Stefan Hirsch

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PDF-Version der 20. Ausgabe

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Hat Eure Liebe eine zweite Chance verdient?
Das uniVista-Liebesbarometer III

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Singles have more fun, sind frei, unabhängig, können sich selbst verwirklichen und besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Trotzdem, wenn Du über Deinen/Deine Ex redest, klingst Du wie Tante Mandy aus Magdeburg, die von ihrer längst vergangenen Jugend erzählt: War schon nicht alles schlecht damals. Doch reicht das für eine Fortsetzung? Das uniVista-Liebesbarometer verrät Dir, ob Deine Liebe eine zweite Chance verdient hat.
von Stefan Hirsch
Wir waren ein Paar wie ...
A ... Ernie und Bert aus der Sesamstraße
B ... Jack und Ennis aus Brokeback Mountain
C ... Satan und Saddam Hussein aus South Park
Als es hieß "Lass uns gute Freunde bleiben", habe ich ...
A Also die Sache mit dem missglückten Suizidversuch ist mir mittlerweile echt peinlich. Eigentlich wollte ich dadurch auch bloß meine Verletztheit zum Ausdruck bringen.
B ... mich von meinen Freunden trösten lassen.
C ... mir ein Glas Jack eingegossen und meinen Facebook-Beziehungsstatus von "it's complicated" auf "Single" geupdated.
Wie seid ihr zusammen gekommen?
A Ich kenne ihn/sie bereits, seitdem ich denken kann und mir war schon immer klar, dass wir eines Tages ein Paar werden würden. Passiert ist es dann mit 16 beim Zelten.
B Wir haben uns durch Zufall kennen gelernt, das ist eine lange Geschichte. Ja, ich gebs zu: Ich bin durch die StudiVZ-Gruppe Sexy Singles auf ihn/sie aufmerksam geworden.
C Eigentlich wollte ich bloß einen One-Night-Stand, aber er/sie war hinterher der Meinung, dass wir jetzt ein Paar sind. Ich habe es nicht geschafft, ihn/sie vom Gegenteil zu überzeugen.
Liebe ist ...
A ... Alles.
B ... wünschenswert, ebenso wie Gesundheit, beruflicher Erfolg, materieller Wohlstand, gut gekühltes Bier und ein abwechslungsreiches Fernsehprogramm.
C ... was für bekiffte Hippies.
Angenommen, ihr beide wärt auf einer einsamen Insel gestrandet, welche drei Dinge hättest Du gerne dabei?
A Kerzen, den Titanic Soundtrack und Lou Pagets Ratgeber "Die perfekte Liebhaberin".
B Einen Kompass, ein Messer und ein Feuerzeug.
C Mir würden zwei reichen: ein Föhn und eine Badewanne
Unser gemeinsames Lied war ...
A Can't Help Falling in Love von Elvis
B Don't Cry von Guns N' Roses
C I Hope You Die von Bloodhoundgang
Warum habt Ihr Euch getrennt?
A Wenn ich das nur wüsste!
B Irgendwie hat's nicht mehr so richtig gepasst.
C I Die Frage ist eher: Warum habe ich etwas mit ihm/ihr angefangen? Ich glaube, aus Selbsthass.
Wie sieht er/sie aus?
A So ähnlich wie Brad Pitt/Charlize Theron. Naja, zumindest in meinen Augen.
B Mittelgroß, mittelschlank, braune Haare, ganz nett eigentlich.
C I Er/Sie ähnelt dem Mann/der Frau aus dem Werbeclip von Abenteuer18.de.
Wie hattet Ihr Euch Eure Zukunft vorgestellt?
A Heiraten, Kinder kriegen und sehr sehr glücklich zusammen alt werden.
B Irgendwie reichten unsere Planungen immer nur bis übernächste Woche.
C Ich wollte eine Offiziersausbildung bei der Bundeswehr machen, er/sie wollte ein Semester in Neuseeland verbringen.
Welchen der folgenden Sätze findest Du zutreffend?
A Ohne Dich ist alles doof.
B Listen to your heart before you tell him goodbye.
C I Beziehungen ändern sich im Laufe der Zeit und sexuelle Bedürfnisse werden dabei oft vernachlässigt.


PDF-Version der 19. Ausgabe

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PDF-Version der 18. Ausgabe

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Ausgegeben
Was macht die Uni mit den Studiengebühren?

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“Dagegen” ist beinahe jeder, der studiert, Du höchstwahrscheinlich auch: Bei einer Umfrage unter vechtaer Studenten gaben gerade mal drei Prozent an, Studiengebühren ohne Wenn und Aber zu befürworten. Doch welchen Mehrwert bringen die umstrittenen Beiträge eigentlich? Was hat sich durch sie zum Positiven entwickelt? uniVista hat nachgefragt und weiß jetzt, wofür die Gelder verwendet werden.
Damals, als Studierende noch “StudentInnen” waren und lange Haare auf dem Kopf und unter den Armen hatten, reichten bereits um wenige Pfennig erhöhte Mensapreise, um die Massen vom Hörsaal auf die Straßen zu bringen.
Heutige Studentenproteste sind dagegen unambitioniert und zahnlos – sagen die Einen – oder stumpf, und Notwendigkeiten negierend – sagen die Anderen.
Die Wahrheit muss wohl irgendwo dazwischen liegen. Als vor geraumer Zeit die Einführung von Studiengebühren beschlossen wurde, waren die Gegenstimmen laut, die Kontra-Argumente vielschichtig und durchdacht. Gebracht hat es – zumindest in Niedersachsen – trotzdem nichts. Anders als in elf anderen Bundesländern werden Studierende im Nordwesten Deutschlands zur Kasse gebeten.
Dass wir Beiträge entrichten müssen, haben mittlerweile die meisten – mehr oder weniger zähneknirschend – akzeptiert. Doch Wofür zahlen wir eigentlich?
uniVista ist der Frage nachgegangen, und hat sich mit Vizepräsidentin Dr. Marion Rieken und Katharina Genn-Blümlein aus der Pressestelle getroffen, um über die Verwendung von Studiengebühren zu reden.
Studiengebühren und Semesterbeitrag
Derzeit sind pro Semester 634,20 Euro an die Uni zu überweisen. Davon sind 134,20 Euro ein sogenannter Semesterbeitrag, mit dem AStA, Studentenwerk und das Semesterticket für die NordWestBahn bezahlt werden. Dieser Posten ist auch an Unis fällig, an denen keine Studiengebühren erhoben werden, er wird von den meisten als angemessen empfunden, Proteste richten sich nahezu ausschließlich gegen die restlichen 500 Euro.
Nicht jeder muss zahlen
Momentan studieren ungefähr 3300 Leute an der Uni Vechta. Die Zahl der Gebührenzahler ist etwas geringer, im letzten Wintersemester überwiesen 2754 Studis an das Immatrikulationsamt. Es gibt einige Ausnahmefälle: Wer ein Kind hat oder Angehörige pflegen muss, ist von der Gebührenpflicht befreit. Für Studierende, die als Opfer einer Straftat schwer verletzt wurden, oder unter chronischen Krankheiten leiden, gelten Härtefallregelungen.
Ein Sonderfall sind auch die Langzeitstudiengebühren-Zahler. Bei ihnen sind je nach Semesterzahl sogar bis zu 934,20 Euro pro Halbjahr fällig. Die Uni sieht davon jedoch nur einen Bruchteil, das meiste muss sie an das Land Niedersachsen abführen.
Im Sommer sind deutlich weniger Leute eingeschrieben. Klar, manch einer ist nach dem Wintersemester mit seinem Studium fertig, Erstis hingegen können nur im Oktober anfangen. 2009 hat die Uni insgesamt 2,68 Mio. Euro eingenommen.
Verwendung vor allem für zusätzliches Personal
Der größte Teil der Einnahmen geht für Personalkosten drauf. Vor allem Dozenten mit dem Titel “Lehrkraft für besondere Aufgaben” werden sowohl komplett als auch teilweise von Studiengebühren bezahlt. Sie werden zusätzlich zu den anderen Lehrenden eingestellt, so dass mehr und kleinere Seminare angeboten werden können. 2009 wurden insgesamt 12,61 Dozentenstellen auf diese Weise geschaffen, die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 708.000 Euro.
Darüber hinaus wird auch nebenberufliches Personal, d. h. Lehrbeauftragte und Tutoren mit den Mitteln der Studenten finanziert, dies ließ sich die Uni vorletztes Jahr ca. 999.000 Euro kosten. Auch hiermit wird dem Wunsch nach weniger überfüllten Seminaren und besserer Betreuung Rechnung getragen.
Weitere 391.000 Euro wandte die Uni für Personal im Verwaltungsdienst auf. Hierzu zählen Mitarbeiter in Studienzentrum, Service-Einrichtungen und Qualitätsmanagement. Insgesamt wurden 2009 78,2% der Studiengebühren ausgegeben, um mehr Angestellte zu beschäftigen.
Ein anderer großer Posten sind die Ausgaben, die für bauliche Maßnahmen anfielen. Über 554.000 Euro investierte die Uni 2009 unter anderem in den Umbau der Bibliothek, die Modernisierung von Laboren und die Schaffung von Arbeitsflächen. Von den Studiengebühren werden nur Baumaßnahmen bezahlt, die den Studierenden unmittelbar zugute kommen. Rechnungen für die Erneuerung der Fassade oder den Umbau des R-Gebäudes werden aus anderen Töpfen beglichen.
Wünsche der Studierenden werden berücksichtigt
Wünsche, Vorschläge und Kritik von Studierenden werden vom Präsidium ernst genommen. Von 2006 bis 2008 gab die Uni insgesamt knapp über 40.000 Euro für Stipendien aus. Dies wurde eingestellt, weil sich in einer Umfrage abzeichnete, dass der Großteil der Befragten dagegen war. Auch mit den verlängerten Bibliotheksöffnungszeiten, die vorletztes Jahr Mehrkosten von fast 75.000 Euro nach sich zogen, reagierte man auf Anregungen der Studenten.
So muss man doch, unabhängig davon, ob man für oder gegen Studiengebühren ist, sie bloß für lästig oder aber für einen Sargnagel des deutschen Bildungssystems hält, eins zugeben: Zumindest hier in Vechta werden sie sinnvoll, durchdacht und vor allem so eingesetzt, dass die Allermeisten davon profitieren. Gerüchte, denen zufolge die Gelder verschwendet würden, oder aber auf dunklen Konten vor sich hin schimmelten, weil die Uni es nicht schaffe, sie auszugeben, sind falsch.
Dass es hingegen immer noch zu Seminarausfällen und überfüllten Veranstaltungen kommt, Bibliotheksbücher vergriffen oder veraltet sind, und Dozenten zu wenig Zeit für ihre Studierenden haben, ist dennoch unvermeidlich. Der Gesamt-Etat der Universität liegt bei ungefähr 18 Mio. Euro. Die Studiengebühren sind zwar eine willkommene Finanzspritze, vervielfacht hat sich das Budget durch sie jedoch nicht.
Und trotzdem, auch wenn die Gelder so verwendet werden, dass sie dem Großteil der Studierenden nützen, ein unguter Nachgeschmack bleibt. Die meisten von uns würden wahrscheinlich gerne auf die zusätzlichen Dozenten, den Bibliotheksumbau und andere Annehmlichkeiten verzichten, wenn dafür auch die 500 Euro Kosten pro Semester wegfielen. Der Schaden hielte sich vermutlich in Grenzen, die besten Universitäten sind nicht automatisch die, an denen Studiengebühren erhoben werden, das verrät beispielsweise die Ranking-Seite des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE).
Doch die Uni ist nicht schuld an den Gebühren, verabschiedet wurden sie vom Niedersächsischen Landtag. Die Hochschulen setzen die Vorschrift lediglich um, über Ja oder Nein entscheiden sie nicht. Ein Regierungswechsel könnte dafür sorgen, dass Niedersachsen das zwölfte Bundesland wird, in dem das Erststudium kostenfrei ist.
von Stefan Hirsch
Verwendung der Studiengebühren 2009
(Prozentuale Verteilung gemessen an Gesamtausgaben, gerundet)
Gesamtausgaben 2009: 3.237.844 Euro; Gesamteinnahmen 2009: 2.681.889 Euro
Diagramm: Alexander Dressler; Quelle: AG Studiengebühren der Universität Vechta

Wirst Du Single bleiben? (Version W)
Das uniVista-Liebesbarometer 2.0 verrät es Dir!

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Du bist Single und das soll sich dieses Jahr ändern? Der Selbst-Check mit dem uniVista-Liebesbarometer 2.0 verrät Dir, wie hoch die Chance ist, dass es klappt. Lies Dir die folgenden Punkte durch und überleg Dir, was auf Dich zutrifft.
von Stefan Hirsch
In meinem Bett liegen Kuscheltiere, an den Wänden hängen Anne-Geddes-Postkarten.

Wenn ich unglücklich bin, schreibe ich in den studiVZ-Buschfunk "Es tut so weh ..."

Ich weiß, wie viel Kalorien und Weight-Watchers-Punkte die gängigsten Lebensmittel haben.

Wenn ich Titanic gucke, muss ich weinen.

"Shoppen" habe ich bei studiVZ als Hobby angegeben.

Mit 25 möchte ich verheiratet sein und zwei Kinder haben. Das erzähle ich jedem, der mich kennen lernt, sofort.

Mein nächster Freund sollte aussehen wie Orlando Bloom, treu, kinderlieb, intelligent und gebildet aber nicht altklug, witzig, aber nicht albern und immer modisch gekleidet sein, mir gerne zuhören, hervorragend kochen können, meinen Musikgeschmack teilen, mich nicht wegen meiner Anne-Geddes-Postkarten auslachen und mich immer wieder mit kleinen Geschenken überraschen.

Ich habe alle vier Teile von Twilight gelesen.

Ein Typ mit dem falschen Sternzeichen könnte niemals mein Freund werden.

Wer mit mir redet, weiß schon nach Kurzem alles über meine Exfreunde, Affären und Typen, die mal was von mir wollten.


Wirst Du Single bleiben? (Version M)
Das uniVista-Liebesbarometer 2.0 verrät es Dir!

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Du bist Single und das soll sich dieses Jahr ändern? Der Selbst-Check mit dem uniVista-Liebesbarometer 2.0 verrät Dir, wie hoch die Chance ist, dass es klappt. Lies Dir die folgenden Punkte durch und überleg Dir, was auf Dich zutrifft.
von Stefan Hirsch
Meine Wohnung sieht aus wie eine Kneipe. Und riecht auch so.

Ich spiele World of Warcraft.

Ich esse gerne Meica Curry King.

Wenn ich Rambo gucke, erzähle ich von meiner Bundeswehrzeit.

"Saufen" habe ich bei studiVZ als Hobby angegeben.

Kleine Kinder bezeichne ich als Teppichratten.

Meine nächste Freundin soll die sexuelle Performance von Gina Wild haben und aussehen wie die Schwester meines besten Kumpels.

Ich hab Sidos Arschficksong auf meinem iPod.

Eine Frau, die auf den falschen Fußballverein steht, könnte niemals meine Freundin werden.

Ich erzähle jedem, dass ich derjenige war, der meine letzte Beziehung beendet hat. Ich wurde nicht abserviert! Echt nicht!


Hämorrhoiden des Hörfunks
Offener Brief an die Radiomoderatoren

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© Daniel Labs / PIXELIO
Liebe Radiomoderatoren,
eine Seefahrt, die ist lustig, eine Bahnfahrt nicht so sehr. Deswegen reise ich am liebsten mit dem Auto. Jaja, die Straßen sind zu voll, die Radarfallen zu zahlreich und außer einem selber nur Psychopathen unterwegs. Aber ich weiß nicht, ich finde das alles nicht so schlimm, und die Psychopathen sitzen ja immerhin in anderen Autos. In der Bahn sind sie hingegen bedeutend näher. Ich erinnere mich da an vor allem an eine Fahrt von Vechta nach Braunschweig: Neben mir saß ein Alkoholiker, der zunächst alle 160 Klingeltöne seines steinalten Nokia-Handys durchprobierte. Dann erklärte er das Rauchverbot für unverbindlich und wollte sich mit dem Schaffner prügeln, der auf Einhaltung der Vorschrift bestand.
Aber genug davon. Ich fahre – wie gesagt – ganz gerne Auto. Es gibt nur etwas, was man nie vergessen darf, wenn man gut gelaunt ankommen will: CDs mitnehmen. Ohne Musik, da fehlt irgendwie was, das fühlt sich seltsam an, das geht nicht.
Und Radio hören? Mal im Ernst: Das macht jede Fahrt zur Folter. Und Schuld daran seid – ja richtig – Ihr!
Das mit der Musik ist eine Sache. Die ist scheiße, aber gefällt immerhin allen, die über die Volkswagen-Werbung lachen und gerne bei Günther Jauch mitraten. Darüber will ich mich jetzt auch gar nicht beklagen, da muss man halt durch, wenn man Radio hört. Sich über Silbermond, Lady Gaga und Herbert Grönemeyer auf FFN & Co. aufzuregen, wäre genau so nutzlos, wie wenn man sich auf der Kirmes an Mickie Krauses Zehn nackten Friseusen störte (Wobei es schon ziemlich, naja, ich sag mal weit fassend ist, von Kulthits und dem Besten von heute zu sprechen und dann irgendwas von Unheilig zu bringen. Ich bin mir bei Songs wie Geboren um zu leben nicht so sicher, ob das jetzt Gummibärchen-Gothic oder ein mit tiefer Stimme gesungener Schlager ist).
Nein, was wirklich nervt, ist alles, was jenseits von Musik typisch Radio ist, z. B. Gewinnspiele. Da fangen ältere Herren an, vor Freude zu quieken wie Ferkel auf der Schlachtbank. Und warum? Weil sie 100 €
abgreifen konnten. Das muss doch nicht sein, und dass das alles nur gestellt ist, ist völlig klar („So, wir rufen dich jetzt nochmal an, und sagen dir, dass du gewonnen hast. Und du freust dich dann. So total irre und voll crazy und so. Klar?“)
Das schlimmste ist aber die Comedy. Benjamin von Stuckrad-Barre bezeichnete Radio-Comedy mal als Hämorrhoiden des Hörfunks. Und auch wenn manch einer die Verfilmung seines Bestsellers Soloalbum als Hämorrhoide der Popliteratur sehen würde, muss man doch sagen: Er hatte recht.
Nehmen wir beispielsweise mal FFNs Telefonstreich Crazyphone. Liebe Moderatoren, macht bitte mal die Augen zu, und denkt ganz fest an das Wort crazy. Was wird als erstes in Euren Köpfen erscheinen? Richtig, ein adipöser Mayonnaise-Junkie, der sein Baseball-Cap mit dem Schirm nach hinten trägt, morgens unter der Dusche den Song aus der Bratmaxe-Werbung pfeift und immer noch nicht ganz verwunden hat, dass die 90er Jahre vorbei sind. Was ich damit sagen will, ist: Was sich selbst als crazy definiert, ist nicht lustig sondern jämmerlich.
Während man dem Crazyphone aber ganz gut aus dem Weg gehen kann, ist das bei dem Kleinen Nils bedeutend schwerer. Diese Telefon-Verarsche für Diddl-Maus-Onanisten breitet sich aus wie ein Krebsgeschwür und hat mittlerweile auf 18 Sendern ihren Platz.
Lustig? Naja, es gibt ja auch Leute die über totgefahrene Katzen lachen. Hätten die Macher von 24 jedenfalls Radio gehört, würde Special Agent Jack Bauer gefangene Terroristen nicht mithilfe von Stromstößen kooperativ machen, sondern sie zusammen mit dem Kleinen Nils und Morgenmän Franky zu einem Frühstück bei Stefanie einladen.
Amnesty International würde das jedoch äußerst bedenklich finden. Deswegen, liebe Radiomoderatoren, eine Bitte: Hört Euch einfach mal selber zu. Und dann denkt bitte gründlich darüber nach, was davon witzig, was noch zumutbar, und was einfach nur scheiße ist.
Liebe Grüße,
Euer Stefan Hirsch

PDF-Version der 17. Ausgabe

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PDF-Versionen dieser Ausgabe:
No. 17 inkl.
Sonderausgabe
No. 17

Bist Du ein Lehrer?
Der uniVista-Psycho-Test weiß die Antwort

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Das Studienende liegt in greifbarer Nähe, und ausgerechnet jetzt hast Du Zweifel, ob Lehrer wirklich das Richtige für Dich ist? Ob Du tatsächlich dafür gemacht worden bist, zu unterrichten? Kein Grund für sorgendurchwachte Nächte. Die uniVista-Berufsberatung verrät es Dir!
von Stefan Hirsch
Der Cornelsen Verlag wirbt mit dem Slogan "Willkommen in der Welt des Lernens". Deine Meinung hierzu:
A Das muss eine herrliche Welt sein. Dort wäre ich Umweltschützer.
B Klingt fasst wie eine Drohung.
C Wenn das meine Firma wäre, würde ich den Spruch in "Skinhead statt langbärtiger Bombenleger" ändern. Dann ginge es allerdings nicht mehr um Schulbücher, sondern um Brazilian Waxing.
Was sagst Du dazu, dass das Burn-Out-Risiko bei Lehrern sehr hoch ist?
A Das sehe ich nicht als Problem, sondern als Herausforderung. Ich habe eine Chance, und werde sie nutzen.
B Ein Punkt, über den man nachdenken sollte ...
C Ey Alter, wenn ich erstmal Lehrer bin, dann haben die Schüler Burn-Out. Aber sowas von!
Hast Du schon mal darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen und in die Karibik auszuwandern?
A Und was soll ich da werden? Surflehrer? Tauchlehrer?
B Manchmal schon, aber tut das nicht jeder.
C Nachgedacht? Also denken ist jetzt nicht so meine Stärke.
Ein Freund von Dir, der seit Kurzem Lehrer ist, feiert eine Party. Natürlich hat er alle seine neuen Kollegen eingeladen. Du kennst dort niemanden und man redet bloß über drei Themen: Schule, Schule und Schule. Was machst Du?
A Ich versuche, mich in die Gespräche einzubringen, und knüpfe schon mal Kontakte für mein nächstes Praktikum.
B Ich murmele irgendwas von "geht's nicht gut" und "muss morgen früh raus" und verschwinde nach kurzer Zeit.
C Ich trinke in drei Zügen eine Flasche Wodka aus, breche ein Tischbein ab, befestige es auf meinem Kopf und behaupte, ich sei das letzte Einhorn.
Was ist Dir bei Deinem Beruf wichtig?
A Das ich unterrichten kann!
B Eine sinnvolle und interessante Tätigkeit, nette Kollegen und ein angemessenes Einkommen.
C Eine leckere Sekretärin, ein fetter Dienstwagen und immer ein paar Gramm Scheuerpulver in Reichweite.
Deine Schulzeit war ...
A ... ein rosa Meer der Harmonie.
B ... durchwachsen von Höhen und Tiefen, aber eigentlich ganz okay.
C ... ein Quell steten Trübsaals.


uniVista im Knast
Wir recherchieren für Euch überall. Auch hinter Eisengittern und baumhohen Mauern.

