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Thomas Hülsmann

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Ausgabe 24 (PDF-Version)

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Der Weltuntergang – Ein Resümee (?)

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Ausgabe 23 (PDF-Version)

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Weltuntergang. Echt jetzt!

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Und, geneigte Leser, erfasst Euch schon die Melancholie, wenn Ihr durch die uniVista blättert? Dieses Meisterwerk studentischer Campusliteratur ist nämlich in letzter Ausgabe erschienen. Zumindest wenn wir den Mayas Glauben schenken.
Dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht, ist spätestens seit dem letzten cineastischen Verbrechen, dessen sich Roland Emmerich vor drei Jahren schuldig machte, eine Binsenweisheit. In seiner unerträglichen Erdzerstörungs-Tour-de-Force fliehen treusorgende Patchwork-Familienväter mit strunzdummen Russenmilliardären vor Vulkanausbrüchen, explodieren Polkappen und Riesen-Tsunamis um die Wette. Als “Grundlage” (es darf gelacht werden!) diente der Popkulturhype um das Ende des Maya-Kalenders. Doch was hat es eigentlich mit diesem Datum auf sich? Warum ist dieser Weltuntergang anders als die anderen?
Weltuntergangsprophezeiungen haben eine lange Tradition. Eine sehr lange. Zu jedem vollen Jahrhundert ist es grundsätzlich “so weit”. Zu ungeraden Terminen, nur wenn es sich anbietet. Mal seien es einfach so-und-so-viele hundert Jahre nach Christi Geburt (wahlweise auch Tod oder Namenstag), mal stünden die Sterne ungünstig oder die Jahreszahl bedeute Unglück bzw. ließe sich einfach besonders schön durch sieben teilen. Allein in der westlichen Hemisphäre gab es im vergangenen Jahrhundert weit über 150 Endzeittermine, die überregional Beachtung fanden. Ab 1990 ist praktisch kein Jahr vergangen, in dem nicht aus irgendwelchen Gründen für immer der Ofen aus sein sollte.
Am häufigsten wird das Ende aller Tage naturgemäß von religiösen Sekten, randständigen Freikirchen und (Achtung, Euphemismus!) exzentrischen Einzelweissagern propagiert. Allerdings befindet man sich als zünftiger Weltuntergangsprophet durchaus in guter Gesellschaft. Etliche Päpste haben es getan und auch Martin Luther (beachtliche dreimal). Auch abseits der Religion gab es mehr oder weniger renommierte Hobbypropheten. Bekanntester Vertreter ist der Arzt, Astronom und Chef-Apokalyptiker Nostradamus. Der Übervater aller Untergangsorakel sah den Weltenbrand dutzendfach voraus – schlauerweise nie mit Datum. Christoph Columbus dachte seine Reise bringe das Reich Gottes auf die Erde. In neuerer Zeit erwartete der österreichische Geologieprofessor Alexander Tollmann das Ende der Welt 1999 durch einen Asteroiden. Modeschöpfer Paco Rabanne verkündete, dass die Erde im selben Jahr durch die abstürzende russische Raumstation MIR vernichtet würde. Der große Mathematiker Sir Isaac Newton sah das Ende 2000 kommen und war damit keinesfalls alleine. Isoliert betrachtet gab es zum Millennium aus verschiedenen Quellen mindestens 19 Daten für das Arma-geddon. In der angespannten Lage führte damals die Geburt eines dreibeinigen Entenkükens in Nord-Peru sogleich zu Hamsterkäufen.
Im Jahr 2011 haben wir übrigens nicht weniger als drei Weltuntergänge überlebt. Unter anderem hat das “drittgrößte esoterische Expertenportal Deutschlands” Hellsicht.de davor gewarnt, dass sich die “globalen esoterischen Energien” für immer ändern würden, man habe aber die Möglichkeit, sich für 1,86 Euro pro Minute individuell telefonisch beraten zu lassen und es sei auf die neue “Elfenstahl-Anhänger-Kollektion” verwiesen in der zum Schutz die persönliche Essenz für 17,99 Euro eingeschmiedet werde. Hätte man damals mal zugeschlagen!
Und nun also 2012. Mit dem Prophezeiungssturm zur Jahrtausendwende kann Zwanzig-Zwölf allerdings bei Weitem nicht mithalten. Immerhin gibt es mindestens vier Quellen, die für dieses Jahr die Götterdämmerung einläuten:
Michael Drosnin, Autor von Der Bibelcode, habe den Termin aus den fünf Büchern Mose heraus analysiert. Die Seherin Sakina Blue Star hingegen aus den Sagen der Hopi-Indianer.
Insbesondere in den USA fanden die Theorien von Terence McKenna Beachtung, der in den 1970er Jahren eine “neue, provokante Wissenschaft” erfunden habe. Im Grunde hat der Gute sich mit seinem Bruder, alten chinesischen Strichzeichnungssammlungen und einer beachtlichen Anzahl psychedelischer Drogen in die Wüste gelegt. Das zusammenhalluzinierte Produkt nannte er “Timewave-Zero-Theorie”. Sie geht davon aus, dass sich bedeutende Weltereignisse in berechenbaren Phasen ereignen. Der Nullpunkt dieser Phasen falle auf den 16. November 2012. Als McKenna damals vom Maya-Kalender erfuhr, “glich er seine Daten an”.
Und was hat es denn nun auf sich mit dem Maya-Kalender? Die Zeitrechnung der Maya gliedert sich in ca. 400 Jahre umspannende Zyklen. Am 21.12.12 endet der dreizehnte Zyklus – und es beginnt der vierzehnte! So einfach ist das. Es ist nur ein kalendarischer Sprung. Im Grund also ein kleines Indianer-Millennium. Trotzdem geht der Hype so weit, dass sich die NASA genötigt fühlte, ein Aufklärungsvideo zu veröffentlichen und man sich in Mittelamerika gar auf “gewaltige Flüchtlingsströme” vorbereitet.
Wer sich jetzt der Spannung beraubt fühlt, sei getröstet: In geologisch naher Zukunft bricht der Yellowstone-Supervulkan aus, was tatsächlich recht apokalyptische Auswirkungen haben wird. “Geologisch nah” heißt allerdings in den nächsten paar tausend Jahren. Ich wage hier und jetzt also mit nostradamus’schem Wagemut zu prophezeien, dass Euer Lieblings-Campus-Käseblatt Euch erstmal erhalten bleibt und, fast ebenso schön, die Erde auch.
von Thomas Hülsmann

Ersti-Spezial 2012 (PDF-Version)

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Ausgabe 22 (PDF-Version)

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Ausgabe 21 (PDF-Version)

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Veganism in your face!
Zwei Wochen im Moby-Modus oder Das Veganexperiment

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Bild: © Baltar (stock.xchng)
Ich war zwei Wochen lang vegan. Auf den Schultern dieser wenigen Worte liegt mehr Bedeutung, als es den Anschein hat. Wie ist es als Freund des Fleisches über Nacht kulinarisch völlig auf Tierprodukte zu verzichten – und das zwei Wochen lang? Bevor ihr weiterlest – ich hab‘s übrigens streng genommen verbockt.
Ich war bewusst völlig unvorbereitet, als ich am Montag mein kleines Experiment beginne und mit hängendem Magen den Kühlschrank öffne. Breit lächeln mich Aufschnitt, französischer Weichkäse und Lachs an. Marmelade und Honig streiten um meine Aufmerksamkeit, während verheißungsvoll das Müsli aus der Tupperware linst. Ich werde nichts davon essen können. Nicht eine dieser Köstlichkeiten ist vegan – außer dem Müsli, nur bräuchte ich dazu Sojamilch. Ich nehme mir ernüchtert einen Apfel und eine Scheibe Brot mit pflanzlicher Margarine.
Ich hab jetzt schon keinen Bock mehr und schenke mir Traubensaft ein. Obwohl das Projekt erst eine Stunde alt ist, wäre ich hier fast in die Falle getappt. Traubensaft ist in der Regel nicht vegan. Er wird mit Gelatine geklärt, wie Dr. Google mich warnt. Dass mein „Beckers Bester“ eine Ausnahme darstellt, ist ebenso reiner Zufall, wie der Umstand, das überhaupt rausgefunden zu haben. Mein Saft bleibt also von der erbarmungslosen Streichliste der Veganismuspolizei verschont.
Das Internet wird sowieso mein bester Freund. Nudeln sind ok, aber ist der Ketchup dazu vegan? Kaffee trinken bei Freunden ist kein Problem – hätten diese Filterkaffee statt Senseo. Computer sagt “Nein”.
Ich versuche, meinen knurrenden Magen mit Subway zu beruhigen. Nach einer halben Stunde Internet-Recherche in bizarren Veganer-Foren weiß ich jetzt, was die EINZIGE Option für Veganer bei Subway ist: ein „Veggie Delight“ – also im Grunde nur das reine Brot mit den Gemüsesachen- in einem Vollkorn-Sub mit der ironischerweise einzig veganen BARBECUE-Soße. Freunde, wirklich?! Naja, der erste Tag ist heil überstanden.
Dann fordert das Projekt erste Opfer. Als ich gerade die vechtaer Bio-Läden aufsuchen will, verreckt mein Auto. Durch widrige Umstände hänge ich nun zur Reparaturzwangspause verdammt zu Hause in der Provinz fest und bin von entsprechenden Spezialgeschäften weiter entfernt, als Griechenland von Haushaltsüberschüssen. Die erste Woche wird daher hart.
Bild: FDB / Wikimedia Commons; Lizenz: CC (BY 3.0); Nachbearbeitung: Alexander Dressler
Ohne entsprechende Läden und das entsprechende Wissen, welche Produkte geeignet sind oder wo man welchen Ersatz erhält, ist Veganismus eine Herausforderung. Praktisch jedes Konsumprodukt muss nach Hinweisen durchsucht werden, ob tierische Bestandteile bei dessen Produktion verwendet wurden. Uninspirierte Gemüsepfannen mit Reis und asiatischen Saucen werden mein Hauptnahrungsmittel. Sich einfach entspannt an den elterlichen Kochkünsten zu ergötzen geht nicht – ich lasse Mamas Cordon bleu neidisch links liegen und koche separat. Wenigstens die „Abendplanung“ (hier ein Euphemismus) ist wenig beeinträchtigt. Wein ist zwar problematisch, weil auch der meist mit Gelatine geklärt wird und in einigen Spirituosen werden non-vegane Zusätze verwendet (in Campari angeblich sogar Blattläuse), aber Whisky und Bier sind in der Regel absolut vegan.
Die Reaktionen des sozialen Umfeldes sind sehr gemischt. Einige finden die Idee spannend und finden es gut Alternativen zu ergründen, doch von vielen wird Veganismus als „1. Welt“-Luxusproblem wahrgenommen, von dem es sich fernzuhalten gilt. Mein kleines Experiment sei „bekloppt“ und nur „Grenzdebile“ verzichteten ohne Androhung von Waffengewalt auf Fleisch und Tierprodukte – auch wenn es nur ums Essen gehe. Steak ist Macht.
Am Abend zum Sonntag kommt es dann aber kurz vor der „Halbzeit“ zum entscheidenden Fehler. Nicht der Heißhunger auf ein saftiges Schnitzel oder Kohldampf nach Alpenmilch-Schokolade zwingt mich in die Knie, sondern eine einfache Tüte Chips. In dem irrigen Glauben, sie sei vegan, nur weil keine tierischen Inhaltstoffe auf der Rückseite vermerkt sind, lasse ich mir die frittierten Kartoffelscheiben schmecken. Doch weit gefehlt. Der freundliche Hinweis „enthält künstliche Aromen“ ist der Dolch im Rücken des Veganprojekts. Obwohl ich aufgepasst habe wie ein Luchs und sogar E-Nummern auf mögliche „Gefahren“ hin abgegoogelt habe, stolpere ich über triviale „Aromen“. Naja egal, kneifen gilt nicht. Die eine Woche kriegst du noch rum.
Zurück in Vechta kommt es mir vor, wie das vegane Schlaraffenland. Im Reformhaus, bei Sola oder DM kann ich mich richtig auslassen. Die größte Errungenschaft sind Sojamilch und vegane Brotaufstriche, die es nun möglich machen, zu frühstücken! Endlich kann ich auch vegane Fleischersatze ausprobieren. Seitan und Tofu schmecken zwar ungewohnt, aber lecker. Ich entdecke dadurch, dass ich auf tierische Produkte verzichte, ganz neue Möglichkeiten des Kochens und erweitere dadurch meinen Horizont. Dinkelbratlinge an Ratatouille oder Gluten-Burger mit Ajvar und Ofenkartoffeln stehen plötzlich auf der Speisekarte. Der anfängliche Irrglaube, dass man als Veganer um so vieles Leckere beraubt wird, ist jeden Tag stärker zu revidieren. Für vieles gibt es Ersatzprodukte. Käse, Milch und Schokolade sind immer auch in veganer Form erhältlich. Ob die Produkte dabei immer auf gleicher Augenhöhe mit den non-veganen Vorbildern sind, bleibt Geschmackssache.
Fazit
Veganismus ist (zumindest unvorbereitet) hart. Obwohl ich nur den Nahrungsveganismus getestet habe – Kosmetikprodukte und Kleidung waren ja noch nicht mal enthalten – hat mir gerade die erste Woche deutlich gemacht, wie sehr wir uns mit tierischen Produkten umgeben und wie versteckt die Anteile manchmal sind. Man beginnt auch viel stärker darauf zu achten, was man da überhaupt isst und kocht auch mehr selbst. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, an alternative Produkte oder das richtige Wissen zu gelangen, ist es allerdings im Alltag gelinde gesagt schwierig, diesen Lebensstil durchzuhalten. Über Nacht Veganer zu werden, war daher umso mehr ein Sprung ins kalte Wasser.
Auch wenn ich nach diesen beiden Wochen nicht dauerhaft vom Veganismus „angefixt“ wurde, wurde mein kulinarischer Horizont ziemlich erweitert. Durch die interessanten Gespräche mit echten Veganern hat sich auch mein Verständnis über die Motive zum tierproduktfreien Leben gewandelt.
So schließe ich das Veganprojekt zufrieden ab und, liebe Veggies es sei mir verziehen, brate mir ein RIESIGES Schnitzel.
(Vielen Dank auch an Yavuz für den veganen Döner und die sachdienlichen Hinweise.)
von Thomas Hülsmann

