Mein erstes Mal

Inhaltsverzeichnis:

Auf den (Akupunktur-) Punkt ohnmächtig

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Als eigentlich ablehnende Person fernöstlicher Medizin verlasse ich als Redakteurin meine private Einstellungs- und Glaubenszone und so war ich während der Suche nach Kuriositäten fast allem offen zugewandt. So auch der Akupunktur. Eine Krankenschwester des Familienkreises hatte sich in diesem Bereich weitergebildet und trägt ihr Material zur Behandlung meist dabei. Es schien alles vorbereitet: eine kurz bevorstehende Familienfeier, meine Kopfschmerzen (und die Unlust, mit Kopfschmerzen auf einer Feier zu sein), sowie das uniVista-Titelthema.
Nach kurzem Zögern entschied ich mich für „Mein erstes Mal Akupunktur“. Bis vor einiger Zeit waren Spritzen und Nadeln für mich kein Grund zur Aufregung. Doch seit einiger Zeit… Also: Ängste schnell in die Verdrängungszone geschoben, machte ich es mir auf dem Sofa gemütlich. „Wo sind denn die Kopfschmerzen?“„Von der Schläfe nach hinten ausgehend“, antwortete ich. Zunächst platzierte sie eine Nadel direkt zwischen meinen Augen, dann zwei in meinem Nacken – bis dahin alles in Ordnung – dann eine in der Nähe meiner linken Schläfe, dann an der rechten. „So, fertig. Alles gut?“ Ich nickte. „Ich geh jetzt rüber. Wenn was ist, meld dich.“ „O.K.“ Dabei spürte ich schon ab dem Moment, an dem sie die letzte Nadel platzierte, dass sie mit dieser Nadel eine sensible Stelle getroffen hatte. Eine Spannung zog sich von rechts bis in die Mitte meines Gesichts. „Mmmhh“, dachte ich, „auf jeden Fall passiert etwas mit mir, soviel Zauber kann es dann ja auch nicht sein…“
akupunktur13
Es gibt rund 400 Akupunkturpunkte.
© Sabine Weiße / PIXELIO
Seit einigen Jahren mit einem leichten Tinitus lebend, der einem stetigen hohen Ton gleicht und durch Umweltgeräusche gut gedeckt kein Störenfried ist, begann dieser auf einmal, seinen Sound in meinem Ohr in ein schrilles Klingeln zu verändern. Das Gespräch zwei weiterer anwesender Personen wurde übertönt, denn der Tinitus war lauter denn je und lauter als jene piependen Töne im Ohr, die nach dreistündiger Beatboxbeschallung noch im Bett nachklingen. Während sich vor meinem geistigen Auge eine psychisch gefolterte Zukunft mit dieser Art von Tinitus abzeichnete, wurde mir übel und kurz darauf schwarz vor Augen und ich wusste, gleich werde ich ohnmächtig… „Ähm“, rief ich, „kann man eigentlich auch davon ohnmächtig werden?“ „Nö, eigentlich nicht. Wieso?“ (Gott sei Dank, war sie noch da und nicht schon rüber gegangen!) „Weil ich gleich ohnmächtig werde…“ Mit ziemlich flinken Fingern und Geschick zog sie mir die Nadeln wieder aus dem Kopf. Der drohenden Ohnmacht war zunächst abgeholfen. Ich legte mich nun auf‘s Sofa und begann zu beten: „Oh Gott! Oh Gott, bitte nimm dieses Klingeln aus meinen Ohren, damit kann ich nicht leben.“ Und: „Es tut mir Leid. Ich kenne doch die Spekulationen darüber, dass fernöstliche Medizin okkulte Hintergründe haben soll. Es ist doch nur ein Experiment im Rahmen der uniVista. Aaahhhh! Hilfe!“
Ein Foto als Beweis wäre natürlich toll! Aber dafür hatten wir leider keine Zeit und ich auch nicht den Kopf. Aber: Da ich unbedingt wissen will, was sie bei mir „erwischt“ hat und ob das Gleiche noch mal passiert, wird es vielleicht noch ein zweites erstes Mal* geben! Vielleicht…
von Johanna Olberding
* Ein auf Heraklit zurückgeführter Aphorismus sagt: „panta rhei: Alles fließt.“ Man kann den gleichen Fluss nicht zweimal durchqueren. Beim zweiten Mal ist der Fluss ein anderer, und man ist auch ein anderer, nachdem man den Fluss einmal durchquert hat.

Poetry Slam

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poetry11
Klapprige Knie kurz vor dem Auftritt
gehören dazu beim Poetry Slam im Gulfhaus.
© Pegas / PIXELIO
Showtime! Ein Haufen begabter Amateurschreiberlinge tritt gegeneinander an, um mit selbst geschriebenen Texten vor applaudierender Menge zu punkten.
Um zu vermeiden, dass ein rasender Puls einen völlig um den Verstand bringt, ist es immer ratsam, mit dem Rotwein schon am Nachmittag zu beginnen. Ich stehe daher an einem tristen Novembertag, dem Vierten, um genau zu sein, auf dem Balkon und versuche meine Aufregung zu lindern. Meine Aufregung vor einer zu großen Bühne, vor zu vielen unbekannten Gesichtern und der grausamen Vorstellung, schlicht und einfach zu versagen.
Eine selbst erdachte Geschichte vor anderen zum Besten gegeben, das habe ich schon des Öfteren getan, doch was wusste ich schon von einem Poetry Slam? Das Prinzip hatte ich zwar verstanden, jedoch noch nie einen miterlebt. Immerhin stand ich ja nur auf der Teilnehmerliste, weil Uniparty-Nächte zuvor meine betrunkene, schlechtere Hälfte in Anwesenheit des Vechtaer Poetry Slam Masters zu viel Zuversicht, Mut und Phrasen wie „klar, mach ich da mit“, „kein Ding“ oder „…war schon immer mein Traum da mitzumachen“ rausposaunte.
Nun tickte also die Uhr, um 18 Uhr noch eine Vorlesung und direkt danach zum Gulfhaus, dem Ort des Geschehens. Aus einem Glas Wein waren inzwischen vier geworden, doch meine Zuversicht stieg mit jedem Schluck. Von der Vorlesung bekam ich im Endeffekt so gut wie nichts mit, ich verließ sie auch so schnell wie möglich und ging sehr zeitig meinem ungewissen Schicksal entgegen. Mit einem ausgedruckten Zettel, worauf mein Text geschrieben stand, den ich zum Besten geben würde, zitterte ich mich schließlich zum Gulfhaus.