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Du wärst jetzt lieber auf einer sonnigen Südsee-Insel als im sprühregendurchwirkten Vechta? Ein paar hundert Meter hinter der Uni sitzen ein paar Jungs, denen es da ganz ähnlich geht. Nur sind Strand und Palmen für sie noch schwerer zu erreichen als für Dich.
Wir waren in der Justizvollzugsanstalt Vechta (Hauptanstalt) und haben uns mit Personal und Insassen unterhalten.
Foto: Alexander Dressler
“Die Kamera dürfen sie nicht mitnehmen. Es ist nicht erlaubt, hier Fotos zu machen.” Der Ton ist freundlich, aber mehr als bloß bestimmt. Widerrede zwecklos. Na toll, zehn Minuten ehe ich losfahren wollte, habe ich gemerkt, dass mein Fotoapparat nicht zu finden ist, hab gesucht, geflucht und mir den von meiner Nachbarin geliehen.
Dann halt nicht. Außerdem bleiben Handy und Personalausweis beim Pförtner. Wir gehen über den Hof, zu dem roten Backsteingebäude. Frau Fritsch, die mich bei meinem Besuch begleitet, zieht einen Schlüssel aus der Tasche, 15 cm lang und aus glänzendem Stahl. Er könnte gut eine wichtige Rolle in einem Fantasie- oder Abenteuerfilm spielen.
Das Hauptgebäude ist kreuzförmig. Von einem runden Raum in der Mitte gehen vier Flügel ab. In drei von ihnen sind die Gefangenen untergebracht, in einem befinden sich Büro- und Verwaltungszimmer. Die Böden sind durchbrochen, so dass man alles überblicken kann.
Es ist hell, nicht so finster wie in Prison Break oder Die Verurteilten. Doch dank der massiven Gitter, die die einzelnen Stationen voneinander trennen, entsteht eine eigenartige, beklemmende Atmosphäre.
Die JVA wurde 1904 gebaut, damals hat man Gefängnisse so gestaltet, um mit möglichst wenig Personal alles überblicken zu können. Andere Anstalten aus dieser Zeit – auch in anderen Ländern – sehen ganz ähnlich aus. Diese typische Knast-Optik ist bei Filmemachern beliebt, unter anderem wurden Geisel und Kanak Attack in Vechta gedreht.
Zwei Vollzugsbeamte zeigen mir eine Zelle. “Schreiben sie bloß nicht ‘Schließer’!”, werde ich eindringlichst gebeten. Wer im Vollzugsdienst tätig ist, hasst es, wenn seine Arbeit aufs Betätigen von Schlössern reduziert wird.
Die meisten der in Vechta Inhaftierten sind alleine untergebracht. Schreibtisch, Bett, Fernseher, an den Wänden Poster. Ein bisschen kleiner als ein Zimmer im Studentenwohnheim, ansonsten nicht viel anders. Wenn das Fenster nicht vergittert wäre.
Vergitterte Fenster gibt es auch in Frau Fritschs Büro. Die Sozialpädagogin erzählt über ihren Arbeitsplatz, draußen verbringen Inhaftierte ihre Freistunde. Jeder Gefangene hat das Recht, sich 60 Minuten pro Tag auf dem Hof aufzuhalten.
Sie spielen Basketball, unterhalten sich, sitzen mit freiem Oberkörper in der Sonne. Die Männer sind jung, könnten auch Studenten sein.
Jungtätervollzug
Nach Vechta kommt, wer in Niedersachsen verurteilt wurde und zu alt fürs Jugendgefängnis, aber bei Strafantritt jünger als 25 ist. Das ist in Deutschland einmalig, gilt aber als erfolgreich, in Bayern und Nordrhein-Westfalen wird derzeit erwogen, ähnliche Regelungen einzuführen.
Der Vorteil hierbei ist, dass die Gefangenen mit Gleichaltrigen untergebracht sind und dass besonders auf die Bedürfnisse junger Menschen eingegangen werden kann. Die Inhaftierten haben die Möglichkeit, einen Schulabschluss nachzuholen, können bei ausreichender Haftdauer sogar eine Ausbildung machen.
Allerdings können die Männer nicht heimatnah untergebracht werden, wie dies bei älteren Tätern praktiziert wird. Die JVA Vechta ist das einzige Gefängnis für Jungtäter in Niedersachsen.
Das kann vor allem für die Angehörigen der Häftlinge problematisch sein. Zweimal im Monat darf ein Inhaftierter Besuch empfangen. Stammen die Eingeladenen aus sozial schwachen Milieus, was nicht selten der Fall ist, werden die mitunter weiten Fahrten zur finanziellen Belastung.
347 Männer
Derzeit sitzen 347 Männer ihre Haftstrafen in der Hauptanstalt der JVA ab. Die Taten, die sie begangen haben, reichen von Fahren ohne Fahrerlaubnis, über Körperverletzung und Diebstahl bis hin zu vorsätzlichen Tötungsdelikten. Innerhalb der Anstalt sind sie verschiedenen Abteilungen zugeordnet. Klar, wer hier bloß für eine kurze Ersatzfreiheitsstrafe einfährt, weil er seine Geldbuße nicht bezahlt hat, soll nicht mit Mördern und Vergewaltigern untergebracht werden. In einer sogenannten Schutzgruppe leben Unterdrückungsopfer getrennt von den anderen.
Überhaupt gibt es innerhalb der gut gesicherten Mauern eine starke Differenzierung. Nach Haftantritt wird jeder Gefangene psychologischen Befragungen unterzogen und macht einen Intelligenztest. Danach entscheidet sich, wie es mit ihm weitergeht. Täter mit hohem Aggressionspotential haben die Möglichkeit einer Sozialtherapie, Suchtmittelabhängige können einen Entzug machen.
Außerdem wird bestimmt, welche Jobs für den Inhaftierten in Frage kommen. Von den Insassen der Haftanstalt wird erwartet, dass sie arbeiten. Das ist wichtig, damit sie einen normalen Tagesablauf beibehalten, sich nicht zu sehr von dem Leben “draußen” entfremden. Von dem Verdienst können sie sich kleine Annehmlichkeiten bestellen, so zum Beispiel Schokolade, Tabak oder Obst. Diese Einkäufe werden über Guthabenskonten verrechnet, Bargeld ist im Gefängnis verboten, um Erpressungsfälle oder Probleme wegen Schulden bei Mithäftlingen zu vermeiden. Der größte Teil des Einkommens wird aber erst nach der Entlassung ausgezahlt, um den Start in die Freiheit zu erleichtern.
Die Kosten, die ein Gefangener verursacht, liegen in der JVA übrigens bei ca. 80 Euro pro Tag. Eine Ausgabe, die wohl jeder der 347 Insassen dem Staat gerne ersparen würde.
“Haben sie noch Fragen?”, ermuntert Frau Fritsch mich. Ich schüttele den Kopf. Für heute habe ich genug Antworten erhalten. Es ist ein seltsames Gefühl, in so kurzer Zeit so viele Eindrücke aus dieser absurden, bedrückenden und dennoch irgendwie faszinierenden kleinen Welt zu bekommen.
Ich werde nach draußen begleitet. An einer Wand hängt ein Bild, das ein Gefangener gemalt hat. Es zeigt eine Uhr, die zwischen Gitterstäben zerfließt.
© Peter Reinäcker / PIXELIO
Dennis
Dennis ist 23 Jahre alt. Er hat verschiedene Betrugsdelikte begangen und wurde zu zwei Bewährungsstrafen von acht Monaten und eineinhalb Jahren verurteilt. Die Bewährung der kürzeren Strafe wurde widerrufen, so dass er ins Gefängnis musste. Ob er die eineinhalbjährige Strafe ebenfalls absitzen muss, entscheidet sich in den nächsten Monaten.
Vor seinem Bewährungswiderruf hatte Dennis als Animateur in Griechenland gearbeitet. Er hat eine Freundin und eine eineinhalbjährige Tochter aus einer alten Beziehung.
Schön, dass du dich von uns interviewen lässt.
Ich habe kein Problem damit, über diese Sachen zu reden. Ich bin nicht stolz auf das, was ich getan habe, aber ich will es auch nicht verheimlichen.
Wie kommt es, dass du hier bist?
Ich hatte immer auf eine Karriere als Fußballprofi gehofft. Ich war in der A-Jugend von Werder Bremen, dann habe ich mich dem Sportförderprogramm der Bundeswehr angeschlossen. Dort hatte ich einen schweren Unfall, ich habe mich an der Wirbelsäule verletzt. Zeitweise hieß es, ich könnte nie wieder Sport machen. Danach habe ich mich ziemlich hängen lassen. Ich war in einer Drückerkolonne, später habe ich zusammen mit anderen bei eBay Sachen verkauft, die ich nicht besessen habe.
Wie haben deine Eltern darauf reagiert, dass du ins Gefängnis musstest?
Meine Eltern waren natürlich enttäuscht. Aber sie halten zu mir, besuchen mich regelmäßig. Auch meine Freundin hat sich nicht von mir getrennt, obwohl wir erst seit zehn Monaten zusammen sind. Wir sind seit zehn Monaten ein Paar und seit fünf Monaten bin ich im Gefängnis.
Hat sie von deiner Vergangenheit gewusst?
Ja, ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt.
Wie ist es, im Knast zu sein?
Eigentlich ist das Leben hier nicht so schlimm. Man hat seine Aufgaben, irgendwas ist immer. Nur wenn abends die Zellentüren abgeschlossen werden, das ist übel. Trotzdem, manchmal glaube ich, die draußen haben es noch schwerer.
Was meinst du damit?
Ich denke dabei zum Beispiel an meine Freundin. Sie ist 19 Jahre alt und hat gerade Abi gemacht. Viele von ihren Bekannten können absolut nicht verstehen, warum sie mit mir zusammen geblieben ist. Ihre Geschwister haben ein Problem mit mir, wahrscheinlich, weil sie sich Sorgen um sie machen. Das ist nicht einfach für sie.
Mal was anderes: Konntest du die Fußball-WM mitverfolgen?
Ja, klar. Wir haben Fernsehen auf unseren Zellen. Wir dürfen übrigens auch Spielkonsolen benutzen, aber nur alte Modelle, die nicht internetfähig sind, also Gamecube, Playstation 1 usw. Es ist nur schwer, an Spiele zu kommen. Besucher dürfen uns keine mitbringen und es ist verboten, sich gegenseitig etwas auszuleihen.
Justizvollzugsanstalten in Vechta
   Hauptanstalt (Willohstraße 13)
     Geschlossener Jungtätervollzug
     Sozialtherapie für Jungtäter
     Untersuchungshaft für männliche Jugendliche
   Haus II (Zitadelle 10)
     Offener Jungtätervollzug
     Jugendarrest
   Hauptanstalt (An der Propstei 10)
     Geschlossener Vollzug
     Untersuchungshaft
   Abteilung Falkenrott (Zitadelle 17)
     Mutter-Kind-Haus
     Offener Vollzug
     Freigang
     Sozialtherapeutische Abteilung
Was machst du hier so?
Ich bin Hausarbeiter, das heißt, ich wische und fege, teile Frühstück, Mittag- und Abendessen aus. Außerdem mache ich Sport, spiele Fußball, Badminton und Volleyball. Eine Zeitung haben wir hier auch, den Kaktus, da mache ich ebenfalls mit.
Gibt es so etwas wie eine Knast-Hierachie?
Nein, eigentlich ist es recht ruhig. Klar, man kommt nicht mit jedem zurecht. Aber die meisten sind nicht auf Streit aus. Es sind vor allem die Jüngeren, die Ärger suchen. Die stressen rum, und behaupten, sie wären hier, weil sie jemanden umgebracht hätten. Man kann nicht alles glauben, was einem erzählt wird.
Glaubst du, dass dir die Zeit im Gefängnis auch etwas Positives bringt?
Ich denke, man lernt das Leben draußen, die Freiheit, mehr zu schätzen. Hier ist alles reguliert, selbst wann und wie oft man duschen darf. Alles, was man braucht, muss man beantragen.
Wie geht es bei dir weiter, wenn du draußen bist?
Es ist schwierig, das zu planen. Ich weiß ja nicht, wann ich raus komme. Ich möchte auf jeden Fall mein Abi nachholen, ich habe mich an einer Fernschule angemeldet. Was ich danach mache, weiß ich nicht. Vielleicht werde ich studieren.
Vielen Dank für das Gespräch.
von Stefan Hirsch
Foto: Alexander Dressler

Willkommen in Vechta!
Die nehmen hier fast jeden

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Foto: Alexander Dressler
“Bewerben sie sich in Vechta, die nehmen fast jeden”, sagte der Studienberater mit nachdenklichem Blick auf mein Abiturzeugnis. Klar, Vechta. Nie gehört. Sechs Wochen und unzählige Absagen später sollte sich das ändern.
Kommilitonen, mit denen ich mich in den ersten Wochen unterhielt, ging es ganz ähnlich. “Eigentlich wollte ich ja nach …, aber der N.C.”, hörte man immer wieder. So richtig freiwillig hatte sich kaum jemand fürs norddeutsche Outback entschieden. Schlechte Abiturienten kommen nach Vechta, gute überall hin. Naja.
Und jetzt? Anfangs musste ich mich ziemlich umstellen. Als Mountainbiker vermisste ich die Berge. Und ja, mir fehlte die Innenstadt. Ich komme aus Braunschweig, das ist schon nicht gerade New York. Aber immerhin bekommt man dort nicht nur, was man braucht, man hat sogar Auswahl. Und hier? Die Große Straße, die in jeder größeren Stadt vermutlich Kleine Straße heißen würde mit ihren paar Geschäften links und rechts, das war‘s. Nachts fahren dort getunte Golf GTI mit Schalldruckantrieb auf und ab, Atzenmusik versus Mickie Krause versus Sportauspuff. Jaja, bei uns auf dem Lande ist die Welt noch in Ordnung.
Aber irgendwie war ich ja nie so der Großstadt-Checker, und wenn man die richtigen Leute findet, gefällt‘s einem sowieso überall. Ich habe hier meine Freundin und ziemlich gute Freunde kennengelernt, war auf lauten und schmutzigen Partys und habe Theater gespielt. Ja, man kann in Vechta Spaß haben, ob mehr oder weniger als woanders, weiß ich nicht, ist mir auch egal, ich bin gerne hier.
Im ersten Semester war ich bloß von Montagmorgen bis Donnerstagnachmittag Vechteraner, bin jedes Wochenende nach Hause gefahren. Mittlerweile ist mein zu Hause hier. Vechta und ich haben uns aneinander gewöhnt.
Ob ein Lehramtsstudium an anderen, größeren Unis anders ist? Nicht wirklich, oder? Abgesehen von Verbindungsstudenten – statt denen gibt es glückliche Schweine auf saftigen Wiesen – bietet die Uni Vechta alles, was andere Hochschulen auch haben. Klausurenstress und überfüllte Hörsäle inklusive.
Ja, die Uni ist klein. Aber das heißt auch, sie ist überschaubar, Entscheidungsträger sind erreichbar. Will man ein Campusmagazin gründen, wird man dabei unterstützt, erhält Redaktionsraum, Postfach und Druckkostenzuschuss.
Irgendwann wird das Studium geschafft und die Zeit hier vorbei sein. Dann werde ich einerseits froh sein, dass es weiter geht, andererseits wahrscheinlich auch traurig, mein derzeitiges Leben hinter mir zu lassen.
Ich bin mir jedenfalls sicher: Auch Lehrer, die in Vechta studiert haben, werden später ihre Schülern mit Geschichten aus der wilden Studentenzeit nerven.
von Stefan Hirsch

PDF-Version der 16. Ausgabe

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Bist Du ein Sommer-Typ?
Der uniVista Gefühls-Check

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Bist Du ein Sommer-Typ? Hier kannst Du es herausfinden.
von Stefan Hirsch
Auf einer einsamen Insel ...
A ... sind Winterreifen oft kaum zu bekommen.
B ... sehen die Leute meist ungepflegter aus als in Lost.
C ... würde ich hoffentlich nicht zu schnell gefunden werden.
Ich kann ...
A ... Last Christmas von Wham! Mit Body Percussion untermalen.
B ... Dragosteia Din Tei von O-Zone mit Body Percussion untermalen.
C ... Surfen.
Wenn ich einen Bikini trage, bin ich ...
A ... nicht hinreichend bekleidet.
B ... wahrscheinlich betrunken.
C ... sexy.
Als ich 17 Jahre alt war ...
A ... habe ich mich geritzt.
B ... hatte ich noch Träume.
C ... hatte ich zum ersten Mal Sex am Strand.
Mein Traumberuf ist ...
A ... Skilehrer.
B ... Versuchstierpfleger.
C ... Pirat.
An Kokain mag ich ...
A ... die weiße Farbe und die pulvrige Konsistenz.
B ... die Wirkung.
C ... das exotische Flair des Herkunftslandes.
Mein schönster Lustkauf war ...
A ... ein Snowboard.
B ... ein Guthaben bei porno-loads.com.
C ... eine Ray-Ban-Sonnenbrille.
Den Weihnachtsmann würde ich gerne ...
A ... zu einem One-Night-Stand überreden.
B ... erst Ende November wiedersehen.
C ... verprügeln.


Aufgewertet
Vom Hochschulstandstreifen auf die Uni-Überholspur

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16_unitag
Die Klausuren bleiben auch nächstes Semester die gleichen, ihre Kopfzeilen ändern sich: Die Hochschule Vechta wird zur Universität. Am 29. Oktober erfolgt die offizielle Umbenennung.
Manche Dinge – und damit sei an dieser Stelle nicht Eurolatein gemeint – lernt man bloß in Vechta. Ich zumindest wusste vor einigen Jahren, als ich Bayerns nördlichste Außenstelle nur aus dem Verkehrsfunk kannte, nicht, dass ein Unterschied zwischen Hochschulen und Universitäten besteht.
Den gibt es: Nur an einer Uni kann man promovieren und habilitieren, d.h. einen großen Schritt Richtung Professur machen. An der Hochschule Vechta geht das auch, also ist sie eigentlich eine Universität, wird – wie allgemein bekannt – den begehrten Titel bald auch offiziell tragen, und zwar ab dem 29. Oktober 2010.
Dann, wenn der vor uns liegende, hoffentlich sonnige, Sommer vorbei ist, findet der Universitätstag statt, zu dem alle Studies herzlich eingeladen sind.
Er beginnt mit der offiziellen Umbenennung der Hochschule Vechta in Universität Vechta. Im Anschluss daran gibt es einen Tag der offenen Tür, an dem die Institute die Möglichkeit haben, sich vorzustellen, Forschungsaktivitäten und Projekte zu präsentieren.
In der Bibliothek wird eine Ausstellung eröffnet, die die Geschichte der Lehranstalt zeigt. Eine Vergangenheit mit Höhen und Tiefen, schließlich stand die Hochschule Vechta mehrfach kurz vor dem Aus, der Titel Universität blieb ihr viele Jahre verwehrt, die Zahl der Studierenden war zeitweise halb so hoch wie heute.
Abends gibt es dann eine Uniparty. Und weil zuvor mangels Universitätsstatus eigentlich nur Hochschulpartys gefeiert werden konnten, ist das die erste richtige Uniparty, die in Vechta stattfindet.
Fotowettbewerb für Studierende
Innerhalb der nächsten Wochen wird ein Fotowettbewerb ausgeschrieben. Mitmachen kann jeder, der hier studiert. Die Teilnehmer sollen ihre Uni Vechta abbilden, so, wie sie sie sehen. Zu gewinnen gibt es hochwertige Sachpreise, die im Rahmen des Universitätstages verliehen werden.
von Stefan Hirsch

Supersized
uniVista fährt zu McDonald‘s. Zu oft. Viel zu oft.

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Ja zu körperlicher Performance auf Tine-Wittler-Niveau. uniVista ist auf den Spuren von Supersize-Me-Darsteller Morgan Spurlock gewandelt, und war bei McDonald‘s. Mehr als nur einmal.
Noch schmeckt’s
Foto: Jenniffer Malenz und Thomas Hülsmann
Wer oft mit dem Auto unterwegs ist, kennt das vielleicht: Man hat noch hunderte Kilometer vor sich und das Loch im Bauch wird immer größer. Doch alles, was den Hunger stillen möchte, sind unappetitliche Imbissbuden mit Namen wie Bratwurst-Bernd oder Mandy‘s Truck-Stop.
Wenn dann unerwartet das gelbe M auftaucht, und einem aus der Drive-In-Sprechanlage dieses geschäftsmäßig-freundliche “Guten Tag, Ihre Bestellung bitte!” entgegenknarzt, fühlt man sich fast ein bisschen wie zu Hause. Klar, denn egal wo die Filiale steht, im Ristorante zur goldenen Möwe sieht‘s überall gleich aus, schmeckt‘s überall gleich.
Doch wie fühlt es sich an, wenn man diesen warmen Regen von Heimat in der Ferne unzählige Male hintereinander auf sich nieder prasseln lässt?
Eure Redaktion ist dieser Frage nachgegangen. Zu viert sind wir im uniVista-Mobil zum McDonald‘s-Drive-In gefahren, haben einen Cheeseburger bestellt, ihn aufgegessen, sind wieder vorgefahren und haben einen neuen geordert. Immer und immer wieder. Mehr als 20 Mal.
Jeder von uns ist so zu fünf bis sechs Cheeseburgern gekommen, zum Nachtisch gab‘s für alle einen McFlurry. Und um das McDonald‘s-Parkplatz-bei-der-Disko-Feeling perfekt zu machen, haben wir währenddessen Groove Coverage gehört. Ihr wisst schon, diese Trance-Gruppe, deren Lieder alle gleich klingen. Und so haben wir uns dabei gefühlt:
Die Bedienung hat gewechselt. Die erste war nett und lustig, die neue ist mehr so der Typ Domina. “Das macht einen Euro. WIE VORHIN AUCH SCHON! Fahren Sie an den zweiten Schalter. WIE VORHIN AUCH SCHON! BIS GLEICH!”
Ich bin dran mit essen. Und ich will nicht. Der vorletzte Bürger hat schon scheiße geschmeckt, der letzte erst recht. Und der jetzige? Auf der Liste von Dingen, die noch ich ungerner tun würde, als diesen Cheeseburger zu in meinen Magen zu zwängen, folgen nur noch “eine Eigenurin-Therapie machen” und „in einem Soldaten-sind-Mörder-T-Shirt zu einem Bundeswehr-Gelöbnis gehen“. Einfach auf etwas anderes konzentrieren, nicht daran denken, dass man isst. Matthias hat erzählt, dass er aus Guatemala kommt. Jennifer ist Harry-Potter-Fan. Wenn man Staatsfeind Nr. 1 wäre, aber auch zaubern könnte, würde man sich fühlen wie Sylar in Heroes.
Außerdem mag ich Cheeseburger. Eigentlich. Und in Brandenburg hungern die Kinder, die würden sich freuen. Die anderen schlagen – nicht ganz ernst gemeint – eine Essensschlacht vor, genau in dem Moment, in dem ich mich frage, ob ich diesen Gestank nach geschmacksverstärktem Cholesterin je wieder aus meinem Auto bekommen werde?
Wenn ich schon etwas essen muss, dann hätte ich gerne einen Apfel. Oder eine kleine Schale Erdbeeren. Ich will mit meiner Freundin an einem stürmischen Nordseestrand spazieren gehen. Ich will zu meiner Mutter. Aber das geht natürlich nicht. Der Cheeseburger ist jetzt meine Mutter.
Stefan Hirsch
Cheeseburger Nr. 1
Dies ist mein erster Cheeseburger.
Langsam – fast ehrfürchtig – führe ich deine perfekte, formschöne Gestalt an meinen Mund und lasse deine köstliche Soße meine Lippen benetzten. Liebevoll zerteilen meine Zahnreihen die glänzend-zarte Außenhaut des Brötchens, das dich in sanfter Umarmung einhüllt, um voll bebender Vorfreude in dein fleischiges
Herz zu gleiten. Wunderbare Aromakaskaden ergießen sich über meinen Gaumen, welcher sich unter Geschmacksorgasmen pulsierend aus mir zu winden versucht. Betäubt durch die Glückshormonexplosionen, die sich plötzlich in meinem Gehirn ergießen, breche ich unter Freudentränen zusammen und merke nicht einmal, wie sich meine Zunge zu der ménage à trois von halb zerschmolzenem Käse, wunderbar viskosem Hackfleisch und bonfortionöser Soße gesellt, um dieser Dreifaltigkeit der Haute Cuisine die gebührende Huldigung zu erweisen. DU bist es, allmächtiger Cheeseburger! DU bist das Eldorado der Würzigkeit! Das Burger-gewordene Walhalla des Genusses! DU bist die kulinarische Inkarnation Gottes.
Der letzte Burger
Dies ist mein letzter Burger. Mein Magen will, dass ich sterbe – ich kann ihn verstehen. Ich habe ihm viel zugemutet.
Der infernalische Gestank frisst sich in meine Nasenschleimhäute und mit einer Mischung aus Hass und Abscheu dringt die quälende Gewissheit in meine
Synapsen: Ich muss Es essen. Mitleidig betrachte ich das armselige Stück Matsche, welches aus dem vom Fett durchsichtigen Papier lugt. Was mir entgegen guckt, sieht wahrhaftig nicht aus wie Nahrung. Zwei asymmetrische „Brötchenhälften“ (Die Bezeichnung an sich ist schon eine Beleidigung gegen die gesamte Bäckerszunft!), die aussehen als hätte man den hässlichen Teil einer Bulldogge abgeschnitten und von einem retardierten Vierjährigen aus Knete, Mehl und Bioabfällen nachbauen lassen, existieren nur, um die Augen des Betrachters vor dem noch schlimmeren Übel, welches sich unter ihren fettschmierigen Leibern verbirgt, zu schonen. Denn unter der gebäckgewordenen Beleidigung lauert auf mich schon das Ende der Esskultur, der Endgegner der bewussten Ernährung, die Streckbank für meine Geschmacksrezeptoren – das „Patty“. Diese schlammig-konsistenzbefreite Platte aus gepressten Fleischindustrieabfällen und die obligatorische Alibi-Scheibe Pappkäse runden das gefranchiste Folterkonzept vorzüglich ab. Nicht einmal im neunten Kreis der Hölle könnte man so was mit Selbstbewusstsein als „essbar“ deklarieren.
Nur noch ein Bissen, dann bin ich frei. Ich brauche meine gesamte Willenskraft um mich durch die breiartige Pampe zwischen meinen Wangen zu quälen. Nur noch ein letztes Mal muss ich den Würgereflex überwinden. Geschafft. Angewidert spüre ich wie das gallertartige Mus ein letztes Mal durch meine Speiseröhre gequetscht wird … endlich Freiheit. Jetzt kann man nur noch beten, dass der Mist nicht drinbleibt.
Thomas Hülsmann
Der allerletzte Burger
Foto: Jenniffer Malenz und Thomas Hülsmann
Ein Nacht, die niemals endet
Erschreckend, zu was wir fähig sind. Wir sind Studenten und man sollte uns doch Besseres gelehrt haben, als drei Stunden lang in kurzen Zeitabständen immer nur einen Burger zu bestellen. Immer nur einen, mit geringfügigen Abweichungen.
Die Tatsache war so verrückt, dass wir tatsächlich irgendwann anfingen durchzudrehen: Gedichte wurden vorgetragen, zu Techno getanzt und private Details aus unseren Leben preisgegeben. Und ich frage mich ernsthaft, woran das gelegen hat. Daran, dass wir erst gegen halb vier unsere X-treme-Tour für beendet erklärten? Daran, dass es ein Donnerstag war? Oder daran, dass wir eben wir sind? Ich kann es nicht sagen. Es war verrückt, krank und sehr sehr lustig, wenn man die Tatsache weglässt, dass ich beim letzten Burger wirklich mit mir ringen musste, ihn nicht wieder nach draußen zu befördern.
Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, erinnere ich mich noch ganz genau daran, wie ich am nächsten Tag, nach sage und schreibe zwei Stunden Schlaf, aufwachte.
Ich habe mich gefühlt, als hätte ich drei Tage durchgesoffen. Ich war ein Wrack und nur noch durstig. Heute bin ich mir sicher, dass die Bedienung den Burger immer etwas größer gemacht und immer ein wenig mehr Pfeffer draufgetan hat. Anders ist es nicht zu erklären, wie man nach nur ca. fünf Burgern (und einem großem Eis) derart neben der Spur sein kann. Doch offenbar war das zu viel. Und deshalb machte ich mich daran, beinahe einen Liter Wasser zu trinken, bevor ich mich überhaupt in Richtung Uni bewegen konnte.
Die einzige Nahrung, die ich gegen Mittag zu mir nehmen konnte, war ein fetter Obstsalat.
Welch ein Genuss das doch war. Vitamine. Das war genau das Richtige in diesem Moment und bot mir die Chance, wie gewohnt weiter zu essen, wo ich doch eigentlich befürchtet hatte, dies wäre nie wieder möglich.
Es war, als wäre ich gestorben und nur dieser Obstsalat und Wasser konnten mich retten. Ich bin ihnen sehr sehr dankbar, dass sie für mich da waren in diesen schweren Zeiten und weiß nicht, wie es ohne sie weitergegangen wäre. Deshalb kann ich Euch nur raten, diese Aktion nie, wie wir, in die Tat umzusetzen oder wenigstens gut darauf vorbereitet zu sein: mit viel Obst, Wasser und Schlaf sowie netten Leuten!
Jenniffer Malenz
Dem Ende nahe
Foto: Thomas Hülsmann

Auf ein Wort mit Kyrill Kuritsyn

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In dieser Rubrik stellen wir Euch ab sofort in jeder Ausgabe jemanden vor, der im Rahmen eines Studienaustauschs ein paar Monate oder auch mehr in Vechta verbringt. Die Fragen sind jedes mal die selben, die Leute hoffentlich nicht.
Foto: Stefan Hirsch
Du heißt:
Kyrill Kuritsyn
Du kommst aus:
Schuya, einer kleinen Stadt in Russland
Du studierst:
Germanistik und Sozialwissenschaften
Warum hast Du Dich ausgerechnet für Vechta entschieden?
Die Hochschule Vechta hat mit meiner Universität in Kuritsyn partnerschaftliche Beziehungen.
Was ist hier genauso, wie Du es erwartet hast?
Ehrlich gesagt ist es schwer zu erklären, weil ich vorher noch nie in Deutschland gewesen bin. Nur positives habe ich von dem Wohnheim Sonnenkamp gehört. Und es ist wirklich genauso, wie mir erzählt wurde.
Und was ist völlig anders?
Das Bachelor-/Master-Studium. Und dass man seinen Stundenplan selbst zusammen stellt.
Würdest Du gerne länger bleiben als ursprünglich
vorgesehen?
Ich würde gerne in Deutschland zu ende studieren. Aber bleiben möchte ich nicht, obwohl ich Deutschland sehr mag. Es ist ziemlich kompliziert. Außerdem ist meine Familie in Russland, alle meine Freunde sind auch dort. Ich habe oft Heimweh.
Was machst Du, wenn Du Heimweh bekommst?
Ich besuche Freunde oder telefoniere übers Internet mit meiner Familie oder Freunden in Russland. Manchmal unterhalten wir uns stundenlang, besprechen alle möglichen Themen. Das Heimweh verschwindet dann einfach, die Laune wird sofort wieder gut.
Wo werden die besseren Partys gefeiert?
In Russland. Die Musik ist besser. Außerdem kann ich mit meinen besten Freunden hingehen.
Was gefällt Dir an den Deutschen?
Mir gefällt ihre Mentalität, ihre Hilfsbereitschaft, und das man sich immer gut mit ihnen unterhalten kann.
Und was stört Dich an ihnen?
Ich habe noch nie etwas Negatives mit den Deutschen erlebt.
Hast Du schon mal vorher im Ausland gelebt?
Ich war schon vor dem Studium mehrmals in Deutschland. Zwei Monate habe ich bei einer Gastfamilie gewohnt, im Sommer war ich oft hier, um Bekannte zu besuchen.
Würdest Du zu einem Studienaustausch raten?
Auf jeden Fall! Man lernt die Menschen, die Kultur und die Mentalität des Landes kennen. Die Sprache lernt man irgendwie automatisch. Man bekommt interessante Einblicke. Solche Möglichkeiten darf man auf keinen Fall verpassen.
Sei ehrlich: Nerven Dich diese Fragen?
Nein, diese Fragen nerven mich nicht.
Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!
Das Interview führte Stefan Hirsch.

