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uniVista im Gespräch

Inhaltsverzeichnis:

Kulturelles Duo
Vechta‘s International Program (VIP)

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Tristan Müskens und Minyoung Kim sind VIPs: eines der kulturellen Duos, das durch das internationale Mentorenprogramm zusammenfand. Er ist ihr Mentor, sie sein Mentee. Auf diese Weise lernen sie beide Kultur und Sprache vom jeweils anderen kennen und auch für die erste Orientierung in Vechta ist es für die “Internationalen” sehr hilfreich, jemanden an ihrer Seite zu haben. Ganz nebenher bringt das Programm auch eine Menge Spaß mit sich.
Tristan studiert im dritten Semester Gerontologie (BA). Minyoung kommt von der Seoul Frauen Universität und nutzte das Sommersemester 2012 und ihr siebtes Semester dazu, bei uns an der Uni Germanistik zu studieren. An ihrer Heimat-Uni studiert sie darüber hinaus BWL.
Das International Office und die Tandempartner im Kletterwald Nord an der Thülsfelder Talsperre (Sommer 2012)
(Minyoung: Erste Reihe, Zweite von links; Tristan: hinten in der Mitte)
Bild: Manuela Groth
Wie bist Du auf dieses Mentorenprogramm aufmerksam geworden?
Tristan: Eine Freundin hat mir davon erzählt und gefragt, ob ich Lust dazu hätte.
Minyoung: Vor dem Semester habe ich mit dem International Office gemailt. Sie haben mir das Programm vorgestellt.
Welche waren Eure persönlichen Beweggründe für die Teilnahme am Programm?
Tristan: Ich wollte Erfahrungen sammeln und dachte mir, dass das doch mal etwas völlig Neues sei!
Minyoung: Ich möchte deutsche Freunde und die Kultur kennenlernen und mit Freunden Deutsch sprechen.
Tristan, was genau sind die Aufgaben eines VIP-Mentors?
Tristan: Ich beantworte die grundlegenden Fragen und gebe eine erste Orientierung, was in einer überschaubaren Stadt wie Vechta jetzt nicht die ultimative Herausforderung bedeutet. Alles Weitere liegt dann am Mentoren selbst.
Seit wann bist Du Mentor, Tristan?
Tristan: Seit ca. einem Semester, also seitdem Minyoung hier ist.
Wie lief das Procedere ab, also Anmeldung, Zusage, erstes Zusammentreffen etc.?
Tristan: Das war total unkompliziert. Eine E-Mail an das International Office und ein bisschen “beschnuppern” und ich war dabei. Das erste Zusammentreffen war in der Nacht, als die beiden Südkoreanerinnen ankamen. Es war ziemlich witzig, weil wir versucht haben, uns auf einer Mischung aus Deutsch und Englisch zu unterhalten.
Minyoung: Ich habe die Programmanmeldung geschrieben. Ich konnte mir einen Mentor auswählen (Geschlechtsunterschied, Fachstudium, Charakter usw.) und nach der Entscheidung habe ich E-Mails mit Tristan wegen meiner Ankunft geschrieben.
Welchen Einfluss hat man auf die Zuteilung der Partner?
Tristan: Man kann wählen, ob man ein Land, einen Studiengang, männliche oder weibliche Gaststudierende bevorzugt. Mir war das erstmal egal.
Minyoung: Weil er ein guter Freund geworden ist, habe ich hier kein einsames Leben geführt. Und durch ihn konnte ich deutsche Kultur und Freunde kennenlernen.
Was habt Ihr bisher so zusammen unternommen?
Tristan: Wir (der andere Mentor und die beiden Studentinnen) haben uns zum Einkaufen und zum Essen getroffen – jeder sollte dabei einmal kochen, wir waren aber auch zusammen in der Mensa. Wir haben außerdem auch einen Ausflug in den Kletterwald gemacht.
Minyoung: Und auch Uni-Party, Grill-Party, Spazierengehen in Vechta und wir werden mit anderen Freunden zusammen durch Deutschland reisen.
Was gefällt Dir besonders gut an dem Programm? Hat es in Deinen Augen Erfolg?
Tristan: Auf jeden Fall. Ich selbst habe vor, einen Auslandsaufenthalt zu machen und bin durch die beiden Gaststudentinnen darin bestärkt worden, das auch durchzuziehen.
Minyoung: Am besten fand ich es, als alle Mentoren und Austauschstudenten Bowling gespielt haben.
Was gefällt Dir eher nicht so gut bzw. was wäre verbesserungswürdig an dem Programm?
Tristan: Pommes!
Minyoung: Ich denke, andere Austauschstudenten treffen sich nicht so oft, wie sie möchten/sollten. Ich wünschte, dass Mentoren mehr aktiv sind. Und es sollte feststehen, dass man einander öfter treffen müsste.
Wie viele Mentoren gibt es derzeitig?
Tristan: Wie viele? Sag mal, arbeitest du nicht im International Office? Da müsstest Du das doch besser wissen als ich, oder?

Pommes!

(Anm. v. Judith Peltz (Leitung des I.O.): Es gibt das beschriebene “VIP” mit derzeit 28 Paaren, bestehend aus einem int. Studierenden und einem Vechtaer Studierenden, und es gibt “InterMento”, eine Gruppe von derzeit ca. zwölf Studierenden, die als Gruppe Angebote für die int. Studierenden machen und auch “Europa macht Schule” organisieren. Die Zahlen beziehen sich auf dieses Wintersemester.)

Minyoung, sind denn noch andere Personen aus Deiner Heimat-Universität hier her nach Vechta gekommen?
Minyoung: Ja. Wir sind vier Austauschstudenten von der Seoul Frauen Universität.
Und was gefällt Dir an Vechta gut und was eher nicht so gut?
Minyoung: Es ist ruhig, die Leute sind höflich und nett. Aber Vechta ist eine kleine Stadt und hier gibt es nicht genug Geschäfte.
Da sagst Du was!
Was würdest Du zukünftigen Mentoren als Tipp mit auf den Weg geben?
Tristan: Anfangs macht man mehr zusammen, später dann immer weniger – das ist normal, denn die Studierenden finden sich besser zurecht und wollen auch nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit ankommen. Daran muss man sich erstmal gewöhnen.
Minyoung: Weil Austauschstudenten viel Hilfe vom Mentor brauchen, müssen sie sich um uns kümmern. Aber wir wünschen, dass Ihr gute Freunde als Helfer – wie Tristan – findet.
Tristan in den Bäumen im Kletterwald Nord
an der Thülsfelder Talsperre (Sommer 2012)
Und was würdest Du zukünftigen VIP-Partnern als Tipp mit auf den Weg geben?
Tristan: Es gibt viele Missverständnisse zwischen den Kulturen, deshalb würde ich jedem raten, offen zu sein und viel Humor mitzubringen. Das erleichtert die Sache enorm.
Minyoung: In Vechta sind viele Leute sehr nett gegenüber Ausländern. Also Austauschstudenten können ohne Angst Freunde kennenlernen.
Gibt es ein witziges Erlebnis aus Deiner bisherigen Zeit hier, Minyoung?
Minyoung: Vor der ersten Uni-Party habe ich mit vielen Freunden von Tristan etwas getrunken und “typisch deutsche” Musik gehört. Es war sehr lustig!
Was ist Deiner Meinung nach allgemein “typisch deutsch”?
Minyoung: Als ich in Korea war, dachte ich, dass gleiche Größe, Pünktlichkeit, Fleiß und Kälte typisch deutsch ist. Einige Dinge sind zwar richtig, aber Deutsche sind sehr nett, meiner Meinung nach.
Minyoung, welches sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Mentor mitbringen sollte?
Minyoung: Wenn man offen für Ausländer ist und man Mentor werden möchte, kann bestimmt jeder ein guter Mentor werden. Natürlich ist es gut, wenn Mentoren fröhlich und verständnisvoll sind.
Tristan, was hast Du durch das Programm über Dich selbst gelernt?
Tristan: Ich hab mein tiefstes, inneres Selbst gefunden und bin jetzt total reflektiert, integer und weltoffen. Nein, keine Ahnung, vielleicht wie einfach und lustig es sein kann, sich für Neues zu öffnen.
Hast Du sonstige Fragen, Anregungen, oder Ähnliches bezüglich des Mentorenprogramms?
Tristan: Nein, denn Fragen, Anregungen etc., kann ich immer direkt beim International Office loswerden und werde auch wahrgenommen.
Vollende den Satz: Seit dem ich am InterMento-Programm teilnehme, bin ich …
Tristan: … gespannt auf meine eigenen Erfahrungen als Gast in einem anderen Land!
Minyoung: … dankbar für Tristans Hilfe. Er war mein Wunsch-Mentor. In Vechta hatte ich fast täglich ein Problem. Jedes Mal hat er gesagt “Kein Problem!” und mir bereitwillig geholfen. Vor allem ist er ein guter Freund geworden. Denn durch ihn bin ich mit allen Dingen in Vechta zurechtgekommen. Wenn ich nach Korea zurückfliege, werde ich ihn vermissen. Vielen Dank, Tristan!
Vielen Dank Euch beiden für das Interview!
Fragen und Text: Carolin Makus
(studentische Hilfskraft im International Office)
Wer selbst Mentor werden möchte, kann sich gern im International Office der Uni melden und sein Interesse bekunden. Ihr seid immer gern gesehen!

