiell für einen gutgelaunten Poltergeist!
Piekfein:
Ja ja, wir putzten uns raus. Nur vom Feinsten. Mein lieber Scholli, ich hab den Anzug immer noch an. Wenn Oma uns so sehen könnte. Piekfein und irgendwo im Nirgendwo.
Von der Theorie in die Praxis:
Die Hinreise im Schnelldurchlauf: Einsteigen, fahren, aussteigen, tanken, einsteigen, fahren, fahren, fahren, aussteigen, Kostüm wählen, umziehen, einsteigen, über die Grenze fahren.
Der piekfeine Dress brachte leider nicht den gewünschten Erfolg. Es war keine Polizistenseele in Sicht. Warum auch? Es ist ja nichts Besonderes, gut gekleidet zu sein. Mehr Chancen erhofften wir uns von den außerirdischen Metallköpfen, doch nichts geschah.
Der Geist brachte auch keinerlei Erfolg. Wieder ein Bettlaken umsonst geopfert. Das nächste mal wird themengerecht gefahren: Gegen den Strom!
Auch das Hippieoutfit, auf welches wir in Verbindung mit dem alten, schmutzigen (ihr wisst schon…) Polo FOX fast schon all unser Bargeld gewettet hätten, machte uns keineswegs verdächtiger. Da kann man nur sagen „Myth busted“ und wieder was gelernt. Es liegt nicht am Aussehen der Fahrzeuginsassen, ob man an den Grenzen einer Kontrolle unterzogen wird. Den Grenzbewachern hätte eine gewisse Toleranz zugesprochen werden können, wenn denn welche vor Ort gewesen wären. Dieser Test ist unbedingt zur Nachahmung geeignet, wenn man einmal „Schadstoffstark und leistungsarm“ handeln möchte.
von Kai Pröpper, René Kohn, Stefanie Bruns und Britta Simon.
Ihr wollt uns leiden sehen? Verständlich!
Schickt eigene Vorschläge für uniVista x-treme an
redaktion[at]univista.de

Oh, es klingelt,…
Über das geschlechtsspezifische Fernmeldeverhalten

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“… Hallo, ich bin´s. … Was war denn das heut‘ Morgen im Seminar? Was wollte der Typ denn bitte von dir? (lacht) … (lacht wieder) … Ja, das habe ich mich auch gefragt. … Und eben auf dem Weg nach Hause …. Ja … Da hab ich Katha getroffen. … Du weißt schon, die mit dem Freund. … Na, der mit diesem seltsamen … Genau! (kichert) Naja, sie hat mir erzählt, dass sie Herrn P. gesehen hat. … Nein, nicht in der Uni. Rate! … Nein. … Schlimmer! …. Noch schlimmer! … Genau, in ihrer WG! … Er kam aus dem Zimmer ihrer Mitbewohnerin. Morgens! … Nee, ich kenn die nicht. … Ach. … Ach! … DIE ist das? Hat die nicht `nen Freund? … Ach so, hab ich verwechselt. Aber wie krass ist denn das? … Naja, zurück zu vorhin. Was hat der Typ gesagt? … Schon ein bisschen stumpf, oder? … Und, was machst du jetzt? … Echt? … Hm, ich weiß nicht. Sicher? … Wart‘ doch erst mal heute Abend ab. … Wie, du kommst nicht? Warum? … Kein Geld ist keine Ausrede. … Man, hier geht doch sonst nix, da muss man wenigstens mittwochs los. … Wir könnten doch vorsaufen. … Ich hab noch Reste. … Eklig? Eklig macht besoffen! (lacht) … Doch doch, das wird super. … Kannst ihn ja auch einladen. (lacht lauter) … Ok, eigentlich war das ein Scherz. … Naja, kannste ruhig machen. Ich frag dann noch ein paar Leute. … Ich meld mich später noch mal. … tschüß!“ „ … Hey. … Richtig! … Also, ich wollt dich fragen, ob du heut‘ Abend zum Vorsaufen kommst. … Bei mir. … Keine Ahnung, so um acht, neun? … Das ist ja super, ich hab auch noch was. … (lacht) … Ja, das hab ich auch schon gehört. Krass, ne?! … Ich dacht auch, ich fall aus allen Wolken, als Nadja das erzählt hat. … Unglaublich. … Ich mein … Irgendwie ist er ja auch ganz niedlich. … Naja, im Vergleich zu den anderen Profs. … Nein, ich bin nicht eklig! (lacht leise) … Oh, warte mal grad. … Da war nur grad mein Mitbewohner, hab das mal mit heut‘ geklärt. Der lädt dann auch noch ein paar Leute ein. … Gut, dann bis später! …”
“… Hallo. … Ich bin´s. … Ich rufe eigentlich an wegen…
Bildnachweis: pixelio.de (162319, 162320)
© Konstantin Gastmann / PIXELIO
Genau, woher … Ach, und hat sie auch von ihrer neuen Bekanntschaft erzählt? … Ja, dem Typen von heut‘ Morgen. … Der aus dem Seminar. … Ja, sie will sich ja anscheinend wirklich mit dem treffen! Oder ihn mitbringen heut Abend. … Hm. (lacht) … Und das von Nadjas Mitbewohnerin, haste das gehört? … … …”
von Julia Stock
Frauen und Naturwissenschaften, diese Kombination klingt ebenso phantastisch wie Frauen und Technik. Aber war es nicht Madame Curie, die das hochgefährliche Radium entdeckte? Und was die zweite Sache betrifft, fällt mir auf Anhieb eine technische Errungenschaft ein, die zwar von keiner Frau erfunden worden ist, aber die sie sich so sehr zu eigen gemacht hat, dass man das eine nicht mehr ohne das andere denken kann: das Telefon. Es ist schon abenteuerlich, wie lange und mit welcher Intensität die weiblichen Wesen unter uns das Telefonieren zelebrieren. Tag ein, Nacht ein – aus. Welch verbales Spiel, das kein Gegenüber in 3D braucht, welch gestische Vollkommenheit, die seit der Erfindung des kabellosen Telekommunikationsgerätes weitere Perfektion erfährt. Von Handys und den grenzen- und mauerlosen Möglichkeiten gar nicht zu sprechen. Unter dem Strich ist das alles wirklich eindrucksvoll und irgendwie, ja, auch irgendwie erschreckend. Was Männer vielleicht am Anfang einer Beziehung und ansatzweise in Fernbeziehungen schaffen und sonst möglichst kompakt in drei Sätzen runtersagen, da kommt Frau und füllt auf: ein eingeschobener Nebensatz, denn so gehört es sich, hier. Einen Hauptsatz finden wir noch dort. Und am Ende ist noch lange kein Ende in Sicht, sondern Punkt Punkt Punkt… Es ist nicht so, dass ich ein absoluter Anti-Telefonierer bin, ganz bestimmt nicht, aber manchmal habe ich einfach keine Lust. Ich sage dann Ja- oder Hm- oder Mhm-Sätze. Kennt jeder. Und manchmal bewege ich ganz langsam den Hörer weg, die Stimme am anderen Ende wird dann immer leiser. Dann wieder halte ich nur meinen Mund dran und sage einen dieser besagten Sätze, am besten aber nicht Ja, wenn ich vorher gar nichts gehört habe. Wenn Frau trotzdem fragen sollte, warum ich Mhm oder Hm gesagt habe, dann kommt die Ausrede mit dem Pudding, den ich gerade esse und der mir schmeckt. Nüsse eignen sich verständlicherweise nicht. Übrigens ist das mit dem Essen eine galante Ausrede, wie ich finde, denn beim Essen will man doch niemanden stören, oder? Also ist das Gespräch beendet. Bis es dann zehn Minuten später wieder klingelt. Man könnte dann unter die Dusche gesprungen sein, nen Spontanbesuch von nem Kumpel bekommen haben – nur auf ein Bier, versprochen! Man könnte, man könnte. Mann hätte auch etwas anderes erfinden können als das Telefon. Aber dann hätte es die Frau irgendwann erfunden. Garantiert! Und ich glaube sowieso, dass ein kaputtes Telefon, das noch funktionieren könnte, von einer Frau, eingeschlossen in einem Raum, ohne Probleme, mit etwas Zeit, repariert werden würde. Garantiert.
Nun gut, ich mache Schluss, denn es klingelt … oh, es ist das Telefon…
von René Kohn

PDF-Version der 7. Ausgabe

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Das erste Mal…

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Wer erinnert sich nicht an seinen ersten Besuch bei Ikea, die ersten komischen Dinge, die man so in den Mund genommen hat, die ersten Panikattacken, die ersten körperlichen und geistigen Unfälle? Die Liste könnte ewig so weiter gehen, und manches davon möchte man gar nicht erlebt haben oder aber ganz schnell wieder vergessen. Wir haben uns gedacht: Verdrängen hilft nicht. Also setzten wir uns auseinander mit unserer Vergangenheit und schrieben sie auf, all die ersten Male, die uns geprägt haben. Die Titelstory gewährt euch also tiefe Einblicke in das Leben der Redaktion, exemplarisch also für den Rest der Weltbevölkerung, und lässt euch teilhaben an Dingen, die man die ersten zehn Jahre geheim hält, um dann leicht schmunzelnd darüber zu reflektieren. Gleichsam bildet die Titelgeschichte den Auftakt für die gleichnamige Rubrik, welche dann ab der nächsten uniVista im Sommersemester 2008 regelmäßig erscheint.
Natürlich seid auch ihr aufgefordert, uns an euren ersten Malen teilhaben zu lassen. Egal ob Konzertbesuch, Gefrierbrand am eigenen Körper oder Candlelight Dinner, lasst eure Gedanken schweifen, schreibt sie nieder und schickt sie uns.
…oraler Kontakt mit seltsamen Dingen
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Langsam schließe ich die Lippen um ihn, lasse ihn weiter in den Mund gleiten und betaste ihn vorsichtig und ein wenig scheu mit der Zunge…er fühlt sich glatt an und irgendwie hart…
Verdammt! Ich rede von einem gerösteten Mehlwurm, den ich gerade in den Mund genommen habe!! Ihr erinnert euch noch an diese witzigen Lutscher mit den Insekten drin? Ich musste unbedingt einen haben und zum ersten Mal ein Insekt essen…man, fühlte ich mich beim Kauf cool!! Nun, ich hab’s getan…und ihn gegessen…schmeckte ein wenig wie zu Brikett getoastetes Weißbrot. Also nicht so lecker. Aber der mehlwurmumhüllende Lutscher war gut.
…Kontakt zu den (gelben) Engel
Ich höre eigentlich immer Radio. Nein, eigentlich läuft immer Kassette. Auf jeden Fall Musik. Und diese laut. Wenn ich Auto fahre, brauche ich das. Nur dieses Mal hab ich das aus unerklärlichen Gründen nicht gemacht. Und so hörte ich den Knall. Ich konnte das gar nicht richtig zuordnen. Dann merkte ich, dass das Auto komisch fuhr, dann wieder, dass das Geräusch nicht besser wurde und dann, dass mir ein Reifen fehlte. Hinten links. 120kmh. A 29. Mahlzeit! Hinter mir kein Auto. Durchatmen. Auf den Seitenstreifen fahren. Ruhig bleiben. Keine Panik. Ich sagte mir das immer wieder und tat einfach alles dagegen. Und ich meine: wirklich alles. Das ganze Register. Ich rief bei dem Freund meiner Mutter an, Kfz-Meister. Der muss doch Ahnung haben. Ich machte den Kofferraum auf, suchte nach Ersatzreifen und Wagenheber, fand ersteren, aber den Heber nicht. Ich rief die Polizei an. Römms, Fahrtwind, 200 Sachen. Nein, nicht mein Puls! Wind peitschte mir ins Gesicht.
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© adacta / PIXELIO
Die Autobahn kennt keine Geschwindigkeitsgrenzen. Aber mit Highspeed erfasst zu werden, bringts vermutlich schneller zu Ende als mit gemäßigten 120 ins Wachkoma verfrachtet zu werden. Ich rief die Polizei an. Ich stellte meinen Rucksack mit roter Lasche in 100 Meter Entfernung auf. Wo war nur das Warndreieck? Wo blieb nur die Polizei? Ich suchte weiter nach Wagenheber und Warndreieck. Das Radio blieb aus. Die Polizei kam viel zu spät. Grummelig stieg EINER aus. Und WIDERWILLIG rief er den ADAC. Kommunikation lief schleppend. Er auf dem Seitenstreifen. Ich hielt mich hinter einem Zaun auf. Ich sollte doch weg von der Fahrbahn, Muttis Freund sagte das doch. Polizei weg. Gott, was dachte der von mir?! Wo bleibt der ADAC? Ich gehe zum Kofferraum, ein letztes Mal. Ich suche und finde: das Warndreieck. Entscheide, dass der Rucksack seinen Zweck tut. Dann kommt der Wagenheber zum Vorschein. Ich entscheide mich: mutig zu sein. Ich will doch was zu erzählen haben, wenn ich das hier überlebe. Ich wechsele den ersten Reifen meines Lebens. Ich überlebe. Am Seitenstreifen auf der A29. Nur die A1 hätt das noch toppen können!
…Urlaub ohne die Erzeugerfraktion
Wir hatten es geschafft! Die Schlacht war geschlagen, und wir waren die Sieger. Stolz ohne Ende und mit einem Auto voll Gepäck und Proviant brachen wir nun auf zum ersten Urlaub ohne Eltern am Ostseestrand. Hinfahren durften uns die Erziehungsberechtigten noch. Aber dann waren wir endlich allein. Vier pubertierende Mädchen allein im Bungalow.
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Die Nächte wurden zu Tagen. Es wurde sich geliebt und gestritten ohne Ende. Die Urlaubskasse wurde voll ausgeschöpft, der Strand in Beschlag genommen und die Freiheit genossen. Nach zwei Wochen, die auch in unserer geliebten Seifenoper nicht turbulenter hätten ablaufen können, fühlten wir uns ein bisschen wie die einzigen Überlebenden eines schrecklichen Unglücks, als das Auto unserer Eltern in Sicht kam und wir wieder nach Hause fuhren. Erschöpft, um eine Erfahrung reicher, aber glücklich.
…mit 40 kmh der Schwerkraft trotzen
Als ich vor so einigen Jahren zum Geburtstag einen dieser tollen Fahrradcomputer geschenkt bekam, war völlig klar, was zuerst gemacht werden muss: Ein Geschwindigkeitsrekord muss her! Und da unsere Straße leicht abschüssig war, musste auch genau diese für den Versuch herhalten. Dass sie außerdem wie ein Hufeisen geformt ist, sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Ich begann also an einem schönen heißen Sommertag mit kurzer Hose und T-Shirt los zu brettern. Der Geschwindigkeitsmesser kletterte in ungeahnte Höhen, ich trat in die Pedale wie ein Verrückter, 34, 35, 36, 37… immer höher stieg der Messer an. Dann endlich 40!!! Juhu!!! Als ich dann aber den Kopf hob, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich zwar genug Straße hatte, um auf 40 km/h zu beschleunigen, aber kein einziger Meter Bremsweg zur Verfügung stand. Tief fliegend schlug ich mit dem Vorderrad am Bürgersteig an und wurde aus meinem Sattel über den Maschendrahtzaun auf die andere Seite des Bürgersteigs katapultiert… gerne wäre ich im Zaun gelandet, denn hinter dem Zaun bremsten ja Gott sei Dank nur dornenbewehrte Rosenbüsche meinen Aufprall. Als ich nach ca. 1 Minute des lauten Stöhnens langsam aufstand, sah ich, dass ich eine regelrechte Schneise durch die Büsche gerissen hatte und gute 3 m geflogen war. Das Rad hatte auch einen guten Teil zur Zerstörung des Vorgartens beigetragen, denn es hat beim Aufschlag den Zaun gewichtig zu Boden gepresst. Glücklicherweise hat mich keiner dabei gesehen… und mir geht’s gut, danke!
…auf Tuchfühlung mit der Kreisstadt
Endlich! Ich hatte das Abitur in der Tasche und war nun offiziell an der Hochschule Vechta eingeschrieben. Wer wollte mich jetzt noch aufhalten?
An einem schönen Tag im Oktober sollte es nun soweit sein. In Vechta wartete ein Schlüssel auf mich. Der Schlüssel zur Freiheit! Aber wo ist Vechta eigentlich? Mit vielen guten Ratschlägen und Landkarten machten wir uns auf den Weg. Schließlich kamen wir an. Aber wo war hier die Stadt? Einzelne Gebäude, kein Supermarkt, keine Bank. Wo war ich gelandet?
Besichtigung der WG. Ganz klar, hier wohnen Studenten. Der Kühlschrank war voll, voll mit Bier. Ich war froh, dass ich an diesem Tag noch nicht bleiben musste. Und Bremen und Osna sind ja auch nicht weit.
…einen Freund haben
Bildnachweis: Karen Ishikawa
Foto: Karen Ishikawa
Mein erster Freund war wiederum ein Freund meiner Cousine. Ein netter Junge mit der Aussicht auf einen eigenen Handwerksbetrieb. Groß, blond und mit Brille (denn das sind die besten Typen). Und besagte Verwandte fand wohl, dass es langsam an der Zeit sei, mich zu liieren. Ich war ja immerhin schon 14! Im besten Clueless-Style berichtete sie uns dann gegenseitig von unserer Großartigkeit – großartige Hobbies, großartiger Musikgeschmack (ich hatte damals noch gar keinen Musikgeschmack, bei und zu Hause lief nur FFN), großartige Nettigkeit – und vereinbarte ein erstes Treffen auf ihrem Geburtstag. Es existieren immer noch Fotos davon, anscheinend hatte ich Spaß, an den ich mich aber dank einer Flasche Blue Curaçao zwecks Aufregungsbekämpfung nicht mehr erinnern kann. Als einziges sind mir seine warmen, treuen Hundeaugen im Gedächtnis geblieben (leider stellte er sich als gar nicht so treu heraus, aber das wäre wohl eher eine Episode für „Mein erstes Mal: sich trennen“). Und so kam es von einem Date zum nächsten und von einem Kuss zur Beziehung. Und wie sehr ich verliebt war! Er war toll… Aber vor allem war ich vergeben. Liiert. Eine Pionierin in der Klasse. Das war sicher genauso ausschlaggebend für mein verklärtes Dauergrinsen. Das erste Mal einen Freund haben ist ein großes Gefühl. Ein Gefühl von Verliebtheit, aber auch von Herzschmerz. Mit den Eltern feilschen, um Fahrdienst betteln, die Pille nehmen, den ersten Sex haben, sich ver- und unverstanden fühlen. Vom Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt. Pubertät pur und das zu zweit.
…blau gelbe Impressionen
Bildnachweis: Björn Franke
Foto: Björn Franke
Ich war 21, hatte grade meine erste WG bezogen und brauchte: Möbel. Woher? IKEA! Ja, als jung-dynamische Landpomeranze klang das nach Abenteuer und großer Welt. Her mit Ektorp, Lunna und Köttbullar. Rein in den Konsum. Oh, es war ein Genuss, erst die Fahrt mit der Straßenbahn, dann die S-Bahn nach Köln-Godorf und schließlich der Bus zum Parkplatz… Auf der Heimfahrt beanspruchte ich vier Sitze und mehrere der großen blauen IKEA-Taschen, um all den Krimskrams (natürlich war ich an GLIMMA, den 100 Teelichtern, auch nicht vorbeigekommen) mit sämtlich verfügbaren Verkehrsmitteln in meine Wohnung zu befördern. Mein erstes Mal IKEA? Teuer!
…ungenügende Leistung bringen
Ich war jung, dynamisch trotz Rauchens oder gerade deswegen, in der neunten Klasse, die längste Zeit Streber gewesen. Ich war nun rebellisch (siehe Rauchen), aufmüpfig schon immer, ansonsten jeglichem Unterrichtsgeschehen gegenüber desinteressiert. Ich sagte natürlich nur dann was, wenn ich schweigen sollte und umgekehrt. Und dann war es soweit, ich arbeitete da wirklich drauf hin. Ich wollte es so: Nach Jahren der Zweier, manchmal Einser und der nur wenig befriedigenden Dreier und völlig inakzeptablen Vierer und sinnlosen Fünfer: Endlich die Sechs! Das Fach: Physik. Lichtbrechungswinkel, Fallgeschwindigkeiten, Wellen,… Ich hatte einfach keine Antworten parat auf Optik, Mechanik und wie das alles hieß. Auf die wirklich wichtigen Fragen, etwa wie die Relativitätstheorie denn funktioniere, hatte mein Lehrer entweder keine Antwort für mich, der ja eh nichts verstand oder schlichtweg auch keine Ahnung, was er natürlich nicht zugab. Egal. Denn endlich war sie da, die Sechs! Wie cool man damit war!
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© Hans-Peter Reichartz / PIXELIO
…Selbstfolter für die Schönheit
„Aua…aaaaah…uuuuuh…oh Mensch…tut das weeeeh!!! Ach, ich stell mich nur an, andere machen das doch auch… OH MEIN GOTT!!!! Werden diese Schmerzen jemals enden??“ Ich schaue auf die Anleitung. „WAAAAS? Die Achseln soll man sich damit machen können? Die BINKINIZONE? Sind die wahnsinnig??“ Ich weiß nicht, ob ein Mann sich vorstellen kann, wie das ist, wenn man sich jedes Haar einzeln ausreißt, wenn die fiesen kleinen Metallscheiben ein Haar zu packen bekommen und es samt Wurzel von seinem von Natur aus angestammten Platz gewaltsam entfernen. Jedes Haar, ein neuer individueller Schmerz. Schön! Mein erstes Mal epilieren, war auch mein letztes Mal, bin ich eben ein Schattenparker und greife lieber das erste…zweite…zweihundertste Mal zum Rasierer.
…Selbstbezacherln mit Instantsuppe
…irgendwann muss man es ja mal machen und Erfahrungen mit Herrn Knorr sammeln. Sich zum Bespiel selbst bekochen und eine ganz ganz tolle „KNORR Gemüse satt Instantsuppe“ kredenzen. 80% Gemüse, Olivenöl und Kräuter – vegetarisch, cholesterinfrei und fettarm – für 2 Teller…irre, dacht ich mir…dummerweise weiß ich nicht, was die gute Suppe gekostet hat, naja. Das Kochen stellte kein großes Problem dar…500ml Wasser warm machen, einrühren…ziehen lassen. Sieht aus wie Babybrei. Suppe? Hmm, eher wie Püree, nur flüssiger. Gemüse? War bestimmt drin, irgendwo. Ach, kommt schon…war halt einfach zu kochen und mein erstes Mal „Gemüse satt Suppe“!
…Synapsenstreik
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Es ist Nacht…ich sitze vor meinem PC und starre auf den Bildschirm. Vor mir: ein leeres Worddokument. Der Cursor, der markiert, wo ich mich gerade im nicht vorhandenen Satz befinde, scheint mich zu verhöhnen…sein Aufblinken gleicht mechanischem, rhythmischem Gelächter: Ha-ha-ha. Meine Augen brennen und meine Finger liegen eiskalt auf den Plastiktasten. Schreiben, schreiben: JA! Nur was denn?? Ich schaue zur Seite und sehe eine Motte, die immer und immer wieder mit dem Kopf gegen meine Fensterscheibe fliegt, ich betrachte sie eine Weile, vielleicht würde mir diese Art der Kopfarbeit auch mehr zusagen? Der Blick auf den Bildschirm, wieder die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit. Ich mache den Versuch, einige unbeholfene Buchstaben in eine Reihe zu bringen. Faszinierend, wie lange man dafür brauchen kann und das nur, um sie dann in einem Anfall enttäuschter Wut innerhalb von zwei Sekunden wieder auszulöschen. Ich lasse den Kopf leicht mit der Schreibtischplatte kollidieren: „Denk nach…denk nach…denk…aua.“ Schmerz- auch nicht hilfreich. Jede Formulierung gleicht dem Erklimmen des Mount Everest. Die deutsche Sprache in all ihren Facetten erscheint mir feindlich gesinnt, mein Kopf- eine dumpfe pochende Kugel. Ich raufe meine Haare und blicke auf die Uhr: 3.47 Uhr. Mehr als Zeit um die persönliche Escape-Taste zu drücken und ins Bett zu gehen, abspeichern muss ich ja nichts. Morgen wird mein PC wieder in der Ecke auf mich warten, wie eine dicke, fiese, hässliche Spinne. Mein erstes Mal Schreibblockade? Ja und mit Sicherheit nicht die letzte. Aber wahrscheinlich wird mein nächstes erstes Mal die Überwindung derselben sein…
…die Alternative zum Automobil nutzen
Wenn Benzinpreise Höhen erreichen, die selbst Krösus für inakzeptabel halten würde, überlegt sich auch ein eingefleischter Autofahrer, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. So geschah es, dass ich mich an einem ganz gewöhnlichen Freitagnachmittag, auf einem ganz gewöhnlichen Bahnhof in Niedersachsen zur einer ganz gewöhnlichen Zugfahrt einfand. Zumindest dachte ich dies. Stutzig machte mich bereits im Vorfeld die Planung der Fahrt. Noch gut gelaunt, stellte ich bei einem Blick auf den Fahrplan im Internet fest, dass eine sonst eineinhalbstündige Autofahrt per Bahn 3,5 Stunden dauern sollte. Zweimal Umsteigen mit eingeschlossen. Nun gut, Lesen soll bilden, her mit der Unterhaltungsliteratur. Die erste Etappe betrug 40 Minuten und brachte neue Einblicke in die Jamba Klingelton Welt. Auch wurde mein, so dachte ich, bisher reichhaltiges Vokabular an Flüchen und Beschimpfungen durch modernere Kreationen erweitert, die dem einen oder anderen hätten die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Froh, diesen Zug nach 40 Minuten verlassen zu können, stieg ich aus, um in den nächsten Zug zu wechseln. Bei einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass mir kaum noch zwei Minuten für den Umstieg blieben. Jetzt war nicht vorhandenes, sportliches Talent gefragt. Die Reistasche in der einen, den Tragebeutel in der anderen Hand und den Rucksack auf dem Rücken, spurtete ich hastig über die Brücke und kam, wenn auch mit Schweißperlen auf der Stirn, auf der anderen Gleisseite an. Pünktlich zum Einstieg in die nächste Bahn.
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Foto: Björn Franke
Gute zweieinhalb Stunden sollten nun noch vor mir liegen. Ganz schön lange Zeit, dachte ich so bei mir. Doch hatte ich die Rechnung ohne eine junge Dame gemacht, die mich bereits nach kurzer Zeit mehr oder weniger unfreiwillig in ihr Talk Show-taugliches Privatleben einweihte. So war ich mir nach drei viertel Fahrzeit nicht mehr wirklich sicher, ob nun der der erste oder zweite Freund Vater des Kindes sei oder die beste Freundin doch eine Verräterin und ob der kleine Sohn mit englischem Vornamen jemals die deutsche Sprache ohne Sch-Laute erlernen würde, war ebenfalls fragwürdig. Ich hoffte, sie einmal auf einer meiner 10 nächsten Fahrten wieder zu treffen, um etwaige Verständnisprobleme klären zu können. Bei meinem nächsten und gleichzeitig letzten Umstieg war ich dennoch froh, mein Ziel fast erreicht zu haben. Es war inzwischen dunkel geworden und laut meiner Berechnung durfte ich an diesem Bahnhof tatsächlich etwas verschnaufen, bevor die nächste Bahn kommen sollte. Doch etwas war an diesem Ort seltsam. Wer in seinem Leben schon einmal die Verfilmung Langoliers von Stephen King gesehen haben sollte, würde nun meiner Beschreibung folgen können. Es war seltsam still an diesem Bahnhof, fast beängstigend. Ein junger Mann kam auf mich zu und fragte, ob ich in dieselbe Richtung wolle wie er. Als ich dies bejahte, zeigte er auf eine große Uhr am Gebäude und erklärte, dass der Zug bereits vor 15 Minuten abgefahren sei. 15 Minuten? Mein Zug hatte 15 Minuten Verspätung gehabt? Wieso hatte das niemand den Fahrgästen erklärt? War es ihnen etwa egal, dass man im Nichts landen würde? Nun gut, der nächste würde garantiert bald kommen, versuchte ich mich zu beruhigen. Doch auch hier war der Wunsch der Vater des Gedanken, denn drei Stunden sollte ich schon noch auf den Nachfolger warten. So blieb mir nichts anderes übrig, als per Telefon Jemanden zu bitten, mich von diesem trostlosen Ort abzuholen. Gut zweieinhalb Stunden später saß ich mit einem Tee in der Hand in einem warmen Zimmer. Fazit meiner ersten längeren Reise in der Nordwestbahn: durch Fahrtkostenbeteiligung und Handygesprächen hatte ich mein durch Zugfahren Erspartes zu einem Großteil wieder verloren, von verschwendeter Lebenszeit und eventueller Gefährdung wichtiger Gehirnzellen durch Jamba Monatspakete und ungeklärter Vaterschaften ganz zu schweigen. Dafür habe ich mir allerdings geschworen, beim nächsten Tankstopp mein Auto auch nur ein ganz kleines bisschen zu verfluchen.
…Verschönerung der Eigen-Fassade
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Damals, also schon länger her, so mit 15, war ich bei einer Freundin zu Besuch. Ich weiß nicht warum, aber wir färbten uns die Haare. Das machte ich, seit ich so alt war, regelmäßig, also mir die Haare färben. Von Braun auf Bronze, Kupfer, irgendwie blond. Also auf jeden Fall heller. Und da geschah es, als ich mir die Haare danach wusch, dass noch ein wenig Schaum in den Haaren war. Schauma! Und da ging ich mit meinen Händen durch die Haare. Und auf einmal waren sie so James Dean bis Elvis-mäßig zu einer Tolle hochgestylt. Ohne Schaum wäre das völlig undenkbar gewesen, und ich war so stolz auf mich, dass ich das fortan immer machen sollte, zunehmend mit sämtlichen Gelsorten. Und zwar, wenn auch in Variationen, bis heute. Und da fällt mir ein, es gibt es ein Bild von mir aus ungestylten Zeiten. Natürlich gibt’s mehrere, aber auf dem geh ich gar nicht. Das Schlimme: Es ist auf meiner eigenen Konfirmation. Und nun weiß ich, auf wen man hören sollte, wenn es um Stylingtipps geht. Gott ist es scheinbar nicht, denn morgens, also am Tag meiner Konfirmation, sagte meine Mutter zu mir: Willst du nicht ein wenig was in die Haare machen. Mein Gott, musste sie mich lieben, dass sie mich ohne Gel außer Haus lies.
…Konsum illegaler Substanzen
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Ich bin ein wenig im Zwiespalt. Kann ich im Hochschulmagazin über Drogen schreiben? Und zwar nicht als sozialwissenschaftlich motivierte Abhandlung, sondern als Erfahrungsbericht? Welcher noch nicht einmal abschreckend als Junkie in der Gasse endet? Aber wenn nicht in einem Unimagazin, wo dann? Ich meine, wem wird gewöhnlich Drogenkonsum zugetraut? Und wer müsste selber über Pro und Contra an einer Hochschule mit pädagogischem Schwerpunkt Bescheid wissen? Eben.
Mein erstes Mal illegale Drogen nehmen war gänzlich unspektakulär. Das einzige, was mir irgendwo hinstieg -und leider nicht in den Kopf, sondern in den Magen- war das Nikotin. Mir als Nichtraucher war speiübel. Das war‘s. Aber ein junger Mensch lässt sich nicht so schnell abschrecken und somit testete ich beim nächsten Versuch das Peace nicht in einem Joint, sondern in einer Bong (selbstgebaut aus einer Wasserflasche). Wir wollten auf ein Dorffest, welche bekanntlich ohne zumindest legale Drogen nicht auszuhalten sind: die Zelte stets taghell erleuchtet, die Landelite zu finden in der Jungschützenecke und der DJ ergießt nicht nur schlechte Musik in die biergeschwängerte Luft, er kann auch miese Ansagen. Nachdem ich mir die Lunge aus dem Hals und das THC in den Kopf gehustet hatte, schien der unterdurchschnittliche Radiotechno blau, alle Menschen nett und zu Hause erwartete mich nur Fressflash statt Kater.
…Kongressiale Eindrücke
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© S. Hofschlaeger / PIXELIO
Ich war beim internationalen Kongress des Psychodramainstituts für Europa (Pife) in Berlin, als Studentin, ohne Abschluss und ohne besondere Vorkenntnisse. Ich muss verrückt gewesen sein. Tausend Szenarien schwirrten mir durch den Kopf, was alles schief gehen kann und auf wie viele verschiedene Arten ich mich blamieren könnte. Ich war drauf und dran, alles abzusagen.
Trotzdem stürzte ich mich ins Getümmel. Ich deckte mich mit Literatur ein und knüpfte erste zarte Kontakte und schon war ich mitten drin. 190 Leute aus 17 Nationen! Ich hab noch nie so viele Sprachen auf einem Haufen gehört.
Der nächste Kongresstag nahm mich voll in Anspruch. Vorträge und Workshops ließen keine Langeweile aufkommen und boten mir viel Gelegenheit weitere Kontakte zu knüpfen, welche dann am Abend auf der Party vertieft werden konnten. Mein Zustand nach durchwachter Nacht war am Sonntag grenzwertig. Nichtsdestotrotz habe ich es irgendwie nach Hause geschafft. Mein erstes Mal Kongress- großartig!
…Tupper-Party ab 18
Durch mehrere Zufälle und einige liebenswert-verrückte Freundinnen saß vor einigen Wochen diese Frau bei mir im Zimmer. Die Dildofee. Zwei dieser Körbe der Marke „Mutti geht mal einkaufen“ brachte sie mit und ich war mir nicht so sicher, ob ich wirklich wissen wollte, was es darin zu bestaunen gab. Mit acht Mädels saßen wir im Kreis um Sekt und Wodkabowle zur Hemmschwellensenkung und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
„Ja Hallo, ich bin eure Dildofee, ich sag mal „du“, ne? Und als erstes möchte ich euch die Raupe Nimmersatt vorstellen!“ Zack, fing die Dame an zu plaudern und zauberte als erstes etwas länglich-blaues mit einem freundlichen Gesicht aus ihrer Wunderkiste. Hibbeliges Kichern, rote Wangen und ziemlich viel Neugier war die Reaktion. Ob wir wohl mal anfassen dürften? „Klar, also alles, was ich euch hier heute Abend vorstelle ist absolut jungfräulich und natürlich dürft ihr anfassen, probieren, gucken soviel ihr wollt, darum seid ihr ja hier!“ „Oh, guck mal, wie niedlich, die hat ja sogar `ne Nase…“ Keine Frage, mit niedlichen Gesichtern und weicher Oberfläche kriegt man die Mädels, besonders wenn der Wodka anschlägt.
Nachdem uns die verschiedenen Vorzüge dieses Dildos aufgezählt wurden, unter anderem würden Männer ihn aufgrund des Comicgesichtes nicht als Konkurrenz wahrnehmen, sei das Ding absolut leicht zu reinigen und dank des Saug-Sockels sogar als Klorollenhalter zu verwenden, verschwand die Nervosität und wir wussten auf einmal, warum Dildoparties auch als das Gegenstück zur Tupperparty gelten: acht Weiber lassen sich in aller Ruhe über die Vor- und Nachteile von unkaputtbaren Plastikteilen informieren und tauschen ihre Erfahrungen aus. Besser als bei Dr. Sommer.
Gegen Mitternacht ging eine spannende Veranstaltung zu Ende, die für eine Menge Lacher und Information gesorgt hatte, ohne anrüchig zu sein. Ganz ohne Peinlichkeiten hatten wir einen tollen Abend, der nicht viel gemein hatte mit der Erwachsenen-Ecke aus der Videothek. Und wenn ihr auch mal Lust habt, vor der nächsten Uniparty mal ganz anders vorzuglühen, findet ihr alle Informationen unter: www.dildofee.de
von Britta Simon, Ihna Grensemann, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn, Sebastian Dargel und Stefanie Bruns

