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Leben

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Mein innerdeutscher Migrationshintergrund

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© Thomas Max Müller / PIXELIO
Sicher, die wenigsten von Euch kommen direkt aus Vechta, die meisten vermutlich aus dem Emsland, oder wie ich: aus Ostfriesland. Aber so wirklich Ostfriesin bin ich eigentlich gar nicht. Denn ich bin innerdeutsche Migrantin zweiter Generation.
Nachdem meine Eltern irgendwann in den Siebzigern in Ostfriesland Urlaub machten, fassten sie nach der Heimkehr nach Kaiserslautern den Entschluss nach Ostfriesland zu ziehen. Es gibt drei Möglichkeiten, die ich dafür in Betracht ziehe:
1. Weil das Land so schön ist (und jetzt bitte keine Einwände!); 2. Arbeit; 3. Um die eigene Souveränität gegenüber der restlichen Familie zu sichern. Die blieb nämlich größtenteils in der Pfalz zurück.
So packten sie ihre Sachen und rund zehn Jahre später waren mein Bruder und ich auch schon da. Und uns beschäftigten einige Thematiken, die so manch andere MigrantInnen zweiter Generation vermutlich in ähnlicher Form kennen.
Angefangen bei der Sprache, was zwar nicht die deutsche Sprache an sich betrifft, aber eine, die in Teilen Ostfrieslands stärker vertreten sein kann als Hochdeutsch: das Plattdeutsche.
Foto: Pia Klein
Des Öfteren musste ich mir von ostfriesischen Bekannten vorwerfen lassen, ich sei selbst schuld daran, dass ich kaum Plattdeutsch spräche. Fakt ist dabei dennoch, dass man damit nicht zwangsläufig in Berührung kommen muss, wenn man in Ostfriesland aufwächst. Meine Eltern sprechen schließlich schönstes Pfälzisch. Dort sieht der Genitiv im Vergleich zum Hochdeutsch (z. B. “Hans‘ Auto”) ungefähr so aus: “Demm Hans soi Audo”. Es gibt keine Gurken, es gibt Gummern. Kartoffeln sind Krumbeere. Das Endstück eines Brotes (im Norden meist Knust genannt) heißt Knärzje. Man setzt sich nicht in ein Café sondern in e Kaffee.
Meine Freunde hingegen sprechen, obgleich sie größtenteils Ostfriesen sind, Hochdeutsch mit mir. Sie, Lehrer und alle anderen um mich herum sprachen es und so eignete ich mir in erster Linie Hochdeutsch an. Natürlich kann ich auch Pfälzisch sprechen, aber mir fehlt die Übung. Im Hören und Übersetzen bin ich jedoch ganz groß und muss ziemlich oft das, was meine Eltern sagen, für meine Freunde übersetzen. Im Laufe der Zeit entwickelte ich ein sonderbares Kauderwelsch aus Hochdeutsch, plattdeutschen und pfälzischen Begriffen.
Dann sind da noch die Traditionen und das übrige Verhalten. Das Verhalten der Pfälzer gegenüber den Ostfriesen ist sehr kontrastreich.
Ostfriesen scheinen den höchsten Pro-Kopf-Teeverbrauch der Erdbevölkerung zu haben. Es gibt immer Tee. Am liebsten natürlich schwarzen Tee mit Kluntje
und Sahne. Meine Nachbarn trinken jeden Tag um Punkt 17 Uhr Tee. In der Pfalz gibt es hingegen den ganzen Tag Kaffee. Möglich, dass daraus das Temperament der Pfälzer entstammt. Sie scheinen permanent aufgeregt und nervös zu sein. Ostfriesen hingegen wirken ruhig und gelassen, als hätten sie keine Eile. Hat man in der Pfalz eine Autopanne und wechselt einen Reifen, sind sofort zehn Pfälzer da, die es besser können. In Ostfriesland würde sich eine einzige verirrte Seele neben die arbeitende Person stellen, viele Minuten schweigend bei der Arbeit zusehen und irgendwann trocken fragen: “Mokst dat ook richtig?”
