Perlen der Bibo

Inhaltsverzeichnis:

8000 km
Ein langer Weg aus der Einsamkeit

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© Arena Verlag GmbH
Sie sieht nicht besonders gut aus, in der Schule wird sie gemobbt und gemieden – Sie ist einsam. Doch ihre Einsamkeit kommt nicht durch die Hänseleien ihrer Klassenkameraden, sondern durch den schmerzhaften Verlust ihrer Mutter. Die 15jährige Sophie und ihr Vater kommen nur schwer über ihren Tod hinweg und beide trauern auf ihre eigene, einsame Weise. Auf einer Reise an die Nordwestküste Amerikas, wo ihr Vater einen alten Indianerstamm fotografieren soll, wollen die beiden wieder zu sich selbst und vor allem wieder zueinander finden.
Doch als Sophie den Sohn ihrer Hotelwirtin, den Makah-Indianer Javid, kennenlernt, gehen sie und ihr Vater die meiste Zeit getrennte Wege. Denn Javid und Sophie arbeiten heimlich an einem Kanu und fahren fast täglich mit einem Schlauchboot auf den Ozean hinaus, um eine kleine Orca-Schule zu besuchen. Nachdem sie in einen schweren Sturm gerieten, verbietet ihr Vater Sophie den Umgang mit Javid, obwohl sie sich in seiner Gesellschaft zum ersten Mal seit dem Tod der Mutter wieder glücklich fühlt.
Dennoch muss ihre Freundschaft einige Prüfungen bestehen, nicht zuletzt wegen Sophies Hautfarbe, die für Javids besten Freund ein Problem darstellt. Doch bei diesem Roman handelt es sich keinesfalls um eine langweilige Teeny-Romanze. Auf 349 Seiten erfährt man in diesem spannenden Jugenddrama viel über die fremden Kulturen der nordamerikanischen Fischindianer, über Orcas und zugegeben auch ein bisschen was über die erste große Liebe. Allerdings schafft es Antje Babendererde dabei auf jeglichen Kitsch zu verzichten.
Ich denke, auch nach dem 20sten Mal lesen, werde ich noch Spaß an dem Buch haben.
Antje Babendererde: Der Gesang der Orcas
Signatur: 5.1 K bab = 422938
von Nina Gerlach

Auch hässliche Perlen können glänzen!
Von Momo noch was lernen?

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© Thienemann Verlag GmbH
Zeit ist Geld! Wer kennt diesen Ausdruck nicht? Wahrscheinlich haben die meisten Michael Endes Momo bereits einmal gelesen, oder die Verfilmung gesehen, doch wer hat es sich zu Herzen genommen? Ich bin mir sicher, wir Studenten und Studentinnen können von diesem kleinen Mädchen, das sich trotz Gammellook und Bruchbude wohl in seiner Haut fühlt, noch einiges lernen!
Momo hat viele Freunde, die sie in ihrem Amphitheater besuchen. Sie erzählen Geschichten und hören einander zu.
Die Märchenparabel “Momo” erzählt von einer kleinen ordentlichen und sauberen Stadt, die eines Tages von den grauen Herren heimgesucht wird. Diese Männer propagieren Konsum und Verschwendung „Man muss nur immer mehr und mehr haben, dann langweilt man sich niemals“. Sie wollen den Bewohnern die Zeitverschwendung austreiben.
Erst später findet Momo heraus, dass die grauen Herren von der Zeit, die die Menschen für sie einsparen, leben. Obwohl sie den Bewohnern davon berichten, wird nach und nach jeder ihrer Freunde zum Opfer der Zeitdiebe.
Nach einem Jahr bleibt keiner mehr übrig, der Momos Geschichten hören, oder sich mit ihr Unterhalten will. Das Ende soll, der Spannung wegen, natürlich nicht verraten werden.
Doch soviel sei gesagt: Meister Hora und Momo schaffen es, gegen die grauen Herren vorzugehen und ihren Freunden zu helfen.
Michael Ende: Momo
Signatur: 5.1 E end = 343322
von Carola Hofmann

Fesselnd, amüsant und anspruchsvoll
Satan besucht Moskau

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© Verlag Volk und Welt
Finstere Gestalten mischen sich unter die russische Gesellschaft der 30er Jahre. Köpfe werden von Straßenbahnen getrennt, Menschen verschwinden spurlos und tauchen am anderen Ende des Landes wieder auf. Frauen stehen plötzlich entblößt auf den Straßen.
Der Leser weiß: Der Teufel und seine Gesellen hinterlassen bei einer jeden Begegnung mit korrumpierten Menschen ihre Spuren. Dies ist sehr düster beschrieben, jedoch bleibt der Humor dabei nie auf der Strecke. Während man einer mysteriösen Episode nach der Anderen folgt, in deren Fortsetzung sich die städtische psychiatrische Klinik auffällig füllt, wird die Liebesgeschichte vom Meister und seiner Margarita erzählt, deren bisheriges tragisches Schicksal durch die lenkende Hand des Teufels ein glückliches Ende finden kann.
Die facettenreiche Handlung ist zu komplex um sie auf einen Punkt zu bringen. Bulgakow (1891 – 1940), der als einer der größten russischen Satiriker gehandelt wird, arbeitete 12 Jahre an diesem Werk. Ob es einem gelingt, des Autors Auseinandersetzung mit der sowjetischen Vergangenheit unter Stalin und einer der Religion zunehmend abgeneigten Gesellschaft in seinen Worten zu erkennen, oder man sich lediglich an den unglaublich fantastischen Ideen erfreut, ist jedem selbst überlassen. Was bleibt, ist ein unvergleichliches Leseerlebnis und die Gewissheit, ein wichtiges Buch der Literaturgeschichte gelesen oder im besten Fall, verschlungen zu haben.
Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita
Signatur: 422811
von Tobias Kunz

Emails: vertraut, geliebt, verlangt
Dem Alltag entflohen

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© Goldmann Verlag
Sie wissen nicht viel voneinander und finden sich doch anziehend. Es könnte Liebe sein oder auch Illusion. Verlangen nach mehr oder einem Ende mit Stil. Oder der Wunsch danach, dass alles so bleibt. Verrannt in einer Welt, in der es nur sie und ihn gibt.
Genau dort befindet sich der Leser – im Emailwechsel zwei sich eigentlich fremder Personen. Mitten in einer Kommunikation der besten Art. Voller Witz, Ehrlichkeit und Tiefsinn. Ohne vorgespielter guter Laune, ohne Geschichten und leere Worte. Sie sind nur sie selbst. Und scheinbar ohne einem Leben außerhalb dieser Welt. Alles virtuell, zurechtgemalt. Ein Bild des anderen allein aus geschriebenen Worten und das, was sie sich daraus zusammenreimen. Entsprungen der Fantasie. Zu perfekt, um wahr zu sein. Oder auch nicht? Vielleicht ist es möglich. Vielleicht könnte diese Art von Liebe, dieses Bild des anderen, trotz Kennenlernens Bestand haben. Würde es dazu führen, dass sie sich weiter und mehr lieben könnten? Oder würden sie erkennen, dass zu viel zwischen ihnen steht? Der Alltag, das Leben, ihr Mann. Und vor allem: Würden ihre geliebten Mails aussterben? Zwischen dem Wunsch nach Gewissheit und der Angst vor dem Zerfall des Vertrauten entsteht ein Konflikt, der unüberwindbar scheint. Süchtig nach den Zeilen des anderen. Süchtig nach den Mails, die Trost und Sicherheit bringen.
Die Turbulenzen dieser Gefühlsachterbahn sensationell beschreibend, mit Witz geschrieben und nah am Leben, schafft es „Gut gegen Nordwind” von Daniel Glattauer somit einen Platz in den “Perlen der Bibo” zu ergattern!
Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind
Buch-Signatur: CQYg4662 = 401453
Hörbuch-Signatur: 806426
von Jenniffer Malenz

Rachegelüste und Mords-Pläne

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© Diogenes Verlag AG, Zürich
“Der Besuch der Alten Dame” – das weckt in einigen vielleicht Erinnerungen an den letzten Besuch der Großeltern und damit auch an Stress beim Putzen, Waschen, Bügeln, Kochen und Backen! Doch vielleicht kennt der ein oder andere auch das Werk “Der Besuch der Alten Dame” von Dürrenmatt? Ich selbst, bekennende Krimi-Horror-Thriller-Verabscheuerin, habe diese Tragikomödie bereits mehrere Male gelesen, zugegeben nicht immer ganz freiwillig, aber ich finde es gut!
Dürrenmatt berichtet von dem Leben in der Kleinstadt Güllen. Hier lebt Alfred Ill. Clair Zachanassian, die Besucherin, ist als junges Mädchen und schwanger von Alfred von hier fort gegangen und hat es in der weiten Welt zu Reichtum und zahlreichen Ehemännern gebracht! Ihre Erscheinung ist wahrhaft unbeschreiblich. So reist sie mit dem Zug an und bringt einen Sarg mit. Sie wird von einigen ihrer Ex-Ehemännern begleitet. Diese sind “kastriert und geblendet!”.
Einmalig mit welchen Mitteln dem Kaufmann Alfred klar gemacht wird, dass er “in der Scheiße” sitzt. Stellt man sich die Szene einmal bildlich vor dem eigenen Auge vor, wie ein Gast mit dem Zug anreist, und einen Sarg mitbringt. Was wird der arme Alfred dabei wohl gedacht haben? Clair schafft es, ihm unmissverständlich aber dennoch gut verschlüsselt mitzuteilen, dass er ihren Besuch nicht überleben wird. Sie will sich an Alfred Ill. rächen, der damals die Vaterschaft geleugnet hatte, und sie somit unehrenhaft, allein und mittellos die Stadt verlassen musste. Überraschend ist auch, dass die ganze Stadt bei ihrem Theater mitspielt, doch Clair hat schon im Voraus dafür gesorgt, dass sie die Fäden der Stadt in der Hand hält. Einzig und allein der Lehrer der Stadt erkennt die Gefahr, in der Alfred Ill. schwebt, doch helfen kann auch er ihm nicht. Unvergessen bleibt auch die Hetzjagd auf den entlaufenen Panther, auch hier wieder in deutlicher Analogie zu Alfred, den Clair in Jugendtagen Panther nannte …
Friedrich Dürrenmatt schreibt sein Theaterstück “Der Besuch der alten Dame” 1956. Das Rachemotiv der Clair Zachanassian ist sehr deutlich hervorgehoben, das Werk thematisiert die Annahme, dass man sich mit Geld alles kaufen kann. Und gerade dieses Thema ist es auch, was mich an diesem Buch so fasziniert!
Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame
Signatur: CQYd8699 = 416766
von Carola Hofmann