Der Schöne und das Biest

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Wer kennt ihn nicht, den männlichen Handlanger Ullas?! Der sonnen(bank)gebräunte Sunnyboy gehört genau so zum Bistroinventar wie unsere erste Säule. Über eine Stellenausschreibung gings vor fünf Jahren zum Studentenwerk Osnabrück. Vor der Tätigkeit im Studentenwerk Osnabrück war der 33-jährige beim Bund, ganze vier Jahre! Nun steht der gelernte Koch Rede und Antwort zur Arbeit und zum Privaten.
Also du hast richtig Karriere beim Bund gemacht? Mit Grundausbildung und allem drum und dran? Und dann ging’s an den Herd?
Genau. Ich hab mich freiwillig gemeldet beim Bund. Danach hab ich dann ein halbes Jahr gar nichts gemacht. Und dann… wo war ich denn überall. In Syke, in der Feinkostproduktion. Hat mit Koch eigentlich nichts zu tun; da musste man eher Maschinen bedienen. Dann ging’s ins Hotel Bremer Tor hier in Vechta, danach war ich im Famila-Center.
Für welches Gericht bist du denn berühmt? Was kannst du besonders gut? Was attestieren dir deine Freunde?
Ach, ich kann am besten Brötchen schmieren. Und Pommes.
Aber du musst doch irgendwas im Petto haben als gelernter Koch?
Für Freunde koch ich italienisch.
So, jetzt mal zu den harten Fragen: Wie oft bist du im Sonnenstudio zu finden? Obwohl, ist das jetzt so eine gemeine Frage? Ist doch eigentlich kein Geheimnis (?)
Ich geh gar nicht ins Solarium. – Ja, ok. Zweimal die Woche Steckdose. Auch mal drei- oder viermal.
Auch ganzjährig dann?
Ja klar. Wenn ich nicht in den Urlaub fliegen kann, geh ich ins Solarium. (Pause) Sieht man das denn so stark?
Nein nein. Aber ein bisschen lässt dein Teint darauf schließen. Also der Verdacht ist da.
Außerdem wohn ich neben einem Sonnenstudio.
Ok, wenn nicht gerade Sonnenbank, wo tankst du sonst gerne Sonne, jetzt mal reisetechnisch?
Eigentlich nur Spanien. Mallorca. Ibiza. Gran Canaria. Teneriffa.
Von welchem Ort würdest du am ehesten fliehen?
Vor Ulla.
Wie? Überall, wo Ulla ist? So anstrengend?
Ja. Naja, ok, es gibt halt Tage, da haben wir Spaß und halt auch Tage, an denen das weniger der Fall ist. Aber nach acht Stunden Ulla ist man schon mal froh, wenn man an einem Ort ist, an dem man seine Kollegen nicht sieht.
Na gut, dann kommen wir doch mal zu eurem Verhältnis? Wie würdest du das sonst noch beschreiben?
Ach, im Grunde spaßig, witzig. Kann auch mal ernst sein. Hin und wieder kracht’s auch. Aber das ist ja normal.
Also ein professionell freundschaftliches Verhältnis?
(lacht) Ja, stimmt. Klappt wunderbar.
Und mal auf ein Bierchen treffen, abends?
Ich bin bei Ulla schon ein paar Mal gewesen. Habe weder Sekt noch Bier bekommen. Das muss in die Zeitung rein, auf jeden Fall.
Bildnachweis: rk
Vom Bund ins Bistro – Jörg
Foto: René Kohn
Dass du von Ulla nichts angeboten bekommen hast? Machst du das denn wenigstens? Also bist du Gastangeber?
Ja, aber natürlich.
Also musst du dir die Getränke selbst mitbringen. Kommen wir zum nächsten: Welches Filmpärchen wärt ihr?
Also auf jeden Fall die Schöne und das Biest. In umgekehrter Reihenfolge.
Schon mal über die Zeit danach nachgedacht?
Also ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, noch mit fünfzig im Bistro zu sitzen. Wobei ich mich momentan hier richtig wohl fühle.
Also bleibst du uns noch ein wenig erhalten?
Ja klar, länger als…(Pause) zum Beispiel meine Kollegin…
Wie? Gibt’s Gerüchte um Ulla? Erzähl!
Naja, irgendwann wird sie auch in Rente gehen.
Das stimmt wohl, aber das ist ja noch hin. Ulla ist doch noch jung.
Ja klar, sie ist 33.
Ach so, ich dachte, sie ist 29.
Und weiter geht’s: Das peinlichste Erlebnis im Bistro?
Peinliches im Bistro. Hm, eigentlich gab’s da nichts. Was Peinliches ist mir mal in der Mensa an meinem zweiten oder dritten Arbeitstag passiert. Da hat mir jemand an der Ausgabe nen Zettel zugesteckt und gesagt; „Kannst mich anrufen, wenn du magst.“ Da ruf ich doch nicht an, hab ich mir gedacht, ich bin doch nicht bescheuert.
Also hast du’s nicht gemacht? Ist nichts draus geworden?
Piep. (Soll wohl „Ja“ heißen, Anm. der Redaktion)
Ja, ja. Kontaktbörse Mensaschlange. Alles klar. Na gut, ich frag da jetzt auch nicht nach. Gibt’s ihn noch an der Uni?
Nein.
Na gut, kommen wir zur schönen Seite des Arbeitslebens, wobei das Letztere jetzt ja scheinbar nicht ganz so übel gewesen ist. Also, das fand ich besonders…
(denkt nach)
Hat dich berührt, bewegt, begeistert…
Hm, ne, also alles…
gleichmäßig toll.
Ja, ich bin super glücklich. Eine bessere Arbeit hatte ich noch nicht. Macht Spaß, jeden Tag was anderes. Nette Leute.
Ja schön. Was machst du eigentlich im Sommer? Ich meine mich zu erinnern, dass du auch gerne mal acht Wochen fern der Uni bleibst.
Ach du, sind auch mal zehn Wochen. Ja, was mach ich da. Die ganze Zeit im Urlaub geht ja auch nicht. Eigentlich faulenzen, faulenzen, faulenzen. Erholen. Irgendwann besuch ich dann auch mal wieder das Bistro, so nach ein paar Wochen, weil die ganze Zeit zu Hause sein, geht nicht. Dann ist ja auch noch Schützenfest, Stoppelmarkt, Diepholzer Großmarkt. Und dann ist die Zeit auch schon wieder vorbei.
Das wünsche ich euch allen 2008:
Sollen alle so bleiben wie sie sind.
Und wenn sie nicht zufrieden sind?
Wenn sie nicht zufrieden sind, dann müssen sie halt daran arbeiten. Also ich muss sagen, dass 2007 für mich ein wirklich gutes Jahr war, von daher kann alles so bleiben.
Gut, also hast du alles gerissen, was du reißen konntest?
Äh, wie meinst du das jetzt?
Naja, am Ende kam jetzt ja sogar noch nen Interview mit der Zeitung heraus. Also, goldener Abschluss, oder?
Ja.
Das Interview führte René Kohn.