Komplimente werden von manchen Pfälzern gerne als Fragen formuliert. Nehmen wir an, wir haben einen Kuchen gebacken. Der Pfälzer sagt: “Hasche schee gemach, gell?” Der Ostfriese … Naja, der Ostfriese lässt sich generell schwer begeistern. Er sagt einfach: “Schmeckt wohl.”
Es sind diese Unterschiede, die meine Stereotypen von Pfälzern und Ostfriesen definieren. Sie basieren auf meinen subjektiven Beobachtungen. Sollte ich durch eine meiner Ausführungen jemanden gekränkt haben, tut es mir leid. Schickt mir eine E-Mail an pia[at]univista.de. Vielleicht les ich sie mir durch. Hat aber Zeit. Denn eigentlich bin ich Ostfriesin. Ich bin zu Hause, wenn der Deich erklommen ist und Muscheln, Steine und Sand unter meinen Schuhen knirschen. Wenn der Wind mir durch das Haar streicht, die Luft nach Salz riecht und das Meer … Ei, wo isses dann? Net do? Ebbe? Och jo. Alle hopp, gehn mer heem.
von Pia Klein
© Uwe Steen / PIXELIO
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Die Welt in Tönen und Farben erschmecken

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Der Zimt riecht pink. Die Sonne schmeckt süß. Der Freitag ist feminin. Das Saxophon klingt quadratisch. Die 6 erscheint geschwätzig.
Die Sinne der Synästhetiker verschmelzen. Sie hören Farben, sehen Musik oder schmecken Ziffern. Solcherlei Aussagen klingen für viele Menschen befremdlich. Dennoch ist Synästhesie* kein Hirngespinst, sondern ein Phänomen, dessen medizinische Ursachen innerhalb der letzten 30 Jahre versucht wurde mit Hilfe der neuesten technologischen Durchbrüche zu entschlüsseln. 
So wird zum jetzigen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass bestimmte neuronale Verbindungen für die ungewöhnliche Verkopplung der Sinne verantwortlich sind. Die Forscher vermuten, dass jedes Neugeborene bis zu seinem vierten Lebensmonat die Welt um sich herum synästhetisch wahrnimmt. Mit der Reifung des Gehirns beginnen die Sinne zum größten Teil autonom ihre Aufgaben zu erfüllen.
Bei wenigen Menschen bleiben diese speziellen Verknüpfungen ein Leben lang erhalten. Wie viele Synästhetiker es wirklich gibt, konnte noch nicht genau festgestellt werden. Häufig ist von dem Verhältnis 1:2000 die Rede.
Synästhesie kann verschiedenste Formen annehmen. So ist in der Theorie fast jede Kombination der Sinne denkbar, auch wenn noch nicht alle von ihnen bei Synästhetikern entdeckt werden konnten.
Die Ursache hierfür liegt zum einen an der noch sehr jungen Forschung, zum anderen daran, dass viele Menschen nichts von ihrer Synästhesie wissen. Sie gehen davon aus, dass jeder seine Umwelt auf dieselbe Weise erfährt. Die ungewöhnlichen Gefühle und Verbindungen werden als selbstverständlich beschrieben, da die eigene Welt nie anders erlebt wurde.
synaethesie14
“Einige Kreise” von Wassily Kandinsky (1926)
Nicht-Synästhetiker haben nur bis zu einem gewissen Grad die Möglichkeit synästhetische Empfindungen nachzuvollziehen. Das unwillkürliche, immer gleiche Empfinden bei diesen synästhetischen Erfahrungen bleibt ihnen verborgen. Der einzig mögliche Zugang zu der Perzeption* eines Synästhetikers ist nur unter Hinzunahme des Begriffs der Assoziation denkbar. Diese beiden Vorgänge können nicht gleichgesetzt werden, jedoch dem Verständnis dienlich sein. Jeder kann beispielsweise musikalische Wahrnehmungen mit Begriffen aus anderen Bereichen verknüpfen. Wir können über eine  Komposition aussagen, dass sie zu uns spricht, springt oder sich steigert. Derartige Gedankengänge sind für die meisten Menschen gut nachvollziehbar. Genau hier muss jedoch die Assoziation von der Synästhesie differenziert werden. Der Empfänger der Assoziation kann diese nur erleben, wenn er sich auf eine solche einlässt.