Dort angekommen, befand ich nach so viel Rotwein meinen Puls für zu niedrig, meine Aufregung jedoch noch immer für zu hoch, und ging zu Becks über. Wohlbehütet aufgenommen in der Slammerrunde ließ der Startgong nicht lange auf sich warten. Als Neunter sollte ich an die Reihe kommen. Viel Zeit, um sich vorher kranke Geschehnisse, die mir auf der Bühne widerfahren könnten, auszumalen: Ohnmachtsanfälle oder Übelkeitssymptome zu Lasten des Publikums
Schon der erste Slammer ließ mich mit seiner Souveränität blass werden. Auch folgende Texte zeugten von Witz und Anspruch. Selbsteinschätzung liegt mir fern, weshalb die Ungewissheit, wie ich ankommen würde, stieg. Als es dann schließlich so weit war, wankte ich auf die Bühne, geleitet von Adern, prall gefüllt mit Alkohol.
Nach nur sechs Minuten war alles geschafft. Und dann soviel Aufregung? Ich muss verrückt gewesen sein. Angst wich nun dem Stolz und wie sich der Stein von meinem Herzen löste, schoss mir auch der restliche zuvor erstarrte Alkohol zu Kopf. Ich war noch nie in meinem Leben so schlagartig besoffen. Im Endeffekt hatte ich mit meinem Text, so wie ich denke und mir auch habe berichten lassen, die Menschen erfreut, zum Lachen gebracht, angeekelt oder angeödet. Alles Dinge, mit denen ich leben kann. Alles Dinge, die ich nur weiterempfehlen kann! Ein Platz irgendwo im Mittelfeld. Was will man mehr? Das nächste Mal, wenn es ein nächstes Mal geben wird, werde ich jedoch nüchtern sein.
von Tobias Kunz

Mein erstes, zweites, drittes Spiel – 15 Euro war´n zu viel!

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© Heiko Wagner / PIXELIO
Magic-Casino, ich dachte an schnelles Geld.
Wie? Natürlich mit dem magic in der Spielbank. Aschenputtel hat sie doch auch geholfen, die Magie.
Innerlich von schnellem Geld geblendet, betrat ich das Casino. Ich dachte, ich hätte Glückspilze gefrühstückt und ginge mit mehr Geld wieder nach Hause. Meine Hosentaschen beulte ich aus, hatte ich auch Taschen in der Jacke? – Nur für den Fall des Jackpots.
Meine Begleitung und ich hatten uns auf 15 Euro pro Person geeinigt. Für mich stand die Aktion unter scherzhaftem Stern. Der Augenblick meines ersten Mals hatte mich vergessen lassen, dass manche dauerillusioniert und realitätsfliehend in diesen Räumlichkeiten verweilen und auch, dass andere wiederum desillusioniert und realitätsnah professionelle Spieler sind.
Eine Dame begrüßte uns. Ich hoffte, mein Hilfe suchender Blick entlocke ihr ein “Kann ich Euch helfen?” Nichts. Meine fehlende Orientierung schließlich brachte ein „…ähm, ich hab keine Ahnung. Gibt‘s hier ne Gebrauchsanweisung oder so? Wie funktioniert das? Was sind das für Automaten?“ heraus und die Dame gab uns eine kurz gehaltene Einführung auf meine lang gestellten Fragen.
Uninformiert, aber erlebnisorientiert hielt das Selbermachen her. Sechs Automaten waren von vier Spielern belegt. „Gestern“ so erzählte die Dame, „habe jemand den Jackpot gewonnen.“ Wir waren also zu spät… Ich setzte mich an den ersten Automaten und bestimmte den Einsatz. Roulette und Bingo verstand ich nicht, so dass es mich zum Magic Kingdom verschlug. Dort verblieb ich und fiel in Resignation. Zwischendurch drückte ich hier und da Knöpfe. Ich gewann… und verlor. Ich setzte niedrig, setzte hoch. Meine Gedanken schweiften umher, schweiften weg. „Ich bin kein Spieler, hier macht es mir keinen Spaß, …“ Meine Begleitung riss mich aus meiner Resignation. „Hey, ich hab alles verspielt.“ Ein Grinsen machte sich auf meinem Gesicht breit: „Ich hab noch sechs Euro…“. Wir verweilten neben meinem Automaten, ließen uns einen kostenlosen Kaffee servieren und nach kurzer Zeit stand mein Zockerkonto auf +/- Null.
Die Glückspilze hatte ich gefrühstückt, aber ich entlarvte meinen Begleiter als Pechvogel, dessen Gegenwart leider stärker war, als die meiner Pilze…
Fazit: Was war nun “dran” an diesen Automaten im Magic Casino? Ich wusste: „Drin“ war auf jeden Fall Geld. Jetzt auch meine 15 Euro.
© Uwe Steinbrich / PIXELIO
Ein Hausarbeitsthema war es gewesen, welches mir dieses erste Mal einbrachte.
Ähnlich wie der erste Bildeindruck von Las Vegas bei Nacht eröffnete sich mir fachliterarisch ein erleuchtetes Feld mitten im Dunkeln. “Showlichter” sind die ätiologische Fragestellung oder die Diskussion über den Namen des Kindes. “Spielsucht” oder “Pathologisches Spielen”?
Die Autonomie fährt Achterbahn: Das “Suchtgen” als nicht oder nur kaum beeinflussbar oder „pathologisches Spielen“ als Symptom schwerer Lebenssituationen?
Ich habe etwas über mein eigenes Spielverhalten gelernt. Schlüsse auf meine Mitmenschen kann ich daraus nicht ziehen.
von Johanna Olberding

Wii

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Da stand er nun: Ein kleiner weißer Kasten, gerade mal so groß wie zwei oder drei DVD-Hüllen übereinander. So ein Blödsinn, so eine Zeitverschwendung, so viel Geld. Was hätte man mit dem Geld alles anstellen können? Seitdem diese technische Neuheit nun den Platz neben dem Fernseher in Anspruch nahm, war das Zimmer gefüllt mit Menschen. Aufgeregt wie Kinder am ersten Schultag wurde das Gerät vorsichtig berührt, gestreichelt, ein Jauchzen ertönte. Schnell vermehrten sich die abenteuerlichsten Spiele in dem Regal unterhalb des Fernsehers, keines war wirklich von langer Dauer, aber dennoch wurde jedes mit einer Begeisterung empfangen, die mir immer unverständlicher wurde, ganz zu schweigen von den albernen Verrenkungen, die erwachsene Menschen vor dem TV-Gerät vollbrachten. Diese kleine technische Errungenschaft fing an, mich kräftig zu nerven. Wo lag bitte der Reiz?