Das war euer Sommer: Festivals
Rock am Ring, Serengeti, Hurricane, Fun 'n Crust oder Wacken - findet heraus, welches Festival zu euch passt

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Zwischen Schwenkbier und Wellenbrechern
Rock am Ring 01. – 03. Juni 2007
Mittwoch, 30.05.07, sehr früh morgens. Vor uns liegen fünf Tage Rock am Ring, also viel Spaß, Bier, nette Leute und vor allem gute Musik zum Abrocken… Bis es soweit ist, erstmal mit dem Gepäck Tetris spielen, lange im voll gepackten Auto sitzen und einen Zwischenstopp für den letzten Einkauf einlegen. Grad angekommen, geht’s weiter mit der Zeltplatzsuche, was bei einem ausverkauften Festival mit über 80.000 Besuchern mehr als schwierig ist, wenn man nicht stundenlang zum Parkplatz und zum Festivalgelände laufen will.
Endlich etwas gefunden, die Nachbarn sind akzeptabel und der Waldrand entpuppt sich trotz Trampelpfad und offenem Zaun ausnahmsweise nicht als WC-Ersatz. Die ersten beiden Tage sind zwar etwas verregnet, doch wir lernen schnell Schwenkbier kennen. Ganz einfach ein Band am Pavillon befestigen, Flaschenöffner daran anbinden, Bierflasche an den Flaschenöffner hängen, ein bisschen schwenken lassen, Flasche abziehen und *prost*.
Aber es geht ja um die Bands. Wir starten den Freitag mit BILLY TALENT, müssen dafür zwar auf RAZORLIGHT verzichten, aber den Platz im ersten Wellenbrecher will niemand aufgeben, da noch MUSE kommen und LINKIN PARK dem ersten Abend an der Centerstage einen mehr als würdigen Abschluss verpassen. Von einem Ende ist noch lange nicht die Rede, denn es geht gleich rüber zur Alternastage, wo THE WHITE STRIPES und abschließend EVANESCENCE unsere Nacht noch verlängern.
Der Tag danach verläuft wie immer. Man versucht, ihn irgendwie zu überstehen und man setzt am besten da fort, wo man am Abend aufgehört hat, um den richtigen Einstieg für den zweiten Festival-Tag zu bekommen. Es erwarten uns immerhin die BEATSTEAKS, aber bis die auf der Bühne stehen, vertreiben wir uns die Zeit mit den KAISER CHIEFS, MANDO DIAO und der Suche nach einer Erinnerung in Form eines T-Shirts. Damit kann man nicht früh genug anfangen, wie wir am Sonntag bemerken, da wir uns Samstag nicht entscheiden konnten. Sonntag war dann nur noch ein lächerlicher Rest übrig. Doch was ist schon ein T-Shirt, wenn man die beste Band der Welt sehen kann. Niemand Geringeres als DIE ÄRZTE beenden den letzten Tag, und die will anscheinend niemand verpassen. Deshalb ist es auch schon vier Stunden vorher total überfüllt, was aber bestimmt auch an den Vorgängern GOOD CHARLOTTE, VELVET REVOLVER und KORN liegt. Wem es bei den ÄRZTEN zu voll ist, der kann sich Richtung Alternastage bewegen und dort in einer überschaubaren Menge mit den SCISSOR SISTERS und WIR SIND HELDEN den letzten Abend ausklingen lassen.
Wie der Montag aussieht, weiß jeder, der mal auf einem Festival war, und ich erspare mir daher Ausschweifungen in unsere Aufräumaktionen. Stattdessen gebe ich allen, die vom 6.-8. Juni 2008 noch nichts vorhaben, einen Tipp. Es gibt schon Karten für Rock am Ring 2008.
von Corinna Gritzka
Foto: Melanie Ehlert
Matsche, Musik und Mutti
Du ziehst Gummistiefel an, um die Tanzfläche zu rocken? Der Kräuterschnaps tritt anstelle deiner Mutti? Um viertel nach acht läuft kein Film, sondern deine Lieblingsband und das live direkt vor deinen Augen? Das geordnete Chaos deiner Studentenbutze weicht heillosem Durcheinander von holländischen Bierdosen, Grillgut und Papiertellern, das sich um dich herum auftürmt und bis zu deinen Knien reicht? Umrahmt ist der Schauplatz von Absperrbändern, schmalen Stangen, die so gerade eben die Planen der Pavillonlandschaften zusammenhalten, welche sich vor den blauen und grünen Bühnen dieser Welt befinden. Wo wir sind? Richtig, in Scheeßel. Auf dem Hurricane-Festival. Die elfte Auflage fand in diesem Sommer statt. 55.000 Besucher jubelten den ca. 60 Bands zu und sorgten für ausgelassene Partystimmung. Platzregen und Weltuntergangsstimmung des letzten Jahres gab es dieses Mal (zum Glück) nicht, dafür aber jede Menge gute Musik. Neben den Großen wie zB FANTA 4, INCUBUS, MARILYN MANSON, PLACEBO und PEARL JAM überzeugten aber vor allem auch die kleineren Bands, hier etwa THE SOUNDS, KINGS OF LEON, PERCUPINE TREE oder auch SNOW PATROL. Aber sind wir doch ehrlich: kleine Bands gibt’s doch gar nicht mehr. Fazit: Hurricane 2007 – drei Tage Party mit richtig gutem Sound und absolut hörbaren Tracks.
von René Kohn
Serengeti
Endlich ein Festival für die Region Ostwestfalen-Lippe sollte es sein. Außerdem wild und hungrig. Das Serengeti-Festival in Schloß Holte-Stukenbrock, welches das zweite Jahr in Folge den Sommer bereicherte. Nun gut, dieses Festival ist noch jung und somit lernfähig. Dass Zeltplätze in Nähe zum Gelände toll wären. Dass eine Besuchermeute auch gut mehrere Essensstände plündern kann. Dass quadratmetergroße Matschpfützen mit Stroh trockengelegt werden können. Dass zu hohe Getränkepreise den Umsatz auch nicht fördern.
Trotzdem spürte ich das Herzblut an jeder Ecke. Die Betreiber des Schwimmbades etwa, von mir mit einem imaginären Verdienstkreuz ausgezeichnet. Die Bands, die trotz hektoliterweise Regen gut gelaunt waren. Die Polizisten, die uns einen Parkplatz freihielten.
Seit diesem Festival weiß ich, dass ich schon ganz schön alt bin. Zumindest gefühlt doppelt so alt wie das Gros der Besucher. Aber auch, wie bequem ein Auto sein kann und wie toll jemand ist, der mit einem fühlt und lacht. Und im Schlamm tanzt.
von Julia Stock
Spiderschwein meets Gangstas
Höchstenbach, 80km südlich von Köln. Ein beschaulicher Ort im Westerwald, könnte man meinen. Nicht so vom 9.- 11. August, denn da gabs beim neunten Fun&Crust was auf die Ohren. KORPIKLAANI, DISILLUSION und DOG EAT DOG sowie unbekanntere Bands wie beispielsweise DEATHTERROR und MOTORJESUS sorgten für Stimmung. Bei letzterer mag man sich allersdings fragen, was eine Crossover-HipHop-Band auf einem Metal-Festival zu suchen hat. Die am Samstag Abend zu Dog Eat Dog anreisenden HipHopper stießen dann auf nicht besonders viel Begeisterung bei den überwiegenden Metalfans, ebensowenig wie das Wetter. Es regnete des Öfteren, sodass man auf dem Campinggelände ohne Weiteres ein Schlammcatchen hätte durchführen können. Somit ein kleines Festival mit Staatsforsten Flair und mit 10 Euro Eintritt durchaus erschwinglich. Einziges Manko: Anfahrtskosten.
von Björn Franke
Mehr als das, ein Lebensgefühl
Vor solchen Leuten hat uns unsere Großmutter immer gewarnt: langhaarig, schwarz gekleidet und benietet. Kurz: Metaller. Trotzdem ist es eines der Festivals mit dem wenigsten Krawall und Vandalismus.
Das Wacken Open Air lockt jeden August Tausende von Metalfans (in diesem Jahr offiziell 60.000 zahlende Besucher) aus aller Welt in das beschauliche Dorf Wacken in Schleswig-Holstein. In den drei Festivaltagen, welche gerne auf eine Woche ausgedehnt werden, liegen auch alle Einwohner im Metallfieber: Im Kaufhaus für die Landfrau hängt das Manowarshirt einträchtig neben Kleingeblümten. Beladen mit Bier, Grillkohle und frühstückssaftigem Erdbeerlimes stürmten wir das nasse Gelände, um im Endeffekt einen sonnigen Zeltplatz in Zurückfallentfernung zu den Bühnen zu finden. Und dann fünf Tage Wacken. Was mehr ist als ein Festival. Es ist ein Lebensgefühl mit seinem ganz eigenen Charme „Wer pennt der brennt und waschen ist nicht Heavy Metal!!!“
von Julia Stock

Katzenalarm in der Ruhezone

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Bildnachweis: rk
Es gibt immer was zu tun. Andree Wrobel bei der Arbeit.
Foto: René Kohn
Wer die nötige Ruhe zur Arbeit braucht, der ist hier genau richtig: Unsere Säule für diese Ausgabe arbeitet nämlich in der Bibliothek. Selbst in den Büros im Untergeschoss hört man eher Stecknadeln fallen und erst recht kein Radio. So was sei nicht erwünscht, sagt Andree Wrobel, für den dies zumindest am Anfang eine ganz schöne Umstellung bedeutete, als ich ihn am Ort der Ruhe besuchte.
Seit wann bist du an der Hochschule?
Seit dem August 1997 bin ich an der HS Vechta.
Zehn Jahre. Also Dienstjubiläum?
Nein, kein Dienstjubiläum. 25-jähriges Dienstjubiläum hab ich 2010, in drei Jahren.
Was hast du also davor gemacht?
Zwölfender war ich vorher.
Zwölfender?
Ich war zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Das kommt aus der Jägersprache.
Zwölf Jahre Bund gab‘s also vorher.
Ja, und noch davor war ich gelernter Elektroinstallateur. 1985 war das. Da war ich Geselle. Dann kam die 15-monatige Wehrpflicht. Weil die Baukonjunktur am Boden war, hab ich mir den Laden (Bundeswehr) erst mal genauer angeguckt und mich für vier Jahre verpflichtet. Als der Arbeitsmarkt immer noch nicht besser war, hab ich mir gedacht: Machste Nägeln mit Köpfen und verpflichtest dich auf zwölf Jahre.
Also bis 1997. WIe kam es dann zur HS?
Ich habe ein Praktikum in der Landesbibliothek in Oldenburg gemacht. Auf einmal hatte ich die Papiere für die Bibliotheksschule in Hannover in der Hand. Ich absolvierte eine zweieinhalbjährige Ausbildung an wissenschaftlichen Bibliotheken. Danach konnte ich drei Wünsche angeben, wo’s hingehen sollte. Auf der Liste stand unter anderem Vechta drauf. So ging’s dann hierher.
Und die Berufsbezeichnung lautet?
Damals hieß es Bibliotheksassistent. Heute nennt sich das Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste, Fachrichtung Bibliothek.
Was machst du als FaMI in der Hochschule Vechta?
Ich bin zuständig für die Aussonderung. Das ist mein Hauptjob. Oben (Erdgeschoss der Bibliothek) gibt es ja den Stand mit Büchern zum Mitnehmen. Davon hab ich die meisten ausgesucht. Ansonsten bin ich Mädchen für alles. Ich arbeite etwa mit der Beschaffungsstelle zusammen, plane den Ab- und Aufbau von Regalen. Ich bin für die Kopierer zuständig. Ausleihe mache ich auch. Stellvertretender EDVAdministrator. Es gibt immer was zu tun.
Du arbeitest in einer Bibliothek. Nahe liegende Frage: Wie sieht’s aus mit dir und der Literatur?
Normalerweise sagt man ja, Leute, die in der Bibliothek arbeiten, lesen viel. Mag sein. Aber ich bin ja anders vorbelastet und nicht hiermit groß geworden. Und was ich am liebsten lese, sind daher eher Elektronikbücher. Also gibt‘s schon mal keinen Lieblingsautor, geschweige denn eine literarische Figur, die ich gerne mal sein will (solche Fragen waren vorgesehen, Anm. der Redaktion). Ich kann ja schlecht sagen: Ich möchte gerne ein Transistor sein. (Es wird lauthals gelacht)
Was war dein bisher lustigstes Erlebnis im L-Gebäude?
In öffentlichen Gebäuden sind Tiere verboten. Und vor ein paar Jahren hatten wir auf einmal eine Katze im Gebäude. Die Katze hat es geschafft, trotz der Doppeltüren jedes Mal wieder rein zu kommen. Ich hab sie dann genommen und wieder nach draußen getragen. Irgendwann kam sie darauf, den anderen Eingang zu nehmen. Sie huschte dann immer mit den Besuchern ins Gebäude. Tja, und ich hatte nebenbei noch Ausleihe. Die Benutzer fanden’s lustig. Das Ganze dauerte etwa drei Stunden.
In der Position des Chefs: Was würdest du verändern in der Bibliothek?
Abgetrennte Räume für die PC-/Internetbenutzung. mehr Einzelarbeitsräume für die Studenten schaffen. Medienvielfalt. Habe ich mehr Platz, kann ich mehr Medien kaufen. Mehr Geld für Beschaffungen. Das alles hätte zur Folge, dass wir den Benutzern mehr Leistungen bieten können.
Hast du noch was, was du den Studenten und Studentinnen mit auf dem Weg geben willst?
Was ich natürlich jedem wünsche, ist, dass er einen Job bekommt. Klar, natürlich auch erst einmal den Abschluss. Aber letztlich geht’s ja darum, dass man Arbeit hat.
Das Interview führte René Kohn.

LOST in Hasbruch

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X-treme geht in die zweite Runde. Und wie das so ist bei Fortsetzungsreihen, muss es noch extremer sein. Noch abgedrehter, blutiger, kranker. Kein Problem. Das Thema: Verloren im Wald. So ließ sich ein Teil der Redaktion an einem gewöhnlichen Samstagabend aussetzen. Wo? Das ist die Überraschung. Was zu machen ist? Ebenfalls Überraschung. Die Planung oblag dem übrig gebliebenen Teil der Redaktion, dem Orgateam. Lest zunächst, was passieren sollte und schließlich das, was daraus wurde. Und erfahrt, dass x-treme ein extrem dehnbarer Begriff und somit Auslegungssache für jedes einzelne Redakitonsmitglied sein sollte. PS Schaltet das Licht aus, dann wirkt‘s authentischer.
von Björn Franke, Britta Simon, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn, Sebastian Dargel und Stefanie Bruns
Angsthasen allein im Wald
Das Orgateam grübelte lange und heckte was aus – Gruselig soll es werden – der Plan
Wenn. Wenn dieses Wörtchen nicht wäre. Dann hätten wir nie „Blair Witch Project“ gesehen oder „Das Mädchen“ gelesen. Dann wüssten wir nicht, was im Wald alles passieren kann. Wenn man allein ist. Nachts. (Seltsame Figuren aus Stöcken hängen in den Bäumen. Vorm Zelt findet man einen abgetrennten Finger. Vor lauter Panik streitet man sich mit seinen Weggenossen. Man landet in einem Hexenhaus. Ein Bär verfolgt einen.) Dann hätte das Orga- Team nicht zur Hälfte aus totalen Angsthasen bestanden.
„Und wenn ihnen was passiert? Das würde ich mir nie verzeihen.“ Von Anfang an bin ich von der Nachts-verlorenim- Wald-Idee nicht begeistert. Es gibt doch nette andere Vorschläge. Aber Mel, René und Dargel wollen nichts Nettes, sie wollen Action und Grusel. Und da ich im Survival- Team sicher vor Angst gestorben wäre (und das ist nicht wirklich übertrieben), werde ich Organisierende. Als erstes muss ein geeigneter Wald gefunden werden. Es gibt in Deutschland einfach keine mit in Maine oder Burketsville vergleichbaren Wälder. Vor allem nicht im Norden. Größter erreichbarer ist der Hasbruch zwischen Hude und Delmenhorst, eine knappe Autostunde entfernt. 627 Hektar Wildnis – durchzogen von guten deutschen Wanderwegen. Und Wegweisern, wie wir später feststellen werden. Wir haben viele Ideen, von „wir setzen sie ohne Geld und Handy aus und sie müssen zurück nach Vechta kommen“ bis „und am Zielpunkt verstecken wir ein Prepaid-Handy, auf dem noch genau das Geld für eine SMS ist“. Und alle sterben mit dem unberechenbaren Faktor Gefahr. Was ist, wenn sich einer das Bein bricht? Sie in eine Höhle stürzen? Einer von ihnen ausrastet und die anderen abmetzelt? (Weitere Ideen siehe oben.) Angsthasenhirne können sich viele Szenarien ausmalen. Somit erlauben wir ein Handy, Taschenlampen und packen Notfallverpflegung in Form von Keksen und Getränken ein.
Bildnachweis: rk
In der Nacht- und Nebelaktion festgehalten:
Die Wanderkarte, die eigentlich
nicht gefunden werden sollte.
Foto: René Kohn
Steffie lässt sich von den „Drei Fragezeichen“ inspirieren und schreibt ein Rätsel, welches unseren Abenteurern den Weg weisen soll und Britta macht es ihnen nicht leicht und verpackt das Lösungswort, welches uns die drei schicken müssen, damit wir sie abholen, in Wissensfragen. Nicht leicht – das denken wir jetzt noch. Außerdem schreiben wir eine liebevoll – ach, ich meine gruselig – angekokelte Einladung, die die drei in der nächsten Sitzung erhalten. Dass alles passiert bei den ersten beiden konspirativen Treffen, jedoch wird kein dritter Termin mehr gefunden, so dass wir den Hasbruch nicht näher als über Google Earth kennen lernen. Aber hey, da sieht er ganz schön wild und gefährlich aus! Am 27.10. schließlich kaufen Björn und ich, eingestellt auf eine lange Nacht, mehrere Liter Cola ein und fahren zum Treffpunkt. Dort erwarten uns die Mutigen schon, ein bisschen weiß im Gesicht und gar nicht mehr so mutig. Wir nehmen ihnen ihre Wertsachen ab („Habt ihr auch wirklich alles abgegeben? Wenn ich euch jetzt filze und noch was finde, müsst ihr ohne Taschenlampe los!“) und verbinden ihnen die Augen. In den Autos läuft der Soundtrack des hier so oft erwähnten Filmes und die Hasenfüße (ich erinnere: zwei vom Orga-Team) gruseln sich, während Mel sich anscheinend entspannt (unglaublich! Sie sieht nichts, ist auf dem Weg ins Ungewisse und entspannt sich!). Nach einer stillen Stunde, in der wir kein Wort sprechen und ich nur einmal aus Versehen an die Spieluhr auf Brittas Amaturenbrett komme, sind wir am Hasbruch, setzen das Survival-Team aus (ich umarme noch mal alle, wer weiß, ob ich sie je wieder sehe?), lassen sie bis zehn zählen, laufen wie die Bekloppten und schließen uns im Auto ein. 40 Minuten später, wir sitzen in der Pizzeria, piept Björns Handy. Eine SMS. Mit dem Lösungswort…
von Julia Stock
Im Wald
Was geschah – das Actionteam berichtet
Am 27.10.2007 war es soweit. Mit einem mulmigen Gefühl bestieg ich mein Auto. Draußen dämmerte es, und es krochen bereits feine Nebelschwaden über das taufeuchte Gras. Ein letztes Mal tanken, ehe ich die Auffahrt zum Sonnenkamp hochfahre. Was mich wohl erwartet? Zögernd biege ich um die Ecke und parke mein Auto, bereits jetzt fröstelt es mich ein wenig, es ist frisch geworden draußen. Dargel und René kommen dazu. Punkt 19 Uhr biegen zwei dunkle Autos ein… unsere Transportfahrzeuge.
Bildnachweis: rk
Bloß nicht verlaufen, sonst sind wir verloren!
Foto: René Kohn
Das Orga-Team nimmt uns unsere Sachen ab, es bleiben uns nur ein Handy und eine Kamera. Ich werde von den männlichen Teilnehmern getrennt. Die Augen werden uns verbunden. Gespannt setze ich mich ins Auto, ein leichtes Kribbeln im Bauch. Meine Fahrer steigen ein, es wird kein Wort mit mir gesprochen… ich halte den Atem an und lausche, eine CD wird eingelegt (Blair Witch Soundtrack, mit Einspielungen aus dem Film). Wir setzen uns in Bewegung. Bis Visbek kann ich den Weg nachvollziehen, danach lässt mich mein Orientierungssinn im Stich. Ich habe nicht die leiseste Ahnung wo mich meine Fahrer hinbringen, wir halten kurz, um zu tanken – Stille. Auf einmal erklingt die Melodie einer Spieluhr… ich grinse in mich hinein, gut gemacht das ganze Szenario, ein leichter Schauer wandert über meine Haut. Nach ca. einer Stunde sind wir am Ziel und werden mit verbundenen Augen aus den Autos geholt. Blind und mit der Hand des Nebenmanns in der eigenen stolpern wir einige Meter weiter. „So, wir geben euch jetzt einen Rucksack. In diesem befinden sich alle Sachen, die ihr braucht. Ihr zählt jetzt bis zehn und dann nehmt die Augenbinden ab“. Wir hören Schritte, die sich eilig über Kies entfernen und fangen langsam an zu zählen: Acht – neun – Motoren starten, Reifen drehen durch – zehn.
Wir nehmen unsere Augenbinden ab und stehen auf einem stockdunklen Waldpfad und sehen noch die Rücklichter des letzten Autos das um die Ecke biegt. Wir sind allein. Irritiert schauen wir uns um. Damit hatten wir nicht gerechnet. Ich höre meinen eigenen Atem und das Rauschen der Bäume – Schweigen. Als erstes öffnen wir den Rucksack und entfalten den enthaltenen Brief. Das Gedicht enthält einige Hinweise, mit ihrer Hilfe und der Wuchsrichtung des Mooses an den Bäumen, biegen wir auf den rechten Pfad ab… tiefer hinein in den Wald. Der Vollmond erhellt den Weg, die Taschenlampe durchbricht mit ihrem schwachen Licht die restliche Dunkelheit. Die Stimmung im Team ist gut, wir halten die Augen offen… nach nicht vorhandenen Hinweisen, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ein Wegweiser eröffnet uns drei neue Möglichkeiten… Amalieneiche, Jagdhütte, Kühlingen. Unser Rätsel bringt uns auf die Idee, den Weg Richtung Eiche einzuschlagen (Rätsel?). Der Waldboden gibt sanft unter unseren Füßen nach, im Wald neben uns raschelt es.
Bildnachweis: rk
Das Haus am Ende – es hätte gruselig werden können.
Foto: René Kohn
Ein Blitzen am Ende des Wegs lässt uns aufschauen… was ist das? Eine Wanderkarte! Das Orga-Team wollte bestimmt nicht, dass wir an ihr vorbeikommen… wir fotografieren die Karte, lösen das Rätsel. Ich schaue auf die Uhr, 40 Minuten sind wir in diesem Wald… Soll´s das gewesen sein? Wir schlagen den Weg Richtung Treffpunkt ein… nach einer guten Stunde erreichen wir unser Ziel.
X-treme ist eindeutig was anderes… gruselig auch… witzig war es mit Sicherheit, aber leider auch viel zu kurz. FAZIT: Man kann sich in norddeutschen Wäldern, bei vollem Bewusstsein, nur schwer verlaufen.
von Melanie Ehlert

Trinken hilft…
Der alkoholisierte zwischenmenschliche Kontakt zwischen Männern und Frauen

