X-treme

Inhaltsverzeichnis:

Supersized
uniVista fährt zu McDonald‘s. Zu oft. Viel zu oft.

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Ja zu körperlicher Performance auf Tine-Wittler-Niveau. uniVista ist auf den Spuren von Supersize-Me-Darsteller Morgan Spurlock gewandelt, und war bei McDonald‘s. Mehr als nur einmal.
Noch schmeckt’s
Foto: Jenniffer Malenz und Thomas Hülsmann
Wer oft mit dem Auto unterwegs ist, kennt das vielleicht: Man hat noch hunderte Kilometer vor sich und das Loch im Bauch wird immer größer. Doch alles, was den Hunger stillen möchte, sind unappetitliche Imbissbuden mit Namen wie Bratwurst-Bernd oder Mandy‘s Truck-Stop.
Wenn dann unerwartet das gelbe M auftaucht, und einem aus der Drive-In-Sprechanlage dieses geschäftsmäßig-freundliche “Guten Tag, Ihre Bestellung bitte!” entgegenknarzt, fühlt man sich fast ein bisschen wie zu Hause. Klar, denn egal wo die Filiale steht, im Ristorante zur goldenen Möwe sieht‘s überall gleich aus, schmeckt‘s überall gleich.
Doch wie fühlt es sich an, wenn man diesen warmen Regen von Heimat in der Ferne unzählige Male hintereinander auf sich nieder prasseln lässt?
Eure Redaktion ist dieser Frage nachgegangen. Zu viert sind wir im uniVista-Mobil zum McDonald‘s-Drive-In gefahren, haben einen Cheeseburger bestellt, ihn aufgegessen, sind wieder vorgefahren und haben einen neuen geordert. Immer und immer wieder. Mehr als 20 Mal.
Jeder von uns ist so zu fünf bis sechs Cheeseburgern gekommen, zum Nachtisch gab‘s für alle einen McFlurry. Und um das McDonald‘s-Parkplatz-bei-der-Disko-Feeling perfekt zu machen, haben wir währenddessen Groove Coverage gehört. Ihr wisst schon, diese Trance-Gruppe, deren Lieder alle gleich klingen. Und so haben wir uns dabei gefühlt:
Die Bedienung hat gewechselt. Die erste war nett und lustig, die neue ist mehr so der Typ Domina. “Das macht einen Euro. WIE VORHIN AUCH SCHON! Fahren Sie an den zweiten Schalter. WIE VORHIN AUCH SCHON! BIS GLEICH!”
Ich bin dran mit essen. Und ich will nicht. Der vorletzte Bürger hat schon scheiße geschmeckt, der letzte erst recht. Und der jetzige? Auf der Liste von Dingen, die noch ich ungerner tun würde, als diesen Cheeseburger zu in meinen Magen zu zwängen, folgen nur noch “eine Eigenurin-Therapie machen” und „in einem Soldaten-sind-Mörder-T-Shirt zu einem Bundeswehr-Gelöbnis gehen“. Einfach auf etwas anderes konzentrieren, nicht daran denken, dass man isst. Matthias hat erzählt, dass er aus Guatemala kommt. Jennifer ist Harry-Potter-Fan. Wenn man Staatsfeind Nr. 1 wäre, aber auch zaubern könnte, würde man sich fühlen wie Sylar in Heroes.
Außerdem mag ich Cheeseburger. Eigentlich. Und in Brandenburg hungern die Kinder, die würden sich freuen. Die anderen schlagen – nicht ganz ernst gemeint – eine Essensschlacht vor, genau in dem Moment, in dem ich mich frage, ob ich diesen Gestank nach geschmacksverstärktem Cholesterin je wieder aus meinem Auto bekommen werde?
Wenn ich schon etwas essen muss, dann hätte ich gerne einen Apfel. Oder eine kleine Schale Erdbeeren. Ich will mit meiner Freundin an einem stürmischen Nordseestrand spazieren gehen. Ich will zu meiner Mutter. Aber das geht natürlich nicht. Der Cheeseburger ist jetzt meine Mutter.
Stefan Hirsch
Cheeseburger Nr. 1
Dies ist mein erster Cheeseburger.
Langsam – fast ehrfürchtig – führe ich deine perfekte, formschöne Gestalt an meinen Mund und lasse deine köstliche Soße meine Lippen benetzten. Liebevoll zerteilen meine Zahnreihen die glänzend-zarte Außenhaut des Brötchens, das dich in sanfter Umarmung einhüllt, um voll bebender Vorfreude in dein fleischiges
Herz zu gleiten. Wunderbare Aromakaskaden ergießen sich über meinen Gaumen, welcher sich unter Geschmacksorgasmen pulsierend aus mir zu winden versucht. Betäubt durch die Glückshormonexplosionen, die sich plötzlich in meinem Gehirn ergießen, breche ich unter Freudentränen zusammen und merke nicht einmal, wie sich meine Zunge zu der ménage à trois von halb zerschmolzenem Käse, wunderbar viskosem Hackfleisch und bonfortionöser Soße gesellt, um dieser Dreifaltigkeit der Haute Cuisine die gebührende Huldigung zu erweisen. DU bist es, allmächtiger Cheeseburger! DU bist das Eldorado der Würzigkeit! Das Burger-gewordene Walhalla des Genusses! DU bist die kulinarische Inkarnation Gottes.
Der letzte Burger
Dies ist mein letzter Burger. Mein Magen will, dass ich sterbe – ich kann ihn verstehen. Ich habe ihm viel zugemutet.
Der infernalische Gestank frisst sich in meine Nasenschleimhäute und mit einer Mischung aus Hass und Abscheu dringt die quälende Gewissheit in meine
Synapsen: Ich muss Es essen. Mitleidig betrachte ich das armselige Stück Matsche, welches aus dem vom Fett durchsichtigen Papier lugt. Was mir entgegen guckt, sieht wahrhaftig nicht aus wie Nahrung. Zwei asymmetrische „Brötchenhälften“ (Die Bezeichnung an sich ist schon eine Beleidigung gegen die gesamte Bäckerszunft!), die aussehen als hätte man den hässlichen Teil einer Bulldogge abgeschnitten und von einem retardierten Vierjährigen aus Knete, Mehl und Bioabfällen nachbauen lassen, existieren nur, um die Augen des Betrachters vor dem noch schlimmeren Übel, welches sich unter ihren fettschmierigen Leibern verbirgt, zu schonen. Denn unter der gebäckgewordenen Beleidigung lauert auf mich schon das Ende der Esskultur, der Endgegner der bewussten Ernährung, die Streckbank für meine Geschmacksrezeptoren – das „Patty“. Diese schlammig-konsistenzbefreite Platte aus gepressten Fleischindustrieabfällen und die obligatorische Alibi-Scheibe Pappkäse runden das gefranchiste Folterkonzept vorzüglich ab. Nicht einmal im neunten Kreis der Hölle könnte man so was mit Selbstbewusstsein als „essbar“ deklarieren.
Nur noch ein Bissen, dann bin ich frei. Ich brauche meine gesamte Willenskraft um mich durch die breiartige Pampe zwischen meinen Wangen zu quälen. Nur noch ein letztes Mal muss ich den Würgereflex überwinden. Geschafft. Angewidert spüre ich wie das gallertartige Mus ein letztes Mal durch meine Speiseröhre gequetscht wird … endlich Freiheit. Jetzt kann man nur noch beten, dass der Mist nicht drinbleibt.
Thomas Hülsmann
Der allerletzte Burger
Foto: Jenniffer Malenz und Thomas Hülsmann
Ein Nacht, die niemals endet
Erschreckend, zu was wir fähig sind. Wir sind Studenten und man sollte uns doch Besseres gelehrt haben, als drei Stunden lang in kurzen Zeitabständen immer nur einen Burger zu bestellen. Immer nur einen, mit geringfügigen Abweichungen.
Die Tatsache war so verrückt, dass wir tatsächlich irgendwann anfingen durchzudrehen: Gedichte wurden vorgetragen, zu Techno getanzt und private Details aus unseren Leben preisgegeben. Und ich frage mich ernsthaft, woran das gelegen hat. Daran, dass wir erst gegen halb vier unsere X-treme-Tour für beendet erklärten? Daran, dass es ein Donnerstag war? Oder daran, dass wir eben wir sind? Ich kann es nicht sagen. Es war verrückt, krank und sehr sehr lustig, wenn man die Tatsache weglässt, dass ich beim letzten Burger wirklich mit mir ringen musste, ihn nicht wieder nach draußen zu befördern.
Wenn ich auf die Zeit zurückblicke, erinnere ich mich noch ganz genau daran, wie ich am nächsten Tag, nach sage und schreibe zwei Stunden Schlaf, aufwachte.
Ich habe mich gefühlt, als hätte ich drei Tage durchgesoffen. Ich war ein Wrack und nur noch durstig. Heute bin ich mir sicher, dass die Bedienung den Burger immer etwas größer gemacht und immer ein wenig mehr Pfeffer draufgetan hat. Anders ist es nicht zu erklären, wie man nach nur ca. fünf Burgern (und einem großem Eis) derart neben der Spur sein kann. Doch offenbar war das zu viel. Und deshalb machte ich mich daran, beinahe einen Liter Wasser zu trinken, bevor ich mich überhaupt in Richtung Uni bewegen konnte.
Die einzige Nahrung, die ich gegen Mittag zu mir nehmen konnte, war ein fetter Obstsalat.
Welch ein Genuss das doch war. Vitamine. Das war genau das Richtige in diesem Moment und bot mir die Chance, wie gewohnt weiter zu essen, wo ich doch eigentlich befürchtet hatte, dies wäre nie wieder möglich.
Es war, als wäre ich gestorben und nur dieser Obstsalat und Wasser konnten mich retten. Ich bin ihnen sehr sehr dankbar, dass sie für mich da waren in diesen schweren Zeiten und weiß nicht, wie es ohne sie weitergegangen wäre. Deshalb kann ich Euch nur raten, diese Aktion nie, wie wir, in die Tat umzusetzen oder wenigstens gut darauf vorbereitet zu sein: mit viel Obst, Wasser und Schlaf sowie netten Leuten!
Jenniffer Malenz
Dem Ende nahe
Foto: Thomas Hülsmann