Horoskop Mai 2010

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Stier
Finanzielle Sorgen sollten nicht zu eng gesehen werden. Auch wenn es beruflich nicht sonderlich gut läuft, kommende Nahtoderfahrungen sind in nächster Zeit von größerer Bedeutung.
Zwillinge
Solltest Du jetzt vorhaben die Welt zu erobern, die Sterne stehen verdammt günstig. Mit Witz, Anmut und einer selbstverständlichen Leichtigkeit ziehst Du alles und jeden in Deinen Bann. Damit legst Du das Fundament für ewig währendes Glück und Vollkommenheit.
Krebs
Du bist unendlich motiviert in Sachen „Pläne schmieden“. Leider mangelt es Dir an ausreichend Kompetenzen diese umzusetzen. Deine subtile arrogante Art wird Dir dabei die nötige Unterstützung anderer vom Leib halten.
Löwe
Schönheit allein reicht leider nicht aus. Du kommst die Tage einfach nicht in Fahrt und Deine andauernde Zurückgezogenheit geht den Ersten bald auf den Zeiger.
Jungfrau
Du versprichst Dir viel von den kommenden Wochen und Monaten. Zu viel? Nein, Deine Erwartungen werden sogar noch übertroffen. Vor Dir liegt der beste Sommer, den Du je erlebt hast.
Waage
In der Liebe tut sich bei Dir einiges. Wenn Du Single bist, stehen die Sterne günstig, jemanden zu finden, der Dir sein Herz schenken möchte. Möglicherweise ist das Ganze nicht von Dauer, und alles, was bleibt, ist eine hartnäckige Syphilis-Infektion. Doch was wäre die Alternative? Nicht nur Domian-Fans wissen: Objekt-Sexualität ist keine Lösung..
Skorpion
Die Zeit ist reif für neue Kontakte. Die Frühlingsluft ermöglicht Dir, Dich hervorragend zu verstellen und Dein wahres, langweiliges Selbst zu verbergen. Dankbarkeit und Freundschaft könnten dafür gedeihen.
Schütze
Deine gute Laune ist wirklich unerträglich. Zwar hast Du das Gefühl mit Deinem harmonischen Gemüt die Leute anzustecken, stößt dabei mit Deiner Ekel erregenden Glücksschwafelei jedoch nur auf Ablehnung.
Steinbock
Du bist manchmal unzufrieden mit Deinem Leben? Du hättest gerne mehr geschafft, hättest gerne Erfolge, auf die Du zurück blicken könntest? Vielleicht hast Du recht. Vielleicht ist Dein Leben wirklich jämmerlich. Doch das untere Ende ist noch nicht erreicht. Gut möglich, dass das bald anders ist. Die Sterne jedenfalls sagen: „Herzlich willkommen am Arsch!“
Wassermann
Voller Erwartung sehnst Du den kommenden Sommer herbei. Doch wie war diese Jahreszeit 2009 oder 2008? Ein paar warme Tage und viel Regen? Ein Camping-Urlaub mit dem jetzigen Ex-Freund? 35 Grad im Zimmer und jede Menge Klausuren im Nacken? Mal im Ernst: Wer mit solchen Erfahrungen Vorfreude entwickelt, würde mit einem halben Hähnchen zum Tierarzt gehen.
Fische
Es ist schön, dass Du nach unendlichem Rumlungern ein neues Hobby gefunden hast. Du strahlst wie nie zuvor Zuversicht und Fröhlichkeit aus. Doch sei vorsichtig. Experimente mit Rauschgift sind nicht auf Dauer befriedigend.
Widder
Manchmal fühlst Du Dich unverstanden, einsam und unbeliebt. Nur nicht den Kopf hängen lassen! Vielleicht liegt es ja bloß an der unzureichenden Leistungsfähigkeit Deines Deodorants, dass niemand neben Dir sitzen möchte. Vielleicht auch nicht. Gut möglich, dass Dich wirklich keiner leiden kann. Die Sterne jedenfalls liefern darauf keine Antwort. Warum? Na weil sie Dich nicht mögen.
von Stefan Hirsch und Tobias Kunz
Hintergrundbild: © Martin Kolb / PIXELIO

PDF-Version der 14. Ausgabe

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Kannst Du einschätzen, wie Du auf andere wirkst?

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Mach diesen Test zusammen mit einer Person, die Dich gut kennt. Erst klickt sie sich stellvertretend für Dich durch die Fragen, dann Du. Dann klick auf "Auswerten" und schau nach, in wie vielen Punkten ihr überein stimmt...
von Stefan Hirsch
Wenn ich Auto fahre...
...denke ich über meine Kindheit nach.
...fangen Verkehrssicherheitsexperten an, zu weinen.
...höre ich heimlich Mickie Krause.
Mein Lebensstil ist...
...alkoholnah.
...exaltiert.
...umweltbewusst.
Meine Geschwister...
...können sich immer auf mich verlassen.
...wären gerne so wie ich.
...riechen besser als ich.
Wenn ich bewusstlos bin...
...sehe ich aus wie ein träumender Engel.
...machen sich meine Freunde Sorgen um mich.
...fällt es niemandem auf.
Ein Film, der Parallelen zu meinem Leben aufweist ist...
...Die Buddenbrooks.
...Das Blutgericht der reitenden Leichen.
...Captain Arsch und seine geilen Piraten.
Wenn ich betrunken bin...
...ist es kalt und dunkel.
...verursache ich Zwischenfälle.
...denke ich an meine Mutter.
Wenn ich ein Gegenstand wäre, wäre ich...
...ein Sack voll Edelsteine.
...ein gefälschtes Ed-Hardy-Shirt.
...ein Glas Milch.
Ich sehe so ähnlich aus wie...
...Miley Cyrus.
...Kristen Stewart.
...der Fuchs aus der Spee-Werbung.


Ganz schön hohl
Von Flat-Earth-Society und Innenweltkosmos

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Gemein aber wahr: Die Globus-Industrie belügt und betrügt uns. Zumindest gibt es Menschen, die das glauben. Auch heute noch…
Die Erde ist ein Tortenboden. Der Nordpol liegt in der Mitte, drum herum die Kontinente und Ozeane. Die Antarktis ist ringförmig und begrenzt das Ganze nach außen. Davon gingen zumindest die Mitglieder der Flat-Earth-Society aus. Ihr Denken ging auf den Erfinder und Schriftsteller Samuel Rowbotham zurück. Dieser veröffentlichte Mitte des 19. Jahrhunderts eine Streitschrift, in der er – aufbauend auf Bibel-Interpretationen – begründete, warum die Erde flach sein müsse. Bis zur Zeit des ersten Weltkriegs hatten Flat-Earth-Society und ihre Vorgänger-Organisationen einen gewissen Zulauf, danach wurde es ruhig um die Theorie der flachen Erde. Heute gibt es noch ein paar Internet-Seiten, die sich mit dem Thema befassen. Allerdings nicht wirklich ernsthaft.
Aktiver sind hingegen die Anhänger der Hohlwelt-Theorie. Für sie ist die Erde kugelförmig. Das ist aber auch die einzige Parallele zum gängigen Weltbild, denn wir leben nicht außen, sondern innen. Im Zentrum der ca. 12.000 Kilometer messenden hohlen Erde befinden sich Sonne, Sterne und Mond, letzterer hat einen Durchmesser von – nicht 3.476 – sondern etwa 200 Kilometern.  
Warum es bisher niemandem aufgefallen ist? Das Licht, so die Hohl-Denker, verläuft nicht gerade, sondern in kreisförmigen Bahnen. Deswegen sind wir dem Glauben an die Außenwelttheorie verfallen, deswegen können Flugzeuge keine Abkürzungen nehmen, deswegen hat niemand bemerkt, dass die Unendlichkeit unter unseren Füßen liegt. Auch die Lichtgeschwindigkeit ist nicht konstant, sondern verlangsamt sich, umso weiter man dem Erdmittelpunkt kommt.
Und die Raumfahrt? Masse ist relativ, verringert sich, je weiter man sich der Erdmitte nähert. In dem Moment, in dem ein Space-Shuttle den Mond erreicht, hat es die Größe eines ferngesteuerten Autos, die Astronauten wiegen dann ca. 20 Gramm. Dadurch erwächst der Eindruck, der Mond ist 384.000 und nicht 6.000 Kilometer weit entfernt. Außerdem waren die Amis sowieso nicht auf dem Mond, das Ganze war ein Schwindel. Für Verschwörungstheorien haben Hohl-Denker immer ein offenes Ohr.
Das Ganze klingt nach den Fantasien eines Science-Fiction-Autors, der, wenn er Musiker wäre, „Cherry Cherry Lady“ singen würde. Wirft man allerdings einige althergebrachte Annahmen der Physik über Bord, zum Beispiel die Theorien Newtons und Galileis, dass die physikalischen Gesetze in allen Punkten des Raums die gleichen sind, wäre das Gedankengespinst vom Innenweltkosmos sogar möglich. Es ist nicht widerlegbar, aber auch nicht beweisbar. Fans abgedrehter Ideen nennen so was Grenzwissenschaft, für andere ist es pseudowissenschaftlicher Blödsinn. Und so ist es kein Wunder, dass die Theorie vom Innenweltkosmos schon als sie im Jahr 1870 vom Physiker und Alchemisten Cyrus Reed Teed verbreitet wurde (die Gedanken hierzu kamen ihm im Zuge eines Ohnmachtsanfalls), kaum jemanden überzeugt hat.
von Stefan Hirsch

PDF-Version der 13. Ausgabe

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Opel zu verkaufen

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Opels Zukunft liegt nach wie vor im Nebel. Das deutsche Traditionsunternehmen, das mit 147 Jahren älter ist, als das Automobil selber, gehört seit 1929 zum amerikanischen General-Motors-Konzern (GM). Jahrzehntelang ein Erfolgsmodell: Nachdem GM das im zweiten Weltkrieg zerstörte Werk wieder aufbaute, entwickelten die Rüsselsheimer zusammen mit den Amerikanern eine Modellpalette, die beinahe sämtliche Ansprüche in Nachkriegsdeutschland erfüllen konnte. Von der Luxuslimousine bis zum Kompaktwagen hatte die Traditionsmarke alles im Programm, was Neuwagenkunden damals verlangten. Autos wie Kadett, Ascona und Manta sahen gut aus, galten als zuverlässig, anspruchslos und taugten trotzdem als Statussymbol. Opel setzte auf moderne Technik, der ewige Rivale VW baute mit dem Käfer eine Vorkriegskonstruktion.
Doch Ende der 70er begann man, die ersten Fehler zu machen. Weil man sich vor Investitionen scheute, bot man in dem prestigeträchtigen Luxussegment keine Fahrzeuge mehr an. Der von Opel gesponsorte Rally-Weltmeister Walter Röhrl – damals ähnlich populär wie heute Michael Schumacher – wurde noch vor Vertragsende rausgeworfen. Er fuhr fortan für Audi. Nur zwei Beispiele für eine Geschäftspolitik, bei der schnelle Einsparungen wichtiger erschienen, als die Zukunft des Unternehmens.
Als Opel in den 90ern rote Zahlen schrieb, fuhr das Management einen knallharten Sparkurs. Oft genug wurde am falschen Ende gekürzt und die Qualität vernachlässigt: Die Autos aus dieser Ära litten unter Rostproblemen, ein Opel Omega,
der von der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ in einem Dauertest 100.000 km von der Redaktion genutzt wurde, musste nicht weniger als 40mal in die Werkstatt. Der alte Werbespruch „Opel – Der Zuverlässige“ wurde ad absurdum geführt.
Gleichzeitig wurde die Konkurrenz immer stärker: Aus Japan wurden moderne, hochwertige und preiswerte Fahrzeuge nach Deutschland importiert, der VW-Konzern, dessen Autos lange Zeit technische Rückständigkeit vorgeworfen wurde, entwickelte sich zu einer innovativen und dynamischen Marke, Mercedes entdeckte die Mittelklasse.
2008 stand die Konzernmutter GM als Folge jahrelanger Misswirtschaft, der Automobilkrise in den USA und der Weltwirtschaftskrise kurz vor dem Aus und verlangte nach milliardenschweren Rettungspaketen von der US-Regierung. Es wurde eng für Opel.
Im Februar verkündete GM, man sei bereit, sich von der Marke mit dem Blitz zu trennen. Angebote kamen von einem Konsortium, bestehend aus dem östereichisch-kanadischen Autoteile-Zulieferer Magna und der russischen Sberbank, dem ebensfalls angeschlagenen Fiat-Konzern und einem chinesischen Investor, der jedoch nicht für den Erhalt der Arbeitsplätze garantieren wollte. Ein Radio-Moderator witzelte, dass außerdem eine Fußpflegerin, ein Metzger und ein Kioskbesitzer interessiert seien.
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Opel hat schon bessere Zeiten gesehen.
© A.Dreher / PIXELIO
Zur Zeit gilt eine Übernahme durch Magna und die Sberbank als wahrscheinlich. Eine Art Vorvertrag ist bereits gemacht, über entscheidende Punkte ist man sich aber noch nicht einig: Die Investoren fordern staatliche Kredite in Milliardenhöhe, die Regierung verlangt, dass der Erhalt von Arbeitsplätzen zugesichert wird.
Doch es stellen sich jede Menge Fragen: Darf der Staat viel Geld in die Rettung einer Firma investieren, die letztendlich ein Konkurrent für Unternehmen ist, die es schaffen, auf eigenen Beinen zu stehen? Wie wichtig ist Opel überhaupt für Deutschland? Wäre eine Insolvenz – wie von Wirtschaftsminister zu Guttenberg gefordert – die sinnvollere Alternative?
Fragen, die viele Positionen zulassen und der alten Debatte „Wie stark sollte der Staat in die Wirtschaft eingreifen?“ neuen Stoff geben.
von Stefan Hirsch

Geschlechtertausch
Ein Tag im Körper des anderen Geschlechts

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Ich hätte Brüste. Und der Rest des Tages? Ich könnte es mal mit Schuhe kaufen versuchen. Eigentlich etwas, dass ich furchtbar finde und auch nur mache, wenn es unbedingt nötig ist. Normalerweise gehe ich in ein Schuhgeschäft, stelle fest, dass das einzige Paar, was mir passt und halbwegs gut aussieht, 179 Euro kostet, gehe genervt wieder raus und kaufe bei Karstadt mal wieder ein Paar Adidas Samba. Billig, robust und ich weiß auf Anhieb, welche Größe ich brauche. Aber als Frau? Vielleicht würde es mir Spaß machen? Dann könnte ich mir einen Mehrjahresvorrrat anschaffen. Herrenschuhe natürlich, schließlich wäre ich ja nur für einen Tag Frau. Außerdem gibt es Damenschuhe in meiner Größe nur im Sexshop, und so etwas gibt es in Vechta nicht, schließlich sind wir eine anständige Stadt. An meinem Tag als Frau würde ich dann einfach meine Sambas tragen, die stehen jedem – ja, ich gebs zu, ich trage sie sogar zum Anzug.
Mir stünden jede Menge Türen offen, die einem als Mann verschlossen bleiben. Es wäre mir zum Beispiel möglich, herauszufinden, ob Freundinnen sich tatsächlich über die sexuelle Kompetenz ihres Partners unterhalten. Soll ja angeblich so sein, obwohl eigene Freundinnen immer behaupten, dass sie das nie machen würde. Und ich könnte eine Handtasche tragen und bräuchte mir nicht mehr Autoschlüssel, Wohnungsschlüssel, Handy, Taschentücher und Portemonnaie in die Hosentaschen stopfen, was irgendwie der größte Nachteil am Sommer ist. Ich denke, ich würde mich für eine gefälschte Louis-Vuitton-Handtasche entscheiden. Die sind zwar stillos und seit einigen Jahren aus der Mode, aber weiß nicht, ich finde die Dinger irgendwie lustig.
kolumne13
Außerdem könnte ich mich in einem Frauen-Fitness-Center zu einem Probetraining anmelden, mich bei pro familia bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs beraten lassen, meine Kumpels fragen ob mein Hintern zu fett und wer ihre Lieblingsfigur bei Twilight ist und auf eine von diesen Flatrate-Partys gehen, die für Frauen 11 und für Männer 28 Euro Eintritt kosten. Ob da wohl Männer mit mir flirten würden? Wahrscheinlich nicht, schließlich wäre ich sehr schlecht geschminkt, ich hab da schließlich keine Erfahrungen mit, und statt Stiefeln mit hohen Absätzen würde ich Sambas tragen. Glück gehabt. Wenn ich keine Lust mehr hätte, würde ich jedenfalls nach Hause gehen. Allein. Denn: Ich hätte Brüste.
von Stefan Hirsch
Mh… so ein Tag als Mann, wie würde der wohl aussehen? Beim Blick in den Spiegel bekäme ich wahrscheinlich einen gehörigen Schreck, angesichts der Stoppeln in meinem Gesicht. Also erstmal rasieren. Das ist ganz schön lästig. Gut, dass ich das morgen nicht mehr machen muss.
Mein Kleiderschrank sähe plötzlich so voll aus. Eine Jeans und ein T-Shirt reichen doch vollkommen aus, oder? Oh Mann, so viele Schuhe, aber für heute gehen wohl nur die Turnschuhe.
Auf geht’s, erstmal in die Mensa, was essen. Es fühlt sich ganz schön komisch an, wie so ein Mann läuft. Oh, wer kommt denn da? Mädels! Wow, ich wusste nicht, dass Hintern und Brüste so anziehend sein können.
Bevor ich mich anstelle, gehe ich dorthin, wo Frauen sonst nicht hin dürfen, in die Toilette für Männer.
Irgendwie ist das aber doch nicht so spektakulär, wie ich erhofft hatte. Also zurück zum Essen.
Worüber reden Männer so unter sich? Ist die Standardbegrüßung wirklich: “Hey Alter, was geht?” Ich probier es aus und ernte komische Blicke. Anscheinend ist es doch nur so ein Klischee.
Was jetzt? Was macht ein Mann so den ganzen Tag? Ich versuch es mit einem Ego-Shooter. Ich spiel sonst eher Anno oder die Sims.
Abends geh ich auf eine Party, ohne mich vorher extra noch mal umzuziehen. Die Sachen sind ja noch gut. Es ist echt praktisch, wenn ein Kamm fürs Styling reicht und ich nicht soviel Zeit mit dem Make-up verschwende.
Ich will doch mal sehen, ob ich als Mann den Überschuss an Frauen hier in Vechta nicht nutzen kann. Also stell ich mich an die Tanzfläche, mein Bier in der Hand und sondiere die Lage. Mir gefällt, was ich sehe. Aber jetzt bin ich in Zugzwang. Männer müssen ja traditionell den ersten Schritt machen. Mir fällt jetzt zum ersten Mal auf, was für ein blödes Ritual das ist. Denn Mann soll ja nicht nur den ersten Schritt machen, sondern dabei auch noch intelligent und kreativ sein. Boah, darauf habe ich keine Lust. Ich bleib lieber bei meinem Bier, echtes Bier, nicht dieser Mixkram.
Dann geh ich, ohne es versucht zu haben, zu Bett. Morgen bin ich glücklicherweise ja wieder eine Frau.
von Stefanie Bruns

PDF-Version der 12. Ausgabe

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Das uniVista-Liebesbarometer

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Du bist Single und hast jemanden kennen gelernt? Du siehst Euch schon weißhaarig mit beigefarbenen Windjacken bekleidet auf einer Parkbank sitzen und Enten füttern? Du willst wissen, was er/sie für Dich empfindet?
Das uniVista-Liebesbarometer verrät Dir, ob Du einen Kurztrip für zwei Personen nach Paris buchen darfst, oder das Geld besser in ein ordentliches Liebeskummer-Besäufnis investiert werden sollte.
von Stefan Hirsch
Was hat er/sie bei Eurem letzten Treffen zu Dir gesagt?
Seitdem ich Dich kenne, finde ich die Gefühlsdarstellungen in Twilight realistisch.
Wenn Du lächelst, siehst Du aus wie das sprechende T-Shirt aus der Kik-Werbung.
...war das Kokain mit so viel Abführmittel gestreckt, dass ich ständig scheißen musste.
Habt Ihr schon mal eine Nacht miteinander verbracht??
Ja, und es war schön.
Ja, und er/sie war total betrunken
Ja, und demnächst stehe ich wegen sexueller Nötigung vor Gericht.
Wie stellt sie/er sich ihre(n)/seine(n) Traumpartner/in vor??
So wie mich.
Sein(e)/Ihr(e) Traumpartner/in ist Orlando Bloom/Keira Knightley.
Sein(e)/Ihr(e) Traumpartner/in ist jemand, vor dem ich Angst habe.
Was hat er/sie Dir schon mal geschenkt?
Ein selbst verfasstes Gedicht, das seine/ihre Gefühle für mich beschreibt.
Eine Parkscheibe.
Einen Fön und eine Badewanne.
Welche Wörter benutzt er/sie besonders oft, wenn er/sie mit Dir redet?
Liebe, verliebt, glücklich.
Abwrackprämie, Modalverb, Erdanziehungskraft.
Unwohlsein, Brechreiz, DJ Bobo.
Träumt er/sie manchmal von Dir?
Ja, eigentlich ziemlich oft.
Keine Ahnung, über so was reden wir nicht.
Ja, aber vor kurzem hat er/sie eine Psychotherapie begonnen, damit diese Träume und die Panik-Attacken aufhören.