Zurück zur Beat Generation, dem Ursprung des Hipsters

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Da der Begriff des “Hipsters” in den letzten Jahren für optisch grausame und anstrengend künstlerisch betuliche Szenegestalten verwendet wurde, lohnt es sich den eigentlichen Ursprung des Begriffes näher zu betrachten. Jack Kerouac beschrieb 1958 auf 160 Seiten in seinem Prosawerk “The Subterraneans” (Krampfhafte deutsche Übersetzung: “Bebop, Bars und weißes Pulver”) eine berauschende Welt innerhalb der Straßen von San Francisco, angereichert mit vernebelten Alkoholgemütern und verschrobenen Weltanschauungen. Er schildert mit gewaltigen Wortschöpfungen die ausufernden Partys der damaligen Beat Generation (wie schon in seinem früheren Werk “Unterwegs”) sowie von mitreisender Jazzmusik heraufbeschworene Ekstasen. Hauptsächlich dreht sich alles jedoch um eine simple Geschichte: Mann findet Frau, Mann verliert Frau.
Die ist jedoch mit einem solch mitreisendem, aggressivem Schreibstil verfasst, dass man schnell selbst das Bedürfnis verspürt zur Flasche zu greifen oder dem Protagonisten die Leber zu retten. Da Kerouac stets einen autobiografischen Schreibstil pflegte, sollte die Identifikation mit den geschilderten Tatsachen nicht schwer fallen. Diese sind nach fünf Jahrzehnten noch immer aktuell für eine jede halbwegs gescheiterte Gestalt. Dass die Figuren der Geschichte Proust zitieren, statt studiVZ-Gruppen, vermindert keineswegs das Lesevergnügen. Vielleicht bleibt nach der Lektüre auch stets ein Lächeln auf den Lippen, wenn man einem “Hipster” im restaurierten Szeneviertel begegnet.
Jack Kerouac: The Subterraneans
Signatur: 46658
von Tobias Kunz

Mystisch, Märchenhaft

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© Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Stuttgart
“Mein Name ist XY, ich interessiere mich für Fantasy und bin abhängig von romantischen Romanen.”
“Hallo XY!”
Wer sich in diesem Dialog wiedererkennt, der sollte sich diese Perle auf jeden Fall nicht entgehen lassen! Auch wenn es sich hierbei um ein älteres Werk aus der Romantik handelt, wird Joseph von Eichendorffs Novelle sicherlich nicht enttäuschen.
Wie es zu der Zeit damals so üblich war, handelt es sich auch in dieser netten Geschichte um einen abenteuerlustigen Reisenden, der sich für eine Weile in einer idyllischen Gegend irgendwo in Italien niederlässt. Er lernt viele nette Leute kennen und verliebt sich natürlich Hals über Kopf in ein hübsches Mädel mit roten Apfelbäckchen, dass ihn ebenfalls begehrt. Was die Geschichte jedoch so interessant macht, ist, dass das kleine Örtchen – in dem viel gefeiert wird – nicht das zu sein scheint, als was es am Anfang der Handlung ausgegeben wird. Sehr bald geschehen etliche mysteriöse, Dinge, die dem Leser gelegentlich auch ein Schaudern über den Rücken laufen lassen. Ein unheimlicher Ritter taucht auf, dessen Charakter und Erscheinungsbild man in heutiger Zeit als Freak bezeichnen würde. Die gerade erst erblühende Liebe zwischen dem Reisenden und dem Mädchen, scheint durch das Buhlen einer weiteren Grazie gefährdet zu werden und last but not least verhalten sich alle seltsam und alles andere als vertrauenswürdig.
“Das Marmorbild” ist eines meiner persönlichen Highlights und mit neunundvierzig Seiten, ohne Zusatzmaterial, leicht und schnell gelesen.
Joseph von Eichendorff: Das Marmorbild
Signatur: CLSei239 = 353258
von Johanna-Maria Jaromin

Von einem Mann, der sich Zeit wünscht …
... und Zeit erhält

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© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Nach ihrem Besteller “P.S. Ich liebe Dich” zieht Cecelia Ahern auch mit ihrem neusten Roman “Zeit deines Lebens” die Leser in ihren Bann.
Dieses Buch erzählt die Geschichte von Lou, einem Mann mittleren Alters, der sehr erfolgreich in einer Firma tätig ist, die ihren Standort in Irlands Hauptstadt Dublin hat. Dort erhält er für seinen Fleiß und seine Mühe viel Anerkennung und Lob. Seine Familie hingegen leidet unter seiner stetigen Abwesenheit. Davon jedoch wenig beeindruckt, vermeidet Lou den Kontakt zu ihnen und nutzt lieber sein gutes Aussehen für die ein oder andere Bettgeschichte.
An einem Morgen jedoch entscheidet Lou sich dem Obdachlosen, namens Gabe, der täglich vor seiner Firma steht, einen Job als Postzusteller anzubieten, was schon bald sein ganzes Leben verändern sollte. Zunächst ganz sympathisch, kommt ihm Gabe mehr und mehr suspekt vor. Er schafft es, sich in kurzer Zeit beim Chef beliebt zu machen, freundet sich mit seiner Familie an und gibt Lou mehr und mehr das Gefühl, dass er und nicht Gabe der “Versager” ist. Dennoch fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen dem Mitleid für diesen Mann und dem Unwohlgefühl, wenn Gabe da ist. Ganz davon abgesehen, dass dieser Mensch an 2 Orten gleichzeitig sein konnte! Doch schon bald kommt Lou Gabes Geheimnis auf die Spur. Eine Möglichkeit, sich tatsächlich zu teilen! Überwältigt von diesem Wunder, beginnt nun eine Reise durch die beiden Leben Lous.
Herzergreifend, mit viel Wahrheit, aber auch Fiktion, schildert die junge Autorin eine Geschichte, die von mangelnder Zeit, mangelndem Interesse für andere und dem anhaltenden Verlangen stetig aufzusteigen handelt, das heute viele Leben bestimmt.
Eine Hommage an das Leben und die Liebe, die einzig wahre Erfüllung bringt.
Cecelia Ahern: Zeit deines Lebens
Signatur: 417185
von Jenniffer Malenz

Gackernd und hüpfend
Märchen für Groß und Klein

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© Carlsen Verlag, Hamburg
Wer kennt es nicht? Man mag nicht raus und am Liebsten nur auf dem Sofa hocken. Draußen schneien die Wege zu und es weht ein bitterkalter Wind. Wie schön ist es dann, ein Buch zur Hand zu nehmen und mit diesem in eine andere Welt zu entschwinden?
Das bieten Die Märchen von Beedle dem Barden, die zum Teil für Kinder ab 5, aber besonders für Jugendliche und Erwachsene geeignet sind. Ob für sich selbst oder mit Kind: Die kurzen Geschichten aus der magischen Welt sind schnell und leicht zu lesen. Sie entführen in eine Welt, die nicht nur von außergewöhnlichen Menschen und Handlungen, sondern auch von Weisheiten erzählt, aus denen man sogar lernen kann.
So handelt beispielsweise Der Zauberer und der hüpfende Topf von einem jungen Mann, der einen Zauberer zum Vater hatte, der mit Hilfe eines Kessels die Muggel-Nachbarn (Muggel = Nicht-Magier) von ihren Sorgen und Nöten befreite. Als dieser starb, vererbte er den Kessel an seinen Sohn, in der Hoffnung, dieser würde ebenso gute Taten vollbringen. Der Sohn jedoch, der einen großen Hass auf Muggel hatte, dachte nicht daran zu helfen, obwohl er es mit Leichtigkeit könnte.
Die Parallele lässt sich ganz leicht finden: Denn jedem ist klar, dass es auch bei uns diejenigen, die nicht so „gut gestellt“ sind, schwer haben. Wie der junge Zauberer mit seinem Hass leben kann und wieso der Kessel hüpfen lernt, erfahrt ihr, wenn ihr Euch das Buch ausleiht.
Neben dieser Geschichte werdet ihr noch Babbitty Rabbitty und der gackernde Baumstumpf, Der Brunnen des wahren Glücks (besonders kinderfreundlich!) und Des Hexers haariges Herz lesen können, die von Liebe, Freundschaft, List und Verzweiflung erzählen.
Am bekanntesten – für Harry Potter-Leser – wird allerdings Das Märchen von den drei Brüdern sein, das eine wichtige Verknüpfung zu dem siebten Band des Zauberers darstellt und das Lesen der Märchen von Beedle dem Barden zu einem echten Muss macht. Denn hier geht es um die Heiligtümer des Todes, die der Sage nach denjenigen, der die im Buch genannten Gegenstände besitzt, unsterblich macht …
Besonders an diesem Buch von der Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling bleiben jedoch die Anmerkungen ihrer weisen Charakterfigur Albus Dumbledore zu den einzelnen Märchen, die interessierten Lesern weitere Informationen über seine Vergangenheit, die Zauberergeschichte und auch geschichtliche Überschneidungen mit unserer Welt liefert.
Joanne K. Rowling: Die Märchen von Beedle dem Barden
Signatur: 5.1 E row = 416063
von Jenniffer Malenz