Balu & Du
Gemeinsam stark!

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Balu & Du – Einige von Euch werden diesen Ausdruck bestimmt schon das ein oder andere Mal auf dem Campus aufgeschnappt haben. Doch was überhaupt ist Balu & Du? Um das herauszufinden, habe ich mich mit Anke getroffen, einer Studentin der Uni Vechta, die an diesem Projekt teilnimmt und ihr einige Fragen zu Balu & Du gestellt.
Grafik: Balu und Du e.V.
Hallo Anke. Meine erste Frage wäre: Was genau ist Balu & Du und wie läuft das ab?
Balu & Du ist ein Mentorenprojekt, bei dem die Studenten ein kleines Grundschulkind, im Alter zwischen 6 und 11 Jahren, an die Hand bekommen und es regelmäßig, meistens einmal in der Woche, betreuen und mit ihm den Nachmittag verbringen. Hier bringen wir ihnen auch informelle Sachen bei, wie beispielsweise wenn man ein Eis mit einem 5€-Schein bezahlt, wie viel Wechselgeld man zurück bekommt.
Warum heißt es Balu & Du?
Das kommt aus dem Dschungelbuch. Das zu betreuende Kind ist Mogli und wir Mentoren sind die Balus und im Film hat ja Balu dem Mogli auch alles gezeigt.
Wer organisiert Balu & Du?
Volker Hülsmann von der Caritas. Er begleitet auch das Seminar, damit wir in der Uni die Anrechnungspunkte dafür bekommen.
Wie bist du zu Balu & Du gekommen?
Wir haben das von unseren Tutoren in der Erstis-Woche gehört und haben uns dann dahinter geklemmt. Dann hatten wir ein Gespräch mit Volker, da das Projekt schon angefangen hatte, damit wir dann noch einsteigen konnten.
Wie werden die Kinder und Eltern darauf aufmerksam gemacht?
Das läuft über die Schulen. Hier wird ihnen gesagt, dass vor allem Kinder mit sozialschwachem Hintergrund gefördert werden, dass man mit ihnen ein bisschen Zeit verbringt und ihnen zeigt, wie man soziale Kontakte pflegen kann. Manchmal läuft das auch über das Jugendamt, aber das eher selten.
Was macht ihr so mit den Kindern?
Also wir haben schon öfter was gekocht oder was zu Essen vorbereitet. Letztens haben wir Erdbeerquark gemacht. Wir spielen Fußball oder wir gehen Trampolin springen. Manche von uns fahren dann mal in den Tierpark oder in die Stadt und zeigen den Kindern die Bremer Stadtmusikanten. Wir malen und basteln auch ganz viel.
Die Uniparty am 4. Mai 2011 war ja eine Spendenparty für Balu & Du. Wofür werden die Spenden denn verwendet?
Also wir haben jetzt vor ein oder zwei Ausflüge zu machen. Einmal wollen wir zusammen in den Tierpark Thüle fahren, mit allen Mentoren, mit den Kindern und mit Volker. Und wir haben vor, einen Indianderabend mit Lagerfeuer und Grillen zu machen. Dafür wird das Geld verwendet. Außerdem haben wir einen Bestand an Spielzeugen hier im Caritas-Haus, der aufgestockt wird.
Stimmt es, dass man sich die Teilnahme als Praktikum anrechnen lassen kann?
Ja.
Wie läuft das dann zum Beispiel mit dem Praktikumsbericht?
Das sind dann die Tagebucheinträge, die man jede Woche verfassen muss, nachdem man ein Treffen mit dem Kind hatte und eine Reflektion über das Projekt, was mir das gebracht hat und was ich denke was es dem Kind gebracht hat.
Läuft das nur ein Semester?
Nein, das läuft über zwei Semester. Also ein Jahr ist das Treffen und parallel dazu einmal in der Woche ein Begleitseminar.
Infos
• Balu und Du ist in allen Bachelorstudiengängen als Praktikum oder im Optionalbereich anrechenbar.
• Jeder Mentor erhält für die Praxisphase ein offizielles Zertifikat des Landes Niedersachsen für sein ehrenamtliches Engagement.
• Kontakt:
   Volker Hülsmann
   Gemeindecaritas, Integrationsberatung
   Neuer Markt 30, 49377 Vechta
   Tel. 04441/8707-637
   E-Mail: huelsmann[at]caritas-sozialwerk.de
   Er ist der Ansprechpartner der Caritas für dieses Projekt und wird gerne weiterhelfen.
Was hast Du persönlich aus dem Projekt jetzt schon mitgenommen und was soll den Kindern vermittelt werden?
Also für mich war es ganz wichtig zu merken, wie schwierig es doch ist, ein Kind zu motivieren im Gegensatz zu einer größeren Gruppe von Kindern und auf die speziellen Wünsche einzugehen. Das man nicht wie üblich vorm Fernseher sitzt, Computerspiele spielt, sondern dass man mal ein bisschen was Ausgefalleneres macht und sich etwas überlegt, was einen Lerneffekt hat, um das informelle Lernen mit einzubringen. Das war für mich ganz wichtig. Und für das Kind ist einfach wichtig, dass es mal eine Abwechslung hat zu dem Alltag zu Hause und wir auch was unternehmen. Wir haben mal zusammen gefrühstückt, sodass er auch etwas über gesunde Ernährung lernt.
Was würdest Du Interessierten noch sagen wollen?
Ich würde einfach sagen, dass viele Leute an dem Projekt teilnehmen sollten von der Uni und dass das ein bisschen mehr publik gemacht werden sollte. Auch sollten die Begleittreffen kein Hindernis sein an dem Projekt teilzunehmen, weil viele Sachen, die in den Situationen mit den Kindern als Problem erachtet werden, in dem Seminar geklärt werden. Also man bekommt immer Unterstützung.
Vielen Dank Anke, dass Du Dir die Zeit genommen hast!
Die Fragen stellte Lea Seefeld.

“Mit Kunst kann ich meine Wünsche ausdrücken”
Ein Interview mit dem Höffmann-Dozenten Stephen Folárànmí

