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Portrait

Inhaltsverzeichnis:

Geht nicht, gilt nicht

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Foto: Karl-Eckhard Carius
Porträt eines Künstlers, Gestalters und Pädagogen
Wieder einmal schneit es, wie an so vielen Tagen dieses Winters. Der Weg, den ich gehe, ist halb von Schnee und Eis bedeckt. Es ist fast mittags, nur noch wenige Stunden trennen mich von der bis dahin einzigen Mahlzeit des bisherigen Tages. Aber dennoch bin ich nicht auf dem Weg in die Mensa. Mein Weg führt mich ins N-Gebäude, welches direkt hinter meinem vermeintlichen Ziel liegt: 1. Stock.
Um 10 Uhr dieses 28. Januars findet dort ein Treffen statt, von dem ich nicht weiß, was mich erwartet.
An diesem bewölkten Januartag traf ich das erste Mal auf Karl-Eckhard Carius, der derzeit in der von ihm geleiteten Arbeitsstelle für intermediäre Gestaltung forscht und künstlerisch tätig ist. Es hieß, er wolle seine Website der Presse vorstellen. Jedoch hatte ich noch nie an einem derartigen Pressetermin teilgenommen und war gespannt und auch ein wenig aufgeregt, wie es ablaufen würde. Zunächst erwartete ich jedoch nicht viel, da derartige Homepages meist selbsterklärend sind und man den Inhalt lediglich lesen muss. Ich sollte jedoch überrascht werden und einige interessante Dinge herausfinden.
Wer ist Prof. Carius nun? Vor dem Termin war er für mich ein Unbekannter. Einer von vielen, denen man gewiss irgendwo schon einmal begegnet ist. Aber das ist er nicht. Vielmehr ist es jemand, der das tägliche Leben eines jeden Studenten mit beeinflusst. Sei es, wenn wir den Studentenausweis mit dem von ihm designten Logo in der Mensa vorlegen oder über die von ihm designte Homepage der Uni Vechta Informationen einholen. Aber auch auf dem Campus hinterlässt er sein Zeichen, nämlich eines im Wind. Ich meine damit natürlich den Himmelsstürmer auf dem W+K-Gebäude der Uni, der dort seit Jahren als Symbol des Wandels und vor allem der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden steht. Denn das Projekt entstand im Rahmen eines von ihm geleiteten Seminars unter der Mitwirkung von Studenten. Auch das Studienangebot der Uni wurde durch ihn verändert. Als einer der ersten Unis in Deutschland führte Vechta das Fach Design unter der Aufsicht von Prof. Carius ein, der das Institut für intermediäre Gestaltung (IMEG) leitete. Somit behält seine Website recht: Er ist Künstler, Gestalter und Pädagoge.
Seine Internetpräsenz vereint diese drei Rollen in sich und richtet sich an ein Fachpublikum. Es wird dabei jedoch nie die Grenze hin zur bloßen Selbstdarstellung überschritten. Vielmehr sollen dem interessierten Besucher Denkanstöße gegeben werden. Dies gelingt auch, da die ganze Website von der Botschaft der zahlreichen Bilder lebt, die mal schön, mal kurios, mal trivial erscheinen, aber dennoch nicht leichtfertig abgetan werden sollten. Ein Bild beispielsweise zeigt Menschen am Strand. Diese Urlaubsidylle wird jedoch von Brandlöchern, die in das Bild mit einer Lupe eingebrannt wurden, zerrissen und die uns allen so wohl bekannte Sonne wirkt auf einmal fast feindlich auf dem Hintergrund dieses Sonnenbrand II genannten Bildes.
Es gibt aber auch Bilder, die Carius beim Spielen der Geige im Wasser zeigen, aufgenommen in Leningrad. Dass er sich damit dem KGB widersetzte, erahnt man jedoch nicht bei diesem so friedlich wirkenden Bild.
Bild: Karl-Eckhard Carius
Was mich an diesem vormittäglichen Treffen besonders faszinierte, war jedoch seine Art über die Pädagogik zu sprechen. Für ihn ist Erziehung gleichzusetzen mit Inspiration, mit dem Herausführen in eine Freiheit des Denkens, die Raum für eigene Ansätze schafft.
Denn wie sollen Innovationen in der Pädagogik geschehen, wenn wir den Pädagogen von morgen das Wissen von gestern beibringen?
Dies war daher auch nie sein Ziel. Er verstand sich eher als Türöffner, als Begleiter. Damit sei jedoch keineswegs gesagt, dass er es seinen Schülern und Studenten deswegen leicht machte. Im Gegenteil, Projekte unter seiner Leitung bezogen die Studenten stets mit ein und beteiligten sie an jeder Stufe des Prozesses. Von der Idee, über die Beschaffung der Materialien und der Finanzierung bis hin zur letztendlichen Realisation. Dadurch entstanden dann unser Zeichen im Wind oder die Giganten auf dem Dach auf der deutschen Schule in Lissabon, die u.a. großes internationales Interesse der Presse erhielten. Besonders herausragend ist das Goethe-Pessoa-Projekt, welches als Vorbild für interdisziplinäre Arbeit gesehen werden kann, aber auch als Zeichen seines interkulturellen Engagements. Die Plastik stellt die beiden großen Dichter Goethe und Pessoa einander gegenüber und befindet sich, wie auch die Giganten, in Lissabon.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der klare Überblick und die interessanten Themen die Seite zu einer zum Denken anregenden Sightseeing-Tour durch Carius’ Leben und Schaffen machen und garantiert einen Blick wert sind.
www.ke-carius.de
von Matthias Christ
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Erbarmungslos schlecht und irgendwie auch traurig

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Verleihung der Goldenen Himbeere
Eine unauslöschliche Lichtgestalt des internationalen Filmbusiness ist ohne Zweifel: Uwe Boll. Nach Ed Wood als schlechtester Regisseur aller Zeiten verschrien, dreht und produziert dieser gleichwohl stur und eigenwillig einen Film des Grauens nach dem anderen. Viele kennen sicher Bruchstücke aus seiner tragischen, filmischen Laufbahn. Hinter trashigen Meisterwerken mit schauspielerischen Minimaltalenten wie Far Cry (Til Schweiger), Alone in the Dark (Christian Slater) oder Dungeon Siege (Jason Statham) steht sein Name.