Foto, Schweiz, Holocaust

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© Diogenes Verlag AG, Zürich
Wer in dieser kalten, ungemütlichen Restwinterzeit ein schnuffiges Wohlfühlbuch für die Badewanne sucht, sollte jetzt weglesen. Dürrenmatts Der Verdacht ist nämlich schwere, aber dafür sehr nahrhafte Lesekost.
Auf den flink lesbaren 120 Seiten des Der Richter und sein Henker-Nachfolgers (den man nicht gelesen haben muss) strickt Dürrenmatt einen fesselnden Plot um den abgehalfterten Kommissär Bärlach und seinen letzten Fall zur Jahreswende 1948 und ’49. Der Titelspende-Verdacht geht dabei von einem alten Foto aus, das einen bekannten schweizer Mediziner als sadistischen KZ-Arzt zu enttarnen scheint. So beginnt Bärlach, trotz Krankheit, ein letztes Mal zu ermitteln.
Der ernste Hintergrund um den Holocaust und seine Vollstrecker wird dabei zur Bühne für Dürrenmatts Fragen nach moralischer Stabilität in einer Welt des nackten Materialismus.
Das hört sich jetzt zwar schlimm nach Deutsch-LK-Lektüre für Pseudointellektuelle an, ließt sich aber nicht so. Durch Dürrenmatts präzise, bodenständige Formulierungen bleibt man so glücklicherweise vor dem altbekannten „Charme“ gewisser gelber Reclam-Büchlein bewahrt und kann ungehemmt die Spannung genießen. Wer ein packendes Buch mit Tiefe sucht, stiefelt also zur Bibo-Fachkraft seines Vertrauens.
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht
Sachgebiet / Signatur: CQYd8692 / 85267
von Thomas Hülsmann

Phantásien einmal anders

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© Verlagsgruppe Droemer Knaur, München
Das ist die Geschichte von einem jungen Mann, der neben einem Job auch das große Abenteuer findet.
Die Hauptfigur Karl Konrad Koreander lebt im Jahr 1938. Er verliert seinen Job, da er sich gegen das System stellt. Der unkonventionelle Bibliothekar Thaddäus Tillmann Trutz stellt ihn als „Buchverkäufer und Nachfolger“ in seinem Antiquariat ein. Schon beginnt es auch richtig spannend zu werden:
Thaddäus berichtet vom Nichts, einer Krankheit, die die Bibliothek befallen hat, und ihr nach und nach die Bücher stiehlt, einer Kindlichen Kaiserin mit goldenen Augen und einer Inneren Welt – Phantásien! Doch dann verschwindet der alte Mann spurlos und Karl ist auf sich allein gestellt. Einzig und allein der Bücherdrill Alphabetagamma kann nun dafür sorgen, dass der eingeschüchterte und selbstzweifelnde Nachwuchsbibliothekar durch das Tor in die Innere Welt gelangt und Thaddäus sucht.
Dort wartet ein Abenteuer nach dem anderen auf ihn, von dem wohl das Größte ist, dass er sich in Qutopía, die Tochter des berühmten Kartenzeichners und Weltenbummlers Querolat, verliebt. Zusammen brechen sie auf, um die Phantastische Bibliothek zu retten!
Es gibt noch weitere Bände, die unter dem Titel Die Legenden von Phantásien zusammengefasst werden:
  • Der König der Narren
  • Die Seele der Nacht
  • Die Stadt der vergessenen Bücher
  • Die Verschwörung der Engel
  • Die Herrin der Wörter
Die Märchen sind zwar von verschiedenen Autoren, alle lehnen jedoch an Michael Endes Die unendliche Geschichte an.
Obwohl das Buch ab 12 ist, und somit zu den Jugendbüchern zählt, finde ich es geradezu geeignet um auch die rauchenden Köpfe 20-30jähriger Studenten zu besänftigen. Das Buch lässt uns die Flügel ausspannen und in eine Welt der Phantasie abheben!
Da ich nicht zu viel verraten will, bleibt nur noch zu sagen, dass die Geschichte durchaus nicht immer den Weg geht, den man vermutet!
Ralf Isau wurde 1956 in Berlin geboren, sein erstes Werk Drache Gertrud schrieb er für seine Tochter Mirijam. Auf Anraten seiner Frau traf er sich im Herbst 1992 mit Michael Ende, der das Drachen-Manuskript an einen Verlag weiter gab und so Isau aus den Kinderschuhen half!
Ralf Isau: Die Legenden von Phantásien – Die Geheime Bibliothek des Thaddäus Tillmann Trutz
Signatur: 5.2 R isa = 413602
von Carola Hofmann

Von dumm zu dümmerer und wie Goethe dabei helfen kann

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Hoffnungslos gestrandet im Leben? Keinen Plan, worum es eigentlich gerade geht? Überall lauter Fragezeichen?
Das muss nicht sein! uniVista präsentiert:
Doof It Yourself, die entspannende, leichte Lektüre für den Heimgebrauch.
Der nicht ganz ernst zu nehmende Leitfaden für die Generation Doof. Oberflächlich, platt und eigentlich nicht lustig, zaubert es dennoch ab und an ein Lächeln auf den geneigten Akademiker (Ein Tipp des Buches: Leute imitieren; hier: Goethe).
Der Preis für die All-Round-Lebenshilfe, unfassbar! 0,00 € und das ganz ohne Geld. Frei in der Bibliothek. Ich bin doch nicht blöd! Obwohl das Buch was anderes sagt …
Wer also Bilding, Arbeiting, Unterhalting und Liebing mal aus einer platten Perspektive betrachten mag und sich nicht mit hochtrabenden Worten aus der Affäre stehlen will, der sollte sich die Bild-Brille anziehen und einen Blick auf dieses Kleinod werfen.
Daher schließe ich mit den Worten: “Lernen und Genießen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens. Lernen ohne Genießen verhärmt, Genießen ohne Lernen verblödet.”
Stefan Bonner & Anne Weiss: Doof it yourself
Signatur: 401889
von Matthias Christ

Perle der Bibo? – Ein Aufruf!

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Liebe Kommilitonen/innen,
wie wir aus unserer Lesegewohnheiten-Umfrage herauslesen konnten, seid Ihr durchaus als Leseratten zu bezeichnen. Die meisten der Abstimmenden lesen regelmäßig bis viel, sowohl fürs Studium als auch privat. Sie lesen Dramen, Fantasy und anderes. Doch Ihr lest nicht unbedingt während der Vorlesungen. Die habt Ihr fürs Zuhören, chatten und quatschen reserviert. Ihr nutzt Eure freie Zeit, die Zugfahrten sowie die Zeit zwischen den Vorlesungen.
Aber vielleicht haben wir ja auch ein falsches Bild aus der Umfrage heraus erhalten?! Hast Du vielleicht noch gar nicht an der Umfrage teilgenommen? Dann nimm Dir doch bitte einige Minuten Zeit dafür und verwerfe unsere Vermutung.
Sollten unsere Ergebnisse jedoch nicht täuschen, interessiert es uns natürlich brennend, was für Bücher Euch fesseln. Was ergreift Eure Herzen, was regt Euch zum Nachdenken an?
Ihr kennt ein tolles Buch, das Ihr Euren Mitstudenten ans Herz legen wollt? Man kann dieses außerdem in der Bibliothek ausleihen? Und Ihr habt Spaß am Schreiben? Super.
Dann meldet Euch unter redaktion[at]univista.de und Eure Zeilen könnten schon in der nächsten Ausgabe hier stehen.
von Jenniffer Malenz

Vom Leben und Leiden, mit Witz und Wahnsinn

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Lust auf ein Buch, das mal wieder das eingestaubte Herz so richtig erwärmt? Polski Blues lesen! Janosch kennt man wohlmöglich meist in Verbindung mit einer komischen Tigerente. Hier erfreut er auch die gereifte Generation mit Sinn für Menschlichkeit und Sprache.
Protagonist des Buches ist Filmregisseur Staszek Wandrosch, welcher mit Freunden durch sein heimatliches Polen reist, um sein altes Idol aufzuspüren: den legendären Jazztrompeter Zdenek Koziol. Eine Vielzahl dazu stoßender skurriler Gestalten erhöht dabei das Lesevergnügen. Allesamt versuchen sie, die Frage zu beantworten, was in einer von Armut geprägten Welt einen Lebenskünstler auszeichnet.
Die Darstellung vom polnischen Land und seinen Leuten geschieht dabei so herzlich, dass man in eine Stimmung versetzt wird, die konstant auf mageren 156 Seiten einen verregneten Nachmittag die Stirn bietet. Dabei halten sich Witz und Tragik die Waage, dass man es Janosch hoch anrechnen muss, ohne Bedarf an abgegriffenem Feel-Good-Kitsch, eine grau gezeichnete Welt, in wohlige Wärme zu hüllen.
Extra für Euch bestellt und von der Bibliothek rangeschafft, wünschen wir ein wohlwollendes Leseerlebnis für schwere und für leichte Zeiten.
Janosch: Polski Blues
Signatur: 407568
von Tobias Kunz

Worte der Vergangenheit aus dem Herz eines Kindes

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Liest man erstmals die Zeilen dieses Buches, so entschwebt man alsbald in die Tragik eines scheinbar unbeschwerten Sommertages kleiner Kinder und fühlt sich direkt selbst in diese Szenerie versetzt. Unfassbar ehrlich, düster und magisch, wie es scheint, ist der Roman unserer Kindheit von Georg Klein völlig berechtigt zum Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2010 in der Kategorie Belletristik gewählt worden.
Von Klein selbst als seelisch und emotional erfassend bezeichnet, stellt dieses Buch autobiografisch dar, wie die Kinder der frühen sechziger Jahre ihrer Fantasie freien Lauf lassen, sich fühlen und hingeben in einer Welt, die um sie herum stattfindet. Eine Welt, die sie festhält, ihnen so unheimlich spannend erscheint und ihnen viel mehr Freude bereitet, als es dem Erwachsenen möglich ist.
Wer also einen Einblick ins kindliche Erleben wünscht, dem lege ich diesen Roman ans Herz. Seine Sprache ist prägnant und zieht einen außergewöhnlich in ihren Bann.
Georg Klein: Roman unserer Kindheit
Signatur: CQYk6722 = 411051
von Jenniffer Malenz
Georg Klein (l.) liest auf der Leipziger Buchmesse aus seinem Roman vor
Foto: Jenniffer Malenz