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Es ist ja so eine Sache mit dem Trinken – warum eigentlich? Haben wir doch schon so oft festgestellt, dass es fatale Folgen haben kann… insbesondere am nächsten Morgen, wenn man mal von dem unangenehmen Hämmern im gerade in Betrieb genommenen Dickschädel absieht. Es könnte das peinlichste Erwachen deines Lebens sein. Warum zum Geier tut man sich das an?
Und dann diese Theorie, man könne sich das andere Geschlecht schön trinken… nun gut, Männer können das vielleicht, wenn ich mir so manche Vertreterin des eleganteren Geschlechts anschaue, die an einem eigentlich viel zu schönen Mann dran klebt, bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass dieser seine Erkennungsfähigkeit schlichtweg ertränkt hat. Was vor zwei 0,4 l Long Island Ice Tea noch aussah wie ein fleischgewordenes Verhütungsmittel, kann in seiner Welt urplötzlich zu einem göttlichen Aphrodisiakum mutieren.
Aber wir Frauen machen doch so was nicht! Der Mann sieht noch genauso so aus wie vorher… und trinken wir noch so viel… er wird immer noch so aussehen. Und jetzt wird es nämlich interessant… meine Theorie ist: Frauen trinken sich gleichgültig! Ganz nach dem Motto: „Der ist doch nicht schön… aber egal, ich brauch jetzt ´nen Kerl“, fällt die betrunkene Frau über das vermeintliche Objekt ihrer Begierde her. Konsequenzen – Nebensache! Für die betrunkene Frau zählt nur der Augenblick, die Selbstbestätigung. Und hat man erst mal einen hässlichen, männlichen Rochen aus dem eh schon total überfischten nächtlichen Gewässer gezogen, ja herrje, dann kommt man sich doch wirklich einen Augenblick lang begehrenswert, gut aussehend und verführerisch vor, oder? Aber ist das das Erwachen am nächsten Morgen wert… die Erkenntnis, wenn sich der nebelige Dunstschleier im Gehirnskasten hebt, wenn das Herz kurz für einen Moment aussetzt und man mit weit aufgerissenen Augen die nächtlichen Taten Revue passieren lässt, oder dem Schrecken gar gegenüber liegt?
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Foto: Melanie Ehlert
Naja, ihr könnt euch sicher sein, dass ihr in ein paar Jahren darüber lachen werdet, und ein bisschen Spaß ist auch gesund, aber abwägen solltet ihr schon und euch nicht unter Wert verkaufen… und jetzt könnt ihr euch mal überlegen, was es für ein Kompliment ist, wenn euch ein nüchterner Mann anspricht.
von Melanie Ehlert
Natürlich gibt es Prinzipien. Und es gibt Geschmack. Mein Prinzip: Ab einem bestimmten Pegel etwa keine Frauen mehr anzusprechen. (Ausnahme: Die, die man sicher kennt.) Mein Geschmack: Nehmen wir den Klassiker mit den blonden langen Haaren, Bikinifigur, schulterlang ist auch ok. Ach ja, und nicht zu vergessen: ein dufter Charakter.
Es gibt aber auch noch andere Prinzipien, etwa: Keine Uniparty ohne Bier. Und auch hier gibt’s Geschmäcker: nehmen wir das bremersche Heimatgebräu. Prost! Und nun wird’s interessant, wir befinden uns auf einer der berühmtberüchtigten Unipartys. Das letzte Prinzip macht das erste vergessen. Das kühle, blonde, prickelnde Nass steigt mir zu Kopf und lässt mich plötzlich oben beschriebenes weibliches Geschöpf einbilden. Aus zehn Metern Entfernung werden fünf. Dann ist sie nur noch einige Schritte entfernt. Irgendetwas in mir will sich mitteilen und mir etwas sagen. Ich kann es aber nicht genau hören, sondern nur die Musik, das Gerede und Gesinge um mich herum. Gute, ausgelassene Stimmung.
Mein Kumpel, der neben mir steht, schwankt. Oder soll es eine Art Tanz sein? Er macht eindeutige Anzeichen in seiner Gebärdensprache und seinem Mienenspiel: Komm schon, mach dich ran, die ist geil. Da hört man doch drauf, oder? Und die eigene Stimme sagt ja ohnehin nichts anderes mehr. Bis auf das unterschwellige Flüstern in meinem Kopf, eine zweite andere Stimme. Ich will dem inneren Monolog gerade Einhalt gebieten, will das Gewissen oder was auch immer als Spaßbremse be…, da vergess ich auch schon, was ich sagen will und denk auf einmal ganz wichtig: Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen und denken, dann kann das nur objektiv der Wahrheit entsprechen. Oder? – Richtig. Die bierernste zweite Geige im trunkenen Chor hört eh keiner mehr.
Ich mache nun einen Schnitt. Der Absatz soll das noch mal verdeutlichen. Mittlerweile ist Zeit vergangen. Es ist morgens. Mir ist leicht schwindlig, ich habe Durst. Alles ist wie immer. Nur: dass ich feststelle, dass ich nicht allein in meinem Bett bin. Da liegt sie, und ich habe eine wage Erinnerung. Daran, dass alles irgendwie ganz anders gewesen ist. Denn eine blonde Bikinibekanntschaft liegt da nicht.
Ich höre das Lachen einer bekannten Stimme. Eher Gelächter. Es schwillt an, wird immer lauter. Irgendwann ist es schrill. Kaum noch auszuhalten. Der Wecker klingelt. Gott, hab ich Durst. In meinem Schädel hämmerts.
Ich drehe mich um, mache den Wecker aus, erleichtert bemerke ich, dass niemand da ist und ich meinem ersten Prinzip treu geblieben bin.
von René Kohn

PDF-Version der Sonderausgabe No 2

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Der Kneipenguide

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von Melanie Ehlert, René Kohn und Sebastian Dargel

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Wer wir sind und was wir wollen?
Zum heutigen Selbstverständnis des Studenten

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Fotos: Karen Ishikawa
Rollenfindung – Ein Versuch
Was eigentlich ist los? Ganz ehrlich. Ich meine, welche Rolle spielen wir Studenten noch in unserem Studentendasein? Wie definieren wir uns in dieser Rolle? Definieren wir uns überhaupt? Und wenn ja, heißt es dann, heutzutage Student zu sein, das meint, sich von einer Vorlesung zum nächsten Seminar zu bewegen, dazwischen wird noch ein bisschen gelesen, Kaffee getrunken, in die Mensa gegangen und wieder zugehört? Heißt Student zu sein heute, möglichst schnell durchzukommen durch ein vorgefertigtes Studium, in dem kaum noch Möglichkeiten geboten werden, sich zu entscheiden, was man machen möchte, weil das zur Folge haben könnte, dass, ja dass ein Studium tatsächlich länger als Regelstudienzeit dauern könnte? Alles schön diszipliniert, kontrolliert, fremdbestimmt und schnell. Ist das das neue Selbstverständnis des heutigen Studenten? Diese Fragen und Gedankengänge klingen bereits etwas provokativ an, natürlich, denn mindestens zum Thema Bloß-schnell-durch-sein und- immer-schön-gerad-aus-und-nie-nach-rechts-oder-links-gucken muss doch gesagt werden, was haben wir denn am Ende davon, wenn wir alle schnell fertig sind? Gut, mehr Geld im Portemonnaie. Aber haben wir etwas mitgenommen? Einsichten, Ansichten, Perspektiven, Alternativen…? Oder stehen wir, die Durchgehetzten, am Ende einfach nur auf Zehenspitzen herum, auf der Suche nach…ja nach was eigentlich? Nach dem besten Platz, einer guten Aussicht? Man könnte an das Bild denken, in dem sie alle auf Zehenspitzen stehen und letztlich keiner besser sieht. Abgesehen davon mag das auch nicht die angenehmste Position sein. Man muss den Standpunkt auch einmal verlagern. Vielleicht hilft es sogar, sich einmal hinzusetzen, vielleicht auch einmal, alle Viere von sich zu strecken, vielleicht in einem Seminar zur Stimm- und Atemtechnik oder in einem Sportkurs. Möglicherweise muss man auch einmal hochspringen, weitspringen, und vielleicht kann man so was auch als Nicht- Sportstudent angehen. Aufkommen kann man immer falsch. Und zu stolpern mag auch nicht verkehrt sein. Wir alle wissen doch, wie wir gehen gelernt haben: von Fall zu Fall….(letzteres ist geklaut, hat irgend so ein Neuropsychologe letztens in einem Film gebracht…Spitzer oder so…also nicht, dass ich mich mit fremden Federn schmücken will)
Immer wieder höre ich kritische Stimmen, was das heutige Studentendasein angeht, aber nicht etwa von den Studenten selbst, nein. Von meinem Vater bekomme ich regelmäßig zu hören, dass es wohl üblich heutzutage ist, alles hinzunehmen. Damals wäre das natürlich unmöglich gewesen. Ich höre Stichworte wie unpolitische Generation. Und zwischendurch klingt dann wieder das Klischee hindurch, wie wir Studenten leben. Pro Sieben, Taff, 17h: Guten Abend, Deutschland. Guten Morgen, liebe Studenten. Nun, aber wer sich schon nicht für die Probleme unseres Landes interessiert geschweige denn dafür, wie viel wir nun fürs Studium bezahlen müssen und überhaupt scheinbar alles über sich ergehen lässt, naja, dem wird wohl auch das egal sein. Aber trifft dieses Bild überhaupt zu? Als BaMa-Student erkenne ich hierin keine Wirklichkeit, wahrscheinlich habe ich um genannte Uhrzeit nicht einmal Zeit zum Fernsehen, und wenn mir davon jemand erzählt, dann habe ich gerade tausend andere Dinge im Kopf, den ich vielleicht noch schüttel, weil ich denke: Ja nee, ist klar. Ich glaube aber in der Tat, dass es den meisten egal ist, ob ein Bild zutrifft oder nicht und das Wenigste wird noch reflektiert, also kritisch reflektiert. Es geschieht was geschieht. Reflexion, Selbstreflexion, Kritik, alles das scheint fehl am Platze zu sein. Die an anderer Stelle zitierte “Suche nach der Wahrheit” wird ersetzt durch die Suche nach möglichen Klausurfragen. Was ist relevant? Kommt das auch vor? Müssen wir Daten kennen? Personen? Ist der Film von letzter Woche von Bedeutung, dieser Text, der Aufsatz? Nein, heißt es dann vielleicht, aber möglicherweise aufschlussreich. Immerhin reagieren Dozenten nun auch schon darauf und ergänzen ihre Seminare durch entsprechende Kommentare, was denn nun von diesen neunzig Minuten wichtig sein könnte. Danke!
Aber wem soll man einen Vorwurf machen? Vielleicht schlicht und einfach den neuen Strukturen, nämlich, dass die Universität mit den neuen Strukturen immer verschulter wird, aber mein Gott, so schlecht kann das ja auch nicht sein, oder?! Ich meine, letztlich gehen die meisten von uns wieder in die Schule, und ein bisschen mehr Praxis kann so schlecht nicht sein. Das neue Selbstverständnis des Studenten heutzutage? Die Frage stand am Anfang, und mir ist nun klar, dass ich falsch daran gegangen bin. Unsere Rolle ist ja vielmehr die eines Schülers, ohne diese Rolle abwerten zu wollen. Nein, darin liegt eine gewisse Herausforderung, und nächstes Mal wird diese dann einmal näher untersucht.
Übrigens: letztens war ich mit einem Kumpel in Italien. Vor Bologna sind wir abgedreht, Richtung Meer. Versprach mehr Aussicht.
von René Kohn
Ich bin genervt, ich bin frustriert…
Was nicht nur die ersten Zeilen eines Songs von den Ärzten sind, beschreibt meine Gefühle beim Anblick meines Schreibtisches recht treffend. Hier ein Abgabetermin für eine Ausarbeitung, da das Handout für das anstehende Referat, schon zugedeckt von ominösen Readern, unleserlichen Mitschriften, Büchern und dort noch der Kalender mit den dick unterstrichenen Klausurterminen. Nebenbei auch noch Zettel und Flyer mit den nächsten Partyterminen, Freundesadressen aus der ganzen Republik die ich doch schon lange mal wieder besuchen wollte, Festivaltickets, irgendeine Notiz weist noch auf die Arbeitsstelle für die Semesterferien hin und beinahe schon höhnisch grinsend sieht mich eine Postkarte mit dem Spruch „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ an.
Das hatte ich mir anders vorgestellt!
Damals, vor drei- vier Jahren, als ich noch in der Schule saß und vom tollen Studentenleben geträumt habe, war mir eines völlig klar: Das wird eine relaxte Zeit! Mit vielen Parties, nächtelangen Diskussionen über Gott und die Welt, spannenden Vorlesungen von begeisterungsfähigen Professoren, jeden Tag ausschlafen und Semesterferien mit dem Rucksack in Sizilien. An Arbeitsdruck und Modulabschlussklausuren hab ich nicht im Traum gedacht. Jetzt ist es kurz vor Mitternacht und ich bin nicht auf der Party mit meinen Freunden sondern am Rechner und versuche, trockene Fakten in mein Hirn zu speisen. Dabei habe ich im Hinterkopf ständig die Frage, ob ich nicht grade die Party des Jahres verpasse und mein Sozialleben sich auf die einsamen Gespräche mit meiner Yuccapalme beschränken wird.
Klar ist wohl, dass ich mich vom Bild des Studenten, wie es die ´68er Generation geprägt hat, verabschieden muss, will ich halbwegs erfolgreich ins Berufsleben starten. Aber was ist das neue Bild eines Studenten? Wo ist der rote Faden, der einem sagt: „ Hier geht´s lang, das ist dein Weg!“ ? Was will ich vom Leben? Von wessen Meinung und Ansicht lasse ich mich überzeugen? Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Nur, wen soll man denn fragen? Meine Dozenten? Meine Kommilitonen? Das Kaffeesatz-Orakel?
Am Besten mich selbst.
Denn wer weiß mehr über meine Wünsche, Träume und Erfahrungen als ich? Und auf wessen Meinung sollte ich mehr Wert legen als auf meine?
Und während mir diese Gedanken so durch die Synapsen kreisen, wird mir bewusst, dass es nicht nur die Freiheiten und Rechte des Studentenlebens, sondern eben auch die Verpflichtungen und Bindungen sind, die es so reich machen. Die für Gesprächsthemen sorgen, die mich beschäftigen und mich zwingen, mich mit mir und meiner Arbeitshaltung auseinander zusetzen.
Und so nach und nach, also wirklich sehr langsam, verliert der Anblick meines Schreibtisches seinen Schrecken und ich mache mich an die Arbeit- in dem sicheren Wissen, dass der nächste Mittwoch, die nächste Party, kommen wird und ich Yucca dann doch noch eine Topfblume als Gesellschaft beistellen werde.
von Ihna Grensemann
“Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 kein Kapitalist ist, hat keinen Verstand.”
Eine Freundin aus der Schweiz fragte mich vor paar Wochen, wo man in Osnabrück in besetzten Häusern übernachten kann. In einem der beiden Vechtaer Kinos gab es eine Veranstaltung der Contra AG zum Abschiebelager in Bramsche-Hesepe. Die Zuschauer: weitgehend Jugendliche. Die 68er von morgen?
Auch wenn man im Laufe der Zeit – oder sollte ich schreiben, im Laufe des Erwachsenwerdens? – immer mehr revolutionäre Gedanken gegen die eines geplanten Lebensentwurfs eintauscht, man mag sich doch fragen, ob das politische Interesse der Studierendenschaft abnimmt – sofern überhaupt vorhanden, jedenfalls in unserer beschaulichen Kleinstadt. Gewiss ist Vechta keine klassische Universitätsstadt, die Studenten identifizieren sich wahrscheinlich weniger mit ihrer Hochschule als Studierende anderer Unis.
Immerhin, ein kleiner Teil der Studierenden engagiert sich, im AStA, StuPA, beim Linken Vechta, oder bei uns in der Redaktion…, auch wenn die Motivation, sich außerhalb des eigentlichen Studiums zu betätigen, wohl aufgrund der Straffheit des BA/MA-Studiums wohl immer geringer ausfallen wird.
Prof. von Laer sagte im Rahmen der Informationsveranstaltung zum Studiengebührenboykott, es sei nicht der Sinn der Universität, ein wirtschaftliches Unternehmen zu sein, sondern nach der Wahrheit zu forschen. Forschen wir, die Studierenden, nach der Wahrheit?
Haben wir, die Studierenden, eine gesellschaftliche Verantwortung, gegen eingefahrene Strukturen anzugehen und frischen Wind in die alltägliche Welt der Praxis zu bringen?
In einem Artikel in der taz über eines der Camps in Rostock während des G8-Gipfels wurde unter anderem über eine Studentin berichtet, Mitte 20, aus Berlin, studiert Sozialpädagogik und will die Welt verändern. So etwas meine ich aber gar nicht zwangsläufig, dass jeder Student nach Heiligendamm hätte fahren sollen oder ähnliches.
Ich meine vielmehr, dass wir darauf achten, was uns an dieser Welt stört, dass wir nicht so werden wie die Menschen, die ihre eingefahrenen Muster haben und jegliche Veränderung ablehnen. Menschen, die nicht mehr nach links und rechts schauen und nicht sehen, was sie eigentlich machen. Es fängt in uns selbst an.
von Björn Franke
Fotos: Karen Ishikawa & Björn Franke

Bremen

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© Jan von Bröckel / PIXELIO
Ihr habt schon immer das Bedürfnis gehabt, einmal musizierende Tiere zu sehen? Wolltet schon immer mal live dabei sein, wenn sich jemand vom Hochhaus stürzt? Kein Problem. Unsere fünfte Station auf unserer Semestertickettour macht’s möglich. Und es ist keine geringere als Bremen gewesen.
Bremen.
Hansestadt. Fisch. Grün-Weiß. Mittlerweile auch Orange. Fußball. Becks. Eine Stadt, in der Männerträume wahr werden. Eine Stadt, 550.000 Einwohner… Bei mäßigem Wetter, aber mit bestem Vorhaben und wie immer hochmotiviert ging es in die größere Stadt des Zweistädtelandes. Neben Studenten, die noch keine Studiengebühren bezahlen müssen und entsprechend schön auf den Putz hauen können, bringt diese Stadt auch astreine Soapkarrieren hervor: Der ehemalige Manager des Fußballvereins Werder Bremen ist derweil Senator für Bildung und Wissenschaft. Möglicherweise mag das eine mit dem anderen
Umstand zutun haben. Ach so, vom Haus hat sich übrigens niemand gestürzt. Wir wohnten lediglich einem Tatortdreh bei. Nach einer Dreiviertelstunde Sensationsgeilheit hatten wir allerdings keine Muße mehr, noch länger auf den Sprung zu warten. Wir mussten ja schließlich weiterkommen, um für euch Bremen zu erkundschaften.
das Bremer Schnoorviertel
© (Fotograf unbekannt) / PIXELIO
Wer sich schon in Bremen befindet sollte es auf keinen Fall verpassen, das Bremer Schnoorviertel zu besuchen. Hier findet der geneigte Besucher viele hundert Jahre hanseatische Geschichte und kann in den engen Gassen beim Bummeln schon mal die Zeit vergessen. Doch nicht nur das Bummeln wird im Schnoor groß geschrieben, auch die Kultur hat ihren festen Platz. Verschiedene Galerien und Museen lassen sich hier ebenso finden wie Theater und Varieté. Ein näherer Blick lohnt sich!
St. Petri Dom
Bremen hat auch für Freunde sakraler Gebäude, sei es um zu beten oder die Pracht zu bewundern, einiges zu bieten. Neben der St. Martini Kirche im Schnoor Viertel, der Atriumkirche und der Unser Liebfrauenkirche ist besonders der St. Petri Dom hervorzuheben. Dieses frühgotisch geprägte Bauwerk besitzt eine besonders imposante dreischiffige Basilika mit einem doppelten Chor und zwei Krypten. Angesichts all dieser Pracht ist es nicht verwunderlich, dass es zwei Männer brauchte um den Dom eine solche Größe zu verleihen. So begann einst im Jahre 1041 der Erzbischof Bezelin mit dem Bau, welchen sein Nachfolger Adelbert vollendete. Heute ist er ein Ort der Besinnung, des Staunens, der Erinnerung und nicht zuletzt der Bildung. Denn neben seiner eigenen langen Geschichte, welche vor allem in den ältesten Teilen, der Ost – und der Westkrypta, spürbar wird beherbergt das alte Gemäuer heute auch ein Museum. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.
Gut, lecker, Johnny be goods
Eher zufällig trieb uns der Hunger in dieses Truckerlokal. Die rustikale Innenausstattung hat ihren ganz eigenen Charme. Aber das Besondere ist hier definitiv das angebotene Essen. Neben einer großen Auswahl an Burgern gibt es auch andere typisch amerikanische Spezialitäten. Einzig für die Vegetarier ist das Angebot etwas dünn. Ansonsten findet sicher jeden den Burger seines Geschmacks. Bei all ihrer Unterschiedlichkeit haben diese eins gemeinsam sie sind riesig und werden mit einer ordentlich Portion Beilagen serviert. Richtigen Hunger sollte man also mitbringen. Die Preise sind den Portionen angemessen. Aber es ist sicher nicht billig. Doch gutes Essen darf auch seinen Preis haben, oder?
das Universum Science Center
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Derjenige, der sich bei seinem Bremen-Ausflug mehr Zeit mitgebracht hat, sollte auf jeden Fall 8 Euro (ermäßigter Preis für Studenten) in seinem Portemonnaie zurückhalten für einen Besuch im Universum. Insgesamt 250 Stationen auf rund 4000 m² Ausstellungsfläche laden ein zum spielerischen Entdecken, Staunen und Erleben rund um die Themen Mensch, Erde und Kosmos. (Beispielsweise kann man in einem kleinen Nachgebauten Wohnzimmer am eigenen Leib erfahren, wie sich ein Erdbeben anfühlt) Weitere Informationen gibt es auf www.universum-bremen.de
Wenn der Tag des Bummelns und der Kultur dann nicht zu lange war, gilt es das Nachtleben von Bremen zu erobern. Hier einige Tipps von uns zur Abendgestaltung.
Tower
Direkt in der City und keine 5 Min vom Bremer Bahnhof entfernt findet man den Tower Music Club. Im mittelalterlichen Stil gehalten gibt es für Freunde der alternativen Musik hier von Di bis Sa ab 22 Uhr Programm. Neben wechselnden Events wie Livekonzerten oder Visionpartys könnt ihr hier an jedem ersten Freitag im Monat in der AtmosFear Dark Wave, Industrial und Gothic sowie EBM erleben. Der letzte Freitag im Monat steht ganz im Zeichen der lauten Töne. Unter dem Stichwort Kerosene gibt es eine bunte Mischung aus Hardcore, Punk, Ska und Emo. Samstags heißt es Tanzen, denn dann erwartet den Besucher unter dem Motto StereoSurfin´die Tower Tanznacht.
Der Dienstag Abend wird besonders uns Studenten erfreuen, denn dann heißt es nicht nur freier Eintritt sondern ebenso Bier zu vergünstigten Preisen. Für weitere Infos klickt auf www.tower-bremen.de
Stubu
Ebenfalls am Rembertiring gelegen und somit nahe am Bremer Hauptbahnhof befindet sich das Stubu, ein Klassiker in der Bremer Partyszene. Auf inzwischen 5 Areas wird gespielt, was das Herz zum Tanzen begehrt. Wenn man sich des Öfteren im Bremer Nachtleben bewegt, kann man sicher sein, das eine oder andere bekannte Gesicht hier in den frühen Morgenstunden noch zu erleben. Allerdings muss man zum Einlass Geduld mitbringen, kann die Wartezeit immerhin bis zu zwanzig Minuten dauern. Die Getränkepreise liegen im Durchschnitt, Beck´s kostet 2,50, Wodka Redbull 5,50. Das Stubu ist täglich ab 21 Uhr geöffnet, die Happy Hour (zwei Getränke zum Preis von einem) ist von 21- 23 Uhr. Da die Internetpräsenz eher dürftig ist, empfehlen wir für weitere Infos die direkte Durchwahl. Stubu Bremen: 0421- 326398
Woodys
Wer auf dem Weg zum Stubu noch einen Abstecher in die Rockszene machen möchte, ist im Woodys gut aufgehoben. Jeden Samstag erwartet den Besucher ab 22 Uhr die Nightsession mit bekannten Stücken aus den Charts, aber auch Klassikern aus dem Bereich Rock und Pop. Freitags bietet das Woodys „Bremens beste Rocknacht seit ´89“. Eine Mischung aus aktuellen Rocksongs, aber auch Altbewährtem, das man immer wieder gerne hört. Das Ambiente gleicht einem größeren Partykeller, das Durchschnittsalter liegt schätzungsweise bei Anfang bis Mitte Zwanzig. An allen Öffnungstagen lockt das Woodys mit Vodka-Energy für 1 Euro. Für mehr Infos klickt auf www.woodys.de
Paddy`s Pit
Für Fans des klassischen Irish Pubs bietet das Paddy´s Pit am Bremer Hauptbahnhof eine perfekte Anlaufstation. Mit viel Liebe zum Detail wurde das Paddy´s mit alten Kirchenbänken ausgestattet, die ein gemütliches Ambiente herstellen. Wer sein Englisch etwas aufbessern möchte, wird ebenfalls nicht enttäuscht, da die „Amtssprache“ im Pit Englisch ist. Am Wochenende sorgt Livemusik für Stimmung. Auch Fußballfans kommen in diesem Pub nicht zu kurz, denn wer zuhause kein PayTV zur Verfügung hat, kann Livespiele bei einem kühlen Bier im Pub genießen. Täglich geöffnet ab 17 Uhr. Weitere Infos unter www.paddys-bremen.de
Il Mio in der Lloydpassage
Entweder nach einem langen Einkaufsbummel oder direkt am Abend. Das Il Mio in der Bremer Lloydpassage lädt allemal zu einem Besuch ein. Direkt an der Galeria Kaufhof gelegen bietet es einen Blick auf die Llyodpassage. Innen ist das Il Mio auf verschiedenen Ebenen stilvoll aber modern eingerichtet. Vom klassischen Bier bis zu extravaganten Cocktails ist hier alles zu finden. Auch der Magen bleibt nicht leer, dafür sorgt eine reichhaltige Speisekarte mit Fingerfood oder Hauptspeisen. Die Preise liegen dem Bremer Nachtleben angemessen im Durchschnitt. Öffnungszeiten sind Montags bis Samstags 8.00 Uhr- open End und Sonntags von 10 Uhr open End. Weitere Informationen unter www.restaurant-ilmio.de
Modernes
Eines der umfangreichsten Programme bietet das Modernes am Neustadtwall 28 in Bremen. Etwas versteckt in einer Seitenstraße und etwa 15 min zu Fuß von der Innenstadt verspricht das Modernes jedoch auf großen Raum eine bunte Mischung an Unterhaltung. So kommen sowohl Freunde der 70er und 80er Jahre als auch Anhänger der moderneren Musik in regelmäßigen Abständen auf ihre Kosten. Auch Mottopartys sowie die WiwiJura Partys der Hochschule Bremen locken regelmäßig Publikum in die Bremer Neustadt. Geöffnet ist das Modernes am Freitag und Samstag ab 23Uhr. Die Bierpreise liegen um die 2,50 Euro. Mehr Informationen findet ihr unter www.modernes.de
La Viva
„Garantierter Partyspaß“ verspricht das La Viva Bremen auf seiner Homepage. Ob dies zutrifft, muss man wohl selbst herausfinden. Möglichkeit dazu hat der Besucher Freitags und Samstags jeweils ab 22 Uhr. In drei Bereichen werden Hits der 70er, 80er und 90er, Black Music und aktuelle Charts gespielt. Der Getränkepreise sind dem Nachtleben entsprechend, das Bier bekommt ihr ab 2,50. Einlass ist ab 18 Jahren in angemessener Kleidung, das heißt, es wird klassisch bereits an der Tür sortiert. Mehr Informationen zum La Viva bekommt ihr auf einer meines Erachtens sehr gut gestalteten Internetseite. www.laviva-disco.de
Und so erreicht ihr Bremen:
Vechta – Bremen
Mo.-Fr. 4.32h – 20.32h st.
Sa. 6.32h, 18.32h, 20.32h + 7.32h – 16.32h st.
So. 8.32h, 10.32h, 12.32h + 14.32h – 20.32h st.
Bremen – Vechta
Mo.-Fr. 6.20h – 21.20h st.
Sa. 08.20h- 18.20h st. + 20.20h
So. 10.20h, 12.20h, 14.20h + 16.20h – 21.20h st.
von Britta Simon, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefanie Bruns

