Zwiegespräch: Darf Politik kreativ sein und Spaß machen?
Politik ist ein Metier, das nicht gerade dafür bekannt ist, leicht verständlich zu sein. Erst recht wird es nicht mit Begriffen wie Kreativität und Spaß in Verbindung gebracht. Aber schließen sich Politik und Kreativität wirklich aus, oder gibt es Schnittstellen? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, habe ich die Kreativität (K), welche in diesem Fall auch das Recht auf politische Teilhabe vertritt und den engagierten, mündigen Bürger repräsentiert, und die Politik (P) ins Gespräch gebracht:
K: Politik darf nicht hinter verschlossenen Türen gemacht werden. In einer Demokratie sollte der Bürger die Möglichkeit haben, Einfluss auf Entscheidungsprozesse zu nehmen.
P: Politische Sachverhalte sind sehr komplex. Es ist nicht möglich, immer alles zu erklären und die Bürger zu fragen.
K: Aber genau das ist doch die Pflicht eines Politikers. Er ist Vertreter des Volkes. Deshalb sollte ihm dessen Meinung wichtig sein.
P: Ich kann es doch nicht jedem Recht machen. Wenn ich erst jeden fragen muss, wird nie eine Entscheidung getroffen. Das ist nicht machbar. Politik ist kein Wunschkonzert.
K: Das ist richtig. Dennoch sollten alle Entscheidungsprozesse transparent und für den Einzelnen nachvollziehbar sein.
P: Aber die können die vielschichtigen Zusammenhänge doch gar nicht verstehen. Es würde viel zu lange dauern, das alles so aufzubereiten, dass es nachvollziehbar ist.
K: Warum verstehen die Bürger das nicht? Du verstehst es doch auch. Es muss doch mehr drin sein als 15 Sekunden Statements in der Tagesschau, um die Bürger zu informieren und sie teilhaben zu lassen.
P: Was denn noch? Ich hab doch schon eine Website und bin via Mail erreichbar. Mehr Volksnähe muss doch nun wirklich nicht sein.
K: Was steht denn auf der Homepage?
P: Meine Referenzen und welche Grundsätze ich vertrete.
K: Es gäbe die Möglichkeit, ein Forum einzurichten und dort anstehende Entscheidungen oder Projekte zur Diskussion zu stellen. Mehrere Köpfe denken besser als einer.
P: Dann bin ich aber unter Druck und kann nicht mehr frei entscheiden.
K: Denk mal kreativer und sieh, was das für Möglichkeiten eröffnet. Menschen, die informiert werden und deren Stimme gehört wird, haben Spaß an der Politik. Sie werden sich dann mehr einbringen und ihre Ressourcen werden dich auch stärken.
P: Oder sie erwarten, dass ich ihre partikular Interessen vertrete, während sie dabei nicht das Große und Ganze im Blick.
K: Sie sind das Große und Ganze. Jeder Einzelne bildet einen Mosaikstein vom Bild.
P: Aber eben nur ein kleiner Stein.
K: Dann setz doch genau da an. Man kann nicht immer nur global denken und sagen, die Welt ist ein Dorf, sondern die Dörfer sind die Welt. Fang auf der lokalen Ebene an mit Projekten und Initiativen. Vor Ort spüren die Menschen sofort die Auswirkungen und das motiviert sie dann für die nächst höhere Ebene.
P: Das klingt alles schön und gut, aber wie soll ich so was denn realisieren? Da gehen doch Ressourcen für drauf, die dann an anderer Stelle fehlen.
K: Denk doch nicht so starr. Sprenge mal die Grenzen von dem, was politisch vorstellbar ist. Obama hat es doch vorgemacht.
P: So was funktioniert nur in Amerika.
K: Er kommt auch in Europa gut an. Er schafft es, die jungen Leute zu motivieren, indem er sie auf ganz vielen Ebenen anspricht und ihnen Möglichkeiten eröffnet, teilzuhaben.
P: Aber ein Patentrezept ist es trotzdem nicht.
K: Aber es ist ein Rezept von vielen möglichen.
Kreativität und Politik sind in diesem Gespräch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen. Denn wahrscheinlich gibt es wirklich kein Patentrezept. Aber es gibt viele einzelne Menschen, die in ihrer Umgebung viel bewegen können, indem sie engagiert und kreativ die Probleme in Angriff nehmen.
von Stefanie Bruns