Ausgabe 20 (PDF-Version)

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Anwesenheitspflicht, Baby!
Nach den Beschlüssen des Senats gilt nun folgendes ...

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© berwis / PIXELIO
  1. In den Lehrveranstaltungen der Universität besteht grundsätzlich keine Anwesenheitspflicht.
Juhu! Die Anwesenheitspflicht ist abgeschafft! Das Volk jubiliert, der Pöbel grölt…
Wie die meisten von euch schon mitbekommen haben, ist die Anwesenheitspflicht NATÜRLICH NICHT abgeschafft. Denn nach diesem ersten wohlklingenden Teil des Beschlusses kommen folgende fette ABERS:
  1. Die regelmäßige aktive Teilnahme ist verpflichtend an denjenigen Lehrveranstaltungen, die
    1. durch aktive Teilnahme bestimmt sind: Seminare mit Referaten, Übungen im Labor, Projektveranstaltungen, fach- und schulpraktische Veranstaltungen
    2. teilnahmebeschränkt sind.
  2. Eine Anwesenheitspflicht besteht während des Praktikums bzw. während der Praxisphasen und bei Exkursionen.
  3. Für die Erfüllung der Anforderungen des Kontaktstudiums (z. B. tutorielle Begleitung von Lehrveranstaltungen auch in Form von E-Learning-, Internetforen) ist die regelmäßige aktive Teilnahme verpflichtend.
De facto bleibt also im Großen und Ganzen alles beim Alten
Die meisten Seminare weisen nämlich mindestens eine der oben aufgeführten “Ausnahmen” auf. Gerade Referate werden in den meisten Seminaren gehalten. Nur die großen “Massen”-Veranstaltungen (Psycho I und II, VWL …) bleiben also von der Anwesenheitspflicht ausgenommen. Da dort ohnehin meistens nicht geprüft wurde, ist auch hier keine große Veränderung festzustellen.
Was man nun davon hält, sei jedem selbst überlassen. Es ist wohl jedem klar, dass es Anwesenheitspflicht gibt, wenn die Biologen wieder Frösche aufschneiden- die Tiere sollen ja nicht umsonst verkommen sein. Wenn Exkursionen geplant werden, braucht man Planungssicherheit-OK haben wir verstanden. Wenn es eine Teilnehmerbeschränkung gibt, ist es ja auch irgendwie nicht in Ordnung wenn man wegbleibt, weil man ja irgendwelchen anderen interessierten Kommilitonen den Platz wegnimmt. Und es ist doch wohl einleuchtend, dass man den geliebten Mitstudenten unterstützt, wenn er sein mühsam zusammengestückeltes Referatsfeuerwerk abbrennt… Oh, dann haben wir ja alles abgedeckt. Worüber beschwert ihr euch eigentlich?
von Thomas Hülsmannn

Ausgabe 19 (PDF-Version)

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Struktur!

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Nein Danke!
Liebe Studierende,
Hand aufs Herz! Was ist aus diesem Studium geworden? Eine Schule? Ein enger, akademischer Käfig, der uns keine Luft zu freiem Lernen lässt? Der Bachelor aus der Hölle, der uns seine eisigen Finger um den Hals legt! Ja, ist es so schlimm? Ich glaube, so schlimm kann es nicht sein, wenn wir uns jedes mal an den “How I Met Your Mother”-Folgen auf dem Laptop des Vordermannes ergötzen können oder wir uns an dem arhythmischen Stakkato der Leertaste laben dürfen, das die freundliche Kommilitonin aus der hinteren Reihe erschallen lässt, wenn sie sich neue Solitair-Karten gibt. Oder wenn man einem ausladenden Gespräch über den wochenendlichen Alkoholexzess beiwohnen darf . Oder wenn wir den verehrten Mitstudenten, die sich während der Vorlesung der “höheren Literatur” widmen, über die Schulter schauen können. Natürlich bevorzugt nichts aus den aktuellen Veranstaltungen. Am liebsten liest man dicke Wälzer mit möglichst buntem Einband. Oder “Twilight”. An solchem Lesen kann man sich zwar nicht irgendwie passiv beteiligen, hat aber wenigstens die nötige Absolution selber bei studiVZ oder Facebook neue Freunde zu adden und irgendeinem geistreichen Online-Game nachzugehen, in dem man einen virtuellen Bauernhof verwaltet. Hauptsache ist, der Dozent quasselt gegen eine Wand aus surfenden Zombies, deren einziger Höhepunkt des Seminars das Krakeln der eigenen Unterschrift in die Anwesenheitslisten ist. Tja, es ist nicht so, dass der Autor dieses Textes im Bezug auf vieles davon ein Kind von Traurigkeit ist, doch passen die gemachten Schilderungen für meinen Geschmack einfach zu oft . Die Wahrheit liegt vermutlich auf der Mitte. Aber ich glaube manchmal – in seltenen Momenten – dass ein bisschen Struktur und Disziplin den meisten von uns eigentlich ganz gut täte, nähme man sie ernst. Vielleicht ist es ja nicht die Struktur des Bachelors, die uns am lernen hindert, sondern eher die eigene Motivation? Vielleicht sollten wir einfach erst schauen, was wir (an uns?) selbst verändern können, um das Studieren für uns und andere leichter und effektiver zu gestalten, statt gleich die große Keule gegen das böse System zu schwingen.
von Thomas Hülsmann
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Tötet Struktur die Kreativität?
Nach 12 bis 13 Jahren Schule haben wir immer noch nicht genug? Wollen wir uns auch jetzt noch vorschreiben lassen, dass wir Mathe montags früh in den ersten beiden Stunden, Sport aber am Freitag Nachmittag haben?
Dank des Bachelors und Dank der damit verbundenen Ablaufpläne kommt es dem nämlich schon sehr nahe.
Als ich damals in die 1. Klasse kam, haben alle gesagt “Jetzt fängt der Ernst des Lebens an!” Davon spürte ich in den vier Jahren Grundschulzeit nichts.
Dann kam ich in die 5. Klasse auf einem Gymnasium, wieder mit gut gemeinten Ratschlägen und “Jetzt fängt der Ernst des Lebens an!” und wieder kann man von Ernst nicht reden. Natürlich wuchs der Notendruck und um meine Freizeit war es schlechter bestellt als noch zu Grundschulzeiten, aber tatsächlich ernst war es auch hier nicht.
Bereits schon vor der Zeugnisvergabe denkt man ja darüber nach, was man nun machen will. Studieren! Und natürlich, nach 2 Fehlschüssen fängt aber JETZT der Ernst des Lebens an!?
Kaum vorstellbar, bekommen wir doch nahezu vollständig vorgefertigte Stundenpläne, man bekommt genau gesagt, in welchem Semester man welchen Kurs, welches Seminar, welches Modul belegen soll. In den Kursen gibt es selbstverständlich eine Anwesenheitspflicht, natürlich gibt es zur Kontrolle dennoch eine Liste. Man muss sich also keine Sorgen machen, denn den Dozenten entgeht kein Fehltag!
Man sollte doch meinen, dass die Studenten erwachsen und selbstständig sind, aber nein, an der Uni sieht man das wohl anders. Wir werden nicht nur an die Hand genommen, sondern man legt uns gleich eine Kette an.
Freiheiten, die hat man als Bachelor-Student doch kaum. Wenn ich da höre, was Diplom-Menschen berichten, da kann ich nur neidisch zu hören.
Also bitte, etwas mehr Vertrauen wäre schon schön, schließlich wollen wir doch studieren, wir machen das freiwillig. Warum tut man also so, als sei das Zwang?
von Carola Hofmann