The Dome 49

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„Endlich“ eine Karte.
Foto: Lea Weber
Es ist 16 Uhr, drei Gestalten treffen sich auf einem öffentlichen Parkplatz und besteigen nach einer kurzen Besprechung einen kleinen, unauffälligen Kleinwagen, ihr Weg führt sie auf die Autobahn.
Kurz nach 18 Uhr: Das Auto fährt mit zügigem Tempo direkt vor den Hannoverschen Flughafen, hält abrupt auf dem Behindertenparkplatz, zwei Frauen stürzen heraus und rennen ins Gebäude.
Hektisch drehen sie sich nach links und rechts, um sich zu orientieren und wenden ihre eiligen Schritte schließlich nach links. Sie laufen endlose Gänge entlang, tauschen kurzatmige Silben der Ratlosigkeit aus. Die Blicke schweifen während des Runs durch den Flughafen nervös über die bunten Wegweiser. Hastig rennen sie ins zweite Stockwerk und betreten atemlos ein kleines Bistro…
Stoff für einen Hollywoodfilm? Retten die beiden Frauen den Hannoverschen Flughafen etwa vor einem Attentat?
Sie wenden sich an den Mann hinter der Theke: „Entschuldigen Sie… Wir brauchen unbedingt noch zwei Tickets für… The Dome.“ Peinlicher und x-tremer ging’s selten! Fast hätten wir unsere Tickets auf dem Schwarzmarkt erwerben müssen, aber sei’s drum… Lest nun auf den folgenden Seiten, wie x-treme es wirklich war.
von Melanie Ehlert
“Ihr seid super-affen-mega-spitze!“ Spätestens als uns der Warm-Upper das begeistert entgegen brüllt, wird mir bewusst, auf was ich mich da eingelassen habe… Gerechnet hatte ich ja mit einer Masse von 13- bis 16-Jährigen, die, völlig ausgehungert und durchgefroren, weil schon eine Woche vor der TUI Arena zeltend, Bands Liebeserklärungen und Kinderwünsche entgegen brüllen, von denen ich noch nie was gehört habe. Aber das ist tatsächlich noch schlimmer… Das (freiwillige) Publikum schätze ich so zwischen 8 und 13. Alles was älter ist, sind genervte Eltern oder große Geschwister, die mit einer Miene, wie ein Macho beim Schuhe kaufen, neben uns auf den oberen Rängen sitzen.
Eröffnet wird der Karneval der akustischen Grausamkeiten mit Lady Gaga. Ich hatte ja immer gedacht, wenn man berühmt wird, macht man das große Geld. Bei Lady Gaga reicht das aber offensichtlich nicht mal für eine vernünftige Hose – sie trällert uns im schwarzen Schlübber entgegen. Musik vom Band, Stimme live… Hätte sie sich allerdings vielleicht doch überlegen sollen… Erstens sind die Töne nicht so ganz treffsicher und die Technik hat das auch noch nicht so ganz raus… Erst hört man kaum Stimme, dann plärrt es
ohrenbetäubend.
Was für ein Auftakt! Später wird sie kurz über ihre Meinung zu deutschen Fans interviewt – was für ein Präventionsprogramm: Liebe Kinder, nehmt keine Drogen, sonst könnt ihr euch genauso wenig artikulieren wie Lady Gaga.
Durch den „bunten Abend“ führen Joko und Miriam, zwei Moderatoren… na ja, von der Stange halt, aber zu verkraften. Weiter geht’s mit dem Programm für diejenigen, die, wenn sie dem jugendlichen „eigentlich-alles-Musikgeschmack“ entkommen sind, sich Richtung Rock entwickeln möchten: Eisblume (mit Subway-to-Sally-Cover) und LaFee überraschen mich mit tatsächlich ganz gut hörbarer Gitarrenmusik – Eisblume zusätzlich mit einer netten Stimme, während LaFee mich mit den „Du-bist-voll-das-Arschloch-aber-ich-werde-mich-schon-rächen-denn-ich-bin-ja-schon-15-und-weiß-wie-das-Leben-läuft“-Texten dann doch wieder auf den Boden der Zielgruppen-Tatsachen zurückbringt.
Als nächstes werden Reamonn angekündigt. Schon in freudiger Erwartung wird diese aber gleich wieder enttäuscht. Die sind nämlich noch gar nicht da, aber da das ja eine Aufzeichnung ist, mussten sie die Anmoderation schon mal machen… aha… Besonders erquickend ist, dass sie die Abmoderation gleich mitdrehen. Ohne, dass etwas passiert ist, fragt uns Joko überschwänglich: „Uuuuuund? Wie fandet ihr Reamonn???“ Tja, da weiß glücklicherweise selbst das junge und ansonsten so begeisterte Publikum nicht mehr, was es dazu sagen soll.
Nachdem Queensberry im 80er-Jahre-Ballett-Barbie-Outfit den Kreischpegel der Teenies noch mal zum Exzess geführt haben (und den Papa neben mir dazu gebracht haben, noch mal Oropax nachzulegen), will sich Jeanette zum „Beat undressen“. Wir sind uns einig, dass das gerne ihre vier männlichen Tänzer vertretend übernehmen dürften… Immerhin eine Freude für die Augen!
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Gute Sicht aus den oberen Rängen
Foto: Lea Weber
Bei Titiano Ferro täuscht meine redaktionelle Leidensgenossin neben mir dann endgültig akute Blasenschwäche und einen spontanen Herzinfarkt vor, aber da muss sie jetzt durch – auch wenn sie sich kopfschüttelnd die Ohren zuhält. Ich persönlich fange bei Tim Toupet und Super-Richie (hey, der war sogar schon bei The Dome, als ich das „damals“ noch freiwillig geguckt habe), jetzt als Luca Toni verkleidet, an, mich ernsthaft zu fragen, ob ich nicht noch ganz dringend irgendwelche Hausarbeiten zu schreiben hätte… Der Abfluss in der Dusche müsste auch dringend mal wieder gemacht werden… Und der Dachboden sieht aus…
Glücklicherweise kommen dann (tatsächlich) Reamonn und Razorlight. Zur Abwechslung ist bei denen tatsächlich alles live – man sieht sogar die Kabel von den Gitarren zu den Boxen laufen… Selbst die Eltern neben mir, die sich vermutlich auch gerade gefragt haben, warum sie heute nicht lieber die Steuererklärung gemacht haben, scheinen wieder gut gestimmt.
Diese Aufmunterung war auch nötig, denn es geht gleich schon wieder weiter mit Sido. Der Papa neben mir kramt nach weiterem Oropax, denn der Kreischpegel übertrifft den von Queensberry noch um einige Dezibel… Der Grund, warum ich über den Sido-Auftritt an sich gar nicht viel sagen kann… So viel hab ich davon ja gar nicht mitbekommen…
Jetzt kommt noch mal Lady Gaga auf die Bühne und präsentiert uns ihren neuen „Smash-Hit“ Poker Face. Also… das dachte man wohl so. Irgendwie kommt bei ihr nur die erste Minute kein Ton raus (Und ich sag noch: Man sollte das mit dem Halbplayback echt nur machen, wenn man‘s wirklich kann….). Wie sich nach der Perfomance rausstellt, ist die Moderatorin Miriam mit dem Absatz ihres Highheels auf ein Kabel getreten, dass für das Mikro von Lady Gaga zuständig war. Aber das schöne ist ja, dass wir hier bei einer Aufzeichnung sind. Also holen wir noch mal den Warm-Upper raus, um das Publikum noch mal hochzukochen und wiederholen den Auftritt einfach noch mal. Ich überlege erstmals in meinem Leben, ernsthaft mit harten Drogen anzufangen, um das ganze hier ohne weitere psychische Schäden zu überleben. Ein Blick zur Seite: Ein kopfschüttelndes Hände-ins-Gesicht-Vergraben lässt  mich vermuten, dass es nicht nur mir so geht.
Das große Finale macht dann Sammy Deluxe, der offensichtlich auf unserer Seite steht. Nachdem die Technik erst den falschen Song, dann den richtigen Song, aber die falsche Version eingespielt hatte, fiel selbst ihm nichts anderes mehr ein, als laut und deutlich ins Mikrofon gen Technik zu zischen: „Das ist jetzt aber echt mal viertel vor Blamage, Leute!“ Danke, Sammy! Du sprichst mir aus der Seele!
von Lea Weber
Bei mir hat es nur zu einem Stehplatz-Ticket gereicht. Anstatt mich komfortabel auf einem Sitz zu räkeln, bin ich zwischen den echten Fans. Naja, nicht ganz. Um sich einen vorderen Platz zu sichern, hätte man eher kommen müssen, so bleibt mir lediglich ein Standort am Rande der Menge, hinter den Teenagern und vor ihren gelangweilten Eltern, die als Begleitpersonen mitgekommen sind.
Immerhin hat es noch nicht angefangen. Ein Typ, der an Kinderbespaßer in Clubhotels erinnert, verteilt The-Dome-T-Shirts und fragt dabei immer wieder „Hannover, seid ihr gut drauf?“. Das ist offensichtlich der Fall: Als die Moderatoren übernehmen und wenig später Lady Gaga in einem leuchtenden Bilderrahmen auf die Bühne schwebt, bricht ein Kreischen los. Hoch, schrill, laut. Ich hätte solche Töne selbst mit 14 nicht hervorbringen können.
Dann geht es weiter mit Razorlight, Queensberry, Max Mutzke usw. Irgendwie nett, irgendwie aber auch genau das, was man zwischen einem Haufen dummen Gelaber auf Radio FFN hört. DJ Ötzi – sonst ja eher bekannt für Kirmes-Musik – überrascht mit einer Depri-Ballade, der Applaus fällt verhalten aus. Zwischendurch gibt es den ersten Personenschaden: Ein ca. 14-jähriges Mädchen klappt – vermutlich geschwächt durch langes Rumstehen in Verbindung mit hohen Limonadenpreisen – zusammen und wird mit einer Krankentrage abtransportiert.
Nach der Pause heißt es für mich dann wirklich „mittendrin statt nur“ dabei. Ich gehe so weit es geht nach vorne. Vor mir steht ein Junge, der sich das The-Dome-Symbol, die stilisierte Spiegelkugel, auf den Schädel rasiert hat. Ich komme mir vor, wie ein Atheist bei den Zeugen Jehovas.
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Auf zur nächsten Show.
Foto: Lea Weber
DJ Ötzi kommt mit seiner zweiten Nummer besser an, obwohl sein Auch in 100000 Jahren werd‘ ich immer bei dir sein wie eine Drohung klingt. Eisblume, sonst nur als manga-ähnliche Zeichentrickfigur in ihrem Video zu sehen, tritt zum ersten mal live auf. Wir können uns also fast ein wenig privilegiert fühlen. Und ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal schreibe, aber Sido hat es drauf. Bisher fand ich den Gewollt-Gangster mit der abgebrochenen Kindergärtner-Ausbildung eher peinlich. Aber bei seinem Auftritt stimmt alles, jeder Spruch, jede Bewegung passt perfekt, das Kreischen der Fans erinnert an startende Flugzeuge. Als er seinen Schal in die Menge wirft, bricht fast eine Schlägerei los.
Zwischen den Auftritten immer die beiden Moderatoren, und immer, wenn es schief läuft, wird Käpten Kinderbespaßer auf die Menge los gelassen: „Hannover, seid ihr gut drauf?“
Den Arschloch-Job übernimmt Sammy Deluxe. Sein Auftritt ist der letzte des Abends, die meisten gehen schon, während er auf der Bühne steht.
Hinterher klingeln mir die Ohren von dem Kreischen der Teenager, und ausgerechnet das Fliegerlied von Tim Toupet (vor allem bekannt durch Du hast die Haare schön) schwirrt mir auf der Autofahrt die ganze Zeit im Kopf herum. Trotzdem, irgendwie war es ganz lustig, auch wenn es ganz sicher keiner Wiederholung bedarf.
von Stefan Hirsch

Weltuntergang – Und Du bist in Vechta!

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Weltuntergang… in Vechta? Oh man. Da, wo am Wochenende um acht Uhr schon die Bürgersteige hochgeklappt werden? Toll. Na ja, lässt sich nunmal nicht ändern. Da stecke ich also fest und überlege, was ich tun soll. Ich schätze, dass ich alle meine vermeintlichen Freunde zwingen würde, den letzten Tag unseres Lebens miteinander zu verbringen. Joa. Ansonsten, vielleicht ein paar Dinge, die man sonst noch nie gemacht hat… warum auch immer. Vielleicht irgendwas Kreatives an die Uni-Wände malen oder so. Ansonsten: Warten, beten und hoffen, aber Weltuntergang in Vechta ist echt unfair… zumindest für solche, die ihre Heimat woanders haben. Echt, ey!
von Sarah Kotten
kolumne12
© SarahC. / PIXELIO
© Gerd Altmann (geralt) / PIXELIO
Ich bin nicht sonderlich mutig. Vor allem nicht, wenn es darum geht, jemandem ganz klipp und klar die Meinung zu sagen. Ganz egal, ob die positiv oder negativ ausfällt. Meistens versuche ich alles ganz diplomatisch und so „einerseits-andererseits“-technisch auszudrücken. Ich denke aber immer: „Man müsste mal demunddem und so weiter…“ Ich denke, das würde ich tun: Ich würde den ganzen Tag damit verbringen, Lobhudeleien und (auch platonische) Liebeserklärungen an die (entsprechenden) Leute zu bringen und andere entsprechende Leute verbal (obwohl, dann is´ ja auch egal…) in der Luft zu zerreißen. Und dank Telefon geht das ja sogar über die Grenzen von Vechta hinaus…
von Lea Weber
Die Welt geht heute unter? Das allein ist schon eine gruselige Vorstellung. Zu allem Überfluss muss ich das dann auch noch in Vechta erleben? Wahrscheinlich würde ich meine Familie anrufen und mich dann mit meinen Freunden verabreden und in den Weltuntergang reinfeiern. Vielleicht würde ich auch Rotz und Wasser heulen und mich verkriechen. Oder all die Dinge tun, die ich schon immer tun wollte. Aber darüber müsste ich nachdenken und die Zeit hab ich doch gar nicht. Aaaargh.
von Stefanie Bruns
Auf der einen Seite gibt es Vechta, auf der anderen Seite die Welt. Wenn auch die Welt untergeht – Vechta bleibt. Im Falle eines Weltuntergangs rettet Weltfremdheit das Leben!
von Johanna Olberding
Weltuntergang, und ich bin in Vechta? Kein Ding. Ich schiebe alle unkoscheren Gedanken beiseite, zähle ein paar Ave Maria auf und bekreuzige mich. Denn wenn das wie mit dem Wetter läuft, dann machen die apokalyptischen Reiter eben so Halt vor den gläubigen Toren Vechtas wie der Niederschlag. Und wenn nicht, naja dann gibt’s ja immer noch das Paradies, und da ist ja eh alles schön. Nun, und wenn der heilige Schein nicht über Vechta wacht, dann gehe ich gepflegt mit meinen Liebsten in die Cubar und feier eine letzte Sause mit genügend Long Island Ice Teas. Insel, ich komme.
von René Kohn
Die Welt geht unter und ich bin dabei! Das ist ein fucking Event! An so einem Tag muss man was Besonderes machen. Mit Freunden treffen? Heulen? Kann man auch an allen anderen grauen Kleinstadttagen. Ich würde mir einen Porsche 911 Turbo mieten, und auf Vechtas Straßen alle 4 Teile von The Fast and the Furious nachspielen. In einem rosa Hasen-Kostüm. Betrunken. Bußgeld? Punkte? Scheiß drauf, die Welt geht unter und mit ihr mein Führerschein.
von Stefan Hirsch
Ich würde wohl zunächst abwarten, inwiefern meine ausbrechenden animalischen Triebe der aufkommenden Anarchie standhalten würden. Sicher spannend, ob ich dann Opfer oder (Wohl)täter wäre. Ansonsten würde ich Kette rauchen und dem letzten Feuer meines Lebens auf dem Pferd vor der Sparkasse in einem ausreichend geistesgestörten Zustand singend und heulend entgegen reiten.
von Tobias Kunz

PDF-Version der 11. Ausgabe

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Die uniVista-Suchtberatung

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Mit Freunden einen zu trinken, dass kann ganz nett sein. Aber Web 2.0-Nutzer wissen: Nett ist der kleine Bruder von Scheiße. Sollte man es also zu seinem Lebensziel machen, im Rausch zu schwelgen? Ganz klar, dazu muss man eine Sucht finden, die optimal zu einem passt. Die uniVista Suchtberatung zeigt Dir, welche Abhängigkeit die richtige für Dich ist.
von Stefan Hirsch
Wo machst Du am liebsten Urlaub?
A Wir wollen Party, Palmen, Weiber und ein Bier. Ein paar geile Tage wollen wir...
B Ich habe keine Zeit für Urlaub. Dafür werdet ihr Blechtrommler eines Tages alle in meiner Firma arbeiten!
C Mir egal, mir gefällt es überall, wo ich mich entspannen kann.
D Ich bleibe lieber zu Hause und beschäftige mich mit mir selbst.
Du kommst mit Deinem Rechner nicht ins Internet. Was machst Du?
A Ich lasse mir von einem Kumpel helfen. Hinterher gebe ich ihm einen aus.
B Ich schnappe mir den, den ich für den Verantwortlichen halte und trete ihm die Eier ins Gehirn.
C Nur die Ruhe, in ein paar Stunden, Tagen oder Wochen wird sicher alles wieder funktionieren.
D Panik. Schnappatmung. Triebstau.
Wie hast Du Silvester gefeiert?
A Weiß nicht. Ich hab da nur so ne verschwommene Erinnerung, dass ich es übertrieben habe...
B Laute, schmutzige Party. Reichlich Böller. Schlägerei. Geil!
C Wir saßen auf dem Boden, haben uns unterhalten und Radio21 gehört.
D Ich war alleine, das heißt, nicht ganz: Der Fernseher lief.
Was hast Du an Deinen Wänden hängen?
A Partyfotos.
B Ein Poster von der Rolex Daytona.
C Peace-Zeichen, Bilder von Hanfblättern, Jim Morrison und ganz viel Schwarz-Gelb-Grün.
D Das Schwarz-Weiß-Poster mit den frühstückenden Bauarbeitern. Und Gina Wild.
Dein Nachbar mäht 3 mal die Woche morgens um 6 Uhr seinen Rasen und verständigt die Polizei, wenn Du Dein Fahrrad auf dem Gehweg parkst. Was machst Du?
A Alcohol as social lubricant. Wir sollten mal Einen Trinken gehen.
B Der soll aufpassen, dass er nicht klein und dick wird, wenn er mir im Dunkeln begegnet.
C Hey, wir können über alles reden. Wenn nicht heute, dann morgen.
D Der Gedanke an den Nachbarn macht mich wuschig.
Was hast Du Deinem besten Freund zu Weihnachten geschenkt?
A Eine Flasche Jack.
B Schenken? Gibt es etwas Nutzloseres?
C Weihnachten war schon?
D Welche Freunde?


Extrem, extremer, Tai Chi – Eine Woche Hochschulsport

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Für die X-Treme-Aktion dieser Ausgabe wandelten wir auf den Spuren des Gerüchtes: „Sport ist Mord“. Zu viert erstellten wir uns einen Wochenplan nach Vorgabe des Hochschulsports, teilten das Programm auf und los ging‘s. Von Akrobatik Jonglage über schweißtreibende Aktivitäten wie Fitness Spezial oder Cardio Step haben wir alles mitgenommen. Wie sich das Ganze abgespielt hat und welche Angebote die Hochschule bietet, seht ihr im Folgenden.
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Fotos: Jessica Barbato, Mira Brink, Lea Weber
Montag:
Fitness Spezial: Auftakt in die uniVista-X-treme-Woche. Ich bin noch voller Elan und Motivation. Meine Aufgabe in dieser Stunde: Fitness Spezial im Multifunktionsraum. Pünktlich beginnt das Warm-Up, das einen Menschen ohne Kondition bereits an sein Limit treibt. Es geht hoch und runter und rechts und links mit Hanteln und Stepper oder auch ohne. Das Tempo und die Körperspannung bestimmen den Rhythmus. Sehr schnell komme ich ins Schwitzen und völlig außer Atem. Bei Trainingsanfängern ist höllischer Muskelkater garantiert. Erschöpfungsfaktor: sehr hoch.
Power Gym: Genau so stelle ich mir vor, wie es damals zugehen musste beim Bund Deutscher Mädels. Modelllernen par excellence. Ich merke jedoch einigermaßen schnell, dass man nicht alles nachmachen muss, was die Kursleiterin vormacht, etwa das Peace-Zeichen für die Zahl der Wiederholungen. Der Schwierigkeitsgrad ist zu bewältigen. Prima zum Aufwärmen, und man kommt gut rein in die Übung. Power Gym ist für alle, die einen Fabel für Massenchoreo haben, die gerne das machen, was vorgemacht wird – schöne Abwechslung zum Selbststudium – und für all diejenigen, die zumindest im Ansatz Taktgefühl haben und die denken, für meine Beine wollte ich schon immer mal was tun.
Effektives Bodyworkout: Der Bund Deutscher Mädels nimmt nun auch Jungs auf. Wir sind zu dritt! Die Kursleiterin spricht nun durch ein Mikro. Das lässt Schlimmes erahnen. Nach einer Weile kommt dann doch die Frage auf: Warum machen die hier genau das Gleiche wie beim Power Gym? Dann wird alles anders: Krasse Choreos! Der Step-Schritt wird ums Jogging auf der Stelle ergänzt. Der Anspruch steigt. Der Puls auch. Das effektive Bodyworkout ist gleichsam wie Power Gym für Massenchoreo-Fans, vor allem aber etwas für Schnellmerker von komplexen Schrittfolgen.
Indoor-Cycling: Es folgt als dritter und letzter Kurs für mich Indoor-Cycling (Spinning). Nun steht Kleingruppenchoreo auf dem Plan. Das Prinzip ist ziemlich einfach: Man fährt auf einem Rad, ohne voranzukommen und ist trotzdem fertig. Was die Musiklautstärke angeht, hat man eigentlich das Gefühl, in einer Disco zu sein. Ach, wie schön! Feiern und Sporten. Weil meine Muskeln nach zwei Workoutkursen richtig gut aufgewärmt sind, läuft das Rad wie eine Eins. Nach einer halben Stunde bin ich aber wirklich am Ende. Ich höre nur noch bruchstückhaft, was der Kursleiter von sich gibt, etwa: „Firestarter ist ein Berg.“ Alles klar. Und jeder andere Song ist auch ein Berg. Dass Sport eine Droge sein soll, wird mir allmählich klar. Dieser Kurs, das steht fest, ist der absolut anstrengendste von den dreien.
Jazz & Modern Dance: Hier wird eine Choreografie mit geschmeidigen und anmutigen Bewegungen zu langsamer Musik einstudiert. Da ich etwa sieben bis acht Wochen zu spät komme, ist zumindest mein Erschöpfungsfaktor eher gering.
Fußball für Frauen – ab in die Turnhalle: Was ich da sehe, macht mir Angst! Mädels sind dabei, sich aufzuwärmen und kicken Bälle, als seien diese an ihnen festgewachsen. Hallo? Ich bin froh, wenn ich den Ball treffe und soll nun mit Fußballerinnen zusammenspielen? Ich stelle dabei nur ein herumlaufendes Hindernis dar. Naja, war ich nicht offen für alles? Also Schockzustand überwinden und dazugesellen. Wenigstens ist dummes Herumstehen nicht anstrengend.
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Fotos: Rene Kohn, Lea Weber
Dienstag:
Kickaerobic: Ausgerechnet heute droht die Übungsleiterin mit Abwechslung und zwar in Form eines Springseils. Das können natürlich nur Mädels, denke ich ganz klischeebehaftet und beweise es mir ein wenig später dann auch. Die Kick-Moves sind mal was Neues (im Spiegel dabei permanenter Selbstbeobachtung ausgesetzt zu sein, ist nur schwer erträglich mit meiner Eitelkeit). Die Hanteln geben einem den Rest oder das nötige Gewicht in die Hände, damit auch jede Bewegung dreimal so intensiv gespürt werden kann – Wahnsinn! Kickaerobic ist was für die, die denken, wenn sie wie Bruce Lee kämpften, sähen sie gut aus – ist aber nicht so. (Keine Ahnung, wie der das so geschmeidig aussehen lässt – asiatisches Gengut?)
Effektives Workout: Bewegt wird sich zu afrikanischer Musik. Zwei Übungsleiterinnen fördern und fordern jeweils eine Gruppe, mal mit Ausdauer, mal mit Kraftsport. Hauptsache aber: Die ganze Zeit bewegen. Ich erfahre, dass diese Kombination topp für die Fettverbrennung sei. Fazit: Feine Sache!
Aqua-Fitness: Die Übungen sind denen bei Power Gym recht ähnlich, die Musik auch: Pop aus den 80ern und Dancefloor aus den 90ern. Nicht ganz so anstrengend und halt im Wasser. Ich bin mal wieder der einzige Mann und hoffe, dass die Kommilitonen nicht denken, ich wäre nur vorbei gekommen, um auch im Winter ein paar Mädels im Bikini zu sehen. Ansonsten irgendwie ganz lustig, aber irgendwie auch nicht mein Sport.
Badminton: Das Schöne: Endlich mal wieder selbst bestimmen, was man tut bzw. wird hier nichts nachgemacht, sondern nach simplem Reaktionsschema auf Aktionen des Gegenübers reagiert. Natürlich kann man bei professionellem Spiel auch höchst komplex reagieren. Ich gewinne einen Satz, bin halt topfit.
Ich verliere einen Satz. Hallo, nach drei Stunden Sport (an diesem Tag) ist das ja wohl kein Ding. Außerdem: Verlieren ist sportlich. Badminton ist definitiv für alle was, die kurze Sprints mögen, etwas Geschick mit federleichten Bällen beweisen und gerne selbst bestimmen, was sie tun.
Volleyball für Fortgeschrittene: Der Titel sagt eigentlich schon alles. Wer gerne baggert, hechtet und angreift, ist hier genau richtig. Obwohl jede Bewegung einfach nur weh tut, da sich der Muskelkater des Vortages deutlich zeigt, wird zwei Stunden lang fleißig gespielt. Die Nerven liegen blank. Die Kraft hat sich schon einmal in die Weihnachtsferien verabschiedet. Ein einzelner Gedanke herrscht 24 Stunden in meinem Kopf vor: AUA! Erschöpfungsfaktor: mittel.
Shaolin Kempo: Während dieses Kurses erfahre ich, dass es sich hierbei um chinesische Kampfkunst handelt, die sehr komisch aussieht. Man tippelt hektisch auf einer Stelle, vermöbelt mit den Händen sein Gegenüber und sobald man gegen Regeln verstößt, die ich mir gar nicht alle merken konnte, wird kurz aufgehört. Ich bin zwar leicht überfordert, aber es ist interessant und lustig.
Indoor Cycling: Das ist so eine Art Hardcore-Version vom Fahrrad-Ergometer-Training. Blöderweise komme ich zwei oder drei Minuten zu spät, deswegen stelle ich das Gerät eher schnell als passend ein, und erfahre auf die harte Tour, dass das Rad keinen Freilauf hat, und man, wenn man plötzlich aufhört zu treten, aus dem Pedal rutscht, welches einem dann von hinten in die Wade knallt. Anstrengend ist das ganze auch. Als ich hinterher zur Umkleide gehe, fragt mich eine Kommilitonin, ob mit mir alles in Ordnung sei…
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Fotos: Rene Kohn, Lea Weber, Mira Brink, Jessica Barbato
Mittwoch:
Den heutigen sportlichen Abend leite ich mit Spinning (Indoor-Cycling) ein. Wieder einmal werden zahlreiche Berge erklommen. Spätestens bei H. P. Baxters Stimme vergesse ich meinen Muskelkater. Die Hütte brennt, und ich bin gut drauf. Die Droge Sport scheint allmählich ihre Höchstwirkung zu erreichen.
Nach der Spinning-Aktion geht’s rüber zum Hip Hop. Der Kurs ist voll von Leuten, die genau so aussehen, wie ich mir Hip Hopper vorstelle. Ich find’s schön, wenn Erwartungen bestätigt werden. Das Aufwärmen soll nur kurz sein, ist aber wirklich anstrengend. Danach verabschieden wir uns, weil die Hip Hopper schon seit Semesterbeginn an einer Choreo feilen, und die wollen wir natürlich nicht vollends sabotieren.
Parallel zum Hip Hop findet Akrobatik Jonglage statt. Der Übungsleiter gibt sofortige Entwarnung: Nein, mit Akrobatik habe das nichts zu tun, aber eben mit Jonglieren. Und das lernen wir nun mit drei Bällen. Es zeigt sich schnell, dass ich kein Talent habe, dafür aber meine extreme Begleiterin. Dass sie die ganzen Lobe einheimst, bereits mit drei Bällen jonglierend und als Naturtalent bewundert, derweil ich mich immer noch mit zwei Bällen abmühe, fördert meine Motivation nicht zwingend. Am Ende habe ich ein Gefühl dafür, dass Jonglieren ganz schön viel Übung bedarf, vor allem dann, wenn linke und rechte Gehirnhälfte bisher noch nicht wirklich viel zusammen unternommen haben. Nun, auf dass sie sich besser kennen lernen in Zukunft. .
Fit und Gesund: Jetzt tun wir mal etwas für die Gesundheit. Ich stelle mich auf und warte auf Instruktion. Der Kurs ist recht locker. Es wird ein beweglicher Stab, den ich vorher noch nie gesehen habe, eingesetzt, der einmal die Arme richtig durchschüttelt. Dieser Kurs ist sehr locker, was mich freut, da sich die Motivation immer mehr verabschiedet und der Muskelkater sich bereits in dem Stadion befindet, dass man alleine nicht mehr die Treppen hoch und runter kommt. Erschöpfungsfaktor: gering.
Body-Fitness ist eigentlich ein anderes Wort für Body-Workout. Die Übungen sind quasi identisch und sprechen daher auch die gleichen Muskelpartien an. So ein Mist! Noch mehr Schmerzen. Ich bin froh, wenn die Stunde vorbei ist. Aufgeben ist nicht.
Hockey: Am Mittwoch habe ich einen so heftigen Muskelkater, dass ich beim Treppensteigen den Handlauf verwende. Aber egal, jammern werde ich später in meinem Artikel – also jetzt –, erstmal muss ich zum Unihockey. Da wegen der nahenden Weihnachtsferien nur acht Leute gekommen sind, ist das eine ziemlich Rennerei (hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich Muskelkater habe?), macht aber richtig Spaß und in der recht gemischten Mannschaft komme ich auch als Neuling zurecht.
Badminton findet gleich im Anschluss in der selben Halle statt. Das hat zwei Vorteile: Ich komme pünktlich und brauche mich dafür noch nicht mal bewegen. Ab und zu treffe ich sogar den Ball und meine Mitspieler sagen, dass man mir eigentlich fast kaum anmerkt, dass ich seit Jahren nicht mehr gespielt habe, und vorher eineinhalb Stunden Hallenhockey hatte. Nett.
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Fotos: Lea Weber, Jessica Barbato
Donnerstag:
Tai Chi: Hier ist alles extrem, und zwar extrem weich. Das ist nicht nur die Übersetzung, sondern auch Programm: weich fließende Bewegungen, durchaus mit Körperspannung, aber endlich mal weder Ausdauer noch Kraft. Ohne Muskelkater wäre dieser Kurs wirklich so richtig entspannend. Erhalte zunächst Einzeltraining, weil wir uns immer noch kurz vor Weihnachten befinden, bis mein extremer Leidensgenosse Bauch, Beine, Po, Rücken kraftlos aufgibt und nun eintaucht in asiatisch sphärische Klänge mit nur zu passend gehauchten Anweisungen unserer Übungsleiterin. Nach der Einführung bleibt nur zu sagen: Wirklich mal etwas anderes, und man sieht gar nicht so bescheuert aus in der Slowmotion wie etwa noch beim Kickaerobic. Bruce Lees Großmutter wäre stolz.
Cardio Step: Mit Cardio Step bestreite ich den nunmehr fünften und letzten Workout-Kurs der Hochschulsport- und X-treme-Woche. Die choreographischen Einlagen sind verhältnismäßig einfach. Das Step-Board hat es allerdings in sich, und die Hanteln werden auch wieder aus dem Schrank geholt. Alles in allem ein wirklich anstrengender, schweißtreibender Kurs. Dass es kurz vor Zwölf noch einmal so heftig werden würde, war bei dem Namen des Kurses abzusehen. Ich habe es wohl verdrängt und bin froh, als es heißt: Nun legt euch auf die Matten und entspannt. Ja, das mache ich nun.
Selbstverteidigung: Draufhauen, wenn es von Nöten ist , kann nicht jeder. Dabei ist es in der heutigen Gesellschaft sehr wichtig, sich verteidigen zu können. Der Peter gab uns hierbei eine kleine Einführung. Erschöpfungsfaktor: sehr hoch.
Aqua-Fitness: Ich mag Wasser. Und Aqua Fitness von nun an auch. Mit eigentlich ausschließlich weiblichen Mitmenschen im Vechteraner Schwimmbad herumzuplanschen hat mir gut gefallen. Man lernt neue Leute kennen und kann nach dem Kurs noch umsonst das Bad nutzen. Wie praktisch. Kerlen wird ermöglicht, Frauenbekanntschaften zu machen: was will man(n) mehr?
Bauch, Beine, Po, Rücken: Ich bin so fit wie Johannes Heesters. Weniger ist mehr gilt offensichtlich nicht bloß für Benzinpreise. BBPR ist irgendwie eher schmerzhaft, weil ich einen fiesen Muskelkater in Bauch, Beinen, Po und Rücken habe (übrigens nicht nur dort).
Fazit:
Die Woche war außerordentlich anstrengend, aber auch spannend und lehrreich. Das Gerücht, Sport ist Mord, können wir in einer solchen Dosierung nur teilweise bestätigen. Die Muskeln verabschiedeten sich bereits Mitte der Woche, aber der Geist und der Wille haben im Sinne der Berichterstattung überlebt.
von Jessica Barbato, Mira Brink, René Kohn und Stefan Hirsch