Der Gebürtige Wermelskirchener erblickte am 22. Juni 1965 das Licht der Welt, um sie Jahre später mit seiner Kunst zu bestrafen. Zunächst jedoch studierte er Filmregie sowie Literatur, Film- und Betriebswirtschaft, um anschließend Mitte der Neunziger zum Doktor der Philosophie zu promovieren.
Wenn auch unbegabt im Filme drehen, hat Boll ein gutes Händchen als Geschäftsmann. Als Mitgründer und Geschäftsführer der Boll-KG (BOLU – Filmproduktions- und Verleih GmbH) ist es ihm erlaubt, seine Filme aus daraus entstehendenden Gewinnen und zusätzlich aus deutschen Medienfonds zu finanzieren. Des einen Freud (Boll), des anderen Leid (Publikum), staatliche Filmförderung für die Machwerke kam logischerweise bisher noch nie zu Stande, weshalb sich Boll überwiegend darauf “spezialisiert”, einschlägig bekannte Computerspiele mit hohem Gewaltfaktor zu verfilmen, in der Hoffnung die spielwütige Playstation-Generation würde die Kinos stürmen und damit kostendeckendes Geld einspielen.
Trotz eines gewissen Charmes, welcher von seinen dilitantischen Filmen zeitweilig ausgeht, muss man im Endeffekt zugeben: Uwe Bolls Machwerke sind für den kultivierten Filmliebhaber purer Schmerz. Nach ersten Erfahrungen mit Kurzfilmen auf Super 8 und Video stieg Boll 1991 mit seinen ersten Langspielfilmen in das Geschehen deutscher Filmproduktionen ein. Bis 2003, bevor er sich an die erste Verfilmung eines Computerspieles wagte (House of the Dead), versuchte Boll mit provokanten Themen das Publikum auf seine Werke aufmerksam zu machen. Unter anderem inszenierte er 1993 eine fingierte Dokumentation über den Tod des ehemaligen Politikers Uwe Barschel (Barschel – Mord in Genf). Das brisante Thema über Verschwörung und Machenschaften, welche dem realen Sterbetag Barschels vorangingen, setzt Boll unbedarft in den Sand. Weiterhin setzt sich der talentfreie Regisseur mit dem sensiblen Thema des Amoklaufes auseinander (Amoklauf, 1994). Allerdings wurde mehr Wert auf die Gewaltveranschaulichung und pornographischen Sequenzen gelegt als den psychologischen Werdegang des Protagonisten. Was bleibt, ist ein sinnfreies Filmwerk unterster Klasse.
Im Jahre 2006 schien Uwe Boll die ständigen (jedoch meist berechtigten) Einwände gegenüber seinem filmischen Schaffen nicht mehr zu verkraften und organisierte mit viel Promotion einen Boxkampf gegen seine fünf größten Kritiker: “Wenn ihr immer schreibt, ihr wollt mich umhauen, foltern, kreuzigen, erschießen, dann kommt nach Vancouver und wir boxen.” Gesagt und getan: Boll, welcher selbst über Boxerfahrung verfügt, gewann alle fünf Kämpfe. Der symbolisch amüsante Akt gegen sämtliche Kritiker hielt 2008 Computerspiele-Qualitätstester Robert Harvey nicht davon ab, eine Petition im Internet gegen Boll zu veröffentlichen. Virtuelle Unterschriften von ca. 330.000 Menschen forderten den Regisseur auf, seine verheerenden Aktivitäten im Filmgeschäft aufzugeben. Eine Million Namen wären laut Boll jedoch nötig gewesen um seine Tätigkeiten einzustellen. Die daraufhin von ihm selbst ins Leben gerufene Pro-Boll-Petition erreichte nicht einmal annähernd 10.000 Unterschriften. Die Kaugummimarke Stride bot dafür jedem Teilnehmer einen Warengutschein an, welcher sich für die Anti-Boll-Petition engagieren würde, bis das Ziel der Unterschriften von einer Million erreicht würde. Das ganze Unterfangen blieb jedoch folgenlos und so dreht Boll heute noch Filme.
Im Jahre 2009 kam der lang ersehnte Durchbruch auf der Karriereleiter des Schrottfilmers. Er erhielt gleich zweimal die Goldene Himbeere. Er wurde als schlechtester Regisseur geehrt. Daneben erhielt er die Auszeichnung für das “schlechteste, bisherige Lebenswerk”.
Zurzeit verhunzt Boll sicherlich die Biographie über Max Schmeling, welche noch dieses Jahr in unsere Kinos kommen soll. Henry Maske verkörpert übrigens die Boxlegende. Der Trailer lässt schon jetzt das nächste typische Boll-Werk vermuten: Erbarmungslos schlecht und irgendwie auch traurig.
von Tobias Kunz
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Charles Darwin – wer… war das denn nochmal?

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2009, das Jahr des Charles Robert Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie. Er wurde am 12.02.1809 geboren und ist nach 72 Jahren gestorben. Sein Leben war geprägt von naturwissenschaftlichen Dingen, wie der Chemie oder dem Beruf seines Vaters, der Arzt war. Durch seine Mutter hat Darwin den Glauben der anglikanischen Kirche gelehrt bekommen. Diese starb allerdings, als er gerade einmal acht Jahre alt war.