Horoskop Juni 2011

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Für das folgende Horoskop hat unsere Spezialabteilung für Astrologie (uniVista ASTRA) wieder den exklusiven Langzeittrend für alle Sternzeichen ermitteln können. Die folgenden Angaben entbehren wie immer jeder wissenschaftlichen oder pseudowissenschaftlichen Grundlage, beanspruchen aber uneingeschränkt die einzige astrologische Wahrheit zu verkünden. Jedes andere Horoskop ist falsch und verachtenswert. Daher solltest Du, geneigter Leser, die folgenden Zeilen umso aufmerksamer aufnehmen, denn sie sind so wahr, dass man eher von einer Prophezeiung Nostradamusscher Genauigkeit reden sollte, als von “Horoskopen”(Pah!). Lies nun von Deiner Zukunft:
Krebs
Nächstes Semester wäre es klug, alles etwas früher anzugehen. Gegen Ende erwarten Dich einige unerwartete Überraschungen, die zwar Deinen Zeitplan durcheinander werfen, aber nicht unbedingt negativ sein müssen!
Löwe
Lieber Löwe, der König der Tiere bringt Dir diesmal Glück. Das neue Semester hält für Dich neue Chancen bereit, nutze sie! In Freundschaft und Liebe musst Du lernen geduldiger zu sein, es kann nicht immer alles von heute auf morgen gehen!
Jungfrau
Warte nicht weiter darauf, dass Dir gebratene Tauben in den Hals fliegen. Jetzt ist die Zeit zu handeln! Im Grunde weist Du, was Du willst, Du musst es Dir nur noch nehmen! Für Dich gibt es jetzt kein “zu wagemutig”. Zeig den Leuten, was in Dir steckt und es wird ein spannendes Semester.
Waage
Die Erfahrung lehrt uns, dass das Leben niemals leichter wird. Im Gegenteil, die Aufgaben werden immer komplexer. Verliere Deine Ziele nicht aus den Augen, nutze die an Dich gestellten Aufgaben, um an ihnen zu wachsen.
Skorpion
Du hast gezeigt, dass Du Deine Ziele erreichen kannst, wenn Du willst. Mach weiter so und lass Deinen inneren Motor der Motivation nicht ausgehen. Tritt Problemen mutig in den Weg und vergiss nicht, dass Dich die Natur mit “Waffen” ausgestattet hat, mit denen Du Dich wehren kannst.
Schütze
Auch wenn es angenehm zu sein scheint, dass Dir vieles in den Schoß fällt, solltest Du erkennen, dass es sich nicht lohnt alles zu besitzen. Den wahren Wert erkennst Du erst, wenn Du darum kämpfst. Außerdem scheint die Liebe ein Auge auf Dich geworfen zu haben, bleib also wachsam und halte Augen und Ohren offen!
Steinbock
Mit dem Kopf durch die Wand? Im nächsten Semester empfiehlt es sich jedoch lieber einen Gang runterzuschalten und anderen den Vortritt zu lassen. In der Ruhe liegt die Kraft und Schadenfreude ist – nach landläufiger Meinung – die schönste Freude.
Wassermann
Nur weil es hier und dort Differenzen zwischen anderen und Dir gibt, brauchst Du Dich nicht zurückzuziehen. Deine Ideen werden Dich noch weit bringen, wenn Du sie besser verständlich machst und ausarbeitest. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!
Fische
Für Dich steht jetzt eine ruhige Zeit an. Dein Studium läuft super und Du hast endlich einmal wieder Zeit, um Dich zu entspannen und etwas Kraft zu tanken. Aber man muss sich ja nicht alleine erholen: Wie wäre es mal mit einem gemütlichen Abend mit Freunden?
Widder
Lieber Widder, nicht immer ist es ratsam, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen! Auch wenn Du mit deinen “Hörnern” bestens ausgerüstet bist, übe dich in Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft! Im Unileben läuft es für Dich sonst ganz gut, sofern Du nicht alles schleifen lässt.
Stier
Die nächste Zeit wird ganz schön wild für Dich! Das Studium, die Arbeit … das alles wird jetzt erst einmal sehr hektisch. Und dann wollen deine Freunde auch noch Zeit mit Dir verbringen. Wie sollst Du da eine ruhige Minute für Dich haben? Aber Du hast im Moment so viel Power in Dir, dass Du das locker packst!
Zwillinge
Das ist Dein Jahr! Dein Charme und Witz zieht andere magisch an und sorgen damit für Dein Seelenwohl. Die Finanzlage scheint für einen Studenten akzeptabel und exmatrikuliert wurdest Du auch nicht. Vor der Zukunft brauchst Du Dich deshalb wahrlich nicht fürchten!
von Thomas Hülsmann, Johanna-Maria Jaromin, Nina Gerlach, Matthias Christ, Carola Hofmann, Jenniffer Malenz und Lea Seefeld
Hintergrundbild: © Martin Kolb / PIXELIO

Ausgabe 18 (PDF-Version)

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Anja und der Faulenzer

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Was wäre die Uni ohne sie – unsere Sachen, die wir in ihr hinterlassen? Wir finden sie wieder an einer Garderobe, im Fundbüro vor B1, in der Bibliothek in einer kleinen Kiste, in der sich schon so einiges befindet, oder aber nie.
Nachdem wir leider feststellen mussten, dass sich der Besitzer des Rucksacks, über den wir in der letzten Ausgabe berichteten, nicht aufgefunden hat, hoffen wir, dass sich bei unseren heute vorgestellten Sachen jemand angesprochen fühlt und sie abholt.
Hier nun einige der sonderbarsten Fundsachen:
Das Namensschild
Ich für meinen Teil habe diesmal immerhin einen Namen: Anja. Ich sah Dein Namensschild bei der Suche nach einem vorstellbaren Gegenstand für die aktuelle Ausgabe. Gleich schon dachte ich die Besitzerin zu kennen und erfreute mich einer tollen Story. Zwar lag ich richtig mit meiner Vermutung, dass diese Anja einen solchen Anhänger besitzt, nur (leider) befand dieser sich in ihrer Tasche – zwar verschollen darin, aber nicht verloren. Und somit suche ich weiterhin nach Dir, Anja, deren rosarotes Namensschild fröhlich im Fundbüro glitzert, während alles andere um es herum einstaubt. Welch Glück hätte Dein Anhänger, wenn er sich auch bald wieder bei Dir befände? Komm, raff Dich auf und hol ihn Dir beim Fundbüro ab.
von Jenniffer Malenz
Faulenzer 42
Scheinbar wird Nichts häufiger zurückgelassen als Stiftbehälter. Doch bei uns ist der Einzelne noch was wert. Die uniVista kämpft wider das Vergessen.
Ich weiß es, kleiner Faulenzer-Freund, Du bist einzigartig. Auch wenn Dich das Schicksal auf so mysteriöse Weise in ein Meer aus Deinen Leidensgenossen gespült hat, bist Du doch so anders. Über und unter Dir türmen sich die Normalen, Farbfreien, Beliebigen. Die, die nicht Du sind. Wie ein Leuchtturm der Personalität reckst Du Dich aus der Masse hervor und strahlst so charismatisch wie ein Faulenzer, der in einem Fundbüro dem Ende seiner Tage entgegen fristet, eben nur strahlen kann. Oh, du leuchtende Sonne des Stiftebeinhaltens, Du Aurora des Kuli-Managements. Wer wagte es Dich achtlos an einem so banalen Ort wie einem Seminarraum zurückzulassen, wo Du doch die Schreibutensilien von Königen sortieren könntest?
Wer da draußen vermisst einen ganz besonderen Teil seines Lebens? Wer da draußen sucht, was ihm zum Fleiß fehlt? Ich weiß, dass es Dich gibt. Du hast nicht nur einen x-beliebigen Faulenzer zurückgelassen, sondern einen Freund. Und Freunde lässt man nicht im Stich. Ich habe doch gespürt, dass es da eine Verbindung gibt. Ihr gehört zusammen und die uniVista will Euch helfen. Einsamer Student, schaue dir das Foto genau an. Kennt ihr euch? Denn ein Student ohne Faulenzer ist doch wie Charlie Sheen ohne Koks: sympathisch, aber nicht in der Lage zu arbeiten.
von Thomas Hülsmann
Alles Gute und frohes Nicht-Vergessen wünscht Eure uniVista-Redaktion.
Fotos: Jenniffer Malenz

Foto, Schweiz, Holocaust

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© Diogenes Verlag AG, Zürich
Wer in dieser kalten, ungemütlichen Restwinterzeit ein schnuffiges Wohlfühlbuch für die Badewanne sucht, sollte jetzt weglesen. Dürrenmatts Der Verdacht ist nämlich schwere, aber dafür sehr nahrhafte Lesekost.
Auf den flink lesbaren 120 Seiten des Der Richter und sein Henker-Nachfolgers (den man nicht gelesen haben muss) strickt Dürrenmatt einen fesselnden Plot um den abgehalfterten Kommissär Bärlach und seinen letzten Fall zur Jahreswende 1948 und ’49. Der Titelspende-Verdacht geht dabei von einem alten Foto aus, das einen bekannten schweizer Mediziner als sadistischen KZ-Arzt zu enttarnen scheint. So beginnt Bärlach, trotz Krankheit, ein letztes Mal zu ermitteln.
Der ernste Hintergrund um den Holocaust und seine Vollstrecker wird dabei zur Bühne für Dürrenmatts Fragen nach moralischer Stabilität in einer Welt des nackten Materialismus.
Das hört sich jetzt zwar schlimm nach Deutsch-LK-Lektüre für Pseudointellektuelle an, ließt sich aber nicht so. Durch Dürrenmatts präzise, bodenständige Formulierungen bleibt man so glücklicherweise vor dem altbekannten „Charme“ gewisser gelber Reclam-Büchlein bewahrt und kann ungehemmt die Spannung genießen. Wer ein packendes Buch mit Tiefe sucht, stiefelt also zur Bibo-Fachkraft seines Vertrauens.
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht
Sachgebiet / Signatur: CQYd8692 / 85267
von Thomas Hülsmann

Ausgabe 17 (PDF-Version)

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PDF-Versionen dieser Ausgabe:
No. 17 inkl.
Sonderausgabe
No. 17

Ausgabe 16 (PDF-Version)

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Supersized
uniVista fährt zu McDonald‘s. Zu oft. Viel zu oft.