Thank you for travelling
Einmal im Kreis mit der NordWestBahn

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Foto: Jenniffer Malenz
Es fährt ein Zug nach Nirgendwo
Irgendwann macht es dich einfach kirre, wenn du weißt, dass du eine 12-stündige(!) Zugfahrt vor dir hast und niemals eine der bereisten Städte von innen sehen wirst oder wenigstens ein Endziel vor Augen hast, statt am Ende nur wieder in Vechta (für mache schon tragisch genug) zu enden. Doch das alles war uns egal. Wir wollten das komplette Semesterticket an einem Tag ausnutzen, koste es, was es wolle. Da sind Einschnitte nötig!
Irgendwann hört man dann sogar auf, miteinander zu reden oder die Pferde zu zählen (es waren 26), sondern beendet auch das Hoffen darauf, dass etwas Spannendes passiert. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal eine längere Zugfahrt mitgemacht. Normalerweise passiert dort etwas. Irgendwas. Vielleicht sitzt man neben einem verrückten, komplett besoffenen Fußballfan, der versucht unter die Sitze zu erbrechen oder eine alte Omi führt Selbstgespräche über diese merkwürdigen Porzellanpuppen-Teleshops. Irgendwas halt. Bei uns war das nicht so. Es passierte nichts. Wir waren einfach gelangweilte Reisende neben gelangweilten Reisenden – mit dem Unterschied, dass sie in einem Zug saßen und wir in dem größten Karussell Niedersachsens, der NordWestBahn Vechta bis Vechta.
Monoton rattert der Waggon los. Emotionslose Berufspendler gucken emotionslos in die emotionslose niedersächsische Tiefebene. Die Tonbandstimme irgendeiner Bahnangestellten erklärt mir, dass wir auf dem Weg nach Esens sind. Esens – ein Name, den man (wenn überhaupt) nur von der Rückseite seines Studentenausweises kennt. Das hat auch seinen Grund: Esens ist nicht nur ein verschlafenes ostfriesisches Dorf, sondern auch das nördliche Ende der NordWestBahn. Doch für mich bekam es noch eine dritte Bedeutung. Esens war ein Symbol für die gesamte Reise, denn tatsächlich endet die Schiene hier vor einem großen grauen Poller. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Wir saßen uns bereits fünf oder sechs Stunden gegenüber, machten nur „Pause“, wo der Plan es vorsah, und stiegen niemals aus, sondern nur um. Wenn wir nicht unsere „heilige Mission“ zu erfüllen hätten, wäre man hier wohl ausgestiegen und hätte an der Nordsee ein paar Flaschen (oder Kisten) Bier getrunken. Statt dessen gucke ich kurz raus, höre eine Möwe schreien und nehme ernüchternd wahr, wie sich derselbe Zug, mit dem wir gekommen waren, in die umgekehrte Richtung aufmacht, um uns nach Bielefeld zu bringen. Der Betreiber eines schmierigen Autoskooters hätte jetzt gesagt: “Und weiter geht die wilde Fahrt.”
Ich schließe mit einem Appell:
Liebe Studenten, das Semesterticket ist toll, aber macht so was nicht nach! Mit der NordWestBahn im Kreis fahren, ist wie Sterben. Wirklich! Nehmt lieber Drogen, fangt das Rauchen an oder lasst das Anschnallen sein, aber macht nicht nach, was die wahnsinnigen uniVista-Kaputten da wieder ausprobiert haben. Lasst es einfach. Wirklich. Eure Psychohygiene wird Euch dankbar sein. (Ausserdem sind wir dafür um fünf Uhr aufgestanden! Um fünf! Wie bekloppt kann man eigentlich sein?)
von Thomas Hülsmann
Foto: Thomas Hülsmann
Zwischen Hüten und Zügen
“Was mach ich hier nur?”, war die erste Frage, die sich mir stellte, als sich an meinem freien Tag, morgens um fünf Uhr, der Wecker mit seinem schaurigem Piepton meldete, um damit den wohl merkwürdigsten Tag meiner Semesterferien einzuleiten. Wer bitte kam auf diese geistreiche Idee? Und was würde ich 12 Stunden lang mit den anderen anfangen? Fragen über Fragen, aber ich war bereit. Also traf ich alle Vorbereitungen, die für einen solch ereignisreichen Tag eben zu treffen sind, und begab mich auf den Weg zum Vechtaer Bahnhof, nachdem ich mit großer Genugtuung meinen Zauberbesen an meinem Fahrrad festgeklemmt hatte. Lange musste ich nicht warten an diesem Morgen, da bewegten sich auch schon zwei dunkle Gestalten auf mich zu. Die eine von ihnen rief laut: “Der Besen!” und lachte. Es war Thomas, der mit Tobias die Straße überquerte. Ich hatte wirklich befürchtet, dass sich keiner außer mir aus den Federn bewegen würde. Aber weit gefehlt.
So warteten wir gemeinsam noch kurze Zeit auf den Zug und stellten erstaunt fest, wie viele Leute so früh schon von A nach B unterwegs waren. Die NWB war gut befüllt, doch fanden wir einen Vierer-Platz, an dem wir uns gegenseitig unsere Habseligkeiten für den Tag zeigten und uns fragten, warum so viele
Harry-Potter-Dinge dabei waren. Nun ja, das nehme ich dann mal auf meine Kappe. Und es sollte ja auch noch seinen Zweck erfüllen. Tobias zeigte uns, wie stylish er mit Hut und uniVista-Shirt sein kann und Thomas präsentierte sich mit meinem tollen
Hogwarts-Outfit vor der Kamera.
Schon bald lugte die Sonne hervor und wir trafen in Bremen ein. Dort frühstückten wir bei einem Bäcker, posierten abermals vor der Kamera und begaben uns dann auf den Weg nach Wilhelmshaven. Welch ein schöner, weiter, flacher aber auch etwas trister Landesabschnitt. Und weil es sich anbot, haben wir die Gelegenheit genutzt, unsere intimsten Geheimnisse preiszugeben und über Gott und die Welt zu sprechen. Doch damit nicht genug. Es muss so zwischen Wilhelmshaven und Sande gewesen sein, als wir das Glück hatten, den kompletten Zug für uns alleine zu haben, als mein Hogwarts-Outfit und Tobias’ Quidditch-Ball zum Einsatz kamen. Ich habe tatsächlich den Schnatz gefangen und sogar einen Quaffel in den Torring bekommen. Welch ein Erfolg! Ravies rocken!
Nachdem wir uns also in Ostfriesland völlig verausgabt hatten, fuhren wir fröhlich weiter nach Osnabrück. Um die Reise noch extremer zu gestalten, diesmal stehend, so Tobias‘ Vorhaben, woran uns dann leider eine Schaffnerin hinderte und uns Plätze zuwies. Daher war diese Fahrt relativ unspektakulär. Bis auf den jungen Herrn neben mir, der das Bedürfnis hatte, während seines Schlafes mit dem Kopf auf meiner Schulter zu liegen. Daher nahm ich automatisch eine wenig rückenschonende Haltung ein, um ihm dies nicht zu ermöglichen. Tobias und Thomas fanden das sicher sehr amüsant.
Da dies aber nicht der Höhepunkt des Tages sein sollte, beschlossen wir dann eine Gemeinschaftsgeschichte zu schreiben und gingen diesem Vorhaben auch direkt auf dem Weg in Richtung Bielefeld nach. Nie war ich so kreativ, nie so reich an wohlgeformten Wörtern. Und weil nach diesem literarischen Meisterwerk unsere Köpfe leer und unsere Körper schlapp waren, nutzen wir die restliche Fahrt nach Vechta nur noch dafür, um in der Gegend herumzustarren oder auch um zu schlafen.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich nun zum einen weiß, wie viele Orte ich kostenlos mit der NWB erreichen kann, wie es in Niedersachsen aussieht und wo ich ungestört Zugfahren kann. Zum anderen habe ich meine beiden Mitredakteure besser kennengelernt sowie umgekehrt, was doch immer eine tolle Sache ist und zum Zugfahren einfach dazugehört! Thank you for travelling! .
von Jenniffer Malenz
Foto: Jenniffer Malenz
Meine persönlichen Lowlights
Mal so was richtig Extremes machen. Das war das Motto. An die Grenzen gehen. Das Licht am Ende des Tunnels sehen und dann schnell abbiegen. Dass die NordWestBahn ein Zug des schleichenden Wahnsinns sein kann, wusste ich aus Erfahrung. Dass das karge Flachland im Norden reichlich Halluzinationen zutage bringt, auch. Ich war eingestellt auf Verspätungen, quälende Nahverkehrsschaffner und tobende Schulklassen, die einem die fröhliche Gesinnung nehmen. Doch dann das: Es passierte absolut gar nichts! Nicht ein Hauch von Abenteuer oder näher kommendem Nervenzusammenbruch. 12 Stunden geregeltes Beieinandersitzen in Harmonie und Geselligkeit. Mal reichlich abschweifend, dann wieder intensiver. Ist das extrem? Ja! Wieso? Schon allein das ganze Vorhaben ist von extremer Stumpfheit, dass die Schilderung der Erlebnisse einen Platz in dieser Rubrik finden darf. Hier meine persönlichen Lowlights.
Beginnen wir mit dem ersten extremen Akt.
05:30 Wenn man zu einer Zeit aufsteht, an der die letzten Gäste im Blue ein Bier bestellen, kann das keineswegs gesund sein. Motivation ist reichlich wenig vorhanden, dem kommenden Tag mit positiver Energie entgegenzutreten, da er doch dafür reserviert ist, die Zeit in Zügen der NWB abzusitzen, welche sogar Ortschaften anfährt, an dem kein Wunsch präsenter ist, als zu fliehen oder zu sterben.
06:01 Bahnhof Vechta. Ich mag diesen Ort eigentlich. Er ist stets der Beginn einer Reise zu aufregenderen Orten als eben dieses Vechta. Heute soll er mich in exakt einer Tageshälfte wieder begrüßen. Gut, dass Hermine uns begleitet. Vielleicht kann sie uns allesamt hinweg zaubern.
Als Student hat man irgendwann vergessen, dass Arbeitszeit auch schon vor 8:30 Uhr beginnen kann. Die NWB war nämlich voll von müden Lohnjägern, was ich in meiner einmaligen Situation, in ihrer Gegenwart zu verweilen, extrem lustig fand.
11:00 Wenn ich Möwen kacken sehe, bin ich recht zufrieden, da ich mir darüber im Klaren bin, dass das Meer nicht weit sein kann. Die NWB hält am obersten Zipfel ihres Liniennetzes leider nicht direkt am Strand. So konnte ich mir etwas salzigen Geruch einbilden, bevor wir wieder in Richtung extremer Landwirtschaft und Tierzüchterei fuhren.
13:00 Um alles einen Grad extremer zu gestalten, gebot ich meinen Mitstreitern (Hermine kann übrigens nicht zaubern) zwei Stunden im Stehen zu verweilen. Ich hätte mich dafür allerdings gegen eine eifrige Schaffnerin auflehnen müssen, welche die Fahrgäste so verteilte, dass auch Quasimodo bequem gesessen hätte. Aus Erfahrungswerten weiß ich allerdings, dass es keine Mittel gibt, Kontrolleure in ihrem natürlichen Jagdgebiet von dem Glauben an eine gute Sache zu überzeugen. Zumindest nicht in unserem Fall. Das extreme Vorhaben scheiterte.
15:55 Bielefeld ist extrem hässlich. Ich möchte mir kein Urteil über die gesamte Stadt erlauben, aber alles, was sich um den Bahnhof befindet, ist eine Beleidigung für neugierige Augen. Außerdem rannten ständig Arminia-Fans über den Zuggang. Die sind auch nicht schön anzusehen. Aber sie verhielten sich sehr vorbildlich. Kein Grölen, kaum am Saufen. Fast schon extrem langweilig.
18:30 Vechta. Wir sind zurück. Nicht einmal die Knochen schmerzen. Ich fühle mich extrem ausgeruht. Der Tag kann endlich beginnen. Dennoch muss ich noch so einige extreme Sachen festhalten. Zum einen waren meine Mitstreiter extrem sympathisch. Zum anderen sollte man bedenken, dass Zug fahren und Bier trinken eine notwendige Mischung zur Aufrechterhaltung des ausgeruhten Reisestiles ist. Ich verzichtete! Und das war richtig extrem!
von Tobias Kunz

Wheelchair-Showdown

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Lässig lasse ich mich in den tiefen Ledersitz fallen. Man kann förmlich die gewaltige Power spüren, die zwischen den vier Rädern danach lechzt, den 0,5-PS-Boliden übers Linoleum zu jagen. Die vehikelgewordene Bestie setzt sich mit quietschenden Reifen in Bewegung. Ich hatte die Bremse des Rollstuhls nicht gelöst.
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Noch öffnen sich nicht alle Türen
automatisch auf Tastendruck.
Foto: Tobias Kunz
Wir befinden uns in der uniVista-Redaktion (A-Gebäude, ganz oben), wo unser kleiner Selbsttest zur ach so rühmlichen „Barrierefreiheit“ der Uni beginnen soll. Ziel der ganzen Aktion ist es, herauszufinden, ob man als körperlich beeinträchtigter Kommilitone, Mitarbeiter oder Besucher tatsächlich die wichtigsten Bereiche der Uni ohne fremde Hilfe und mit vertretbarem Aufwand im Rollstuhl erreichen kann. Die Hauptrollen spielen hierbei nun ein altgedienter Rolli aus der Studentenbühne und ein bemitleidenswerter Redakteur, der zwar notorisches Pech beim Stöckchen ziehen hatte, sich dafür aber herzlich darauf freut, einen radikalen Verriss über die womöglich katastrophalen Verhältnisse zu schreiben.
Auf geht’s. Nach dem ersten Beschnuppern freunden sich mein Popo und der Krankenfahrstuhl schnell an. Ich löse die Bremse und gleite lautlos wie ein junger Gott über die Flure. Natürlich quatsch: Der mistige Sitz ist sau eng, die Reifen nicht ganz aufgepumpt und jeder Meter geht richtig in die Arme.
Die erste Frage, die sich sofort stellt, ist natürlich, wie man denn jetzt aus dem 2.Stock nach unten kommt, wenn man sonst immer die Treppen benutzt. Ich freue mich schon erstes Material gefunden zu haben, um meinen Hetzartikel zu schreiben, als ich mit meinen Fußrasten gegen die Tür eines Aufzugs stoße, den ich heute zum ersten Mal bemerke – Na toll! Im Erdgeschoss des A-Gebäudes bin ich das erste Mal unter Menschen. Die meisten ignorieren das sexy Gespann aus 19kg Stahl, Leder und mir. Andere glotzen unverhohlen. Als erstes teste ich nun den Haupteingang auf Rollikompatibilität. Und auch hier finde ich wieder keine Möglichkeit das Argumente-Arsenal für meinen ersehnten Hetzartikel auszubauen, denn hier gibt es sogar einen Schalter, welcher die Eingangstür automatisch für mich öffnet (auch dieser fällt mir jetzt zum ersten Mal auf). Draußen gibt es als Alternative zur Treppe eine durchaus nutzbare schlangenförmige Rampe. Ich fühle mich ein bisschen an die berühmten norditalienischen Serpentinen erinnert (naja eigentlich überhaupt nicht, wir sind schließlich in VECHTA).
Nun quäle ich mich an der Driverstraße entlang, um zur Bibliothek zu fahren. Um von der Straßenseite aus mit Rollstuhl dort hoch zu gelangen muss man sich nun eine recht steile Rampe hochwuchten. Als ich oben bin, habe ich die ersten Blasen an den Händen und Schweiß auf der Stirn. Ab zur Biblothek! Langsam steigt in mir die Verzweiflung auf, denn auch hier ist alles 1A mit Rollstuhl erreichbar. Ich sehe den Artikel in Gefahr. Die Aufzugversorgung ist leider top. Nur wer ins Erdgeschoss zurück will, muss freundlich fragen. Dieses ist nämlich nicht ohne Weiteres mit Lift erreichbar. (Ansonsten könnten nämlich hinterlistige Studenten – sagen wir mal – das ein oder andere Buch „unentgeltlich dauerausleihen“.)
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Die Brücke ist nicht der einzige
Weg vom Bistro in die Mensa.
Auch durch die Bibliothek führt ein Weg.
Foto: Tobias Kunz
Da der Zugang zum Außensteg, welcher einen bequemen Zugang zur Mensa gewährleistet hätte, verschlossen ist, muss ich mich nun den gesamten Weg über‘s E-Gebäude zurückkämpfen. Natürlich hätte man auch einfach fragen können, ob man hier bitte kurz aufschließen kann, aber da ich ja eigentlich laufen kann, wollten wir nicht zu aufdringlich sein. Doch auch hier, an der Seite des E-Gebäudes, zu dem ich mich nun geschleppt habe, wird mein Einsatz nicht belohnt. Zwar kann ich den ersten Eingang wegen einer kleinen Stufe nicht nutzen, aber schon eine Tür weiter gewähren mir die heiligen Hallen unserer allseits geliebten Alma Mater den Einlass. Als wäre das nicht schon genug, schreit mir auch hier – direkt hinter der Tür – die Barrierefreiheit in Form eines riesigen Rollstuhl-Aufzugs ins Gesicht.
Peu à peu beginne ich mich verfolgt zu fühlen. An jeder noch so kleinen Treppe bettelt mich irgendein Gerät an, welches danach lechzt mich und meinem fahrbaren Untersatz zu befördern. Um der Sache noch die Sahne aufzusetzen, kommt sogar ein freundlicher Hausmeister und erklärt mir, was ich genau drücken muss. Alles scheint sich gegen mich verschworen zu haben. Ich muss an die frische Luft. Draußen fahre ich über die Brücke der Universitätsstraße. Doch auch hier hole ich mir zwar Blasen, meine Hände krampfen und ich schwitze, als wäre ich 5km mit Gepäck gerannt, aber es war definitiv machbar. Ich beschließe zur Redaktion zurückzufahren. Es scheint mir, als müsse ich nun folgendes akzeptieren: Das wird nichts mit dem Hetzartikel!
Fazit: Die Barrierefreiheit ist (nach unser Erfahrung, die selbstverständlich lückenhaft ist) an der Hochschule Vechta gar nicht mal so schlecht…
Ich spreche jedem Rollstuhlfahrer meinen tiefsten Respekt aus, da ich diese für mich neue Situation als äußerst anstrengend und (trotz „Barrierefreiheit“) als Beeinträchtigung wahrgenommen habe. Wir hoffen, dass sich niemand durch diesen Artikel beleidigt fühlt. Im Gegenteil hoffen wir damit mehr auf die Bedürfnisse der Behinderten aufmerksam zumachen.
von Thomas Hülsmann