Kunst der Poesie, Ambitionen und Abgründe

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Der Leser, welcher ohnehin ein Faible für die Abgründe des menschlichen Daseins hegt, sollte sich ohne Bedenken dies Werk von Milan Kundera zu Gemüte führen. Ohne grobe Anklage, viel mehr mit liebenswürdiger Bewunderung, zeichnet der Autor ein Netz individueller Beziehungen zwischen seinen Figuren, welches sich von bedingungsloser Liebe bis hin zu rasender Verachtung erstreckt. 
Im Mittelpunkt des niveauvoll erzählten Dramas steht der heranwachsende Jaromil, der nach dem frühen Ableben seines Vaters von seiner übermäßig ergebenen Mutter großgezogen wird. Die ist es auch, welche in ihm den begnadeten Dichter zu erkennen glaubt. So wird Jaromil nicht an die Poesie mit all ihren Facetten herangeführt, sondern förmlich von ihr überschüttet. Der Leser sieht einen ausgeklügelten Leidensweg des Protagonisten, welcher auf der Suche nach Anerkennung und Bewunderung, überfordert von den eigenen und fremden Ansprüchen erkennen muss, dass sein eigener Glanz, lediglich eine trübe Abfärbung sämtlicher Vorbilder ist.
Kundera schafft es meisterhaft mit atmosphärisch dichtem Erzählstil die Aufmerksamkeit seiner Leser zu gewinnen ohne diese zu langweilen. Selten liegen Ironie und Tragik so nah beisammen wie in dieser Perle.
Milan Kundera: Das Leben ist anderswo
Signatur: 228399
von Tobias Kunz

Kracht goes Postapokalyptik

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Wenn die Welt seit 100 Jahren Krieg gegen sich selbst führt und die Schweiz ein Großsowjetisches Reich von Analphabeten ist, genießt man gerade eines der ungewöhnlicheren Szenarien der deutschsprachigen Popliteratur.
Mit Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht wird der Leser in eine Postapokalytische Dystopie gerissen. Eine Geschichte von Menschen, die ihr gesamtes Leben in einem sinnlosen Krieg-um-des-Krieges-willen verbringen. Beeindruckend dicht schildert Kracht den Kampf ums Überleben und die ideologische Verblendung der Charaktere. Er zeichnet eine Welt, in welcher der ganz normale Wahnsinn von Krieg, fließenden Fronten und dem Verfall jeder Kultur zu einem Hintergrundrauschen wird. Erzählt wird der ganze Wahnsinn aus der Sicht eines schwarzen schweizer „Komissärs“, welcher versucht merkwürdige Morde an seinen Eidgenossen aufzuklären.
Wer sich mit dem durch und durch abgefuckten Szenario (Schwarz-Afrikanische Schweizer üben am Kilimandscharo den alpinen Winterkrieg!!) anfreunden kann, findet in diesem Buch tatsächlich eine wahre Perle der Bibo. Sprachlich brilliant. Lesen!
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Signatur: CQYk8532=395842
von Thomas Hülsmann

Von Ejakulation und Erkältung, von Laffer-Kurve und Leben

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“Ich weiß, dass ich nichts weiß.”
Dieses geflügelte Wort wird Sokrates zugeschrieben. Wenngleich heute bekannt ist, dass es sich dabei um einen Übersetzungsfehler handelt (eigentlich: „Ich weiß als Nichtwissender“), hat der Spruch trotzdem nichts an Wahrheit verloren. Sokrates hinterfragte damit das vermeintliche Wissen, welches sich allzu oft als Scheinwissen herausstellte.
Heute glauben wir mehr denn je, dass wir so gut wie alle Geheimnisse, die es auf unserer Erde gibt, entschlüsselt haben und somit alles wissen. Dass dem nicht so ist, zeigen Kathrin Passig und Aleks Scholz in ihrem Lexikon des Unwissens. Nach eigener Aussage ist es „das erste Buch, nach dessen Lektüre man weniger weiß als zuvor.“ Vielmehr würde man sich 42 „Qualitätswissenslücken“ aneignen.
Doch ist nicht schon allein das Bewusstsein um diese Lücken ein Zuwachs an Wissen?
Aber jenseits dieser philosophischen Fragen nähern sich Passig und Scholz auf durchaus vergnügliche Weise ganz alltäglichen Phänomenen wie dem Gähnen, dem Schlaf, den sexuellen Interessen, sowie dem Nord-Süd-S-Bahn-Tunnel. Außerdem werden auch wissenschaftlich geprägte Fragestellungen aufgegriffen. So wird die Rotation der Sterne, die dunkle Materie oder die Riemann-Hypothese thematisiert. Dabei erlebt der Leser, trotz der sehr pessimistischen Einschätzung in der Einleitung, durchaus den einen oder anderen „Aha-Effekt“. Zudem ist es ein sehr erfrischender Lesespaß. Wer noch nie ein Lexikon gelesen hat, sollte mit diesem Anfangen.
Kathrin Passig & Aleks Scholz: Lexikon des Unwissens: Worauf es bisher keine Antwort gibt
Signatur: AFMpas = 383380
von Stefanie Bruns

Von Luxus und Langeweile, von Aversionen und Alkohol

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Die Länge eines vertrübten Nachmittages beansprucht diese einmalige Perle und Wegweiser der deutschen Popliteratur.
Im Mittelpunkt der simpel geschilderten Farce von Nord- nach Süddeutschland bis in die Schweiz, steht ein meist unbeteiligter, namenloser Protagonist, welcher uns mittels herrlich misanthropischer Art und Weise schildert, auf welche gesellschaftlichen Abartigkeiten er stößt. Ziel und Sinn seiner Reise sind nicht von Belang. Ein Vagabund der reichen Gesellschaft, welcher permanent Alkohol konsumiert und sich auf jeder zweiten Seite eine neue Zigarette anbrennt. Er lässt sich treiben, nächtigt in den teuersten Hotels, steuert von einer Party zur nächsten, trifft Menschen seinesgleichen, welche mit ihm alle etwas gemeinsam haben. Sie deuten eine zunehmend ungemütlichere Gesellschaft an, in der Isolation, Selbstzerstörung, Heuchelei und Disharmonie überhandnehmen. Die absurden Schilderungen seiner Umgebung, angereichert mit Materialismus und Exzessen, belustigen und schockieren zugleich.
Dem Autor gelingt es, Deutschland in eine konstant düsteren Atmosphäre zu verkleiden, wobei sich die Frage stellt, wie viel Dunkelheit aus Christian Krachts Geist in das Werk mit einströmt und wieviel festgehaltene Finsternis tatsächlich auf diesem Fleck Erde existiert. Fakt ist, wie das zersplitterte Licht, in welchem sich seine tragikomische Geschichte abspielt, so gebrochen erscheinen auch seine Figuren. Inwieweit man sich auf diese Gestalten einlässt, sich zuletzt sogar mit ihnen identifiziert, sei jedem selbst überlassen.
Ein kurzweiliges Geschehen, welches bei jedem Leser einen eigenen Eindruck hinterlassen sollte.
Christian Kracht: Faserland
Signatur: CQYk8532 = 312967
von Tobias Kunz

Frühlingsgefühle, von Intimität und Internet

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Es wird Frühling. Die Zeit, in der alles wieder blüht, auch die Liebe. Frisch verliebt den Frühling zu zweit erleben, das ist ein Wunsch, den sicher nicht wenige Menschen hegen. Aber wo ihn oder sie finden? Das World Wide Web bietet hierzu eine Vielzahl von Möglichkeiten. Inzwischen scheint es einfacher über StudiVZ oder einschlägige Singleportale miteinander ins Gespräch zu kommen als im Cafe oder auf öffentlichen Plätzen.
So geht es auch den Protagonisten des Hörbuchs Gut gegen Nordwind. Eine falsch adressierte Mail von Emmi landet bei Leo und es entwickelt sich ein rege Unterhaltung, welche in ihrer Schnelligkeit eher an einen Chat erinnert. Dem Autor Daniel Glattauer gelingt es in diesem stetigen Hin und Her zwischen den Protagonisten, deren Charaktere fein heraus zu arbeiten. Dies wird durch die gelungene sprachliche Umsetzung von Andrea Sawatzki und Christan Berkel noch verstärkt. Amüsiert und auch gespannt habe ich verfolgt, wie sich Emmi und Leo kennen lernen und mich manchmal dabei ertappt, dass ich ebenso wie die Beiden angefangen habe zwischen den Zeilen zu horchen und mir vorzustellen, wie diese beiden aussehen und wie sie sich begegnen könnten.
Aber begegnen wollen sich beide eigentlich nicht und eigentlich auch wieder doch.
Trotzdem beide immer wieder betonen, dass der jeweils andere nichts von ihnen weiß und sich ihr Kontakt auch wirklich nur auf die Mailbox beschränkt, werden ihre Mails länger und auch intimer. Es scheint fast so, als könnten beide nicht mehr ohne diese regelmäßigen Nachrichten.
Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind
Signatur: CQYg4662 (401453)
von Stefanie Bruns