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Ja zu körperlicher Performance auf Tine-Wittler-Niveau. uniVista ist auf den Spuren von Supersize-Me-Darsteller Morgan Spurlock gewandelt, und war bei McDonald‘s. Mehr als nur einmal.
Noch schmeckt’s
Foto: Jenniffer Malenz und Thomas Hülsmann
Wer oft mit dem Auto unterwegs ist, kennt das vielleicht: Man hat noch hunderte Kilometer vor sich und das Loch im Bauch wird immer größer. Doch alles, was den Hunger stillen möchte, sind unappetitliche Imbissbuden mit Namen wie Bratwurst-Bernd oder Mandy‘s Truck-Stop.
Wenn dann unerwartet das gelbe M auftaucht, und einem aus der Drive-In-Sprechanlage dieses geschäftsmäßig-freundliche “Guten Tag, Ihre Bestellung bitte!” entgegenknarzt, fühlt man sich fast ein bisschen wie zu Hause. Klar, denn egal wo die Filiale steht, im Ristorante zur goldenen Möwe sieht‘s überall gleich aus, schmeckt‘s überall gleich.
Doch wie fühlt es sich an, wenn man diesen warmen Regen von Heimat in der Ferne unzählige Male hintereinander auf sich nieder prasseln lässt?
Eure Redaktion ist dieser Frage nachgegangen. Zu viert sind wir im uniVista-Mobil zum McDonald‘s-Drive-In gefahren, haben einen Cheeseburger bestellt, ihn aufgegessen, sind wieder vorgefahren und haben einen neuen geordert. Immer und immer wieder. Mehr als 20 Mal.
Jeder von uns ist so zu fünf bis sechs Cheeseburgern gekommen, zum Nachtisch gab‘s für alle einen McFlurry. Und um das McDonald‘s-Parkplatz-bei-der-Disko-Feeling perfekt zu machen, haben wir währenddessen Groove Coverage gehört. Ihr wisst schon, diese Trance-Gruppe, deren Lieder alle gleich klingen. Und so haben wir uns dabei gefühlt:
Die Bedienung hat gewechselt. Die erste war nett und lustig, die neue ist mehr so der Typ Domina. “Das macht einen Euro. WIE VORHIN AUCH SCHON! Fahren Sie an den zweiten Schalter. WIE VORHIN AUCH SCHON! BIS GLEICH!”
Ich bin dran mit essen. Und ich will nicht. Der vorletzte Bürger hat schon scheiße geschmeckt, der letzte erst recht. Und der jetzige? Auf der Liste von Dingen, die noch ich ungerner tun würde, als diesen Cheeseburger zu in meinen Magen zu zwängen, folgen nur noch “eine Eigenurin-Therapie machen” und „in einem Soldaten-sind-Mörder-T-Shirt zu einem Bundeswehr-Gelöbnis gehen“. Einfach auf etwas anderes konzentrieren, nicht daran denken, dass man isst. Matthias hat erzählt, dass er aus Guatemala kommt. Jennifer ist Harry-Potter-Fan. Wenn man Staatsfeind Nr. 1 wäre, aber auch zaubern könnte, würde man sich fühlen wie Sylar in Heroes.
Außerdem mag ich Cheeseburger. Eigentlich. Und in Brandenburg hungern die Kinder, die würden sich freuen. Die anderen schlagen – nicht ganz ernst gemeint – eine Essensschlacht vor, genau in dem Moment, in dem ich mich frage, ob ich diesen Gestank nach geschmacksverstärktem Cholesterin je wieder aus meinem Auto bekommen werde?
Wenn ich schon etwas essen muss, dann hätte ich gerne einen Apfel. Oder eine kleine Schale Erdbeeren. Ich will mit meiner Freundin an einem stürmischen Nordseestrand spazieren gehen. Ich will zu meiner Mutter. Aber das geht natürlich nicht. Der Cheeseburger ist jetzt meine Mutter.
Stefan Hirsch
Cheeseburger Nr. 1
Dies ist mein erster Cheeseburger.
Langsam – fast ehrfürchtig – führe ich deine perfekte, formschöne Gestalt an meinen Mund und lasse deine köstliche Soße meine Lippen benetzten. Liebevoll zerteilen meine Zahnreihen die glänzend-zarte Außenhaut des Brötchens, das dich in sanfter Umarmung einhüllt, um voll bebender Vorfreude in dein fleischiges
Herz zu gleiten. Wunderbare Aromakaskaden ergießen sich über meinen Gaumen, welcher sich unter Geschmacksorgasmen pulsierend aus mir zu winden versucht. Betäubt durch die Glückshormonexplosionen, die sich plötzlich in meinem Gehirn ergießen, breche ich unter Freudentränen zusammen und merke nicht einmal, wie sich meine Zunge zu der ménage à trois von halb zerschmolzenem Käse, wunderbar viskosem Hackfleisch und bonfortionöser Soße gesellt, um dieser Dreifaltigkeit der Haute Cuisine die gebührende Huldigung zu erweisen. DU bist es, allmächtiger Cheeseburger! DU bist das Eldorado der Würzigkeit! Das Burger-gewordene Walhalla des Genusses! DU bist die kulinarische Inkarnation Gottes.
Der letzte Burger
Dies ist mein letzter Burger. Mein Magen will, dass ich sterbe – ich kann ihn verstehen. Ich habe ihm viel zugemutet.
Der infernalische Gestank frisst sich in meine Nasenschleimhäute und mit einer Mischung aus Hass und Abscheu dringt die quälende Gewissheit in meine
Synapsen: Ich muss Es essen. Mitleidig betrachte ich das armselige Stück Matsche, welches aus dem vom Fett durchsichtigen Papier lugt. Was mir entgegen guckt, sieht wahrhaftig nicht aus wie Nahrung. Zwei asymmetrische „Brötchenhälften“ (Die Bezeichnung an sich ist schon eine Beleidigung gegen die gesamte Bäckerszunft!), die aussehen als hätte man den hässlichen Teil einer Bulldogge abgeschnitten und von einem retardierten Vierjährigen aus Knete, Mehl und Bioabfällen nachbauen lassen, existieren nur, um die Augen des Betrachters vor dem noch schlimmeren Übel, welches sich unter ihren fettschmierigen Leibern verbirgt, zu schonen. Denn unter der gebäckgewordenen Beleidigung lauert auf mich schon das Ende der Esskultur, der Endgegner der bewussten Ernährung, die Streckbank für meine Geschmacksrezeptoren – das „Patty“. Diese schlammig-konsistenzbefreite Platte aus gepressten Fleischindustrieabfällen und die obligatorische Alibi-Scheibe Pappkäse runden das gefranchiste Folterkonzept vorzüglich ab. Nicht einmal im neunten Kreis der Hölle könnte man so was mit Selbstbewusstsein als „essbar“ deklarieren.
Nur noch ein Bissen, dann bin ich frei. Ich brauche meine gesamte Willenskraft um mich durch die breiartige Pampe zwischen meinen Wangen zu quälen. Nur noch ein letztes Mal muss ich den Würgereflex überwinden. Geschafft. Angewidert spüre ich wie das gallertartige Mus ein letztes Mal durch meine Speiseröhre gequetscht wird … endlich Freiheit. Jetzt kann man nur noch beten, dass der Mist nicht drinbleibt.
Thomas Hülsmann
Der allerletzte Burger
Foto: Jenniffer Malenz und Thomas Hülsmann
Ein Nacht, die niemals endet
Erschreckend, zu was wir fähig sind. Wir sind Studenten und man sollte uns doch Besseres gelehrt haben, als drei Stunden lang in kurzen Zeitabständen immer nur einen Burger zu bestellen. Immer nur einen, mit geringfügigen Abweichungen.
Die Tatsache war so verrückt, dass wir tatsächlich irgendwann anfingen durchzudrehen: Gedichte wurden vorgetragen, zu Techno getanzt und private Details aus unseren Leben preisgegeben. Und ich frage mich ernsthaft, woran das gelegen hat. Daran, dass wir erst gegen halb vier unsere X-treme-Tour für beendet erklärten? Daran, dass es ein Donnerstag war? Oder daran, dass wir eben wir sind? Ich kann es nicht sagen. Es war verrückt, krank und sehr sehr lustig, wenn man die Tatsache weglässt, dass ich beim letzten Burger wirklich mit mir ringen musste, ihn nicht wieder nach draußen zu befördern.
Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, erinnere ich mich noch ganz genau daran, wie ich am nächsten Tag, nach sage und schreibe zwei Stunden Schlaf, aufwachte.
Ich habe mich gefühlt, als hätte ich drei Tage durchgesoffen. Ich war ein Wrack und nur noch durstig. Heute bin ich mir sicher, dass die Bedienung den Burger immer etwas größer gemacht und immer ein wenig mehr Pfeffer draufgetan hat. Anders ist es nicht zu erklären, wie man nach nur ca. fünf Burgern (und einem großem Eis) derart neben der Spur sein kann. Doch offenbar war das zu viel. Und deshalb machte ich mich daran, beinahe einen Liter Wasser zu trinken, bevor ich mich überhaupt in Richtung Uni bewegen konnte.
Die einzige Nahrung, die ich gegen Mittag zu mir nehmen konnte, war ein fetter Obstsalat.
Welch ein Genuss das doch war. Vitamine. Das war genau das Richtige in diesem Moment und bot mir die Chance, wie gewohnt weiter zu essen, wo ich doch eigentlich befürchtet hatte, dies wäre nie wieder möglich.
Es war, als wäre ich gestorben und nur dieser Obstsalat und Wasser konnten mich retten. Ich bin ihnen sehr sehr dankbar, dass sie für mich da waren in diesen schweren Zeiten und weiß nicht, wie es ohne sie weitergegangen wäre. Deshalb kann ich Euch nur raten, diese Aktion nie, wie wir, in die Tat umzusetzen oder wenigstens gut darauf vorbereitet zu sein: mit viel Obst, Wasser und Schlaf sowie netten Leuten!
Jenniffer Malenz
Dem Ende nahe
Foto: Thomas Hülsmann

Kilo stemmen und Beulen drücken!

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Wir befinden uns heute in Rico‘s WG-Zimmer. Eine Ansammlung von motivierten Studenten versucht sich einen geeigneten Tagesplan zu erstellen, in welchem vorgesehen ist, weiterhin ihre Genialität in der Welt zu verbreiten …

Es ist Sonntag Nachmittag und unsere WG ergießt sich wieder mühselig in heiterem und anspruchsvollem Geplauder. Studierende sind halt auch außerhalb ihrer Lerntätigkeit stets auf dem Gipfel ihrer geistreichsten Begeisterungsfähigkeit.

So wird sich ereifert über ihre Frische und Jugend. Ihren Stil, ihren Anmut! Es ist nicht zu leugnen, Energie ist in diesem Zimmer quasi so konzentriert, dass man sie förmlich anpacken kann!

Seht sie Euch an! Die Elite! Die zukünftig oberste soziale Klasse unserer Gesellschaft! Das vollkommene Maß an kollektiver Intelligenz!
… aber vorspulen. Und so könnt ihr in der nächsten Ausgabe den weiteren Fortgang auf höchstem Niveau verfolgen. Humor, Anspruch, Action, Spannung und Erotik in einem. Bis zum nächsten Mal!
Texte: Thomas Hülsmann und Tobias Kunz
Kulissen: Thomas Hülsmann
Inspiration: Bistro Geplapper
Fotos: Alexander Dressler

Staatsfeind Nr. 1?
Kein Grund auf Party zu verzichten!