Als sein Vater merkte, dass Darwin keine Operationen und Sektionen mit ansehen konnte, wusste er, dass es keinen Sinn machen würde, dass Darwin Arzt werden sollte. Somit ist Darwin nach Cambridge gekommen. Dort hat er Theologie studiert. Nun hegte sein Vater die Hoffnung, dass er ein anglikanischer Pfarrer werden würde. Obwohl Darwin sein Theologiestudium in Cambridge erfolgreich abgeschlossen hatte, war er mehr an der Natur interessiert. Es traf sich, dass es früher in der Theologie Veranstaltungen über Natur gab, die Naturtheologie genannt wurden. Besonders der Naturtheologe William Paley beeindruckte ihn durch seine Logik und Sprache.
Auf einem Forschungsschiff, der HMS Beagle, lernte Darwin die Welt und ihre Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten kennen. Nach und nach entdeckte er, dass die Tiere einen ganzen bestimmten Zyklus durchlaufen hatten. Die Stärksten und Anpassungsfähigsten überlebten und konnten sich weiter entwickeln. Durch viele Erkenntnisse und Erfahrungen schrieb Darwin sein bekanntestes Werk Über die Entstehung der Arten (Origin of Species). Er prägte die Evolution wie kein zweiter Wissenschaftler. Die Wissenschaft hätte nicht glücklicher sein können und doch entbrannte durch Darwins Thesen eine Art „Krieg“, welcher bis heute, 200 Jahre nach seiner Zeit, andauert. Sollte es wirklich möglich sein, dass ein einzelner Mann, ein Theologiestudent, die ganze Schöpfung Gottes in Frage stellt? Die Welt spaltete sich. Es gab die Wissenschaftler und rationalen Menschen auf der einen Seite und die Gläubigen auf der anderen Seite. Obwohl der „Krieg“ bis heute andauert, hat es schon Kompromissversuche gegeben. Einige versuchen, die Schöpfung als eine Art Metapher zu sehen. Ein Bild, welches die Evolution darstellt. Doch im Endeffekt sind jegliche Schlichtungsversuche gescheitert.
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Grafik: Charles Darwin, Wikimedia Commons
Dass Darwin ein gottesfürchtiger Mann war, bewies sein Theologiestudium. Aber er hat auch Wunderwerke an der Natur und Wissenschaft getan. Wichtig ist zu sehen, dass Darwin mit seinen Thesen niemals eine politisch motivierte Absicht verfolgte. Eine solche Absicht wurde ihm quasi in den Mund gelegt, und zwar im Dritten Reich. Herbert Spencer, ein britischer Sozialphilosoph zu Darwins Zeiten, prägte den Begriff „Survival of the Fittest“, den Darwin in seinem Werk verwendete. Im Zweiten Weltkrieg wurde Darwins Theorie auf Menschen angewendet und es wurde eine eigene Ideologie erschaffen. „Survival of the Fittest“ bedeutete jetzt, dass die Mächtigen die Kraft haben und sich Untertanen schaffen, wie zum Beispiel Hitler. Durch das Dritte Reich und den geprägten Sozialdarwinismus hat Darwin, der Wissenschaftler und Theologe, einen schlechten Ruf bekommen. Sein Ruf wird beschädigt, nur weil er eine der bedeutendsten Entdeckungen der Natur und der Welt gemacht hat.
Die Frage, ob man an die Schöpfung Gottes oder an die Evolution glauben sollte, kann niemand beantworten. Es kommt immer darauf an, was man selbst meint. Es ist auch möglich, gläubig und trotzdem der Evolutionstheorie zugewandt zu sein. Es gibt selbst Studenten, die sowohl Biologie, als auch Theologie studieren, obwohl das immer noch die Ausnahme bildet. Vielleicht können sich die gläubigen Menschen mit dem oben genannten Kompromiss zufrieden geben und wenn nicht, dann muss man sich eben für eine Seite entscheiden. Wichtig ist nur zu wissen, dass Darwin gewürdigt werden sollte in diesem Jahr und dass wir ohne ihn wahrscheinlich niemals alle diese Geheimnisse der Natur gelüftet hätten. Danke Charles Darwin und herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag nochmal nachträglich!
von Sarah Kotten
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“Er war Superstar. Er war populär.”

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Grabmal von Johann Hölzel in Wien
So lauten die Worte nicht irgendeines Songs irgendeines Künstlers. Hier nämlich wittert Geschichte, Ruhm, Erfolg, Anerkennung. Es handelt sich dabei nämlich um einzigartiges deutschsprachiges Kulturgut, das auch in Übersee so viel Anerkennung fand, dass es sich ganze drei Wochen an der Spitze der Billboard-­Charts halten konnte. Für alle, die nun immer noch krampfhaft in ihren musikalischen Erinnerungen suchen, möge das Geheimnis nun gelüftet werden: Rock Me Amadeus, so nennt sich der Chartbreaker. Und dahinter steht Falco. Und um seine Geschichte oder sagen wir, um einige Stationen davon wird es in diesem Artikel gehen, anlässlich zu seinem 10. Todestag. Das ist der eine Grund, warum gerade Falco ausgewählt wurde, es ist darüber hinaus aber auch die musikalische Geschichte, die etwas Verklärtes, zuweilen vielleicht auch etwas Mystisches an sich hat. Man mag dafür auch das Wort Legende bemühen.