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Stephen Adéyemí Folárànmí wurde 1969 in Lagos/Nigeria (Afrika) geboren und wuchs in Òyó und Lagos auf. Er schloss sein Studium der Kunst an der Obáfémi Awólówò Universität in Ile-Ife ab. Stephen ist seit 2002 Doktorand und Dozent der Obáfémi Awólówò Universität in der Fakultät für Angewandte Kunst. Dort sind seine Schwerpunkte Zeichnen und Malen. Seit Dezember 2008 noch bis September 2009 ist er der Inhaber der Höffmann-Dozentur für Interkulturelle Kompetenz.
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Foto: Stephen Folárànmí
Haben Sie etwas Bestimmtes erwartet, als Sie nach Deutschland gekommen sind?
Ich wollte mich überraschen lassen. Die Dozentur passierte sehr plötzlich und demnach hatte ich nicht viel Zeit, um mich auf diese Sache vorzubereiten, aber ich liebe die Herausforderung und habe mich über die Reise nach Deutschland gefreut.
Wie sind Sie hierher gekommen?
Ein Freund sandte mir Informationen über diese Dozentur und ich bewarb mich. Ziemlich spontan, eigentlich. Ich erhielt die Einladung, als ich die Bewerbung schon fast wieder vergessen hatte und deswegen ging die Sache, wie oben schon gesagt, recht schnell und plötzlich.
Drei Dinge, die Sie ausmachen?
Puh, das ist ziemlich schwierig. Also für mich ist der Glaube eine sehr wichtige Sache. Ein Christ zu sein und in Gott sein Vertrauen setzen zu können, hat mir schon oft geholfen. Ich merke immer wieder, wie wichtig der Glaube für mich, aber auch für meine Studenten ist. Das zweite wäre dann wohl meine Kunst. Mit ihr kann ich meine Wünsche ausdrücken und Menschen verbinden. Als drittes würde ich die Natur nehmen. Natur gibt mir Ruhe und Zeit für mich. Ich genieße sie und liebe es, sie in meinen Bildern festzuhalten. Deswegen ist Vechta ein perfekter Ort für mich. Schön grün. (lacht)
Da unser Thema der 13. Ausgabe Kurioses ist, welchen Aberglauben und Gerüchte gibt es in Nigeria?
Aberglaube ist ein Phänomen, welches verschieden existiert. Es kommt auf die Kultur, Religion und Moral an. Viele Aberglauben und Gerüchte in Nigeria dienen dazu, die moralische Gesinnung der Kinder in die richtige Bahn zu lenken. Ganz so wie in Deutschland. Ein Aberglaube ist, dass man nicht beim Eingang zum Haus essen darf. Der Witz an der Sache ist, dass man einfach die Leute, die an dir vorbei kommen, nicht stören sollte, indem man in der Gegend herum sitzt. Ein weiterer Aberglaube in Nigeria ist, dass man seine Hände nicht in den Regen ausstrecken sollte oder unter eine Regenrinne hält, denn sonst könnte man vom Blitz getroffen werden. Aber dies gilt nur in Verbindung mit einem Gewitter. Diese Gerüchte dienen einfach der Vorsorge und um den Leuten ein wenig Angst einzujagen, gewisse Dinge nicht zu tun. Also als eine gewisse „Moral von der Geschichte“.
Zurück zur Realität. Was wollen Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken?
Ich möchte Einheit, Frieden und Vielfalt zeigen. Jede Kultur ist anders, kann sich aber mit anderen verbünden und austauschen. Mein Anliegen ist es, dass Kulturen sich verbinden und im Frieden anerkennen. Ich möchte den Studenten Kultur und alles, was damit zusammenhängt, näher bringen. Dieses drücke ich durch meine Kunst aus. In den Workshops, die hier in Vechta laufen, gebe ich den Studenten Anleitungen und Tipps, wie sie dieses Anliegen ausdrücken können. Natürlich ist jede Kultur besonders und einzigartig, aber wer sagt, dass sie sich nicht ergänzen können?
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Foto: Lars Chovanietz
Mögen Sie Vechta?
(lacht) Ja. Ich komme aus einer großen Stadt. Aber ich bin mehr für die kleinen Dinge des Lebens. Ich liebe die Natur und die Ruhe. Große Städte sind für mich eher störend. Die Leute sind viel zu hektisch. Ich selbst habe auch die Pünktlichkeit der Deutschen bemerkt. In Afrika ticken die Uhren etwas anders. Eine Uhrzeit ist mehr eine Andeutung einer Zeit. In Wahrheit bedeutet zum Beispiel 14 Uhr, 14.30 Uhr oder später, Afrikanische Zeit. In Deutschland habe ich gelernt, dass die Deutschen kein großes Verständnis für solche Zeitspielereien haben. Wenn sie 14 Uhr sagen, dann erwarten sie dich auch um 14 Uhr am Treffpunkt und nicht erst eine halbe Stunde später. Ich habe aber recht schnell gelernt, damit umzugehen und sehe das nicht gerade als ein Problem an.
War es schwer in Kontakt mit Leuten in Vechta zu kommen?
Eigentlich nicht. Ich habe schnell viele Leute kennen gelernt. Das liegt natürlich auch daran, dass Vechta, beziehungsweise die Universität, nicht gerade die größte ist. Man läuft sich sehr schnell über den Weg und sieht sich häufig immer mal wieder. Die Leute hier sind sehr nett und freundlich. Sie sehen, dass ich wahrscheinlich nicht von hier komme und möchten mir helfen. Dieses Verhalten würde man in der Stadt nicht erwarten, was sich leider auch sehr oft bestätigt. Es herrscht eben eine andere Mentalität.
Wir sind schon fast am Ende unseres Interviews. Zum Schluss: Was wünschen Sie den deutschen Studenten und Studentinnen in Vechta?
Ich wünsche ihnen besonders die Neugier und die Offenheit. Sie sollen neue und andere Kulturen entdecken. Sie sollten reisen und die Weite der Welt zu schätzen wissen. Ich wünsche den Studentinnen und Studenten alles Gute dabei. Sie sollen sich für alles begeistern können.
Danke Stephen. Wir wünschen Ihnen noch viele schöne Erfahrungen in Vechta und man läuft sich bestimmt noch über den Weg.
Danke euch. Davon ist auszugehen. (lacht)
Das Interview führte Sarah Kotten.