Es war doch letztlich nur eine Konsole, kaum etwas Neues für die Nintendo-Generation der 80er Jahre.
Bildnachweis: bs
Foto: Britta Simon
Ein paar Wochen sollten vergehen, bevor endlich ein Abend mit Ruhe einkehrte und ich mich alleine mit dem weißen Kasten im Raum befand. Ich blickte ein paar Mal von meiner Zeitschrift auf den Fernseher. Dann stand ich auf und schaltete den Knopf der Konsole ein. Alsbald erschien ein kleines Männchen auf dem Bildschirm, welches mir ausführlich erklärte, was ich zu tun hatte. Ich nahm den Controller in die Hand, wickelte ihn mir wie vorgeschrieben mehrfach um den Arm (lächerlich, aus dem Alter der Wutanfälle war ich nun wirklich heraus) und begann das Spiel. Kurze Zeit darauf befand ich mich auf einem Tennis Court, welcher mich in steigendem Tempo durchaus forderte. Auch Golf stellte sich als unterhaltsam heraus. In den nächsten Tagen probierte ich weitere Spiele aus, erstellte meine eigene Persönlichkeit, gewann sogar die ersten Wettkämpfe. Es machte Spaß, verdammt viel Spaß. Schweiß lief mir beim Baseball Spielen die Stirn herunter: Dieser Rekord musste doch zu knacken sein. Tags darauf fragte ich besorgt, woher die Schmerzen in meinem Körper kamen. Gut drei Wochen lang spielte ich in jeder freien Minute und entwickelte ein Talent für einzelne Disziplinen. Ich konnte es kaum erwarten, meine Rekorde zu erweitern. Dann kam der Abend, an dem ich mich messen wollte. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass mein Gegner kaum das nötige spielerische Potential besaß, um mich zu schlagen. Zufrieden feierte ich meinen Triumph. Ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister“ präzisierte ich stetig meine Wurftechniken. Dann kam der Abend, der alles verändern sollte: Wieder stand ich vor meinem Gegner, er machte kaum Anstalten, sich vom Sofa zu erheben. Wie sollte man bitte jemanden wie mich mit diesem Null-Aktionismus schlagen?
Es war doch letztlich nur eine Konsole, kaum etwas Neues für die Nintendo-Generation der 80er Jahre.
Ein paar Wochen sollten vergehen, bevor endlich ein Abend mit Ruhe einkehrte und ich mich alleine mit dem weißen Kasten im Raum befand. Ich blickte ein paar Mal von meiner Zeitschrift auf den Fernseher. Dann stand ich auf und schaltete den Knopf der Konsole ein. Alsbald erschien ein kleines Männchen auf dem Bildschirm, welches mir ausführlich erklärte, was ich zu tun hatte. Ich nahm den Controller in die Hand, wickelte ihn mir wie vorgeschrieben mehrfach um den Arm (lächerlich, aus dem Alter der Wutanfälle war ich nun wirklich heraus) und begann das Spiel. Kurze Zeit darauf befand ich mich auf einem Tennis Court, welcher mich in steigendem Tempo durchaus forderte. Auch Golf stellte sich als unterhaltsam heraus. In den nächsten Tagen probierte ich weitere Spiele aus, erstellte meine eigene Persönlichkeit, gewann sogar die ersten Wettkämpfe. Es machte Spaß, verdammt viel Spaß. Schweiß lief mir beim Baseball Spielen die Stirn herunter: Dieser Rekord musste doch zu knacken sein. Tags darauf fragte ich besorgt, woher die Schmerzen in meinem Körper kamen. Gut drei Wochen lang spielte ich in jeder freien Minute und entwickelte ein Talent für einzelne Disziplinen. Ich konnte es kaum erwarten, meine Rekorde zu erweitern. Dann kam der Abend, an dem ich mich messen wollte. Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass mein Gegner kaum das nötige spielerische Potential besaß, um mich zu schlagen. Zufrieden feierte ich meinen Triumph. Ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister“ präzisierte ich stetig meine Wurftechniken. Dann kam der Abend, der alles verändern sollte: Wieder stand ich vor meinem Gegner, er machte kaum Anstalten, sich vom Sofa zu erheben. Wie sollte man bitte jemanden wie mich mit diesem Null-Aktionismus schlagen?
Der kleine Kasten und ich haben unseren Frieden geschlossen. Er ziert zwar immer noch den Platz neben dem Fernseher, doch habe ich mich wieder den Zeitschriften zugewandt. Über eine anonyme Suchtgruppe denke ich jedoch immer noch nach.
von Britta Simon

Punktesekte

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Nach Weihnachten und vor Ostern entscheiden sich viele Bundesbürger für gute Vorsätze. Das Einhalten dieser Vorsätze ist meist schon einer davon, daneben gibt es aber noch die Klassiker: Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, der Liebsten öfter Blumen schenken, Fußballabende vom Freund ruhiger ertragen oder einfach öfter die Lateinvorlesungen besuchen.
Na gut, dass das mit Latein nicht einfach ist, weiß wohl jeder Germanistikstudent, aber abnehmen? Kann doch nicht so schwer sein…
Pünktlich zum Jahreswechsel war es dann soweit: Die bekannteste Abnahmegruppe der westlichen Welt, ja genau, die mit den zwei W, rief zur Gewichtsreduktion auf. Fröhlich lachende Frauen und bunte, frühlingsfrische Werbungen sprangen einem aus dem Fernseher auf das Sofa, direkt neben die Schokolade, und unterstützten die guten Vorsätze darin, den inneren Schweinehund in Ketten zu legen.