Der Synästhetiker hingegen hat keine Wahl. So wird die 6 immer rot, vertraut und feminin sein. Es entstehen untrennbare Einheiten, die nicht nur dann ablaufen, wenn über die Zahl gesprochen, sondern auch wenn nur an diese gedacht wird. Stehen auf einem Blatt schwarze Zahlen, werden sie dennoch, sobald sie gelesen und die Informationen im Gehirn verarbeitet werden, zu bunten Ziffern. Jeder Synästhetiker verbindet hierbei andere Farben und nicht nur diese bleiben über die Jahre erhalten, sondern auch die jeweiligen Nuancen. Ein Magentarot wäre genauso falsch wie Blau, da die 6 immer Weinrot sein muss.
Dass der Klang einer Trompete gelb und kantig erscheint, kann nur von einem Farbenhör-Synästhetiker, wie es zum Beispiel der Künstler Wassily Kandinsky war, nachempfunden werden. Ein Synästhetiker kann nämlich aufgrund seiner Veranlagung andere Synästhesiearten nicht nachvollziehen. Für eine Person, die Töne schmecken kann, und einen Nicht-Synästhetiker ist es gleichermaßen abstrus zu hören, dass jemand Grapheme personifiziert*.

Synästehie: Altgriech. für „mitempfinden“ oder “zugleich wahrnehmen”.
Perzeption: Unbewusste Prozesse individueller Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung.
Graphem-Personifikationen: Dabei werden Zahlen oder Buchstaben Geschlechtern oder Persönlichkeitseigenschaften zugeordnet.
Wir sehen Farben, hören Töne, riechen Gerüche, ertasten und empfinden.
Diese Vorgänge wirken auf uns, als seien sie unmittelbar und stünden im direkten Kontakt mit der einen, allgemeingültigen Wirklichkeit. Doch neuronale Signale werden von unserem Gehirn nach festgelegten Kriterien subjektiv bewertet und gedeutet. Somit kann unsere eigens durch die Sinne kreierte Welt als dynamisches Konstrukt des Gehirns angesehen werden. Die Hypothese, dass jedes Individuum in seiner eigenen Realität lebt, die es sich zuvor selbst erschaffen musste, kann durch die eigene undurchdringbare Isolation, welche damit vorausgesetzt wird, angsteinflößend erscheinen.
Durch die Erfahrungsberichte der Synästhetiker entsteht jedoch eine Art Praxis zu dieser Theorie, mit derer es uns leichter fallen kann, sich der Individualität der eigenen Wahrnehmung bewusst zu werden und somit vielleicht sogar Einblicke in konträre Weltbilder zu gewinnen.
von Franziska Kliefoth
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Fáilte go hÉireann – Willkommen in Irland

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Fotos: Britta Simon
Für wen das Auslandssemester vor der Tür steht oder wer lediglich eine Auszeit von der deutschen Lebensweise sucht, dem sei ein Aufenthalt auf Europas Grüner Insel empfohlen.
Die Republik Irland, die den westlichsten Punkt Europas markiert, trägt ihren Beinamen mit Recht. Wer die größeren Städte verlässt und im Land reist, findet sich schnell in einer unwirklichen Welt wieder. Unberührte Natur, raue Berglandschaften und wilde Bäche in weiten Nationalparks prägen das Bild. Dazwischen vereinzelte Wohnhäuser, die die Frage aufkommen lassen, wen es dauerhaft an solche abgelegenen Orte verschlägt. Die Liebe zu ihrem Land, ihrer Kultur und Tradition prägen den Stolz der Iren. So findet man an Straßen und öffentlichen Gebäuden sowohl die Amtssprache Englisch als auch des Irish Gaelic. Letzteres ist fester Bestandteil des Lehrplans an den meisten staatlichen Schulen. Patriotisch sind die Iren nicht nur in punkto Kultur. Auch im Sport dominiert der auf Irland begrenzte Gaelic Football, eine Mischung aus Rugby und Soccer. Daneben steht das etwas bekanntere Hurling. Beide Sportarten werden in reinen Amateurligen gespielt, dennoch brechen die alljährlichen championship-finals alle Zuschauerrekorde. Die im restlichen Europa beliebte Fußball-Liga findet in Irland eher zweitrangig Beachtung, was mitunter auch an der eher geringeren Beteiligung an internationalen Wettbewerben liegen kann.