The Dome 49

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thedome49a
„Endlich“ eine Karte.
Foto: Lea Weber
Es ist 16 Uhr, drei Gestalten treffen sich auf einem öffentlichen Parkplatz und besteigen nach einer kurzen Besprechung einen kleinen, unauffälligen Kleinwagen, ihr Weg führt sie auf die Autobahn.
Kurz nach 18 Uhr: Das Auto fährt mit zügigem Tempo direkt vor den Hannoverschen Flughafen, hält abrupt auf dem Behindertenparkplatz, zwei Frauen stürzen heraus und rennen ins Gebäude.
Hektisch drehen sie sich nach links und rechts, um sich zu orientieren und wenden ihre eiligen Schritte schließlich nach links. Sie laufen endlose Gänge entlang, tauschen kurzatmige Silben der Ratlosigkeit aus. Die Blicke schweifen während des Runs durch den Flughafen nervös über die bunten Wegweiser. Hastig rennen sie ins zweite Stockwerk und betreten atemlos ein kleines Bistro…
Stoff für einen Hollywoodfilm? Retten die beiden Frauen den Hannoverschen Flughafen etwa vor einem Attentat?
Sie wenden sich an den Mann hinter der Theke: „Entschuldigen Sie… Wir brauchen unbedingt noch zwei Tickets für… The Dome.“ Peinlicher und x-tremer ging’s selten! Fast hätten wir unsere Tickets auf dem Schwarzmarkt erwerben müssen, aber sei’s drum… Lest nun auf den folgenden Seiten, wie x-treme es wirklich war.
von Melanie Ehlert
“Ihr seid super-affen-mega-spitze!“ Spätestens als uns der Warm-Upper das begeistert entgegen brüllt, wird mir bewusst, auf was ich mich da eingelassen habe… Gerechnet hatte ich ja mit einer Masse von 13- bis 16-Jährigen, die, völlig ausgehungert und durchgefroren, weil schon eine Woche vor der TUI Arena zeltend, Bands Liebeserklärungen und Kinderwünsche entgegen brüllen, von denen ich noch nie was gehört habe. Aber das ist tatsächlich noch schlimmer… Das (freiwillige) Publikum schätze ich so zwischen 8 und 13. Alles was älter ist, sind genervte Eltern oder große Geschwister, die mit einer Miene, wie ein Macho beim Schuhe kaufen, neben uns auf den oberen Rängen sitzen.
Eröffnet wird der Karneval der akustischen Grausamkeiten mit Lady Gaga. Ich hatte ja immer gedacht, wenn man berühmt wird, macht man das große Geld. Bei Lady Gaga reicht das aber offensichtlich nicht mal für eine vernünftige Hose – sie trällert uns im schwarzen Schlübber entgegen. Musik vom Band, Stimme live… Hätte sie sich allerdings vielleicht doch überlegen sollen… Erstens sind die Töne nicht so ganz treffsicher und die Technik hat das auch noch nicht so ganz raus… Erst hört man kaum Stimme, dann plärrt es
ohrenbetäubend.
Was für ein Auftakt! Später wird sie kurz über ihre Meinung zu deutschen Fans interviewt – was für ein Präventionsprogramm: Liebe Kinder, nehmt keine Drogen, sonst könnt ihr euch genauso wenig artikulieren wie Lady Gaga.
Durch den „bunten Abend“ führen Joko und Miriam, zwei Moderatoren… na ja, von der Stange halt, aber zu verkraften. Weiter geht’s mit dem Programm für diejenigen, die, wenn sie dem jugendlichen „eigentlich-alles-Musikgeschmack“ entkommen sind, sich Richtung Rock entwickeln möchten: Eisblume (mit Subway-to-Sally-Cover) und LaFee überraschen mich mit tatsächlich ganz gut hörbarer Gitarrenmusik – Eisblume zusätzlich mit einer netten Stimme, während LaFee mich mit den „Du-bist-voll-das-Arschloch-aber-ich-werde-mich-schon-rächen-denn-ich-bin-ja-schon-15-und-weiß-wie-das-Leben-läuft“-Texten dann doch wieder auf den Boden der Zielgruppen-Tatsachen zurückbringt.
Als nächstes werden Reamonn angekündigt. Schon in freudiger Erwartung wird diese aber gleich wieder enttäuscht. Die sind nämlich noch gar nicht da, aber da das ja eine Aufzeichnung ist, mussten sie die Anmoderation schon mal machen… aha… Besonders erquickend ist, dass sie die Abmoderation gleich mitdrehen. Ohne, dass etwas passiert ist, fragt uns Joko überschwänglich: „Uuuuuund? Wie fandet ihr Reamonn???“ Tja, da weiß glücklicherweise selbst das junge und ansonsten so begeisterte Publikum nicht mehr, was es dazu sagen soll.
Nachdem Queensberry im 80er-Jahre-Ballett-Barbie-Outfit den Kreischpegel der Teenies noch mal zum Exzess geführt haben (und den Papa neben mir dazu gebracht haben, noch mal Oropax nachzulegen), will sich Jeanette zum „Beat undressen“. Wir sind uns einig, dass das gerne ihre vier männlichen Tänzer vertretend übernehmen dürften… Immerhin eine Freude für die Augen!
thedome49b
Gute Sicht aus den oberen Rängen
Foto: Lea Weber
Bei Titiano Ferro täuscht meine redaktionelle Leidensgenossin neben mir dann endgültig akute Blasenschwäche und einen spontanen Herzinfarkt vor, aber da muss sie jetzt durch – auch wenn sie sich kopfschüttelnd die Ohren zuhält. Ich persönlich fange bei Tim Toupet und Super-Richie (hey, der war sogar schon bei The Dome, als ich das „damals“ noch freiwillig geguckt habe), jetzt als Luca Toni verkleidet, an, mich ernsthaft zu fragen, ob ich nicht noch ganz dringend irgendwelche Hausarbeiten zu schreiben hätte… Der Abfluss in der Dusche müsste auch dringend mal wieder gemacht werden… Und der Dachboden sieht aus…
Glücklicherweise kommen dann (tatsächlich) Reamonn und Razorlight. Zur Abwechslung ist bei denen tatsächlich alles live – man sieht sogar die Kabel von den Gitarren zu den Boxen laufen… Selbst die Eltern neben mir, die sich vermutlich auch gerade gefragt haben, warum sie heute nicht lieber die Steuererklärung gemacht haben, scheinen wieder gut gestimmt.
Diese Aufmunterung war auch nötig, denn es geht gleich schon wieder weiter mit Sido. Der Papa neben mir kramt nach weiterem Oropax, denn der Kreischpegel übertrifft den von Queensberry noch um einige Dezibel… Der Grund, warum ich über den Sido-Auftritt an sich gar nicht viel sagen kann… So viel hab ich davon ja gar nicht mitbekommen…
Jetzt kommt noch mal Lady Gaga auf die Bühne und präsentiert uns ihren neuen „Smash-Hit“ Poker Face. Also… das dachte man wohl so. Irgendwie kommt bei ihr nur die erste Minute kein Ton raus (Und ich sag noch: Man sollte das mit dem Halbplayback echt nur machen, wenn man‘s wirklich kann….). Wie sich nach der Perfomance rausstellt, ist die Moderatorin Miriam mit dem Absatz ihres Highheels auf ein Kabel getreten, dass für das Mikro von Lady Gaga zuständig war. Aber das schöne ist ja, dass wir hier bei einer Aufzeichnung sind. Also holen wir noch mal den Warm-Upper raus, um das Publikum noch mal hochzukochen und wiederholen den Auftritt einfach noch mal. Ich überlege erstmals in meinem Leben, ernsthaft mit harten Drogen anzufangen, um das ganze hier ohne weitere psychische Schäden zu überleben. Ein Blick zur Seite: Ein kopfschüttelndes Hände-ins-Gesicht-Vergraben lässt  mich vermuten, dass es nicht nur mir so geht.
Das große Finale macht dann Sammy Deluxe, der offensichtlich auf unserer Seite steht. Nachdem die Technik erst den falschen Song, dann den richtigen Song, aber die falsche Version eingespielt hatte, fiel selbst ihm nichts anderes mehr ein, als laut und deutlich ins Mikrofon gen Technik zu zischen: „Das ist jetzt aber echt mal viertel vor Blamage, Leute!“ Danke, Sammy! Du sprichst mir aus der Seele!
von Lea Weber
Bei mir hat es nur zu einem Stehplatz-Ticket gereicht. Anstatt mich komfortabel auf einem Sitz zu räkeln, bin ich zwischen den echten Fans. Naja, nicht ganz. Um sich einen vorderen Platz zu sichern, hätte man eher kommen müssen, so bleibt mir lediglich ein Standort am Rande der Menge, hinter den Teenagern und vor ihren gelangweilten Eltern, die als Begleitpersonen mitgekommen sind.
Immerhin hat es noch nicht angefangen. Ein Typ, der an Kinderbespaßer in Clubhotels erinnert, verteilt The-Dome-T-Shirts und fragt dabei immer wieder „Hannover, seid ihr gut drauf?“. Das ist offensichtlich der Fall: Als die Moderatoren übernehmen und wenig später Lady Gaga in einem leuchtenden Bilderrahmen auf die Bühne schwebt, bricht ein Kreischen los. Hoch, schrill, laut. Ich hätte solche Töne selbst mit 14 nicht hervorbringen können.
Dann geht es weiter mit Razorlight, Queensberry, Max Mutzke usw. Irgendwie nett, irgendwie aber auch genau das, was man zwischen einem Haufen dummen Gelaber auf Radio FFN hört. DJ Ötzi – sonst ja eher bekannt für Kirmes-Musik – überrascht mit einer Depri-Ballade, der Applaus fällt verhalten aus. Zwischendurch gibt es den ersten Personenschaden: Ein ca. 14-jähriges Mädchen klappt – vermutlich geschwächt durch langes Rumstehen in Verbindung mit hohen Limonadenpreisen – zusammen und wird mit einer Krankentrage abtransportiert.
Nach der Pause heißt es für mich dann wirklich „mittendrin statt nur“ dabei. Ich gehe so weit es geht nach vorne. Vor mir steht ein Junge, der sich das The-Dome-Symbol, die stilisierte Spiegelkugel, auf den Schädel rasiert hat. Ich komme mir vor, wie ein Atheist bei den Zeugen Jehovas.
thedome49c
Auf zur nächsten Show.
Foto: Lea Weber
DJ Ötzi kommt mit seiner zweiten Nummer besser an, obwohl sein Auch in 100000 Jahren werd‘ ich immer bei dir sein wie eine Drohung klingt. Eisblume, sonst nur als manga-ähnliche Zeichentrickfigur in ihrem Video zu sehen, tritt zum ersten mal live auf. Wir können uns also fast ein wenig privilegiert fühlen. Und ich hätte ja nie gedacht, dass ich das mal schreibe, aber Sido hat es drauf. Bisher fand ich den Gewollt-Gangster mit der abgebrochenen Kindergärtner-Ausbildung eher peinlich. Aber bei seinem Auftritt stimmt alles, jeder Spruch, jede Bewegung passt perfekt, das Kreischen der Fans erinnert an startende Flugzeuge. Als er seinen Schal in die Menge wirft, bricht fast eine Schlägerei los.
Zwischen den Auftritten immer die beiden Moderatoren, und immer, wenn es schief läuft, wird Käpten Kinderbespaßer auf die Menge los gelassen: „Hannover, seid ihr gut drauf?“
Den Arschloch-Job übernimmt Sammy Deluxe. Sein Auftritt ist der letzte des Abends, die meisten gehen schon, während er auf der Bühne steht.
Hinterher klingeln mir die Ohren von dem Kreischen der Teenager, und ausgerechnet das Fliegerlied von Tim Toupet (vor allem bekannt durch Du hast die Haare schön) schwirrt mir auf der Autofahrt die ganze Zeit im Kopf herum. Trotzdem, irgendwie war es ganz lustig, auch wenn es ganz sicher keiner Wiederholung bedarf.
von Stefan Hirsch