Okay, da ich ja schon länger bis immer nicht ganz so zufrieden mit mir war, entschloss ich mich, das örtliche Treffen zu besuchen. “Ein Versuch kann ja nicht schaden!” dachte ich mir und fuhr mit dem Rad (der erste Bewegungspunkt) zum Gruppentreffen. Im Saal eines Restaurants, wie passend, wartete schon eine Schlange Menschen in winterlich untypisch leichtem Outfit, um beim Gang auf die Waage ein gutes Ergebnis zu fördern; andere saßen schon auf den bereitstehenden Stühlen, und es war kalt. Ich mag Kälte nicht. Auf einem langen Tisch standen sämtliche Angebote von kalorienarmer Schlagsahne über kalorienarme Schokoriegel bis hin zu Büchern über kalorienarmes Kochen. Soweit die äußeren Gegebenheiten. Mehr Beobachtung war nicht möglich, denn jetzt stand ich unmittelbar vor der Waage und somit auch vor der Leiterin des Treffens. Sie begrüßte mich, drückte mir ein Heftchen in die Hand und bat mich, Platz zu nehmen.
Bildnachweis: pixelio (206643)
© Mensi / PIXELIO
Mit den Informationen bewaffnet, bezog ich Stellung auf meinem Stuhl und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Die Jacke ließ ich an, denn mir war ja schließlich kalt. Punkt acht ging es los. Die Leiterin stellte sich wie eine Lehrerin vor ihre Schüler und fragte in die Runde nach dem Befinden. Vereinzelte Antworten über zufriedene Abnahmen, nervige Gewichtsstillstände oder unliebsame Zunahmen wurden laut, begleitet vom Kopfnicken der anderen Teilnehmer. Nach einer kurzen Diskussion über die jeweiligen Zustände, wie sie erreicht worden seien, was man dagegen oder dafür tun könne, und natürlich mit den obligatorischen Bemerkungen über schlanke Ehemänner und maulende Kinder beim Gemüseeintopf, die das Abnehmen ja erschweren würden, wurde über das Thema des Abends, Kalzium, gesprochen.
Nach dem Gruppentreffen, das etwa 45 Minuten dauerte, stellte sich mir die Leiterin noch einmal persönlich und ausführlich vor, erläuterte mir das Ernährungskonzept und sprach von Punkten. Ja, alles klar, ich kannte Kalorien und Prozentangaben, aber PUNKTE? Nun, hier wurde mir erklärt, was es damit auf sich hatte, und das ich, wenn ich mich entschließen sollte mitzumachen, wöchentlich mit mehr Neuigkeiten über Punkte ausgestattet werden würde. Ich durfte wählen zwischen dem preisgünstigeren Abo und dem etwas kostspieligerem Einzeltreffen, entschied mich für ersteres, wurde gewogen und zack – war ich Mitglied der Punktesekte.
Mit weiteren Informationen, frischer Motivation und dem Wunsch nach einer heißen Dusche radelte ich nach Hause, schon gespannt, was jetzt passieren würde.
Jedes Lebensmittel hatte ab jetzt für mich Punkte, Pizza wenigstens 15, ein Glas Milch oder eine Scheibe Brot jeweils zwei, ein Stück (ja, ein klitzekleines Stückchen) Schokolade einen Punkt, Obst und Gemüse dafür aber gar keine. Für Sport gab es Bonuspunkte und damit ich den Überblick behielt, schrieb ich alles in ein Points-Tagebuch. Das war vor einigen Monaten, mittlerweile sind die ersten Pfunde weg, das Treffen hat den Raum und damit auch die Heizung gewechselt und demnächst bin ich vielleicht sogar Goldmitglied. Das ist aber dann schon wieder eine Geschichte für Mein erstes Mal : “Vom Verein geehrt werden…”
Wer mehr wissen möchte,
unter www.weightwatchers.de stehen alle Informationen.
von Ihna Grensemann

Das erste Mal…

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Wer erinnert sich nicht an seinen ersten Besuch bei Ikea, die ersten komischen Dinge, die man so in den Mund genommen hat, die ersten Panikattacken, die ersten körperlichen und geistigen Unfälle? Die Liste könnte ewig so weiter gehen, und manches davon möchte man gar nicht erlebt haben oder aber ganz schnell wieder vergessen. Wir haben uns gedacht: Verdrängen hilft nicht. Also setzten wir uns auseinander mit unserer Vergangenheit und schrieben sie auf, all die ersten Male, die uns geprägt haben. Die Titelstory gewährt euch also tiefe Einblicke in das Leben der Redaktion, exemplarisch also für den Rest der Weltbevölkerung, und lässt euch teilhaben an Dingen, die man die ersten zehn Jahre geheim hält, um dann leicht schmunzelnd darüber zu reflektieren. Gleichsam bildet die Titelgeschichte den Auftakt für die gleichnamige Rubrik, welche dann ab der nächsten uniVista im Sommersemester 2008 regelmäßig erscheint.
Natürlich seid auch ihr aufgefordert, uns an euren ersten Malen teilhaben zu lassen. Egal ob Konzertbesuch, Gefrierbrand am eigenen Körper oder Candlelight Dinner, lasst eure Gedanken schweifen, schreibt sie nieder und schickt sie uns.
…oraler Kontakt mit seltsamen Dingen
Bildnachweis: pixelio.de 151877
© A. Flade / PIXELIO
Langsam schließe ich die Lippen um ihn, lasse ihn weiter in den Mund gleiten und betaste ihn vorsichtig und ein wenig scheu mit der Zunge…er fühlt sich glatt an und irgendwie hart…
Verdammt! Ich rede von einem gerösteten Mehlwurm, den ich gerade in den Mund genommen habe!! Ihr erinnert euch noch an diese witzigen Lutscher mit den Insekten drin? Ich musste unbedingt einen haben und zum ersten Mal ein Insekt essen…man, fühlte ich mich beim Kauf cool!! Nun, ich hab’s getan…und ihn gegessen…schmeckte ein wenig wie zu Brikett getoastetes Weißbrot. Also nicht so lecker. Aber der mehlwurmumhüllende Lutscher war gut.
…Kontakt zu den (gelben) Engel
Ich höre eigentlich immer Radio. Nein, eigentlich läuft immer Kassette. Auf jeden Fall Musik. Und diese laut. Wenn ich Auto fahre, brauche ich das. Nur dieses Mal hab ich das aus unerklärlichen Gründen nicht gemacht. Und so hörte ich den Knall. Ich konnte das gar nicht richtig zuordnen. Dann merkte ich, dass das Auto komisch fuhr, dann wieder, dass das Geräusch nicht besser wurde und dann, dass mir ein Reifen fehlte. Hinten links. 120kmh. A 29. Mahlzeit! Hinter mir kein Auto. Durchatmen. Auf den Seitenstreifen fahren. Ruhig bleiben. Keine Panik. Ich sagte mir das immer wieder und tat einfach alles dagegen. Und ich meine: wirklich alles. Das ganze Register. Ich rief bei dem Freund meiner Mutter an, Kfz-Meister. Der muss doch Ahnung haben. Ich machte den Kofferraum auf, suchte nach Ersatzreifen und Wagenheber, fand ersteren, aber den Heber nicht. Ich rief die Polizei an. Römms, Fahrtwind, 200 Sachen. Nein, nicht mein Puls! Wind peitschte mir ins Gesicht.