Wo ist er denn also? Mit dem weitaus weniger vermarktungsfähigen Namen Johann Hölzel erblickt dieser im Jahre 1957 in Wien als einziger von drei Überlebenden die Welt. Johanns Geschwister verliert die Mutter nämlich bereits in der Schwangerschaft. Diesen doch eher außergewöhnlichen Umständen folgt im Grunde eine typische Künstlersozialisation: Mit Stützflügel und Plattenspieler war er schon in den ersten Jahren bestens ausgerüstet worden. Die Attestierung des absoluten Gehörs mit fünf Jahren lässt irgendwie darauf schließen, dass Fähigkeiten vermutet und bestätigt wurden, mehr dann aber auch nicht. Im Jugendalter brach er die Schule, wie kann es anders sein, natürlich ab, fing eine Berufsausbildung zum Bürokaufmann bei einer Versicherungsanstalt an, die er auch an den Nagel hing, um dann über einen kurzen Abstecher beim österreichischen Wehrdienst im Bundesheer endlich wieder der eigentlichen Passion zu folgen – der Musik – und begann ein Studium am Wiener Musikkonservatorium, das er wiederum schmiss, um „ein richtiger Musiker“ zu werden. Mit E-Gitarre und Bass zog er vornehmlich durch Wien und machte sich einen Namen vor allem in der Underground-Szene. Ach ja, was den Namen angeht, so spielte hier der Skispringer mit dem durchaus sprechenden Namen, Falko Weißpflog, auch der „Falke“ genannt, den Namenspatron.
Falco, bestach durch zweierlei, was sich im Grunde nie ändern sollte: Zum einen war es sein äußerliches Gebärden, so kokettierte er gerne mit gespielter oder ernsthafter (?) Eitelkeit und Dekadenz. Beispiel: Bei einem Auftritt trug er über seinem Anzug einen Plastikschutz. Zum anderen waren es seine Texte, die teils so provokativ anmuteten, dass sie von Hörsendern boykottiert wurden. Bekanntestes Beispiel hierfür ist wohl die 1986 erschiene Single-Auskopplung aus seinem erfolgreichsten Album (Falco 3), Jeanny und das dazugehörige Video, in dem er sich selbst in Zwangsjacke als Frauenmörder darstellt. Begründung: Gewalt verherrlichend. Neben Gewalt ist es aber vor allem die Wiener Drogenszene, welche er lyrisch mal deutlich, mal unterschwellig ironisch bearbeitet. Dass der Mann mit dem Koks in den 90er Jahren auftaucht – stilistisch nun im Elektro-Pop-Gewand –, trägt dem Spiel mit der doppelten Bedeutung vor diesem Hintergrund Rechnung. Die dreifache Bedeutung mag ersehen werden, wenn man Falcos Alkohol- und Drogenprobleme ergänzt.
Es sind diese Doppeldeutigkeiten und Verweise zwischen Künstler und Werk, die Falcos Geschichte ausmachen. Er war ein Selbstinszenierer par exellence und wusste dies auch gut zu verpacken, sei es in Plastikschutzfolie oder in programmatisch anmutende Texte. Beispiele gefällig? Siehe Überschrift. Mit diesen Zeilen schaffte Falco den internationalen Durchbruch, und ob damit nur Amadeus gemeint war, wer weiß es… Die ganze Welt dreht sich um mich, hieß es Ende der 90er in der Egoist. Die wohl berühmtesten Worte hörten wir aber nach seinem Ableben bei einem tragischen Autounfall in der Dominikanischen Republik, seiner letzten Heimat, wenn er in Out Of The Dark sprechsingt: Muss ich denn sterben, um zu leben? Das ewige Hinterherhängen nach dem einstmals großen Erfolg in den 80er Jahren sollte nach seinem Tod vorbei sein, denn er schaffte es ein zweites Mal durchzustarten, leider ohne es selbst mitzubekommen.
Ach ja, und wer nun meint, hey, Falco, der war doch voll uncool, und der konnte doch gar nicht rappen, dem sei gesagt, dass er mit Der Kommissar den ersten erfolgreichen Rap-Song eines ‚Weißen’ auf sich vereinigen konnte – noch vor Eminem! In diesem Sinne.
von René Kohn
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Der Dalai Lama

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Der Mann, der mit dem Buddha flirtet
Bildnachweis: buddhismus.at
Der Dalai Lama
Der Dalai Lama (aus dem Mongolischen: Ozean gleicher Lehrer). Wer ist das eigentlich? Jeder kennt ihn zumindest vom Namen. Nur, weil so oft von ihm gesprochen wird, heißt dies nicht, dass jeder auch Bescheid weiß von wem genau die Rede ist.
Dass z.B. der Dalai Lama das geistige Oberhaupt der Tibeter ist, ist nicht richtig. Der Dalai Lama ist lediglich ein in seiner Linie sehr angesehener, hoher Lama, den die Geschichte vor etwas mehr als 350 Jahren zum wichtigsten Politiker seines Landes machte und dessen Hauptziel es ist, die Harmonie unter den Religionen zu fördern.
Im tibetischen Buddhismus wird der Dalai Lama als ein Mensch angesehen, der aus Mitgefühl wieder in das Leben oder in die „gewöhnliche Existenz“ eingetreten ist, um anderen Wesen dienen zu können, obwohl er den Kreislauf der Wiedergeburt als erleuchtetes Wesen hätte verlassen können. Er verzichtete auf das Einkehren in das Nirvana und wird nun solange wiedergeboren, bis alle Menschen erlöst sind.
Der fast 72-jährige gilt als freundlich, humorvoll, spontan und sehr intelligent. Dalai Lama Tenzin Gyatso ist heute der 14. in seiner Anreihe.
1949 begann China mit der Eroberung Tibets und machte auch den damals erst 15-jährigen Dalai Lama, dem im November 1950 die Herrschaft Tibets übertragen wurde, zum Flüchtling. 50 Jahre verbrachte Dalai Lama in Indien im Exil. Dort versuchte er, eine demokratische Regierung aufzubauen, dass Leid der Tibeter innerhalb und außerhalb Tibets zu mindern, sowie internationale Unterstützung für die Sache Tibets zu gewinnen.