Von Erkenntnis und Erlösung, von Weisheit und Wahrheit

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“Wir sind ja alle verrückt, dass wir uns dauernd auf Nebengleisen herumrangieren lassen und ewig, ewig und ewig, jede Winzigkeit, die passiert, sofort auf unser dummes, schmutziges, kleines Ego beziehen.“
Erinnert ihr euch noch an Salingers Besteller Der Fänger im Roggen? Holden Caulfield, die tragische, unangepasste Gestalt mit Sinneskrise, welche von vielen pubertären Jungs zur Identifikationsfigur ihres verpfuschten Daseins gekürt wurde? Sätze, welche meist auf „und so…“ endeten?
Mit Franny und Zooey beweist Salinger eindrucksvoll, dass er der Magie der Sprache auf anspruchsvollerer Ebene mächtig ist. Der Zauber des kleinen Meisterwerkes besteht zwischen den Dialogen der Familie Glass aus N.Y., deren geistige Überlegenheit gegenüber ihren Mitmenschen die Suche nach dem Sinn des Lebens deutlich erschwert.
Zwar sind viele Überlegungen in einem Netz aus Sprache verstrickt, welche schwer nachvollziehbar sind, doch genau darin liegt zugleich Herausforderung und Genuss dieser „Perle“.
Jerome D. Salinger: Franny und Zooey
Signatur: 758381
von Tobias Kunz

Von “ABC” bis “Autor”, von “Zähne” bis “Zusammenspiel”

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Als die Humangenetikerin Katja de Bragança Anfang der 1990er auf einem Kongress über das Down-Syndrom einem Text von einem Mann mit diesem Syndrom begegnete, war sie begeistert. Sie hatte doch immer gelernt, dass Menschen mit Trisomie 21 weder lesen noch schreiben können! Aus dieser Begeisterung entstand die Idee für eine „kreative Bühne für Menschen mit Down-Syndrom“: Ohrenkuss. 50 feste Redakteure arbeiten daran mit, schreiben selbst oder diktieren ihre Texte. Viele davon wurden nun alphabetisch geordnet und zum zehnjährigen Jubiläum in einem (Wörter-)Buch herausgegeben, immer wieder aufgelockert von außergewöhnlichen Fotos.
Jedes mögliche oder scheinbar unmögliche Thema wurde auf besondere Weise behandelt. Die kleinen Texte laden zum Reinschnuppern oder Verweilen ein, vieles scheint direkt aus unserem Leben gegriffen, manches verblüfft oder öffnet die Augen.
„In dem man die Augen schließt und an nichts denkt und sich konzentriert, dann findet man das Glück.“
(Svenja Giesler 2003, Ohrenkuss Nr. 10)
Katja de Bragança & Bärbel Peschka (Hrsg.): Das Wörterbuch Ohrenkuss
Signatur: 402216
von Julia Stock

Von Freunden und Feinden, von Leib und Leben

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Dieses Buch ist sicher dem einen oder anderen aus seiner Schulzeit bekannt und vielleicht auch verhasst. Doch manchmal lohnt es sich, die alten Bücher noch mal raus zu holen und sie ohne Zwang und die Aussicht auf den nächsten Test neu zu entdecken. So auch hier:
In Die Outsider wird der Leser vom Ich-Erzähler Ponyboy in sein Leben auf der Eastside mitgenommen. Neben den pubertären Gefühlsschwankungen geht es dabei nicht selten um das bloße Überleben. Denn Ponyboy und seine Bande gehören zu den Greasern, welche sich blutige Auseinandersetzungen mit den Socs von der Westside liefern. Durch die Erzählperspektive kann sich der Leser sehr schnell mit dem Protagonisten und seinen Mitstreitern identifizieren, trotz der wirklich krassen Schicksale (Ponyboy und sein Bruder sind Vollwaisen).
Gebannt habe ich bei der zweiten Lektüre mit den Greasern gelitten und gelacht. Es war wie eine Zeitreise in die eigene Schul- und Jugendzeit. Eine Reise von hoher Intensität, welche sich auf jeden Fall lohnt.
Susan E. Hinton: Die Outsider
Signatur: 5.2 A hin = 272595
von Stefanie Bruns

Beatniks und Bangkok, Krachts und Kyoto

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Ein nacktes, ungeschminktes Asien. Wie sieht das aus?
Menschlich, fast so sehr, dass kulturelle Unterschiede abkömmlich erscheinen. Es bedarf keines großen politischen Interesses, keines Studiums der Sozial- und Kulturwissenschaften, um Christian Krachts Gedanken über Kyoto, Singapur oder Bangkok in Der gelbe Bleistift zu folgen. Beim Lesen stand ich im Dialog mit dem Autor, wie ein Gedankenaustausch zwischen Altbekannten. Ich stritt mit ihm, denn manchmal hätte ich mir gewünscht, er hätte durch eine rosige Blume geschrieben, und im nächsten Augenblick schüttelte ich seine Hand, ihm zur schlichten Ehrlichkeit zu gratulieren, um wieder im nächsten Moment sein loses Handwerk in Ketten legen zu wollen.
Ich bin keine geschulte Kritikerin. Ich lese Kracht, wie ein Buch nebenbei, zu einer Tasse Grünem Tee. Ich freue mich über die Anreize, die mir der Inhalt gegeben hat. Ich kenne jetzt Beatniks und den Eastern & Oriental Express. Ich habe Hotelempfehlungen, und wenn ich dem Autor einen guten Geschmack zutraue, werde ich dort einchecken, sobald ich wieder in Asien bin. Es ist zu empfehlen, denn selten habe ich leichter Geschichtliches gelernt. Hand in Hand mit Erfahrungsgeschichten von Trivialität und Skurrilem. Eine “schwarz-glänzende” Perle der Bibo.
Christian Kracht: Der gelbe Bleistift
Signatur: CQYk8532 (353893)
von Johanna Olberding

Von Geschichte und Geschichten, von Leben und Leiden

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Der Zweite Weltkrieg ist ein viel beachtetes und beschriebenes Ereignis in der jüngeren Geschichte Europas. Wir alle haben im Geschichtsunterricht gelernt, welche Schlachten geschlagen und wie viele Menschen getötet wurden. Doch hinter diesen historischen Geschehnissen und den abstrakten Zahlen stehen Menschen, von denen wir meist nichts erfahren und auch nichts wissen.
Walter Kempowski hatte es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen Gehör zu verschaffen. Unermüdlich sammelte er Briefe, Tagebücher, Zeugnisse von den Menschen, die an der Front kämpften, zu Hause auf ihre Liebsten warteten oder im KZ um ihr Leben gerungen haben. Der Brief des Frontsoldaten steht hier neben Tagebucheinträgen aus dem KZ oder dem eines Intellektuellen wie Thomas Mann. Kempowski unterscheidet nicht zwischen Opfern und Tätern, reich oder arm. Das alleinige Kriterium ist die Zeit, in der all diese Zeugnisse der Einzelschicksale entstanden sind. Damit verschafft er uns einen einmaligen Blick in die Leben dieser Menschen. Sie bekommen ihre eigene Geschichte und damit ihre Individualität zurück.
Dieses Werk ist nicht nur für Historiker von Interesse, sondern für jeden, der einen Blick hinter die abstrakten Statistiken werfen möchte und offen ist für die Schicksale dieser Zeit. Dieses zweifellos vom Anspruch her monumentale Werk hat seine Umsetzung in dem zehnbändigen kollektiven Tagebuch, dem Echolot. Jeder einzelne Band spiegelt ein bestimmtes Ereignis, einen Zeitrahmen wieder.
Alle Bände und ein Buch mit Werksnotizen sind auch in unserer Bibliothek zu finden und stellen damit ganz besondere Perlen dar.
Walter Kempowski (Hrsg.): Das Echolot
Ein kollektives Tagebuch. Januar und Februar 1943 (4 Bände)
Signatur: CQYk3272 (268843)
Fuga furiosa. Ein kollektives Tagebuch. Winter 1945 (4 Bände)
Signatur: CQYk3272 (355370)
Barbarossa ‘41. Ein kollektives Tagebuch
Signatur: CQYk3272 (355370)
Abgesang 45. Ein kollektives Tagebuch
Signatur: CQYk3272 (350417)
Culpa: Notizen zum „Echolot“
Signatur: CQYk3272 (350416)
von Stefanie Bruns

Splitter und Schlangenbrut, Kreuz und Kamel

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Witz? Humor? Ironie? – bei Jesus!? Meist sehen wir Ihn in unserer Uni an einem Kreuz aus Holz hängen. Für manche von uns ein Bekannter oder Freund, für manch andere wiederum völlig fremd – für alle aber wohl der Ausdruck eines Sterbenden, dem zumindest Witz und Humor nicht nahe liegen. Jesus zeichnet aber nicht nur Sein Tod aus.
Louis Kretz stellt Aussagen Jesu vor und lässt in dem Licht der damaligen kulturellen Verhältnisse neue Schlüsse über die Person Jesus zu. Er bringt die intelligente Schärfe Jesu zum Vorschein, mit der Jesus groteske Bilder, kühne Gleichnisse und entwaffnende Antworten auf Fragen und Leben in den Diskurs Seiner Mitmenschen brachte.
Mit Witz, Humor und Ironie bediente Er sich eines bewährten Instruments Menschen zur Selbstreflexion zu bewegen: Durch Lachen.
Was? Ein Kamel durch ein Nadelöhr!? Ein Balken im Auge? Das geht doch gar nicht!
Das Buch ist ein Amüsement für zwischendurch und ein persönliches Kommunikationstraining für den, der sich eine Scheibe von Jesus Schärfe abschneidet. Eine Perle etwas anderen Glanzes.
Louis Kretz: Witz, Humor und Ironie bei Jesus
Signatur: 202777
von Johanna Olberding