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© adacta / PIXELIO
Die Autobahn kennt keine Geschwindigkeitsgrenzen. Aber mit Highspeed erfasst zu werden, bringts vermutlich schneller zu Ende als mit gemäßigten 120 ins Wachkoma verfrachtet zu werden. Ich rief die Polizei an. Ich stellte meinen Rucksack mit roter Lasche in 100 Meter Entfernung auf. Wo war nur das Warndreieck? Wo blieb nur die Polizei? Ich suchte weiter nach Wagenheber und Warndreieck. Das Radio blieb aus. Die Polizei kam viel zu spät. Grummelig stieg EINER aus. Und WIDERWILLIG rief er den ADAC. Kommunikation lief schleppend. Er auf dem Seitenstreifen. Ich hielt mich hinter einem Zaun auf. Ich sollte doch weg von der Fahrbahn, Muttis Freund sagte das doch. Polizei weg. Gott, was dachte der von mir?! Wo bleibt der ADAC? Ich gehe zum Kofferraum, ein letztes Mal. Ich suche und finde: das Warndreieck. Entscheide, dass der Rucksack seinen Zweck tut. Dann kommt der Wagenheber zum Vorschein. Ich entscheide mich: mutig zu sein. Ich will doch was zu erzählen haben, wenn ich das hier überlebe. Ich wechsele den ersten Reifen meines Lebens. Ich überlebe. Am Seitenstreifen auf der A29. Nur die A1 hätt das noch toppen können!
…Urlaub ohne die Erzeugerfraktion
Wir hatten es geschafft! Die Schlacht war geschlagen, und wir waren die Sieger. Stolz ohne Ende und mit einem Auto voll Gepäck und Proviant brachen wir nun auf zum ersten Urlaub ohne Eltern am Ostseestrand. Hinfahren durften uns die Erziehungsberechtigten noch. Aber dann waren wir endlich allein. Vier pubertierende Mädchen allein im Bungalow.
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© tobman / PIXELIO
Die Nächte wurden zu Tagen. Es wurde sich geliebt und gestritten ohne Ende. Die Urlaubskasse wurde voll ausgeschöpft, der Strand in Beschlag genommen und die Freiheit genossen. Nach zwei Wochen, die auch in unserer geliebten Seifenoper nicht turbulenter hätten ablaufen können, fühlten wir uns ein bisschen wie die einzigen Überlebenden eines schrecklichen Unglücks, als das Auto unserer Eltern in Sicht kam und wir wieder nach Hause fuhren. Erschöpft, um eine Erfahrung reicher, aber glücklich.
…mit 40 kmh der Schwerkraft trotzen
Als ich vor so einigen Jahren zum Geburtstag einen dieser tollen Fahrradcomputer geschenkt bekam, war völlig klar, was zuerst gemacht werden muss: Ein Geschwindigkeitsrekord muss her! Und da unsere Straße leicht abschüssig war, musste auch genau diese für den Versuch herhalten. Dass sie außerdem wie ein Hufeisen geformt ist, sollte später noch eine wichtige Rolle spielen. Ich begann also an einem schönen heißen Sommertag mit kurzer Hose und T-Shirt los zu brettern. Der Geschwindigkeitsmesser kletterte in ungeahnte Höhen, ich trat in die Pedale wie ein Verrückter, 34, 35, 36, 37… immer höher stieg der Messer an. Dann endlich 40!!! Juhu!!! Als ich dann aber den Kopf hob, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich zwar genug Straße hatte, um auf 40 km/h zu beschleunigen, aber kein einziger Meter Bremsweg zur Verfügung stand. Tief fliegend schlug ich mit dem Vorderrad am Bürgersteig an und wurde aus meinem Sattel über den Maschendrahtzaun auf die andere Seite des Bürgersteigs katapultiert… gerne wäre ich im Zaun gelandet, denn hinter dem Zaun bremsten ja Gott sei Dank nur dornenbewehrte Rosenbüsche meinen Aufprall. Als ich nach ca. 1 Minute des lauten Stöhnens langsam aufstand, sah ich, dass ich eine regelrechte Schneise durch die Büsche gerissen hatte und gute 3 m geflogen war. Das Rad hatte auch einen guten Teil zur Zerstörung des Vorgartens beigetragen, denn es hat beim Aufschlag den Zaun gewichtig zu Boden gepresst. Glücklicherweise hat mich keiner dabei gesehen… und mir geht’s gut, danke!
…auf Tuchfühlung mit der Kreisstadt
Endlich! Ich hatte das Abitur in der Tasche und war nun offiziell an der Hochschule Vechta eingeschrieben. Wer wollte mich jetzt noch aufhalten?
An einem schönen Tag im Oktober sollte es nun soweit sein. In Vechta wartete ein Schlüssel auf mich. Der Schlüssel zur Freiheit! Aber wo ist Vechta eigentlich? Mit vielen guten Ratschlägen und Landkarten machten wir uns auf den Weg. Schließlich kamen wir an. Aber wo war hier die Stadt? Einzelne Gebäude, kein Supermarkt, keine Bank. Wo war ich gelandet?
Besichtigung der WG. Ganz klar, hier wohnen Studenten. Der Kühlschrank war voll, voll mit Bier. Ich war froh, dass ich an diesem Tag noch nicht bleiben musste. Und Bremen und Osna sind ja auch nicht weit.