Sein Nachfolger müsste nach der Logik der Wiedergeburt von außerhalb Tibets kommen, da er die Arbeit des vorherigen Dalai Lamas fortsetzen müsste. Nachfolger müssen nicht unbedingt männlich sein. Der heutige Dalai Lama würde es sogar begrüßen, würde es einmal eine Nachfolgerin geben. Eine Frau sei attraktiver und nützlicher für den Buddhismus, für die tibetische Kultur, das tibetische Volk – warum nicht?
Sein Nachfolger müsste nach der Logik der Wiedergeburt von außerhalb Tibets kommen, da er die Arbeit des vorherigen Dalai Lamas fortsetzen müsste. Nachfolger müssen nicht unbedingt männlich sein. Der heutige Dalai Lama würde es sogar begrüßen, würde es einmal eine Nachfolgerin geben. Eine Frau sei attraktiver und nützlicher für den Buddhismus, für die tibetische Kultur, das tibetische Volk – warum nicht?
1989 erhielt der Dalai Lama für seinen unermüdlichen Einsatz mit gewaltlosen Mitteln durch Dialog eine Lösung für das Tibetproblem zu finden, den Friedensnobelpreis.
Zitat des Dalai Lama: Lebe ein gutes, ehrbares Leben! Wenn du älter bist und zurückdenkst, wirst du es noch einmal genießen können.
von Mira Brink
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Der Mann, der mit dem Tod flirtete

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Dezember 2007: In einer Zeit, in der Stuntmen in Klärgruben tauchen um eine trashige Popularität zu erlangen, erscheint der Tod eines amerikanischen Motorrad- Artisten im Ruhestand in der Süddeutschen Zeitung. Kein Wunder, Robert Craig „Evel“ Knievel war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Seine Motorrad-Stunts, meistens Sprünge über lange Reihen von Trucks und seine Flüge in selbstgebastelten Raketen zogen Tausende in ihren Bann.
Seinen Künstlernamen erwarb sich Evel (ja, mit zwei E) Knievel übrigens im Gefängnis. Nachdem er seinen Job als LKW-Fahrer verloren hatte, angeblich, weil er beim Wheelies fahren mit seinem Truck eine Stromleitung gekappt hatte, wurde er mehrfach straffällig. Zumeist waren es relativ harmlose Delikte, Diebstähle und kleinere Einbrüche. Nach seiner Haft versuchte er es mit halb-seriöser Arbeit. Halb-seriös, weil er Gerüchten zufolge als Versicherungsvertreter einen Großteil seiner Policen an die Insassen einer psychiatrischen Anstalt verkaufte, und weil er als Anbieter von Jagdreisen mit seinen Kunden in Naturschutzgebieten wilderte.
Im Alter von 27 Jahren gründete der 1938 in Montana geborene Knievel die Evel Knievel’s Motorcycle Daredevils, und begann seine Karriere als Stuntman. Seinen großen Durchbruch erlangte Knievel, als er 1967 versuchte, über die Brunnenanlage des Caesars Palace in Las Vegas zu springen.
Bildnachweis: Wikimedia Commons
Urheber: Bill Wolf, Sean / Wikimedia
Commons
(Lizenz: CreativeCommons)
Die missglückte Landung beförderte ihn in die Schlagzeilen, und mit 40 Knochenbrüchen für 29 Tage ins Koma. Überhaupt waren zahlreiche seiner Stunts extrem gefährlich und endeten oft genug mit lebensbedrohlichen Verletzungen. So zum Beispiel 1974 der Sprung über den Snake-River-Canyon in Idaho, bei dem sich der Bremsfallschirm seines raketengetriebenen Motorrades zu früh öffnete. Insgesamt 38 mal verunglückte Evel Knievel spektakulär. Er steht im Guiness Book of Records als der Mann mit den meisten Knochenbrüchen der Welt. Diese reale, unmittelbare Gefahr war es wohl auch, die seine Stunts für viele so faszinierend machte, ihn in den Augen mancher sogar zum Helden werden ließ. Bereits 1976 gab es ein Evel Knievel-Computerspiel, zweimal wurde sein Leben verfilmt, unter anderem mit Pamela Anderson in der Rolle seiner Freundin.
Er selber lehnte diese Verklärung seiner Person ab, sagte einmal: „Ich war ein guter Motorradfahrer und ein ziemlich guter Geschäftsmann. Ein Held war ich nicht.“ 1980 hörte Knievel auf, unterstützte nur noch gelegentlich seinen Sohn Robbie bei dessen Stunt-Shows. Mit dem Alter machten ihm die Spätfolgen seiner zahlreichen Operationen mehr und mehr zu schaffen. Zuletzt litt er unter Atembeschwerden und Leberproblemen. Robert Craig „Evel“ Knievel starb am 30. November 2007 im Alter von 69 Jahren.
von Stefan Hirsch
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Benazir Bhutto – ein Nachruf

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Bildnachweis: wikipedia.de
Benazir Bhutto, 1953-2007
Urheber: IFaqeer / Wikimedia Commons (Lizenz: GNU)
Wie ein Phönix aus der Asche tauchte am 19. Oktober 2007 Benazir Bhutto auf der politischen Weltbühne auf.
An diesem Tag berichteten alle Sender von ihrer triumphalen Ankunft in Karachis. Es wurden jubelnde Massen gezeigt und eine Frau, welche nichts weniger zum Ziel hatte, als Pakistan von Pervez Musharraf und seinem Militärregime zu befreien und die Demokratie im Land zu etablieren.
Das klang zu schön um wahr zu sein. Um Mitternacht desselben Tages wurde dieser Siegeszug dann auch jäh durch zwei Sprengsätze, welche in unmittelbarer Nähe von Bhuttos Konvoi explodierten, beendet.