Magie und Mysterium, Butler und Bibel

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Noch ein Harry Potter könnte man meinen, wenn man das Cover des ersten Bandes von Artemis Fowl ansieht. Doch in Eoin Colfers Erzählung ist alles anders – oder doch nicht? Held der Geschichte ist ein zwölfjähriger Ire. Spross einer einflussreichen Dynastie und ein kriminelles Genie. Ihm zur Seite steht Domovoi Butler, der seinerseits einer Familie entstammt, die die Fowls seit Generationen beschützt. Bereits an dieser Stelle ist sichtbar, dass es sich nicht um gewöhnliche Verwandtschaft oder gar einen gewöhnlichen Jungen handelt. Auf den folgenden Seiten wird der Leser in eine phantastische Welt der Unterirdischen entführt und erlebt dort, wie Artemis Fowl seine Energie und kriminelle Raffinesse aufbringen muss, um gegen Elfen und andere Wesen zu bestehen. Er möchte den finanziellen Schaden, welchen seine Familie seit dem Verschwinden seines Vaters erlitten hat, ausgleichen.
Ein spannender Einstieg in die bisher sechs Bände umfassende Erzählreihe von Eoin Colfer, die durch die interessante, abwechslungsreiche Erzählweise auch für große Kinder bestens geeignet ist.
2001 wurde Artemis Fowl mit dem Childrens Book Award ausgezeichnet, dem wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Englands. 2004 erhielt der Roman den deutschen Bücherpreis in der Sparte Kinder- und Jugendbuch.
Eoin Colfer: Artemis Fowl
Signatur: 333235
von Stefanie Bruns

Vom Erkennen und Erreichen, von Freundschaft und Frohsinn

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Knapp 800 Kilometer durch Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela, eine unglaubliche Reise, selbst für tiefgläubige Menschen, die diesen Weg schon mehrmals gegangen sind. Und nun machte sich Hans Peter Kerkeling auf diesen Weg und hat ein Buch darüber geschrieben? Das klang so unglaublich, dass ich es lesen musste. Das Buch zeigt den Entertainer von einer ganz anderen Seite, immer wieder geht der sich selbst als untrainierter Moppel bezeichnende Mann an seine persönlichen Grenzen. Auf der Suche nach, ja nach was eigentlich? Sich selbst? Nach Gott? Als Leser hat man das Gefühl, Hape Kerkeling die ganze Zeit auf seinem Weg zu begleiten und gerät beim Lesen schnell selbst ins Grübeln, über sich und wie die Welt zusammenhängt. Man begleitet ihn über die ganze Etappe, über die Gipfel der Pyrenäen, durch das Baskenland, Navarra und Rioja bis nach Galicien zum Grab des heiligen Jakob. Mit gewohntem Witz und Charme, aber auch mit eher ungewohnter Nachdenklichkeit und Tiefsinn, lässt er den Leser an Momenten der Stille und Einsamkeit, aber auch an skurrilen Begegnungen und neuen innigen Freundschaften teilhaben. Insgesamt ein Buch, dass ich mit Spannung und Freude gelesen habe und zudem man auch als eher „nichtgläubiger“ Mensch wie ich gerne greifen darf.
Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg: meine Reise auf dem Jakobsweg
Signatur: 379588
von Melanie Ehlert

Von Mordlust und Markenkleidung, Geldgeschäften und Gewaltorgien

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„Ich habe alle Merkmale eines Menschen: Fleisch, Blut, Haut, Haare. Aber keine einzige klar identifizierbare Emotion abgesehen von Gier und Abscheu.“
Auf den ersten Blick ist Broker Patrick Bateman ein lebendes Klischee: Jung, gutaussehend, arrogant und ehrgeizig. Mit seinen Arbeitskollegen trifft er sich in teuren Clubs, kokst und führt sterbenslangweilige Gespräche über Mode, Frauen und die ewige Arbeit. Dazugehören ist alles, alle sind reich, haben tolle Jobs, sind perfekt gekleidet. Individualität gibt es in Batemans Kreisen nicht, ständig wird er verwechselt, erscheint austauschbar. Doch teils unbemerkt, teils ignoriert lebt er eine perverse Lust auf Sex und Gewalt aus, ermordet beinahe wahllos Obdachlose, Prostituierte und Disko-Bekanntschaften.
Verstörend ist der Aufbau von American Psycho: Obwohl nicht völlig klar ist, ob die von Ich-Erzähler Bateman verübten Taten wirklich passiert oder nur die Phantasien eines Wahnsinnigen sind, beschreibt er seine Welt äußerst detailreich. Er teilt z.B. auf ca. 2 1/2 Seiten mit, wie seine Stereo-Anlage aussieht. Diesen eher langatmigen Passagen stehen die Mordszenen gegenüber, die – anders als im Film – mit einer derart gnadenlosen Präzision beschrieben werden, dass einem beim Lesen tatsächlich übel werden kann. Wer sich diesen Klassiker der amerikanischen Popliteratur ausleihen will, sollte also starke Nerven haben, nicht umsonst war der Roman von `96 bis `01 in Deutschland indiziert.
Bret Easton Ellis: American Psycho
Signatur: 354893
von Stefan Hirsch

Sehr viel Wasser, ein Junge und ein Tiger

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Nein, hier geht’s nicht um Janosch, wie aus dem englischen Titel „Life of Pi“ eher deutlich wird, sondern um eine wunderbare Erzählung vom Leben des Inders Piscine Molitor Matel.
Piscine, aufgrund der fehlenden Französisch-Kenntnisse seiner Lehrer und Mitschüler oft Pissin genannt und somit vielen Spöttereien ausgesetzt, kann im Laufe seines Schülerlebens den Namen Pi für sich beanspruchen. Mit diesem Namen, seiner Familie und einem kompletten Satz Zootiere reist er auf einem Schiff nach Kanada, einem vermeintlich besseren Leben entgegen. Der alte Dampfer sinkt eines Nachts jedoch auf den Grund des Pazifiks und Pi schwimmt als einzig Überlebender alleine in einem Rettungsboot. Einzig Überlebender? Nein, nicht ganz: Ein großer bengalischer Tiger hat die Katastrophe ebenfalls überlebt.
Was nun beginnt ist ein anrührende und teils tragische, teils komische Geschichte über Glaubensfragen, Tigerzähmung, Vegetarier und Weltansichten eines Schiffbrüchigen, die den Leser das Salzwasser auf der Zunge schmecken lässt. Yann Martel malt mit seinen Worten zarte und raue, stille und wilde Bilder und lässt einen nach der Lektüre noch lange über die merkwürdigen Begebenheiten mitten im stillen Ozean nachdenken.
Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger
Signatur: 383024
von Ihna Grensemann

Von Leid und Liebe, Tränen und Träumen

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Jeder kennt das Tagebuch der Anne Frank. Die Geschichte eines jüdischen Mädchens, das sich vor den Nazis versteckt hielt und schließlich doch sterben musste. So tragisch es auch ist, so war ihr Schicksal leider doch kein Einzelfall.
Ebenso erging es einem jüdischen Mädchen in Rumänien, Selma Meerbaum Eisinger. Auch sie lebte erst in einem Ghetto bevor sie schließlich mit 18 Jahren in ein Arbeitslager deportiert wurde und dort verstarb. Auch sie hat der Nachwelt etwas hinterlassen:
Auf abenteuerliche Weise wurde durch all die Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit ein Gedichtband mit 57 Gedichten gerettet. Der Band trug den Namen Blütenlese und so heißt er auch heute noch. Darin enthalten sind sowohl ihre Übersetzungen von Gedichten, also auch eigene Gedichte. Geschrieben in einer unwägbaren Zeit und ihrer großen ersten Liebe gewidmet. Ihre Sprache war Deutsch und ihre Worte entfalten große Kraft.
Nicht selten möchte man weinen, immer ist man berührt, und niemals kann man sich diesen Versen entziehen.
Selma Meerbaum-Eisinger: Blütenlese
Signatur: 140 815
von Stefanie Bruns

Für Kreativität und Kindergeburtstag, für Pädagogik und Praktikum

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Einen Vortrag über den Sinn und den Nutzen des Spielens muss ich hier wohl nicht halten, schließlich studieren die meisten von uns Pädagogisches und haben es somit schon pflichtmäßig gehört. Und sicher gibt es welche unter uns, die gerne spielen und auch schon Spiele angeleitet haben. Für diese und auch für alle angehenden Spielleiter stelle ich hier das von mir als solches titulierte Standardwerk des Spielens vor: „666 Spiele für jede Gruppe, für alle Situationen“ von dem Spielpädagogik-Dozenten Ulrich Baer. Alle Spiele wurden von ihm selbst entwickelt oder spielerisch getestet und haben eine „pädagogische Nebenwirkung“, zum Beispiel Kooperation oder gegenseitige Achtung.
Die kurzen und verständlichen Spielanleitungen sind alphabetisch geordnet und bei jeder Beschreibung ist schnell einsichtig, wie die Spieler gruppiert werden müssen (Paare, im Kreis etc.), welchen Charakter das Spiel hat (ruhig, gesellig, aktiv etc.), wie lange das Spiel wahrscheinlich dauert, für welches Alter und welche Gruppengröße es geeignet ist, welches Material benötigt wird, was gelernt werden kann (Kooperation üben etc.) und zur Behandlung welchen Themas das Spiel genutzt werden kann (Angst, Sexualität etc.). Diese genaue Beschreibung macht „666 Spiele“ zu einem wahrem Highlight unter den Spielebüchern. Zusätzlich zu der thematischen Auflistung, die es ermöglicht, das gerade passende Spiel herauszusuchen (zum Beispiel alle Interaktionsspiele zur Gruppenpädagogik und Spiele zum Sozialen Lernen) gibt es noch von Baer zusammengestellte Listen der jeweils zehn besten Spiele.
Dieses Buch kann ich euch nicht nur zum Ausleihen empfehlen, meiner Meinung nach ist das auch ein lohnender Kauf.
Ulrich Baer: 666 Spiele für jede Gruppe, für alle Situationen
Signatur: 359786
von Julia Stock