…einen Freund haben
Bildnachweis: Karen Ishikawa
Foto: Karen Ishikawa
Mein erster Freund war wiederum ein Freund meiner Cousine. Ein netter Junge mit der Aussicht auf einen eigenen Handwerksbetrieb. Groß, blond und mit Brille (denn das sind die besten Typen). Und besagte Verwandte fand wohl, dass es langsam an der Zeit sei, mich zu liieren. Ich war ja immerhin schon 14! Im besten Clueless-Style berichtete sie uns dann gegenseitig von unserer Großartigkeit – großartige Hobbies, großartiger Musikgeschmack (ich hatte damals noch gar keinen Musikgeschmack, bei und zu Hause lief nur FFN), großartige Nettigkeit – und vereinbarte ein erstes Treffen auf ihrem Geburtstag. Es existieren immer noch Fotos davon, anscheinend hatte ich Spaß, an den ich mich aber dank einer Flasche Blue Curaçao zwecks Aufregungsbekämpfung nicht mehr erinnern kann. Als einziges sind mir seine warmen, treuen Hundeaugen im Gedächtnis geblieben (leider stellte er sich als gar nicht so treu heraus, aber das wäre wohl eher eine Episode für „Mein erstes Mal: sich trennen“). Und so kam es von einem Date zum nächsten und von einem Kuss zur Beziehung. Und wie sehr ich verliebt war! Er war toll… Aber vor allem war ich vergeben. Liiert. Eine Pionierin in der Klasse. Das war sicher genauso ausschlaggebend für mein verklärtes Dauergrinsen. Das erste Mal einen Freund haben ist ein großes Gefühl. Ein Gefühl von Verliebtheit, aber auch von Herzschmerz. Mit den Eltern feilschen, um Fahrdienst betteln, die Pille nehmen, den ersten Sex haben, sich ver- und unverstanden fühlen. Vom Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt. Pubertät pur und das zu zweit.
…blau gelbe Impressionen
Bildnachweis: Björn Franke
Foto: Björn Franke
Ich war 21, hatte grade meine erste WG bezogen und brauchte: Möbel. Woher? IKEA! Ja, als jung-dynamische Landpomeranze klang das nach Abenteuer und großer Welt. Her mit Ektorp, Lunna und Köttbullar. Rein in den Konsum. Oh, es war ein Genuss, erst die Fahrt mit der Straßenbahn, dann die S-Bahn nach Köln-Godorf und schließlich der Bus zum Parkplatz… Auf der Heimfahrt beanspruchte ich vier Sitze und mehrere der großen blauen IKEA-Taschen, um all den Krimskrams (natürlich war ich an GLIMMA, den 100 Teelichtern, auch nicht vorbeigekommen) mit sämtlich verfügbaren Verkehrsmitteln in meine Wohnung zu befördern. Mein erstes Mal IKEA? Teuer!
…ungenügende Leistung bringen
Ich war jung, dynamisch trotz Rauchens oder gerade deswegen, in der neunten Klasse, die längste Zeit Streber gewesen. Ich war nun rebellisch (siehe Rauchen), aufmüpfig schon immer, ansonsten jeglichem Unterrichtsgeschehen gegenüber desinteressiert. Ich sagte natürlich nur dann was, wenn ich schweigen sollte und umgekehrt. Und dann war es soweit, ich arbeitete da wirklich drauf hin. Ich wollte es so: Nach Jahren der Zweier, manchmal Einser und der nur wenig befriedigenden Dreier und völlig inakzeptablen Vierer und sinnlosen Fünfer: Endlich die Sechs! Das Fach: Physik. Lichtbrechungswinkel, Fallgeschwindigkeiten, Wellen,… Ich hatte einfach keine Antworten parat auf Optik, Mechanik und wie das alles hieß. Auf die wirklich wichtigen Fragen, etwa wie die Relativitätstheorie denn funktioniere, hatte mein Lehrer entweder keine Antwort für mich, der ja eh nichts verstand oder schlichtweg auch keine Ahnung, was er natürlich nicht zugab. Egal. Denn endlich war sie da, die Sechs! Wie cool man damit war!
Bildnachweis: pixelio.de 178429
© Hans-Peter Reichartz / PIXELIO
…Selbstfolter für die Schönheit
„Aua…aaaaah…uuuuuh…oh Mensch…tut das weeeeh!!! Ach, ich stell mich nur an, andere machen das doch auch… OH MEIN GOTT!!!! Werden diese Schmerzen jemals enden??“ Ich schaue auf die Anleitung. „WAAAAS? Die Achseln soll man sich damit machen können? Die BINKINIZONE? Sind die wahnsinnig??“ Ich weiß nicht, ob ein Mann sich vorstellen kann, wie das ist, wenn man sich jedes Haar einzeln ausreißt, wenn die fiesen kleinen Metallscheiben ein Haar zu packen bekommen und es samt Wurzel von seinem von Natur aus angestammten Platz gewaltsam entfernen. Jedes Haar, ein neuer individueller Schmerz. Schön! Mein erstes Mal epilieren, war auch mein letztes Mal, bin ich eben ein Schattenparker und greife lieber das erste…zweite…zweihundertste Mal zum Rasierer.
…Selbstbezacherln mit Instantsuppe
…irgendwann muss man es ja mal machen und Erfahrungen mit Herrn Knorr sammeln. Sich zum Bespiel selbst bekochen und eine ganz ganz tolle „KNORR Gemüse satt Instantsuppe“ kredenzen. 80% Gemüse, Olivenöl und Kräuter – vegetarisch, cholesterinfrei und fettarm – für 2 Teller…irre, dacht ich mir…dummerweise weiß ich nicht, was die gute Suppe gekostet hat, naja. Das Kochen stellte kein großes Problem dar…500ml Wasser warm machen, einrühren…ziehen lassen. Sieht aus wie Babybrei. Suppe? Hmm, eher wie Püree, nur flüssiger. Gemüse? War bestimmt drin, irgendwo. Ach, kommt schon…war halt einfach zu kochen und mein erstes Mal „Gemüse satt Suppe“!