Extrem, extremer, Tai Chi – Eine Woche Hochschulsport

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Für die X-Treme-Aktion dieser Ausgabe wandelten wir auf den Spuren des Gerüchtes: „Sport ist Mord“. Zu viert erstellten wir uns einen Wochenplan nach Vorgabe des Hochschulsports, teilten das Programm auf und los ging‘s. Von Akrobatik Jonglage über schweißtreibende Aktivitäten wie Fitness Spezial oder Cardio Step haben wir alles mitgenommen. Wie sich das Ganze abgespielt hat und welche Angebote die Hochschule bietet, seht ihr im Folgenden.
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Fotos: Jessica Barbato, Mira Brink, Lea Weber
Montag:
Fitness Spezial: Auftakt in die uniVista-X-treme-Woche. Ich bin noch voller Elan und Motivation. Meine Aufgabe in dieser Stunde: Fitness Spezial im Multifunktionsraum. Pünktlich beginnt das Warm-Up, das einen Menschen ohne Kondition bereits an sein Limit treibt. Es geht hoch und runter und rechts und links mit Hanteln und Stepper oder auch ohne. Das Tempo und die Körperspannung bestimmen den Rhythmus. Sehr schnell komme ich ins Schwitzen und völlig außer Atem. Bei Trainingsanfängern ist höllischer Muskelkater garantiert. Erschöpfungsfaktor: sehr hoch.
Power Gym: Genau so stelle ich mir vor, wie es damals zugehen musste beim Bund Deutscher Mädels. Modelllernen par excellence. Ich merke jedoch einigermaßen schnell, dass man nicht alles nachmachen muss, was die Kursleiterin vormacht, etwa das Peace-Zeichen für die Zahl der Wiederholungen. Der Schwierigkeitsgrad ist zu bewältigen. Prima zum Aufwärmen, und man kommt gut rein in die Übung. Power Gym ist für alle, die einen Fabel für Massenchoreo haben, die gerne das machen, was vorgemacht wird – schöne Abwechslung zum Selbststudium – und für all diejenigen, die zumindest im Ansatz Taktgefühl haben und die denken, für meine Beine wollte ich schon immer mal was tun.
Effektives Bodyworkout: Der Bund Deutscher Mädels nimmt nun auch Jungs auf. Wir sind zu dritt! Die Kursleiterin spricht nun durch ein Mikro. Das lässt Schlimmes erahnen. Nach einer Weile kommt dann doch die Frage auf: Warum machen die hier genau das Gleiche wie beim Power Gym? Dann wird alles anders: Krasse Choreos! Der Step-Schritt wird ums Jogging auf der Stelle ergänzt. Der Anspruch steigt. Der Puls auch. Das effektive Bodyworkout ist gleichsam wie Power Gym für Massenchoreo-Fans, vor allem aber etwas für Schnellmerker von komplexen Schrittfolgen.
Indoor-Cycling: Es folgt als dritter und letzter Kurs für mich Indoor-Cycling (Spinning). Nun steht Kleingruppenchoreo auf dem Plan. Das Prinzip ist ziemlich einfach: Man fährt auf einem Rad, ohne voranzukommen und ist trotzdem fertig. Was die Musiklautstärke angeht, hat man eigentlich das Gefühl, in einer Disco zu sein. Ach, wie schön! Feiern und Sporten. Weil meine Muskeln nach zwei Workoutkursen richtig gut aufgewärmt sind, läuft das Rad wie eine Eins. Nach einer halben Stunde bin ich aber wirklich am Ende. Ich höre nur noch bruchstückhaft, was der Kursleiter von sich gibt, etwa: „Firestarter ist ein Berg.“ Alles klar. Und jeder andere Song ist auch ein Berg. Dass Sport eine Droge sein soll, wird mir allmählich klar. Dieser Kurs, das steht fest, ist der absolut anstrengendste von den dreien.
Jazz & Modern Dance: Hier wird eine Choreografie mit geschmeidigen und anmutigen Bewegungen zu langsamer Musik einstudiert. Da ich etwa sieben bis acht Wochen zu spät komme, ist zumindest mein Erschöpfungsfaktor eher gering.
Fußball für Frauen – ab in die Turnhalle: Was ich da sehe, macht mir Angst! Mädels sind dabei, sich aufzuwärmen und kicken Bälle, als seien diese an ihnen festgewachsen. Hallo? Ich bin froh, wenn ich den Ball treffe und soll nun mit Fußballerinnen zusammenspielen? Ich stelle dabei nur ein herumlaufendes Hindernis dar. Naja, war ich nicht offen für alles? Also Schockzustand überwinden und dazugesellen. Wenigstens ist dummes Herumstehen nicht anstrengend.
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Fotos: Rene Kohn, Lea Weber
Dienstag:
Kickaerobic: Ausgerechnet heute droht die Übungsleiterin mit Abwechslung und zwar in Form eines Springseils. Das können natürlich nur Mädels, denke ich ganz klischeebehaftet und beweise es mir ein wenig später dann auch. Die Kick-Moves sind mal was Neues (im Spiegel dabei permanenter Selbstbeobachtung ausgesetzt zu sein, ist nur schwer erträglich mit meiner Eitelkeit). Die Hanteln geben einem den Rest oder das nötige Gewicht in die Hände, damit auch jede Bewegung dreimal so intensiv gespürt werden kann – Wahnsinn! Kickaerobic ist was für die, die denken, wenn sie wie Bruce Lee kämpften, sähen sie gut aus – ist aber nicht so. (Keine Ahnung, wie der das so geschmeidig aussehen lässt – asiatisches Gengut?)
Effektives Workout: Bewegt wird sich zu afrikanischer Musik. Zwei Übungsleiterinnen fördern und fordern jeweils eine Gruppe, mal mit Ausdauer, mal mit Kraftsport. Hauptsache aber: Die ganze Zeit bewegen. Ich erfahre, dass diese Kombination topp für die Fettverbrennung sei. Fazit: Feine Sache!
Aqua-Fitness: Die Übungen sind denen bei Power Gym recht ähnlich, die Musik auch: Pop aus den 80ern und Dancefloor aus den 90ern. Nicht ganz so anstrengend und halt im Wasser. Ich bin mal wieder der einzige Mann und hoffe, dass die Kommilitonen nicht denken, ich wäre nur vorbei gekommen, um auch im Winter ein paar Mädels im Bikini zu sehen. Ansonsten irgendwie ganz lustig, aber irgendwie auch nicht mein Sport.
Badminton: Das Schöne: Endlich mal wieder selbst bestimmen, was man tut bzw. wird hier nichts nachgemacht, sondern nach simplem Reaktionsschema auf Aktionen des Gegenübers reagiert. Natürlich kann man bei professionellem Spiel auch höchst komplex reagieren. Ich gewinne einen Satz, bin halt topfit.
Ich verliere einen Satz. Hallo, nach drei Stunden Sport (an diesem Tag) ist das ja wohl kein Ding. Außerdem: Verlieren ist sportlich. Badminton ist definitiv für alle was, die kurze Sprints mögen, etwas Geschick mit federleichten Bällen beweisen und gerne selbst bestimmen, was sie tun.
Volleyball für Fortgeschrittene: Der Titel sagt eigentlich schon alles. Wer gerne baggert, hechtet und angreift, ist hier genau richtig. Obwohl jede Bewegung einfach nur weh tut, da sich der Muskelkater des Vortages deutlich zeigt, wird zwei Stunden lang fleißig gespielt. Die Nerven liegen blank. Die Kraft hat sich schon einmal in die Weihnachtsferien verabschiedet. Ein einzelner Gedanke herrscht 24 Stunden in meinem Kopf vor: AUA! Erschöpfungsfaktor: mittel.
Shaolin Kempo: Während dieses Kurses erfahre ich, dass es sich hierbei um chinesische Kampfkunst handelt, die sehr komisch aussieht. Man tippelt hektisch auf einer Stelle, vermöbelt mit den Händen sein Gegenüber und sobald man gegen Regeln verstößt, die ich mir gar nicht alle merken konnte, wird kurz aufgehört. Ich bin zwar leicht überfordert, aber es ist interessant und lustig.
Indoor Cycling: Das ist so eine Art Hardcore-Version vom Fahrrad-Ergometer-Training. Blöderweise komme ich zwei oder drei Minuten zu spät, deswegen stelle ich das Gerät eher schnell als passend ein, und erfahre auf die harte Tour, dass das Rad keinen Freilauf hat, und man, wenn man plötzlich aufhört zu treten, aus dem Pedal rutscht, welches einem dann von hinten in die Wade knallt. Anstrengend ist das ganze auch. Als ich hinterher zur Umkleide gehe, fragt mich eine Kommilitonin, ob mit mir alles in Ordnung sei…
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Fotos: Rene Kohn, Lea Weber, Mira Brink, Jessica Barbato
Mittwoch:
Den heutigen sportlichen Abend leite ich mit Spinning (Indoor-Cycling) ein. Wieder einmal werden zahlreiche Berge erklommen. Spätestens bei H. P. Baxters Stimme vergesse ich meinen Muskelkater. Die Hütte brennt, und ich bin gut drauf. Die Droge Sport scheint allmählich ihre Höchstwirkung zu erreichen.
Nach der Spinning-Aktion geht’s rüber zum Hip Hop. Der Kurs ist voll von Leuten, die genau so aussehen, wie ich mir Hip Hopper vorstelle. Ich find’s schön, wenn Erwartungen bestätigt werden. Das Aufwärmen soll nur kurz sein, ist aber wirklich anstrengend. Danach verabschieden wir uns, weil die Hip Hopper schon seit Semesterbeginn an einer Choreo feilen, und die wollen wir natürlich nicht vollends sabotieren.
Parallel zum Hip Hop findet Akrobatik Jonglage statt. Der Übungsleiter gibt sofortige Entwarnung: Nein, mit Akrobatik habe das nichts zu tun, aber eben mit Jonglieren. Und das lernen wir nun mit drei Bällen. Es zeigt sich schnell, dass ich kein Talent habe, dafür aber meine extreme Begleiterin. Dass sie die ganzen Lobe einheimst, bereits mit drei Bällen jonglierend und als Naturtalent bewundert, derweil ich mich immer noch mit zwei Bällen abmühe, fördert meine Motivation nicht zwingend. Am Ende habe ich ein Gefühl dafür, dass Jonglieren ganz schön viel Übung bedarf, vor allem dann, wenn linke und rechte Gehirnhälfte bisher noch nicht wirklich viel zusammen unternommen haben. Nun, auf dass sie sich besser kennen lernen in Zukunft. .
Fit und Gesund: Jetzt tun wir mal etwas für die Gesundheit. Ich stelle mich auf und warte auf Instruktion. Der Kurs ist recht locker. Es wird ein beweglicher Stab, den ich vorher noch nie gesehen habe, eingesetzt, der einmal die Arme richtig durchschüttelt. Dieser Kurs ist sehr locker, was mich freut, da sich die Motivation immer mehr verabschiedet und der Muskelkater sich bereits in dem Stadion befindet, dass man alleine nicht mehr die Treppen hoch und runter kommt. Erschöpfungsfaktor: gering.
Body-Fitness ist eigentlich ein anderes Wort für Body-Workout. Die Übungen sind quasi identisch und sprechen daher auch die gleichen Muskelpartien an. So ein Mist! Noch mehr Schmerzen. Ich bin froh, wenn die Stunde vorbei ist. Aufgeben ist nicht.
Hockey: Am Mittwoch habe ich einen so heftigen Muskelkater, dass ich beim Treppensteigen den Handlauf verwende. Aber egal, jammern werde ich später in meinem Artikel – also jetzt –, erstmal muss ich zum Unihockey. Da wegen der nahenden Weihnachtsferien nur acht Leute gekommen sind, ist das eine ziemlich Rennerei (hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich Muskelkater habe?), macht aber richtig Spaß und in der recht gemischten Mannschaft komme ich auch als Neuling zurecht.
Badminton findet gleich im Anschluss in der selben Halle statt. Das hat zwei Vorteile: Ich komme pünktlich und brauche mich dafür noch nicht mal bewegen. Ab und zu treffe ich sogar den Ball und meine Mitspieler sagen, dass man mir eigentlich fast kaum anmerkt, dass ich seit Jahren nicht mehr gespielt habe, und vorher eineinhalb Stunden Hallenhockey hatte. Nett.
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Fotos: Lea Weber, Jessica Barbato
Donnerstag:
Tai Chi: Hier ist alles extrem, und zwar extrem weich. Das ist nicht nur die Übersetzung, sondern auch Programm: weich fließende Bewegungen, durchaus mit Körperspannung, aber endlich mal weder Ausdauer noch Kraft. Ohne Muskelkater wäre dieser Kurs wirklich so richtig entspannend. Erhalte zunächst Einzeltraining, weil wir uns immer noch kurz vor Weihnachten befinden, bis mein extremer Leidensgenosse Bauch, Beine, Po, Rücken kraftlos aufgibt und nun eintaucht in asiatisch sphärische Klänge mit nur zu passend gehauchten Anweisungen unserer Übungsleiterin. Nach der Einführung bleibt nur zu sagen: Wirklich mal etwas anderes, und man sieht gar nicht so bescheuert aus in der Slowmotion wie etwa noch beim Kickaerobic. Bruce Lees Großmutter wäre stolz.
Cardio Step: Mit Cardio Step bestreite ich den nunmehr fünften und letzten Workout-Kurs der Hochschulsport- und X-treme-Woche. Die choreographischen Einlagen sind verhältnismäßig einfach. Das Step-Board hat es allerdings in sich, und die Hanteln werden auch wieder aus dem Schrank geholt. Alles in allem ein wirklich anstrengender, schweißtreibender Kurs. Dass es kurz vor Zwölf noch einmal so heftig werden würde, war bei dem Namen des Kurses abzusehen. Ich habe es wohl verdrängt und bin froh, als es heißt: Nun legt euch auf die Matten und entspannt. Ja, das mache ich nun.
Selbstverteidigung: Draufhauen, wenn es von Nöten ist , kann nicht jeder. Dabei ist es in der heutigen Gesellschaft sehr wichtig, sich verteidigen zu können. Der Peter gab uns hierbei eine kleine Einführung. Erschöpfungsfaktor: sehr hoch.
Aqua-Fitness: Ich mag Wasser. Und Aqua Fitness von nun an auch. Mit eigentlich ausschließlich weiblichen Mitmenschen im Vechteraner Schwimmbad herumzuplanschen hat mir gut gefallen. Man lernt neue Leute kennen und kann nach dem Kurs noch umsonst das Bad nutzen. Wie praktisch. Kerlen wird ermöglicht, Frauenbekanntschaften zu machen: was will man(n) mehr?
Bauch, Beine, Po, Rücken: Ich bin so fit wie Johannes Heesters. Weniger ist mehr gilt offensichtlich nicht bloß für Benzinpreise. BBPR ist irgendwie eher schmerzhaft, weil ich einen fiesen Muskelkater in Bauch, Beinen, Po und Rücken habe (übrigens nicht nur dort).
Fazit:
Die Woche war außerordentlich anstrengend, aber auch spannend und lehrreich. Das Gerücht, Sport ist Mord, können wir in einer solchen Dosierung nur teilweise bestätigen. Die Muskeln verabschiedeten sich bereits Mitte der Woche, aber der Geist und der Wille haben im Sinne der Berichterstattung überlebt.
von Jessica Barbato, Mira Brink, René Kohn und Stefan Hirsch