Kuschelpädagogik und Wuthöhle

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Mehr Anonymität für TV-Familien!
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Mittlerweile ist die Fernsehlandschaft nicht mehr ohne die zahlreichen Sendungen mit scheinbar pädagogischem Format vorstellbar. Quote und Nachfolgeproduktionen geben zu erkennen: Die Nachfrage beim Zuschauer ist vorhanden, danach etwa, wie man sich zu verhalten hat, wenn etwas schief läuft in der Familie, eingedenk des Haustieres. Im multimedialen Rahmen erhalten die Bedürftigen Hilfe von Experten, oftmals Diplompädagogen, welche mit Rede und Tat und manchmal auch fragwürdigen Konzepten zur Seite stehen. Disziplin, Regeln, Prinzipien sind dabei immer wieder Schlagwörter, die fallen. Greift das Verständnis von Pädagogik durch und in den Medien zu kurz? Diese und weitere Fragen sollen im Folgenden geklärt werden. Als Gesprächspartner stand uns Dipl.-Päd. Andreas Hoenig zur Verfügung.
Greift das Verständnis von und durch die Medien zu kurz?
Also wenn ich mir die Medienformate, dir mir bekannt sind, betrachte, dann wird da ein Verständnis von Pädagogik kolportiert, das techniklastig ist und eine Heilsbringung in Extremsituationen verspricht, die ich für nicht machbar halte. Ich schließe mich damit Kritiken, zum Beispiel des DJI (Anm. d. Red.: Deutsches Jugendinstitut) an, die deutlich sagen, dass etwa die Frage der Nachhaltigkeit überhaupt nicht nachgewiesen ist. Ich bin aber auch nicht ausschließlich negativ-kritisch eingestellt gegenüber medialer Aufbereitung solcher Formate. Nur die Art und Weise, wie es gegenwärtig geschieht, finde ich mindestens fragwürdig.
„Interessant finde ich dann auch das Phänomen, umso rigider die Kollegin Saalfrank vorgeht, umso höher ist die Quote.“
Einmal etwas überspitzt formuliert: Jura-Studium bei Salesch (wahlweise auch bei anderen Gerichtsshows) und Pädagogikstudium bei Super Nanny? Verwirklicht sich hierin ein Bildungsauftrag der Medien?
Mit Sicherheit nicht. Vielmehr sind die Quoten von 15% und mehr ein Hinweis darauf, dass es einen absolut hohen Bedarf gibt. An der Stelle bin ich ein Befürworter medialer Bearbeitung solcher Fragen und ein Befürworter dessen, dass wir uns des Mediums Fernsehen bedienen, weil das nun einmal das Medium Nummer 1 Deutschlands ist. Aber natürlich sehe ich die mediale Aufbereitung, wie sie vor allem durch die Privatsender passiert, kritisch. In Videoclipform werden dramatische Lebenssituationen festgehalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt – da kann ich mich nur dagegen verwehren. Das kann so nicht sein. Was nicht heißt, dass das nicht grundsätzlich so sein kann.
Kommen wir doch einmal zu dem Auftrag von RTL. Laut RTL.de ist nämlich das Ziel der Super Nanny „eine fundierte Analyse, Besprechung der Erziehungssituation und eine individuelle pädagogische Beratung für die Eltern zu leisten“. RTL will nach eigener Aussage „mit diesem Format einerseits den betroffenen Familien eine Hilfestellung bieten, andererseits aber auch dem Zuschauer anhand von unterschiedlichen Fällen Lösungsansätze für Probleme in der eigenen Familie aufzeigen.“
Glauben Sie, dass dies mit diesem Format geschieht?
Das bezweifel ich. Ich bezweifle sogar den Ansatz. Natürlich versucht sich RTL in der Öffentlichkeit darzustellen, sozusagen, dass es kein Format sei, das auf Quote angelegt ist. Diese Darstellung halte ich für schlichtweg falsch. Natürlich agiert vor allem die Frau Saalfrank – und das ist im Grunde auch überhaupt die einzige, worüber ich mir ein Urteil erlauben kann – pädagogisch. Aber das Heilsversprechen, das da gebracht wird, ist, du hältst dich an einen gewissen Regelkatalog, Familienregeln – vom „Stillen Stuhl“ hat sie Gott sei Dank Abstand genommen – und dann ist das machbar. Die Krise ist anhand von ein, zwei, drei Interventionsmöglichkeiten, die sie zur Verfügung stellt, gelöst. Das ist vor dem Hintergrund der Sozialen Arbeit und der Arbeit mit Familien so nicht richtig. Es geht halt nicht so einfach. Und es werden wesentliche Aspekte, die wir als Vertreter der Sozialen Arbeit für wesentlich halten, außer Acht gelassen. Die Darstellung der Betroffenen, auf Seiten der Eltern vor allem die betroffenen Mütter, im Sinne von erzieherischer Inkompetenz, die Kinder als Monster, was sie de facto nun mal nicht sind, und die Väter finden weitestgehend überhaupt nicht statt – da wird ein Familienbild kolportiert, das nicht der Realität entspricht. Dramatische Verkürzung.
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Oft der einzige Ansprechpartner
© Rosel Eckstein / PIXELIO
Glauben sie, dass eine öffentliche Preisgabe des Privatlebens vor der Fernsehnation eine langfristig wirksame Stigmatisierung für die zur Schau gestellten Kinder, die Eltern, die übrigen Familienmitglieder und das weitere familiäre Umfeld zur Folge haben kann oder ist diese laut gewordene Kritik ebenfalls zu sehr in den Medien dramatisiert worden?
Also die Stigmatisierungseffekte, die da stattfinden, haben ihren dramatischen Höhepunkt erreicht bei dieser Folge mit dem 13-jährigen Mädchen. Und das war für mich genau der Punkt, an dem RTL sich mit seinem hehren Anspruch widerspricht. Nach meinem Kenntnisstand haben eine Mutter und ihre Tochter per einstweiliger Verfügung versucht, die Ausstrahlung des Formats zu verhindern, was nicht gelungen ist aufgrund vertraglicher Verbindungen, so dass es zur Ausstrahlung der Sendung kam. Mit der Folge, dass dieses Mädchen zumindest einen kurzfristigen psychiatrischen Aufenthalt und einen Zusammenbruch hatte. Und das konterkariert das, was RTL auf seinen Internetseiten als pädagogisches Format verkauft. Damit wird deutlich, worum es geht. Interessant finde ich dann auch das Phänomen, umso rigider die Kollegin Saalfrank – und wir haben beide die gleiche Ausbildung genossen – vorgeht, umso höher die Quote. Das gipfelt dann darin, dass ein 3-jähriges Kind auf dem Stillen Stuhl sitzen muss. Ein 3-jähriges Kind! Und da mache ich auch eine deutliche Kritik fest an Frau Saalfrank, die sich hier sozusagen vor den Karren des Senders spannt. Aber sie handelt nicht durchgängig unpädagogisch.
„Mich erinnert Frau Saalfrank in ihrer Methodik eher an so einen pädagogischen Wirbelsturm. Und ich befürchte, dass der, wenn er sich gelegt hat, eine ganze Menge Chaos hinterlässt.“
Wobei man sagen muss, dass gerade dieses Element ja aus der Sendung verschwunden ist. Es gibt keine stillen Orte mehr, weder Stuhl noch Treppe. Dieser Kritikpunkt, der auch laut geworden ist in den Medien, wurde also berücksichtigt. Haben Sie noch eklatant andere Puntke, die für Sie negativ auffallen?
Ein ganz wesentliches Moment, das für Schwierigkeiten bei diesem Format sorgt, ist diese Zeitschiene. Frau Saalfrank ist im Grunde genommen gezwungen sofort zu agieren, und das in ausgesuchten, höchst eskalativen Familien, die kein repräsentativer Querschnitt durch die Erziehungsrealität auch schwieriger Familien sind. Jetzt wissen wir, dass diese schnellen Reaktionen ein hohes Fehlerrisikio in sich birgt. Ich habe diese Sequenz vor Augen, wie sie über Funk coacht. Jetzt dies, jetzt das, jetzt jenes. Da stellt sich für mich die Frage: Was lernt ein Mensch an Erziehungskompetenz, wenn er so eine aus dem Psychodrama abgeleitete Methode des Alter Ego machen soll, also ferngesteuert agiert? Die Erziehungskompetenz wird hierdurch nicht erhöht. Der Kritikpunkt ist ganz klar die Reduzierung auf eine sehr technisch ausgerichtete Soziale Arbeit. Techniken sind die Lösung. Das alleine kann so nicht stimmen.