135 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben. Benazir Bhutto blieb unverletzt. Doch nur 69 Tage später hatte sie nicht mehr so viel Glück. Sie wird auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem Selbstmordattentäter beschossen und stirbt durch eine Bombe, welche der Terrorist unmittelbar nach den Schüssen zündet. Mit ihr verloren noch etliche weitere Menschen ihr Leben. Zurück bleibt ein Land im Schockzustand. Wieder einmal haben Terroristen einen Hoffnungsträger der Demokratie ermordet und somit die Hoffnung vieler Millionen Menschen auf Frieden und Stabilität vernichtet. Doch wer war Benazir Bhutto, und woher hatte sie diese Macht, welche sie letztlich das Leben kostete? Sie war die Tochter des ehemaligen Premierministers von Pakistan, Zufikar Ali Bhutto. Sie studierte in Harvard und Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaftslehre. Nach ihrem Studienabschluss kehrte sie nach Pakistan zurück. 1977 wurde ihr Vater nach einem Putsch inhaftiert und 1979 schließlich gehängt. Daraufhin wurde Benazir Bhutto vom neuen Machthaber unter Hausarrest gestellt. 1984 wurde ihr erlaubt auszureisen. Sie ging nach Großbritannien und wurde Exilführerin der Partei ihres Vaters, der PPP (Pakistan Peoples Party).
1988 fanden erstmals nach elf Jahren wieder demokratische Wahlen in Pakistan statt. Benazir Bhutto gewann diese und wurde als erste Frau in einem islamischen Land Premierministerin. Ihre Regierung währte jedoch nur 2 Jahre. Schon 1990 wurde sie wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt. 1993 gelang es ihr ein zweites Mal, an die Spitze der Regierung gewählt zu werden. Doch auch diesmal wurde die Regierung nach 3 Jahren 1996 wegen erneuter Korruptionsvorwürfe aufgelöst. Benazir Bhutto bestritt diese Vorwürfe. Es kam nie zur Anklage. Von 1999 bis 2007 lebte sie im Exil in Dubai und den Vereinigten Staaten.
Sie war also keine Unbekannte auf dem politischen Parkett, ihr plötzliches Auftreten kein Zufall. Es gab Spekulationen, nach denen die amerikanische Regierung, besorgt ob Musharraf´s Schwäche, einen Deal mit Selbigem und Bhutto eingefädelt hat. Demnach sollte Musharraf seine Uniform ablegen und damit auch seinen Oberbefehl über das Militär, dürfe aber weiter Präsident bleiben. Benazir Bhutto sollte wieder als Premierministerin installiert werden.
Dieses Vorgehen erscheint in keinster Weise demokratisch und seine Umsetzung fragwürdig. Zwar hat Musharraf seinen Teil mittlerweile erfüllt und zeigt sich nun der Öffentlichkeit im Anzug. Aber ändert das wirklich etwas und wird er sich jetzt, da die Oppositionsführerin tot ist, weiter dazu verpflichtet fühlen? Desweiteren hätte Benazir Bhutto gar keine dritte Amtszeit als Premierministerin antreten dürfen. Denn die pakistanische Verfassung sieht maximal zwei Legislaturperioden für den Premier vor.
Die Korruptionsvorwürfe gegen Benazir Bhutto konnten nie geklärt werden. Nur unter einer rechtlich zweifelhaften Amnestie konnte sie überhaupt in ihr Heimatland zurückkehren. Die Wahrheit hat sie nun mit ins Grab genommen. Doch was auch immer an diesen Vorwürfen dran ist, so war sie doch eine Hoffnungsträgerin für ein Land, welches sich nach Frieden und Stabilität sehnt. Sie konnte ihre Ziele nicht mehr selber erreichen. Aber vielleicht strahlen ihre Persönlichkeit und ihre Ideale auch über ihren Tod hinaus und sorgen für eine Fortführung der demokratischen Bestrebungen in Pakistan. Um den Willen und die Ideen von Benazir Bhutto weiter zu führen und umzusetzen, hat ihr 19-jähriger Sohn Bilawal Bhutto Zardari am 30. Dezember 2007 den Parteivorsitz der PPP übernommen.
von Stefanie Bruns
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Blut, Horror und ein berühmter Vater

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Damals, als im Winter noch richtig Schnee lag, unter jedem Bett ein Nachttopf stand, vierzig noch nicht das neue Dreißig und sowieso alles besser war, war es völlig normal, wenn jemand den selben Job hatte wie sein Vater. Heute gilt das als einfältig und einfallslos, mitunter sogar als fiese Vorteilsnahme. Wahrscheinlich hat Joe Hill, der eigentlich Joseph Hillstrom King heißt, deswegen niemandem erzählt, dass bereits sein Vater Horror-Romane schreibt.
Ja, richtig, Joe Hill ist der Sohn von Mister Horror-Roman persönlich, sein Vater ist Stephen King. Der 35-jährige hat diesen Umstand verschwiegen, er wollte „nicht auf dem Ticket des Vaters“ reisen, wollte verhindern, dass sich Verleger nur wegen seines Nachnamens für ihn interessieren. Nach dem Erscheinen seines Debüt-Romans Blind – der im Original nach dem Nirvana-Song Heart-Shaped Box benannt wurde, den MTV spielte, als sich Kurt Cobain 1994 in den Kopf schoss – deckte die Zeitschrift Varietes auf, wessen Sohn Hill ist. Keine detektivische Meisterleistung, mit seinem buschigen Bart und dem befremdeten Blick sieht Hill fast genauso aus, wie sein Vater in seinem Alter.
Bildnachweis: wikimedia commons
Nein, das ist nicht Stephen
King. Es ist Joe Hill.