Vampire, Drachen und Magie

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Tintenherz, Eragon, Bis(s) zum Morgengrauen – Fantasy-Geschichten stehen z.Z. ganz oben in den Bestsellerlisten. Und nicht nur dort: Fanseiten im Internet widmen sich einzelnen Romanen bzw. Filmen, Foren und Blogs beschäftigen sich mit dem gesamten Genre. Fantasy-Fans wurden nicht nur als Leser, sondern auch als Merchandising begeisterte Konsumenten entdeckt: Wer es mit einem Roman wie Tintenherz ernst meint, bekommt vom Brettspiel, einer Tintenherz-Schreibfeder, bis hin zum Taschenbuch, in dem die für den Film verkürzte Geschichte wiedergegeben wird, mehr, als er wollen könnte: Man kann von einem regelrechten Fantasy-Boom sprechen.
Begonnen hat es Anfang der 2000er Jahre mit dem Medienrummel um Harry Potter. Dem 1995 vollendeten ersten Teil der Heptalogie, Harry Potter und der Stein der Weisen, wurde zunächst kein großes Erfolgspotential unterstellt. Er erschien in einer Auflage von lediglich 500 Exemplaren (nein, ich habe keine Null vergessen) bei Bloomsbury Publishing, einem englischen Verlagshaus. Später nahm sich der Hamburger Carlsen Verlag der Romanreihe an. Rowlings Erfolg begann 1999 mit dem dritten Teil, Harry Potter und der Gefangene von Askaban. Mittlerweile ist die 43jährige Rowling die kommerziell erfolgreichste Schriftstellerin der Welt, die Finanz-Zeitschrift Forbes schätzt ihr Vermögen auf eine Milliarde US-Dollar.
Der Erfolg von Rowlings Romanen sorgte nicht nur für dreiste Plagiate wie Harry Potter and Leopard-Walk-Up-to-Dragon oder Harry Potter in Calcutta. Es kamen zahlreiche Romanreihen für Kinder- und Jugendliche heraus, die gerne mit den Geschichten um Rowlings Nachwuchs-Zauberer verglichen werden, sich zum Teil aber deutlich von ihnen unterscheiden. So zum Beispiel Artemis Fowl von Eoin Colfer.
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© Marco Barnebeck / PIXELIO
Insgesamt wurden mehr Leser für das Genre gewonnen, was dazu führte, dass mittlerweile mehr Fantasy-Romane verlegt werden. Viele von ihnen sind gut geschrieben, spannend, angenehm zu lesen und kommen ohne peinliche Parallelen zu den Geschichten um den Zauber-Schüler aus.
Ein anderer Grund für den Fantasy-Boom ist der Erfolg der dreiteiligen Herr-der-Ringe-Verfilmung, die zwischen 2001 und 2003 in den Kinos zu sehen war. Hier gelang es Regisseur Peter Jackson (von ihm übrigens auch die Splatterfilm-Parodie Braindead stammt, in der der Protagonist mit einem Rasenmäher das wohl größte Zombie-Massaker der Filmgeschichte anrichtet), den bis dahin als nicht verfilmbar geltenden Fantasy-Klassiker auf die Leinwand zu bringen. Er schaffte es nicht nur, die argwöhnischen Herr-der-Ringe-Fans zu überzeugen (es gibt Websites, auf denen man bis ins letzte Detail nachvollziehen kann, wo der Film von der Romanvorlage abweicht), sondern machte das über 1300 Seiten starke Werk auch für neue Leser interessant.
Viele der Fantasy-Romane, die in den letzten Jahren erschienen sind, haben gemeinsam, dass sie alte literarische Motive aufgreifen, und diese mit Themen verbinden, die für Jugendbücher typisch sind. So begegnet man immer wieder Drachen, Vampiren und Zauberern. Figuren, die schon vor Jahrhunderten in Märchen, Mythen oder Heldenepen ihren Platz hatten. Handlungsmotive sind hingegen oft Freundschaft, Liebe oder das Erwachsen werden. So zum Beispiel in den Bis(s)-Romanen von Stephenie Meyer. Hier geht es um die erste Liebe der High-School-Schülerin Bella. Ziel ihrer Schwärmereien ist ihr geheimnisvoller Mitschüler Edward – ein Vampir.
In der Tinten-Trilogie steht mit Meggie eine sehr junge Protagonistin im Vordergrund. Im zweiten und dritten Teil der Romanreihe müssen sie und ihre Gefährten sich in einer mittelalterlich anmutenden Parallelwelt gegen bösartige Herrscher behaupten, auch das ist typisch Fantasy.
Jene archaischen fiktiven Welten, die zum Teil recht einfach aufgebaut sind, sind es auch, die der Fantasy den Vorwurf der Realitätsferne – manche reden sogar von Wirklichkeitsflucht oder Eskapismus – eingebracht haben. Klar, wo (wie zum Beispiel in Eragon) auf Drachen reitend gegen machtgierige Könige gekämpft wird, bleibt kein Platz für die Schwierigkeiten des Alltags. Und der – zugegeben seltsam glatt geföhnt wirkende – Vampir Edward Cullen lässt nicht gerade Rückschlüsse auf den Alltag amerikanischer Teenager zu.
Aber so etwas wird wohl kaum ein Fantasy-Autor ernsthaft versuchen. Hier geht es darum, den Leser für einige Stunden in eine fremde Welt zu entführen. Und das ist doch auch okay, oder?
von Stefan Hirsch

und wenn das fünfte Lichtlein brennt…

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Dass Bob manchmal etwas verpeilt war, war ja nichts Neues. Zugegeben, auch ich irrte mich manchmal im Wochentag. Aber wie man um volle fünf Wochen daneben liegen konnte?
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Bob war wirklich traurig. Also beschlossen wir, Weihnachten zu wiederholen. So gut es ging…
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Als wir mitten in den Vorbereitungen waren, klingelte unser Vermieter Tequila-Toni und fragte, ob er ein bisschen bei uns bleiben könnte. Candy, seine Freundin, war wohl irgendwie sauer auf ihn…
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Statt Glühwein tranken wir warmen Tequlia mit Zimt und Koriander. Nach der vierten Tasse setzte Tequila-Toni sich eine rote Mütze auf und sagte, er würde die Müllgebühren für unsere Wohnung dieses Jahr selber zahlen. Draußen legten sch dicke, wattige Schneeflocken auf die winterkahlen Bäume. Schön.
Auch unsere Playmos verabschieden sich in die vorlesungsfreie Zeit. Ob sie ihre WG auch im Sommersemester 2009 beziehen?
Dies und vieles mehr erfahrt ihr in in der nächsten Ausgabe, im April 2009.
Texte: Stefan Hirsch
Kulissen: Julia Stock
Fotos: René Kohn

PDF-Version der 10. Ausgabe

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Redakteure suchen Redakteure

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Ein kleiner Vorabcheck, ob ihr auch wirklich geeignet seid für die Redaktionsarbeit.
von Stefan Hirsch
Wie heißt das Campusmagazin der Uni Vechta?
Praline
Der Kommilitone. Ach nee, irgendwas mit U...
uniVista. Hätte ich aber auch gewusst, ohne hier auf der Seite zu sein.
Könntest Du Dir vorstellen, an einem Campusmagazin mitzuwirken?
Lieber stelle ich mir meine Nachbarin unter der Dusche vor.
Hab ich noch nie drüber nachgedacht.
Ja, durchaus.
Wie gefällt Dir die uniVista?
Uni-Was?! Kann man das essen?
Schöner wäre schöner.
Gut, aber wenn ich ... dann ...
Schreibst Du gerne?
Hä?!
Nicht wirklich.
Ja. Ich würde auch gerne mal etwas schreiben, was veröffentlicht wird.
Was machst Du am liebsten in Deiner Freizeit?
Ich starre besoffen die Wand an.
Mit Freunden treffen, Sport, dass übliche halt.
Das übliche, hätte aber noch ein bisschen Zeit.
Hast Du Spaß daran, Themen, die Dich interessieren, zu recherchieren
Ja, auf YouPorn.
Wenn ich ehrlich bin: Nein.
Könnte ich mir gut vorstellen.
Eine Frage zu Deinem Allgemeinwissen: Wer war der rasende Reporter?
Helmut Kohl. Oder Guido Westerwelle? Auf jeden Fall jemand aus der SPD...
Karla Kolumna
Egon Erwin Kisch
Kommst Du mit Computern zurecht? (Das ist zwar nicht unbedingt nötig, aber wünschenswert.)
An meinem Monitor kann ich Bierflaschen öffnen.
Für meine Zwecke reicht es...
Wenn meine Freunde ein Problem mit ihrem Rechner haben, bin ich der erste, den sie um Rat fragen.
Bist Du kreativ?
Ja, ich lasse mir ständig Neues einfallen. Als ich neulich besoffen war, habe ich nicht die Wand angestarrt, sondern die Decke.
Hab mich nie bemüht, das heraus zu finden.
Na, das hoffe ich doch.
Arbeitest Du gerne mit anderen Menschen zusammen?
Weiß nicht. Alle, denen ich begegne, ergreifen nach maximal 5 Minuten die Flucht.
Andere: Ja, Arbeiten: Nein.
Wenn sie nett sind...


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Informatives zum Bausparer-Bier

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Bionade. Im StudVZ beschäftigen sich über 100 Gruppen mit ihr, sie sieht gut aus, schmeckt gut, ist halbwegs gesund, und man kann sie hervorragend mit Wodka mischen. Metrosexuelle Styler mögen sie ebenso sehr, wie doppelnamenbewaffnete Trägerinnen asymetrischer Kurzhaarfrisuren.
Bis aus der bayrischen Bio-Brause ein Trendgetränk mit dem besten Image wurde, das man sich als Hersteller wünschen kann, dauerte es aber seine Zeit. Angefangen hat es bereits 1995, als Dieter Leipold, Miteigentümer der insolvenzbedrohten Peter-Brauerei aus dem bayrischen Ostheim, ein neuartiges Brauverfahren erfand, bei dem kein Alkohol entsteht. Dieses Verfahren, die Grundlage der Bionade, war eine revolutionäre Neuentwicklung in der ca. 5000-jährigen Geschichte des Brauens – und interessierte zunächst niemanden. Leipold hatte ursprünglich geplant, sein Bionade-Herstellungsverfahren an seine Mitbewerber zu verkaufen, diese lehnten dankend ab. Als die finanziell angeschlagene Peter-Brauerei die Gesundheits-Limo schließlich selber produzierte, gab es abgesehen von einigen Fitness-Centern und Kurkliniken keinen, der sich das neue Getränk ins Lager stellen wollte. Erst Ekelfleisch-Skandal und Bio-Boom sorgten dafür, dass das „offizielle Getränk einer besseren Welt“ (Bionade- Werbe-Slogan) zur mutmaßlichen Lieblings-Limo der Neon-Leser und vieler anderer mehr wurde. Seitdem geht es steil bergauf. 2007 wurde in einigen Monaten mehr Bionade verkauft, als 2006 im ganzen Jahr. Immer wieder kommt es wegen der gewaltigen Nachfrage zu Lieferengpässen bei Zutaten aus biologisch überwachtem Anbau wie z.B Holunderbeeren. Die Bionade-GmbH schafft es kaum, genug zu produzieren. Probleme, von denen andere träumen…
Das bemerkenswerte an diesem Erfolg ist, dass kaum Werbegelder flossen. Im Gegensatz zu Firmen wie Coca-Cola, die sich die Markteinführung neuer Geschmacksrichtungen Millionen kosten lassen, war es dem Familienunternehmen unmöglich, kostenintensive Merk-dir-mein-Logo-oder-ich-brech-dir-‘nen-Arm-Kampagnen zu finanzieren. Stattdessen war man auf Guerilla- Marketing und Mundpropaganda angewiesen, und das reichte aus, um in den Jahren des Geiz-ist-geil-Denkens ein hochwertiges und teures Produkt zu etablieren. Kein Wunder, dass Bionade regelmäßig Thema in Wirtschaftsmagazinen ist.
Mittlerweile gibt es die Bio-Brause an jeder Ecke, selbst bei McDonalds. Wie jetzt? Das offizielle Getränk einer besseren Welt in den Regalen der Burger bratenden Hardcore-Kapitalisten? Supersize Me nach EG-Öko-Verordnung?
Nach einem Artikel der Zeitschrift Öko-Test nicht unpassend: Dort fand man in einem Limo-Vergleich heraus, dass Bionade Ingwer-Orange nicht nur deutlichBmehr Zucker enthält als angegeben, sondern, dass auch Spuren von Nickel in der Bio-Brause vorkommen. Bionade erhielt ein peinliches Befriedigend und landete – hinter Nachahmerprodukten – im Test-Mittelfeld. Die Bionade- GmbH ging daraufhin mit einer einstweiligen Verfügung gegen Öko-Test vor, diese wurde aber vom Landgericht Hamburg wieder zurück genommen. Es konnte nicht bewiesen werden, dass die Öko-Test-Messungen fehlerhaft waren.
Ist Bionade also nur das offizielle Getränk einer zweitbesten Welt? Naja, man sollte zwischen verhältnismäßig gesund und auch-in-den-Augen-derer,-die-selbst- Schnaps-und-Kippen-im-Reformhaus-kaufen-gesund unterscheiden. Gesünder als die meisten anderen „kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke“ ist sie sicher, außerdem fehlt ihr dieser Nachgeschmack nach entgangener Lebensfreude, der für alkoholfreies Bier so typisch ist. Prost.
von Stefan Hirsch

Echte Gefühle

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Von meinen Mitbewohnern ging mir Nadine am wenigsten auf die Nerven. Das lag allerdings daran, dass sie so gut wie nie zu Hause war. Sie hielt sich meistens nur von Dienstag bis Mittwoch in Vechta auf, wenn man sie sah, hatte sie immer einen Koffer in der Hand. Deswegen war ich etwas überrascht, dass ausgerechnet sie die Einzige war, die letztes Wochenende hier blieb.

Bob, der sich zu spät um einen Praktikumsplatz bemüht hatte, musste ein Betriebspraktikum bei einer Tretbootvermietung am Steinhuder Meer machen, Charlene war bei einer Freundin, und Enrico war nicht mehr gesehen worden, seitdem in Vechta ein 24-Stunden-Fitnesscenter eröffnet hatte.

Abends guckten wir Fernsehen. Sie lachte, ich blickte sie an. Ihr präzise aufgedrucktes Gesicht. Der seidenmatte Kunststoff ihrer Haare. Mit einem mal wurde mir bewusst, wie schön sie eigentlich war. Konnte das sein? War ich gerade dabei, mich zu verlieben? Obwohl ich sie seit fast drei Jahren kannte? Ihr Handy klingelte.

Ihr Freund war dran, und fragte, ob er sie abholen solle. SIE HATTE EINEN FREUND! Das war gemein, das war grausam. Sekunden zuvor hatte ich noch die Hoffnung auf eine neue Liebe, jetzt stand mir ein sehr einsames Wochenende bevor.

Enttäuscht blieb ich allein vor dem Fernseher sitzen und schlief spät ein. Ich träumte, ich würde in einem staubschwarzen Chevrolet Camaro eine südfranzösische Küstenstraße entlang fahren. Während der Fahrt zündete ich mir eine Zigarette an. Der Fahrtwind trug den Rauch durch das geöffnete Schiebedach davon.

Ich wachte auf, und plötzlich erkannte ich, dass ich meine große Liebe bereits gefunden hatte, dass ich keiner Partnerin bedurfte, sondern dass ich mein begehren darauf konzentrierte, im Tabakrauch zu schwelgen…
Wie wird die WG das Sommerloch überstehen? Erfahrt es in der nächsten Ausgabe, im November 2008.
von: Stefan Hirsch

PDF-Version der 8. Ausgabe

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Rasten ohne Hasten?

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Fotos: Björn Franke
370 gibt es in Deutschland. Mal architektonisch reizvoll, mal im Charme der vergangenen Jahrzehnte. Im Grunde nimmt man sie nicht wahr, sie ziehen vorüber an den Fenstern der Automobilisten, es sei denn, man verspürt Hunger bzw. Durst, den Bedarf des Besuches von sanitären Anlagen oder das Auto braucht neuen Betriebsstoff.
Ein Ort des Rastens, nur für einen Moment, für vielleicht eine halbe Stunde.
Man wird Teil der Umgebung, die sonst an einem vorbeizieht, und doch gefangen in einer abgezäunten Welt der Autobahn, Landkarten, Kinderbespassungsutensilien. Mittlerweile haben die üblichen Vertreter der Junkfood – Industrie Einzug erhalten, so kann die burgeraffine Familie ebenso speisen wie ältere Damen und Herren, die zwischendurch einen Kaffee trinken wollen.
Biografien laufen nebeneinander her. Jeder verhaftet in sich selbst, das Ziel vor Augen, keine Zeit verlieren und schnell ankommen. Getrieben von Bedürfnissen, die den Menschen zum Halten zwingen. Die Herkunft, ob sozial oder geografisch, scheint egal.
Der fernfahrende Osteuropäer neben der aus dem Urlaub heimkehrenden Familie des Münsterlandes.
Der Regisseur Christian Petzold setzte sich bei dem stilistisch der Berliner Schule zuzurechnenden Film „Wolfsburg“ mit der Veränderung der Psyche des Menschen durch das Automobil auseinander: „Autofahren ist eine Massentätigkeit – es wird aber als etwas Individuelles verkauft. Es ist dein Auto, du bist in deinem Auto, du und die Welt. Dieser vereinzelte Mensch, der da sitzt, umgeben von Navigationssystemen, Geruchsfiltern, Verkehrsfunk, ist in seinem eigenen Film…“ (fluter, bpb, 31.08.2005)
Jeder in seinem eigenen Film, der selbst in der Raststätte nicht unterbrochen wird, oder gar endet. Das Smalltalk- Gespräch an der Kasse im Vergleich zur symbolhaften Interaktion aus Lichthupe, Bremslicht und Gestik auf den Fahrbahnen: Ein Hauch persönlicher?
Der Ort bleibt institutionalisiert – „Wann geht’s weiter?“.
Am Fenster Platz nehmend und nach draußen blickend gönnen wir uns einen Moment des Stopps in der Brückenraststätte Dammer Berger. Unter uns nimmt das Wort „Mobilität“ in ansehbarer Weise weiterhin Gestalt an. Auf der A1 kriechen, schlängeln, fahren, drängeln, jagen – manchmal ganz getreu dem Motto „Ich geb’ Gas, ich will Spaß“ -Autos, Wohnwagen, wie auch Laster auf zwei Richtungsfahrbahnen unter der Brücke durch.
Wir scheinen uns dem mobilen Treiben entzogen zu haben und zugleich bleiben wir mobil, denn an diesem Ort verweilt keiner länger als ein paar Stunden. Und doch:
Fotos: Björn Franke
Dieser Ort soll ein Ort der Rast sein. Der Ruhe nach dem Sturm eines Staus, stehendes Ventil für den durch Anspannung geladenen Ärger eines knapp entkommenen Unfalls, der Möglichkeit zum stillen Örtchen, dem „Sind wir jetzt da?“ ein kurzes Ende zu setzen. Aber auch ohne einen dieser Gründe ist allein die Aussicht der Raststätte einen kurzen Besuch wert.
Über der ständigen Bewegung einer fahrenden Bevölkerung fragen wir uns, ob sich Menschen hier begegnen. Doch nach einem Austausch über die Art einer Begegnung kommen wir zu dem vorläufigen Schluss, dass sich die Wege verschiedenster Menschen an diesem Ort nicht mehr als nur kreuzen.
Die Vielen, die hier zusammenkommen, rasten aber rosten nicht. Jeder in der Gruppe der Kraftwagen fahrenden bleibt sich seinem Ziel bewusst. Das Besondere an diesem Ort: Er scheint weitestgehend frei zu sein von sonstigen Scheidewegen menschlicher Unterschiede. Eine gewisse Neutralität politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Machenschaften. Das Augenmerk liegt auf den Grundbedürfnissen des Menschen, nicht mehr und nicht weniger.
Fastfood, Fastfoot. Ich muss weiter!
Mobilitätsgetrieben stehen wir auf und gehen Richtung Parkplatz …
von Björn Franke und Johanna Olberding
Raststätte “Dammer Berge”
“Dammer Berge” liegt an der A1 und erstreckt sich als eine von zwei Raststätten in Deutschland brückenförmig über die Autobahn. 2005 wurde die Anlage komplett renoviert. Seitdem gibt es dort Restaurants der Fastfood-Ketten Burger-King, Nordsee und Gustico, sowie zwei Coffee-Shops. In zwei Kiosk-ähnlichen Einkaufsbereichen bekommt man Tierfutter, Zeitschriften, Krawatten, Chips, CDs, Kinderspielzeug und vieles mehr, was man auf einer Autofahrt irgendwie brauchen könnte.
Wer die kostenpflichtige Toilette benutzt, erhält einen 50-Cent-Einkaufsgutschein, ansonsten sind die Preise – typisch Raststätte – heftig. Auch wer geistige Ablenkung vom Autofahren sucht, wird bedient: Eine Kinderecke lädt die lieben Kleinen, Geldspielgeräte die Zocker zum Spielen ein. Draußen wartet eine Kapelle auf durchreisende Christen, Eintrag im Gästebuch: „Bitte Herr, lass Bayern gegen Schalke gewinnen“. Und man kann natürlich auch tanken.
von Stefan Hirsch

Bilderalbum
uniVista No. 08: Rasten ohne Hasten

Der Mann, der mit dem Tod flirtete

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Dezember 2007: In einer Zeit, in der Stuntmen in Klärgruben tauchen um eine trashige Popularität zu erlangen, erscheint der Tod eines amerikanischen Motorrad- Artisten im Ruhestand in der Süddeutschen Zeitung. Kein Wunder, Robert Craig „Evel“ Knievel war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Seine Motorrad-Stunts, meistens Sprünge über lange Reihen von Trucks und seine Flüge in selbstgebastelten Raketen zogen Tausende in ihren Bann.
Seinen Künstlernamen erwarb sich Evel (ja, mit zwei E) Knievel übrigens im Gefängnis. Nachdem er seinen Job als LKW-Fahrer verloren hatte, angeblich, weil er beim Wheelies fahren mit seinem Truck eine Stromleitung gekappt hatte, wurde er mehrfach straffällig. Zumeist waren es relativ harmlose Delikte, Diebstähle und kleinere Einbrüche. Nach seiner Haft versuchte er es mit halb-seriöser Arbeit. Halb-seriös, weil er Gerüchten zufolge als Versicherungsvertreter einen Großteil seiner Policen an die Insassen einer psychiatrischen Anstalt verkaufte, und weil er als Anbieter von Jagdreisen mit seinen Kunden in Naturschutzgebieten wilderte.
Im Alter von 27 Jahren gründete der 1938 in Montana geborene Knievel die Evel Knievel’s Motorcycle Daredevils, und begann seine Karriere als Stuntman. Seinen großen Durchbruch erlangte Knievel, als er 1967 versuchte, über die Brunnenanlage des Caesars Palace in Las Vegas zu springen.
Bildnachweis: Wikimedia Commons
Urheber: Bill Wolf, Sean / Wikimedia
Commons
(Lizenz: CreativeCommons)
Die missglückte Landung beförderte ihn in die Schlagzeilen, und mit 40 Knochenbrüchen für 29 Tage ins Koma. Überhaupt waren zahlreiche seiner Stunts extrem gefährlich und endeten oft genug mit lebensbedrohlichen Verletzungen. So zum Beispiel 1974 der Sprung über den Snake-River-Canyon in Idaho, bei dem sich der Bremsfallschirm seines raketengetriebenen Motorrades zu früh öffnete. Insgesamt 38 mal verunglückte Evel Knievel spektakulär. Er steht im Guiness Book of Records als der Mann mit den meisten Knochenbrüchen der Welt. Diese reale, unmittelbare Gefahr war es wohl auch, die seine Stunts für viele so faszinierend machte, ihn in den Augen mancher sogar zum Helden werden ließ. Bereits 1976 gab es ein Evel Knievel-Computerspiel, zweimal wurde sein Leben verfilmt, unter anderem mit Pamela Anderson in der Rolle seiner Freundin.
Er selber lehnte diese Verklärung seiner Person ab, sagte einmal: „Ich war ein guter Motorradfahrer und ein ziemlich guter Geschäftsmann. Ein Held war ich nicht.“ 1980 hörte Knievel auf, unterstützte nur noch gelegentlich seinen Sohn Robbie bei dessen Stunt-Shows. Mit dem Alter machten ihm die Spätfolgen seiner zahlreichen Operationen mehr und mehr zu schaffen. Zuletzt litt er unter Atembeschwerden und Leberproblemen. Robert Craig „Evel“ Knievel starb am 30. November 2007 im Alter von 69 Jahren.
von Stefan Hirsch

Von Mordlust und Markenkleidung, Geldgeschäften und Gewaltorgien

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„Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion abgesehen von Gier und Abscheu.“
Auf den ersten Blick ist Broker Patrick Bateman ein lebendes Klischee: Jung, gutaussehend, arrogant und ehrgeizig. Mit seinen Arbeitskollegen trifft er sich in teuren Clubs, kokst und führt sterbenslangweilige Gespräche über Mode, Frauen und die ewige Arbeit. Dazugehören ist alles, alle sind reich, haben tolle Jobs, sind perfekt gekleidet. Individualität gibt es in Batemans Kreisen nicht, ständig wird er verwechselt, erscheint austauschbar. Doch teils unbemerkt, teils ignoriert lebt er eine perverse Lust auf Sex und Gewalt aus, ermordet beinahe wahllos Obdachlose, Prostituierte und Disko-Bekanntschaften.
Verstörend ist der Aufbau von American Psycho: Obwohl nicht völlig klar ist, ob die von Ich-Erzähler Bateman verübten Taten wirklich passiert oder nur die Phantasien eines Wahnsinnigen sind, beschreibt er seine Welt äußerst detailreich. Er teilt z.B. auf ca. 2 1/2 Seiten mit, wie seine Stereo-Anlage aussieht. Diesen eher langatmigen Passagen stehen die Mordszenen gegenüber, die – anders als im Film – mit einer derart gnadenlosen Präzision beschrieben werden, dass einem beim Lesen tatsächlich übel werden kann. Wer sich diesen Klassiker der amerikanischen Popliteratur ausleihen will, sollte also starke Nerven haben, nicht umsonst war der Roman von `96 bis `01 in Deutschland indiziert.
Bret Easton Ellis: American Psycho
Signatur: 354893
von Stefan Hirsch

Back for Good

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In den Semesterferien hatte sich bei uns nicht viel verändert. Auch unser Vermieter, Tequila-Toni, den seine Freundin rausgeworfen hatte, weil er sie mit ihrer Schwester, ihrer besten Freundin und ihrem Friseur betrogen hatte, wohnte noch immer bei uns und litt unter Liebeskummer.