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Geneigter Leser, Du bist Staatsfeind Nr. 1! Oh ha. Ja, das kommt jetzt überraschend, ich weiß. Aber gehen wir nur mal so zum Spaß davon aus, dass man herausgefunden hat, dass beim Uni-Bäcker letztens mal ein KitKat auf dem Kassenzettel „zu wenig aufgetaucht“ ist (Liebe Leserinnen, an dieser Stelle sei übrigens erwähnt, dass Süßigkeiten auch dick machen, wenn gesehen wird, dass Frau sie kauft), oder Du wiederholt von wahnsinnigem Übermut getrieben in Ullas Bistro gekippelt hast und heimlich morgens Elmex statt Aronal benutzt. Wie dem auch sei, verfolgt Dich nun Polizei, GSG 9, FBI, DLRG, CIA und alles, was sonst noch Rang und Namen hat, um Dein hübsches Popöchen durch die Republik zu jagen. Will Smith würde sich jetzt einen kauzig-grenzdebilen Opi im Kupferkäfig suchen, um mit ihm und ein paar markigen Sprüchen gegen diese Ungeheuerlichkeit in den Kampf zu ziehen. Wäre nicht mein Stil.
Viel spaßiger ist es doch, sich mit allerlei psychoaktiven Substanzen (Kaffee soll hier empfohlen sein) die Birne wegzublasen und mit der geilsten Mucke der Welt auf dem Vechtapferd seine allerletzte Überparty zu feiern. Man stelle sich vor, wie die Beamten gucken würden, wenn man auf dem bronzenen Rücken des stolzen Warwick Rex (so heißt der freakige Gaul) mal so richtig abgehen würde, nur um einfach der grünweißen Front die absolute, unüberbietbare Iss-mir-scheiß-egal-lichste Ignoranz entgegenzuschleudern, die man zu bieten hat. Das Megaphon-Geplärre wird zur tanzbaren Symphonie, das Blaulicht beleuchtet Deine Tanzfläche und die Warnschüsse geben den Takt. Wenn man dann im Kugelhagel eingeht, geht man wenigstens mit Stil. Vorhang, Applaus.
Wem bei dieser Option (nachvollziehbarerweise) ein bisschen das Understatement fehlt, kann auch einfach in die Schuberta gehen und an der ein oder anderen Stelle fallen lassen, dass man polizeilich gesuchter Untergrundkämpfer wider unseren faschistoiden Stasi-Staat sei. Bei halbwegs charismatischem Auftreten wird man Dich sicher – zumindest bis der Spuck vorbei ist – gut verstecken und mit reichlich Billigbier und Büchsenravioli versorgen.
Ich würd´ trotzdem das mit dem Pferd machen.
von Thomas Hülsmann
Ehrlich gesagt habe ich diesen Film mit Will Smith nie gesehen. Auch Bushidos Album habe ich nie gehört. Vielleicht hätte ich mich auf diesem Gebiet mehr bilden sollen, denn plötzlich bin ich Staatsfeind Nr. 1 und weiß nicht so recht warum. Die paar Farbbeutel auf ein paar Politiker? Jedenfalls flimmert mein Gesicht nun über den Bildschirm und Peter Klöppel verkündet dazu, ich sei gefährlich. Ich schalte den Fernseher aus (als Peter an Ulrike abgibt; ich konnte diese beiden eh nie leiden) und frage mich, was ich tun soll.
Anscheinend bin ich gefährlich. Anscheinend werde ich polizeilich gesucht. Mein Gesicht findet sich in den Nachrichten, in den Zeitungen, in den Blogs und selbstverständlich auf der Homepage des BKA.
Der einzige Ausweg, den ich jetzt noch sehe, ist so unauffällig wie möglich in den Zug zu steigen, an die Küste zu fahren und mir ein Segelboot zu kapern. Eine Hochseeyacht. Dann heißt es: “Tschüß Vechta, hallo Dominikanische Republik!” Um den ganzen weiten Weg segeln zu können, habe ich mir natürlich vorher einen umfassenden Vorrat an Büchsenravioli besorgt. Das von Thomas erwähnte Billigbier passte leider nicht mehr in die Kajüte. Ravioli scheinen eine gute Grundlage für einen Hochseetörn zu sein: Tomatensoße gegen Skorbut und reichlich Kohlenhydrate fürs Segeln.
Kaum in dem kleinen Inselstaat angelangt, schmiede ich Pläne für mein weiteres Leben. Wenn ich so böse sein soll, wieso verhalte ich mich nicht einfach so? In der Uni nannte man das Labeling Approach. Aber das ist egal. Ich bin jetzt nicht mehr Sozialarbeiterin, sondern kriminell. Nein, ich meine nicht kriminell im Sinne von Waffen- und Drogenschmuggel. Ich meine: richtig böse. Richtige Bösewichte betreiben Atomkraftwerke und verdunkeln die Sonne. Oder entführen Prinzessinnen. Oder ziehen sich grüne Strumpfhosen an und schweben mit einem grünen Surfbrett durch die Luft, um dann von Spinnenmenschen bekämpft zu werden. Hm. Dieses Schweben ist schwer umzusetzen. Ich könnte mir ein Jetpack besorgen. Ich könnte es aber auch lassen. Stigmatisierung ist eh nicht mein Fall und so viel Geld für ein Jetpack hab ich auch nicht. Der Dominikanische Peso ist eben nichts mehr wert. Egal, ich bleib einfach auf der Insel und verkaufe Strandgut an Touristen. Damit mich trotz meiner politischen Vergangenheit keiner erkennt, kleb ich mir einen falschen Schnurrbart an. Klingt doch solide, oder?
von Pia Klein

Ausgabe 15 (PDF-Version)

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Thank you for travelling
Einmal im Kreis mit der NordWestBahn

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Foto: Jenniffer Malenz
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
Irgendwann macht es dich einfach kirre, wenn du weißt, dass du eine 12-stündige(!) Zugfahrt vor dir hast und niemals eine der bereisten Städte von innen sehen wirst oder wenigstens ein Endziel vor Augen hast, statt am Ende nur wieder in Vechta (für mache schon tragisch genug) zu enden. Doch das alles war uns egal. Wir wollten das komplette Semesterticket an einem Tag ausnutzen, koste es, was es wolle. Da sind Einschnitte nötig!
Irgendwann hört man dann sogar auf, miteinander zu reden oder die Pferde zu zählen (es waren 26), sondern beendet auch das Hoffen darauf, dass etwas Spannendes passiert. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal eine längere Zugfahrt mitgemacht. Normalerweise passiert dort etwas. Irgendwas. Vielleicht sitzt man neben einem verrückten, komplett besoffenen Fußballfan, der versucht unter die Sitze zu erbrechen oder eine alte Omi führt Selbstgespräche über diese merkwürdigen Porzellanpuppen-Teleshops. Irgendwas halt. Bei uns war das nicht so. Es passierte nichts. Wir waren einfach gelangweilte Reisende neben gelangweilten Reisenden – mit dem Unterschied, dass sie in einem Zug saßen und wir in dem größten Karussell Niedersachsens, der NordWestBahn Vechta bis Vechta.
Monoton rattert der Waggon los. Emotionslose Berufspendler gucken emotionslos in die emotionslose niedersächsische Tiefebene. Die Tonbandstimme irgendeiner Bahnangestellten erklärt mir, dass wir auf dem Weg nach Esens sind. Esens – ein Name, den man (wenn überhaupt) nur von der Rückseite seines Studentenausweises kennt. Das hat auch seinen Grund: Esens ist nicht nur ein verschlafenes ostfriesisches Dorf, sondern auch das nördliche Ende der NordWestBahn. Doch für mich bekam es noch eine dritte Bedeutung. Esens war ein Symbol für die gesamte Reise, denn tatsächlich endet die Schiene hier vor einem großen grauen Poller. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Wir saßen uns bereits fünf oder sechs Stunden gegenüber, machten nur „Pause“, wo der Plan es vorsah, und stiegen niemals aus, sondern nur um. Wenn wir nicht unsere „heilige Mission“ zu erfüllen hätten, wäre man hier wohl ausgestiegen und hätte an der Nordsee ein paar Flaschen (oder Kisten) Bier getrunken. Statt dessen gucke ich kurz raus, höre eine Möwe schreien und nehme ernüchternd wahr, wie sich derselbe Zug, mit dem wir gekommen waren, in die umgekehrte Richtung aufmacht, um uns nach Bielefeld zu bringen. Der Betreiber eines schmierigen Autoskooters hätte jetzt gesagt: “Und weiter geht die wilde Fahrt.”
Ich schließe mit einem Appell:
Liebe Studenten, das Semesterticket ist toll, aber macht so was nicht nach! Mit der NordWestBahn im Kreis fahren, ist wie Sterben. Wirklich! Nehmt lieber Drogen, fangt das Rauchen an oder lasst das Anschnallen sein, aber macht nicht nach, was die wahnsinnigen uniVista-Kaputten da wieder ausprobiert haben. Lasst es einfach. Wirklich. Eure Psychohygiene wird Euch dankbar sein. (Ausserdem sind wir dafür um fünf Uhr aufgestanden! Um fünf! Wie bekloppt kann man eigentlich sein?)
von Thomas Hülsmann
Foto: Thomas Hülsmann
Zwischen Hüten und Zügen
“Was mach ich hier nur?”, war die erste Frage, die sich mir stellte, als sich an meinem freien Tag, morgens um fünf Uhr, der Wecker mit seinem schaurigem Piepton meldete, um damit den wohl merkwürdigsten Tag meiner Semesterferien einzuleiten. Wer bitte kam auf diese geistreiche Idee? Und was würde ich 12 Stunden lang mit den anderen anfangen? Fragen über Fragen, aber ich war bereit. Also traf ich alle Vorbereitungen, die für einen solch ereignisreichen Tag eben zu treffen sind, und begab mich auf den Weg zum Vechtaer Bahnhof, nachdem ich mit großer Genugtuung meinen Zauberbesen an meinem Fahrrad festgeklemmt hatte. Lange musste ich nicht warten an diesem Morgen, da bewegten sich auch schon zwei dunkle Gestalten auf mich zu. Die eine von ihnen rief laut: “Der Besen!” und lachte. Es war Thomas, der mit Tobias die Straße überquerte. Ich hatte wirklich befürchtet, dass sich keiner außer mir aus den Federn bewegen würde. Aber weit gefehlt.
So warteten wir gemeinsam noch kurze Zeit auf den Zug und stellten erstaunt fest, wie viele Leute so früh schon von A nach B unterwegs waren. Die NWB war gut befüllt, doch fanden wir einen Vierer-Platz, an dem wir uns gegenseitig unsere Habseligkeiten für den Tag zeigten und uns fragten, warum so viele
Harry-Potter-Dinge dabei waren. Nun ja, das nehme ich dann mal auf meine Kappe. Und es sollte ja auch noch seinen Zweck erfüllen. Tobias zeigte uns, wie stylish er mit Hut und uniVista-Shirt sein kann und Thomas präsentierte sich mit meinem tollen
Hogwarts-Outfit vor der Kamera.
Schon bald lugte die Sonne hervor und wir trafen in Bremen ein. Dort frühstückten wir bei einem Bäcker, posierten abermals vor der Kamera und begaben uns dann auf den Weg nach Wilhelmshaven. Welch ein schöner, weiter, flacher aber auch etwas trister Landesabschnitt. Und weil es sich anbot, haben wir die Gelegenheit genutzt, unsere intimsten Geheimnisse preiszugeben und über Gott und die Welt zu sprechen. Doch damit nicht genug. Es muss so zwischen Wilhelmshaven und Sande gewesen sein, als wir das Glück hatten, den kompletten Zug für uns alleine zu haben, als mein Hogwarts-Outfit und Tobias’ Quidditch-Ball zum Einsatz kamen. Ich habe tatsächlich den Schnatz gefangen und sogar einen Quaffel in den Torring bekommen. Welch ein Erfolg! Ravies rocken!
Nachdem wir uns also in Ostfriesland völlig verausgabt hatten, fuhren wir fröhlich weiter nach Osnabrück. Um die Reise noch extremer zu gestalten, diesmal stehend, so Tobias‘ Vorhaben, woran uns dann leider eine Schaffnerin hinderte und uns Plätze zuwies. Daher war diese Fahrt relativ unspektakulär. Bis auf den jungen Herrn neben mir, der das Bedürfnis hatte, während seines Schlafes mit dem Kopf auf meiner Schulter zu liegen. Daher nahm ich automatisch eine wenig rückenschonende Haltung ein, um ihm dies nicht zu ermöglichen. Tobias und Thomas fanden das sicher sehr amüsant.
Da dies aber nicht der Höhepunkt des Tages sein sollte, beschlossen wir dann eine Gemeinschaftsgeschichte zu schreiben und gingen diesem Vorhaben auch direkt auf dem Weg in Richtung Bielefeld nach. Nie war ich so kreativ, nie so reich an wohlgeformten Wörtern. Und weil nach diesem literarischen Meisterwerk unsere Köpfe leer und unsere Körper schlapp waren, nutzen wir die restliche Fahrt nach Vechta nur noch dafür, um in der Gegend herumzustarren oder auch um zu schlafen.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nun zum einen weiß, wie viele Orte ich kostenlos mit der NWB erreichen kann, wie es in Niedersachsen aussieht und wo ich ungestört Zugfahren kann. Zum anderen habe ich meine beiden Mitredakteure besser kennengelernt sowie umgekehrt, was doch immer eine tolle Sache ist und zum Zugfahren einfach dazugehört! Thank you for travelling! .
von Jenniffer Malenz
Foto: Jenniffer Malenz
Meine persönlichen Lowlights
Mal so was richtig Extremes machen. Das war das Motto. An die Grenzen gehen. Das Licht am Ende des Tunnels sehen und dann schnell abbiegen. Dass die NordWestBahn ein Zug des schleichenden Wahnsinns sein kann, wusste ich aus Erfahrung. Dass das karge Flachland im Norden reichlich Halluzinationen zutage bringt, auch. Ich war eingestellt auf Verspätungen, quälende Nahverkehrsschaffner und tobende Schulklassen, die einem die fröhliche Gesinnung nehmen. Doch dann das: Es passierte absolut gar nichts! Nicht ein Hauch von Abenteuer oder näher kommendem Nervenzusammenbruch. 12 Stunden geregeltes Beieinandersitzen in Harmonie und Geselligkeit. Mal reichlich abschweifend, dann wieder intensiver. Ist das extrem? Ja! Wieso? Schon allein das ganze Vorhaben ist von extremer Stumpfheit, dass die Schilderung der Erlebnisse einen Platz in dieser Rubrik finden darf. Hier meine persönlichen Lowlights.
Beginnen wir mit dem ersten extremen Akt.
05:30 Wenn man zu einer Zeit aufsteht, an der die letzten Gäste im Blue ein Bier bestellen, kann das keineswegs gesund sein. Motivation ist reichlich wenig vorhanden, dem kommenden Tag mit positiver Energie entgegenzutreten, da er doch dafür reserviert ist, die Zeit in Zügen der NWB abzusitzen, welche sogar Ortschaften anfährt, an dem kein Wunsch präsenter ist, als zu fliehen oder zu sterben.
06:01 Bahnhof Vechta. Ich mag diesen Ort eigentlich. Er ist stets der Beginn einer Reise zu aufregenderen Orten als eben dieses Vechta. Heute soll er mich in exakt einer Tageshälfte wieder begrüßen. Gut, dass Hermine uns begleitet. Vielleicht kann sie uns allesamt hinweg zaubern.
Als Student hat man irgendwann vergessen, dass Arbeitszeit auch schon vor 8:30 Uhr beginnen kann. Die NWB war nämlich voll von müden Lohnjägern, was ich in meiner einmaligen Situation, in ihrer Gegenwart zu verweilen, extrem lustig fand.
11:00 Wenn ich Möwen kacken sehe, bin ich recht zufrieden, da ich mir darüber im Klaren bin, dass das Meer nicht weit sein kann. Die NWB hält am obersten Zipfel ihres Liniennetzes leider nicht direkt am Strand. So konnte ich mir etwas salzigen Geruch einbilden, bevor wir wieder in Richtung extremer Landwirtschaft und Tierzüchterei fuhren.
13:00 Um alles einen Grad extremer zu gestalten, gebot ich meinen Mitstreitern (Hermine kann übrigens nicht zaubern) zwei Stunden im Stehen zu verweilen. Ich hätte mich dafür allerdings gegen eine eifrige Schaffnerin auflehnen müssen, welche die Fahrgäste so verteilte, dass auch Quasimodo bequem gesessen hätte. Aus Erfahrungswerten weiß ich allerdings, dass es keine Mittel gibt, Kontrolleure in ihrem natürlichen Jagdgebiet von dem Glauben an eine gute Sache zu überzeugen. Zumindest nicht in unserem Fall. Das extreme Vorhaben scheiterte.
15:55 Bielefeld ist extrem hässlich. Ich möchte mir kein Urteil über die gesamte Stadt erlauben, aber alles, was sich um den Bahnhof befindet, ist eine Beleidigung für neugierige Augen. Außerdem rannten ständig Arminia-Fans über den Zuggang. Die sind auch nicht schön anzusehen. Aber sie verhielten sich sehr vorbildlich. Kein Grölen, kaum am Saufen. Fast schon extrem langweilig.
18:30 Vechta. Wir sind zurück. Nicht einmal die Knochen schmerzen. Ich fühle mich extrem ausgeruht. Der Tag kann endlich beginnen. Dennoch muss ich noch so einige extreme Sachen festhalten. Zum einen waren meine Mitstreiter extrem sympathisch. Zum anderen sollte man bedenken, dass Zug fahren und Bier trinken eine notwendige Mischung zur Aufrechterhaltung des ausgeruhten Reisestiles ist. Ich verzichtete! Und das war richtig extrem!
von Tobias Kunz