Es gibt natürlich auch eine umfassende Kritik der Deutschen Gesellschaft für Systemische Beratung, die sich absolut distanziert. Und natürlich distanzieren sie sich, weil es zuwider läuft gegen Grundsätze Sozialer Arbeit. Ich habe in Familien mit schwierigen Kindern gearbeitet. Und ich weiß, dass sich die Arbeit anders darstellt. Es gibt eben nicht den schnellen Erfolg. Und das, was das Format Super Nanny hier vorgibt, deckt sich eben hierin nicht mit meinen Erfahrungen. Außerdem muss ich sagen, dass ich es keiner Familie, mit der ich zusammengearbeitet habe, zugemutet hätte, diese Extremsituationen medial zur Schau zu stellen. Das ist mehr als grenzwertig. Das ist ethisch verwerflich.
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Kindern fehlen oft die Worte
© erysipel / PIXELIO
Dann würde uns doch einmal interessieren, was Sie der Super Nanny unter vier Augen sagen würden?
Ich glaube, ich würde ihr tatsächlich sogar zu ihrem Mut gratulieren. Ich meine, sich in die Öffentlichkeit zu stellen und zu agieren, da ist es vollkommen klar, dass sie dann auch Projektionsfläche wird. Sie stellt sich sozusagen zur Verfügung in ihrem beruflichen Handeln. Da gehört Mut zu, vor allem, wenn man sich einmal anguckt, dass viele Agierende der Sozialen Arbeit große Angst davor haben, dass man in ihre Karten guckt – diese Angst scheint sie überwunden zu haben. Sie stellt sich selbst ja auch öffentlich dar. Und sie hat ja auch gerade zu Anfang große Schwierigkeiten gehabt. Was ich gut finde ist, dass sie versucht, Einfluss zu nehmen auf eine weitere Pädagogisierung. Und das mache ich fest an der letzten Folge, die gelaufen ist, die dann medial aufgearbeitet wurde als ihre erste Niederlage. Frau Saalfrank gibt auf. Die Inobhutnahme. Da finde ich, dass sie absolut richtig reagiert hat. Sie hat nicht die schnelle Lösung geliefert, sondern ganz klar gesagt, da sei eine Grenze für sie, das könne sie nicht. Das war keine Niederlage, das war ein Sieg. Ich würde ihr den Mut auch hausintern wünschen, dass sie weiter versucht, das Format pädagogischer zu gestalten. Das ist zurückzuführen auf die Person Saalfrank, nicht auf den Sender, mein Eindruck. Und ich würde sie natürlich versuchen zu motivieren, das Format dahingehend zu verändern, dass erstens dieses Heilsversprechen ein bisschen relativiert wird und dass sie zweitens eine höhere Aufmerksamkeit auf den Schutz der Klienten legt. Andere Sender, insbesondere die Öffentlich-Rechtlichen, nehmen sich auch den Erziehungsfragen an, aber die tun das anders.
„Es macht wenig Sinn, hier wieder in der Ecke zu sitzen und mit dem Moralfinger zu drohen, dass das alles nicht geht. Wir sollten das als fachliche Herausforderung für die Zukunft verstehen.“
Nun, aber gerade was den Schnitt und die Schnitttechnik angeht, kann man ja auch nachlesen, dass Frau Saalfrank selbst hierauf keinen Einfluss hat.
Nun, ich gebe jetzt auch ein Interview und weiß gar nicht, was nachher in der uniVista steht und wie das dann dargestellt wird.
Richtig. Das wird mediengerecht aufbereitet.
Weiter im Programm: Sie hatten gerade schon den hohen Marktanteil angesprochen und meinten, das sei Ausdruck von Bedarf. Meinen Sie nicht auch, dass sich dahinter ein Ausdruck von Sensationslust gleichsam verbirgt?
Ich glaube, es ist beides. Wesentlicher für mich ist jedoch ganz klar die Message, dass es Bedarf gibt. Vielleicht müssen wir uns fragen: Wie können wir diesen Bedarf auch verantwortlich befriedigen? Wie kann sich die Soziale Arbeit oder auch die Familienarbeit in der Öffentlichkeit anders darstellen? Oder auch die Arbeit mit Ausreißern oder ähnlichem. Es sind ja verschiedenste Formate. Natürlich geht‘s dabei auch um die Befriedung einer Sensationsgier, eines gewissen Voyeurismus. Und diese ganzen Sendungen, auch diese Ausreißer-Formate, zeichnen sich dadurch aus, dass ein Bild von Kindern und Jugendlichen gezeigt wird, das sie an den Symptomen misst. Wir gucken nur auf die Person und nicht auf das Symptom. Das ist das, was wir predigen. Du bist gut, dein Verhalten ist schlecht. Und so werden Menschen über ihr Verhalten oder über Verhaltensspitzen, wenn man so will, stigmatisiert. Also es ist nicht der Sven, sondern der jugendliche Ausreißer.
Wie realitätsgetreu ist das Format?
In der Realität stellen sich familienunterstützende Maßnahmen im Sinne von SPFH (Anm. d. Red.: Sozialpädagogische Familienhilfe) oder auch Familientherapien als langfristig angelegte Hilfsmaßnahmen dar. Die durchschnittliche Behandlungsdauer einer SPFH ist auf zwei Jahre angelegt und nicht auf einige wenige Wochen. Also erinnert mich Frau Saalfrank in ihrer Methodik eher an so einen pädagogischen Wirbelsturm. Und ich befürchte, dass der, wenn er sich gelegt hat, eine ganze Menge Chaos hinterlässt.
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Einsames Warten auf muntere Gäste
© Martin Müller / PIXELIO
Ein aktuelles Format, das für Sie derzeit einen pädagogischen Auftrag erfüllt?
In den Dritten des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens finden sich solche Sendeformate durchaus, aber auch die Sendereihe 37° im ZDF kann hier genannt werden. Auch hier gab es schon solche Folgen. Da sollten die Leute von RTL mal reinschauen, wenn sie das, was sie im Internet veröffentlichen, ernst meinen. Aber es ist natürlich klar, dass hier unterschiedliche Zielgruppen bedient werden sollen.
Es wird jedoch auch klar: Das Fernsehen bleibt das Bildungsmedium Nummer 1. Und wir nehmen es nicht wirklich wahr. Also es könnte ja auch von Seiten der Sozialen Arbeit versucht werden, aktiv solche Formate zu bilden, die dann wissenschaftlich abgesichert sind. Aber ich sehe diese Initiative nicht, das heißt aber auch, dass es wenig Sinn macht, hier wieder in der Ecke zu sitzen und mit dem Moralfinger zu drohen, dass das alles nicht geht. Wir sollten das als fachliche Herausforderung für die Zukunft zu verstehen.
Haben Sie denn eine Idee, wie eine Sendung aussehen könnte, die einen pädagogischen Inhalt hat und eine Hilfestellung für den „kleinen Mann“ sein kann?
Das ist eine gescheite Frage. Also ich hab das Konzept nicht im Schreibtisch. Mir ist im Augenblick auch keins bekannt. Aber ich glaube, dass deutlich geworden ist: Es gibt den Bedarf, und das vielleicht nicht nur aus Sensationsgier. Die Verzweiflung der Menschen in dieser Situation, und zwar aller Menschen, der kleinen und der großen, die da drin sind, ist immens. Stellen Sie sich mal den Alltag vor. Sie haben ja kein Alternativleben, selbst wenn sie sagen: Ich hab jetzt hier die Nase voll und geh in das nächste. Das können sie nicht.
„Ich werde mich auch in Zukunft nicht abends vor die Röhre quetschen, um eine pädagogische Fortbildung zu nehmen.“
Sie haben darauf hingewiesen, dass man das Bildungsmedium Fernsehen auch als eine Herausforderung für die Soziale Arbeit begreifen kann. Medienerziehung an der Hochschule Vechta. Findet das statt oder eher nicht?
Es gibt innerhalb der Studiengänge die Möglichkeit, medial zu arbeiten. Wir nutzen, ich kann das zumindest für unseren Fachbereich sagen, durchaus auch Medien. Wir tun das aber meiner Meinung nach noch nicht in der Form, wie wir das sollten. Ich halte das für ausbaubar.
Gibt es da Wunschvorstellungen?
Natürlich wäre eine bessere technische Ausstattung, welche die Arbeit mit neuen Medien möglich macht, gut. Also ich bin in meinen Veranstaltungen, ich kann das ja nur für meine sagen, ein recht techniklastiger Dozent. Ich würde das aber noch ausbauen wollen.