…Synapsenstreik
Bildnachweis: pixelio.de 111676
© www.jenpix.de / PIXELIO
Es ist Nacht…ich sitze vor meinem PC und starre auf den Bildschirm. Vor mir: ein leeres Worddokument. Der Cursor, der markiert, wo ich mich gerade im nicht vorhandenen Satz befinde, scheint mich zu verhöhnen…sein Aufblinken gleicht mechanischem, rhythmischem Gelächter: Ha-ha-ha. Meine Augen brennen und meine Finger liegen eiskalt auf den Plastiktasten. Schreiben, schreiben: JA! Nur was denn?? Ich schaue zur Seite und sehe eine Motte, die immer und immer wieder mit dem Kopf gegen meine Fensterscheibe fliegt, ich betrachte sie eine Weile, vielleicht würde mir diese Art der Kopfarbeit auch mehr zusagen? Der Blick auf den Bildschirm, wieder die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit. Ich mache den Versuch, einige unbeholfene Buchstaben in eine Reihe zu bringen. Faszinierend, wie lange man dafür brauchen kann und das nur, um sie dann in einem Anfall enttäuschter Wut innerhalb von zwei Sekunden wieder auszulöschen. Ich lasse den Kopf leicht mit der Schreibtischplatte kollidieren: „Denk nach…denk nach…denk…aua.“ Schmerz- auch nicht hilfreich. Jede Formulierung gleicht dem Erklimmen des Mount Everest. Die deutsche Sprache in all ihren Facetten erscheint mir feindlich gesinnt, mein Kopf- eine dumpfe pochende Kugel. Ich raufe meine Haare und blicke auf die Uhr: 3.47 Uhr. Mehr als Zeit um die persönliche Escape-Taste zu drücken und ins Bett zu gehen, abspeichern muss ich ja nichts. Morgen wird mein PC wieder in der Ecke auf mich warten, wie eine dicke, fiese, hässliche Spinne. Mein erstes Mal Schreibblockade? Ja und mit Sicherheit nicht die letzte. Aber wahrscheinlich wird mein nächstes erstes Mal die Überwindung derselben sein…
…die Alternative zum Automobil nutzen
Wenn Benzinpreise Höhen erreichen, die selbst Krösus für inakzeptabel halten würde, überlegt sich auch ein eingefleischter Autofahrer, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. So geschah es, dass ich mich an einem ganz gewöhnlichen Freitagnachmittag, auf einem ganz gewöhnlichen Bahnhof in Niedersachsen zur einer ganz gewöhnlichen Zugfahrt einfand. Zumindest dachte ich dies. Stutzig machte mich bereits im Vorfeld die Planung der Fahrt. Noch gut gelaunt, stellte ich bei einem Blick auf den Fahrplan im Internet fest, dass eine sonst eineinhalbstündige Autofahrt per Bahn 3,5 Stunden dauern sollte. Zweimal Umsteigen mit eingeschlossen. Nun gut, Lesen soll bilden, her mit der Unterhaltungsliteratur. Die erste Etappe betrug 40 Minuten und brachte neue Einblicke in die Jamba Klingelton Welt. Auch wurde mein, so dachte ich, bisher reichhaltiges Vokabular an Flüchen und Beschimpfungen durch modernere Kreationen erweitert, die dem einen oder anderen hätten die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen. Froh, diesen Zug nach 40 Minuten verlassen zu können, stieg ich aus, um in den nächsten Zug zu wechseln. Bei einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass mir kaum noch zwei Minuten für den Umstieg blieben. Jetzt war nicht vorhandenes, sportliches Talent gefragt. Die Reistasche in der einen, den Tragebeutel in der anderen Hand und den Rucksack auf dem Rücken, spurtete ich hastig über die Brücke und kam, wenn auch mit Schweißperlen auf der Stirn, auf der anderen Gleisseite an. Pünktlich zum Einstieg in die nächste Bahn.
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Gute zweieinhalb Stunden sollten nun noch vor mir liegen. Ganz schön lange Zeit, dachte ich so bei mir. Doch hatte ich die Rechnung ohne eine junge Dame gemacht, die mich bereits nach kurzer Zeit mehr oder weniger unfreiwillig in ihr Talk Show-taugliches Privatleben einweihte. So war ich mir nach drei viertel Fahrzeit nicht mehr wirklich sicher, ob nun der der erste oder zweite Freund Vater des Kindes sei oder die beste Freundin doch eine Verräterin und ob der kleine Sohn mit englischem Vornamen jemals die deutsche Sprache ohne Sch-Laute erlernen würde, war ebenfalls fragwürdig. Ich hoffte, sie einmal auf einer meiner 10 nächsten Fahrten wieder zu treffen, um etwaige Verständnisprobleme klären zu können. Bei meinem nächsten und gleichzeitig letzten Umstieg war ich dennoch froh, mein Ziel fast erreicht zu haben. Es war inzwischen dunkel geworden und laut meiner Berechnung durfte ich an diesem Bahnhof tatsächlich etwas verschnaufen, bevor die nächste Bahn kommen sollte. Doch etwas war an diesem Ort seltsam. Wer in seinem Leben schon einmal die Verfilmung Langoliers von Stephen King gesehen haben sollte, würde nun meiner Beschreibung folgen können. Es war seltsam still an diesem Bahnhof, fast beängstigend. Ein junger Mann kam auf mich zu und fragte, ob ich in dieselbe Richtung wolle wie er. Als ich dies bejahte, zeigte er auf eine große Uhr am Gebäude und erklärte, dass der Zug bereits vor 15 Minuten abgefahren sei. 15 Minuten? Mein Zug hatte 15 Minuten Verspätung gehabt? Wieso hatte das niemand den Fahrgästen erklärt? War es ihnen etwa egal, dass man im Nichts landen würde? Nun gut, der nächste würde garantiert bald kommen, versuchte ich mich zu beruhigen. Doch auch hier war der Wunsch der Vater des Gedanken, denn drei Stunden sollte ich schon noch auf den Nachfolger warten. So blieb mir nichts anderes übrig, als per Telefon Jemanden zu bitten, mich von diesem trostlosen Ort abzuholen. Gut zweieinhalb Stunden später saß ich mit einem Tee in der Hand in einem warmen Zimmer. Fazit meiner ersten längeren Reise in der Nordwestbahn: durch Fahrtkostenbeteiligung und Handygesprächen hatte ich mein durch Zugfahren Erspartes zu einem Großteil wieder verloren, von verschwendeter Lebenszeit und eventueller Gefährdung wichtiger Gehirnzellen durch Jamba Monatspakete und ungeklärter Vaterschaften ganz zu schweigen. Dafür habe ich mir allerdings geschworen, beim nächsten Tankstopp mein Auto auch nur ein ganz kleines bisschen zu verfluchen.