San Francisco

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Nachdem in der letzten Episode die gesamte WG unter einer Schneelawine begraben wurde, scheint alles vorbei. Ist dies das Ende? Und was wurde aus der Waschmaschine?

Gedanken wabern durch den Nebel des Bewusstseins. War dies tatsächlich der Himmel? Wo war Bob?

Stimmen. Worte. Bobs Verstand schien zu bersten. Bobs Verstand? Etwas war merkwürdig.

Oh, zum Glück war die Lawine und das Jenseits nur eine drogeninduzierte Halluzination von Bob. Da haben wir alle ja gerade noch mal Glück gehabt.
Jetzt, wo die WG gerettet ist (naja, streng genommen nur Bob), stellen sich jedoch nur noch mehr Fragen, die nach Antworten schreien. Warum halluziniert Bob sich in fremde Körper? Was ist mit der Waschmaschine?
Und wer zu Hölle ist Arno Dübel? All das erfahrt Ihr nächstes Mal (wer´s glaubt…)
Texte: Thomas Hülsmann
Kulissen: Thomas Hülsmann und Tobias Kunz
Inspiration: Arno Dübel
Fotos: Alexander Dressler

Ausgabe 14 (PDF-Version)

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The End is Near!
Über Sex, Brustvergrößerung und was das alles in der Überschrift zu suchen hat

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Ach, meine lieben Freunde, wir wissen es doch alle: Die Welt geht unter! Nichts ist offensichtlicher. Niemand rettet Tibet, niemand rettet das Weltklima, niemand rettet die Babyrobben! Und die Kultur macht da keine Ausnahme.
Besser als Fernsehen!
© I. Friedrich / PIXELIO
Um uns das alles vor Augen zu führen, gab uns Gott ein mächtiges Instrument, welches über jeden Zweifel erhaben ist und dem geschulten Betrachter aufzeigt, warum Nostradamus, Scientology und 100.000 Mayas nicht irren können: das Nachmittagsfernsehen. Nirgendwo sonst wird dem Interessierten so deutlich vorgeführt, warum der Weltenbrandt, zumindest auf kultureller Ebene, gar nicht mehr zu löschen ist.
Wenn Mister Methan bei Oliver Geißen zeigt, wie toll er auf Kommando furzen kann oder das kleine Nachbarsmädchen (14) davon erzählt, dass sie auf jeden Fall eine Brustvergrößerung von Körbchengröße B auf Doppel-D braucht, um den als Leguan ganzkörpertätowierten Sexpartner (46) der Mutter (26) zu verführen – ja, dann hört man die Apokalyptischen Reiter doch praktisch schon mit den Hufen scharren.
Die kulturelle Gosse, in der sich Barbara Salesch mit 9live zusammen auf die alten Zeitungen legen, K11 und Mitten im Leben ein paar Euro erbetteln und sich Lenßen und Partner mit Sturm der Liebe um den billigen Fusel zanken, ist das wahre Orakel vom Armageddon. Ohne irgendwas mit Sex, Titten, Drogen und Gewalt reißt man den abgestumpften 15-jährigen halt nicht mehr vom Hocker. Trash ist Quote.
Aber, lieber Leser, meckern hilft nichts und dem doofen Nachbarskind im Rahmen einer zünftigen Gehirnwäsche zwei Streichhölzer in die Augen zu klemmen und ihn von früh bis spät mit französischen arte-Kunstfilmen aus den frühen 70ern vollzustopfen, erscheint auch nicht sehr fruchtbringend (obwohl ich den Gedanken irgendwie reizvoll finde).
Anmerkungen des Autors: Zwei bei Kalwass erscheint nicht in der Aufzählung, da “ihre Therapiestrategien grundsätzlich nachvollziehbar sind.” (Zitat: Stefanie Bruns, Diplompädagogin)
Desweiteren trauern wir um Lenßen und Partner, von dem keine neuen Folgen produziert werden.
Eine echte Lösung hatte nur einer: Der letzte “vorderste Front”-Kämpfer der Kultur, den wir jemals im Nachmittagsfernsehen bewundern durften, war ironischerweise ein quasi geisteskranker Bauwagenbewohner in Latzhosen.
Peter Lustig‘s prägnant-passendes Postulat lautete: “Abschalten!”
von Thomas Hülsmann

Kracht goes Postapokalyptik

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Wenn die Welt seit 100 Jahren Krieg gegen sich selbst führt und die Schweiz ein Großsowjetisches Reich von Analphabeten ist, genießt man gerade eines der ungewöhnlicheren Szenarien der deutschsprachigen Popliteratur.
Mit Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht wird der Leser in eine Postapokalytische Dystopie gerissen. Eine Geschichte von Menschen, die ihr gesamtes Leben in einem sinnlosen Krieg-um-des-Krieges-willen verbringen. Beeindruckend dicht schildert Kracht den Kampf ums Überleben und die ideologische Verblendung der Charaktere. Er zeichnet eine Welt, in welcher der ganz normale Wahnsinn von Krieg, fließenden Fronten und dem Verfall jeder Kultur zu einem Hintergrundrauschen wird. Erzählt wird der ganze Wahnsinn aus der Sicht eines schwarzen schweizer „Komissärs“, welcher versucht merkwürdige Morde an seinen Eidgenossen aufzuklären.
Wer sich mit dem durch und durch abgefuckten Szenario (Schwarz-Afrikanische Schweizer üben am Kilimandscharo den alpinen Winterkrieg!!) anfreunden kann, findet in diesem Buch tatsächlich eine wahre Perle der Bibo. Sprachlich brilliant. Lesen!
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Signatur: CQYk8532=395842
von Thomas Hülsmann