Ich halte das auch für ein geeignetes Medium. Nicht, um den Studierenden 90 Minuten einen Film zu zeigen, und das war dann meine Veranstaltung. Aber eine gezielte Anwendung medialer Formate, um Theorie durch Praxis zu unterfüttern, halte ich für sinnvoll.
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Kinder wollen wahrgenommen werden!
© Christine Becker / PIXELIO
Kommen wir zu einer Frage, die wir uns im Rahmen eines Streitgespräches in dieser Ausgabe stellen: Sind Lehrer Pädagogen?
Ja. Natürlich sind Lehrer Pädagogen.
Warum? Der pädagogische Anteil ist doch sehr gering im Studium.
Wie würden Sie das bezeichnen, wenn erwachsene Menschen sechs Stunden täglich mit Kindern arbeiten im Sinne von Bildung und Erziehung? Ich nenne das Pädagogik. Also natürlich sind Lehrer Pädagogen. Sozusagen Bildungspädagogen. Ich kann kein unpädagogischer Lehrer sein. Ich bin vielleicht ein schlechter oder guter Pädagoge, wie immer man das auch festmachen will. Aber ich bin einer als Lehrer. Man könnte die Frage ja erweitern: Sind Hochschullehrer Pädagogen? Ja.
(Es wird gezweifelt.)
Jetzt sehe ich ganz kritische Mienen. Aber natürlich sind wir das.
„Sind Hochschullehrer Pädagogen? Ja.“
Nun, aber der größte Anteil der Dozierenden, gerade auch in der Professorenschaft, sind sich ihrer Stühle doch sehr sicher und nehmen einen pädagogischen Auftrag nicht wirklich wahr. Da werden die Veranstaltungen 08/15 runter gerissen, welche Motivation da auch immer hinter steckt.
Da werde ich mich jetzt nicht zu äußern. Ich würde ganz gerne noch einmal zu den Lehrern zurückkommen. Ich kenne eine ganze Menge Lehrer. Ich weiß, dass in dieser Berufsgruppe ganze viele Leute ganz engagiert arbeiten. Ich lebe mit einer Lehrerin zusammen, und ich sehe und ich weiß, wie sie ihren Job macht. Und ich bin mit Lehrern befreundet, von denen ich weiß, dass sie sich einen Kopf um „ihre“ Kinder machen. Ich erlebe an Schulen eine zunehmende Bereitschaft, sich pädagogischen Fragestellungen zu öffnen, und zwar durch alle Schulformen hinweg, bis zum Gymnasium. Und ich habe in meiner kurzen Zeit, in der ich hier als Lehrender tätig bin, und in der Zeit, in der ich an Schulen tätig bin, um Konflikte zu lösen und Leute fortzubilden, festgestellt, dass die sich sehr stark öffnen. Also ich bin auf jeden Fall bereit, eine Lanze für Lehrer zu brechen. Für mich ist ein Lehrer ganz klar ein Pädagoge und er hat für mich den Anspruch darauf, dass ich ihn a) ernst nehme und dass ich ihm b) gute Motive unterstelle. Und wie in jeder Berufsgruppe mag es vereinzelt Leute geben, wo man sagt, naja, vielleicht hast du die falsche Berufsentscheidung getroffen. Aber das passiert auch bei Dachdeckern. Aber sagen Sie mir, waren Sie schon einmal in der sechsten Klasse, Hauptschule? Dann erzählen Sie mir mal, wie Sie das unpädagogisch lösen, wenn man rein versucht, Bildung zu vermitteln. Aber vielleicht sollte man darüber nachdenken, ob man den Bereich Pädagogik – pädagogische Ziele bieten wir an im Lehramtsstudium – ein wenig mehr betont in diesem Studium. Ich glaube nämlich sehr wohl, dass die pädagogischen Herausforderungen nicht geringer werden.
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Bis hierhin und nicht weiter!
© Christine Becker / PIXELIO
Eben das wäre auch eine Frage: Inwiefern spiegelt sich dieses pädagogische Mehrbedürfnis, welches Sie gerade attestiert haben, im Lehramtsstudium überhaupt wider?
Also die genuine Aufgabe von Lehrern ist Bildungsvermittlung. Aber nichtsdestotrotz ist der pädagogische Auftrag vorhanden. Und ich glaube auch immer noch, dass wir Nachbesserungsbedarf haben. An einer Hochschule, die so aufgestellt ist wie unsere, ist es natürlich möglich, genau an der Stelle sozusagen nachzubessern. Ich halte heute Abend zum Beispiel ein Seminar, wo ich Studierende – allerdings der Sozialen Arbeit – dahingehend befähige, Sozialkompetenztraining an Schulen zu geben. Die werden das in der Praxis durchführen.
Da kann man als Lehramtskandidat direkt neidisch werden. Unser pädagogisches Studium ist praxisfrei. Das, was Sie schildern, wäre wünschenswert. Also auch einmal in die Praxis zu gehen und unter diesem Aspekt Erfahrungen zu sammeln.
Da bin ich natürlich mit dem Curriculum zu wenig vertraut. Aber noch einmal: Auch die Öffnung der Schulen hin zu mehr Sozialpädagogik findet statt. Das von der Bundesregierung initiierte Projekt „Jugendhilfe und Schule“, das sich zunächst der Vermittlung von Neunt- und Zehntklässlern in den Arbeitsmarkt beschäftigte, das fruchtet ja. Also ist Soziale Arbeit in den Schulen angekommen. Sie finden kaum noch eine Hauptschule, die nicht mit Sozialen Arbeitern ausgestattet ist, wenngleich es davon auch noch zu wenige gibt. Meistens ist das dann eine halbe Stelle für eine Schüleranzahl von 300 bis 600. Also die Kollegen, die da arbeiten, könnten noch eine ganze Menge Support gebrauchen. Aber Tatsache ist, da findet etwas statt.
Nun, es ging jetzt auch nicht darum, dass angehende Lehrer die gleiche Ausbildung erfahren wie angehende Soziale Arbeiter, aber darum, dass man Einblicke gewinnt. Dass die Kommunikation, auch für späterhin, besser klappt und die Konkurrenz zwischen Pädagogen und Lehrern herausgenommen wird, gerade im Bereich Schule.
Andreas Hoenig wurde
am 1. Februar 1963
geboren. Er ist
Diplompädagoge und
seit WS 2007/08 als
Lehrkraft für besondere
Aufgaben an der
Hochschule Vechta
beschäftigt. Er ist
Sozialtherapeut in
der Jugendhilfe und
AAT/CTT-Trainer.
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Foto: Andreas Hoenig
Ja, ich glaube allerdings, dass wir schon länger dabei sind, diese Grenzen zu überschreiten. Haben Sie die neueste Ausgabe des Fokus gelesen? Dort wird ein Projekt vorgestellt in Duisburg. „Duisburg schlägt keiner“ heißt das. Das ist ein Freund und Kollege von mir, der dort ein ganzes Kollegium fit macht und schult im Bereich sozialer Kompetenzen und Konflikttrainings an einer Schule für Erziehungshilfen. Dort findet sozusagen eine Pädagogisierung der ganzen Schule statt, aber immer vor dem Hintergrund, dass es hier um Bildungsvermittlung geht.
Die Tendenz geht ja auch dahin, dieses dreigliedrige Schulsystem aufzugeben. Ich halt das für den richtigen Weg, weiter Sozialarbeit in die Schulen zu integrieren, aber auch Lehrer auf der anderen Seite für sozialpädagogische Methoden zu öffnen und auch selber zu befähigen.
„Ich muss Bock haben auf das, was ich
tue und ansonsten sollte ich es sein lassen.
Ganz einfach.“
Was macht einen Superpädagogen aus?
Zunächst mal, dass er sich nicht für super hält. Also dieses Wort „super“ mag ich nicht. Was macht einen guten Pädagogen aus? (denkt nach) Ich könnte jetzt anfangen, hier irgendwie zwanzig Adjektive runterzumurmeln. Ich könnte auch die großen drei von Rogers benennen: Authentizität, Empathie, Wertschätzung.
Ich könnte mich auf Waldner berufen: 80 Prozent Empathie und 20 Prozent Biss. Er muss Lust an seiner Arbeit haben. Der muss Spaß haben an der Arbeit mit Menschen und muss sozusagen auch daran glauben, was er da macht und an die Menschen, mit denen er arbeitet. Der muss auch an die Fähigkeit des Menschen glauben, sich selbst zu helfen. Wesentlich ist: Ich muss das, was ich tue, mit Leidenschaft und gerne tun. Wenn ich das tue, habe ich ein gutes Zeug, um ein guter Pädagoge zu sein. Dann kommen noch ein paar Techniken dazu, man kann an seiner Haltung arbeiten. Aber ich muss Bock haben auf das, was ich tue und ansonsten sollte ich es sein lassen. Ganz einfach.
Wir bedanken uns für das Interview.
Das Interview führten René Kohn und Stefanie Bruns