My Home is my Campus

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Das sollte noch im letzten Semester unser X-treme-Motto sein. Nachdem wir uns gefragt haben, was wir alles X-tremes tun könnten, erschien uns unsere Campus-WG-Action als die spaßigste und auch die mit Abstand am sinnvollste. 5 Tage, nur der Campus und wir. Eine 3-Personen-WG in einem 9-Personen-Zelt. Geduscht, gelebt und geschlafen wurde auf dem Campus. Werbung wollten wir machen, auffallen, Präsenz wollten wir zeigen… und was bitteschön ist präsenter als dauernd da zu sein? Tag und Nacht? Gesagt, getan. So machten wir uns am 12.07. auf, mit Sack und Pack, ein wenig Taschengeld für Frühstück und Mensaessen, der üblichen Festival-Camping-Ausrüstung und errichteten unser Camp direkt neben dem Affenfelsen gegenüber vom Bistro. Wie wir die Tage verlebten, lest ihr im Folgenden an den Beispielen meiner männlichen Mitbewohner.
von Melanie Ehlert
So, das Zelt steht, darf ich jetzt wieder nach Hause? So oder so ähnlich habe ich wohl geklungen als ich realisierte, worauf ich mich eingelassen habe. Ich als durch und durch Stadtmensch darf mich nun mit zwei weiteren Personen in ein enges Zelt quetschen und die nächsten fünf Tage das Unigelände nicht mehr verlassen… im Knast kann es kaum schöner sein! Aber wer so blöd ist und hier schreit, wenn er weiß, was als nächstes X-tremes passieren wird, der ist dann halt mal selber schuld.
Erstmal musste ich meinen Teil des Zeltes vernünftig einrichten und den wenigen Proviant (ich bin halt nicht Camping erfahren!), den ich hatte, habe ich auch erstmal in Tagesrationen eingeteilt… nicht dass ich draufgehe wenn Ulla ihr Bistro zu hat und ich am Vortag zu viele meiner fünf Minuten Terrinen aufgefuttert habe. Da uns schon am ersten Abend ein wenig die Langeweile überkam, gab es Bier, Tennis, Federball und „Verstecken“ spielen zum Abendbrot. So lässt es sich leben, so kann jeder Abend sein. Allerdings wusste ich, dass ich am Montag und Dienstag um 5 Uhr morgens arbeiten musste… und 3 Klausuren während der Campingwoche auf mich zukamen. Aber ein paar Bier und ein Schlafsack helfen wirklich über die fiesesten Gedanken hinweg.
Foto: Melanie Ehlert
Die erste Nacht war unglaublicherweise wirklich recht angenehm, das Aufstehen um halb fünf dagegen weniger. Dafür konnte ich auf meinem Rückweg von der Arbeit den Sonnenaufgang beobachten. Der erste Weg führte mich dann in den Sporttrakt. Zuerst einmal war Körperputz angesagt. Ich muss sagen, die Blicke die einem Studenten um 8 Uhr morgens zuwerfen wenn man mit Schlappen und Kulturtasche über den Campus eiert, sind wirklich kaum zu ersetzen. Lecker Frühstück im Bistro und zack war ich gewappnet für den Rest des Tages.
Immer mal wieder ging ich natürlich in mein neues Heim um zu schauen, ob noch alles steht und ob uns die Studenten registrieren. Ersteres ja, zweiteres nein. Komischerweise gab es am ersten Tag lediglich Kommentare von Freunden und Bekannten. Nur einige wenige, die das Banner über unserer Tür gelesen hatten, fragten was denn bitte uniVista sei. Eine berechtigte Frage nach nun mehr knapp 10000 verteilten Heften, dachte ich mir, während ich über einem Bunsenbrenner meine Ravioli aus der Dose kochte. Es ist also doch ganz gut, dass wir uns hier präsentieren.
Immer mal wieder fanden sich Menschen die sich des Abends zu uns gesellten um eine Runde Verstecken zu spielen. Herrlich, zu was man Leute bekommt, wenn die Optionen nicht sonderlich zahlreich sind. An diesem Abend durfte ich leider früh ins Bett, da am nächsten Tag eine Klausur anstand. Was mir weniger passte war, dass ich wusste, dass Kai sich etwas Fieses für mich ausgedacht hatte. Komischerweise fand er es überhaupt nicht lustig, dass ich ihm in der ersten Nacht einen TUC in den Schlafsack gelegt hatte. Seine Nacht war also wesentlich knuspriger als er es sich erhofft hatte. Seine Rache kam dann auch. Nachdem ich selig weggeschlummert war, entfernte er die Halteseile meines Innenzeltes.
Der Dienstag ging relativ schnell um, ich ging kurz in den Seminarraum, verhaute meine Klausur und genoss dasselbe Spiel wie am Montag. Bier, Ravioli, Verstecken aber von allem nicht zu viel, denn wieder wartete eine Klausur am nächsten Tag auf mich. Das schöne am Dienstag war allerdings, dass nun mehr und mehr Leute unser Vorhaben registrierten und uns ansprachen.
Der Mittwoch stand allgemein im Zeichen des Sonnenkampfestes. Nachdem ich also meine Klausur hinter mir hatte, ging es sogleich zum Vorglühen ans Zelt. Im Nachhinein möchte ich mich für die Solidarität der Studenten Vechtas bedanken, dass während des Festes nichts geklaut wurde und auch kein Witzbold auf die Idee kam unser Zelt mit gelbem Körpersaft zu verschönern.
Am Donnerstag wurde endlich ausgeschlafen. Das war weniger der Hammer, da das Wetter ungefähr so vernebelt war, wie unsere Köpfe. Am Freitag gab es dann noch die letzte Klausi für mich und danach wurde auch so langsam abgebaut.
Trotzdem ich Zelten überaus hasse, würde ich den Spaß immer wieder mitmachen. Es gibt unglaublich viele Stundenten in Vechta, die man noch nicht kennt, aber auf diesem Wege kennenlernen kann.
von Sebastian Dargel
So, das ist also mein neues Heim. Recht geräumig. Aber was sind das für Sponsen, die sich anschicken, dieses blaue WG-Zelt mit mir zu teilen. Hab ich mir das gut überlegt? War diese Schni-Schna-Schnapsidee nicht sogar von mir? Memo an mich selbst: Backen halten. Nun gut, es sind nur 5 Tage. Fünf Tage kein Freigang vom “Campus”, oder wie ich es gerne nenne: Schulhof.
Was soll‘s, die meiste Zeit der letzten vier Jahre hab ich eh hier verbracht, also warum nicht einfach das ganze mit einem gelungenen Topping abrunden.
Foto: Melanie Ehlert
Sonntag: Zelt aufbauen. Ich zweifle, dass das eine gute Idee war. Mein Zeltbereich ist rund 2,5 qm groß. Feinste Zeltwände mit Stockstuck und Lärmdämmung gleich Null. Das Atrium des blauen Stoffzuhauses bietet viel Platz, um auch mal einen Abend zuhause zu bleiben. Ich habe mir vorgenommen, mir ein paar Bücher aus der Bibliothek zu holen und zu lesen. Die Zeit will ich nutzen.
Montag: Schmackhaftes Frühstück bei Ulla. „Winnie der Puuh“ aus der Bibo ausgeliehen. Die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen vergeht wie im Fluge, dank der wirren Geschichten um den Bären mit geringem Verstand. Besucher des Zeltplatzes schauen neugierig bis verdutzt, und auch die WG im oberen Stock des N-Gebäudes linst neidisch auf unseren Vorgarten. Lass die Leute reden…
Dienstag: Dieser Dargel, ich bring ihn um. Ganz einfach und schmerzvoll. Hat dieser rothaarige Bengel mir doch glatt einen heimtückischen TUC-Cräcker aufs Bett gebröselt. Duschen im Sporttrakt.
Frühstück bei Ulla. Lernen für die letzte Prüfung meines jungen Studiums. Mit meinem Mitbewohner quäle ich mich durch die amerikanische Literatur und entdecke die Gewaltdarstellungen Cormac Mc Carthys für mich. Vielleicht lassen sich daraus ein paar Ideen ableiten gegen den gemeinen TUC-Terroristen. Heute Abend verlasse ich den Campus. Ich breche aus, um 4 Stunden später wieder da zu sein. Bandprobe und Ausnahmeregelung halt.
Mittwoch: Der Dargel-Schlachtplan wird immer ausgeklügelter. Frühstück bei Mama Ulla, die uns jeden Morgen mit einem mitleidsvollen Blick die notwendige Zuneigung vermittelt, um uns dann auszulachen. Habe das N-Gebäude als Badezimmer für mich entdeckt. Blöde Blicke beim Rasieren sind keine Seltenheit. Jungs, passt auf! Ihr habt keine Rasierklinge in der Hand. Heute Abend findet das Sonnenkamp-Fest statt. Wir überlegen, wie wir unsere lauten Nachbarn die ganze Nacht aushalten sollen. Zum Glück gehört das Wohnheimgelände auch zu unserem Ausgangsbereich. Wir trinken die Störung einfach weg. Infiltrieren, inhalieren und ignorieren!
Donnerstag: Dargels Zimmer ist über Nacht einfach eingestürzt. Unglaublich, wie viele Leute an der Vechtaer Uni einfach nett nachfragen, was wir mit unserem Zelt eigentlich auf dem Campus wollen. Verplempere Zeit auf dem wunderschönen großen Affenfelsen und fühle mich wie im Zoo. Winnie Puuh konnte mich nicht in seinen Bann ziehen, obwohl es so unglaublich gut ist. Ich habe höchstens die Hälfte des Buches geschafft. Was ich aber geschafft habe: Eine Reise durch den „linken Gemüsegarten“ hinter unserem Zelt, Besuch des Design-Gebäudes, persönlicher Kaffee-Rekord gebrochen.
Freitag: Heimwärts. Ich ziehe aus. Der letzte Tag fühlt sich an wie jeder Freitag in Vechta. Die Uni dampft so mit halber Fahrt dahin, weil sich 80% meiner Kommilitonen schon im Wochenende befinden.
Sollte die Wohnungskrise Vechta mal wieder erreichen, schlagt eure Zelte auf dem “Schulhof” auf.
von Kai Pröpper

Von C-Promis, fallenden Sternchen und Goldenen Himbeeren
Die Redaktion auf der Suche nach den schlechtesten Filmen