Ausgabe 13 (PDF-Version)

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Wheelchair-Showdown

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Lässig lasse ich mich in den tiefen Ledersitz fallen. Man kann förmlich die gewaltige Power spüren, die zwischen den vier Rädern danach lechzt, den 0,5-PS-Boliden übers Linoleum zu jagen. Die vehikelgewordene Bestie setzt sich mit quietschenden Reifen in Bewegung. Ich hatte die Bremse des Rollstuhls nicht gelöst.
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Noch öffnen sich nicht alle Türen
automatisch auf Tastendruck.
Foto: Tobias Kunz
Wir befinden uns in der uniVista-Redaktion (A-Gebäude, ganz oben), wo unser kleiner Selbsttest zur ach so rühmlichen „Barrierefreiheit“ der Uni beginnen soll. Ziel der ganzen Aktion ist es, herauszufinden, ob man als körperlich beeinträchtigter Kommilitone, Mitarbeiter oder Besucher tatsächlich die wichtigsten Bereiche der Uni ohne fremde Hilfe und mit vertretbarem Aufwand im Rollstuhl erreichen kann. Die Hauptrollen spielen hierbei nun ein altgedienter Rolli aus der Studentenbühne und ein bemitleidenswerter Redakteur, der zwar notorisches Pech beim Stöckchen ziehen hatte, sich dafür aber herzlich darauf freut, einen radikalen Verriss über die womöglich katastrophalen Verhältnisse zu schreiben.
Auf geht’s. Nach dem ersten Beschnuppern freunden sich mein Popo und der Krankenfahrstuhl schnell an. Ich löse die Bremse und gleite lautlos wie ein junger Gott über die Flure. Natürlich quatsch: Der mistige Sitz ist sau eng, die Reifen nicht ganz aufgepumpt und jeder Meter geht richtig in die Arme.
Die erste Frage, die sich sofort stellt, ist natürlich, wie man denn jetzt aus dem 2.Stock nach unten kommt, wenn man sonst immer die Treppen benutzt. Ich freue mich schon erstes Material gefunden zu haben, um meinen Hetzartikel zu schreiben, als ich mit meinen Fußrasten gegen die Tür eines Aufzugs stoße, den ich heute zum ersten Mal bemerke – Na toll! Im Erdgeschoss des A-Gebäudes bin ich das erste Mal unter Menschen. Die meisten ignorieren das sexy Gespann aus 19kg Stahl, Leder und mir. Andere glotzen unverhohlen. Als erstes teste ich nun den Haupteingang auf Rollikompatibilität. Und auch hier finde ich wieder keine Möglichkeit das Argumente-Arsenal für meinen ersehnten Hetzartikel auszubauen, denn hier gibt es sogar einen Schalter, welcher die Eingangstür automatisch für mich öffnet (auch dieser fällt mir jetzt zum ersten Mal auf). Draußen gibt es als Alternative zur Treppe eine durchaus nutzbare schlangenförmige Rampe. Ich fühle mich ein bisschen an die berühmten norditalienischen Serpentinen erinnert (naja eigentlich überhaupt nicht, wir sind schließlich in VECHTA).
Nun quäle ich mich an der Driverstraße entlang, um zur Bibliothek zu fahren. Um von der Straßenseite aus mit Rollstuhl dort hoch zu gelangen muss man sich nun eine recht steile Rampe hochwuchten. Als ich oben bin, habe ich die ersten Blasen an den Händen und Schweiß auf der Stirn. Ab zur Biblothek! Langsam steigt in mir die Verzweiflung auf, denn auch hier ist alles 1A mit Rollstuhl erreichbar. Ich sehe den Artikel in Gefahr. Die Aufzugversorgung ist leider top. Nur wer ins Erdgeschoss zurück will, muss freundlich fragen. Dieses ist nämlich nicht ohne Weiteres mit Lift erreichbar. (Ansonsten könnten nämlich hinterlistige Studenten – sagen wir mal – das ein oder andere Buch „unentgeltlich dauerausleihen“.)
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Die Brücke ist nicht der einzige
Weg vom Bistro in die Mensa.
Auch durch die Bibliothek führt ein Weg.
Foto: Tobias Kunz
Da der Zugang zum Außensteg, welcher einen bequemen Zugang zur Mensa gewährleistet hätte, verschlossen ist, muss ich mich nun den gesamten Weg über‘s E-Gebäude zurückkämpfen. Natürlich hätte man auch einfach fragen können, ob man hier bitte kurz aufschließen kann, aber da ich ja eigentlich laufen kann, wollten wir nicht zu aufdringlich sein. Doch auch hier, an der Seite des E-Gebäudes, zu dem ich mich nun geschleppt habe, wird mein Einsatz nicht belohnt. Zwar kann ich den ersten Eingang wegen einer kleinen Stufe nicht nutzen, aber schon eine Tür weiter gewähren mir die heiligen Hallen unserer allseits geliebten Alma Mater den Einlass. Als wäre das nicht schon genug, schreit mir auch hier – direkt hinter der Tür – die Barrierefreiheit in Form eines riesigen Rollstuhl-Aufzugs ins Gesicht.
Peu à peu beginne ich mich verfolgt zu fühlen. An jeder noch so kleinen Treppe bettelt mich irgendein Gerät an, welches danach lechzt mich und meinem fahrbaren Untersatz zu befördern. Um der Sache noch die Sahne aufzusetzen, kommt sogar ein freundlicher Hausmeister und erklärt mir, was ich genau drücken muss. Alles scheint sich gegen mich verschworen zu haben. Ich muss an die frische Luft. Draußen fahre ich über die Brücke der Universitätsstraße. Doch auch hier hole ich mir zwar Blasen, meine Hände krampfen und ich schwitze, als wäre ich 5km mit Gepäck gerannt, aber es war definitiv machbar. Ich beschließe zur Redaktion zurückzufahren. Es scheint mir, als müsse ich nun folgendes akzeptieren: Das wird nichts mit dem Hetzartikel!
Fazit: Die Barrierefreiheit ist (nach unser Erfahrung, die selbstverständlich lückenhaft ist) an der Hochschule Vechta gar nicht mal so schlecht…
Ich spreche jedem Rollstuhlfahrer meinen tiefsten Respekt aus, da ich diese für mich neue Situation als äußerst anstrengend und (trotz „Barrierefreiheit“) als Beeinträchtigung wahrgenommen habe. Wir hoffen, dass sich niemand durch diesen Artikel beleidigt fühlt. Im Gegenteil hoffen wir damit mehr auf die Bedürfnisse der Behinderten aufmerksam zumachen.
von Thomas Hülsmann

Meer und Morgenrot

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Ein blasses Mädchen, von 17 Jahr,
in ihrer Kammer unterm Dach
träumte davon wies früher war,
als sie nicht krank, nicht schwach.
Sie träumte von Sommer und Sonnenschein,
vom Lachen mit hübschen Knaben.
Für sie sollte‘s nun nicht mehr sein,
würd nie einen Gatten haben.
Denn vor ihr stand im Mondenschein,
mit schwarzem Kapuzengewand,
ein dunkler Herr im Kämmerlein,
die Sense in der Hand
„Ich bin der Tod
der allen droht
ein schneller Schnitt
und du kommst mit“
„Gevatter Tod, so hab Geduld!
Nimm fort die Finger, die kalten.
Mein Herz ist frei von jeder Schuld,
drum lass bitte Gnade walten!“
„Ich bin der Tod
die Sense blutrot
wer meine Arbeit tut
kennt Gnade nicht gut“
Das Mädchen weinte so bitterlich,
als sie diese Worte vernahm,
dass beim Sensemann sich Zweifel einschlich
und von ihm dieses Angebot kam:
„Ich bin zwar der Tod
bringe Leid und Not
doch dein Herz ist rein
ein Wunsch sei dein“
„Oh, Meister der Sense, dunkler Schnitter,
ich werde mit dir gehen,
doch wäre mein Ende halb so bitter,
könnt ich noch das weite Meer sehen.“
Da umarmte er sie mit festem Griff
und flog mit ihr durch die Nacht,
weit fort, zu einem schönen Riff,
wo Morgenröte lacht
Der Sensemann, er küsst sie sanft.
Eine Träne fällt in die Gischt,
die zischend in den Wellen verdampft,
als das Leben des Mädchens erlischt.
Ein blasses Mädchen von 17 Jahr,
sah das Meer noch, als die Sonne auftauchte.
Träumte nicht mehr, stand glücklich da,
als sie ihr Leben aushauchte.
von Thomas Hülsmann
morgenrot13
Zeichnung: John Boomer

Ausgabe 12 (PDF-Version)

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“A man’s gotta read, what a man’s gotta read!”