Ein Problem, mit welchem sich Irland seit mehreren Jahren konfrontiert sieht, ist der hohe Alkoholkonsum Jugendlicher. Im Zuge des Intoxicating Liquor Act 2008 führte die Regierung diesen Sommer nicht nur ein generelles nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol ein, sondern erhöhte die Bußgelder für die illegale Abgabe an Jugendliche und das Betrinken in der Öffentlichkeit drastisch. In diesem Zuge soll ein verantwortungsbewussterer Umgang mit Alkohol gewährleistet werden. Auch die Verkehrssicherheit innerhalb des Landes wird stark debattiert. So hält Irland momentan einen traurigen Rekord: Neben Griechenland zählt es zu den Spitzenreitern in punkto Verkehrstoten innerhalb der EU. Eine Tatsache, die nicht zuletzt auf das mitunter unzulängliche Verkehrssystem, vor allem außerhalb der Großstädte, zurückzuführen ist.
Obwohl die wirtschaftliche Hochkonjunktur der irischen Republik inzwischen abflaut, sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland immens. So kann mitunter das Doppelte der Kosten hierzulande für Lebensmittel und Konsumgüter veranschlagt werden. Kurzurlaubern und Rucksacktouristen sei daher ein Carepaket aus der Heimat empfohlen, welches ohne Probleme im Koffer oder Rucksack transportiert und ins Land eingeführt werden kann.
Wer an Kultur und Natur seinen Gefallen gefunden hat, der sollte einen Aufenthalt in Irland nicht missen und sich die Zeit nehmen, Land und Leute zu erkunden. In jedem größeren Ort sind Unterkünfte vorhanden und die Gastfreundlichkeit der Iren macht jeden Aufenthalt, ob kurz oder lang, zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Weitere Informationen findet ihr unter:
www.discoverireland.ie
von Britta Simon
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Rasten ohne Hasten?

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Fotos: Björn Franke
370 gibt es in Deutschland. Mal architektonisch reizvoll, mal im Charme der vergangenen Jahrzehnte. Im Grunde nimmt man sie nicht wahr, sie ziehen vorüber an den Fenstern der Automobilisten, es sei denn, man verspürt Hunger bzw. Durst, den Bedarf des Besuches von sanitären Anlagen oder das Auto braucht neuen Betriebsstoff.
Ein Ort des Rastens, nur für einen Moment, für vielleicht eine halbe Stunde.
Man wird Teil der Umgebung, die sonst an einem vorbeizieht, und doch gefangen in einer abgezäunten Welt der Autobahn, Landkarten, Kinderbespassungsutensilien. Mittlerweile haben die üblichen Vertreter der Junkfood – Industrie Einzug erhalten, so kann die burgeraffine Familie ebenso speisen wie ältere Damen und Herren, die zwischendurch einen Kaffee trinken wollen.
Biografien laufen nebeneinander her. Jeder verhaftet in sich selbst, das Ziel vor Augen, keine Zeit verlieren und schnell ankommen. Getrieben von Bedürfnissen, die den Menschen zum Halten zwingen. Die Herkunft, ob sozial oder geografisch, scheint egal.
Der fernfahrende Osteuropäer neben der aus dem Urlaub heimkehrenden Familie des Münsterlandes.