Urheber: jlassen / Wikimedia Commons (Lizenz: GNU-Lizenz)
Der Roman handelt von dem in die Jahre gekommenen Rockstar Judas Croyne, der mit seiner Freundin Georgia und seinen nach AC/DC-Migliedern benannten Hunden Angus und Bon gelangweilt in den Tag hinein lebt und seine Millionen verprasst. Als der Sammler makaberer Artefakte – er nennt unter anderem ein Kochbuch für Kannibalen, ein Snuff-Video und einen gebrauchten Henkers-Strick sein eigen – von einer Online-Auktion erfährt, in der ein Anzug angeboten wird, an den der Geist eines kürzlich Verstorbenen gebunden sein soll, greift er kurzerhand zu, und ersteigert ihn zum Sofort-Kaufen-Preis von 1000,-$. Anders als von Croyne angenommen ist die Auktion jedoch nicht bloß ein Scherz, der Geist ist echt und will Rache für seine Stieftochter, die wegen Croyne Selbstmord begangen hat. Ein blutiger Horrortrip beginnt, bei dem der alte Rocker sich seiner Vergangenheit stellen muss.
Blind ist ein solider, gut gemachter Horror-Roman. Er kommt schnell in Fahrt, ist temporeich und spannend, reißt den Leser mit. Stellenweise wirkt er aber splatterhaft und trieft vor Blut.
Den Texten von Stephen King ist er stilistisch nicht unähnlich, Joe Hill erzählt genauso gnadenlos, allerdings knapper, verzichtet auf das Beschreiben jedes noch so winzigen Details, das für seinen Vater so typisch ist, von manchen Nein, das ist nicht Stephen King. Es ist Joe Hill. Lesern aber als lästig empfunden wird. Und selbstverständlich spielt die Geschichte nicht in dem nordöstlichen US-Bundesstaat Maine, wo nahezu alle Stephen-King-Romane angesiedelt sind.Sein, von dem 1915 hingerichteten Gewerkschaftsaktivisten und Liedermacher Joel Emmanuel Hägglund ausgeliehenes, Pseudonym hat sich Hill bereits vor über zehn Jahren zugelegt. Vor seinem Erfolg mit Blind hat er bereits vier Romane geschrieben, die aber niemand verlegen wollte. Hill sagt selber, dass er damals erst lernen musste, wie man eine Geschichte so aufbaut, dass sie von Beginn an interessant ist. Lediglich die Kurzgeschichten- Anthologie 20th Century Ghosts wurde 2005 veröffentlicht, und mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet, sie ist 2007 mit dem Titel Black Box in Deutschland erschienen. Blind ist sehr erfolgreich, dass Buch ist in 20 Ländern erhältlich, die Firma Warner Bros. hat sich bereits die Filmrechte an dem Stoff gesichert.
Auch Hills jüngerer Bruder Owen ist Schriftsteller. Er schreibt aber keine Horror- Romane, sondern wendet sich mit politischen Texten aktuellen Problemen zu.
Das Verhältnis zu seinem Vater bezeichnet Hill als großartig, auch die Widmung des Romans lautet „für meinen Vater, er ist einer von den Guten“. Die in Interviews immer wieder auftauchenden Fragen nach seiner prominenten Familie, seiner Kindheit mit dem Horror-Genie, Ex-Alkoholiker und Ex-Kokser Stephen King und dem Umgang mit dem Erfolgsdruck, dem er als Sohn eines Autors, der in seinem Genre alles erreicht hat, ausgesetzt ist, beantwortet der meist als schüchtern aber sympathisch beschriebene Horror- Schriftsteller geduldig.
Im Internet wird Hill als Bereicherung, ja sogar als die Zukunft des Horror-Genres bejubelt und hat, obwohl bis vor kurzem noch relativ unbekannt, einen festen Kreis von Fans. Er selber sieht in seinem Roman kein Meisterwerk, aber einen, wie er sagt, guten Trip.
Eine faire Selbsteinschätzung eines interessanten Nachwuchsautors, von dem man gerne noch mehr lesen möchte.
Offizielle Homepage: www.joehillfiction.com
von Stefan Hirsch
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Mord als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen…

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Über den schwedischen Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell
Der 1948 in Härjedalen geborene Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell ist der erfolgreichste und meistgelesene schwedische Autor der Gegenwart. Allein in Deutschland liegt seine Gesamtauflage bei über 11 Mio. verkauften Büchern, mehr hat bisher nur Harry Potter geschafft. Hier ist Mankell vor allem wegen seiner Kriminalromane um den Kommissar Kurt Wallander bekannt.
Wallander, ein nachdenklicher und schwermütiger Polizist, der so gar nicht dem Typ des aus der Hüfte schießenden Großstadt- Sheriffs entspricht, deckt bei seinen Mordermittlungen in dem schwedischen Nest Ystad (mit ca. 17000 Einwohnern deutlich kleiner als Vechta) immer auch soziale Tragödien und gesellschaftliche Missstände auf, die oft Folge von Rechtsradikalismus oder Einsparungen in Rechtssystem und sozialem Netz sind. Mankell, (dessen Name übrigens auf der zweiten Silbe betont wird) will dadurch zum Nachdenken anregen, Gesellschaftskritik üben, oder wie er selbst in einem Interview formulierte: „…den Spiegel des Verbrechens nutzen, um gesellschaftliche Entwicklungen zu beleuchten…“.
Bildnachweis: Ulla Montan / henningmankell.se
Foto: Ulla Montan / henningmankell.se
Dies gelingt dem 59jährigen Schriftsteller, ohne lehrerhaft oder aufdringlich zu wirken. Ganz im Gegenteil: Es macht Spaß, seine Romane zu lesen, sie sind spannend, Wallander wirkt so realistisch, als könnte man ihm in seiner kleinen Stadt tatsächlich begegnen. Die 9-bändige Kurt-Wallander-Reihe, die auch verfilmt wurde, sieht Mankell mittlerweile als beendet an. In seinen neueren Romanen ist Wallanders Tochter Linda die Hauptfigur. Unter seinen weiteren Werken finden sich nicht nur Krimis, sondern auch Kinder- und Jugendbücher, die zum Teil prämiert wurden. Der Junge der im Schnee schlief erhielt er 1996 den Astrid- Lindgren-Preis.