Bilderalbum
uniVista No. 05: Bremen

48 Stunden – nichts als wach
Wenn‘s nach 45 doch nicht besser wird

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uniVista vs. Schlafparalyse
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Der Schlaf, ein zentrales und lebenswichtiges Grundbedürfnis…Der Entzug desselben wirkt sich nicht nur auf unseren Körper aus. Diverse Studien belegen, dass Menschen misstrauisch, reizbar, übellaunig und schreckhaft werden, wenn sie nicht ihr benötigtes Schlafpensum bekommen. Ebenso werden Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst. Wenn der Schlaf über einen längeren Zeitraum, ob freiwillig oder gezwungenermaßen auf ein absolutes Minimum reduziert, oder gar völlig verhindert wird, stellen sich vermehrt Depressionen, Halluzinationen und Sinnestäuschungen ein. Das klang so spannend, das mussten wir unbedingt ausprobieren! Vier unerschrockene Redaktionsmitglieder begannen somit unsere neue Reihe: uniVista x-treme. Wir haben uns gefragt, was passiert denn tatsächlich, wenn man seinem Körper den Schlaf entzieht? Ist es schwer, lange wach zu bleiben? Ist man überhaupt noch in irgendeiner Art und Weise leistungsfähig? Und da 24 Stunden wach sein nun mal gar keine Herausforderung sind, haben wir uns überlegt, 48 Stunden wach zu bleiben. Ein Termin war gefunden, stellte sich nur die Frage, wie x-treme man dieses Wochenende gestalten sollte. „Noch extremer“ war die Devise und so wählten wir als Ort des Geschehens einen geheimen und sterilen Raum. Der PC sollte die einzige mediale Ablenkung sein, mit max. 4 Stunden Internetzeit für jeden. 48 Stunden wach sein…am selben Ort…mit denselben Leuten, das war die Ausgangssituation. So starteten wir am Samstag den 26.05.2007 um 9 Uhr morgens das Experiment, voraussichtliches Ende Montag der 28.05.2007 ebenfalls 9 Uhr morgens.
von Melanie Ehlert, René Kohn, Stefan Hirsch und Stefanie Bruns
Das Protokoll
6:02 Uhr / 21 Std. wach:
Ein Durchhänger erfasst die Gruppe seit nunmehr einer gewissen Weile. Erste Unmutsäußerungen werden laut. Unmutsblicke können auch schon gesehen werden, weil erste technische Verluste in Kauf genommen werden müssen. Bisher alle Versuche erfolglos, die Technik wiederzubeleben.
Erster Kleiderwechsel am Morgen. Stefan nun mit hoch stehendem Kragen, schwarz, langärmlig.
Rene Kohn
09:26 Uhr / 24 Std. und 26 Min. wach:
Die ersten Schwächeanfälle wurden dank der Cam dokumentiert. Ich fühle mich komischerweise, bis auf dieses Sausen in meinem Kopf, recht fit. Erste Auffälligkeiten: Ich habe Schwierigkeiten mich auf eine Sache zu konzentrieren, denke an viele Dinge gleichzeitig, und versuche sie gleichzeitig zu begreifen, was mir bis jetzt noch nicht einmal gelang. Das kreative Potential hingegen ist gigantisch.
Melanie Ehlert
Zwischen 11:00 Uhr und 11:30 Uhr / 25-26 Std. wach:
Konsequenz der geballten Kreativität: Habe ein Dutzend Bilder mit Farbstiften gemalt. Die erste Geschichte steht und wird von Stefan vorgelesen. Melanie ist der Lyrik verfallen. Sehr schön! Stress mit den Sich-nicht-an-die- Regeln-Halter. Diskussion über Sinn und Zweck einer Aktion wie dieser. Was man gemacht hat, zählt nicht. Was man macht, zählt. Heißt: nicht schlafen!
Gesundheitlicher Zustand: Leichte Kopfschmerzen, mittlerweile gehabt, schon wieder vorbei. Vibrationen im Mundbereich. Was bedeutet das? (öh, klingt auf jeden Fall echt schräg… :-P)
Rene Kohn
12.00 Uhr / 27 Std. wach:
In meinem Kopf macht sich eine angenehme, warme Schwere breit. Das Sausen hat sich zu einer sanften Brise gelegt und streift meinen kreativen Geist. Habe heute schon wieder hochtrabende Lyrik geschaffen…Bis jetzt noch keinen Kampf gegen den gemeinen, feigen Sekundenschlaf gefochten. Mal gucken, ob der Wicht sich heute noch blicken lässt. Nein. Wir werden heute noch viel schaffen…, bestimmt, ganz bestimmt.
P.S: Nacken- und Schulterpartie ist eine komplette Verspannung… warum? Weiß der Geier…
Melanie Ehlert
14:05 Uhr / 29 Std. wach:
Während Melanie versucht, sich über einschlägige Chatprogramme fit zu halten um nicht einzuschlafen, schreib ich mal wieder einige Eindrücke. Mittlerweile geht’s wieder richtig gut. Weder ein Kribbeln im Gesicht noch Kopfschmerzen oder Sonstiges. Habe zwischendurch Badminton gespielt. Im Büro!
Stefan ist derweil auch in eine oder mehrere Schlafphasen gefallen. Sprich: Der Zweikampf ist eröffnet. Melanie braucht ein Battle, sonst hält sie es nicht durch.
Rene Kohn
15:31 Uhr / 30,5 Std. wach:
Zwischenzeitlich stechende Schmerzen am Hinterkopf. Nach Austausch mit der noch wachen Melanie haben wir beide festgestellt, dass das wohl nichts Sonderbares ist, weil wir es beide haben. Allgemeiner Austausch über Nebenwirkungen von Schlafentzug. Man ist doch nicht nur müde.
Immer wieder keimt die Frage in einem auf, was mache ich hier nur? Und die Tatsache, dass es weder hier drinnen und noch weniger draußen jemanden geben könnte, der einem das beantwortet, macht das Ganze nicht besser. Rühren daher die Kopfschmerzen? Denken sich diese kleinen, kaum zu definierenden und letztlich unverstandenen Reize etwa: Scheiß auf Synapsen! Wir schleudern uns direkt gegen die Hirnrinde! Nur hindurch.
Noch bin ich stolz auf mein Nervenkostüm!
Rene Kohn
15.41 Uhr / 30 Std. 42 Min. wach:
Sein Nervenkostüm in allen Ehren, aber ich glaube er besitzt keins mehr. Kopf fühlt sich nach wie vor dumpf an, kann mich aber noch gut artikulieren und den Gesprächen unserer Besucher und Mitstreiter folgen. Nacken verhärtet sich zusehends, kommt wahrscheinlich vom x-treme PC- und Stuhl- Hocking. Wollte noch soviel machen, aber verspüre eine zunehmende Gleichgültigkeit gegen alles was nicht koffeinhaltig ist, oder der direkten Erheiterung meiner Person dient.
Schlafentzug macht auch zu großen Teilen egoistisch, habe ich festgestellt…noch siegt meine soziale Ader, aber wer weiß wie lange….
Melanie Ehlert
Ab 17 Uhr / Über 32 Stunden wachh:
Waren draußen. Essen beim Chinesen. Befürchtete Müdigkeit machte sich umso mehr breit, umso mehr ich aß. Starrer Blick auf Straßenszenerie, während alle anderen gepflegte Konversation betrieben. Rauchen. Schule. Zahnarzt-Grusel-Geschichten. Lehnte mich zurück, zahlte brav die Rechnung und kaufte noch ein Eis. Kühles hilft ungemein gegen Müdigkeit. Da bleibe ich dran, habe ich beschlossen. Vielleicht fahre ich also noch das eine oder andere Mal diese Nacht zur Tanke.
BJO IST DA. 19.33 UHR: Freude. Einmal ein anderes Gesicht.
Rene Kohn
19.37 Uhr / 34 Stunden und 37 Minuten wach:
Auch ich freue mich, Bjo zu sehen, ein bekanntes Gesicht, jemand der zumindest ungefähr nachvollziehen kann, warum und wieso wir das tun, was wir tun.
3:20 Uhr /4 2 Stunden und 20 Minuten wach:
Melanie Ehlert
So langsam werden die Augen wieder ein wenig schwer. Melanies angekündigte Schwächelphase steht an und ich lasse mich scheinbar beeindrucken. Die letzten Stunden waren aber auch intensiv. Ablenkung und Aktion durch Spieleabend. Lustiges Begrifferaten, sprich wir haben Tabu gespielt, was der Redaktion mehr liegt als Activity. Meine Augen werden nicht zufallen. Und ich spüre die Müdigkeit im Nacken, was daran liegt, dass Melanie dort irgendwo sitzt.
Ansonsten muss ich sagen, bin ich positiv überrascht von meiner…naja, ich hab schon ein wenig damit gerechnet, eigenen Stärke. Allerdings stören mich die einen oder anderen roten Augen anderer. Und ich merke, dass ich eine gewisse Sensibilität entwickle gegenüber dummen Kommentaren. Aber sonst: alles locker. Bis später.
Rene Kohn
3:32 Uhr / 42 Stunden und 32 Minuten wach:
Nach einer, schon etwas aus der Bahn werfenden nachmittäglichen Schwindelanfallerfahrung, muss ich sagen dass es mir richtiggehend gut ging, bis ca. 3 Uhr, momentan zwischenzeitliche Gähnattacken und ein dumpfes Gefühl auf den Augenlidern, bis hoch zum Haaransatz. Konzentration ist angemessen, Gesprächen kann man noch gut, bis sehr gut folgen. Ebenso kreative Aufgaben lösen, oder neue Lösungsansätze finden.
Bemerke leicht aggressive und genervte Tendenzen in der gesamten Gruppe. Mich eingeschlossen. Halte mich selbst aber geschlossen, um nicht etwas zu sagen, dass ich eventuell bereuen könnte.
Melanie Ehlert
05.42 Uhr / 44 Stunden und 42 Minuten wach:
Boar, es ist hart, René sagte zwar immer, nach 45 wird alles besser, aber wahrscheinlich war das nur ein fieses Gerücht, damit ich enttäuscht zusammenbreche, wenn dem nicht so ist. Warte jedenfalls seit mittlerweile 44 Minuten auf diesen Jungbrunneneffekt. Er tritt nicht ein…kann er auch nicht, denn ich habe gerade erfahren, dass mein Mathe mittlerweile zu wünschen übrig lässt und ich mich noch in der 44 Stunde befinde. Nacken und Schultern tun mir nach wie vor weh…meine Augenlider neigen immer wieder dazu, sich bleischwer und meine Augen gequollen anzufühlen. Ansonsten ist alles paletti und ich sitze hier, um kurz vor Schluss noch einmal ein bisschen was für die Nachwelt festzuhalten. 48 Stunden klingen eigentlich recht kurz…nach wie vor empfinde ich das auch so… das Wochenende ist irgendwie an mir vorbeigezogen…es war eigentlich nicht langweilig und schwer war es auch nicht. Die 48 Stunden wach zu bleiben, erweist sich jetzt, so knapp vor Schluss, als ein bisschen anstrengend, aber ich glaube, das ist einfach das Wittern der Zielgeraden, was den einen oder die andere ein bisschen kribbelig macht. Kommen wir zu unserer Fragestellung: Tendenziell sollte man in der Prüfungszeit besser keine 48 Stunden am Stück wach bleiben. Für den Körper ist es eine ungewohnte Zeitspanne, die er ohne Schlaf auskommen muss. Etwas auswendig zu lernen erwies sich schwerer als gedacht, etwa der Rollentext, den wir alle lernen wollten…ja…der ist beinahe noch so unberührt wie zuvor ;), fehlt einem ohne Schlaf doch der rechte Elan. Sind eure Aufgaben kreativer Natur und müsst ihr verrückte Einfälle haben, nur zu…ich kann die Nachts-wach-bleiben- Aktion für euch nur empfehlen, denn nachts hat man doch nach wie vor die besten Einfälle ;o)
Melanie Ehlert
07.21 Uhr / 46 Stunden und 21 Minuten wach:
Es geht gerade mal so gar nicht…aber so überhaupt nicht mehr. Da ist man seit über 46 Stunden wach und verschwendet keinen schnöden Gedanken an die Zeit und jetzt schleicht sie nur so dahin. Bin im Moment richtig müde, aber so richtig! Muss zwischendurch immer mal wieder aufstehen und umherlaufen, weil ich sonst merke, wie ich die Augen verdrehe, scheint ein erneuter Müdepunkt zu sein, den es zu überwinden gilt. Kann auch nur schwer Realität und was weiß ich auseinander halten, muss noch was schreiben…und das soll jetzt noch gemacht werden und wenn ich mit dem Kopf auf der Tastatur einschlage. René hält sich tapfer, muss ihn gerade ein bisschen bewundern, gesteh ich jetzt mal so, wobei er auch auffällig viel nebenbei macht…hat fast leichte Stefan’sche Basteltendenzen…Hauptsache was zu tun ;o)
Melanie Ehlert
7:30 Uhr / 46 Stunden und 30 Minuten:
Ich lenke mich derweil seit geraumer Zeit ab mit wichtiger Hausarbeit sowie mit technisch hoch komplizierten Verfahren. Jetzt bin ich fertig. Sitzen strengt an. Schreiben auch.
© Linda Dahrmann / PIXELIO
Und ja doch, selbst die Artikulation kostet schon mehr Aufwand. Ein Corny bewahrte mich vor einem wahrscheinlichen Hungertod. Wobei ich gerade noch dachte, ich hätte keinen Hunger, sondern das wären allmählich die Auswirkungen dieses Experiments: der körperliche Verfall. Tja, nun bin ich wieder fit, bis auf die davor beschriebenen Symptome und das Gefühl, irgendetwas ganz dringend tun zu müssen… Tschö.
Rene Kohn
07.58 Uhr / 46 Stunden und 58 Minuten wach:
Kribbeln/ Taubheitsgefühl rechte Hand…

Bayern ist ein Gefühl

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Herbert Grönemeyer hat mal gesagt, dass Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl sei. Mit ähnlichen Gedanken wurde wohl auch unser neuer Mitbewohner Hannes konfrontiert, der aus Bad Tölz in Bayern für ein Auslandssemester nach Vechta gekommen war.

Und man könnte noch hinzufügen, dass auch die Landwirtschaft hier wie dort eine ähnlich große Rolle spielt.Wir fanden noch viele weitere Parallelen zwischen Vechta und dem, was wir so mit Bayern verbanden: Wohlstand, geringe Arbeitslosigkeit, hohe Geburtenrate…

Hannes selbst brachte es schließlich auf den Punkt.
Was geschieht beim nächsten Mal? Wird Charlene Unterwäsche tragen? Wird Bob ein neues Kraut finden? Und wann tritt der schmierige Vermieter in Erscheinung? Das und vieles mehr erfahrt ihr vielleicht schon in der nächsten Ausgabe im Wintersemester.
von Björn Franke, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefan Hirsch

Das schönste Erlebnis? – Uniparty!

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Bildnachweis: js
Rosemarie Bienert. Der gute Geist im Sporttrakt.
Foto: Julia Stock
“Hast du mal eine Stoppuhr für mich? Kannst du uns die Tennisschläger geben? Schließt du mal auf?“ Jeder, der im Sportbereich unterwegs ist, wird die Hallenwarte kennen, die sich wie gute Geister heinzelmännchengleich um all das kümmern, was wir so gerne vergessen. Heute stellen wir euch die Hallenwärtin Rosi vor.
Rosi oder Frau Bienert?
Rosi.
Wie lange bist du bereits an der Hochschule, und wie kam es dazu?
Ich bin seit sechs Jahren hier. Damals hab ich die Ausschreibung in der Zeitung gelesen und mich dann hier beworben.
Und was hast du vorher gemacht?
KFZ-Mechanikerin. Dann bin ich umgestiegen auf Lackiererin.
Was ist bisher dein schönestes Erlebnis an der Uni gewesen?
Die Unipartys. (lacht) Nee, eigentlich alles. Im Sport ist es harmonisch und nicht so stressig.
Was ist denn das Fitnessessen schlechthin?
Auf jeden Fall Salat und Gemüse.
Machst du selber auch Sport?
Nein.
Sind Sportstudenten anders?
Ja. Die wirken ausgeglichener als die anderen Studenten.
Was empfiehlst du, wenn jemand einen Krampf hat?
Ich empfehle, dass die Studenten viel trinken sollen, vielleicht auch Magnesium zu sich nehmen und sich auf jeden Fall vorher dehnen, bevor sie an die Geräte gehen.
Musst du oft Wehwechen behandeln?
Ja, es kommen öfter mal welche rein, die ich dann ein bisschen behandele. Das ist aber immer ganz locker. (lacht)
Was sagst du zu den weniger Sportbegeisterten?
Die gibt‘s hier im Sport gar nicht. Die sind alle begeistert dabei.
Das Interview führten Julia Stock und René Kohn.