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Filmabende mit Freunden sind eine schöne Sache. Entweder Tempos, Sekt und Schoki bei Mädelsabenden, Bier und Pizza beim Fußball oder Kurze bei Sissi. Filmabende mit der Redaktion dagegen sind die pure Qual. Des Nachts im Wald ausgesetzt werden (der geneigte Leser weiß es vielleicht noch…) ist nichts dagegen.
Die Goldene Himbeere und Internet Movie Database halfen uns bei der Auswahl, damit wir auch ja nicht einen nur mittelschlechten Film gucken würden. Und so entschieden wir uns für vier Filme, von denen einer sogar im Besitz eines Redaktionsmitgliedes ist…
Zuerst Crossroads – Not A Girl mit Britney Spears. Meine KollegInnen waren schon nach wenigen Minuten der Meinung, schlimmer könnte es nicht kommen. Ha, wie sie sich geirrt haben!
Crossroads ist ein Coming-of- Age-Film. Darunter versteht man Filme, deren jugendliche Helden von grundlegenden menschlichen Fragen bewegt werden. In diesem Film wendet sich Britney alias Lucy den grundlegenden menschlichen Fragen zu (die uns sicher alle in unserer Jugend bewegt haben): Werde ich dank meines 1er-Zeugnisses an die beste Uni überhaupt gehen? Schlafe ich mit dem Schwerverbrecher, den ich gerade erst kennengelernt habe, obwohl ich noch Jungfrau bin? (Oops!… I Did It Again.) Oder werde ich doch erfolgreiche Popsängerin?
Bildnachweis: Kathi Biehler
Foto: Kathi Biehler
Adam Sandler kennt ihr sicher? Immerhin hat er in so grandiosen Filmen wie Die Wutprobe, 50 erste Dates oder Klick mitgespielt. Und auch sein Film Punch-Drunk Love wurde viel gelobt und ausgezeichnet. Für mich persönlich gibt es aber kaum einen weniger auszuhaltenden Film. Und auch die anderen fragten sich nach kürzester Zeit, wo der Sinn dieser Story und wie der Rest des Filmes zu überstehen sei. Adam Sandler alias Barry, Verkäufer von mysteriösen Klopröpfen, hängt den ganzen Tag in seiner Firma-Garage rum, wo er dann auch seiner großen Liebe Lena vorgestellt wird. Von seiner Schwester. Davon hat er einige und alle sind nervig. Bei einem Familientreffen rastet er aus und zerschlägt Fensterscheiben. Am Abend will er Telefonsex, wird im Anschluss erpresst und kriegt Probleme mit prügelnden Brüdern. Am Ende aber entdeckt er seine inneren Kräfte und alles wird gut. Auch irgendwie ein Coming-of-Age-Film…
Nach Punch-Drunk Love waren wir so hibbelig, dass wir uns auf Battlefield Earth mit John Travolta regelrecht freuten. Battlefield – das hörte sich nach Action, Geballer, Weltraumfights und tollen Specialeffects an, das klang wie eine Offenbarung! Oder zumindest wie einfache Ablenkungskost. Wir würden sehen… Der Film entstand nach der Romanvorlage von L. Ron Hubbard. Na, was bemerkt? Ja, das ist der Gründer von Scientology. Aber so was kann uns nicht schrecken. Und auch die Tatsache, dass der Film mit mehreren Goldenen Himbeeren ausgezeichnet wurde und als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten gilt, war uns nur Ansporn. Und ja, der Film ist schlecht. Sehr schlecht. Und kein Stück actionreich oder spannend. Mir sind nicht mal Einzelheiten der Geschichte im Kopf geblieben. Irgendwie will die Menschheit sich von den bösen Aliens (unter anderem Travolta auf Plateau-Schuhen) befreien und schafft es auch. Jetzt habe ich das Ende verraten, ist aber nicht schlimm, guckt euch den Film einfach nicht an. Denn ich weiß nicht, ob ich je wieder Pulp Fiction genießen kann…
Die Krönung eines schlimmen Abends: Daniel der Zauberer. Schlechte Story, schlechtes Drehbuch, schlechte Schauspieler (u.a. Küblböck selbst), schlechter Dreh (mit einer Videokamera), schlechte Drehorte, schlechte Dialoge und schlechte Musik (von Küblböck daselbst). Ich habe noch nie einen so schlechten Film gesehen. Daniel alias Daniel – denn es geht ja um Küblböcks Geschichte- wird „von Millionen geliebt, von Vielen gehasst“ (so der Untertitel) und ganz besonders von zwei ältlichen Jugendlichen und einem ganz bösen Opa. Die hassen ihn so sehr, dass sie den armen Daniel umbringen wollen! Aber der hat einen lieben und toten Opa, der mit dem bösen Opa kämpft. Daniel wird dann doch entführt (Reaktion der Redaktion/ Reaktion jedes Zuschauers: „Nun tötet ihn endlich!“), aber durch seine positive Energie kann er Alles zum Guten wenden und an Weihnachten liegt unterm Baum sogar ein Zauberstab!
…dies war die inhaltliche Einführung – jetzt folgen erfahrene Wirklichkeiten oder auch „Nah-Tod-Erfahrungen“. „Coming-of-Age“ oder wohl eher: „Coming-of-Mind“: Also begleitet uns ins X-treme!
von Julia Stock
Schon das Gefühl, mir einen wertvollen Abend meines kurzen Lebens für „schlechte Filme“ zu reservieren, möchte mich zu dem Satz bewegen: „Oh, wisst ihr, an dem Abend kann ich leider auch nicht. Da müsst ihr wohl bedauerlicherweise ohne mich durch.“ – Ihr musstet wirklich ohne mich und: Ich konnte wirklich nicht! Therapeutische Hilfe auf psychodramatischer Basis biete ich euch nachträglich kostenlos an.
von Johanna Olberding
Aller Anfang ist Britney Spears. Na ja, hoffentlich nicht aller, aber so sollte es an diesem Abend sein.
Die Handlung versteckt sich gekonnt hinter flachen Dialogen und den Schmachtsongs der selbsternannten Pop-Prinzessin. Drei pubertierende Weiber, die sich nicht ausstehen können, fahren mit einem wildfremden Kerl, der auch noch ein Schwerverbrecher sein soll quer durch die USA. Ja klar! Selbstverständlich sind sie am Ende alle super dicke Freunde. Die Spears angelt sich natürlich den Typen, der kein Verbrecher sondern ein Held ist und sie startet als Sängerin durch. Also alles wie im richtigen Leben, oder? Ich habe keine Ahnung wer sich sowas ausdenkt. Zu ertragen war es für mich nur dank einer Menge Popcorn. Trotz allen Widerstandes konnten wir nicht verhindern, dass wir bei den darauf folgenden Filmen dann und wann, wenn es gerade irgendwie passte „I’m not a giiirl“ trällerten.
von Stefanie Bruns
Bildnachweis: pixelio.de 171914
© Anne Bermüller / PIXELIO
Ein Film mit Adam Sandler kann gar nicht schlecht sein – dachte ich. Ich dachte auch, nach den Filmen, die wir bisher gesehen haben, kann es gar nicht schlimmer werden. Doch bereits nach wenigen Minuten Spielfilmzeit brachte mich dieser an den Rand des Wahnsinns. Tatenloses wie Sinnloses begleitet von aggressiv machenden Psychomelodien schien einfach kein Ende zu nehmen. Ich wühlte in meinem Hirn nach Ausreden, den Raum verlassen zu müssen, doch meine Leidensgenossen ließen nicht zu, dass ich dem Grauen entfloh. Also betrank ich mich mit Mineralwasser und hoffte darauf, bald und häufig die Toilette aufsuchen zu müssen. Denn dies war der einzig erlaubte Grund, sich aus dem Raum zu begeben. Nachdem wir unsere Zeit erfolgreich durch diesen Film verschwendet hatten, wussten wir: Solche Filme lassen Aggressivität entstehen und wachsen. Versteckt sie also vor euren Kindern!
von Mira Brink
So, mittlerweile müssten die Aliens ja mal gelandet sein. Ginge es nach dem Streifen „Battlefield Earth – Kampf um die Erde“ aus dem Jahr 2000, wurde die Erde kurz nach der Jahrtausendwende von übelgelaunten Aliens überfallen, ihre Streitmacht innerhalb von 9 Minuten vernichtet und die Überlebenden für 1000 Jahre ABM in den Fabriken der Aliens verpflichtet. Bis, ja bis eines Tages ein charismatischer, junger Menschen-Mann beginnt aufzubegehren… Ein „Achtung, Spoiler!“ erspare ich mir. Ich bitte Euch, liebe Kommilitonen, seht Euch diesen Film nicht an! Schlaft 2 Stunden länger, geht spazieren oder kuschelt Euch an Eure Liebsten, aber bitte verschwendet Eure Zeit nicht mit diesem Film! Was von den Eckdaten annehmbar nach Popcornkino klingt („Wow, millionenschweres Endzeitepos mit immerhin John Travolta und Forest Whitaker!“), entpuppt sich als filmisches Zäpfchen gespickt mit groben Logikschnitzern, ätzenden Kostümen, gähnenden Dialogen. An plateaubesohlte Rastafari erinnernde Aliens nerven mit ihrer Bürokratie („Das muss ich dem Senat melden!“ „Sie werden strafversetzt!“), während die Menschen, die inzwischen wieder zu Wilden wie in der Steinzeit degeneriert sind, dank bestens gepflegter und frisierter Haare Heidi Klums Modelclique jeden Werbeauftrag wegschnappen würden. Sie bereiten ihre Befreiung vor, indem sie erst in einem 1000 Jahre alten Simulator fliegen lernen und sich anschließend die seit ebenfalls 1000 Jahren herumstehenden voll getankten Bomber der, na klaro, U.S. Air Force schnappen. Mit ihnen wollen sie auf dem Alienplaneten, der über ein nicht gezeigtes Portal mit der Erde verbunden ist, eine Atombombe zünden, und weil die Atmosphäre da drüben so ne ganz besondere ist, reicht eine Bombe auch für den ganzen Planeten. Falls Euch das noch nicht reicht: Die Bedienungsanleitung liegt übrigens neben der Atombombe. Auf einem Tageslichtprojektor.
Neben unzähligen Malen fremdschämen, dass so ein teures Machwerk nicht in der Produktion gestoppt wurde, kann ich meine einzige Reaktion während des Films schnell formulieren: „Alter, dauert der noch lang?!?“
von Christopher Vielhaber
Gegen Ende des Abends, nach dem grandiosen Battle um die Earth dachte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn es könnte nicht schlimmer kommen. Aber wenn man denkt es geht nicht mehr, kommt immer noch was Schlimmeres daher. Dieses Etwas entpuppte sich als trashiger, grellbunt gekleideter, ohne Führerschein in Gurkenlaster rasender C-Promi. Daniel Küblböck, 81 Minuten lang, in seiner vollen Pracht. Nie war meine Blase schwächer, nie lagen meine Nerven blanker, nie habe ich verzweifelter um das Ende eines Filmes gebeten als an diesem Abend. Halbdokumentarisch lässt uns der Gurkenlastervandale an seinem verkorksten Leben und seinen Wunschvorstellungen teilhaben, quäkt zwischendurch fröhlich seine Lieder. Jede Sekunde hofft man mehr, dass es den Attentätern aus dem zweiten, mehr als schlechten fiktiven Handlungsstrang, gelingt ihn zur Strecke zu bringen bevor er sie mit seiner positiven Energie dazu bringt dem Küblböckismus zu verfallen. Ich bitte meine Mitstreiter aussichtslos die DVD aus dem Player zu reißen, falls mich Krämpfe durchschütteln oder mir Schaum vor dem Mund stehen sollte. Aber sie sind unerbittlich, wir müssen es bis zum Ende durchstehen sagen sie. Es war mit Abstand der schlechteste Film den ich jemals gesehen habe, eine peinliche, groteske, no-budget Selbstüberschätzungs-Show. Und was zum Geier sollten die armen Baby-Tiger in dem Musikvideo? Wo sind die die Greenpeace Aktivisten, wenn sie gebraucht werden? Fazit: Dieser Film ist schon wieder sooooo schlecht,… dass solltet ihr unbedingt einmal erlebt haben… aber bitte nicht nüchtern.
von Melanie Ehlert