Viele von Mankells Geschichten sind in Afrika angesiedelt. Der Chronist der Winde handelt vom Leben afrikanischer Straßenkinder, Kennedys Hirn vom Umgang mit afrikanischen Aids-Kranken. Afrika bereist Mankell seit 1972 regelmäßig. Inzwischen verbringt er hier die meiste Zeit des Jahres, in Schweden hält er sich nur während der Sommermonate auf. In Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, leitet er das Teatro Avenida, das einzige professionelle Theater des Landes. Die Theatergruppe, an deren Aufbau er seit 1985 beteiligt ist, spielt vorwiegend afrikanische Stücke, um die kulturelle Identität des Landes zu stärken. Zudem engagiert er sich in der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.
von Stefan Hirsch
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Eines Tages las ich ein Buch…

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Über den Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk
Letztes Jahr wurde mit Orhan Pamuk zum ersten Mal einem Autor aus der Türkei der Literaturnobelpreis verliehen. Der in Istanbul lebende 54-jährige gilt als der bedeutendste türkische Schriftsteller der Gegenwart. Sein Werk wurde in 35 Sprachen übersetzt und ist in über 100 Ländern erhältlich. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die er aufgrund seiner schriftstellerischen Tätikeit erhalten hat, zählen unter anderem der Friedenspreis des deutschen Buchhandels, der Ricarda-Huch-Preis und der International IMPAC Dublin Literary Award, außerdem hat er einen Ehrendoktortitel der Freien Universität Berlin.
Pamuk stammt aus einer wohlhabenden, sowohl politisch als auch kulturell westlich orientierten Großfamilie. Die Entscheidung, Schriftsteller zu werden, fällte er als 23-jähriger. Zunächst schrieb er sich für ein Architektur-Studium ein, das er aber kurze Zeit später abbrach, um Journalismus zu studieren. 1977 schloss er das Studium erfolgreich ab. Die folgenden Jahre widmete sich Pamuk ausschließlich dem Schreiben, darüber hinaus war er nicht berufstätig. Nach eigenen Angaben war er bis zu seinem 32. Lebensjahr auf die finanzielle Unterstützung seiner Eltern angewiesen. 1982 veröffentlichte er seinen ersten Roman Cevdet Bey ve Ogullan (dt. Herr Cevdet und seine Söhne).
Neben der literarischen Qualität seiner Romane wird Pamuk sein politisches Engagement zugute gehalten, vielen gilt er als „Brückenbauer zwischen Orient und Okzident“. Er spricht sich bei zahlreichen Gelegenheiten deutlich für einen EU-Beitritt der Türkei aus, kritisiert aber auch offen die noch immer unterdrückende Kurdenpolitik der türkischen Regierung, und setzt sich – unter anderem – für politisch verfolgte Schriftsteller ein. Durch seine klaren Stellungnahmen hat er schon oft Schwiekeiten bekommen. So wurde ein Strafverfahren gegen ihn wegen Verunglimpfung des Türkentums eröffnet, (eine Straftat, die mit bis zu 5 Jahre Haft geahndet wird), nachdem er sich in einem Fernseh-Interview über den Völkermord an den Armeniern durch das Osmanische Reich, dem Vorgängerstaat der Türkei, in den 1910er-Jahren äußerte. Das Verfahren wurde zwar nach zwei Monaten wieder eingestellt, die Boulevardpresse überzog ihn allerdings mit einer Negativkampagne und er wurde sogar mit Morddrohungen konfrontiert.
Nach Pamuks eigenen Angaben ist lediglich sein Roman Schnee ein politisches Werk. Die Geschichte spielt in den 90er Jahren in der Grenzstadt Kars, die in einem Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wird, und thematisiert unter anderem den Islamismus und Nationalismus. Doch auch Pamuks andere Bücher setzen sich mit Politik und gesellschaftlichen Fragen auseinander. Sein 1994 erschienener Roman Das neue Leben handelt von dem 22-jährigen Studenten Osman, der aus Interesse an seiner Komillitonin Canan ein geheimnisvolles Buch liest, und dadurch völlig aus der Bahn geworfen wird. Er fühlt sich in seiner bisherigen Existenz nicht mehr wohl, hat das Gefühl, nicht mehr Teil seines bisherigen Lebens zu sein und macht sich auf eine lange und scheinbar ziellose Reise. Osman begegnet dem Tod und der Liebe, gerät in Situationen, die wie bizarre Alpträume wirken und sucht nach dem neuen Leben, das das Buch für ihn bestimmt hat. Dabei wird der Konflikt der türkischen Gesellschaft beschrieben, die zwischen ihrer orientalischen Tradition und den politischen und wirtschaftlichen Einflüssen der westlichen Welt hin- und hergerissen ist. Man erfährt davon, wie sich die Betroffenen fühlen und sich um einen Verlust ihrer kulturellen Identität sorgen. Das Thema ist auch für Leute verständlich, die sich nicht mit der Türkei auskennen, wer aber über das damalige politische Geschehen informiert ist, wird sicher zahlreiche Anspielungen entdecken. Der ca. 300-seitige Roman verbindet orientalische Erzählkunst mit moderner Literatur und nimmt Anleihen bei klassischen europäischen Autoren wie Heinrich von Ofterdingen und Dante Alighieri. Er ist vielschichtig und komplex aufgebaut, so dass er sich dem Leser nicht immer auf Anhieb erschließt. Die aufwendige, bildhafte Sprache des oft etwas verwirrt erscheinenden Ich-Erzählers ist reizvoll und beeindruckend. Das Buch, das als Pamuks wichtigstes Werk gilt, will aber mit wachen Augen gelesen werden und ist nicht unbedingt als Entspannungslektüre geeignet.
von Stefan Hirsch
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