PDF-Version der 4. Ausgabe

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PDF-Version dieser Ausgabe:


Frühlingsdepressionen

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Der Frühling hatte angefangen und ich war unglücklich. Dem Tod ein Jahr näher gerückt – ich hatte einen Tag zuvor Geburtsag gehabt – und mich so fühlend als wären es zehn Jahre – die Feier war im nachhinein relativ anstrengend -, starrte ich bei Bob aus dem Fenster und überlegte, was der Sinn meines Lebens sei. Ich war jetzt 23, glaubte weder an Gott noch an seine Konkurrenz und besaß kaum mehr als die Fähigkeit, fehlerfrei Wörter wie metamorphosierend zu schreiben und den Wunsch, eines Tages eine Horde verzogener Klingelton-Freaks zu unterrichten.

Auch meine Mitbewohner fühlten sich nicht wohl. Enrico kam mit Liebeskummer aus dem Ski-Urlaub zurück…

…und Charlene unzufrieden vom Friseur…

Trüben Gedanken nachhängend, blätterte ich in einer Zeitschrift. Plötzlich blieb mein Blick an einer Marlboro-Werbung haften, die einen Cowboy zeigte, der durch eine weite, unberührte Prairie der untergehenden Sonne entgegen ritt und mir wurde schlagartig klar, dass das Leben lebenswert und schön ist, dass das Leben durchaus einen Sinn hat, dass man lebt, um zu rauchen.
Was geschieht beim nächsten Mal? Wird jemand Neues einziehen? Wird unser Normalo etwas Unerwartetes, völlig Verrücktes tun? Das alles und mehr erfahrt ihr im Juli
von Björn Franke, Britta Simon, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefan Hirsch

“Was für eine schöne Geschichte”

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…lauten die Worte des Alchimisten, den Prolog schließend. Und ich möchte ihm nachsagen, dass er damit sogleich ankündigt, was folgt. Jetzt von pittoresker Literatur reden zu wollen, fiele mir natürlich nicht ein und mit Vokabeln wie spannend und interessant – wie einfallslos – fortzuführen, auch nicht. Wer den Alchimisten vom brasilianischen Beststellerautoren Paulo Coelho liest, die Geschichte um den Jüngling Santiago, einem einfachen andalusischen Hirten, der von Wahrsagern und Königen auf eine Schatzsuche geschickt wird, dem muss schon etwas Besseres einfallen. Vielleicht sollte ich davon erzählen, wie jemand seinem bisherigen Leben den Rücken kehrt, von den Menschen, die er nur deshalb trifft, weil er ersteres getan, von fernen Ländern, von Wüsten, Oasen, Pyramiden. Oder von Abenteuern, Liebe, Hoffnung, Sehnsüchten und Sinn. Von Stoffen also, die nur das Leben selbst weben kann, die man nur anprobieren muss, um sie auch wahrnehmen zu können. Das aber ist Bedingung bei dem virtuosen Literaturesoteriker Coelho, die Augen zu öffnen, die Sinne auf die Flut der Elemente vorzubereiten, die da noch kommen mögen. Was noch? Man könnte sagen, Coelho findet für alles Bilder, die nicht neu sein, aber erfahren werden wollen, Bilder schließlich, die man ausstellen könnte in einer Galerie des Lebens, eine im wahrsten Sinne des Wortes fabelhafte Ausstellung. Dass ich all das nur könnte und es doch letztlich getan habe, ist nicht zuletzt den weisen Worten Coelhos zu verdanken, der seinen Jüngling sogar ein Buch beiseite legen lässt, damit er die Welt erlebt. Was für ein zurückhaltender Autor. Man könnte abschließen, abschließen, den Stift ebenfalls beiseite legen und sich dem Alchimisten einfach nur anschließen: Was für eine schöne Geschichte.
Paulo Coelho: Der Alchimist
Signatur: 338538
von René Kohn

Den Playboy würd ich nach Hause schicken

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Ulla, 55, drei Kinder, offen
und gut gelaunt, wie wir sie kennen
Hast du mal eine Stoppuhr für mich? Kannst du uns die Tennisschläger geben? Schließt du mal auf?“ Jeder, der im Sportbereich unterwegs ist, wird die Hallenwarte kennen, die sich wie gute Geister heinzelmännchengleich um all das kümmern, was wir so gerne vergessen. Heute stellen wir euch die Hallenwärtin Rosi vor.
Wie bist du zur Hochschule Vechta gekommen?
Durch eine Ausschreibung bei der OV.
Bist du immer so grimmig, wie du tust?
Nein.
Findest du Jörg auch sexy?
Jörg. Sexy? Sagen wir mal, naja, gut.
Was magst du an Männern, was an Frauen?
Oh, schwere Frage. (überlegt) In welcher Beziehung denn überhaupt? Sexuell jetzt oder wie.
Lass deinen Gedanken einfach freien Lauf.
An Männern finde ich einfach alles gut. Schöne Knackärsche, schöne Beine. Ja, und an Frauen, die Ausstrahlung. Bei vielen, nicht allen.
Was würdest du Studenten mit auf dem Weg geben?
Anständigkeit. Offenheit. Ehrlichkeit. Im Beruf das machen, was richtig ist.
Möchtest du noch einmal 25 sein?
Nein! (mit Nachdruck)
Bist du ein Fan vom neuen Rauchverbot?
Im gewissen Sinne schon. Es ist angenehmer. Auch für die Lebensmittel. Außerdem kommen viele mit ihren Kindern seitdem hier rein, was schön ist.
Gibt’s Tage, da wärst du gerne jemand anders?
Nö.
Was hältst du von den Profs?
(Stille) Die sind schon ok, aber viele von denen müssten zurückdenken, dass sie auch mal klein angefangen haben. Und hier nicht so ihren Prof heraushängen lassen, ne?! Die haben auch schon mal Fehler gemacht, ne Arbeit verhauen. Und das vergessen viele.
Wenn der Playboy auf dich zukäme, was würdest du sagen?
Was? Zu mir? Na, die würde ich gleich wieder nach Hause schicken. Das lohnt sich nicht.
Würdest du noch einmal was ganz anderes machen, wenn du’s könntest?
Ja. (flüstert) Stewardess. (lacht) Obwohl ich noch nie im Flugzeug gesessen habe und Angst habe vorm Fliegen. (alle lachen) Aber das war immer mein Traumberuf.
Hast du schon mal jemanden verkuppeln können hier in der Uni?
Nicht hundertprozentig, aber fast. Neunzig Prozent. Obwohl, ach doch, ich habe schon jemanden verkuppelt. Meine ehemalige Arbeitskollegin.
Bist du zu Hause auch so ordentlich wie hier?
Mal mehr, mal weniger. Eigentlich schon. Ich kann aber auch mal was liegen lassen.
Das schönste Geschenk, was du von Studenten bekommen hast?
Ganz klar mein fünfzigster Geburtstag, also die Feier, die hier im Bistro für mich ausgerichtet worden ist und von der ich nichts vorher wusste. Das war echt super!
Nerven wir Studenten dich manchmal?
Nein, eigentlich nicht. (Pause) Ja, ok, manche, die ich nicht leiden mag. Aber davon gibt’s kaum welche.
Welche Person der Hochschule wärst du gerne?
Herr Kürschner. Man kann auch mal mit ihm scherzen. Ich habe ihm übrigens das Kippeln abgewöhnt.
Ulla, einen Tag Präsidentin sein, was würdest du tun?
Erstmal die Studiengebühren abschaffen. Öfter mal nen Kaffee ausgeben, mehr persönlicheren Kontakt pflegen.
Dein Lieblingsmensaessen.
Gibt’s nicht mehr. Oder nur noch selten. Hackbraten. Der war immer sehr lecker.
Worauf Ulla lediglich mit einem schlichten Ja antwortet: Bist du gerne hier?, Magst du deinen Kaffee?, Findest du die Preise ok hier?, Rauchst du?, Backst du auch weiterhin leckeren Kuchen für uns?
Das Interview führten Britta Simon und René Kohn.

Was das Quietscheentchen uns erzählen könnte

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Was machen diese Wesen, die nicht mal merken, wenn wir Frauen eine neue Frisur, geschweige denn neue Schuhe haben, diese Wesen, die sich selber für total unkompliziert halten, die sich damit rühmen, ganz natürlich (schön) zu sein, die von sich behaupten, keine Beautyprodukte zu benötigen, was machen diese Wesen so lange im Bad?
Laut oben genannten Selbsteinschätzungen und nach dem von uns bemerkten Desinteresse dürften Männer höchstens 10 Minuten für die Morgentoilette brauchen. Betreten, Radio anmachen, Zähne putzen: zahnprophylaktisch- nett geschätzte 3 1/2 Minuten. Toilettengang: 1/2 Minute. (Immerhin brauchen sie auf Partys ja auch nicht länger und mokieren sich nur immer, dass sie auf ihre Begleiterinnen warten müssen.) Duschen, da ja nichts enthaart oder gepeelt wird, und abtrocknen: 3 Minuten. Die restlichen 3 Minuten sollten für den natürlich- schönen Mann ja wohl für Rasur und Styling reichen. Ob die lesende Männerschaft nun verlogen mit dem Kopf nickt und zustimmt? Ihr angeblich von der Natur sonnengebräuntes Gesicht beschämt senkt? (Obgleich uns Frauen die neue Niveawerbung eines Besseren belehrt.) Ihr penibel gestyltes Haar hinters Ohr streicht? Die manikürten Finger selbstgefällig über der babyweichen Haut des Bauches faltet?
Bin ich gehässig? Nein, ich erkenne die „Naturschönheit“ ja. Ich bin nur eines Besseren belehrt worden und weiß, dass männliche Wesen oft genau so lange oder länger im Bad brauchen wie wir. Nur, dass sie es nicht zugeben. Was uns Frauen unweigerlich auf dumme Gedanken bringen muss: wenn der Mann nur 10 Minuten in der Kacheloase braucht, aber 25 Minuten darin verbringt, was tut er dann da? Vorm Spiegel posen? Mitsingen? Den Abfluss mit unserer Zahnbürste reinigen? Die Kosmetika der Freundin/ Mitbewohnerin testen? Aus der Kloschüssel trinken? Sich selbst befriedigen?
von Julia Stock
Einen Moment für den Klassiker, bitte! Frauen im Bad. Ein abendfüllendes Gespräch, wozu es natürlich allein deshalb nicht kommt, weil es sich so schlecht sprechen lässt, wenn man nicht zusammen in einem Raum ist. Dazu noch Föngeräusche und Dirty Dancing-Mucke und alles ist arrangiert für die Ausrede fürs Zuspätkommen, natürlich dem männlichen Part zukommend. Ich versuch, oh mein Gott, ich versuch die Frauen jetzt einmal zu verstehen, weil ich gerade ein wenig Zeit habe.
Weil Sinnfragen auch immer mit einem Warum anfangen, will ich das mal dabei belassen: Warum also brauchen Frauen so lange im Bad? Weil wir in einer Welt leben, in der Frauen lange im Bad brauchen. Ganz einfach. Das ist nun mal so. Klingt ironisch. Also nehme ich es nicht einfach so hin und hinterfrage das, weil ich ja nicht nur ein Mann, sondern auch Student bin. Neugierig und kritisch… Was steckt dahinter? Eine Annäherung: Langes Haar zum Beispiel gilt immer noch eher als weibliches Attribut, will gewaschen, geföhnt und gebürstet werden. Hier müssen bereits die einzelnen Schritte näher beleuchtet werden, denn Waschen heißt nicht mal eben nur mit Shampoo. Nein, hinzu kommt eine Spülung und diese muss i.d.R. erstmal einwirken. Zu guter letzt gibt’s noch ne Kur. Doppelte Einwirkzeit. Auf dass es helfe! Und auch die weiteren Vorgänge sind nicht zu unterschätzen. Lange, nasse Haare brauchen neben Liebe auch Wärme und damit nicht alles aussieht wie Hulle, muss die Bürste her. Ok, zugegeben, es gibt auch Kurzhaarfrisuren. Nun gut, aber die behaarten Beine gibt’s ja auch und die Werbung, in der so nen samt-seidenes Tuch über dieses Körperteil gleitet, ohne zu rucken, auch. Behaarte Beine, das muss folgerichtig und um der Ästhetik willen natürlich geändert werden. Respekt! Vergleiche Mann einmal die Oberflächen von Gesicht und Beinen. Wer schön sein will, muss ja bekanntlich leiden.
Natürlich sind solche Betrachtungen oberflächlich und durch die Tiefe des Schlüssellochs – nein, ich bin kein Spanner, das soll lediglich ein Wortspiel sein – erkennt man natürlich mehr: Frauen im Bad, hierbei geht es um etwas ganz Besonderes, um innere Werte etwa, die wir natürlich nicht sehen, weil wir ja nicht hineingucken können. Welch Dilemma!
Aber ich bleibe oberflächlich und schließe ab: Mann wartet insgeheim ganz gern. Und: Vorfreude ist die schönste Freude.
Entnervt lege ich den Stift beiseite. Das war hart. Ich glaube, die Zeilen werde ich für mich behalten. Ich stehe auf, rufe ganz unbeherrscht und schon kurz vor hysterisch: Schatz, bist du bald fertig? Wir müssen los. Nein, wir hätten schon da sein müssen. Vor einer Ewigkeit. Von wegen Vorfreude. Einen Moment,…
von René Kohn

PDF-Version der 3. Ausgabe

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PDF-Version dieser Ausgabe:


uniVista im Gespräch mit dem StuPa-Präsidenten

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Kurz vor Weihnachten trafen wir Eugen Reck, Präsident des Studentenparlaments und fragten nach, was das eigentlich ist: das Studentenparlament oder im Uniabkürzungsdeutsch: StuPa. Und was eigentlich macht der Präsident selbst? Wie steht er zu aktuellen Themen, etwa zum Boykott 2007, zu der Master- Problematik? Heraus kam ein offenes Gespräch, das weder kritische Töne noch Selbstkritik missen ließ.
Zunächst einmal das, was man fragen muss, wenn man an der HS Vechta studiert: Warum Vechta?
(lacht) Das frage ich mich schon die ganzen letzten sieben Semester. Nein, ehrlich: Vechta ist einfach eine tolle Stadt. Tolles Umfeld hier, dieses Familiäre, Kleine.
Also schon eine bewusste Entscheidung gewesen, nach Vechta zu kommen? Oder lieben gelernt?
Zur Person:
Eugen Reck, 23 Jahre alt
Umweltwissenschaften (7. Sem.)
StuPa-Präsident seit einem Jahr
Nein, nein, schon bewusst. Das Studium hier hat mir zugesagt, bereits im Vorfeld, als ich das Curriculum gelesen habe. Von daher war Vechta eine gute Lösung.
Bist du noch in anderen Gremien außer im Studentenparlament aktiv?
Ja, ich bin der ZKLS (Zentrale Kommission für Lehre und Studium), mittlerweile, ich glaube, im zweiten Jahr.
Kommen wir zu deiner Beschäftigung im Studentenparlament: Wie kam es dazu, dass du ins StuPa gekommen bist?
Ich wurde von so einer Art Fachrat Umweltwissenschaften angesprochen. Bei uns hat sich das so ergeben, dass wir relativ zeitnah, nachdem unser Studium begonnen hatte, erfahren haben, dass wir eine auslaufende Betreuung erhalten. Da kamen dann höhere Semester auf mich zu und meinten, wir bräuchten frische Leute in den Gremien, damit auch unsere Belange mit vertreten werden und ein ordentliches Studium gewährleistet wird.
Wie plötzlich kam die Präsidentschaft auf dich zu?
Ja, die kam in der Tat plötzlich. Ich war ja nur studentischer Vertreter und wurde dann von den alten Hasen, die noch drinnen waren, angesprochen.
Es wurde also eher an dich herangetragen?
Ich habe nicht danach geschrien: Ich möchte unbedingt! Aber es macht mir Spaß… Ich bin in diese Position hineingewachsen. So ein Amt ist auch nicht gerade einfach. Man muss die ganzen Formalia drauf haben, früher oder später. Ich habe mir aber von vornherein gesagt, wenn du Präsident bist, dann machst du eine eigene Politik, mit der sich die Leute identifizieren können. Auch wenn das manchmal etwas unbürokratischer zugeht.
Wie kann man sich das denn vorstellen: den Alltag eines StuPa-Präsidenten?
Jetzt zur Weihnachtszeit relativ stressig. Am letzten Freitag war dann auch die Examensfeier, der ich auch tatkräftig zur Seite stehen durfte. Als StuPa-Präsident hat man meist auf solchen Veranstaltungen ein studentisches Grußwort zu halten, deswegen sollte das Bedürfnis eine Rede zu halten auch da sein.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen Gremien an der Uni? Beispielsweise mit dem AstA. Wie kann man sich das vorstellen?
In dem letzten Jahr, in dem ich StuPa-Präsident gewesen bin, war die Zusammenarbeit sehr gut. Ich bin in die Strukturen eingeführt worden, die mir vorher so nie bekannt waren.
Zu dem StuPa im studentischen Alltag: Wann wende ich mich als Student eigentlich ans StuPa?
Quasi immer, wenn du denkst, du wirst in deinem Studium falsch behandelt Wir haben zum Beispiel gerade relativ zeitnah ein Problem, und zwar geht es um die Leute, die in den Master of Education gewechselt haben. Das Zeitproblem ist so gravierend ist, dass es mittlerweile Gespräche mit Frau Rieken und Herrn Jungwirth gegeben hat. Und es wurde festgestellt, dass zwei Semester für so ein kompaktes Studium, mit Fachpraktikum dazwischen und Masterarbeit gleich im Anschluss und im Vorfeld zig Referate und Klausuren einfach nicht zu schaffen sind.
Also man hat eine Prüfungsordnung erstellt, ohne darauf zu achten, ob die auch realisierbar ist?
Nein, nein. Die Hochschule selbst hat damit relativ wenig zu tun. Sie kriegt einen Rahmen vom Land, welches sagt: In zwei Semestern müsst ihr das alles durchpauken, was wir uns vorstellen. Frau Rieken sagte mir, sie hätte mit dem Staatssekretär gesprochen, der wiederum meinte: Alles klar, wir können auf drei Semester gehen, aber dann können wir auch gleichzeitig tausend Lehrer weniger einstellen, weil die Absolventen durch einen dreisemestrigen Master in eine höhere Besoldungsstufe kommen. Das ist ein ganz einfaches Rechenspiel. Und da bitten Frau Rieken und Herr Jungwirth auch um eine breite Front in der Studentenschaft… Solchen Problemen versuchen wir dann Herr zu werden, indem wir Komissionen zu solchen Problemstellungen bilden, die dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten (Stichworte im Fall des Masterstudiengangs sind etwa Veränderungen am Modulaufbau sowie bei den Leistungsnachweisen) konstruktive Lösungen suchen und die Vorschläge sodann an die ZKLS weiterreichen.
Das StuPa hat also durchaus Einfluss?
Ja, das StuPa ist ein ausführendes Instrument. Von uns geht eine Initialzündung aus bzw. von den Studierenden.
Also, man kann schon sagen: Ihr vom StuPa seid die fleißigen Arbeiter im Hintergrund, die auch durchaus entscheidungsbefugt sind. Davor steht dann etwa der AStA, der in der Regel ja der Ansprechpartner für die Studenten ist. Kann man das so sagen?
Ich würde das gar nicht so abtrennen. Natürlich macht der AStA viel Öffentlichkeitsarbeit. Und viele gehen erst einmal zum AStA, wenn sie Probleme haben, da sie auch feste Sprechzeiten haben.
Die hast du nicht?
Da hat mich noch nie jemand drauf angesprochen. Ich bin quasi immer in der Sprechstunde. Sprecht mich an! Das ist kein Thema. Also das StuPa ist öffentlich!
Vielen ist auch gar nicht bekannt, dass man als Öffentlichkeit an den Sitzungen des StuPas teilnehmen kann?
Ja, das ist richtig. Jedes Mal wird das mit auf die Einladungen drauf geschrieben. Vielleicht spiegelt sich darin der politische Verdruss wider. Viele kommen halt nur, wenn sie aktuell ein Problem haben. Wenn natürlich alles gut läuft, dann machen sich die wenigsten die Mühe, beispielsweise an Sitzungen von uns teilzunehmen. Das ist natürlich falsch, da es immer was zu tun gibt. Ich würde mir schon wünschen, dass mehr Öffentlichkeit vertreten wäre.
Du hast die Politikverdrossenheit angesprochen. Immerhin gab es im letzten Jahr eine regere Wahlbeteiligung, ganze zehn Prozent mehr als zum Vorjahr, also über zwanzig Prozent. Aber das ist ja immer noch erschreckend gering. Wenig Rückhalt aus der Studentenschaft, die ja letztlich auch euch bestätigt in der Arbeit, die ihr macht. Was fehlt hier?
Ich würde sagen, es fehlen uns die Mittel. Es wird andererseits schon seit Jahren immer wieder beschlossen, dass wir eben mit geringen Mitteln werben wollen. Die Uni soll nicht plakatiert werden.
Also keine Atmosphäre der Konkurrenz?
Wir wollen ein StuPa schaffen, das wirklich zusammen arbeitet. Man könnte natürlich einiges machen. Ich habe in der Wahlkommission vorgeschlagen, ein Online-Voting einzuführen, das auch den Etat nicht allzu sehr belastet und darüber hinaus an anderen Unis praktiziert wird. Das Online-Voting erscheint mir eine ganz praktikable Lösung für eine höhere Beteiligung, wird wahrscheinlich aber erst in ein, zwei Jahren kommen. Ich hoffe natürlich, dass auch ohne diese Möglichkeit, die Wahlbeteiligung bei den kommenden Wahlen wieder ein wenig steigen wird.
Noch ein paar Worte von dir zum Boykott 2007, der ja nun unmittelbar bevorsteht.
Ich war auf der Vollversammlung, die ich insgesamt als gelungen empfunden habe. Ich selbst werde am Boykott 2007 teilnehmen.
Dein Tipp, wie viele machen mit?
Ich hoffe, wir schaffen die tausend. (grübelt)
Noch einmal zum Fastschluss dieses Gespräches: Warum sollten sich Studenten engagieren in studentischen Gremien? Was hat er/sie davon?
Erst einmal glaube ich, dass man alles, was man vorgesetzt bekommt, hinterfragen sollte. Wer hier nicht nachfragt, ist selber schuld. Allein deswegen sollte jeder zur Wahl gehen. Man muss sensibilisiert werden für die Probleme auf dem Campus. Letztlich bekommt aber auch jeder aktive Student im Studienbetrieb mit, was falsch läuft, seien es überfüllte Räume, Probleme mit den Dozenten. Diese Stimmen brauchen wir. Studentische Gremien und Organe leben vom Input.
Eugen, wir danken dir für das Gespräch.
Das Interview führten René Kohn und Stefanie Bruns