…Verschönerung der Eigen-Fassade
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Damals, also schon länger her, so mit 15, war ich bei einer Freundin zu Besuch. Ich weiß nicht warum, aber wir färbten uns die Haare. Das machte ich, seit ich so alt war, regelmäßig, also mir die Haare färben. Von Braun auf Bronze, Kupfer, irgendwie blond. Also auf jeden Fall heller. Und da geschah es, als ich mir die Haare danach wusch, dass noch ein wenig Schaum in den Haaren war. Schauma! Und da ging ich mit meinen Händen durch die Haare. Und auf einmal waren sie so James Dean bis Elvis-mäßig zu einer Tolle hochgestylt. Ohne Schaum wäre das völlig undenkbar gewesen, und ich war so stolz auf mich, dass ich das fortan immer machen sollte, zunehmend mit sämtlichen Gelsorten. Und zwar, wenn auch in Variationen, bis heute. Und da fällt mir ein, es gibt es ein Bild von mir aus ungestylten Zeiten. Natürlich gibt’s mehrere, aber auf dem geh ich gar nicht. Das Schlimme: Es ist auf meiner eigenen Konfirmation. Und nun weiß ich, auf wen man hören sollte, wenn es um Stylingtipps geht. Gott ist es scheinbar nicht, denn morgens, also am Tag meiner Konfirmation, sagte meine Mutter zu mir: Willst du nicht ein wenig was in die Haare machen. Mein Gott, musste sie mich lieben, dass sie mich ohne Gel außer Haus lies.
…Konsum illegaler Substanzen
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Ich bin ein wenig im Zwiespalt. Kann ich im Hochschulmagazin über Drogen schreiben? Und zwar nicht als sozialwissenschaftlich motivierte Abhandlung, sondern als Erfahrungsbericht? Welcher noch nicht einmal abschreckend als Junkie in der Gasse endet? Aber wenn nicht in einem Unimagazin, wo dann? Ich meine, wem wird gewöhnlich Drogenkonsum zugetraut? Und wer müsste selber über Pro und Contra an einer Hochschule mit pädagogischem Schwerpunkt Bescheid wissen? Eben.
Mein erstes Mal illegale Drogen nehmen war gänzlich unspektakulär. Das einzige, was mir irgendwo hinstieg -und leider nicht in den Kopf, sondern in den Magen- war das Nikotin. Mir als Nichtraucher war speiübel. Das war‘s. Aber ein junger Mensch lässt sich nicht so schnell abschrecken und somit testete ich beim nächsten Versuch das Peace nicht in einem Joint, sondern in einer Bong (selbstgebaut aus einer Wasserflasche). Wir wollten auf ein Dorffest, welche bekanntlich ohne zumindest legale Drogen nicht auszuhalten sind: die Zelte stets taghell erleuchtet, die Landelite zu finden in der Jungschützenecke und der DJ ergießt nicht nur schlechte Musik in die biergeschwängerte Luft, er kann auch miese Ansagen. Nachdem ich mir die Lunge aus dem Hals und das THC in den Kopf gehustet hatte, schien der unterdurchschnittliche Radiotechno blau, alle Menschen nett und zu Hause erwartete mich nur Fressflash statt Kater.
…Kongressiale Eindrücke
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© S. Hofschlaeger / PIXELIO
Ich war beim internationalen Kongress des Psychodramainstituts für Europa (Pife) in Berlin, als Studentin, ohne Abschluss und ohne besondere Vorkenntnisse. Ich muss verrückt gewesen sein. Tausend Szenarien schwirrten mir durch den Kopf, was alles schief gehen kann und auf wie viele verschiedene Arten ich mich blamieren könnte. Ich war drauf und dran, alles abzusagen.
Trotzdem stürzte ich mich ins Getümmel. Ich deckte mich mit Literatur ein und knüpfte erste zarte Kontakte und schon war ich mitten drin. 190 Leute aus 17 Nationen! Ich hab noch nie so viele Sprachen auf einem Haufen gehört.
Der nächste Kongresstag nahm mich voll in Anspruch. Vorträge und Workshops ließen keine Langeweile aufkommen und boten mir viel Gelegenheit weitere Kontakte zu knüpfen, welche dann am Abend auf der Party vertieft werden konnten. Mein Zustand nach durchwachter Nacht war am Sonntag grenzwertig. Nichtsdestotrotz habe ich es irgendwie nach Hause geschafft. Mein erstes Mal Kongress- großartig!
…Tupper-Party ab 18
Durch mehrere Zufälle und einige liebenswert-verrückte Freundinnen saß vor einigen Wochen diese Frau bei mir im Zimmer. Die Dildofee. Zwei dieser Körbe der Marke „Mutti geht mal einkaufen“ brachte sie mit und ich war mir nicht so sicher, ob ich wirklich wissen wollte, was es darin zu bestaunen gab. Mit acht Mädels saßen wir im Kreis um Sekt und Wodkabowle zur Hemmschwellensenkung und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
„Ja Hallo, ich bin eure Dildofee, ich sag mal „du“, ne? Und als erstes möchte ich euch die Raupe Nimmersatt vorstellen!“ Zack, fing die Dame an zu plaudern und zauberte als erstes etwas länglich-blaues mit einem freundlichen Gesicht aus ihrer Wunderkiste. Hibbeliges Kichern, rote Wangen und ziemlich viel Neugier war die Reaktion. Ob wir wohl mal anfassen dürften? „Klar, also alles, was ich euch hier heute Abend vorstelle ist absolut jungfräulich und natürlich dürft ihr anfassen, probieren, gucken soviel ihr wollt, darum seid ihr ja hier!“ „Oh, guck mal, wie niedlich, die hat ja sogar `ne Nase…“ Keine Frage, mit niedlichen Gesichtern und weicher Oberfläche kriegt man die Mädels, besonders wenn der Wodka anschlägt.
Nachdem uns die verschiedenen Vorzüge dieses Dildos aufgezählt wurden, unter anderem würden Männer ihn aufgrund des Comicgesichtes nicht als Konkurrenz wahrnehmen, sei das Ding absolut leicht zu reinigen und dank des Saug-Sockels sogar als Klorollenhalter zu verwenden, verschwand die Nervosität und wir wussten auf einmal, warum Dildoparties auch als das Gegenstück zur Tupperparty gelten: acht Weiber lassen sich in aller Ruhe über die Vor- und Nachteile von unkaputtbaren Plastikteilen informieren und tauschen ihre Erfahrungen aus. Besser als bei Dr. Sommer.
Gegen Mitternacht ging eine spannende Veranstaltung zu Ende, die für eine Menge Lacher und Information gesorgt hatte, ohne anrüchig zu sein. Ganz ohne Peinlichkeiten hatten wir einen tollen Abend, der nicht viel gemein hatte mit der Erwachsenen-Ecke aus der Videothek. Und wenn ihr auch mal Lust habt, vor der nächsten Uniparty mal ganz anders vorzuglühen, findet ihr alle Informationen unter: www.dildofee.de
von Britta Simon, Ihna Grensemann, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn, Sebastian Dargel und Stefanie Bruns

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