Schadstoffstark und leistungsarm

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Bildnachweis: bs, rk
Geplanter Stopp
kurz vor der niederländischen Grenze
Foto: Britta Simon, René Kohn
Wieso werden Bekannte ständig an der Grenze zwischen Holland und Deutschland angehalten? Liegt es vielleicht am Fahrzeug (VW Bus T1) mit dem sich schmuggeln noch lohnen würde? Liegt es an den klischeebehafteten Dreadlocks? Oder sind es die schweren Augenlider, mit denen manche aufgrund einer Liderschwäche schon seitdem sie vier sind herumlaufen müssen? Ist der Faktor „Aussehen“ überhaupt ein Kriterium für Zollfahnder, sich die Gestalten im Auto genauer anzusehen?
Wir haben wirklich an alles gedacht und vorher im Internet ausspioniert, wie man sich am sichersten in die Fänge des Zolles bringt. Das ist eigentlich ganz einfach: Nächstgrößere niederländische Stadt anfahren, sich zwielichtig vor Coffeeshops rumtreiben, den Beamten Zeit lassen, sich das Kennzeichen zu notieren und dann möglichst unauffällig über die fast unsichtbare Grenze zwischen der BRD und den Niederlanden fahren. Irgendwann sollte man dann, wenn man alles richtig gemacht hat, an den rechten Seitenstreifen gelotst werden und sich den Damen und Herren der Grenzüberwachung stellen dürfen.
Die Idee:
Wir fahren nach Holland und überqueren die Grenze immer und immer wieder, in unterschiedlichen Verkleidungen und Autos, bis wir angehalten werden und der niederländischen oder deutschen Polizei erklären, wie die Mottoparty heißt, zu der wir unterwegs sind. Das wird ein Spaß!!!
Bildnachweis: bs, rk
Flower Power-Posing
Foto: Britta Simon
Materialien:
Ein alter, schmutziger, leicht verbeulter Polo FOX und ein neuer, glänzender, schmucker Nissan Micra aus dem großen Fuhrpark der Redaktion. Natürlich tippten wir alle auf eine schnelle Gefangennahme des Fuchses.
Verkleidungskrams (Perücken, Schminke, Kostüme), Utensilien (große Schultüte, die wir entsprechend gestalten, Schmuck, Sonnenbrillen…)
Die Durchführung:
Wir fahren vormittags los in Richtung und durchs Emsland, Haren. Der Grenzübergang befindet sich von Vechta aus in etwa 150 km Entfernung. Zwei Kilometer davor ist der Treffpunkt auf der deutschen Seite. Zwei Kilometer hinter der Grenze der niederländische. Ist klar, oder? Am Treffpunkt wird sich umgezogen und schick gemacht für die Überfahrt. Im Falle eines Autos: Vier Male (sprich hin und zurück und hin und zurück), im Falle von zwei Autos die Hälfte, also jeweils hin und zurück. Macht unterm Strich 2-4 Verkleidungen für jeden. Am späten Nachmittag bis abends sollte die Rückreise möglich sein, es sei denn, wir befinden uns derweil in einer Zelle, was blöd wäre, weil wir das ja schon hatten, es sei denn, wir landen in einer niederländischen Zelle – der ultimative Zellenvergleich!
Welche Frage sich dem uniVista-Team stellt, ist nun: Reicht es schon aus, einfach nur unkonform auszusehen und sich in Grenznähe aufzuhalten um Bekanntschaft mit den Wächtern der Grenzen zu machen? Testen.
Einige Möglichkeiten: Langes Haar muss natürlich mindestens in einem Fall aus dem Fenster wild im Fahrtwind wehen. Die Schultüte lugt ebenso aus dem Fenster. Eine Fraktion sollte komplett mit Sonnenbrillen unterwegs sein. Aktenkoffer wären auch nicht schlecht. Höh höh… Personenanzahl:
Bildnachweis: bs, rk
Bildnachweis: bs, rk
Bildnachweis: bs, rk
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Fotos: Britta Simon, René Kohn
Vier Leute in jedem Fall, entweder in einem Auto oder zwei in jedem. Für die Zwei-Auto-Variante wären auch sechs Leute möglich.
Das Hippieoutfit:
So wie unsere Generation es noch aus der CD-Werbung Top Hits of the Sixties kennt. Ihr wisst schon. Diese Werbespots, wonach man denkt, das Sound of Silence und Mercedes Benz ein und derselbe Song sind oder zumindest, dass sich diese astrein zusammenmixen lassen.
Außerirdisch:
Ein bisschen Alufolie auf dem Schädel toupieren und schon sieht man aus wie ein merkwürdiges Alien. Oder zumindest wie jemand, der Alufolie auf dem Kopf hat. Alf und E.T. drehen sich im kleinen Grabe um.
Geisterfahrer:
Der alte Bettlakentrick schockt immer noch. Und immer dran denken: Große Augenlöcher und eine Mundöffnung sind essentiell für einen gutgelaunten Poltergeist!
Piekfein:
Ja ja, wir putzten uns raus. Nur vom Feinsten. Mein lieber Scholli, ich hab den Anzug immer noch an. Wenn Oma uns so sehen könnte. Piekfein und irgendwo im Nirgendwo.
Von der Theorie in die Praxis:
Die Hinreise im Schnelldurchlauf: Einsteigen, fahren, aussteigen, tanken, einsteigen, fahren, fahren, fahren, aussteigen, Kostüm wählen, umziehen, einsteigen, über die Grenze fahren.
Der piekfeine Dress brachte leider nicht den gewünschten Erfolg. Es war keine Polizistenseele in Sicht. Warum auch? Es ist ja nichts Besonderes, gut gekleidet zu sein. Mehr Chancen erhofften wir uns von den außerirdischen Metallköpfen, doch nichts geschah.
Der Geist brachte auch keinerlei Erfolg. Wieder ein Bettlaken umsonst geopfert. Das nächste mal wird themengerecht gefahren: Gegen den Strom!
Auch das Hippieoutfit, auf welches wir in Verbindung mit dem alten, schmutzigen (ihr wisst schon…) Polo FOX fast schon all unser Bargeld gewettet hätten, machte uns keineswegs verdächtiger. Da kann man nur sagen „Myth busted“ und wieder was gelernt. Es liegt nicht am Aussehen der Fahrzeuginsassen, ob man an den Grenzen einer Kontrolle unterzogen wird. Den Grenzbewachern hätte eine gewisse Toleranz zugesprochen werden können, wenn denn welche vor Ort gewesen wären. Dieser Test ist unbedingt zur Nachahmung geeignet, wenn man einmal „Schadstoffstark und leistungsarm“ handeln möchte.
von Kai Pröpper, René Kohn, Stefanie Bruns und Britta Simon.
Ihr wollt uns leiden sehen? Verständlich!
Schickt eigene Vorschläge für uniVista x-treme an
redaktion[at]univista.de

Licht an oder Licht aus?

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Was passiert, wenn man sturzbetrunken auf einer Uni Party rumrandaliert? Richtig! Man kommt, wenn die Polizei gerufen wird, in die Ausnüchterungszelle. Was einen da erwartet und was es für ein Gefühl ist, dort zu sein, haben wir für euch noch vor dem großen Fest getestet.
Ein großes Dankeschön an die örtliche Polizei für diese Erfahrung.
Bildnachweis: pixelio.de (205023)
Der Freund und Helfer hilft auch beim Ausnüchtern.
Foto: Gabi Schoenemanne / PIXELIO
45 Minuten anstehen, es ist kalt. Der zuvor zu mir genommene Glühwein und die selbst gemachte Feuerzangenbowle verlieren langsam ihre angenehme, leicht betäubende Wirkung. Mir ist im Gegensatz zur Außentemperatur mächtig warm, aufgrund der drängelnden Personen vor und hinter mir… was ist denn hier los? Ist doch nur ne Uni- Party?!
(1 Stunde später) … die Getränke sagen uns sehr zu – viele Menschen hier, ein Dauergrinsen macht sich auf meinem Gesicht breit, die Musik rauscht in meinen Ohren, ich swinge vor der Theke im Takt des Liedes – 4 Ouzo bitte…2 Charly… 2 Jägi-Cola…2 Bacardi-Sprite…2 Heino…
Melanie Ehlert
Es gibt wohl unzählige Möglichkeiten, wie so ein Abend mit 1,8 Promille enden kann. Drei davon finde ich am interessantesten – oder zumindest an dieser Stelle nennenswert. Da wäre zunächst die Angenehmste: Man tanzt mit guten Freunden in der Dorfdisse zu guter Musik, nimmt sich mit einer schönen Eroberung ein Taxi nach Hause und lässt es anschließend so richtig krachen. Man wacht in einem warmen Bett auf, die Sonne scheint einem aus dem Arsch und alles ist in Butter. Weniger angenehm sieht dagegen die Unfallstation des örtlichen Krankenhauses aus, welche die zweite Endstation eines Abends darstellen kann. In diesem Fall hat man mit einem ordentlichen Brauseschädel entweder direkt vor der Disco das Laufen auf zwei Beinen verlernt und ist mehr oder weniger elegant auf die Nase gefallen, oder man hat sich selbige von Disco-Vitali plätten lassen, da dieser durch das unvollständige Genuschel irgendwie die Keuschheit seiner Mutter in Frage gestellt sah. Weniger schön. Und drittens kann man dort enden, wo ich mich wahrscheinlich gerade befinde: In der Ausnüchterungszelle der Polizeiinspektion Vechta. Weil ich es selbst kaum glauben kann, gehe ich noch mal auf Nummer sicher und teste, ob ich wirklich hier bin. In der Horizontalen befinde ich mich schon mal, das merke ich auch mit meinen geschlossenen Augen. Meine Hände wandern links und rechts neben mich, aber dort liegt kein warmer weiblicher Körper unter einer verschwitzten Decke. Verdammt. Meine Hand geht zur Nase, einmal dran gewackelt, stelle ich erfreut fest, sie ist auch noch ganz. Okay, ich befinde mich also wirklich in der Zelle. Der Schatten der Gitterstäbe, der durch die schmalen Fenster fällt, bestätigt es hinreichend. Auch wenn ich hier unter anderen Voraussetzungen gelandet bin wie der Rest der Klientel, der hier gewöhnlich die Nacht verbringt. Dazu zählen wohl verlassene (Ex-)Freunde, die gedacht hatten, Sorgen könnten nicht schwimmen. Bürohengste, die auf der Weihnachtsfeier beim Flirt mit der Kröger aus der Buchhaltung zu tief ins Feuerzangenbowleglas geschaut haben. Oder Leute, die meinen, Laternen auszutreten, imponiere irgendjemanden. Ich dagegen bin schlicht und ergreifend hier, weil eine liebe Bekannte einen schwachen Moment meiner Person schamlos ausnutzte und sich unter Zeugen den Handschlag und das Versprechen einholte, doch mal eine Nacht für unsere uniVista mein schönes Bettchen aufzugeben und dort zu nächtigen, wo man normalerweise freiwillig nicht hin will. Sie habe da Kontakte, schon klar. Wenigstens macht sie selbst mit. Ändern kann ich daran jetzt nichts mehr, denn wie gesagt, ich befinde mich in einer Zelle. Und Zellen haben in ihrer archetypischen Funktion die Eigenschaft, ihren Insassen großzügigerweise die immer wieder nervige Entscheidung abzunehmen, wo man denn als nächstes hingeht und was man denn jetzt schon wieder als nächstes macht. Aber der Reihe nach. Kurz nach unserer Ankunft im blau-silbernen Passat- Kombi (oder war nur ich blau und habe bloß silberne Sterne gesehen? Egal, ich freue mich übrigens auf meine Kinder. „Als ich in eurem Alter war, waren Polizeiautos noch grün-weiß!“ „Boooah!“) betreten wir durch eine Art Schleuse die kleine, aber feine Polizeiwache Vechtas. Gleich nach hinten durch ins Büro, hinsetzen und pusten. Mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht schiele ich auf das Display des stationären Alkomaten-Test-Geräts. Denn mein Kapitaleinsatz im Waldhof hat dem Pustefix nach tatsächlich eine Rendite von 1,8 Promille erwirtschaftet. Hat sich ja doch gelohnt! Sollte Aktionär werden.
Gleich im Anschluss Handy, Schlüssel, Portemonnaie, Gürtel, Jacke und Schuhe abgeben. Die Kleinteile kommen in einen verschließbaren, abwaschbaren Beutel. Der Rest – man weiß es nicht. Aber so viel Vertrauen sollte man seinem Freund und Helfer schon entgegenbringen.
Bildnachweis: bf
Zelle belegt
Foto: Björn Franke
Als der gute Mann aber, der ja auch irgendwie mein Gastwirt ist, sich demonstrativ die weißen Latexhandschuhe überstreift, wurde ich dennoch leicht nervös. Es blieb Gott sei Dank beim bestens durch Film und Fernsehen bekannten Durchsuchen. Hände oben an die Wand, Beine auseinander, ein Griff hier, ein Klopfen dort. Eine fiese Leibesvisitation, bei denen die zumindest maskulin-heterosexuelle rektale Unschuld touchiert wird, war wohl durch meine Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft nicht vonnöten. Dann mal ab in den Bau. Das Grau der Fliesen könnte man sich durchaus auch in seinem eigenen Badezimmer vorstellen. Postmodern und gar nicht mal hässlich. Überhaupt bin ich überrascht, wie geräumig der Raum ist. Hier hätten auch drei bis vier Personen entspannt eingesperrt werden können. Dagegen gibt es nur einen gefliesten Steinsockel, der zusammen mit einer dünnen Plastikmatratze meine Schlafstätte darstellt. Dann sind noch drei Sachen zu klären: Licht an oder aus? Eine oder zwei Decken? Und hier ist der Rufknopf mit Gegensprechanlage, soll ja wohl vorkommen, dass Betrunkene mal aufs Örtchen müssen. Werde mich übrigens beim Reiseveranstalter beschweren, dass ich trotz anders lautendem Prospekt das Klo nicht auf dem Zimmer habe, sondern es mir mit anderen Gästen auf dem Flur teilen muss. Ich entscheide mich für die Option mit zwei Decken und Licht aus. Will ja auch irgendwann mal schlafen. Und dann geht auch schon die Tür zu. Sogleich beginne ich, meine Eindrücke dieser Zelle mit gängigen Vorurteilen abzugleichen. Erstens, wenn eine solch dicke Stahltür abgeschlossen wird, macht es tatsächlich so ein herrlich- tiefsattes „KLACK-KLACK“ wie im Film. Mann. So müsste eine Mercedes S-Klasse klingen, wenn man sie abschließt. DAS wäre chefmäßig-souverän. Dann denke ich, dass der ganze Raum vom Würfelhusten meiner Vorgänger eigentlich höllisch stinken müsste. Tut er aber keineswegs! Und selbst die Decken, die aber eher aussehen wie Einwegdecken und sich auch so rau anfühlen, riechen nicht besonders schlimm. Finde ich zumindest. Kann natürlich aber auch an der Rendite liegen. Nachdem ich mir diese spärlichen Informationen über diesen spärlich eingerichteten Raum in mein spärlich aufnahmebereites Gehirn eingeprägt habe, um sie mangels Stift oder Diktiergerät an dieser Stelle auch gescheit wiedergeben zu können, schlafe ich auch schon recht bald auf der Matratze ein.
Christopher Vielhaber
Licht an – oder Licht aus? Ich entscheide mich für Licht aus, was soll ich hier auch sehen? Die Tür fällt zu, es wird abgeschlossen, das Licht erlischt. Unsicher gehe ich in Socken über den gekachelten Boden und setze mich auf die dünne Latexmatratze. Plötzlich bin ich nicht mehr so überzeugt davon, dass eine Nacht in der Ausnüchterungszelle eine so enorm lustige Idee war… In meinem Kopf und meinen Ohren rauscht es noch von der Party, Bilder fegen durch meinen benebelten Schädel. Ich schaue mich ein wenig um, die Gitterstäbe werfen einen Schatten an die Wand – ich bin tatsächlich eingesperrt. Ein komisches Gefühl. Der Beamte sagte, er würde in einer halben Stunde nach mir sehen – was Christopher wohl gerade macht? Es ist ziemlich seltsam in der Zelle, ich wickle mich in eine der erhaltenen Decken und starre in die Dunkelheit. Mir ist ein wenig schwindelig, die Kacheln der Wand, an die ich mich gelehnt habe, sind hart, kalt und ungemütlich. Ich höre keinen einzigen Ton… nur meinen Atem und das Rauschen in meinen Ohren. Ich lausche eine Weile, da muss ein Beamter über den Flur gehen… aber an der Zellentür tut sich nichts.
Was ich die ganze Zeit gedacht habe? – Ich weiß es nicht mehr so genau, aber es muss einfach ALLES gewesen sein. Wie lange sitz ich denn schon hier? Er hatte doch gesagt, er wollte in einer halben Stunde wiederkommen?
Bildnachweis: bf
Weiße Kacheln, Matratze, Decke – was ein Luxus
Foto: Björn Franke
Ich ziehe die Knie an den Körper und schlinge die Arme um sie… Wer hier wohl schon so alles gesessen hat? Was der oder diejenige wohl hier gedacht, geschweige denn gemacht hat? Plötzlich durchbricht grelles Neonlicht die Dunkelheit, es schmerzt in den Augen, die Tür wird geöffnet. „Na, alles klar?“ Ich nicke und blinzle leicht benommen „Und? Wie lange bist du schon hier, was meinst du?“ Ich denke kurz nach. „Ganz schön lange, ne dreiviertel Stunde bestimmt.“ Lachend weist der Beamte mich darauf hin, dass ich erst 10 MINUTEN in der Zelle sitze. „Naja, ich komm’ in einer halben Stunde nochmal wieder… Licht an oder Licht aus?“ „Licht aus…“ murmel ich, das wird eine lange Nacht, an Schlafen ist nicht zu denken…
Melanie Ehlert
Als ich durch das inzwischen eingeschaltete Licht wieder aufwache, ist es nur wenige Stunden später und schon Zeit zu gehen. Also rasch zur Rezeption, noch einmal kurz den nur wenig gesunkenen Pegel gemessen, ausgecheckt und Wertsachen zurückerhalten. Frühstück gibt es nicht, also ab zum Bäcker. Da kann mir keiner sagen, ich hätte die Nacht auf Staatskosten verbracht – ist im Normalfall nämlich sauteuer, so ne Aktion, besonders wenn man die Fahrbereitschaft beanspruchen sollte. Alles in allem war es weniger schlimm, als ich befürchtet hatte. Auf ein fröhliches „Auf Wiedersehen!“ habe ich aber mal vorsichtshalber verzichtet.
Christopher Vielhaber