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Pilziges Vergnügen und kugelähnliches Stärkepulver an Schweinemedaillons

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Lust auf lecker? Kein Problem! Maggi oder Knorr machens möglich. In nicht einmal anderthalb Stunden habt ihr ein zauberhaftes Essen auf dem Tisch, das zwar Fertigproduktanteile hat, aber doch ein Gefühl wie “Ich habs doch selbst gemacht” zulässt. Alles, was ihr braucht, ist Folgendes: Ein Fertigtütenprodukt „Schweinebraten”, ein Filetstück vom Schwein, normale oder exotische Knödel und frische Champignons. Die Kochprozedur ist ganz einfach: Man nehme einen großen Topf, träufele ein wenig 01 hinein, dann kommt das gesalzene und gepfefferte Filet hinein, schön von allen Seiten anbraten, so dass sich die Poren verschließen. Das Fleisch rausnehmen, Wasser nach Angabe hinein, aufkochen, Mischung dazu, dann das Filet wieder dazugeben, Deckel drauf und eine Stunde lang garen lassen. Ab der Hälfte der Zeit die Knödel aufsetzen und die Champignons zum Schweinebraten geben. Nach eingehaltener Garzeit das Filet hinausnehmen und in Scheiben schneiden und wieder hinein in die Sauce. Et voilà Fertig. Ach ja, für die Oh-Gott-ich-mag¬doch-keine-Pilze-Leute gibt’s ne leckere Alternative hierzu: Rotkohl passt auch ganz hervorragend zum Gericht. Unterm Strich dauerts zwar alles nen bisschen länger als Nudeln und etwas kostspieliger ist es auch, aber zur Weihnachtszeit kann man sich das ja mal gönnen. Guten Appetit!
von René Kohn

uniPlay #1

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Das bin ich, Deutsch- und Geschichtsstudent aus Osnabrück. Wir haben uns bestimmt schon mal gesehen. Leider wirst du dich nicht mehr an mich erinnern. Schade, naja…
Das ist Enrico. Er studiert Sport. Nur Sport. Seine Hobbies sind Sport und Sportfernsehen. Außerdem kommt er gut bei Frauen an. Reden ist aber nicht seine Stärke. Enrico kommt aus Greifswald.
Nun Charleen. Tja… Charleen kommt aus Bochum. Ihr Hobby ist Shoppen. Leider wurde sie nirgendwo angenommen, daher ist sie in Vechta.
Bob wird Sozialpädagoge. Irgendwann. Bis dahin kümmert er sich um seine zwei “passiv rauchenden” Wüstenspringmäuse. Sein Lieblingsbuch ist Siddartha.
Über Nadine kann ich nicht viel sagen. Wenn ich Glück habe, sehe ich sie montags oder mittwochs bei Ankunft oder Abfahrt. Sie scheint wohl auch zu studieren.
Außerdem ist ein Zimmer frei, das wir bisher leider nicht langfristig vergeben konnten, aber seht selbst

Das alles schoss mir durch den Kopf, nachdem Claus Stukenbröker, der Bewerber für unser freies WG-Zimmer, gegangen und sein Gestank soweit verflogen war.

Enrico war sofort begeistert von dem rauhen Kerl. Charleen hingegen, die nie einen Hehl daraus machte, dass sie gutes Aussehen mit gutem Charakter gleichsetzte, war entsetzt.
Da Weihnachten vor der Tür stand und Wohltätigkeit verlangte und es eine Wohltat war, mit Stukenbröker und Enrico zwei Menschen und nicht eine einzelne Charleen glücklich zu machen, entschied ich mich für ihn.

Die ersten Tage mit Stulenbröker verliefen nicht unharmonisch, aber auch nicht ohne Höhen und Tiefen. So schlug er einerseits einen GEZ-Vertreter in die Flucht, behauptete aber andererseits, Schuld daran, dass das Waschbecken in der Küche zu Bruch gegangen ist, sei nicht er, sondern unsere WG-Regeln, da sie verlangen, daß man sitzenderweise uriniert.

Eine Woche vor den Ferien veranstalteten meine Mitbewohner und ich eine kleine Weihnachtsfeier. Zuerst sah es nach einem lustigen Abend aus. Die Wohnung duftete nach selbstgebackenen Keksen, wir tranken Glühwein, Bob ließ seine Tüte herumgehen und beklagte sich…

Da hatte Stukenbröker eine Idee und gab sie auch preis, woraufhin Bob entsetzt von sich gab: “Das geht ja mal gar nicht.”

Auf einmal sprang Stukenbröker auf, zog seinen Säbel, hielt Bob die Klinge an den Hals und zitierte Ernst Moritz Arndt. Enrico rettete sich mit einem geschickten Sprung hinters Sofa. Der Abend war natürlich gelaufen.

In den folgenden Tagen hielten wir uns fast nur in Enricos Zimmer auf, um Stukenbröker nicht in die Quere zu kommen.

Als er uns fand, erklärte er uns, dass er lieber bei einem Kumpel wohnen wolle, der für ein Auslandssemester nach Vechta gekommen sei.

Ende. Forsetzung folgt…
von Björn Franke, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefan Hirsch

PDF-Version der 2. Ausgabe

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uniVista im Gespräch mit der Präsidentin der Hochschule Vechta

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Bildnachweis: Lea Weber
“Ich befürworte die Studiengebühren,
wenn sie der Hochschule zu Gute kommen.”
Bild: Lea Weber
Die Präsidentin der Hochschule Vechta macht keinen Hehl daraus, dass sie für Studiengebühren ist.
Ein Grund für uns, nachzufragen.
Sie sind für Studiengebühren?
Das ist richtig. Ich habe da mit meiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten Ich befürworte die Studiengebühren, wenn sie der Hochschule zu Gute kommen und denke auch, dass sie zur zukünftigen Finanzierung und Gestaltung der Hochschulen in Deutschland notwendig sind.
Die Einnahmen der Studiengebühren durch die Hochschulen könnten doch dazu führen, dass sich das Land aus der Finanzierung der Hochschulen zurückzieht oder diese Gelder gar dazu verwendet werden, Haushaltslöcher zu stopfen. Sehen Sie darin eine Gefahr?
Die Studiengebühren werden vollständig zur Verbesserung der Lehre und Forschung in der Hochschule verwendet Lediglich 0,1% der eingenommenen Gelder kommen in den Ausfallfond. Mit diesen Geldern kann die Bank die notwendige Sicherheit garantieren Da sie Kredite vergibt, ohne diese zu verlangen.
Der Zukunftsvertrag, welcher zwischen den Ländern und der LHK (Landeshochschulkonferenz, Anmerkung der Redaktion) geschlossen wurde und bis 2010 gilt, sichert, dass die Länder sich nicht aus der Finanzierung verabschieden oder auf die Mittel zugreifen. Die Gefahr sehe ich jedoch durchaus. Deshalb wurde von der LHK aus eine Arbeitsgruppe gebildet, deren Sprecherin ich bin, welche sich mit dieser Problematik auseinandersetzt und entsprechende Forderungen ausarbeitet.
Sollten die Gelder zweckentfremdet werden, bin ich auch gegen die Studiengebühren und würde protestieren.
Sie halten die Studiengebühren für sozialverträglich?
Da es die Studienkredite gibt, welche an alle, unabhängig von ihren Eltern oder anderen Sicherheiten, vergeben werden, halte ich sie in der Tat für sozialverträglich Ohne diese Kredite wäre das nicht der Fall. Es ist jedoch zu beobachten, dass die jetzt immatrikulierten Erstsemester diesen Kredit nur in geringer Zahl in Anspruch genommen haben Ich möchte jeden dazu ermutigen, hiervon Gebrauch zu machen, wenn Bedarf besteht
Inwiefern halten Sie Ihre Aussage für gerechtfertigt, wenn man die Feststellung von Prof. Dr. Hans-Dieter Rinkens, Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW) dagegenstellt Zitat: „Wir wissen dank unserer Sozialerhebungen, wie es den Studierenden sozial und finanziell geht. Ein Viertel muss mit weniger als 600 Euro im Monat auskommen. Das sind sogar 40 Euro weniger, als die Familiengerichte derzeit als Orientierungswert für den studentischen Bedarf ansetzen.”
83 Euro monatlich für die Studiengebühren zurückzulegen, ist sicher eine Belastung für den Einzelnen. Das möchte ich ja gar nicht kleinreden. Nichtsdestotrotz haben Hochschulabsolventen immer noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als andere und entsprechende Verdienstaussichten Für so eine Ausbildung sollte dann auch bezahlt werden
Ab welchem Betrag halten Sie die Gebühren für nicht mehr sozialverträglich?
(Hintergrund: 500€ seien „akzeptabel und zumutbar”, so Assenmacher an anderer Stelle.)
(überlegt) Das ist schwer zu sagen. Die Sozialverträglichkeit hängt ja von Faktoren wie der Wirtschaftsentwicklung ab und das kann man heute noch nicht kalkulieren. Zukünftig werden die Studiengebühren sich sicher noch erhöhen. Wünschenswert wäre auch eine Staffelung, da ja auch die Verdienstaussichten in den einzelnen Studienrichtungen sehr unterschiedlich sind.
Werden Abiturienten aus so genannten bildungsferneren Schichten nicht an einem Studium gehindert durch die Studiengebühren ?
Der Anteil von Studierenden aus einkommensschwächeren Schichten betrug ohne Studiengebühren lediglich 12%. Die soziale Vermischung wird sich durch die Einführung der Studiengebühren nicht verändern
Bildnachweis: Lea Weber
“Sollten die Gelder zweckentfremdet
werden, bin ich auch gegen die
Studiengebühren und würde protestieren.”
Bild: Lea Weber
Also Status Quo?
Das Problem liegt woanders: Soziale Gerechtigkeit setzt für mich früher an. Es wäre viel wichtiger, Kindergärten beitragsfrei zu machen und mehr in die frühkindliche Bildung und Grundschulen zu investieren. Denn dort liegt die Ursache für die soziale Ungleichheit. Und überhaupt zeigt ein Blick ins Ausland – nehmen Sie zum Beispiel Österreich -, dass die soziale Schere nicht weiter auseinander geht durch Studiengebühren.
Stichwort Stipendien?
Ja, es befindet sich ein Stipendiensystem für die Hochschule im Aufbau. Die Vize- Präsidentin Frau Rieken ist daran umfassend beteiligt. Wir haben dafür auch extra eine neue Stelle geschaffen, welche sich darum kümmert. Auch Frau Kocar, unsere Gleichstellungsbeauftragte, ist an der Erarbeitung eines Fundraisingkonzepts für die Hochschule beteiligt.
Ich denke, dass es hier auch eines gesellschaftlichen Wandels bedarf, damit sich ein Wettbewerb entwickelt und es für Unternehmen und andere Institutionen attraktiv wird, Studenten zu unterstützen und sich finanziell an ihrer Ausbildung zu beteiligen. Das wird sicher nicht von heute auf morgen gehen. Doch wir sind da, denke ich, auf einem guten Weg.
In welcher Form haben die Studenten Einfluss auf die Verwendung der Studiengebühren?
Die Studierenden sind beteiligt an der Diskussion, wie die Studiengebühren eingesetzt werden und letztlich auch an den Entscheidungen. In der AG Studiengebühren sind zwei Studierende vertreten und in den beschließenden Kommissionen gibt es auch studentische Vertreter.
Besteht nicht die Gefahr, dass ein Institut oder eine Fachrichtung besonders gefördert wird, damit die Uni ein Aushängeschild hat?
Das ist nicht der Fall und das wird auch nicht so eintreten. Wir wollen das Studium für alle Studierenden verbessern und Ausgewogenheit ist da ganz wichtig. Des Weiteren halte ich Transparenz für ganz wichtig.
Bildnachweis: Lea Weber
“Wie müssen bauen.”
Bild: Lea Weber
Was assoziieren Sie mit Seminararbeit?
Ich denke, dass die Seminararbeit im BA-Studiengang nicht den gleichen Umfang haben sollte wie zu meiner Zeit. Ich hatte ein ganzes Semester Zeit, mich mit einem Thema zu beschäftigen. Die Seminararbeit im BA-Studiengang kann aufgrund der Dichte der Prüfungsleistungen nicht so umfassend ausfallen. Das ist meine persönliche Meinung.
Wir wollten eigentlich auf etwas anderes hinaus (aber vielen Dank für Ihre Einschätzung), sprich: die Arbeit in einem Seminar.
Ein Seminar sollte eine kleine Gruppe sein, in der intensiv gearbeitet werde kann. Klar ist, dass ein Seminar keine Massenveranstaltung sein sollte.
Wie kann das gewährleistet werden bei so vielen Erstsemestern?
In der Vergangenheit ist uns das leider nicht immer gelungen. Besonders in den Bereichen Pädagogik und pädagogische Psychologie gab es in diesem Zusammenhang große Defizite. Das geht nicht an mir vorbei und wir arbeiten an der Verbesserung dieser Zustände.
Die Studiengebühren waren also hilfreich?
Da waren die Studiengebühren schon eine große Hilfe. Denn damit konnten wir die Vielzahl von Tutoren für die Einführungswoche bezahlen. Außerdem haben wir für den Studiengang Bachelor Soziale Arbeit so 32 SWS zusätzliches Lehrangebot finanzieren können.
Wie sehen Sie die Zukunft der Hochschule Vechta?
Der Standort Vechta hat sich in den vergangenen Jahren stabilisiert und die Existenz der Hochschule ist gesichert. In diesem Zusammenhang sind die steigenden Studierendenzahlen ein starkes politisches Argument. In Göttingen und Braunschweig sinken die Studierendenzahlen. Wohingegen Vechta seinen Zuwachs nahezu verdoppeln konnte.
Bildnachweis: Lea Weber
Bild: Lea Weber
Und dieser Zuwachs ist nun beendet oder wie viele Studenten mehr verträgt die Uni derzeit?
Ich finde die Zahl 3500 schön, das habe ich immer gesagt. Aber eins steht fest: Wir müssen bauen! Die Qualität von Lehre und Forschung soll noch steigen. Als ich vor zwei Jahren mein Amt übernommen habe, war der Zustand der Lehre ja nicht der beste. Es gab viele vakante Professuren und Verwaltungen von Professuren, da die Existenz der HS Vechta damals ja noch in regelmäßigen Abständen in Frage stand.
Im WS 07/08 wird der Studiengang Bachelor soziale Arbeit einen NC haben?
Ja, das auf jeden Fall
Frau Assenmacher, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führten Stefanie Bruns, Sebastian Dargel und René Kohn.

Parkplatzromantik an der Uni Vechta

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Angekündigt: Weltpolitik im November – alles und komplett, leicht gekürzt
Vec. Man stelle sich vor: Die Welt ist Vechta. Punkt. Oder besser: Ausrufungszeichen! Und Großes passiert hierzulande. Entscheidungen mit fragwürdigem Oberflächencharisma etwa werden getroffen, nun für alle sehbar und hörbar. Und das nenne ich jetzt Politik. Gerade noch die Studiengebühren eingeführt, mittlerweile die erste Riege, immerhin ganze 1000 Studierende, zur Kasse gebeten, und schon geschieht etwas. Dieses Etwas kommt ins Rollen. Auf dem Campus tut sich etwas. Sehbar, hörbar und spürbar. Auf jeden Fall etwas mit -bar. Und es fällt mir sonderbar etwas ein: Wunderbar, denke ich, denn hat nicht die Präsidentin erst kürzlich gemeint: Wir müssen bauen! Und was passiert, wenn so jemand so etwas sagt? Es wird gebaut! Und das im Eiltempo, denn: Wohin mit all denen, die sich neben dem Studium auch noch Mobilität in Form eines Autos leisten? All diese Fahrer müssen ihre Gefährte doch abstellen können, irgendwo unterkommen, einen Platz finden. Im Seminar? Nein. Das ist nebensächlich. Ein Parkplatz muss her. Eine entspannte Parkplatzsituation sorgt für entspannte Studenten, die sich morgens nicht mehr den Kopf machen müssen: Wo stehe ich heute? In meinem Studium? Nein, ganz örtlich gemeint. Wo nur stehe ich also in Vechta? Schon mal ein Seminartipp: Organisiert(e) Fahrgemeinschaften, denn die Plätze können schnell weg sein. Und wenn dann erst mal eine Großleinwand installiert ist, auf der, überdimensional groß, vertraute Dozenten wissenschaftliche Botschaften verkünden, ist das Gedrängel wieder in vollem Gange. Nicht, dass es am Ende heißt: Schon wieder keinen Platz im Autokino bekommen oder so ähnlich…
von René Kohn
Die Vier Wege, wies nicht geht
Nicht zu dicht!
Diskretion!
Obacht bei verschiedenen Parkrichtungen – Andere wollen auch raus oder rein, auf jeden Fall fahren können!
NICHT zwei auf einmal!
Parken ist in den gekennzeichneten Flächen erlaubt!
Tja…
Sollten weitere Fragen und Probleme auftauchen, wendet euch an den Fahrlehrer eures Vertrauens oder an die parkerprobte Redaktion!

PDF-Version der 1. Ausgabe

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Vorgestellt

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Freitag, 12.30h, mittlerweile im AStA-Büro: Seit nunmehr einem halben Jahr treffen wir uns. Wir, das sind engagierte, selbstlose Informationsjunkies, immer auf der Suche nach neuem Stoff, den wir uns wöchentlich in verbalen Attacken injizieren. Das gemeinsame Ziel: Die Produktion einer massentauglichen Droge mit bewusstseinserweiternder Wirkung, kurz: uniVista.
12.40h, die Redaktionssitzung verzögert sich, als wäre es ein Ritual. Es kommt halt immer jemand zu spät, was die Kasse freut, die schon bald mit einem Euro für die Warterei belohnt wird. Dass wir überhaupt soweit gekommen sind, als wir Anfang des Jahres die Idee einer Unizeitung aus der Schublade geholt haben, bietet wiederum genug Anlass zur eigenen Freude. Und was zusammen kommt, wenn vier weibliche Wesen auf vier männliche treffen und sich neben Diplomern die gleiche Anzahl an Bachelor-Studis die Köpfe zermatert, könnt ihr auf den nächsten Seiten bestaunen.
12.55h: Die Sitzung kann beginnen. Was gibt’s Neues in Vechta, im Landkreis, in der Welt? Wer hat was gemacht?
Viele Fragen kommen auf den Tisch, und ich bin froh, dass ich die Verspätung noch eben nutzen konnte, um den Artikel für die Titelseite – welch Ehre! und wohl doch nicht ganz selbstlos – fertig zu stellen, mit dem Auftrag, uns vorzustellen. Noch eben schnell vorgetragen, höre ich sogleich die kritischen Stimmen der Redaktion. Am Ende sollte doch noch so etwas kommen wie: Auch ihr seid Ausgabe für Ausgabe aufgefordert, uniVista mitzugestalten, sei es in den wechselnden Ausschreibungen, in eurer Kritik, Anregung, einer freien Mitarbeit oder gar in wöchentlicher Redaktionsarbeit. Unsere Erreichbarkeit kennt dabei keine Grenzen: In der digitalen Wirklichkeit findet ihr uns ebenso wieder (univista.de und StudiVZ) wie im weniger virtuellen AstA-Büro, mindestens einmal in der Woche. Zwischen den Vorlesungen ne Idee? Kein Problem, auch vor B1 sind wir mit einem Postfach vertreten.
Freitag, 13.45h, Redaktionssitzungsende. Hunger? Ja. Mensa? Leider geschlossen. Also wieder an die Arbeit. Zum Glück ist man Infojunkie und vergisst das flaue Gefühl im Magen…
von René Kohn

Dafür oder dagegen – eine 500€ teure Nullrechnung?