Blöderweise versuchte er jeden Abend, seinen Schmerz in Tequila zu ertränken, und nölte irgendwem von uns besoffen die Ohren voll. Es war wirklich anstrengend. Doch hätten wir ihm sagen sollen, dass er nervt? Immerhin wohnten wir recht günstig.

Wir hielten Krisenrat. Wir mussten ihn loswerden. Nur wie? Wir trauten uns nicht, ihn einfach rauszuwerfen, und irgendwie tat er uns auch leid. Ausgerechnet Bob sollte Recht behalten, denn…

…plötzlich klingelte es. Tequila-Tonis Freundin stand vor der Tür, und wollte – wahrscheinlich beflügelt durch das Frühlingserwachen – ihrer Beziehung eine zweite Chance geben. Nach einem klärenden Gespräch versöhnten sich beide und gingen gemeinsam nach Hause. Wie schön.
Wird Tequila-Toni seiner Freundin treu bleiben? Und was geschieht mit unserer WG, wenn nicht? Wird Enrico sich in einem 24-Stunden-Fitness-Center einrichten, Bob ein Auslandssemester in Kolumbien auf einer Kaffeeplantage machen und Charlene Studium und Wohnung aufgeben, um endlich die lang ersehnte Modell-Karriere in Angriff zu nehmen? Und wird Nadine in die WG kommen und selbst unseren Normalo nicht mehr antreffen? Ihr werdet es erfahren. Versprochen. In der nächsten Ausgabe im Juli 2008.
von Stefan Hirsch

PDF-Version der 7. Ausgabe

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Märchenhafter Mieterschutz

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Eines Tages stand unser Vermieter vor der Tür, und fragte, ob er für ein paar Tage bei uns wohnen könne. Seine Freundin hatte ihn rausgeworfen, weil er sie mit ihrer Schwester, ihrer Mutter und ihrem Friseur betrogen hatte.

Eigentlich war uns nicht ganz wohl bei der Sache, aber wir trauten uns nicht, ‚nein‘ zu sagen, immerhin gehörte ihm unsere Wohnung. Besonders Charlene war genervt von seiner ebenso plumpen wie schmierigen Art.

Wir hielten eine Krisensitzung, kamen aber zu keinem Ergebnis. Was sollten wir tun? Einfach abwarten, bis er von selber ging? Ihn rausschmeißen? Selber ausziehen? Seine Freundin bitten, ihm zu verzeihen?

Plötzlich flog eine Fee herein. Sie schoss mit ihrem Zauberstab auf Tequila-Tony, der hinter der Tür gelauscht hatte. In einem gleißenden Lichtblitz schmolzen er und all unsere Probleme zu einem Gedankenpups zusammen. Phantasien können so schön sein…
Können auch Gedankenpupse noch nerven? Befindet sich die WG in der nächsten Ausgabe wieder in trauter Viersamkeit? Zieht Tequila-Tony erneut bei seiner Freundin ein oder hat er ein sportliches Verhältnis mit Enrico? Könnte es sein, dass das immer noch leerstehende Zimmer doch noch vermietet wird? Vielleicht das alles, aber bestimmt vieles mehr erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe. Seid gespannt!
von Stefan Hirsch

Wildeshausen – Die Alternative zu Schöner wohnen

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Fotos: Björn Franke
Wildeshausen. Das klingt wild, prosaisch, und wie der Gegenentwurf zu Schöner Wohnen. Stehen hier die Regale, die Jaqueline in ihren Bann zogen? Entdeckte hier der Techno-Wikinger seine Liebe zur elektronischen Musik? Wohl kaum. Doch was erwartet einen in dem Ort, dessen trashiger rosa Bahnhof wahrscheinlich jedem auf dem Weg nach Bremen schon mal aufgefallen ist?



Fotos: Björn Franke
Die Vorbereitung der Fahrt verlief enttäuschend. Der Luftkurort Wildeshausen ist die älteste Stadt im Oldenburger Land, und mit rund 18000 Einwohnern nur unwesentlich kleiner als Vechta. Eigentlich sollte es also genug geben, worüber es sich lohnt zu berichten. Doch das Druckereimuseum wird in den Wintermonaten nur sporadisch geöffnet, das Brennereimuseum ebenso. Die Großsteingräber, eine aus der Jungsteinzeit erhaltene Grabanlage, liegen deutlich außerhalb, kommen also vor allem dann als Ziel in Frage, wenn man mit dem Auto nach Wildeshausen fährt, und wollen nicht so recht in unsere Unterwegs-Rubrik, in der wir mit der Nord-West-Bahn reisen, passen. Bleiben also noch die Innenstadt und die Alexanderkirche. Na toll! Wobei die Innenstadt gefällt. Klar, als Jagdrevier für jemanden, der den Vorsatz gefasst hat, mit Hardcore-Shopping seinen Dispo auf Anschlag zu bringen, eignet sie sich weniger. Aber mit ihren alten Häusern, die aus diesen für Norddeutschland so typischen roten Backsteinen gebaut sind, und den vielen kleinen Geschäften verströmt sie ein nettes Kleinstadt-Flair, das Vechta mit seiner etwas sterilen Großen Straße fehlt. Und auch wenn es um diese Jahreszeit so interessant ist wie gelber Schnee: Der Weihnachtsmarkt ist wirklich schön. Mit Kinderkarussell und den üblichen Bratwurst-, Mandel- und Glühweinbuden erstreckt er sich reizvoll arrangiert über den von zum Teil historischen Gebäuden umrahmten Marktplatz. Lediglich vom Kauf eines Überraschungspaketes sollte man absehen: Unseres enthielt ein neonfarbiges Haargummi und ein äußerst hässliches Portemonnaie. Wer glaubt, dass es jemanden gibt, der sich über so etwas freut, würde auch einem Veganer ein T-Bonesteak braten. Die Alexanderkirche existiert bereits seit dem 9. Jahrhundert, und ist die älteste Kirche im Oldenburger Land. Der eindrucksvolle rote Backsteinbau zählt zu den größten Sehenswürdigkeiten Wildeshausens, seine ehemals zwei Türme – heute ist es nur noch einer – finden sich in dem Wappen der Stadt wieder. Gegessen haben wir in der Brasserie am Marktplatz. Der Salat war gut, die Nackensteaks fettig und gut, die Preise fair. Als Luftkurort hat Wildeshausen natürlich auch einen Kurpark. Im Sommer ist es in dem an der Hunte gelegenen Park sicher schön, bei winterlicher Kälte und mit kahlen Bäumen hingegen mäßig spannend. Vor der Kurmuschel stehen keine Haltung annehmenden Rentner, sie scheint als Treffpunkt von Jugendlichen zu dienen und lässt einen dankbar dafür sein, dass man in einer Großstadt aufgewachsen ist. Wer sich noch an Sarah Connor erinnern kann, hat gute Chancen, ihr in Wildeshausen persönlich zu begegnen. Die 27-jährige Sängerin, die 2005 bei der Eröffnung der Allianz Arena mit „Brüh im Lichte dieses Glückes“ unfreiwillig eine höchst individuelle Version der deutschen Nationalhymne sang, dürfte wohl die prominenteste Einwohnerin der Stadt sein.
Mit der Fun Factory gibt es in Wildeshausen sogar eine Großraumdisco. Die Fun – ja, man sagt tatsächlich DIE – öffnet Freitags, Samstags und manchmal auch in der Woche, Informationen zum Programm finden sich auf ihrer Homepage (www.funfact.de). Hier könnt ihr auf drei verschiedenen Areas die ganze Nacht durchtanzen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Während es in der Soul Suite „strictly Black Music“ heißt, sorgen die Resident DJs in der Mainhall der Fun Factory z.B. mit Charts, Black, Pop und Dance für Stimmung. Für „Snacks & more“ ist im Disco eigenen Restaurant auch gesorgt. Wer also die Nacht in tanzender Bewegung verbringen will, der ist in einer der größten Discotheken im Nordwesten der Republik mehr als gut aufgehoben. Am Mega Snow Party Weekend (18- 19.01) könnt ihr die FUN gleich testen, die Veranstalter garantieren Neuschnee im ganzen Laden.
von Stefan Hirsch und Melanie Ehlert
Und so erreicht ihr Wildeshausen:
Hin: Vechta – Wildeshausen
Mo.-Fr. 5:29 – 20.29 st.
Sa. 7:29 – 12:29 + 13:29 – 19:29 st.
So. 9:29, 11:29, 13:29, 15:29 + 17:29-20:29 st.
Zurück: Wildeshausen – Vechta
Mo.-Fr. 7:00- 23:00 st.
Sa. 9:00- 19:00 st. + 21:00, 23:00
So. 11:00- 17:00 zweist. + 18:00- 23:00 st.

Bilderalbum
uniVista No. 07: Wildeshausen

Unser Semesterticket – ein Streitgespräch

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Pro
Die Wintersportgebiete im Harz, die Badeorte an der Nordsee, dazwischen Städte wie Hannover, Hamburg und Wildeshausen: Niedersachsen ist nicht wirklich scheiße. Wer sich davon erst noch überzeugen muss, kann es dank des Semestertickets der Deutschen Bahn völlig kostenlos. Vorausgesetzt natürlich, er studiert nicht in Vechta. Im Gegensatz zu anderen niedersächsischen Universitäten gilt unser Semesterticket nur im deutlich kleineren Streckennetz der Nord-West-Bahn.
Angeblich haben wir das selber so gewollt: Vor Jahren hat es Umfragen gegeben, denen zufolge die Vechtaer Studenten kein Interesse an einem niedersachsenweit gültigen Semesterticket, dass Mehrkosten von ca. 57,- € pro Halbjahr bedeuten würde, haben. Doch ist dieses Nein noch aktuell? Viele von uns sind Pendler und Wochenendheimfahrer, eine Bahncard 50 kostet mittlerweile selbst mit Ermäßigung 110,- €, ein Liter Normalbenzin fast 1,40 €, das Semesterticket würde sich für die meisten innerhalb kurzer Zeit bezahlt machen.
Auch andere Gründe wurden angeführt:
Das Semesterticket
ziemlich überschaubar
Die Bahn habe kein ernsthaftes Interesse, den Vechtaer Studenten ein Semesterticket zur Verfügung zu stellen, denn die Hochschule Vechta sei zu klein, der Bahnhof zu weit weg. Außerdem müsse die Uni eine heftige Vertragsstrafe zahlen, falls die Rechnung der Bahn zu spät bezahlt werden würde. Unüberwindliche Hürden? Unlösbare Probleme? Zumindest Vertragsstrafen lassen sich vermeiden, indem der Vertag einfach erfüllt wird. Für unsere Studentenvertreter ist das Thema Semesterticket mittlerweile durch. Zu Recht? Was spräche dagegen, erneut herauszufinden, ob sich die Mehrheit von uns ein solches Ticket wünscht, und – wenn das der Fall sein sollte – dafür zu sorgen, dass wir es bekommen?
von Stefan Hirsch
Contra
Unsere Pendler nutzen größtenteils das Auto und haben keine Lust auf die Bahn. Dazu kommt, dass alle Nichtpendler natürlich auch nicht einsehen, nicht 57,00 Euro, mehr bezahlen sollen für nichts.
Diese Diskussion führen wir in schöner Regelmäßigkeit, jedenfalls solange ich an dieser Uni bin, und das sind schon 3,5 Jahre. Der Asta hat sich diesbezüglich auch schon mit der Deutschen Bahn auseinandergesetzt. Die ist grundsätzlich nicht wirklich interessiert, weil Vechta nun mal keinen DB Bahnhof hat und erst ab Bremen bzw. Osnabrück dieselbe genutzt werden könnte.
Dazu kommt noch, dass wir mit 3500 Studierenden verhältnismäßig klein sind und es deshalb für die Bahn nicht gerade attraktiv ist, mit uns Geschäfte zu machen.
Auch nicht unerheblich sind natürlich die Bedingungen eines solchen Vertrages. Hier müssen wir uns nur an die Unstimmigkeiten mit der NWB erinnern. Das fängt bei laminierten oder vorläufigen Studentenausweisen an und lässt sich fortführen. Da die DB nun aber um einiges größer ist, sieht deren Vertrag auch Vertragsstrafen vor. Diese haben eine ganz erhebliche Höhe und würden fällig werden, wenn zum Beispiel die Überweisung nicht rechtzeitig kommt. Nun kennen wir die Uni und ihre Studenten. Da werden Studiengebühren und Semesterbeiträge zu spät gezahlt, im schlimmsten Fall erst nach Mahnung. Dann muss das Geld noch verteilt werden (Asta, Studentenwerk, NWB, Studiengebühren, Verwaltung). Das dauert. Der Asta erhält seine Gelder oft erst sehr spät. Deshalb wird angenommen, dass ein Risiko besteht, den Vertrag vielleicht nicht 100 % erfüllen zu können.
Hannover Hbf – per Semesterticket unerreichbar
Foto: Björn Franke
Die Gelder, die dann fällig würden, hätten ganz erhebliche Auswirkungen auf uns alle. Nun kann man sagen, dass das alles eine Frage der Organisation ist und zu lösen wäre. Meiner Meinung nach ist das eher ein strukturelles Problem und eben nicht so ohne weiteres aus der Welt zu schaffen.
Vollversammlungen wegen des Semestertickets gab es in den letzten Semestern des Öfteren. Denn der Asta muss sich jedes Mal die Legitimation der Studentenschaft holen, um den Vertrag zu verlängern. Diese sind nicht nur sehr schlecht besucht, dort wird auch oft über einen Euro mehr gemosert. So wurde zwar seither nicht mehr über ein Niedersachsenticket abgestimmt, aber es scheint eben auch kein Interesse daran zu geben.
von Stefanie Bruns

Hor(r)o(r)skop 2008

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Während die im Internet als kostenlos versprochenen Jahreshoroskope doch immer 9,99 oder 19,99 Euro kosten, ist unsere grausige Vorschau, das Horrorskop 2008, nicht nur kostenlos, sondern regelrecht umsonst.
Wassermann
Wenn du im Jahr 2007 kleine Brötchen gebacken hast, solltest du das in diesem Jahr auf jeden Fall beibehalten, ist einfach besser für die Figur. Im Studium wirst du beweisen, was in dir steckt, wenn du dir donnerstagmorgens die B1- Party noch mal durch den Kopf gehen lässt. Im Seminar. In der überfüllten Aula. Vielleicht möchtest du auch neue Wege einschlagen. So einen Ruf wird man ja auch schlecht wieder los.
Fische
Es drängt dich nach größeren Veränderungen, Mittelmaß kannst du kaum ertragen. Sei aber gewarnt, Mittelmaß ist immer noch besser als das, was du so machst. Deine Erwartungen an andere sind übertrieben hoch: auch du musst dich mal zum Putzdienst in der WG herablassen. Wenn du mehr erreichen willst im Liebesleben, solltest du einfach mal das Haus verlassen. Menschen kennen lernen ist ein wichtiger Schritt im Sozialleben.
Stier
Gegen Veränderungswünsche im beruflichen Bereich ist nichts einzuwenden, es kann einfach nicht jeder Pädagoge werden. Aber Schuster, bleib bei deinen Leisten: dann halt Lehrer. In der Schule warst du doch gut in Deutsch. Und gebastelt hast du auch immer gern. Aber leider läuft nicht alles so gut. 2008 wird nicht das Jahr der Liebe für dich, schade.
Zwillinge
Zieh doch mal Bilanz und schau, was du bis jetzt in deinem Leben erreicht hast. War ja nicht so viel. Wahrscheinlich bist du damit noch nicht so zufrieden, verständlich. Dann kremple dieses Jahr die Ärmel hoch und pack es an: neuer Name, neues Geschlecht, neue Identität. Wenn du nicht ganz so drastisch vorgehen willst, kannst du dich ja mal engagieren. Zum Beispiel im Hochschulmagazin. Quatsch in Horrorskopen kann jeder verfassen.
Krebs
Man kann ja nicht immer aus dem Vollen schöpfen. Das Jahr 2008 wird finanziell hart für dich. Das BAföG-Amt findet dein verstecktes Konto mit dem Geerbten von Oma. Das heißt Zurück- und Strafe zahlen für dich. Wenn du den Beamten auf Knien anflehst, sieht er vielleicht von einer Anzeige ab. Macht sich nicht so gut im Vorstrafenregister neben dem Eintrag wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz. Oh, das wusstest du noch gar nicht?
Jungfrau
In diesem Jahr neigst du dazu, mehr zu erwarten, als realistisch ist. Zum Beispiel ein Ausreichend in der wichtigen Klausur. Nicht immer bringt Lernen einem zum Ziel, manchmal kommt Bestechung besser. Bleib also auf dem Teppich, sauge den öfters mal ab und werfe einen Blick in deine Geldbörse. Herrscht dort Flut, steht den guten Noten und der körperlichen Liebe nichts mehr im Wege.
Widder
Herzlich willkommen am Arsch! Das neue Jahr verwandelt dein Leben in ein Jammertal aus Schmerz aus und Tränen. Was das konkret bedeutet? Wenn du das wüstest wärst du froh, wenn es dir nicht verraten worden wäre..
Löwe
Die Sterne stehen günstig für dich, eine neue Liebe zu finden. Es wird jemand sein, der dir noch nie über den Weg gelaufen ist, und den du doch irgendwo schon mal gesehen hast. Halte also die Augen auf, wenn du in der Speckfilmabteilung deiner Videothek bist…
Steinbock
Das letzte Jahr war der Hammer? Einfach genial, die geilste Zeit deines Lebens? Tja, dann kann es ja jetzt nur noch bergab gehen. Das gute daran: Man gewöhnt sich an (fast) alles, naja, sagt man zumindest. Aber egal, schon bald wirst du es selbst wissen.
Waage
Mars wirbelt gewaltig Staub auf. Vielleicht gewinnst du einen 7stelligen Geldbetrag. Vielleicht wirst du auch zu unrecht eines Mordes verdächtigt und zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, wer weiß? Tipp: Nicht die Seife aufheben.
Skorpion
Auf zu unbekannten Horizonten! Das Jahr 2008 verhilft dir zu völlig neuen Einsichten und Erfahrungen: Es könnte z.B. sein, dass du herausfindest, dass Zähne beim Küssen nur stören. Oder dass das Dosenpfand eigentlich eine super Sache ist. Astrotipp: Wenn du dieses Jahr gesund bleiben willst, werd besser nicht krank.
Schütze
2007 war eher geht so? 2006 und 2005 auch nicht besonders? Wie wird dann wohl 2008? Unsere Empfehlung: Es muss nicht immer Champagner sein, wenn du weniger erwartest wirst du seltener enttäuscht. Also: Fahrrad statt Ferrari, Youporn statt Hollywood.
von Stefan Hirsch und Julia Stock.

PDF-Version der 6. Ausgabe

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Blut, Horror und ein berühmter Vater

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Damals, als im Winter noch richtig Schnee lag, unter jedem Bett ein Nachttopf stand, vierzig noch nicht das neue Dreißig und sowieso alles besser war, war es völlig normal, wenn jemand den selben Job hatte wie sein Vater. Heute gilt das als einfältig und einfallslos, mitunter sogar als fiese Vorteilsnahme. Wahrscheinlich hat Joe Hill, der eigentlich Joseph Hillstrom King heißt, deswegen niemandem erzählt, dass bereits sein Vater Horror-Romane schreibt.
Ja, richtig, Joe Hill ist der Sohn von Mister Horror-Roman persönlich, sein Vater ist Stephen King. Der 35-jährige hat diesen Umstand verschwiegen, er wollte „nicht auf dem Ticket des Vaters“ reisen, wollte verhindern, dass sich Verleger nur wegen seines Nachnamens für ihn interessieren. Nach dem Erscheinen seines Debüt-Romans Blind – der im Original nach dem Nirvana-Song Heart-Shaped Box benannt wurde, den MTV spielte, als sich Kurt Cobain 1994 in den Kopf schoss – deckte die Zeitschrift Varietes auf, wessen Sohn Hill ist. Keine detektivische Meisterleistung, mit seinem buschigen Bart und dem befremdeten Blick sieht Hill fast genauso aus, wie sein Vater in seinem Alter.
Bildnachweis: wikimedia commons
Nein, das ist nicht Stephen
King. Es ist Joe Hill.
Urheber: jlassen / Wikimedia Commons (Lizenz: GNU-Lizenz)
Der Roman handelt von dem in die Jahre gekommenen Rockstar Judas Croyne, der mit seiner Freundin Georgia und seinen nach AC/DC-Migliedern benannten Hunden Angus und Bon gelangweilt in den Tag hinein lebt und seine Millionen verprasst. Als der Sammler makaberer Artefakte – er nennt unter anderem ein Kochbuch für Kannibalen, ein Snuff-Video und einen gebrauchten Henkers-Strick sein eigen – von einer Online-Auktion erfährt, in der ein Anzug angeboten wird, an den der Geist eines kürzlich Verstorbenen gebunden sein soll, greift er kurzerhand zu, und ersteigert ihn zum Sofort-Kaufen-Preis von 1000,-$. Anders als von Croyne angenommen ist die Auktion jedoch nicht bloß ein Scherz, der Geist ist echt und will Rache für seine Stieftochter, die wegen Croyne Selbstmord begangen hat. Ein blutiger Horrortrip beginnt, bei dem der alte Rocker sich seiner Vergangenheit stellen muss.
Blind ist ein solider, gut gemachter Horror-Roman. Er kommt schnell in Fahrt, ist temporeich und spannend, reißt den Leser mit. Stellenweise wirkt er aber splatterhaft und trieft vor Blut.
Den Texten von Stephen King ist er stilistisch nicht unähnlich, Joe Hill erzählt genauso gnadenlos, allerdings knapper, verzichtet auf das Beschreiben jedes noch so winzigen Details, das für seinen Vater so typisch ist, von manchen Nein, das ist nicht Stephen King. Es ist Joe Hill. Lesern aber als lästig empfunden wird. Und selbstverständlich spielt die Geschichte nicht in dem nordöstlichen US-Bundesstaat Maine, wo nahezu alle Stephen-King-Romane angesiedelt sind.Sein, von dem 1915 hingerichteten Gewerkschaftsaktivisten und Liedermacher Joel Emmanuel Hägglund ausgeliehenes, Pseudonym hat sich Hill bereits vor über zehn Jahren zugelegt. Vor seinem Erfolg mit Blind hat er bereits vier Romane geschrieben, die aber niemand verlegen wollte. Hill sagt selber, dass er damals erst lernen musste, wie man eine Geschichte so aufbaut, dass sie von Beginn an interessant ist. Lediglich die Kurzgeschichten- Anthologie 20th Century Ghosts wurde 2005 veröffentlicht, und mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet, sie ist 2007 mit dem Titel Black Box in Deutschland erschienen. Blind ist sehr erfolgreich, dass Buch ist in 20 Ländern erhältlich, die Firma Warner Bros. hat sich bereits die Filmrechte an dem Stoff gesichert.
Auch Hills jüngerer Bruder Owen ist Schriftsteller. Er schreibt aber keine Horror- Romane, sondern wendet sich mit politischen Texten aktuellen Problemen zu.
Das Verhältnis zu seinem Vater bezeichnet Hill als großartig, auch die Widmung des Romans lautet „für meinen Vater, er ist einer von den Guten“. Die in Interviews immer wieder auftauchenden Fragen nach seiner prominenten Familie, seiner Kindheit mit dem Horror-Genie, Ex-Alkoholiker und Ex-Kokser Stephen King und dem Umgang mit dem Erfolgsdruck, dem er als Sohn eines Autors, der in seinem Genre alles erreicht hat, ausgesetzt ist, beantwortet der meist als schüchtern aber sympathisch beschriebene Horror- Schriftsteller geduldig.
Im Internet wird Hill als Bereicherung, ja sogar als die Zukunft des Horror-Genres bejubelt und hat, obwohl bis vor kurzem noch relativ unbekannt, einen festen Kreis von Fans. Er selber sieht in seinem Roman kein Meisterwerk, aber einen, wie er sagt, guten Trip.
Eine faire Selbsteinschätzung eines interessanten Nachwuchsautors, von dem man gerne noch mehr lesen möchte.
Offizielle Homepage: www.joehillfiction.com
von Stefan Hirsch

Am Morgen danach

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Als ich am Morgen nach unserer Party aufwachte, hatte ich Gewürz-Ketchup in den Augen, und auf meinem Bauch hatte jemand Tictactoe gespielt. Mit Edding. Wie es dazu gekommen ist, wusste ich leider nicht mehr, aber eigentlich wollte ich das auch gar nicht.

Auch meinen Mitbewohnern machten die Nachwirkungen der Feier zu schaffen. Charlene wachte am nächsten Morgen mit jemand Unbekanntem in ihrem Bett auf…

…und Enrico und Bob komplettierten ihre Erinnerungen an die vergangene verrauchte und alkoholisierten Nacht in einem entspannten Wohnzimmergespräch. Vor allem Bob hätte sich jedoch wohler gefühlt, wenn man eben jene kaltherzig den Furien des Vergessens zum Fraß vorgeworfen hätte.