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Und genau das Gegenteil habe ich für diesen Artikel getan.
Wie ist es als Mann ein Frauenbuch zu lesen?
Diese Frage war das Leitmotiv für eine kleine Expedition in das ureigenste Territorium der holden Weiblichkeit. Eine hochhackige Safari zum Zentrum der femininen Gedankenwelt. Eine Cosmopolitan schlürfende Reise zum heiligen Gral der Emanzipation.
Kurz: Ich las ein Buch über eine Londoner Yuppi-Mittdreißigerin, die denkt, ihr Hintern sei zu dick.
Nachdem ich die Bis(s)-zum-Morgengrauen-Trilogie von Stefanie Meyer gelesen hatte, dachte ich (naiv wie ich war), mir in Sachen weiblicher Literatur schon eine gewisse Erfahrung und Schmerzfreiheit angeeignet zu haben. Dass ich den emotionalen Overkill, den Meyer nach fast jedem Absatz über mich ergossen hatte, locker überstand, stimmte mich optimistisch, dass auch die kommende Aufgabe für mich ein Klacks wäre.
Also lieh ich mir von einer Freundin ein Buch, was nun wirklich die Bezeichnung Frauenliteratur verdiente
Arabella Weir: „Ist mein Hintern wirklich zu dick? – Tagebuch einer empfindsamen Frau“
Was habe ich mich durch die läppischen 237 Seiten durchgequält!
Schon nach den ersten Seiten erwischte mich dieser literarische Östrogenvorschlaghammer frontal im Gesicht. Nach den ersten 30 Seiten geht Jacqueline M. Pane en détail auf ihre Periode ein, schildert ihre Bindenstärke und erläutert jede Kleinigkeit ihrer prämenstruellen Störungen, welche im Buch später wegen häufiger Verwendung(!) als PMS abgekürzt werden.
Aber über allem steht natürlich die titelspendende Frage nach den allesentscheidenden Dimensionen des werten Gesäßes.
„Hilfe, mir passt mein Rock in 38 nicht mehr, ich müsste jetzt eigentlich 40 tragen – deshalb kaufe ich einen neuen in 36 um mich reinzuhungern!“
manread12
Männer und Frauenlektüre: eine gute Kombi?
© khv24 / PIXELIO
Die paranoiden Gedankenschnipsel der Protagonistin gehen später so weit, dass sie sich Taktiken ausdenkt, um beim Sex nicht zu unvorteilhaft auszusehen, was natürlich in allen Einzelheiten ausgekocht werden muss – Sex sells.
„Wenn ich mich entscheiden müsste: Ich würde eher meinen Po, als meine Muschi bedecken!“
Eine richtige Geschichte wird übrigens nicht erzählt (man möge mich korrigieren, ich habe jedenfalls weder Spannungsbogen noch Ziel ausmachen können).
Vielmehr soll das Buch auf „lustige Weise“ einen Einblick in ein Jahr der Protagonistin liefern.
Da geht es um die wahren Probleme der modernen Frau:
Wie man PNLs (Abk. potenzielle neue Liebhaber) gewinnt und Cellulitis sowie Körpergewicht los wird oder warum die Freundin des Nachbarn beim Sex zu laut ist und die „Makrobio-Fastenkur“ nicht anschlägt.
„Die Blackouts, die ich bei meiner Arbeit wegen des Hungerns bekomme, zeigen mir, dass ich abnehme.“
Als Füllmaterial zwischen den neurotischen 1.-Weltproblemen wird eine halbgare Beziehung zu ANA (Abk. Attraktiver neuer Andy) gereicht, die sich endlos hinschleppt und erst auf den letzten paar Seiten plötzlich zum Happy End gehetzt wird.
Fazit: Obwohl ich im gleichem Maße zu der Zielgruppe gehöre wie meine Omi auf ein Slipknotkonzert, hatte ich zum Teil, das sei zugegeben, schon ein Schmunzeln auf den Lippen. Lichte Momente, in denen ich den grundweiblichen Humor verstand, waren zwar selten, aber um so interessanter.
Die wirren Gedankenströme um alle möglichen Ecken, die ständige Panik, wie frau bei andern ankommt und das niedliche Hin-und-her-Gezicke wegen Frisur, Kleiderkombinationen und gut aussehenden Männern, hatten manchmal schon einen unerklärlichen Reiz, dem selbst ich mich nicht entziehen konnte.
Am Ende bleibt jedoch ein ungutes Gefühl zurück, ein nagendes Unwohlsein, welches die Freude überschattet, diese Aufgabe hinter sich gebracht zu haben…
Ich geh mir die Füße lackieren.
von Thomas Hülsmann

Ausgabe 11 (PDF-Version)

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Wilhelmshaven – Maritime Erlebnisse

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unterwegs1a
Fotos: Sarah Kotten und Alexander Dressler
Freundlich wurden wir in Wilhemshaven von einer älteren Mitbürgerin begrüßt, als wir unseren mit Rückenwind gesegneten Gang am Hafenkanal genossen. “Ich wünsche euch den Gegenwind, den ich grad hab.“, war ihre spontane Reaktion auf unsere Anwesenheit.
Wir waren grad auf dem Weg zum Bauwagen von Peter Lustig, von dem ein Exemplar im Kulturzentrum Pumpwerk steht. Leider war er lieblos hinter Bauzäunen versteckt und mit Plastikplanen vor dem rauen Seewetter geschützt. Nicht ganz so lieblos präsentiert Wilhelmshaven seine Maritime Meile, die im Fokus unseres Ausflugs stand. Mehrere unterschiedliche Museen und Erlebnishäuser befinden sich entlang des Kanals und der Bucht.
Dabei führen verschiedene Wege nach Wilhelmshaven. Entweder mittels einer meist stündlichen Verbindung über Bramsche und Oldenburg mit der NWB (ca. 3h), einer 3-4maligen Verbindung pro Tag über Ahlhorn mit dem Bus (3,90 Euro) und dann weiter mit der NWB (ca. 2h) oder über eine noch seltenere Verbindung (2 Mal pro Tag) mit der NWB über Delmenhorst und Oldenburg.
Garnisonskirche
Die Garnisonkirche ist nicht sehr groß, aber doch irgendwie beeindruckend. Zwischen all den Wappen an den Sitzbänken erinnern große Denkmäler und Tafeln an Opfer von Seeschlachten. Es wird den Helden der Marine gedacht und neben dem Altarbereich gibt es das Grab eines unbekannten Matrosen. Im Altarraum selbst prangt ein helles Bild, welches Gott auf dem Meer symbolisiert. Allgemein lohnt es sich, dieser evangelischen Kirche mal einen Besuch abzustatten. Außerdem kann man dann auch seine Gebete und allgemeinen Sorgen in einem Buch niederschreiben, was am Eingang der Kirche ausliegt. Ach, eine letzte Sache noch, die man hier unbedingt beachten sollte: Die Kirchentüren sollten immer geschlossen bleiben, denn schließlich heizt die Kirche nicht für den Vorplatz… sagt sie zumindest.
unterwegs1d
wal.welten
Foto: Tobias Kunz
Küstenmuseum
Wer sich schon immer für Seemannsromantik begeistern konnte, ist im Küstenmuseum gut aufgehoben. Neben den üblichen Abbildungen von Schiffen und Meereshorizonten erfährt man viel Wissenswertes über das Leben und Sterben der Nordseebewohner seit Anbeginn der Evolution. Aufnahmen von Überschwemmungen, ausgestellte Skelettfunde sowie die präzise Veranschaulichung der Veränderung Wilhelmshavens in den letzten Jahrzehnten bis in die Gegenwart. Nebenbei überzeugt die Ausstellung wal.welten indem sie das
15 Meter lange Skelett eines gestrandeten Wals präsentiert. Die derzeitige Sonderausstellung Auf zwei Rädern ins Wirtschaftswunder – Räder, Roller und Mopeds der Achilles-Werke Wilhelmshaven ist für Nostalgiker unbedingt zu empfehlen.
www.kuestenmuseum.de
Oceanis
Auf das Oceanis haben wir uns gefreut. Ja, wir dachten, es könne wirklich ein großes Highlight auf unserer Tour werden – doch leider entpuppte es sich recht schnell zu einer Art Wissenserlebnispark für engagierte Jungeltern, die ihren Kindern mal was richtig Tolles bieten wollen.
Im Wesentlichen besteht das Museum aus einer virtuellen Fahrstuhlfahrt „in die Tiefe des Meeres“, mit der man eingestimmt werden soll auf das Unterwasserstationsfeeling. Unten erwarten den Besucher dann einige röhrenartige Gänge, in denen Maschinen, Gegenstände oder Situationen aus der maritimen Umwelt, z.B. Reusen, Unterwasserroboter, Riesenkrakenangriffe etc. ausgestellt sind.
Zu jedem Exponat kann man sich dann aus den dargereichten Kopfhörern lehrreich beschallen lassen. Die Sprecher sind eine Meeresbiologin, interessierte Kinder, ein schrulliger alter Seebär und – man höre und staune –
ein Fisch.
Meist erklärt die Wissenschaftlerin die nüchternen Tatsachen, der Seebär jammert, dass früher alles besser war und wird dann von den Kindern zur Vernunft gerufen. Die Aufgabe des Fisches besteht, glaub ich, hauptsächlich darin, lustig zu sein (was kann man auch anderes von sprechenden Fischen erwarten).
Obwohl – und das muss man deutlich eingestehen – die Gespräche meistens durchaus informativ waren und leichter verdaulich sind als das für normale Museen übliche Textbombardement, so hätte ich stellenweise gerne auf den Klamauk verzichtet.
Im Zentrum der „gigantischen Unterwasserstation“ kann man dann noch an drei riesigen Monitoren ein lustiges Fische-Such-Spiel genießen und in bester Eye-Toy-Manier wild hüpfend Sternchen sammeln sowie vor Raubfischen fliehen. Der krönende Abschluss des Aufenthalts ist dann ein kurzer 4D-Kino-Trip, der einen dann wieder zur Oberfläche bringt.
Fazit: Die Zielgruppe sind eindeutig Kinder und Jugendliche. Wenn du nicht gerade engagiertes Jungelternteil bist, leg dir die 7 Euro lieber unter die Matratze.
www.oceanis.de
unterwegs1c
Außenbereich des Marinemuseums
Foto: Sarah Kotten
Deutsches Marinemuseum
Das Marinemuseum handelt von Marine… ja, klar. Die Theorie im Gebäude ist nicht gerade das Spannendste,
aber der Außenbereich macht das alles wieder wett. Dort gibt es ein altes U-Boot, welches man sich auch von innen ansehen kann und ein paar Schiffe der Marine, die eigentlich zeigen, wie es heute noch auf solchen Marineschiffen aussieht. Man erfährt, wie eng das in diesen Dingern ist und dass die äußere Größe manchmal über das Innere hinwegtäuschen kann. Einfach mal ausprobieren. Aber Vorsicht beim Einstieg in diese Schiffe, denn das ist nichts für Ängstliche… besonders Leute mit Platzangst sollten besser nur die Außenhülle genießen und lesen, wer sich alles auf dem U-Boot die ewige Liebe geschworen hat.
Noch ein Tipp: Kauft euch die Kombikarte, denn dann habt ihr im Preis den Eintritt für das Wattenmeerhaus mit drin.
www.marinemuseum.de
Wattenmeerhaus
Mit dem Slogan „Verborgene Welten entdecken“ wirbt das Wattenmeerhaus für seine 2000qm große Ausstellung. Es ist wirklich ein Erlebnis, wie vielfältig das Wattenmeer sein kein. Begrüßt wird man mit einem
Tasterlebnis, bei dem man verschiedene Dinge aus dem Watt ertasten kann. Weiter geht es im Erdgeschoss mit dem obligatorischen Geschenkeshop und grundsätzlichen Informationen zum Wattenmeer. Im nächsten Geschoss gibt es meistens Sonderausstellungen, die nicht unbedingt das Thema des Hauses vertreten. Zu der Zeit, als wir dort waren, gab es die Foto-Ausstellung „Eye to Eye“,
die mit eindrucksvollen Tierbildern des Wildlife-Fotografen Frans Lanting faszinierte. Im zweiten Geschoss geht es dann richtig los mit dem Erlebnis Wattenmeer. So gibt es nicht nur Ausstellungsstücke zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen und Mitmachen. Ein Sturmraum, ein original Krabbenkutter, Eindrücke und Erlebnisse von Fischern und Wattenmeerbewohnern und Konstruktionen wie brütende Vögel auf die Anwesenheit von Menschen reagieren, sind nur einige Beispiele. Ganz oben angekommen kann man mit dem Ausblick von der Panoramaterrasse den Tag ausklingen lassen.
www.wattenmeerhaus.de
In Wilhelmshaven gibt es einiges zu sehen und zu erleben. Am empfehlenswertesten ist wohl ein Kurzurlaub, um alles sehen und genießen zu können, was Wilhelmshaven so zu bieten hat. Ein Tag ist dafür auf jeden Fall zu kurz, schon allein weil die meisten Einrichtungen pünktlich um 17 Uhr schließen.
von Alexander Dressler, Sarah Kotten, Tobias Kunz und Thomas Hülsmann
unterwegs1b
Fotos: Sarah Kotten und Alexander Dressler

Bilderalbum
uniVista No. 11: Wilhelmshaven

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