uniVista im Gespräch mit dem StuPa-Präsidenten

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Kurz vor Weihnachten trafen wir Eugen Reck, Präsident des Studentenparlaments und fragten nach, was das eigentlich ist: das Studentenparlament oder im Uniabkürzungsdeutsch: StuPa. Und was eigentlich macht der Präsident selbst? Wie steht er zu aktuellen Themen, etwa zum Boykott 2007, zu der Master- Problematik? Heraus kam ein offenes Gespräch, das weder kritische Töne noch Selbstkritik missen ließ.
Zunächst einmal das, was man fragen muss, wenn man an der HS Vechta studiert: Warum Vechta?
(lacht) Das frage ich mich schon die ganzen letzten sieben Semester. Nein, ehrlich: Vechta ist einfach eine tolle Stadt. Tolles Umfeld hier, dieses Familiäre, Kleine.
Also schon eine bewusste Entscheidung gewesen, nach Vechta zu kommen? Oder lieben gelernt?
Zur Person:
Eugen Reck, 23 Jahre alt
Umweltwissenschaften (7. Sem.)
StuPa-Präsident seit einem Jahr
Nein, nein, schon bewusst. Das Studium hier hat mir zugesagt, bereits im Vorfeld, als ich das Curriculum gelesen habe. Von daher war Vechta eine gute Lösung.
Bist du noch in anderen Gremien außer im Studentenparlament aktiv?
Ja, ich bin der ZKLS (Zentrale Kommission für Lehre und Studium), mittlerweile, ich glaube, im zweiten Jahr.
Kommen wir zu deiner Beschäftigung im Studentenparlament: Wie kam es dazu, dass du ins StuPa gekommen bist?
Ich wurde von so einer Art Fachrat Umweltwissenschaften angesprochen. Bei uns hat sich das so ergeben, dass wir relativ zeitnah, nachdem unser Studium begonnen hatte, erfahren haben, dass wir eine auslaufende Betreuung erhalten. Da kamen dann höhere Semester auf mich zu und meinten, wir bräuchten frische Leute in den Gremien, damit auch unsere Belange mit vertreten werden und ein ordentliches Studium gewährleistet wird.
Wie plötzlich kam die Präsidentschaft auf dich zu?
Ja, die kam in der Tat plötzlich. Ich war ja nur studentischer Vertreter und wurde dann von den alten Hasen, die noch drinnen waren, angesprochen.
Es wurde also eher an dich herangetragen?
Ich habe nicht danach geschrien: Ich möchte unbedingt! Aber es macht mir Spaß… Ich bin in diese Position hineingewachsen. So ein Amt ist auch nicht gerade einfach. Man muss die ganzen Formalia drauf haben, früher oder später. Ich habe mir aber von vornherein gesagt, wenn du Präsident bist, dann machst du eine eigene Politik, mit der sich die Leute identifizieren können. Auch wenn das manchmal etwas unbürokratischer zugeht.
Wie kann man sich das denn vorstellen: den Alltag eines StuPa-Präsidenten?
Jetzt zur Weihnachtszeit relativ stressig. Am letzten Freitag war dann auch die Examensfeier, der ich auch tatkräftig zur Seite stehen durfte. Als StuPa-Präsident hat man meist auf solchen Veranstaltungen ein studentisches Grußwort zu halten, deswegen sollte das Bedürfnis eine Rede zu halten auch da sein.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den anderen Gremien an der Uni? Beispielsweise mit dem AstA. Wie kann man sich das vorstellen?
In dem letzten Jahr, in dem ich StuPa-Präsident gewesen bin, war die Zusammenarbeit sehr gut. Ich bin in die Strukturen eingeführt worden, die mir vorher so nie bekannt waren.
Zu dem StuPa im studentischen Alltag: Wann wende ich mich als Student eigentlich ans StuPa?
Quasi immer, wenn du denkst, du wirst in deinem Studium falsch behandelt Wir haben zum Beispiel gerade relativ zeitnah ein Problem, und zwar geht es um die Leute, die in den Master of Education gewechselt haben. Das Zeitproblem ist so gravierend ist, dass es mittlerweile Gespräche mit Frau Rieken und Herrn Jungwirth gegeben hat. Und es wurde festgestellt, dass zwei Semester für so ein kompaktes Studium, mit Fachpraktikum dazwischen und Masterarbeit gleich im Anschluss und im Vorfeld zig Referate und Klausuren einfach nicht zu schaffen sind.
Also man hat eine Prüfungsordnung erstellt, ohne darauf zu achten, ob die auch realisierbar ist?
Nein, nein. Die Hochschule selbst hat damit relativ wenig zu tun. Sie kriegt einen Rahmen vom Land, welches sagt: In zwei Semestern müsst ihr das alles durchpauken, was wir uns vorstellen. Frau Rieken sagte mir, sie hätte mit dem Staatssekretär gesprochen, der wiederum meinte: Alles klar, wir können auf drei Semester gehen, aber dann können wir auch gleichzeitig tausend Lehrer weniger einstellen, weil die Absolventen durch einen dreisemestrigen Master in eine höhere Besoldungsstufe kommen. Das ist ein ganz einfaches Rechenspiel. Und da bitten Frau Rieken und Herr Jungwirth auch um eine breite Front in der Studentenschaft… Solchen Problemen versuchen wir dann Herr zu werden, indem wir Komissionen zu solchen Problemstellungen bilden, die dann im Rahmen ihrer Möglichkeiten (Stichworte im Fall des Masterstudiengangs sind etwa Veränderungen am Modulaufbau sowie bei den Leistungsnachweisen) konstruktive Lösungen suchen und die Vorschläge sodann an die ZKLS weiterreichen.
Das StuPa hat also durchaus Einfluss?
Ja, das StuPa ist ein ausführendes Instrument. Von uns geht eine Initialzündung aus bzw. von den Studierenden.
Also, man kann schon sagen: Ihr vom StuPa seid die fleißigen Arbeiter im Hintergrund, die auch durchaus entscheidungsbefugt sind. Davor steht dann etwa der AStA, der in der Regel ja der Ansprechpartner für die Studenten ist. Kann man das so sagen?
Ich würde das gar nicht so abtrennen. Natürlich macht der AStA viel Öffentlichkeitsarbeit. Und viele gehen erst einmal zum AStA, wenn sie Probleme haben, da sie auch feste Sprechzeiten haben.
Die hast du nicht?
Da hat mich noch nie jemand drauf angesprochen. Ich bin quasi immer in der Sprechstunde. Sprecht mich an! Das ist kein Thema. Also das StuPa ist öffentlich!
Vielen ist auch gar nicht bekannt, dass man als Öffentlichkeit an den Sitzungen des StuPas teilnehmen kann?
Ja, das ist richtig. Jedes Mal wird das mit auf die Einladungen drauf geschrieben. Vielleicht spiegelt sich darin der politische Verdruss wider. Viele kommen halt nur, wenn sie aktuell ein Problem haben. Wenn natürlich alles gut läuft, dann machen sich die wenigsten die Mühe, beispielsweise an Sitzungen von uns teilzunehmen. Das ist natürlich falsch, da es immer was zu tun gibt. Ich würde mir schon wünschen, dass mehr Öffentlichkeit vertreten wäre.
Du hast die Politikverdrossenheit angesprochen. Immerhin gab es im letzten Jahr eine regere Wahlbeteiligung, ganze zehn Prozent mehr als zum Vorjahr, also über zwanzig Prozent. Aber das ist ja immer noch erschreckend gering. Wenig Rückhalt aus der Studentenschaft, die ja letztlich auch euch bestätigt in der Arbeit, die ihr macht. Was fehlt hier?
Ich würde sagen, es fehlen uns die Mittel. Es wird andererseits schon seit Jahren immer wieder beschlossen, dass wir eben mit geringen Mitteln werben wollen. Die Uni soll nicht plakatiert werden.
Also keine Atmosphäre der Konkurrenz?
Wir wollen ein StuPa schaffen, das wirklich zusammen arbeitet. Man könnte natürlich einiges machen. Ich habe in der Wahlkommission vorgeschlagen, ein Online-Voting einzuführen, das auch den Etat nicht allzu sehr belastet und darüber hinaus an anderen Unis praktiziert wird. Das Online-Voting erscheint mir eine ganz praktikable Lösung für eine höhere Beteiligung, wird wahrscheinlich aber erst in ein, zwei Jahren kommen. Ich hoffe natürlich, dass auch ohne diese Möglichkeit, die Wahlbeteiligung bei den kommenden Wahlen wieder ein wenig steigen wird.
Noch ein paar Worte von dir zum Boykott 2007, der ja nun unmittelbar bevorsteht.
Ich war auf der Vollversammlung, die ich insgesamt als gelungen empfunden habe. Ich selbst werde am Boykott 2007 teilnehmen.
Dein Tipp, wie viele machen mit?
Ich hoffe, wir schaffen die tausend. (grübelt)
Noch einmal zum Fastschluss dieses Gespräches: Warum sollten sich Studenten engagieren in studentischen Gremien? Was hat er/sie davon?
Erst einmal glaube ich, dass man alles, was man vorgesetzt bekommt, hinterfragen sollte. Wer hier nicht nachfragt, ist selber schuld. Allein deswegen sollte jeder zur Wahl gehen. Man muss sensibilisiert werden für die Probleme auf dem Campus. Letztlich bekommt aber auch jeder aktive Student im Studienbetrieb mit, was falsch läuft, seien es überfüllte Räume, Probleme mit den Dozenten. Diese Stimmen brauchen wir. Studentische Gremien und Organe leben vom Input.
Eugen, wir danken dir für das Gespräch.
Das Interview führten René Kohn und Stefanie Bruns