Von Leid zu Lebensfreude, von Hypnose zur Heilung

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Wer wollte nicht mal einen Blick hinter die Kulissen werfen? Wer wollte nicht gern Wissen wie, ein großer Denker zu seiner Erkenntnis kommt, wie er sein Leben gestaltet, wovor er Angst hat und wann er weint?
Irvine D. Yalom ist bekannt für seine Veröffentlichungen zum Thema Psychotherapie. In „Und Nietzsche weinte“ begibt er sich mit Hilfe der Fiktion an die Anfänge derselbigen. Im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts trifft Herr Dr. Breuer (bekannt für die Erforschung des Gleichgewichtssinns) auf den schwer kranken Nietzsche. Dieser befindet sich in der Blüte seines Schaffens und möchte trotz starker Beschwerden eigentlich gar nicht behandelt werden.
Doch seiner Auftraggeberin Lou Salomé zuliebe liefert sich Dr. Breuer spannende, intellektuelle Rededuelle mit Nietzsche, um ihn von einer Behandlung seiner Psyche zu überzeugen. Letztlich gelingt es ihm durch eine List, ihn in einer Klinik unterzubringen, um dort das Experiment psychische Genesung zu starten. Dr. Breuer hat einen jungen Protege: Ein junger Medizinstudent namens Freud, welcher bei ihm ein und aus geht und für den Verlauf der Geschichte eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird.
Tiefe Einsichten über Begegnungen, Enttäuschungen, Sehnsüchte, Macht und Ohnmacht, kurzum über das Leben bietet die Lektüre dieses dabei auch immer spannenden Romans. Es ist fast so, als erlebte die Leserschaft die Geburt der Psychotherapie mit.
Irvine D. Yalom: Und Nietzsche weinte
Signatur: 383222
von Stefanie Bruns

Vom Wachsen und Werden, von Lust und Liebe

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Amara ist 16, Fritz ist 43. Amara ist Schülerin, Fritz Dirigent. Amara kommt aus Spanien, Fritz aus Wien. Amara ist Tochter, Fritz ist Vater. Amara ist auf der Suche nach der Liebe für´s Leben, Fritz auf der Suche nach der Liebe für ein paar Stunden… und sie treffen sich mitten in Berlin.
So beginnt die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe und ein vor Gefühlen platzender Roman. Auf mehreren hundert Seiten führt Regina Faerber den Leser aus Sicht von Amara in die Kunst des Erwachsenwerdens und in die Träume einer ersten Liebe ein. Es ist das Hin und Her zwischen Familie und Freiheit, zwischen Gruppenzwang und Individualität, welches Amara in Verwirrung stürzt, Fragen aufwirft und das Miterleben ihrer Entwicklung so spannend macht.
Die Geschichte dieser beiden ungleichen Menschen ist so lebensnah und gleichzeitig so ungewöhnlich, dass das Lesen zum Vergnügen wird, auch für Leser die die Pubertät, zumindest nach eigenem Erkenntnisstand, bereits hinter sich gebracht haben.
Regina Faerber: Hölderlinstr. 11
Signatur: 5.2 A fae = 274864
von Ihna Grensemann

Von Saufexzessen und Selbstzerstörung, Madenbrei und Mao-Tse-Tung

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Schon das Geschehen ist seltsam: Zwei junge Homosexuelle aus Deutschland reisen zur Zeit politischer Umbrüche durch den Iran. Der eine, ein körperliches Wrack, gibt sich auf einer heftigen Party den Rest, der andere gelangt mit Hilfe eines mysteriösen Fremden außer Landes, und begibt sich auf einen religiösen Selbsterfahrungstrip nach Tibet. Dort wird er von chinesischen Soldaten gefangen genommen, für einen Spion gehalten, und in einem Umerziehungslager inhaftiert.
Verwirrend, ja verstörend, ist, wie der namenlose Ich-Erzähler seine Umwelt wahrnimmt. Er verhält sich völlig passiv, akzeptiert alles, was ihm widerfährt, schildert präzise entwürdigende Arbeits- und Haftbedingungen , ohne dabei Selbstmitleid oder Hass zu verspüren, freut sich sogar, dass es ihm aufgrund der menschenverachtenden Kombination aus Unterernährung und Schwerstarbeit gelungen ist, seriously abzunehmen.
Ein durch und durch bizarres Stück Literatur, das, obwohl leicht zu verstehen und gut zu lesen, den Leser lange beschäftigt und viele Fragen aufwirft.
Christian Kracht: 1979
Signatur: 353885
von Stefan Hirsch

Von Traurigem und Tiefsinnigem, von Liebe und Lyrik

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Träume nicht Dein Leben, lebe Deine Träume“, heißt es auf der ersten Seite dieses Lyrikbandes von Sonja Schröder. Getreu diesem Motto hat sie sich einen Traum erfüllt und in Eigenregie dieses kleine aber feine Bändchen heraus gebracht. In fünf Themen aufgeteilt, welche von Traurigem bis zum Hoffnungszeichen reichen, präsentiert sie dem geneigten Leser ihre Verse. Ihre Gedichte sind kurz und prägnant. Sie braucht nicht viele Worte, um starke Bilder zu schaffen. Ganz nach dem Motto ´weniger ist mehr´ glänzen ihre Gedichte durch einen sehr minimalistischen Einsatz von Stilmitteln.
Sonja Schröder ist Studentin der Hochschule Vechta, schon seit Kindertagen bringt sie ihre Gedanken in literarische Form. Neben Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungen kann sie auch einige Literaturpreise ihr eigen nennen. Ihr Repertoire ist dabei nicht auf die Lyrik beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf Prosatexte. Es macht großen Spaß, diese Autorin zu entdecken.
Sonja Schröder: Seelenschnupfen
Signatur: 356 356
von Stefanie Bruns

Von der Zeit und dem Zuhören, von Freundschaft und Fantasie

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Momo lebt in einer fiktiven Welt. Mehr und mehr übernehmen die grauen Herren die Vorherrschaft und bringen die Menschen dazu, ihre Zeit zu sparen. Die Bewohner von Momos Welt vergessen dabei völlig sich selbst, das Hier und Jetzt, denn: Spart man an seiner Zeit, so verkürzen sich die Tage und Wochen. Als ein Auflehnen gegen die Übermacht der grauen Herren schon fast aussichtslos erscheint, greift Meister Hora, der Verwalter der Zeit, ein und schickt Momo zusammen mit seiner Schildkröte Kassiopeia in den Kampf. Momo bleibt eine Stunde, um die ganze Welt zu retten. Als ich Michael Endes „Momo“ in der Hand hielt, kam ich mir zunächst vor wie ein Kind, entdeckte Stück für Stück die Welt des kleinen strubbeligen Mädchens und ihrer Freunde, ließ mich immer weiter in die Geschichte ziehen. Je mehr ich weiter las, desto mehr erschloss sich mir jedoch die ernste Thematik rund um dieses angebliche „Kinderbuch“. Michael Ende schafft mit diesem Werk eine Allegorie auf unsere heutige Gesellschaft, eine Kritik an dem Streben nach Macht und Erfolg. Ende findet hierbei eine bild- und fantasiereiche Sprache, die das zu fassen vermag und dem, was wir alle kennen und als unsichtbaren Druck in uns spüren, eine Gestalt verleiht. Ein Buch, für das sich das Zeitnehmen lohnt.
Michael Ende: Momo
Signatur: 5.1 E end = 122373
von Melanie Ehlert

“Was für eine schöne Geschichte”

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…lauten die Worte des Alchimisten, den Prolog schließend. Und ich möchte ihm nachsagen, dass er damit sogleich ankündigt, was folgt. Jetzt von pittoresker Literatur reden zu wollen, fiele mir natürlich nicht ein und mit Vokabeln wie spannend und interessant – wie einfallslos – fortzuführen, auch nicht. Wer den Alchimisten vom brasilianischen Beststellerautoren Paulo Coelho liest, die Geschichte um den Jüngling Santiago, einem einfachen andalusischen Hirten, der von Wahrsagern und Königen auf eine Schatzsuche geschickt wird, dem muss schon etwas Besseres einfallen. Vielleicht sollte ich davon erzählen, wie jemand seinem bisherigen Leben den Rücken kehrt, von den Menschen, die er nur deshalb trifft, weil er ersteres getan, von fernen Ländern, von Wüsten, Oasen, Pyramiden. Oder von Abenteuern, Liebe, Hoffnung, Sehnsüchten und Sinn. Von Stoffen also, die nur das Leben selbst weben kann, die man nur anprobieren muss, um sie auch wahrnehmen zu können. Das aber ist Bedingung bei dem virtuosen Literaturesoteriker Coelho, die Augen zu öffnen, die Sinne auf die Flut der Elemente vorzubereiten, die da noch kommen mögen. Was noch? Man könnte sagen, Coelho findet für alles Bilder, die nicht neu sein, aber erfahren werden wollen, Bilder schließlich, die man ausstellen könnte in einer Galerie des Lebens, eine im wahrsten Sinne des Wortes fabelhafte Ausstellung. Dass ich all das nur könnte und es doch letztlich getan habe, ist nicht zuletzt den weisen Worten Coelhos zu verdanken, der seinen Jüngling sogar ein Buch beiseite legen lässt, damit er die Welt erlebt. Was für ein zurückhaltender Autor. Man könnte abschließen, abschließen, den Stift ebenfalls beiseite legen und sich dem Alchimisten einfach nur anschließen: Was für eine schöne Geschichte.
Paulo Coelho: Der Alchimist
Signatur: 338538
von René Kohn

Von Hochmut und Hoffnungen, von Piouretten und Parteigenossen

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Rudolf Nureyev war ein begnadeter Tänzer. Gehasst und verehrt zugleich, fanden sowohl Liebesbriefe und Hotelschlüssel als auch Todesdrohungen und Scherben den Weg auf seine Bühne. Was veranlasste zu derartiger Polarisation? Wer war der Mensch Rudolf Nureyev? Colum McCann begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, welche in Russland kurz nach dem zweiten Weltkrieg beginnt, über Paris in den 1960er Jahren und New York in den 70ern den Spuren des großen Künstlers folgt und schließlich in London, Brighton, 1991 endet. Es gelingt McCann in seinem, zum größten Teil fiktivem Roman, das nur wenig bekannte Leben des Tänzers mit großem Einfühlungsvermögen nachzuvollziehen. Die übergangslosen Perspektivwechsel, welche sowohl die Sicht des Protagonisten als auch die seines direkten und weiteren Umfeldes wiedergeben und der stark metaphorische Schreibstil, zeichnen ein sehr umfassendes Bild von Nurejews Charakter und seinen Lebensumständen. Der Leser findet sich wieder in einem Wechselbad der Gefühle. Auch für Menschen die mit Ballet nicht unbedingt etwas anzufangen wissen, ist dieses Buch ein absoluter Leckerbissen und gehört durchaus zu der Kategorie: Lesenswert.
Colum McCann: Der Tänzer
Signatur: 380513
von Stefanie Bruns