Der Regisseur Christian Petzold setzte sich bei dem stilistisch der Berliner Schule zuzurechnenden Film „Wolfsburg“ mit der Veränderung der Psyche des Menschen durch das Automobil auseinander: „Autofahren ist eine Massentätigkeit – es wird aber als etwas Individuelles verkauft. Es ist dein Auto, du bist in deinem Auto, du und die Welt. Dieser vereinzelte Mensch, der da sitzt, umgeben von Navigationssystemen, Geruchsfiltern, Verkehrsfunk, ist in seinem eigenen Film…“ (fluter, bpb, 31.08.2005)
Jeder in seinem eigenen Film, der selbst in der Raststätte nicht unterbrochen wird, oder gar endet. Das Smalltalk- Gespräch an der Kasse im Vergleich zur symbolhaften Interaktion aus Lichthupe, Bremslicht und Gestik auf den Fahrbahnen: Ein Hauch persönlicher?
Der Ort bleibt institutionalisiert – „Wann geht’s weiter?“.
Am Fenster Platz nehmend und nach draußen blickend gönnen wir uns einen Moment des Stopps in der Brückenraststätte Dammer Berger. Unter uns nimmt das Wort „Mobilität“ in ansehbarer Weise weiterhin Gestalt an. Auf der A1 kriechen, schlängeln, fahren, drängeln, jagen – manchmal ganz getreu dem Motto „Ich geb’ Gas, ich will Spaß“ -Autos, Wohnwagen, wie auch Laster auf zwei Richtungsfahrbahnen unter der Brücke durch.
Wir scheinen uns dem mobilen Treiben entzogen zu haben und zugleich bleiben wir mobil, denn an diesem Ort verweilt keiner länger als ein paar Stunden. Und doch:
Fotos: Björn Franke
Dieser Ort soll ein Ort der Rast sein. Der Ruhe nach dem Sturm eines Staus, stehendes Ventil für den durch Anspannung geladenen Ärger eines knapp entkommenen Unfalls, der Möglichkeit zum stillen Örtchen, dem „Sind wir jetzt da?“ ein kurzes Ende zu setzen. Aber auch ohne einen dieser Gründe ist allein die Aussicht der Raststätte einen kurzen Besuch wert.
Über der ständigen Bewegung einer fahrenden Bevölkerung fragen wir uns, ob sich Menschen hier begegnen. Doch nach einem Austausch über die Art einer Begegnung kommen wir zu dem vorläufigen Schluss, dass sich die Wege verschiedenster Menschen an diesem Ort nicht mehr als nur kreuzen.
Die Vielen, die hier zusammenkommen, rasten aber rosten nicht. Jeder in der Gruppe der Kraftwagen fahrenden bleibt sich seinem Ziel bewusst. Das Besondere an diesem Ort: Er scheint weitestgehend frei zu sein von sonstigen Scheidewegen menschlicher Unterschiede. Eine gewisse Neutralität politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Machenschaften. Das Augenmerk liegt auf den Grundbedürfnissen des Menschen, nicht mehr und nicht weniger.
Fastfood, Fastfoot. Ich muss weiter!
Mobilitätsgetrieben stehen wir auf und gehen Richtung Parkplatz …
von Björn Franke und Johanna Olberding
Raststätte “Dammer Berge”
“Dammer Berge” liegt an der A1 und erstreckt sich als eine von zwei Raststätten in Deutschland brückenförmig über die Autobahn. 2005 wurde die Anlage komplett renoviert. Seitdem gibt es dort Restaurants der Fastfood-Ketten Burger-King, Nordsee und Gustico, sowie zwei Coffee-Shops. In zwei Kiosk-ähnlichen Einkaufsbereichen bekommt man Tierfutter, Zeitschriften, Krawatten, Chips, CDs, Kinderspielzeug und vieles mehr, was man auf einer Autofahrt irgendwie brauchen könnte.