uniVista im Gespräch mit der Präsidentin der Hochschule Vechta

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Bildnachweis: Lea Weber
“Ich befürworte die Studiengebühren,
wenn sie der Hochschule zu Gute kommen.”
Bild: Lea Weber
Die Präsidentin der Hochschule Vechta macht keinen Hehl daraus, dass sie für Studiengebühren ist.
Ein Grund für uns, nachzufragen.
Sie sind für Studiengebühren?
Das ist richtig. Ich habe da mit meiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten Ich befürworte die Studiengebühren, wenn sie der Hochschule zu Gute kommen und denke auch, dass sie zur zukünftigen Finanzierung und Gestaltung der Hochschulen in Deutschland notwendig sind.
Die Einnahmen der Studiengebühren durch die Hochschulen könnten doch dazu führen, dass sich das Land aus der Finanzierung der Hochschulen zurückzieht oder diese Gelder gar dazu verwendet werden, Haushaltslöcher zu stopfen. Sehen Sie darin eine Gefahr?
Die Studiengebühren werden vollständig zur Verbesserung der Lehre und Forschung in der Hochschule verwendet Lediglich 0,1% der eingenommenen Gelder kommen in den Ausfallfond. Mit diesen Geldern kann die Bank die notwendige Sicherheit garantieren Da sie Kredite vergibt, ohne diese zu verlangen.
Der Zukunftsvertrag, welcher zwischen den Ländern und der LHK (Landeshochschulkonferenz, Anmerkung der Redaktion) geschlossen wurde und bis 2010 gilt, sichert, dass die Länder sich nicht aus der Finanzierung verabschieden oder auf die Mittel zugreifen. Die Gefahr sehe ich jedoch durchaus. Deshalb wurde von der LHK aus eine Arbeitsgruppe gebildet, deren Sprecherin ich bin, welche sich mit dieser Problematik auseinandersetzt und entsprechende Forderungen ausarbeitet.
Sollten die Gelder zweckentfremdet werden, bin ich auch gegen die Studiengebühren und würde protestieren.
Sie halten die Studiengebühren für sozialverträglich?
Da es die Studienkredite gibt, welche an alle, unabhängig von ihren Eltern oder anderen Sicherheiten, vergeben werden, halte ich sie in der Tat für sozialverträglich Ohne diese Kredite wäre das nicht der Fall. Es ist jedoch zu beobachten, dass die jetzt immatrikulierten Erstsemester diesen Kredit nur in geringer Zahl in Anspruch genommen haben Ich möchte jeden dazu ermutigen, hiervon Gebrauch zu machen, wenn Bedarf besteht
Inwiefern halten Sie Ihre Aussage für gerechtfertigt, wenn man die Feststellung von Prof. Dr. Hans-Dieter Rinkens, Präsident des Deutschen Studentenwerks (DSW) dagegenstellt Zitat: „Wir wissen dank unserer Sozialerhebungen, wie es den Studierenden sozial und finanziell geht. Ein Viertel muss mit weniger als 600 Euro im Monat auskommen. Das sind sogar 40 Euro weniger, als die Familiengerichte derzeit als Orientierungswert für den studentischen Bedarf ansetzen.”
83 Euro monatlich für die Studiengebühren zurückzulegen, ist sicher eine Belastung für den Einzelnen. Das möchte ich ja gar nicht kleinreden. Nichtsdestotrotz haben Hochschulabsolventen immer noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als andere und entsprechende Verdienstaussichten Für so eine Ausbildung sollte dann auch bezahlt werden
Ab welchem Betrag halten Sie die Gebühren für nicht mehr sozialverträglich?
(Hintergrund: 500€ seien „akzeptabel und zumutbar”, so Assenmacher an anderer Stelle.)
(überlegt) Das ist schwer zu sagen. Die Sozialverträglichkeit hängt ja von Faktoren wie der Wirtschaftsentwicklung ab und das kann man heute noch nicht kalkulieren. Zukünftig werden die Studiengebühren sich sicher noch erhöhen. Wünschenswert wäre auch eine Staffelung, da ja auch die Verdienstaussichten in den einzelnen Studienrichtungen sehr unterschiedlich sind.
Werden Abiturienten aus so genannten bildungsferneren Schichten nicht an einem Studium gehindert durch die Studiengebühren ?
Der Anteil von Studierenden aus einkommensschwächeren Schichten betrug ohne Studiengebühren lediglich 12%. Die soziale Vermischung wird sich durch die Einführung der Studiengebühren nicht verändern
Bildnachweis: Lea Weber
“Sollten die Gelder zweckentfremdet
werden, bin ich auch gegen die
Studiengebühren und würde protestieren.”
Bild: Lea Weber
Also Status Quo?
Das Problem liegt woanders: Soziale Gerechtigkeit setzt für mich früher an. Es wäre viel wichtiger, Kindergärten beitragsfrei zu machen und mehr in die frühkindliche Bildung und Grundschulen zu investieren. Denn dort liegt die Ursache für die soziale Ungleichheit. Und überhaupt zeigt ein Blick ins Ausland – nehmen Sie zum Beispiel Österreich -, dass die soziale Schere nicht weiter auseinander geht durch Studiengebühren.
Stichwort Stipendien?
Ja, es befindet sich ein Stipendiensystem für die Hochschule im Aufbau. Die Vize- Präsidentin Frau Rieken ist daran umfassend beteiligt. Wir haben dafür auch extra eine neue Stelle geschaffen, welche sich darum kümmert. Auch Frau Kocar, unsere Gleichstellungsbeauftragte, ist an der Erarbeitung eines Fundraisingkonzepts für die Hochschule beteiligt.
Ich denke, dass es hier auch eines gesellschaftlichen Wandels bedarf, damit sich ein Wettbewerb entwickelt und es für Unternehmen und andere Institutionen attraktiv wird, Studenten zu unterstützen und sich finanziell an ihrer Ausbildung zu beteiligen. Das wird sicher nicht von heute auf morgen gehen. Doch wir sind da, denke ich, auf einem guten Weg.
In welcher Form haben die Studenten Einfluss auf die Verwendung der Studiengebühren?
Die Studierenden sind beteiligt an der Diskussion, wie die Studiengebühren eingesetzt werden und letztlich auch an den Entscheidungen. In der AG Studiengebühren sind zwei Studierende vertreten und in den beschließenden Kommissionen gibt es auch studentische Vertreter.
Besteht nicht die Gefahr, dass ein Institut oder eine Fachrichtung besonders gefördert wird, damit die Uni ein Aushängeschild hat?
Das ist nicht der Fall und das wird auch nicht so eintreten. Wir wollen das Studium für alle Studierenden verbessern und Ausgewogenheit ist da ganz wichtig. Des Weiteren halte ich Transparenz für ganz wichtig.
Bildnachweis: Lea Weber
“Wie müssen bauen.”
Bild: Lea Weber
Was assoziieren Sie mit Seminararbeit?
Ich denke, dass die Seminararbeit im BA-Studiengang nicht den gleichen Umfang haben sollte wie zu meiner Zeit. Ich hatte ein ganzes Semester Zeit, mich mit einem Thema zu beschäftigen. Die Seminararbeit im BA-Studiengang kann aufgrund der Dichte der Prüfungsleistungen nicht so umfassend ausfallen. Das ist meine persönliche Meinung.
Wir wollten eigentlich auf etwas anderes hinaus (aber vielen Dank für Ihre Einschätzung), sprich: die Arbeit in einem Seminar.
Ein Seminar sollte eine kleine Gruppe sein, in der intensiv gearbeitet werde kann. Klar ist, dass ein Seminar keine Massenveranstaltung sein sollte.
Wie kann das gewährleistet werden bei so vielen Erstsemestern?
In der Vergangenheit ist uns das leider nicht immer gelungen. Besonders in den Bereichen Pädagogik und pädagogische Psychologie gab es in diesem Zusammenhang große Defizite. Das geht nicht an mir vorbei und wir arbeiten an der Verbesserung dieser Zustände.
Die Studiengebühren waren also hilfreich?
Da waren die Studiengebühren schon eine große Hilfe. Denn damit konnten wir die Vielzahl von Tutoren für die Einführungswoche bezahlen. Außerdem haben wir für den Studiengang Bachelor Soziale Arbeit so 32 SWS zusätzliches Lehrangebot finanzieren können.
Wie sehen Sie die Zukunft der Hochschule Vechta?
Der Standort Vechta hat sich in den vergangenen Jahren stabilisiert und die Existenz der Hochschule ist gesichert. In diesem Zusammenhang sind die steigenden Studierendenzahlen ein starkes politisches Argument. In Göttingen und Braunschweig sinken die Studierendenzahlen. Wohingegen Vechta seinen Zuwachs nahezu verdoppeln konnte.
Bildnachweis: Lea Weber
Bild: Lea Weber
Und dieser Zuwachs ist nun beendet oder wie viele Studenten mehr verträgt die Uni derzeit?
Ich finde die Zahl 3500 schön, das habe ich immer gesagt. Aber eins steht fest: Wir müssen bauen! Die Qualität von Lehre und Forschung soll noch steigen. Als ich vor zwei Jahren mein Amt übernommen habe, war der Zustand der Lehre ja nicht der beste. Es gab viele vakante Professuren und Verwaltungen von Professuren, da die Existenz der HS Vechta damals ja noch in regelmäßigen Abständen in Frage stand.
Im WS 07/08 wird der Studiengang Bachelor soziale Arbeit einen NC haben?
Ja, das auf jeden Fall
Frau Assenmacher, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führten Stefanie Bruns, Sebastian Dargel und René Kohn.

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