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studiengebuehren01
500€ zusätzlich zu den Studienbeiträgen und den Lebenshaltungskosten aufzubringen ist kein Pappenstiel und, da brauchen wir uns nichts vormachen, nicht von jedem zu leisten. Gerade Abiturienten aus einkommensschwachen Familien sind nicht in der Lage, ohne finanzielle Unterstützung (Bildungskredit, BAföG) zu studieren. Für diese wird sich die Situation in Zukunft verschärfen und ein Studium mit Risiken verbunden sein. Sie müssen den Mut haben, sich schon in jungen Jahren hohen finanziellen Verantwortungen zu stellen. Das kann von Vorteil sein, erscheint aber zunächst einmal als Nachteil und könnte von einem Studium eher abschrecken.
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass ein Blick ins Ausland genügt, um festzustellen, dass Studiengebühren erstens keine Seltenheit mehr sind und zweitens in der Höhe von 500€ pro Semester als durchaus moderat bezeichnet werden können. Die Frage ist also diese: Können wir es uns leisten, keine Studiengebühren zu erheben, während andere dieses Instrument benutzen und damit in Bildung investieren? Wer Bildung als wichtige Ressource begreift, von der der (Bildungs-) Standort Deutschland als Exportweltmeister maßgeblich abhing und auch in Zukunft abhängig sein wird, kann nicht den Kopf schütteln, wenn Versuche unternommen werden, das Bildungssystem grundlegend zu reformieren. Die durchaus wirtschaftliche Vokabel heißt in diesem Sinne natürlich Wettbewerb. Und den werden wir haben, wenn Studenten erst einmal entscheiden, an welcher Uni sie ihr Geld lassen wollen, um eine angemessene Ausbildung in Angriff nehmen zu können. Wer wird es sich beispielsweise noch gefallen lassen, dass Hörsäle überfüllt sind und auf Treppenstufen gesessen werden muss? Oder gar: Dass sich neuhochschulsprachlich (Teil-) Module überschneiden. Das Bachelor-/Mastersystem sieht eine stringentes Studium vor, die Studiengebühren ebnen dafür den Weg. Die viel zitierte Meinung, Studiengebühren seien höchst unsozial – hier müssen dann mal wieder die sozial schwächeren Familien herhalten oder die bildungsfernen Schichten -, übersieht zwei Dinge: Zum einen ist hier auf den Bildungskredit zu verweisen, der elternunabhängig und den Bedürfnissen entsprechend in Anspruch genommen werden kann. Zum anderen möchte ich darauf hinweisen, dass ein universitärer Abschluss nach wie vor angesehen ist und entsprechend entlohnt wird. Wer sich also entscheidet, ein Studium auf-zunehmen und sich dieses nur mittels eines Bildungskredites leisten kann, der wird sich diesen Schritt sehr wahrscheinlich gut überlegt haben, entsprechend zielstrebig voranschreiten, das stringente Studium erfolgreich abschließen anstatt in Nebenjobs abzutauchen und als Akademiker gutes Geld verdienen. Und schließlich: Was ist daran sozial ungerecht, wenn künftige breite Schultern schon am Anfang etwas in deren Wachstum investieren? So gesehen sprechen wir bei Studiengebühren klar von einem Prinzip der Solidarität.
Selbst wenn Studenten ihr Studium als eine Investition in die Zukunft ansehen und bereit sind, die notwendigen Mittel dafür aufzubringen, ändert das noch nichts an den maroden Hochschulen und dem zurückgebliebenen Bildungssystem in Deutschland. Erst die Zukunft wird zeigen, ob die Gelder der Studierenden wirklich zusätzliche Mittel für die Hochschulen darstellen. Wahrscheinlicher ist, dass die Länder ihre Finanzierung, im selben Umfang wie die Studiengebühren fließen, zurückfahren und die Universitäten letztendlich eher mit weniger Mitteln ausgestattet werden um sich dem Wettbewerb zu stellen. So gesehen würde es sich bei den Studienbeiträgen nur um eine Umfinanzierung handeln und nicht um eine Verbesserung. Indiz hierfür ist auch die beschlossene Föderalismusreform, welche vorsieht, dass Bildung nun vollkommen zur Ländersache wird und damit auch die Finanzierung von Schulen und Hochschulen. Bei dem viel beschworenem Wettbewerb, welcher durch die Studiengebühren angeregt werden soll, handelt es sich um genau so ein Luftschloss. Denn nach welchen Kriterien wird ein Abiturient wählen, wenn es Länder ohne Studiengebühren gibt? Die finanzielle Belastung wird sicher ein ausschlaggebender Punkt sein, wichtiger als Ruf und Reputation. Somit stellen die Studiengebühren also einen Wettbewerbsnachteil dar, so lange es Bundesländer gibt, welche sie nicht erheben.
Bleiben wir zunächst in Niedersachsen und glaubt man hierzulande den Worten des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann, dann sollen die Studiengebühren klar zur Verbesserung der Lehre an den Hochschulen eingesetzt werden. (Stratmann-Brief aus dem Jahre 2005) Natürlich kann es nicht sein, dass Studenten die Schwarzen Löcher einer wie auch immer missratenen Finanzpolitik stopfen. Hier ist Transparenz angesagt und einzufordern. Und wie viel mehr ist es das Recht einer mittlerweile zahlenden Klientel, eine gute Ausbildung zu erfahren?
Sind wir doch gespannt, was sich die – und nun bundesweiten und gebührenpflichtigen – Universitäten einfallen lassen, um neue Akademiker ausbilden zu können und somit unter anderem an potenzielles Nachwuchspersonal zu kommen. Eröffnen wir den Ideenwettbewerb und schauen wir, wer mithalten kann. Neuzeitliche mitteleuropäische Völkerwanderungen, Studentenscharen, welche die gebührenfreien Unis überlaufen werden, kann ich mir nur schwer vorstellen. (Und die Flucht ins Ausland brächte ohnehin nicht viel.) Schließlich werden auch die noch studiengebührfreien Bundesländer bzw. vielmehr die dort vorhandenen Universitäten einsehen und schließlich ihr gutes Recht einfordern, dass die Einführung von Studiengebühren eine Chance für die Bildung sein kann. Dass StudentInnen Semester für Semester 500 € dafür ausgeben, um in einem maroden Bildungssystem” studieren zu können, bezweifle ich dabei doch stark. Studiengebühren bedeuten mit Sicherheit ein Umdenken in unserer Gesellschaft – sie bedeuten aber vor allem, dass nicht nur gedacht wird und Zustandsbeschreibungen, etwa die eines heruntergekommenen Bildungssystems gemacht werden, sondern sie bieten einen möglichen Reformansatz für mehr Wettbewerb und Unabhängigkeit in der Hochschulpolitik an. Die halbjährliche Zahlung der Gebühren ist dabei nicht nur ideen-, sondern darüber hinaus handlungsorientiert und das gleich im Doppelpack: Zum einen mag die Gebühr den einen oder anderen Studenten dazu anregen, über seine gewählte Universität nachzusinnen. Zum anderen: kann je nach Beurteilung eine aktive Teilnahme und entsprechende Unterstützung der Uni ebenso möglich sein wie das Zücken einer gelben oder roten Karte.
Die Entwicklung eines solchen Wettbewerbs ist höchst zweifelhaft. So bezahlen die Studenten auch das Studentenwerk und doch wissen nur wenige, was für Leistungen ihnen für diesen Beitrag zustehen und fordern diese auch nicht ein. Ebenso steigt der Identifikationsgrad nicht an und das, obwohl es Möglichkeiten gibt, im Studentenwerk mitzuwirken und die studentische Meinung gegenüber der Leitung des Studentenwerks geltend zu machen. Doch für diese ehrenamtlichen Ämter finden sich kaum Interessenten. Aus diesem Grunde halte ich es auch für fraglich, ob Studiengebühren tatsächlich motivierend wirken und sich die Studenten plötzlich mehr mit ihrer Hochschule auseinandersetzen und sich engagieren, um bei der Verteilung der Studiengebühren mitzuwirken und somit die Hochschule zu unterstützen. Gleichsam erscheint mir diese von den Befürwortern der Studiengebühren angepriesene Dienstleistungsmentalität an einer Hochschule für unangemessen. Es geht ja nicht darum, dass Studenten und Hochschule gegeneinander arbeiten. Vielmehr ist es in der Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler und Akademiker wichtig, in Zusammenarbeit mit den Lehrenden zu lernen und sich zu bilden. Doch für diese Zielsetzung ist die Druckausübung ä la „ich hab dafür bezahlt” unproduktiv.
Außerdem ist ein Studium ja nicht nur die Anhäufung von Fachwissen. Dieses gehört als Basis sicher unbestritten dazu. Doch es sollte auch darum gehen, den Menschen zu bilden und Aktivitäten über das Studium hinaus, beispielsweise in der Studentenvertretung, Chor, Theater etc. zu fördern anstatt das ohnehin schon enge Korsett der neuen Bachelorstudiengänge durch enorme Finanzen noch enger zu binden. Denn hohe Kosten verursachen auch einen hohen Leistungsdruck. Zwar wird unentwegt darauf hingewiesen, dass die Kredite zur Finanzierung der Studiengebühren von den Eltern unabhängig vergeben werden, aber welcher Student ist denn tatsächlich von Anfang an finanziell unabhängig und bei wie vielen Studenten zahlen nicht doch Mama und Papa die Miete und letztlich auch die Gebühren? Um sich in so jungen Jahren so hoch zu verschulden, braucht es Mut und Vertrauen in die Zukunft. Das deutsche Volk hat sich diesbezüglich jedoch noch nie besonders risikofreudig gezeigt. Das wird deutlich an der geringen Geburtenrate und an der in den letzten Jahren sehr hohen Sparquote. Die Menschen haben in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und Terrorismus eher Angst vor der Zukunft, als dass sie in sie investieren und ein Mentalitätswandel ist nicht in Sicht.
Im Zeichen der Globalisierung den Kopf in den Sand zu stecken oder einen Sonderweg ohne Studiengebühren zu gehen – beide Handlungen scheinen wenig konstruktiv zu sein, um der zunehmenden kulturellen, gesellschaftlichen und vor allem der wirtschaftlichen Verflechtung im Weltgeschehen als einer der Protagonisten weiterhin beiwohnen zu können. Bildung schafft Perspektiven, kann Auswege aus Sackgassen bieten. Und den Karren an die Wand fahren, das würden wir geradewegs tun, wenn wir die nun viel zitierte Chance in den Studiengebühren versäumten. Dass Hochschulbildung nun neben Fleiß auch mehr Geld kosten soll, beteiligt die StudentenInnen an einer Entwicklung, die seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten zu erkennen ist: Um den Sozialstaat zu erhalten, muss jeder bereit sein, etwas dafür zu tun. Dass zukünftig Besserverdienende quasi einen Vorschuss hierfür bezahlen, kann darüber hinaus als ein Zeichen gesehen werden, wieder mehr Mut und Vertrauen in die Zukunft zu haben Warum sollen nun gerade hierfür die StudentInnen herhalten? Vielleicht mag der Vergleich mit den 68ern hinken, von denen sich unsere Generation sowieso eklatant unterscheiden soll und mit Sicherheit auch wirklich unterscheidet, aber eines muss in der nach wie vor verändernden Kraft des Hochschulbetriebes gesehen werden: Gut aufgelegte Universitäten ebnen nicht nur den Weg für Tausende von gut ausgebildeten Arbeitskräften, sie machen darüber hinaus den Weg frei für Gedanken, überhaupt für das Nachdenken über uns und können die Zukunft unseres Landes auf allen Ebenen klar mitgestalten. Hierfür zu bezahlen, warum nicht?
von René Kohn und Stefanie Bruns

Nicht lang schnacken…

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4725pic
von René Kohn, Sebastian Dargel, Julia Stock, Björn Franke und Britta Simon

Bilderalbum
uniVista No. 01: Kneipenansichten Vechta

Oldenburg

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Gibt es im Leben eines Studenten eigentlich etwas Wichtigeres als die Freizeitgestaltung? Also, eigentlich ja, aber uneigentlich…nein! Genau deswegen haben wir, die Redakteure der uniVista, das Studententicket dazu genutzt, um zu schauen, wohin es uns trägt und was man dort erleben kann.
Die erste Station unserer knallharten Recherche war die wunderschöne Stadt Oldenburg, ein Kleinod im deutschen Nordwesten, berühmt für Dieter Bohlen, Wigald Boning, Kramermarkt und Grünkohl Da wir aber weder den einen noch den anderen ausfindig machen konnten und es nicht wirklich die Zeit für Grünkohl oder Kramermarkt war, haben wir uns doch dazu entschlossen, für euch die kulturellen Highlights auszuloten und sie hier zu präsentieren, auf dass ihr euch an einem langweiligen Wochenende am inoffiziellen Hintern der Erde aufrappeln könnt und den Entdeckergeist spielen lasst.
Am Anfang gibt es natürlich die obligatorischen harten Fakten mitten auf den Tisch, damit ihr auch wisst, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr Oldenburg besucht: Oldenburg liegt etwa 40 km westlich von Bremen und 30 km entfernt von der Nordseeküste. Erreichen kann man Oldenburg per Autobahn A28 und A29, aber da das Studententicket nicht für die Autobahn gilt, muss wohl oder übel die Nordwestbahn herhalten. Mit Zwischenstopp wahlweise in Bramsche oder Delmenhorst, erreicht man Oldenburg von Vechta aus in etwa 90 Minuten. Die Stadt hat 160000 Einwohner, Tendenz steigend und wird deshalb im nächsten Jahr Osnabrück als drittgrößte Stadt Niedersachsens ablösen. Das ist dochmal was. Besonders stolz ist Oldenburg auf die Mischung aus vielen Grünflachen und historischen Bauten. Wesentlich wichtiger für Studenten wird aber wohl sein, dass es in Oldenburg eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands gibt, die natürlich zum ausgiebigen Shoppen einlädt. Aber nicht nur das große Angebot an feinen Einkaufsmöglichkeiten, sondern der Fakt, das Oldenburg viele Sehenswürdigkeiten, Museen und vor allem ein exzellentes Nachtleben besitzt, haben uns dazu angetrieben, dieses schöne Fleckchen Erde zu besuchen. Aber lest doch selbst, was wir für euch herausgefunden haben.
Das Horst-Janssen Museum
Schwere Kunst erwartet den, der diese Räumlichkeiten betritt. In einem architektonisch sehr interessanten Bau nahe des Pferdemarktes gelegen, befindet sich das Horst Janssen Museum, in dem, unglaublicher Weise, Stücke des Grafikers Horst Janssen ausgestellt sind.
Jeder, der dieses Museum betritt, sollte sich allerdings vorher im Klaren sein, was ihn erwartet, denn nicht jeder wird hier etwas nach seinem Geschmack finden. Janssen war berühmt für seine satirische Bildsprache, was man den hier ausgestellten bizarren Zeichnungen durchaus ansehen kann; Liebhaber von großen Ölgemälden sind hier also an der falschen Adresse. Wer hingegen meint: „Der hat mich schon immer interessiert”, der findet hier so ziemlich jeden Lebensabschnitt dokumentiert, inklusive das nachempfundene Atelier Janssens, das, leider nicht begehbar, immer noch ein Highlight darstellt. Und sonst? Nehmt euch doch einfach das Zitat von Horst Janssen selbst als Beispiel für sein Museum: „Was sie nur heutzutage alle mit der Kunst haben.” Genau, klare Aussage Meister.
Aktuelle Ausstellung: Henri de Toulouse-Lautrec
Das Schloss
Nachdem wir uns einigermaßen gesammelt hatten, ging es zu DEM Anziehungspunkt für Touristen in Oldenburg schlechthin, dem Schloss. Der wunderschöne, alte Bau im klassizistischen Stil ist aber nicht nur ein Muss für Touristen, überraschenderweise wurden wir die offiziellen Hochzeitscrasher des Tages, da am 9.9. immerhin ca. 10 Paare sich das Jawort im Schloss geben wollten.
Für 1,50 Euro als Student (also Eintritt, nicht Hochzeit!) ist das Schloss sein Geld wirklich absolut wert. Herrlich restauriert, gibt es hier viel zu entdecken: Unzählige Ausstellungsstücke aus der Jahrhunderte langen Geschichte der Stadt und seiner Regenten, des Umlandes und der Bewohner.
Die prachtvollen Räume mit edlen Verzierungen und den riesigen Ölgemälden lassen einen ab und an das Atmen etwas vernachlässigen.
Insgesamt war das Schloss ein absolut lohnenswertes Erlebnis, wir haben es erst nach 90 Minuten und nur unter eigenem Zwang nach draußen geschafft, da es hier wirklich viel zu entdecken gibt. Absolut weiter zu empfehlen.
Der Schossgarten
Wieder an der frischen Luft, entschieden wir uns auch gleich dazu, dort erst einmal zu bleiben. Unser Weg führte uns in den Schlossgarten. Im englischen Stil angelegt, lädt er vor allem zum Verweilen ein. Oldenburg ist zwar nicht die größte Stadt der Welt, aber wenn man zu lange in Vechta war, bemerkt man doch, dass der Puls einer richtigen Stadt lauter und schneller schlägt und genau in diesem Moment sollte man diese grüne Oase aufsuchen. Wer gerne spazieren geht, ist hier genau richtig, wer das nicht gerne tut, sollte sich nicht zu weit in den Garten wagen, denn die Wege können verdammt lang sein. Sehenswert ist auf jedenfall der Rosengarten, der wirklich gut gepflegt ist. Sogar die wenigen Männer, die es in Vechta gibt, werden zumindest etwas Gefallen hier dran finden, mit der richtigen Begleitung an der Seite auch etwas mehr.
Ganz Verwegene können zur richtigen Jahreszeit ein Tretboot chartern und den Garten umrunden. (Die Tretboote wollen übrigens beim Verleiher wieder abgegeben und nicht irgendwo stehen gelassen werden!)
Das Theater und das PFL
Im Stechschritt gingen wir an diesen beiden wunderschönen Bauten i vorbei, die absolute Sehenswürdigkeiten sind und viel Geschichte mit sich bringen. Das Staatstheater, eines der wenigen Sechsspartentheater Deutschlands, bietet einen bunten Mix an Stücken in faszinierender Atmosphäre (Großes Haus) und darüber hinaus Führungen durchs Haus an. Wenigstens die “Lange Theaternacht für Studierende” berücksichtigt unsere Klientel bereits im Titel einer wirklich lohnenswerten Aktion: Hier bezahlt man einmaligen Eintritt, für Studis natürlich wie immer ermäßigt, und kann den ganzen Abend bis in die Nacht hinein die verschiedensten Angebote bestaunen (traditionelle Aufführungen im Großen wie im Kleinen Haus, unklassisches Playback-Theater, Szenen auf Toilette, Klavierspiel an der Garderobe etc…)
Das PFL (steht für Peter Friedrich Ludwig) war früher ein Hospital (in Oldenburg auch bekannt als das „Todeskrankenhaus” wegen der beängstigend hohen Sterberate) und ist heute eine Mischung aus Tagungsstätte, Begegnungs- und Jugendzentrum. Wenn ihr den Drang verspüren solltet, ein Buch auszuleihen, könnt ihr dem in der hier zu findenden Stadtbibliothek nachgehen. Das PFL zählt zwar nicht zu den Hauptattraktionen Oldenburgs, aber ein kurzer Besuch des architektonisch sehenswerten Gebäudes lohnt sich durchaus.
Die Wallstraße und der Lappan
Die Wallstraße diktiert quasi den Herzschlag der Stadt. Je nachdem, wie viel hier los ist, ist auch im Rest der Stadt los. Die Kneipen und Bardichte ist nirgendwo in Oldenburg so hoch, für jeden Geschmack ist hier etwas zu finden. Cocktails trinken, ein bisschen Headbangen im Heavy Metal-Lokal des Vertrauens oder gemütlicher Loungemusik lauschen, hier liegt alles nur Sm auseinander. Mindestens zweimal im Jahr ist hier kaum ein Durchkommen: Die frühjährliche Wallringsause und das spätsommerliche Stadtfest zeigen die Innenstadt im feierlichen Ausnahmezustand.
Vom Waffenplatz über die Wallstraße fahrt der Weg direkt zu Oldenburgs Wahrzeichen, dem Lappan. Heute eher der Begriff für eine dicht befahrene Bushaltestelle, ist dieser uralte kleine Turm ein Zeichen für die Beständigkeit der Stadt, überlebte dieser doch einen Großbrand im 16. Jahrhundert, der alle anderen Gebäude dem Erdboden gleich machte. Damals noch als Turm eines Hospitals genutzt, ist der Lappan heute die große Uhr der Innenstadt.
Loft
Unsere erste Station im Oldenburger Nachtleben war das Loft, eine Mischung aus Bar, Lounge und Club. Das Loft ist eine oldenburgtypische Disco, denn dadurch, dass die Häuser in der Innenstadt sehr alt sind, kommt es einfach häufig vor, dass Diskotheken in den Keller verlegt werden. Der Club ist recht klein, weswegen das Ambiente zwar nicht spektakulär ausgefallen ist, aber sehr gemütlich und trotzdem modern. Die Musik kann man durchaus als sehr gut bezeichnen, wenn man die Bandbreite von Charts bis Gassenhauern aus den 80ern mag. Das Publikum ist gemischt und gemischt bedeutet, das von Studenten bis Mitdreißiger (manchmal kann das auch ein und dieselbe Person sein) alles vertreten ist. Die Preise sind absolut human und studententauglich, weswegen das Loft ein besonders guter Start ist, um des kulturelle Nachtleben beginnen zu lassen.
Das Amadeus
Das Ama ist in Oldenburg eine absolute Institution, sein Ruf eilt ihm stets voraus. Früher eher als Laden für düstere Typen mit langen Ledermänteln verschrien, ist es heute eine Disco für jeden. Die Musik variiert von HipHop bis Punk und wieder zurück mit Zwischenhalt bei Robbie Wilhams, ist vor allem aber rocklastig. In die Deko wurde nicht viel Geld gesteckt, im Ama machen Publikum und Musik die Atmosphäre, dafür sind die Preise freundlich. Für Leute mit voyeuristischer Ader ist der Laden ganz besonders zu empfehlen, denn es gibt einen zweiten Stock, von dem aus man sehr schön die komplette Tanzfläche im Blick hat, was gerade zu später Stunde ein großer Spaß ist.
Civa
Das Civa ist gerade bei den Jugendlichen der absolute In-Laden und zu fortgeschrittener Stunde immer stark gefüllt. Kleiner Tipp: Am Anfang des Abends schon mal hingehen und einen Stempel holen, das erleichtert den Wiedereintritt wenn die Party richtig losgeht. Das Civa ist auf Südsee getrimmt, viel Bambus, Grün und Gelb, wobei das Thema zwar erkennbar ist, aber trotzdem nebensächlich wirkt. Gespielt wird vor allem House und Blackmusic, aber auch Kurt Cobain Fans haben manchmal Glück und können ihre Matte schwingen. Die Preise sind gesalzen, entschädigt wird man aber mit einer der wenigen Abgeh-Locations in Oldenburg, denn das Civa ist vor allem Disco, nicht Bar oder Lounge. Das Publikum könnte man von 15 – 25 einordnen, die Jugend übernimmt aber gerade in den Anfangsstunden des Abends das Kommando, weswegen man ungefähr den Weg gehen sollte, den wir gegangen sind.
Metro
Als letzte Station steht für uns das Metro auf dem Programm, wieder einmal eine Kellerdiscothek. Wer sich traut, die Treppe hinunter zu gehen und die schwere Stahltür zu öffnen, den erwartet die kleinste der vorgestellten Discotheken. Auf ihren drei Ebenen kann man tanzen, sich entspannt unterhalten und kickern. Die Musik ist vielseitig und individuell, neben Rocknummern und Elektrosounds ist hier auch Experimentelles zu hören, lasst euch überraschen. Wer öfter ins Metro geht, wird darüber hinaus feststellen, dass es nur zwei Zustände gibt, jeweils im Extremen:
Entweder das Metro ist extrem leer oder es ist extrem voll. Aber welche Disco kann von sich behaupten, dass man sowohl entspannen als auch abfeiern kann?
Neben diesen schönen Lokalitäten gibt es in Oldenburg einige Feste die man sich im Jahr nicht entgehen lassen sollte. Dazu gehören das Stadtfest, die Wallringsause und der berühmte Kramermarkt, das Volksfest, dass jährlich knapp 1,2 Millionen Gäste anzieht.
Ihr seht also, Oldenburg ist eine Stadt, die nicht nur einen Besuch wert ist und wir hoffen, dass unser Guide euch dazu veranlasst, diese schöne Stadt mit eurer Anwesenheit zu beehren.
von Sebastian Dargel, Melanie Ehlert, Stefan Hirsch und René Kohn

Bilderalbum
uniVista No. 01: Oldenburg

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