überhaupt hatte es Bob am meisten übertrieben. Mit einem Joint in der einen, und einem Glas Wein in der anderen Hand, hatte er jedem stundenlang von einer absurden Theorie erzählt, der zu Folge wir Spielfiguren seien, deren Erlebnisse als Bildergeschichten in einem Unimagazin erscheinen.
Auf welche absurden Theorien stößt die WG beim nächsten Mal? Werden sie dahinter kommen, wer sie wirklich sind? Wer liegt am Neujahrsmorgen in Charlenes Bett? Und was geschah auf der legendärsten Silvesterparty zuvor? Das und vieles mehr erfahrt ihr vielleicht schon in der nächsten Ausgabe im Januar 2008.
von Stefan Hirsch

PDF-Version der Sonderausgabe No 2

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PDF-Version der 5. Ausgabe

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Von Saufexzessen und Selbstzerstörung, Madenbrei und Mao-Tse-Tung

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Schon das Geschehen ist seltsam: Zwei junge Homosexuelle aus Deutschland reisen zur Zeit politischer Umbrüche durch den Iran. Der eine, ein körperliches Wrack, gibt sich auf einer heftigen Party den Rest, der andere gelangt mit Hilfe eines mysteriösen Fremden außer Landes, und begibt sich auf einen religiösen Selbsterfahrungstrip nach Tibet. Dort wird er von chinesischen Soldaten gefangen genommen, für einen Spion gehalten, und in einem Umerziehungslager inhaftiert.
Verwirrend, ja verstörend, ist, wie der namenlose Ich-Erzähler seine Umwelt wahrnimmt. Er verhält sich völlig passiv, akzeptiert alles, was ihm widerfährt, schildert präzise entwürdigende Arbeits- und Haftbedingungen , ohne dabei Selbstmitleid oder Hass zu verspüren, freut sich sogar, dass es ihm aufgrund der menschenverachtenden Kombination aus Unterernährung und Schwerstarbeit gelungen ist, seriously abzunehmen.
Ein durch und durch bizarres Stück Literatur, das, obwohl leicht zu verstehen und gut zu lesen, den Leser lange beschäftigt und viele Fragen aufwirft.
Christian Kracht: 1979
Signatur: 353885
von Stefan Hirsch

48 Stunden – nichts als wach
Wenn‘s nach 45 doch nicht besser wird

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uniVista vs. Schlafparalyse
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© Engelbogen / PIXELIO
Der Schlaf, ein zentrales und lebenswichtiges Grundbedürfnis…Der Entzug desselben wirkt sich nicht nur auf unseren Körper aus. Diverse Studien belegen, dass Menschen misstrauisch, reizbar, übellaunig und schreckhaft werden, wenn sie nicht ihr benötigtes Schlafpensum bekommen. Ebenso werden Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst. Wenn der Schlaf über einen längeren Zeitraum, ob freiwillig oder gezwungenermaßen auf ein absolutes Minimum reduziert, oder gar völlig verhindert wird, stellen sich vermehrt Depressionen, Halluzinationen und Sinnestäuschungen ein. Das klang so spannend, das mussten wir unbedingt ausprobieren! Vier unerschrockene Redaktionsmitglieder begannen somit unsere neue Reihe: uniVista x-treme. Wir haben uns gefragt, was passiert denn tatsächlich, wenn man seinem Körper den Schlaf entzieht? Ist es schwer, lange wach zu bleiben? Ist man überhaupt noch in irgendeiner Art und Weise leistungsfähig? Und da 24 Stunden wach sein nun mal gar keine Herausforderung sind, haben wir uns überlegt, 48 Stunden wach zu bleiben. Ein Termin war gefunden, stellte sich nur die Frage, wie x-treme man dieses Wochenende gestalten sollte. „Noch extremer“ war die Devise und so wählten wir als Ort des Geschehens einen geheimen und sterilen Raum. Der PC sollte die einzige mediale Ablenkung sein, mit max. 4 Stunden Internetzeit für jeden. 48 Stunden wach sein…am selben Ort…mit denselben Leuten, das war die Ausgangssituation. So starteten wir am Samstag den 26.05.2007 um 9 Uhr morgens das Experiment, voraussichtliches Ende Montag der 28.05.2007 ebenfalls 9 Uhr morgens.
von Melanie Ehlert, René Kohn, Stefan Hirsch und Stefanie Bruns
Das Protokoll
6:02 Uhr / 21 Std. wach:
Ein Durchhänger erfasst die Gruppe seit nunmehr einer gewissen Weile. Erste Unmutsäußerungen werden laut. Unmutsblicke können auch schon gesehen werden, weil erste technische Verluste in Kauf genommen werden müssen. Bisher alle Versuche erfolglos, die Technik wiederzubeleben.
Erster Kleiderwechsel am Morgen. Stefan nun mit hoch stehendem Kragen, schwarz, langärmlig.
Rene Kohn
09:26 Uhr / 24 Std. und 26 Min. wach:
Die ersten Schwächeanfälle wurden dank der Cam dokumentiert. Ich fühle mich komischerweise, bis auf dieses Sausen in meinem Kopf, recht fit. Erste Auffälligkeiten: Ich habe Schwierigkeiten mich auf eine Sache zu konzentrieren, denke an viele Dinge gleichzeitig, und versuche sie gleichzeitig zu begreifen, was mir bis jetzt noch nicht einmal gelang. Das kreative Potential hingegen ist gigantisch.
Melanie Ehlert
Zwischen 11:00 Uhr und 11:30 Uhr / 25-26 Std. wach:
Konsequenz der geballten Kreativität: Habe ein Dutzend Bilder mit Farbstiften gemalt. Die erste Geschichte steht und wird von Stefan vorgelesen. Melanie ist der Lyrik verfallen. Sehr schön! Stress mit den Sich-nicht-an-die- Regeln-Halter. Diskussion über Sinn und Zweck einer Aktion wie dieser. Was man gemacht hat, zählt nicht. Was man macht, zählt. Heißt: nicht schlafen!
Gesundheitlicher Zustand: Leichte Kopfschmerzen, mittlerweile gehabt, schon wieder vorbei. Vibrationen im Mundbereich. Was bedeutet das? (öh, klingt auf jeden Fall echt schräg… :-P)
Rene Kohn
12.00 Uhr / 27 Std. wach:
In meinem Kopf macht sich eine angenehme, warme Schwere breit. Das Sausen hat sich zu einer sanften Brise gelegt und streift meinen kreativen Geist. Habe heute schon wieder hochtrabende Lyrik geschaffen…Bis jetzt noch keinen Kampf gegen den gemeinen, feigen Sekundenschlaf gefochten. Mal gucken, ob der Wicht sich heute noch blicken lässt. Nein. Wir werden heute noch viel schaffen…, bestimmt, ganz bestimmt.
P.S: Nacken- und Schulterpartie ist eine komplette Verspannung… warum? Weiß der Geier…
Melanie Ehlert
14:05 Uhr / 29 Std. wach:
Während Melanie versucht, sich über einschlägige Chatprogramme fit zu halten um nicht einzuschlafen, schreib ich mal wieder einige Eindrücke. Mittlerweile geht’s wieder richtig gut. Weder ein Kribbeln im Gesicht noch Kopfschmerzen oder Sonstiges. Habe zwischendurch Badminton gespielt. Im Büro!
Stefan ist derweil auch in eine oder mehrere Schlafphasen gefallen. Sprich: Der Zweikampf ist eröffnet. Melanie braucht ein Battle, sonst hält sie es nicht durch.
Rene Kohn
15:31 Uhr / 30,5 Std. wach:
Zwischenzeitlich stechende Schmerzen am Hinterkopf. Nach Austausch mit der noch wachen Melanie haben wir beide festgestellt, dass das wohl nichts Sonderbares ist, weil wir es beide haben. Allgemeiner Austausch über Nebenwirkungen von Schlafentzug. Man ist doch nicht nur müde.
Immer wieder keimt die Frage in einem auf, was mache ich hier nur? Und die Tatsache, dass es weder hier drinnen und noch weniger draußen jemanden geben könnte, der einem das beantwortet, macht das Ganze nicht besser. Rühren daher die Kopfschmerzen? Denken sich diese kleinen, kaum zu definierenden und letztlich unverstandenen Reize etwa: Scheiß auf Synapsen! Wir schleudern uns direkt gegen die Hirnrinde! Nur hindurch.
Noch bin ich stolz auf mein Nervenkostüm!
Rene Kohn
15.41 Uhr / 30 Std. 42 Min. wach:
Sein Nervenkostüm in allen Ehren, aber ich glaube er besitzt keins mehr. Kopf fühlt sich nach wie vor dumpf an, kann mich aber noch gut artikulieren und den Gesprächen unserer Besucher und Mitstreiter folgen. Nacken verhärtet sich zusehends, kommt wahrscheinlich vom x-treme PC- und Stuhl- Hocking. Wollte noch soviel machen, aber verspüre eine zunehmende Gleichgültigkeit gegen alles was nicht koffeinhaltig ist, oder der direkten Erheiterung meiner Person dient.
Schlafentzug macht auch zu großen Teilen egoistisch, habe ich festgestellt…noch siegt meine soziale Ader, aber wer weiß wie lange….
Melanie Ehlert
Ab 17 Uhr / Über 32 Stunden wachh:
Waren draußen. Essen beim Chinesen. Befürchtete Müdigkeit machte sich umso mehr breit, umso mehr ich aß. Starrer Blick auf Straßenszenerie, während alle anderen gepflegte Konversation betrieben. Rauchen. Schule. Zahnarzt-Grusel-Geschichten. Lehnte mich zurück, zahlte brav die Rechnung und kaufte noch ein Eis. Kühles hilft ungemein gegen Müdigkeit. Da bleibe ich dran, habe ich beschlossen. Vielleicht fahre ich also noch das eine oder andere Mal diese Nacht zur Tanke.
BJO IST DA. 19.33 UHR: Freude. Einmal ein anderes Gesicht.
Rene Kohn
19.37 Uhr / 34 Stunden und 37 Minuten wach:
Auch ich freue mich, Bjo zu sehen, ein bekanntes Gesicht, jemand der zumindest ungefähr nachvollziehen kann, warum und wieso wir das tun, was wir tun.
3:20 Uhr /4 2 Stunden und 20 Minuten wach:
Melanie Ehlert
So langsam werden die Augen wieder ein wenig schwer. Melanies angekündigte Schwächelphase steht an und ich lasse mich scheinbar beeindrucken. Die letzten Stunden waren aber auch intensiv. Ablenkung und Aktion durch Spieleabend. Lustiges Begrifferaten, sprich wir haben Tabu gespielt, was der Redaktion mehr liegt als Activity. Meine Augen werden nicht zufallen. Und ich spüre die Müdigkeit im Nacken, was daran liegt, dass Melanie dort irgendwo sitzt.
Ansonsten muss ich sagen, bin ich positiv überrascht von meiner…naja, ich hab schon ein wenig damit gerechnet, eigenen Stärke. Allerdings stören mich die einen oder anderen roten Augen anderer. Und ich merke, dass ich eine gewisse Sensibilität entwickle gegenüber dummen Kommentaren. Aber sonst: alles locker. Bis später.
Rene Kohn
3:32 Uhr / 42 Stunden und 32 Minuten wach:
Nach einer, schon etwas aus der Bahn werfenden nachmittäglichen Schwindelanfallerfahrung, muss ich sagen dass es mir richtiggehend gut ging, bis ca. 3 Uhr, momentan zwischenzeitliche Gähnattacken und ein dumpfes Gefühl auf den Augenlidern, bis hoch zum Haaransatz. Konzentration ist angemessen, Gesprächen kann man noch gut, bis sehr gut folgen. Ebenso kreative Aufgaben lösen, oder neue Lösungsansätze finden.
Bemerke leicht aggressive und genervte Tendenzen in der gesamten Gruppe. Mich eingeschlossen. Halte mich selbst aber geschlossen, um nicht etwas zu sagen, dass ich eventuell bereuen könnte.
Melanie Ehlert
05.42 Uhr / 44 Stunden und 42 Minuten wach:
Boar, es ist hart, René sagte zwar immer, nach 45 wird alles besser, aber wahrscheinlich war das nur ein fieses Gerücht, damit ich enttäuscht zusammenbreche, wenn dem nicht so ist. Warte jedenfalls seit mittlerweile 44 Minuten auf diesen Jungbrunneneffekt. Er tritt nicht ein…kann er auch nicht, denn ich habe gerade erfahren, dass mein Mathe mittlerweile zu wünschen übrig lässt und ich mich noch in der 44 Stunde befinde. Nacken und Schultern tun mir nach wie vor weh…meine Augenlider neigen immer wieder dazu, sich bleischwer und meine Augen gequollen anzufühlen. Ansonsten ist alles paletti und ich sitze hier, um kurz vor Schluss noch einmal ein bisschen was für die Nachwelt festzuhalten. 48 Stunden klingen eigentlich recht kurz…nach wie vor empfinde ich das auch so… das Wochenende ist irgendwie an mir vorbeigezogen…es war eigentlich nicht langweilig und schwer war es auch nicht. Die 48 Stunden wach zu bleiben, erweist sich jetzt, so knapp vor Schluss, als ein bisschen anstrengend, aber ich glaube, das ist einfach das Wittern der Zielgeraden, was den einen oder die andere ein bisschen kribbelig macht. Kommen wir zu unserer Fragestellung: Tendenziell sollte man in der Prüfungszeit besser keine 48 Stunden am Stück wach bleiben. Für den Körper ist es eine ungewohnte Zeitspanne, die er ohne Schlaf auskommen muss. Etwas auswendig zu lernen erwies sich schwerer als gedacht, etwa der Rollentext, den wir alle lernen wollten…ja…der ist beinahe noch so unberührt wie zuvor ;), fehlt einem ohne Schlaf doch der rechte Elan. Sind eure Aufgaben kreativer Natur und müsst ihr verrückte Einfälle haben, nur zu…ich kann die Nachts-wach-bleiben- Aktion für euch nur empfehlen, denn nachts hat man doch nach wie vor die besten Einfälle ;o)
Melanie Ehlert
07.21 Uhr / 46 Stunden und 21 Minuten wach:
Es geht gerade mal so gar nicht…aber so überhaupt nicht mehr. Da ist man seit über 46 Stunden wach und verschwendet keinen schnöden Gedanken an die Zeit und jetzt schleicht sie nur so dahin. Bin im Moment richtig müde, aber so richtig! Muss zwischendurch immer mal wieder aufstehen und umherlaufen, weil ich sonst merke, wie ich die Augen verdrehe, scheint ein erneuter Müdepunkt zu sein, den es zu überwinden gilt. Kann auch nur schwer Realität und was weiß ich auseinander halten, muss noch was schreiben…und das soll jetzt noch gemacht werden und wenn ich mit dem Kopf auf der Tastatur einschlage. René hält sich tapfer, muss ihn gerade ein bisschen bewundern, gesteh ich jetzt mal so, wobei er auch auffällig viel nebenbei macht…hat fast leichte Stefan’sche Basteltendenzen…Hauptsache was zu tun ;o)
Melanie Ehlert
7:30 Uhr / 46 Stunden und 30 Minuten:
Ich lenke mich derweil seit geraumer Zeit ab mit wichtiger Hausarbeit sowie mit technisch hoch komplizierten Verfahren. Jetzt bin ich fertig. Sitzen strengt an. Schreiben auch.
© Linda Dahrmann / PIXELIO
Und ja doch, selbst die Artikulation kostet schon mehr Aufwand. Ein Corny bewahrte mich vor einem wahrscheinlichen Hungertod. Wobei ich gerade noch dachte, ich hätte keinen Hunger, sondern das wären allmählich die Auswirkungen dieses Experiments: der körperliche Verfall. Tja, nun bin ich wieder fit, bis auf die davor beschriebenen Symptome und das Gefühl, irgendetwas ganz dringend tun zu müssen… Tschö.
Rene Kohn
07.58 Uhr / 46 Stunden und 58 Minuten wach:
Kribbeln/ Taubheitsgefühl rechte Hand…

Mord als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen…
Über den schwedischen Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell

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Der 1948 in Härjedalen geborene Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell ist der erfolgreichste und meistgelesene schwedische Autor der Gegenwart. Allein in Deutschland liegt seine Gesamtauflage bei über 11 Mio. verkauften Büchern, mehr hat bisher nur Harry Potter geschafft. Hier ist Mankell vor allem wegen seiner Kriminalromane um den Kommissar Kurt Wallander bekannt.
Wallander, ein nachdenklicher und schwermütiger Polizist, der so gar nicht dem Typ des aus der Hüfte schießenden Großstadt- Sheriffs entspricht, deckt bei seinen Mordermittlungen in dem schwedischen Nest Ystad (mit ca. 17000 Einwohnern deutlich kleiner als Vechta) immer auch soziale Tragödien und gesellschaftliche Missstände auf, die oft Folge von Rechtsradikalismus oder Einsparungen in Rechtssystem und sozialem Netz sind. Mankell, (dessen Name übrigens auf der zweiten Silbe betont wird) will dadurch zum Nachdenken anregen, Gesellschaftskritik üben, oder wie er selbst in einem Interview formulierte: „…den Spiegel des Verbrechens nutzen, um gesellschaftliche Entwicklungen zu beleuchten…“.
Bildnachweis: Ulla Montan / henningmankell.se
Foto: Ulla Montan / henningmankell.se
Dies gelingt dem 59jährigen Schriftsteller, ohne lehrerhaft oder aufdringlich zu wirken. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß, seine Romane zu lesen, sie sind spannend, Wallander wirkt so realistisch, als könnte man ihm in seiner kleinen Stadt tatsächlich begegnen. Die 9-bändige Kurt-Wallander-Reihe, die auch verfilmt wurde, sieht Mankell mittlerweile als beendet an. In seinen neueren Romanen ist Wallanders Tochter Linda die Hauptfigur. Unter seinen weiteren Werken finden sich nicht nur Krimis, sondern auch Kinder- und Jugendbücher, die zum Teil prämiert wurden. Der Junge der im Schnee schlief erhielt er 1996 den Astrid- Lindgren-Preis.
Viele von Mankells Geschichten sind in Afrika angesiedelt. Der Chronist der Winde handelt vom Leben afrikanischer Straßenkinder, Kennedys Hirn vom Umgang mit afrikanischen Aids-Kranken. Afrika bereist Mankell seit 1972 regelmäßig. Inzwischen verbringt er hier die meiste Zeit des Jahres, in Schweden hält er sich nur während der Sommermonate auf. In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, leitet er das Teatro Avenida, das einzige professionelle Theater des Landes. Die Theatergruppe, an deren Aufbau er seit 1985 beteiligt ist, spielt vorwiegend afrikanische Stücke, um die kulturelle Identität des Landes zu stärken. Zudem engagiert er sich in der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
von Stefan Hirsch

Bayern ist ein Gefühl

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Herbert Grönemeyer hat mal gesagt, dass Heimat kein Ort, sondern ein Gefühl sei. Mit ähnlichen Gedanken wurde wohl auch unser neuer Mitbewohner Hannes konfrontiert, der aus Bad Tölz in Bayern für ein Auslandssemester nach Vechta gekommen war.

Und man könnte noch hinzufügen, dass auch die Landwirtschaft hier wie dort eine ähnlich große Rolle spielt.Wir fanden noch viele weitere Parallelen zwischen Vechta und dem, was wir so mit Bayern verbanden: Wohlstand, geringe Arbeitslosigkeit, hohe Geburtenrate…

Hannes selbst brachte es schließlich auf den Punkt.
Was geschieht beim nächsten Mal? Wird Charlene Unterwäsche tragen? Wird Bob ein neues Kraut finden? Und wann tritt der schmierige Vermieter in Erscheinung? Das und vieles mehr erfahrt ihr vielleicht schon in der nächsten Ausgabe im Wintersemester.
von Björn Franke, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefan Hirsch

PDF-Version der 4. Ausgabe

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Rechterfeld – Come to where the Grünkohl is…

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Eines Tages fragte Gott einen Felsen, ob er in Rechterfeld stehen wolle und der Felsen antwortete: „Nein, dafür bin ich nicht hart genug.“
Wir sitzen in einem Triebwagenzug der Nordwest-Bahn und fahren Richtung Bremen. Das müde, laute Fahrzeug trägt uns vorbei an winterkahlen Feldern, blattlosen Baumskeletten, verlassenen Weiden, und Ortschaften, in die nur selten jemand gelangt, dem es frei steht, sich dorthin zu begeben. Nach ungefähr zwanzig Minuten hält der Zug. Zischend öffnen sich die Türen und entlassen uns auf einen nasskalten, grauen Bahnhof, der von braunem Ackerland und einer Fabrik umrahmt wird, die Futter herstellt, mit dem Tiere zu Schlachtkörpern heranwachsen. Eine schlecht gelaunte, vielfach gewundene Asphaltstraße, gesäumt von leer stehenden Baracken, und großen, alten Häusern mit zugewachsenen Grundstückszugängen führt uns in andere Teile Rechterfelds.
Wir folgen ihr, ohne zu wissen wohin, ohne zu wissen wie lange, lassen uns von einer Horde zum Verkauf stehender Traktoren und Erntemaschinen aus grimmigen Stahlgesichtern beäugen, entdecken eine Molkerei, in der Biobrot verkauft wird, eine Schule für Weihnachtsbäume und einen Garten, auf dessen Beeten vorfahrtsregelnde Verkehrsschilder wachsen. Ein Restaurant, das den Namen eines vor langer Zeit verstorbenen Philosophen trägt, schreit gierig nach Kunden, ein anderes wirbt mit Grünkohl-Partys. Erfahrungen mischen sich mit Imaginationen und malen Bilder von enthemmten, alten Menschen, die sich mit Grünkohl bewerfen, sich in Grünkohl wälzen, halbnackt schmutzige Grünkohl-Orgien zelebrieren. Wir durchschreiten einen in trüben Regenwasser ertrinkenden Kirchgarten, kaufen Kaffee in einer kleinen Bäckerei, erwägen den Kauf eines Mähdreschers und begeben uns zurück zum Bahnhof, dessen malades Wartehäuschen uns mit eiskaltem Wasser bespritzt.
In dem zugigen Unterstand sitzend, werden wir von einem Fremden – erfolglos – nach dem Weg gefragt. Wieso erwecken wir den Eindruck, dass wir uns hier auskennen? Sind wir, ohne es zu merken, zu einem Teil dieses Ortes geworden? Mit deutlichen Beklemmungen steigen wir in die Nordwest-Bahn, bereit unserem nächsten Abenteuer entgegen zu eilen…
Und so erreicht ihr Rechterfeld:
Vechta – Rechterfeld
Mo.-Fr. 4.32h – 20.32h st.
Sa. 6.32h, 18.32h, 20.32h + 7.32h – 16.32h st.
So. 8.32h, 10.32h, 12.32h + 14.32h – 20.32h st.
Rechterfeld – Vechta
Mo.-Fr. 7.07h – 20.07h st.
Sa. 9.07h – 19.07h st. + 21.07h, 23.07h
So. 11.07h, 13.07h, 15.07h + 17.07h – 23.07h st.
von Stefan Hirsch

Bilderalbum
uniVista No. 04: Rechterfeld

Frühlingsdepressionen

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Der Frühling hatte angefangen und ich war unglücklich. Dem Tod ein Jahr näher gerückt – ich hatte einen Tag zuvor Geburtsag gehabt – und mich so fühlend als wären es zehn Jahre – die Feier war im nachhinein relativ anstrengend -, starrte ich bei Bob aus dem Fenster und überlegte, was der Sinn meines Lebens sei. Ich war jetzt 23, glaubte weder an Gott noch an seine Konkurrenz und besaß kaum mehr als die Fähigkeit, fehlerfrei Wörter wie metamorphosierend zu schreiben und den Wunsch, eines Tages eine Horde verzogener Klingelton-Freaks zu unterrichten.

Auch meine Mitbewohner fühlten sich nicht wohl. Enrico kam mit Liebeskummer aus dem Ski-Urlaub zurück…

…und Charlene unzufrieden vom Friseur…

Trüben Gedanken nachhängend, blätterte ich in einer Zeitschrift. Plötzlich blieb mein Blick an einer Marlboro-Werbung haften, die einen Cowboy zeigte, der durch eine weite, unberührte Prairie der untergehenden Sonne entgegen ritt und mir wurde schlagartig klar, dass das Leben lebenswert und schön ist, dass das Leben durchaus einen Sinn hat, dass man lebt, um zu rauchen.
Was geschieht beim nächsten Mal? Wird jemand Neues einziehen? Wird unser Normalo etwas Unerwartetes, völlig Verrücktes tun? Das alles und mehr erfahrt ihr im Juli
von Björn Franke, Britta Simon, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefan Hirsch

PDF-Version der 3. Ausgabe

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Eines Tages las ich ein Buch…
Über den Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk

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Letztes Jahr wurde mit Orhan Pamuk zum ersten Mal einem Autor aus der Türkei der Literaturnobelpreis verliehen. Der in Istanbul lebende 54-jährige gilt als der bedeutendste türkische Schriftsteller der Gegenwart. Sein Werk wurde in 35 Sprachen übersetzt und ist in über 100 Ländern erhältlich. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die er aufgrund seiner schriftstellerischen Tätikeit erhalten hat, zählen unter anderem der Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der Ricarda-Huch-Preis und der International IMPAC Dublin Literary Award, außerdem hat er einen Ehrendoktortitel der Freien Universität Berlin.
Pamuk stammt aus einer wohlhabenden, sowohl politisch als auch kulturell westlich orientierten Großfamilie. Die Entscheidung, Schriftsteller zu werden, fällte er als 23-jähriger. Zunächst schrieb er sich für ein Architektur-Studium ein, das er aber kurze Zeit später abbrach, um Journalismus zu studieren. 1977 schloss er das Studium erfolgreich ab. Die folgenden Jahre widmete sich Pamuk ausschließlich dem Schreiben, darüber hinaus war er nicht berufstätig. Nach eigenen Angaben war er bis zu seinem 32. Lebensjahr auf die finanzielle Unterstützung seiner Eltern angewiesen. 1982 veröffentlichte er seinen ersten Roman Cevdet Bey ve Ogullan (dt. Herr Cevdet und seine Söhne).
Neben der literarischen Qualität seiner Romane wird Pamuk sein politisches Engagement zugute gehalten, vielen gilt er als „Brückenbauer zwischen Orient und Okzident“. Er spricht sich bei zahlreichen Gelegenheiten deutlich für einen EU-Beitritt der Türkei aus, kritisiert aber auch offen die noch immer unterdrückende Kurdenpolitik der türkischen Regierung, und setzt sich – unter anderem – für politisch verfolgte Schriftsteller ein. Durch seine klaren Stellungnahmen hat er schon oft Schwiekeiten bekommen. So wurde ein Strafverfahren gegen ihn wegen Verunglimpfung des Türkentums eröffnet, (eine Straftat, die mit bis zu 5 Jahre Haft geahndet wird), nachdem er sich in einem Fernseh-Interview über den Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich, dem Vorgängerstaat der Türkei, in den 1910er-Jahren äußerte. Das Verfahren wurde zwar nach zwei Monaten wieder eingestellt, die Boulevardpresse überzog ihn allerdings mit einer Negativkampagne und er wurde sogar mit Morddrohungen konfrontiert.
Nach Pamuks eigenen Angaben ist lediglich sein Roman Schnee ein politisches Werk. Die Geschichte spielt in den 90er Jahren in der Grenzstadt Kars, die in einem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wird, und thematisiert unter anderem den Islamismus und Nationalismus. Doch auch Pamuks andere Bücher setzen sich mit Politik und gesellschaftlichen Fragen auseinander. Sein 1994 erschienener Roman Das neue Leben handelt von dem 22-jährigen Studenten Osman, der aus Interesse an seiner Komillitonin Canan ein geheimnisvolles Buch liest, und dadurch völlig aus der Bahn geworfen wird. Er fühlt sich in seiner bisherigen Existenz nicht mehr wohl, hat das Gefühl, nicht mehr Teil seines bisherigen Lebens zu sein und macht sich auf eine lange und scheinbar ziellose Reise. Osman begegnet dem Tod und der Liebe, gerät in Situationen, die wie bizarre Alpträume wirken und sucht nach dem neuen Leben, das das Buch für ihn bestimmt hat. Dabei wird der Konflikt der türkischen Gesellschaft beschrieben, die zwischen ihrer orientalischen Tradition und den politischen und wirtschaftlichen Einflüssen der westlichen Welt hin- und hergerissen ist. Man erfährt davon, wie sich die Betroffenen fühlen und sich um einen Verlust ihrer kulturellen Identität sorgen. Das Thema ist auch für Leute verständlich, die sich nicht mit der Türkei auskennen, wer aber über das damalige politische Geschehen informiert ist, wird sicher zahlreiche Anspielungen entdecken. Der ca. 300-seitige Roman verbindet orientalische Erzählkunst mit moderner Literatur und nimmt Anleihen bei klassischen europäischen Autoren wie Heinrich von Ofterdingen und Dante Alighieri. Er ist vielschichtig und komplex aufgebaut, so dass er sich dem Leser nicht immer auf Anhieb erschließt. Die aufwendige, bildhafte Sprache des oft etwas verwirrt erscheinenden Ich-Erzählers ist reizvoll und beeindruckend. Das Buch, das als Pamuks wichtigstes Werk gilt, will aber mit wachen Augen gelesen werden und ist nicht unbedingt als Entspannungslektüre geeignet.
von Stefan Hirsch

Mein Gott kanns besser als deiner (Teil 2)