Von Magersucht und Massenmord, von Konsum und Kirche

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Leonie, 18, hochintelligent und magersüchtig, plant ein Kapitalverbrechen und eine, in ihren Augen, gute Tat: Einer ihrer Verwandten soll auf Omas Geburtstag durch ihre Hand und mit Hilfe einer alten Pistole ihres Onkels sterben. Wenn sie nicht gerade mit der akribischen Planung, denn „nur ein Stümper überlässt alles dem Zufall”, beschäftigt ist, macht sich das als Leo bekannte Mädchen Gedanken über Tod, Leben, Dichtung, Hermaphroditen, Afrika, Tagebücher, Liebe, Normalität und Anormalität. Auch überlegt sie sich die passenden Worte für das Geständnis ihrer Tat. Doch wen soll es treffen? Erst ein misslungenes Gespräch mit einer Pastorin zeigt ihr, auf wen sie schießen muss.
Peter O. Chotjewitz: Als würdet ihr leben
Signatur: CQY c4562
von Julia Stock

Von Libidoökonomie und Liebesdienst – Von Götzenliebe und Gottes Krieger

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Feridun Zaimoglu ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration. Er ist im anatolischen Bolu (1964) geboren und lebt seit nun über 30 Jahren in Deutschland. Nach einem Studium der Kunst und der Humanmedizin wohnt und arbeitet er als freier Schriftsteller in Kiel und schreibt auch für verschiedene Wochenzeitungen. 2003 erhielt er für seine Erzählung „Häute” den Publikumspreis beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Diese und elf weitere Erzählungen finden sich in dem Buch “Zwölf Gramm Glück”. Wie der Titel schon sagt, geht es um das Glück im Leben oder das, was der Mensch dafür hält und wonach er sein ganzes Leben vielleicht vergeblich sucht. Feridun Zaimoglu scheut dabei nicht den Kontrast. So spielen seine Geschichten sowohl im Kiez deutscher Großstädte, als auch in Hinterhöfen von touristischen Badeorten. Zwischen Mann und Frau geht es dabei nicht immer zart zu. Die Protagonisten seiner Erzählungen setzen das Glück meist mit dem Finden der Liebe gleich. Sehnsüchtig und schmerzvoll versuchen sie mit der Wirklichkeit zurecht zu kommen und nicht an ihr zu zerbrechen. Die Sprache, welche oft ebenso rau und direkt ist wie die Wirklichkeit, die sie beschreibt, fesselt den Leser von Anfang an und verschafft ihm so eine ganz andere Sicht auf die Dinge des alltäglichen Lebens.
Feridun Zaimoglu: Zwölf Gramm Glück
Signatur: CQYz132
von Stefanie Bruns

Vom Wetter zur Wirklichkeit, von der Idee zum Interview

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Fünfzehn Jahre im Gegensatz zu fünf Tagen. Fünfzehn Jahre sieht Vittorio Kowalski seine Jugendliebe Anni nicht mehr, welche wohnhaft in seinem Ferienort der Kindheit ist. Fünfzehn Jahre lang studiert er das Wetter in besagtem Ort und kann sich an jeden Tag erinnern. Überredet zu einem Auftritt bei “Wetten, dass…” wird er zwar Wettkönig, muss sich aber der Erinnerung stellen: Wie war das Wetter vor 15 Jahren, was überschattete die unbeschwerten Ferientage, dass er seine Jugendliebe so lange nicht mehr sah?
Dieser Roman ist kein simpler Liebesroman. Es ist ein Interview. Wolf Haas wird von einer Journalistin der “Literaturbeilage” an fünf Tagen über das imaginäre, oben beschriebene Buch interviewt. Dabei erfährt man nicht nur den Ablauf der „wahren Begebenheit”, auf der das Buch beruht, der Leser kriegt auch vieles über die Gedankenwelt und das Handwerk des Autors mit. Und dabei schafft er es, Spannung aufzubauen und den Leser wünschen zu lassen, das fiktive Buch in Händen halten zu können.
Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren (Gewinner des Wilhelm-Raabe Preises)
Signatur: 373 27
von Julia Stock

Von Broilern und Bildzeitungen, von Mösen und Millionendeals

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Paprika ist Chefin einer Werbeagentur in Berlin. Sie ist stinkreich und absolut neurotisch. Soziale Kontakte sind ihr verhasst. Deshalb vermeidet sie diese, wo es nur geht. Wenn sie ihr luxuriöses Apartment dann doch mal verlassen muss, weil sich nicht alle Belange des täglichen Lebens in der Badewanne liegend und telefonierend erledigen lassen, führt sie stets Desinfektionsspray und eine Walther PKK mit sich, nur für alle Fälle.
Doch trotz ihrer Menschenfeindlichkeit, welche sie nicht zu verbergen sucht, dringen immer mehr Leute in ihre abgeriegelte Weh ein. Da sind zum einen ihre neuen Broiler Nachbarn Maik, mit ai und Mändy, welche einen Bärschenclubb betreiben und Paprikas schlimmste Albträume verkörpern. Zum anderen tritt Valmont in ihr Leben und verwickelt sie in eine Liebschaft, deren Folgen noch nicht absehbar sind.
Else Buschheuer: Ruf mich an
Signatur: CQYb 9612
von Stefanie Bruns

Von Poesie zu Penis, von Geist zu Geschlecht

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Der siebzehnjährige Gymnasiast Detlev Dorn berichtet von einem Sommer in den 1960ern und von seiner hoch vergeistigten Liebe zu Erik, in der allenfalls ein zarter Händedruck gefordert wird. Voller Poesie und Überladenheit an den jungen Werther erinnernd, quält den Protagonisten der Liebestaumel mit all seinen Entbehrungen. Doch dann wendet sich das Blatt. Detlev erinnert sich an seine vor Leben und Begierde strotzenden siebzehn Jahre und lernt den adonisgleichen Kevin kennen. Weg gefegt sind alle Schwärmerei und das Gedichtverfassen. Jetzt wird die volle Körperlichkeit ausgekostet, vom Onanieren vor dem Flurspiegel bis zum Sex mit Fremden in öffentlichen Bedürfnisanstalten. Oder ist auch dies alles reine Phantasie?
Detlev Meyer: In meiner Seele ist schon Herbst, Eine Gymnasiastenliebe
Signatur: CQYm5752
von Julia Stock

Von Verrohung zur Verantwortung, vom Rat zum Recht

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Erik wächst in einem gewalttätigen Haushalt auf. Führt er nur die Gabel zu schnell an den Mund, gibt es Nachtischprügel vom Vater. Mit der Kleiderbürste, der Birkenrute oder der Hundepeitsche, welche den Rücken blutig reißt Danach der obligatorische Satz: „Wieder Freunde?” Und ein lächelndes Händeschütteln, denn der Vater war wieder erfolgreich pädagogisch tätig. Und 25 Schläge sind zu ertragen, Erik darf sich nur nicht winden und weinen, sonst gerät der Vater in Erregung und vergisst zu zählen. In der Schule ist der Junge Anführer einer Clique. Hier muss auch manches mit den Fäusten geregelt werden, aber Erik hat ja einen guten Lehrer zu hause. Als die Clique kleinkriminell wird und schließlich nur er dichthält, fliegt er, mit der Versprechung, an keiner Schule im Kreis mehr aufgenommen zu werden. Somit bleibt nur das Internat Stjärnsberg, an dem die “Kameradenerziehung” herrscht, ein verharmlosender Ausdruck für das Quälen und Erniedrigen jüngerer Schüler durch den so genannten Rat. Und Erwachsene schauen weg. Erik aber lässt das nicht mit sich machen, er hat einen untrüglichen Gerechtigkeitssinn. “Das Böse darf nicht siegen.”
Jan Guillou: EVIL, Das Böse
Signatur: 5.2A gui
von Julia Stock

Von Autoren zu Abenteurern, vom Lesen zur Lebensgefahr

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Der neueste Roman von Walter Moers führt den Leser erneut ins fantastische Zarmonien. Dort erbt Hildegunst von Myhtenmetz ein perfekt geschriebenes Manuskript. Die Suche nach dem Verfasser führt den Dichter aus der Lindwurmfeste in die Stadt der Bücher: Buchhain. Durch eine List wird er in die unter der Stadt liegenden Katakomben verschleppt. Hier lauern viele Gefahren, welche unseren Helden herausfordern. Neben den schrecklichen Buchlingen, Bücherjägern oder Spinxxxen können auch Bücher in diesen dunklen Gängen in den Wahnsinn treiben oder sogar töten…
Walter Moers: Die Stadt der tränenden Bücher, ein Roman aus Zarmonien
Signatur : 5.2 R moe
von Stefanie Bruns
Die Vier Wege zum Glück – Ausleihen ganz leicht
Bibo betreten
(Ab nun: Pssst!)
ab an die PC Station
(Notizen auf Zettel machen, z.B. die Signatur des Buches)
und ans Regal
(einmal herausgeholt, nicht wieder zurück! Vgl. der Signaturen)
schließlich ausleihen
(Buch vorzeigen, Karte hinhalten, freundlich Auf Wiedersehen sagen und Rückgabefrist beachten)
Sollten weitere Fragen und Probleme auftauchen, wendet euch ans freundliche Bibo-Personal oder an die belesene und ausleiherprobte Reaktion der uniVista.

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