Ein blasses Mädchen, von 17 Jahr,
in ihrer Kammer unterm Dach
träumte davon wies früher war,
als sie nicht krank, nicht schwach.
Sie träumte von Sommer und Sonnenschein,
vom Lachen mit hübschen Knaben.
Für sie sollte‘s nun nicht mehr sein,
würd nie einen Gatten haben.
Denn vor ihr stand im Mondenschein,
mit schwarzem Kapuzengewand,
ein dunkler Herr im Kämmerlein,
die Sense in der Hand
„Ich bin der Tod
der allen droht
ein schneller Schnitt
und du kommst mit“
„Gevatter Tod, so hab Geduld!
Nimm fort die Finger, die kalten.
Mein Herz ist frei von jeder Schuld,
drum lass bitte Gnade walten!“
„Ich bin der Tod
die Sense blutrot
wer meine Arbeit tut
kennt Gnade nicht gut“
Das Mädchen weinte so bitterlich,
als sie diese Worte vernahm,
dass beim Sensemann sich Zweifel einschlich
und von ihm dieses Angebot kam:
„Ich bin zwar der Tod
bringe Leid und Not
doch dein Herz ist rein
ein Wunsch sei dein“
„Oh, Meister der Sense, dunkler Schnitter,
ich werde mit dir gehen,
doch wäre mein Ende halb so bitter,
könnt ich noch das weite Meer sehen.“
Da umarmte er sie mit festem Griff
und flog mit ihr durch die Nacht,
weit fort, zu einem schönen Riff,
wo Morgenröte lacht
Der Sensemann, er küsst sie sanft.
Eine Träne fällt in die Gischt,
die zischend in den Wellen verdampft,
als das Leben des Mädchens erlischt.
Ein blasses Mädchen von 17 Jahr,
sah das Meer noch, als die Sonne auftauchte.
Träumte nicht mehr, stand glücklich da,
als sie ihr Leben aushauchte.
von Thomas Hülsmann
Zeichnung: John Boomer