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Wie versprochen, findet ihr hier nun den zweiten Teil des uniVista-Religionsvergleichs. Nachdem wir im ersten Teil den Buddhismus, das Christentum und den Islam vorgestellt haben, wird euch dieses mal das Judentum und der Hinduismus näher gebracht. Zwei weitere Chancen also, den richtigen Gott zu finden und sich selbst damit den Weg in den Himmel zu bereiten. Garantiert wird von uns natürlich nichts!
Judentum
Zur Zeit gibt es ca. 17 Mio. Menschen, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören. Der Großteil von ihnen lebt in den USA und Israel. Das Judentum hat eine besondere Stellung unter den Weltreligionen, weil Christentum und Islam aus ihm hervorgingen.
Der Chef: Das Judentum versteht sich als monotheistische Religion. JHWH (auch Jahwe oder Jehova) ist allwissend, allmächtig und allgütig. Er hat die Welt nach seinem Willen geschaffen und wird meistens nur „Herr“ genannt.
Der größte Held: Schwierige Sache, aber Moses hat als Jehovas Prophet eine hohe Stellung bei den Juden. Die im Christentum bekannten 5 Bücher des Moses kennen die Juden als Thora (die Lehren Jehovas), sie gehören zum wichtigsten Teil ihrer Bibel und stellen im Christentum das alte Testament dar.
Erlaubt und verboten: Das Judentum hat 613 Gebote. Juden ist es z. B. nicht erlaubt, Nicht-Juden zu heiraten. Diese müssen vor der Ehe zum jüdischen Glauben konvertieren. Es gibt einige Regeln, die man vor allem beim Essen einhalten sollte: Milch und Fleisch etwa dürfen nicht zusammen verspeist werden; auch wird nur Fleisch von Tieren gegessen, dessen Hufe gespalten sind.
Nach dem Tod: Es gibt mehrere Arten des Judentums, deshalb scheiden sich die Geister der Gläubigen, wie es denn nach dem Leben weitergeht. Juden sind eher auf das Diesseits ausgerichtet. Manche glauben, dass es einen jenseitigen Ort der Gerechtigkeit gibt, andere wiederum, dass das Leben einfach aufhört oder dass Sünder nach ihrem Tod von Dämonen gequält werden.
Hindusimus
Auf Platz 3 der beliebtesten Religionen steht der Hinduismus mit ca. 1 Mrd. Gläubigen. Diese Religion stammt aus Indien und hat dort den Großteil ihrer Anhängerschaft.
Der Chef: Es gibt mehrere Chefs oder sagen wir lieber, es gibt mehrere hinduistische Richtungen, die jeweils eine eigene Gottheit mit sich bringen, beispielsweise den Shivaismus oder den Vishnuismus. Im Gegensatz zu anderen Religionen werden im Hinduismus die Gottheiten gerne dargestellt, wahlweise als Figur oder Symbol. „Einheit in der Vielfalt“ ist eine oft verwendete hinduistische Redewendung.
Der größte Held: Wo sich viele Gottheiten tummeln, dort bleibt wenig Platz für Helden. Allerdings kann man die 10 Avatare des Vishnu (seine Inkarnationen) wohl als solche ansehen. Unter ihnen auch Krishna, nach dem die religiöse „Hare Krishna-Bewegung“ benannt ist.
Erlaubt und Verboten: Erlaubt ist der Konsum von Haschisch, das im Hinduismus die Stelle des Weines im Christentum einnimmt. Das Fleischessen ist zwar nicht verboten, aber es wird empfohlen, es zu unterlassen.
Nach dem Tod: Die Reinkarnation ist ein zentraler Punkt des hinduistischen Glaubens. Leben und Tod gelten als stetiger Kreislauf. Der Körper, in dem man wiedergeboren wird, variiert aber. Es ist immer eine gute Idee, reichlich positives Karma anzuhäufen, um nicht als Tier das nächste Leben durchstehen zu müssen. Am Ende des Kreislaufes steht dann hoffentlich die Erlösung.
von Stefan Hirsch und Sebastian Dargel

uniPlay #2

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Neulich stapelte sich in unserem Wohnzimmer der Müll, und ich versuchte meine Mitbewohner dazu zu bewegen, gemeinsam wenigstens so etwas Ähnliches wie Ordnung in das Chaos zu bringen. Leider nicht wirklich erfolgreich…

Ich war echt genervt. Alleine wollte ich natürlich auch nicht aufräumen, also stellte ich den Müll kurzerhand in das leere Zimmer, in dem Stukenbröker bis vor einigen Wochen gewohnt hatte. Beim nächsten Mal machte ich es genauso…

…und beim übernächsten und überübernächsten Mal auch.
Eines Nachts wachte ich auf, weil es in dem Zimmer laut rumpelte. Ich öffnete die Tür, konnte aber nichts Auffälliges entdecken. Ich stolperte durch den dunklen Raum, um zu schauen, ob das Fenster offen war und trat dabei versehentlich auf eine leere Milchtüte. Ein gewaltiges Brüllen zerriss die nächtliche Stille.

Erschrocken fuhr ich herum und sah, wie sich der Müll zu einem entsetzlichen Ungeheuer geformt hatte. *Wieso erdreistest du dich, mich dergestalt zu inkommodieren? **Ich werde dein Leben in ein Jammertal aus Schmerz und Tränen verwandeln!

Plötzlich wachte ich auf und stellte erleichtert fest, dass ich alles nur geträumt hatte. Wirklich alles: Es gab kein Ungeheuer.

Der Traum ließ mich jedoch nicht los und so schnappte ich mir meine Mitbewohner noch vor dem Frühstück und wir brachten zusammen den Müll raus. Tja, und die Moral von der Geschicht`: Bring den Müll raus, sonst (um)bringt er dich.
Idee und Kulisse: Julia Stock und Melanie Ehlert
Texte: Stefan Hirsch
Bilder: Björn Franke

PDF-Version der Sonderausgabe No 1

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uniPlay #1

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Das bin ich, Deutsch- und Geschichtsstudent aus Osnabrück. Wir haben uns bestimmt schon mal gesehen. Leider wirst du dich nicht mehr an mich erinnern. Schade, naja…
Das ist Enrico. Er studiert Sport. Nur Sport. Seine Hobbies sind Sport und Sportfernsehen. Außerdem kommt er gut bei Frauen an. Reden ist aber nicht seine Stärke. Enrico kommt aus Greifswald.
Nun Charleen. Tja… Charleen kommt aus Bochum. Ihr Hobby ist Shoppen. Leider wurde sie nirgendwo angenommen, daher ist sie in Vechta.
Bob wird Sozialpädagoge. Irgendwann. Bis dahin kümmert er sich um seine zwei “passiv rauchenden” Wüstenspringmäuse. Sein Lieblingsbuch ist Siddartha.
Über Nadine kann ich nicht viel sagen. Wenn ich Glück habe, sehe ich sie montags oder mittwochs bei Ankunft oder Abfahrt. Sie scheint wohl auch zu studieren.
Außerdem ist ein Zimmer frei, das wir bisher leider nicht langfristig vergeben konnten, aber seht selbst

Das alles schoss mir durch den Kopf, nachdem Claus Stukenbröker, der Bewerber für unser freies WG-Zimmer, gegangen und sein Gestank soweit verflogen war.

Enrico war sofort begeistert von dem rauhen Kerl. Charleen hingegen, die nie einen Hehl daraus machte, dass sie gutes Aussehen mit gutem Charakter gleichsetzte, war entsetzt.
Da Weihnachten vor der Tür stand und Wohltätigkeit verlangte und es eine Wohltat war, mit Stukenbröker und Enrico zwei Menschen und nicht eine einzelne Charleen glücklich zu machen, entschied ich mich für ihn.

Die ersten Tage mit Stulenbröker verliefen nicht unharmonisch, aber auch nicht ohne Höhen und Tiefen. So schlug er einerseits einen GEZ-Vertreter in die Flucht, behauptete aber andererseits, Schuld daran, dass das Waschbecken in der Küche zu Bruch gegangen ist, sei nicht er, sondern unsere WG-Regeln, da sie verlangen, daß man sitzenderweise uriniert.

Eine Woche vor den Ferien veranstalteten meine Mitbewohner und ich eine kleine Weihnachtsfeier. Zuerst sah es nach einem lustigen Abend aus. Die Wohnung duftete nach selbstgebackenen Keksen, wir tranken Glühwein, Bob ließ seine Tüte herumgehen und beklagte sich…

Da hatte Stukenbröker eine Idee und gab sie auch preis, woraufhin Bob entsetzt von sich gab: “Das geht ja mal gar nicht.”

Auf einmal sprang Stukenbröker auf, zog seinen Säbel, hielt Bob die Klinge an den Hals und zitierte Ernst Moritz Arndt. Enrico rettete sich mit einem geschickten Sprung hinters Sofa. Der Abend war natürlich gelaufen.

In den folgenden Tagen hielten wir uns fast nur in Enricos Zimmer auf, um Stukenbröker nicht in die Quere zu kommen.

Als er uns fand, erklärte er uns, dass er lieber bei einem Kumpel wohnen wolle, der für ein Auslandssemester nach Vechta gekommen sei.

Ende. Forsetzung folgt…
von Björn Franke, Melanie Ehlert, René Kohn und Stefan Hirsch

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Mein Gott kanns besser als deiner (Teil 1)

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Nicht nur nach Rom, sondern auch ins Paradies führen viele Wege. Doch welcher von ihnen ist der sicherste? Was passiert mit denen, die sich für einen entscheiden, der sich nach dem Tod als frustrierende Sackgasse entpuppt? Wird religiöses Engagement belohnt oder erwartet Gott Strenggläubige nach ihrem Lebensende knüppelschwingenderweise mit den Worten: „So, jetzt werde ich dir mal zeigen, was ich von Strebern halte!”
Fragen, die Freundschaften entzweien, die die Grundlage für enervierende Diskussionen bilden und manch einen dazu bringen, einen Völkermord für eine sinnvolle und ethisch wenig bedenkliche Sache zu halten. Dabei will Religion doch vor allem eins: Dem Menschen Halt geben, Werte und Normen vermitteln und begründen, und zeigen, wie man seinem Seelenheil näher kommt.
uniVista stellt euch die beliebtesten Strategien vor, im Jenseits einen Platz an der Sonne zu ergattern. (Natürlich gibts auch andere Ziele.)
Buddhismus
Der Buddhismus hat ca. 375 Mio. Anhänge Verglichen mit anderen Religionen, wird de Buddhismus zumeist ausgesprochen positiv beurteilt.
Der Chef: -sessel bleibt leer. Es gibt keinen allmächtigen Gott und es wird nicht angenommen, dass unsere Existenz einem Schöpfer zu verdanken ist.
Der größte Held: ist Siddhartha Gautama, der 563 v. Chr. geboren wurde und den Buddhismus gegründet hat. Er schaffte es, sich von allen Fehlern und geistigen Hindernissen zu befreien, erlangte die Erleuchtung und wurde zur Buddha.
Erlaubt und verboten: Nicht erlaubt ist es, Tiere z töten. Deswegen müssen Buddhisten auf Fleisch verzichten. Ansonsten kommt vieles gut an, was sich auch in anderen Religionen bewährt: Spenden, mehrmals täglich beten und eine Fastenzeit einhalten.
Nach dem Tod: geht es wieder von vorne los. Nach dem Tod eines Lebewesens manifestieren sich die noch nicht erloschenen Kräfte in einer neuen Existenz, die nicht unbedingt menschlich sein muss. Zu was man wir( hängt davon ab, wie man sich in seinem vorherige Leben verhalten hat. Erst wenn man zum Buddha wir( kommt man in das Nirvana, einer Art Paradies, das m irdischen Begriffen nicht zu fassen ist.
Übrigens: Der dicke, grinsende Mann ist nicht de Religionsstifter Siddhartha Gautama, sondern ei chinesischer Mönch, der behauptete, die Erleuchtung erlangt und Buddha geworden zu sein. Sein Abbild gilt als Glückssymbol.
Christentum
Die größte Religion der Welt ist mit knapp 2 Mrd. Gläubigen das Christentum. Das Christentum ist monotheistisch und basiert auf dem Judentum.
Der Chef: Der christliche Gott ist ein einzelnes Wesen, das in drei Erscheinungen existiert: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Gott ist Schöpfer von Himmel und Erde, allmächtig und allwissend.
Der größte Held: Das kann nur Jesus Christus, der Messias, sein. Im Neuen Testament als Sohn Gottes bezeichnet, wurde er von einer Jungfrau geboren, um das Menschenschicksal zu teilen und ihre Herzen zu befreien. Er war nicht tot zu kriegen. Nicht lange nach seiner Kreuzigung stand er einfach wieder auf. In Zukunft wird er eine weitere Rolle spielen Er soll den Antichrist besiegen.
Erlaubt und Verboten: Die Katholiken haben ein paar mehr Regeln, Sünden und Pflichten als die Protestanten, deswegen werden hier nur die Gemeinsamkeiten aufgezeigt Vor allem sollte man sich an die zehn Gebote halten: ua. soll man nicht töten, stehlen oder eines anderen Frau begehren… Unterm Strich also Dinge, die man sowieso unterlasen sollte.
Nach dem Tod: Es gibt gleich zwei Möglichkeiten für die Seele, nachdem der Tod des Leibes eingetreten ist Entweder gelangt man zu Gott in den Himmel oder aber in die Hölle. Lediglich einer dieser Orte ist wirklich freundlich.
Übrigens: ‘Wir’ sind Papst!
Islam
Mit ca. 1,3 Mrd. Anhängern ist der Islam die zweitgrößte Weltreligion. Zum Christentum und jüdischen Glauben finden sich viele Parallelen.
Der Chef: Der Islam ist monotheistisch. Der Gott – Allah – hat keine Gestalt und kein Geschlecht Er wird als gütig und wohlwollend beschrieben, ein wichtiges Koran-Zitat lautet. „Wenn ein Gläubiger sich mir mit einem Schritt nähert, nähere ich mich mit 1000 Schritten.”
Der größte Held: ist Mohammed, der Gründer des Islam. Er hat von einem Erzengel den Koran erhalten und mit dessen Verbreitung begonnen
Erlaubt und Verboten: Im Koran stellen die Suren in Geschichtenform die Gesetze dar, an die sich Gläubige halten müssen Als schlimmste Sünden gelten Mord und Selbstmord. Auch verboten sind unter anderem Sex vor und außerhalb der Ehe, sowie alles, was die körperliche Integrität beeinträchtigt, wie zum Beispiel das Trinken von Alkohol oder Tattoos und Piercings.
Nach dem Tod: geht es vor Gericht und von da aus entweder ins Paradies oder, bis alle Sünden bestraft sind, in die Hölle. Im Paradies werden alle Wünsche erfüllt. Wirklich alle.
Übrigens: Dass ein Selbstmordattentäter nach seinem Ableben von 75 Jungfrauen erwartet wird, gilt unter Muslimen als Irrglaube und ist nichts weiter als radikalpolitisches Gewäsch. Im Koran steht, dass auch andere Religionen respektiert werden müssen.
Im zweiten Teil werden wir das Judentum und den Hinduismus vorstellen.
von Stefan Hirsch und Sebastian Dargel

PDF-Version der 1. Ausgabe

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Oldenburg

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Gibt es im Leben eines Studenten eigentlich etwas Wichtigeres als die Freizeitgestaltung? Also, eigentlich ja, aber uneigentlich…nein! Genau deswegen haben wir, die Redakteure der uniVista, das Studententicket dazu genutzt, um zu schauen, wohin es uns trägt und was man dort erleben kann.
Die erste Station unserer knallharten Recherche war die wunderschöne Stadt Oldenburg, ein Kleinod im deutschen Nordwesten, berühmt für Dieter Bohlen, Wigald Boning, Kramermarkt und Grünkohl Da wir aber weder den einen noch den anderen ausfindig machen konnten und es nicht wirklich die Zeit für Grünkohl oder Kramermarkt war, haben wir uns doch dazu entschlossen, für euch die kulturellen Highlights auszuloten und sie hier zu präsentieren, auf dass ihr euch an einem langweiligen Wochenende am inoffiziellen Hintern der Erde aufrappeln könnt und den Entdeckergeist spielen lasst.
Am Anfang gibt es natürlich die obligatorischen harten Fakten mitten auf den Tisch, damit ihr auch wisst, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr Oldenburg besucht: Oldenburg liegt etwa 40 km westlich von Bremen und 30 km entfernt von der Nordseeküste. Erreichen kann man Oldenburg per Autobahn A28 und A29, aber da das Studententicket nicht für die Autobahn gilt, muss wohl oder übel die Nordwestbahn herhalten. Mit Zwischenstopp wahlweise in Bramsche oder Delmenhorst, erreicht man Oldenburg von Vechta aus in etwa 90 Minuten. Die Stadt hat 160000 Einwohner, Tendenz steigend und wird deshalb im nächsten Jahr Osnabrück als drittgrößte Stadt Niedersachsens ablösen. Das ist dochmal was. Besonders stolz ist Oldenburg auf die Mischung aus vielen Grünflachen und historischen Bauten. Wesentlich wichtiger für Studenten wird aber wohl sein, dass es in Oldenburg eine der größten Fußgängerzonen Deutschlands gibt, die natürlich zum ausgiebigen Shoppen einlädt. Aber nicht nur das große Angebot an feinen Einkaufsmöglichkeiten, sondern der Fakt, das Oldenburg viele Sehenswürdigkeiten, Museen und vor allem ein exzellentes Nachtleben besitzt, haben uns dazu angetrieben, dieses schöne Fleckchen Erde zu besuchen. Aber lest doch selbst, was wir für euch herausgefunden haben.
Das Horst-Janssen Museum
Schwere Kunst erwartet den, der diese Räumlichkeiten betritt. In einem architektonisch sehr interessanten Bau nahe des Pferdemarktes gelegen, befindet sich das Horst Janssen Museum, in dem, unglaublicher Weise, Stücke des Grafikers Horst Janssen ausgestellt sind.
Jeder, der dieses Museum betritt, sollte sich allerdings vorher im Klaren sein, was ihn erwartet, denn nicht jeder wird hier etwas nach seinem Geschmack finden. Janssen war berühmt für seine satirische Bildsprache, was man den hier ausgestellten bizarren Zeichnungen durchaus ansehen kann; Liebhaber von großen Ölgemälden sind hier also an der falschen Adresse. Wer hingegen meint: „Der hat mich schon immer interessiert”, der findet hier so ziemlich jeden Lebensabschnitt dokumentiert, inklusive das nachempfundene Atelier Janssens, das, leider nicht begehbar, immer noch ein Highlight darstellt. Und sonst? Nehmt euch doch einfach das Zitat von Horst Janssen selbst als Beispiel für sein Museum: „Was sie nur heutzutage alle mit der Kunst haben.” Genau, klare Aussage Meister.
Aktuelle Ausstellung: Henri de Toulouse-Lautrec
Das Schloss
Nachdem wir uns einigermaßen gesammelt hatten, ging es zu DEM Anziehungspunkt für Touristen in Oldenburg schlechthin, dem Schloss. Der wunderschöne, alte Bau im klassizistischen Stil ist aber nicht nur ein Muss für Touristen, überraschenderweise wurden wir die offiziellen Hochzeitscrasher des Tages, da am 9.9. immerhin ca. 10 Paare sich das Jawort im Schloss geben wollten.
Für 1,50 Euro als Student (also Eintritt, nicht Hochzeit!) ist das Schloss sein Geld wirklich absolut wert. Herrlich restauriert, gibt es hier viel zu entdecken: Unzählige Ausstellungsstücke aus der Jahrhunderte langen Geschichte der Stadt und seiner Regenten, des Umlandes und der Bewohner.
Die prachtvollen Räume mit edlen Verzierungen und den riesigen Ölgemälden lassen einen ab und an das Atmen etwas vernachlässigen.
Insgesamt war das Schloss ein absolut lohnenswertes Erlebnis, wir haben es erst nach 90 Minuten und nur unter eigenem Zwang nach draußen geschafft, da es hier wirklich viel zu entdecken gibt. Absolut weiter zu empfehlen.
Der Schossgarten
Wieder an der frischen Luft, entschieden wir uns auch gleich dazu, dort erst einmal zu bleiben. Unser Weg führte uns in den Schlossgarten. Im englischen Stil angelegt, lädt er vor allem zum Verweilen ein. Oldenburg ist zwar nicht die größte Stadt der Welt, aber wenn man zu lange in Vechta war, bemerkt man doch, dass der Puls einer richtigen Stadt lauter und schneller schlägt und genau in diesem Moment sollte man diese grüne Oase aufsuchen. Wer gerne spazieren geht, ist hier genau richtig, wer das nicht gerne tut, sollte sich nicht zu weit in den Garten wagen, denn die Wege können verdammt lang sein. Sehenswert ist auf jedenfall der Rosengarten, der wirklich gut gepflegt ist. Sogar die wenigen Männer, die es in Vechta gibt, werden zumindest etwas Gefallen hier dran finden, mit der richtigen Begleitung an der Seite auch etwas mehr.
Ganz Verwegene können zur richtigen Jahreszeit ein Tretboot chartern und den Garten umrunden. (Die Tretboote wollen übrigens beim Verleiher wieder abgegeben und nicht irgendwo stehen gelassen werden!)
Das Theater und das PFL
Im Stechschritt gingen wir an diesen beiden wunderschönen Bauten i vorbei, die absolute Sehenswürdigkeiten sind und viel Geschichte mit sich bringen. Das Staatstheater, eines der wenigen Sechsspartentheater Deutschlands, bietet einen bunten Mix an Stücken in faszinierender Atmosphäre (Großes Haus) und darüber hinaus Führungen durchs Haus an. Wenigstens die “Lange Theaternacht für Studierende” berücksichtigt unsere Klientel bereits im Titel einer wirklich lohnenswerten Aktion: Hier bezahlt man einmaligen Eintritt, für Studis natürlich wie immer ermäßigt, und kann den ganzen Abend bis in die Nacht hinein die verschiedensten Angebote bestaunen (traditionelle Aufführungen im Großen wie im Kleinen Haus, unklassisches Playback-Theater, Szenen auf Toilette, Klavierspiel an der Garderobe etc…)
Das PFL (steht für Peter Friedrich Ludwig) war früher ein Hospital (in Oldenburg auch bekannt als das „Todeskrankenhaus” wegen der beängstigend hohen Sterberate) und ist heute eine Mischung aus Tagungsstätte, Begegnungs- und Jugendzentrum. Wenn ihr den Drang verspüren solltet, ein Buch auszuleihen, könnt ihr dem in der hier zu findenden Stadtbibliothek nachgehen. Das PFL zählt zwar nicht zu den Hauptattraktionen Oldenburgs, aber ein kurzer Besuch des architektonisch sehenswerten Gebäudes lohnt sich durchaus.
Die Wallstraße und der Lappan
Die Wallstraße diktiert quasi den Herzschlag der Stadt. Je nachdem, wie viel hier los ist, ist auch im Rest der Stadt los. Die Kneipen und Bardichte ist nirgendwo in Oldenburg so hoch, für jeden Geschmack ist hier etwas zu finden. Cocktails trinken, ein bisschen Headbangen im Heavy Metal-Lokal des Vertrauens oder gemütlicher Loungemusik lauschen, hier liegt alles nur Sm auseinander. Mindestens zweimal im Jahr ist hier kaum ein Durchkommen: Die frühjährliche Wallringsause und das spätsommerliche Stadtfest zeigen die Innenstadt im feierlichen Ausnahmezustand.
Vom Waffenplatz über die Wallstraße fahrt der Weg direkt zu Oldenburgs Wahrzeichen, dem Lappan. Heute eher der Begriff für eine dicht befahrene Bushaltestelle, ist dieser uralte kleine Turm ein Zeichen für die Beständigkeit der Stadt, überlebte dieser doch einen Großbrand im 16. Jahrhundert, der alle anderen Gebäude dem Erdboden gleich machte. Damals noch als Turm eines Hospitals genutzt, ist der Lappan heute die große Uhr der Innenstadt.
Loft
Unsere erste Station im Oldenburger Nachtleben war das Loft, eine Mischung aus Bar, Lounge und Club. Das Loft ist eine oldenburgtypische Disco, denn dadurch, dass die Häuser in der Innenstadt sehr alt sind, kommt es einfach häufig vor, dass Diskotheken in den Keller verlegt werden. Der Club ist recht klein, weswegen das Ambiente zwar nicht spektakulär ausgefallen ist, aber sehr gemütlich und trotzdem modern. Die Musik kann man durchaus als sehr gut bezeichnen, wenn man die Bandbreite von Charts bis Gassenhauern aus den 80ern mag. Das Publikum ist gemischt und gemischt bedeutet, das von Studenten bis Mitdreißiger (manchmal kann das auch ein und dieselbe Person sein) alles vertreten ist. Die Preise sind absolut human und studententauglich, weswegen das Loft ein besonders guter Start ist, um des kulturelle Nachtleben beginnen zu lassen.
Das Amadeus
Das Ama ist in Oldenburg eine absolute Institution, sein Ruf eilt ihm stets voraus. Früher eher als Laden für düstere Typen mit langen Ledermänteln verschrien, ist es heute eine Disco für jeden. Die Musik variiert von HipHop bis Punk und wieder zurück mit Zwischenhalt bei Robbie Wilhams, ist vor allem aber rocklastig. In die Deko wurde nicht viel Geld gesteckt, im Ama machen Publikum und Musik die Atmosphäre, dafür sind die Preise freundlich. Für Leute mit voyeuristischer Ader ist der Laden ganz besonders zu empfehlen, denn es gibt einen zweiten Stock, von dem aus man sehr schön die komplette Tanzfläche im Blick hat, was gerade zu später Stunde ein großer Spaß ist.
Civa
Das Civa ist gerade bei den Jugendlichen der absolute In-Laden und zu fortgeschrittener Stunde immer stark gefüllt. Kleiner Tipp: Am Anfang des Abends schon mal hingehen und einen Stempel holen, das erleichtert den Wiedereintritt wenn die Party richtig losgeht. Das Civa ist auf Südsee getrimmt, viel Bambus, Grün und Gelb, wobei das Thema zwar erkennbar ist, aber trotzdem nebensächlich wirkt. Gespielt wird vor allem House und Blackmusic, aber auch Kurt Cobain Fans haben manchmal Glück und können ihre Matte schwingen. Die Preise sind gesalzen, entschädigt wird man aber mit einer der wenigen Abgeh-Locations in Oldenburg, denn das Civa ist vor allem Disco, nicht Bar oder Lounge. Das Publikum könnte man von 15 – 25 einordnen, die Jugend übernimmt aber gerade in den Anfangsstunden des Abends das Kommando, weswegen man ungefähr den Weg gehen sollte, den wir gegangen sind.
Metro
Als letzte Station steht für uns das Metro auf dem Programm, wieder einmal eine Kellerdiscothek. Wer sich traut, die Treppe hinunter zu gehen und die schwere Stahltür zu öffnen, den erwartet die kleinste der vorgestellten Discotheken. Auf ihren drei Ebenen kann man tanzen, sich entspannt unterhalten und kickern. Die Musik ist vielseitig und individuell, neben Rocknummern und Elektrosounds ist hier auch Experimentelles zu hören, lasst euch überraschen. Wer öfter ins Metro geht, wird darüber hinaus feststellen, dass es nur zwei Zustände gibt, jeweils im Extremen:
Entweder das Metro ist extrem leer oder es ist extrem voll. Aber welche Disco kann von sich behaupten, dass man sowohl entspannen als auch abfeiern kann?
Neben diesen schönen Lokalitäten gibt es in Oldenburg einige Feste die man sich im Jahr nicht entgehen lassen sollte. Dazu gehören das Stadtfest, die Wallringsause und der berühmte Kramermarkt, das Volksfest, dass jährlich knapp 1,2 Millionen Gäste anzieht.
Ihr seht also, Oldenburg ist eine Stadt, die nicht nur einen Besuch wert ist und wir hoffen, dass unser Guide euch dazu veranlasst, diese schöne Stadt mit eurer Anwesenheit zu beehren.
von Sebastian Dargel, Melanie Ehlert, Stefan Hirsch und René Kohn

Bilderalbum
uniVista No. 01: Oldenburg

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