Wer die kostenpflichtige Toilette benutzt, erhält einen 50-Cent-Einkaufsgutschein, ansonsten sind die Preise – typisch Raststätte – heftig. Auch wer geistige Ablenkung vom Autofahren sucht, wird bedient: Eine Kinderecke lädt die lieben Kleinen, Geldspielgeräte die Zocker zum Spielen ein. Draußen wartet eine Kapelle auf durchreisende Christen, Eintrag im Gästebuch: „Bitte Herr, lass Bayern gegen Schalke gewinnen“. Und man kann natürlich auch tanken.
von Stefan Hirsch

Bilderalbum
uniVista No. 08: Rasten ohne Hasten
uniVista No. 08: Rasten ohne Hasten
Ein Besuch auf der Raststätte “Dammer Berge” (Fotos von Björn Franke und Johanna Olberding)
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Das war euer Sommer: Der Stoppelmarkt …mal anders

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Tagebuchausschnitt einer Cocktailmixerin
Samstag, 18.08.2007
17:00 Uhr: Hoch vom Sofa und ab in die Arbeitsklamotten. Schwarzes T-Shirt angezogen, Hawaiikette und Blinkis befestigt, Schminke ins Gesicht, das Lächeln nicht vergessen und ab in den Bus zum Stoppelmarkt. Es ist Samstag! Das bedeutet Stress pur und total betrunkene Gäste! Meine Lust schwindet schon als ich den Bus betrete. Alle sind in Feierlaune, nur ich muss arbeiten. Aber es hilft nichts…ans Geld denken, immer nur ans Geld denken, sage ich mir immer wieder.
18:00 Uhr: Los geht’s! Mein Arbeitsbereich ist die Cocktailbar. Jetzt beginnt der langweilige Teil. Die Bar muss aufgefüllt und geputzt werden.
19:00 Uhr: Gääääähnende Leere. An der Cocktailbar ist nichts los. Wir stehen uns die Beine in den Bauch und fangen aus Langeweile an, selbst gemixte Cocktail-Kreationen zu trinken. Man muss sich ja schließlich auf dem gleichen Level wie seine Gäste bewegen. 21:30 Uhr: Erste Gäste… Ich „prügel“ mich mit meiner Kollegin um die Bestellungen. Bitte! Gebt mir Arbeit! Der DJ macht sich langsam warm und wir essen noch schnell ein paar Käsebrote, um für die kommende Hungersnot vorbereitet zu sein.
23:30 Uhr: HILFE!!! Wo kommen auf einmal die ganzen Leute her??? Von der Langeweile in den totalen Stress. Jetzt heißt es nur noch: „Shaken bis der Arzt kommt!“ Die Musik dröhnt in den Ohren, die Erde bebt, die Gläser tanzen. Trotzdem haben wir Spaß an der Arbeit, die Leute sind gut drauf, und wir feiern hinter der Theke mit.
2:30 Uhr: „Wie bitte? Was möchten sie trinken?“ Versteh einer die Leute! Innerhalb von gut zwei Stunden sind die Gäste so betrunken, dass die Bestellungen kaum mehr zu verstehen sind. Da hilft nur noch mittrinken! Unsere Bäuche knurren um die Wette… Huunger! Hoffentlich haben wir bald Zeit für eine neue Ladung Käsebrote.
3:30 Uhr: Spätestens jetzt sind wir hinter der Bar Ansprechpartner für alle psychischen Problemchen von einsamen und gebrochenen Herzen bis hin zu Racheplänen für Exfreunde oder Exfreundinnen.
4:00 Uhr: Die Musik ist aus. ENDLICH!!! Langsam leert sich das Zelt. Nur noch wenige Gäste bestellen etwas. „Bitte!!! Fahrt doch alle nach Hause!“, denke ich und stelle mir mein warmes Bett vor. Ich will endlich liegen und meine Füße hochlegen.
5:00 Uhr: Der harte Kern ist immer noch da und ich fange schon an, mit meiner Kollegin die Cocktailbar wieder sauber zu machen.
6:00 Uhr: FEIERABEND! Das Zelt wird endlich dicht gemacht ,und die letzten Gäste gehen nach Hause.
6:30 Uhr: Endlich im Bett. Ich will nur noch schlafen…bis es morgen um 14:00 Uhr wieder losgeht. Puuuuh! Aber: …“ans Geld denken, immer nur ans Geld denken“, sage ich mir, noch bevor ich einschlafe.
von Sarah Gudenkauf
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