LOST in Hasbruch

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X-treme geht in die zweite Runde. Und wie das so ist bei Fortsetzungsreihen, muss es noch extremer sein. Noch abgedrehter, blutiger, kranker. Kein Problem. Das Thema: Verloren im Wald. So ließ sich ein Teil der Redaktion an einem gewöhnlichen Samstagabend aussetzen. Wo? Das ist die Überraschung. Was zu machen ist? Ebenfalls Überraschung. Die Planung oblag dem übrig gebliebenen Teil der Redaktion, dem Orgateam. Lest zunächst, was passieren sollte und schließlich das, was daraus wurde. Und erfahrt, dass x-treme ein extrem dehnbarer Begriff und somit Auslegungssache für jedes einzelne Redakitonsmitglied sein sollte. PS Schaltet das Licht aus, dann wirkt‘s authentischer.
von Björn Franke, Britta Simon, Julia Stock, Melanie Ehlert, René Kohn, Sebastian Dargel und Stefanie Bruns
Angsthasen allein im Wald
Das Orgateam grübelte lange und heckte was aus – Gruselig soll es werden – der Plan
Wenn. Wenn dieses Wörtchen nicht wäre. Dann hätten wir nie „Blair Witch Project“ gesehen oder „Das Mädchen“ gelesen. Dann wüssten wir nicht, was im Wald alles passieren kann. Wenn man allein ist. Nachts. (Seltsame Figuren aus Stöcken hängen in den Bäumen. Vorm Zelt findet man einen abgetrennten Finger. Vor lauter Panik streitet man sich mit seinen Weggenossen. Man landet in einem Hexenhaus. Ein Bär verfolgt einen.) Dann hätte das Orga- Team nicht zur Hälfte aus totalen Angsthasen bestanden.
„Und wenn ihnen was passiert? Das würde ich mir nie verzeihen.“ Von Anfang an bin ich von der Nachts-verlorenim- Wald-Idee nicht begeistert. Es gibt doch nette andere Vorschläge. Aber Mel, René und Dargel wollen nichts Nettes, sie wollen Action und Grusel. Und da ich im Survival- Team sicher vor Angst gestorben wäre (und das ist nicht wirklich übertrieben), werde ich Organisierende. Als erstes muss ein geeigneter Wald gefunden werden. Es gibt in Deutschland einfach keine mit in Maine oder Burketsville vergleichbaren Wälder. Vor allem nicht im Norden. Größter erreichbarer ist der Hasbruch zwischen Hude und Delmenhorst, eine knappe Autostunde entfernt. 627 Hektar Wildnis – durchzogen von guten deutschen Wanderwegen. Und Wegweisern, wie wir später feststellen werden. Wir haben viele Ideen, von „wir setzen sie ohne Geld und Handy aus und sie müssen zurück nach Vechta kommen“ bis „und am Zielpunkt verstecken wir ein Prepaid-Handy, auf dem noch genau das Geld für eine SMS ist“. Und alle sterben mit dem unberechenbaren Faktor Gefahr. Was ist, wenn sich einer das Bein bricht? Sie in eine Höhle stürzen? Einer von ihnen ausrastet und die anderen abmetzelt? (Weitere Ideen siehe oben.) Angsthasenhirne können sich viele Szenarien ausmalen. Somit erlauben wir ein Handy, Taschenlampen und packen Notfallverpflegung in Form von Keksen und Getränken ein.
Bildnachweis: rk
In der Nacht- und Nebelaktion festgehalten:
Die Wanderkarte, die eigentlich
nicht gefunden werden sollte.
Foto: René Kohn
Steffie lässt sich von den „Drei Fragezeichen“ inspirieren und schreibt ein Rätsel, welches unseren Abenteurern den Weg weisen soll und Britta macht es ihnen nicht leicht und verpackt das Lösungswort, welches uns die drei schicken müssen, damit wir sie abholen, in Wissensfragen. Nicht leicht – das denken wir jetzt noch. Außerdem schreiben wir eine liebevoll – ach, ich meine gruselig – angekokelte Einladung, die die drei in der nächsten Sitzung erhalten. Dass alles passiert bei den ersten beiden konspirativen Treffen, jedoch wird kein dritter Termin mehr gefunden, so dass wir den Hasbruch nicht näher als über Google Earth kennen lernen. Aber hey, da sieht er ganz schön wild und gefährlich aus! Am 27.10. schließlich kaufen Björn und ich, eingestellt auf eine lange Nacht, mehrere Liter Cola ein und fahren zum Treffpunkt. Dort erwarten uns die Mutigen schon, ein bisschen weiß im Gesicht und gar nicht mehr so mutig. Wir nehmen ihnen ihre Wertsachen ab („Habt ihr auch wirklich alles abgegeben? Wenn ich euch jetzt filze und noch was finde, müsst ihr ohne Taschenlampe los!“) und verbinden ihnen die Augen. In den Autos läuft der Soundtrack des hier so oft erwähnten Filmes und die Hasenfüße (ich erinnere: zwei vom Orga-Team) gruseln sich, während Mel sich anscheinend entspannt (unglaublich! Sie sieht nichts, ist auf dem Weg ins Ungewisse und entspannt sich!). Nach einer stillen Stunde, in der wir kein Wort sprechen und ich nur einmal aus Versehen an die Spieluhr auf Brittas Amaturenbrett komme, sind wir am Hasbruch, setzen das Survival-Team aus (ich umarme noch mal alle, wer weiß, ob ich sie je wieder sehe?), lassen sie bis zehn zählen, laufen wie die Bekloppten und schließen uns im Auto ein. 40 Minuten später, wir sitzen in der Pizzeria, piept Björns Handy. Eine SMS. Mit dem Lösungswort…
von Julia Stock
Im Wald
Was geschah – das Actionteam berichtet
Am 27.10.2007 war es soweit. Mit einem mulmigen Gefühl bestieg ich mein Auto. Draußen dämmerte es, und es krochen bereits feine Nebelschwaden über das taufeuchte Gras. Ein letztes Mal tanken, ehe ich die Auffahrt zum Sonnenkamp hochfahre. Was mich wohl erwartet? Zögernd biege ich um die Ecke und parke mein Auto, bereits jetzt fröstelt es mich ein wenig, es ist frisch geworden draußen. Dargel und René kommen dazu. Punkt 19 Uhr biegen zwei dunkle Autos ein… unsere Transportfahrzeuge.
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Bloß nicht verlaufen, sonst sind wir verloren!
Foto: René Kohn
Das Orga-Team nimmt uns unsere Sachen ab, es bleiben uns nur ein Handy und eine Kamera. Ich werde von den männlichen Teilnehmern getrennt. Die Augen werden uns verbunden. Gespannt setze ich mich ins Auto, ein leichtes Kribbeln im Bauch. Meine Fahrer steigen ein, es wird kein Wort mit mir gesprochen… ich halte den Atem an und lausche, eine CD wird eingelegt (Blair Witch Soundtrack, mit Einspielungen aus dem Film). Wir setzen uns in Bewegung. Bis Visbek kann ich den Weg nachvollziehen, danach lässt mich mein Orientierungssinn im Stich. Ich habe nicht die leiseste Ahnung wo mich meine Fahrer hinbringen, wir halten kurz, um zu tanken – Stille. Auf einmal erklingt die Melodie einer Spieluhr… ich grinse in mich hinein, gut gemacht das ganze Szenario, ein leichter Schauer wandert über meine Haut. Nach ca. einer Stunde sind wir am Ziel und werden mit verbundenen Augen aus den Autos geholt. Blind und mit der Hand des Nebenmanns in der eigenen stolpern wir einige Meter weiter. „So, wir geben euch jetzt einen Rucksack. In diesem befinden sich alle Sachen, die ihr braucht. Ihr zählt jetzt bis zehn und dann nehmt die Augenbinden ab“. Wir hören Schritte, die sich eilig über Kies entfernen und fangen langsam an zu zählen: Acht – neun – Motoren starten, Reifen drehen durch – zehn.
Wir nehmen unsere Augenbinden ab und stehen auf einem stockdunklen Waldpfad und sehen noch die Rücklichter des letzten Autos das um die Ecke biegt. Wir sind allein. Irritiert schauen wir uns um. Damit hatten wir nicht gerechnet. Ich höre meinen eigenen Atem und das Rauschen der Bäume – Schweigen. Als erstes öffnen wir den Rucksack und entfalten den enthaltenen Brief. Das Gedicht enthält einige Hinweise, mit ihrer Hilfe und der Wuchsrichtung des Mooses an den Bäumen, biegen wir auf den rechten Pfad ab… tiefer hinein in den Wald. Der Vollmond erhellt den Weg, die Taschenlampe durchbricht mit ihrem schwachen Licht die restliche Dunkelheit. Die Stimmung im Team ist gut, wir halten die Augen offen… nach nicht vorhandenen Hinweisen, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ein Wegweiser eröffnet uns drei neue Möglichkeiten… Amalieneiche, Jagdhütte, Kühlingen. Unser Rätsel bringt uns auf die Idee, den Weg Richtung Eiche einzuschlagen (Rätsel?). Der Waldboden gibt sanft unter unseren Füßen nach, im Wald neben uns raschelt es.
Bildnachweis: rk
Das Haus am Ende – es hätte gruselig werden können.
Foto: René Kohn
Ein Blitzen am Ende des Wegs lässt uns aufschauen… was ist das? Eine Wanderkarte! Das Orga-Team wollte bestimmt nicht, dass wir an ihr vorbeikommen… wir fotografieren die Karte, lösen das Rätsel. Ich schaue auf die Uhr, 40 Minuten sind wir in diesem Wald… Soll´s das gewesen sein? Wir schlagen den Weg Richtung Treffpunkt ein… nach einer guten Stunde erreichen wir unser Ziel.
X-treme ist eindeutig was anderes… gruselig auch… witzig war es mit Sicherheit, aber leider auch viel zu kurz. FAZIT: Man kann sich in norddeutschen Wäldern, bei vollem Bewusstsein, nur schwer verlaufen.
von Melanie Ehlert

48 Stunden – nichts als wach
Wenn‘s nach 45 doch nicht besser wird

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uniVista vs. Schlafparalyse
Bildnachweis: pixelio.de
© Engelbogen / PIXELIO
Der Schlaf, ein zentrales und lebenswichtiges Grundbedürfnis…Der Entzug desselben wirkt sich nicht nur auf unseren Körper aus. Diverse Studien belegen, dass Menschen misstrauisch, reizbar, übellaunig und schreckhaft werden, wenn sie nicht ihr benötigtes Schlafpensum bekommen. Ebenso werden Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst. Wenn der Schlaf über einen längeren Zeitraum, ob freiwillig oder gezwungenermaßen auf ein absolutes Minimum reduziert, oder gar völlig verhindert wird, stellen sich vermehrt Depressionen, Halluzinationen und Sinnestäuschungen ein. Das klang so spannend, das mussten wir unbedingt ausprobieren! Vier unerschrockene Redaktionsmitglieder begannen somit unsere neue Reihe: uniVista x-treme. Wir haben uns gefragt, was passiert denn tatsächlich, wenn man seinem Körper den Schlaf entzieht? Ist es schwer, lange wach zu bleiben? Ist man überhaupt noch in irgendeiner Art und Weise leistungsfähig? Und da 24 Stunden wach sein nun mal gar keine Herausforderung sind, haben wir uns überlegt, 48 Stunden wach zu bleiben. Ein Termin war gefunden, stellte sich nur die Frage, wie x-treme man dieses Wochenende gestalten sollte. „Noch extremer“ war die Devise und so wählten wir als Ort des Geschehens einen geheimen und sterilen Raum. Der PC sollte die einzige mediale Ablenkung sein, mit max. 4 Stunden Internetzeit für jeden. 48 Stunden wach sein…am selben Ort…mit denselben Leuten, das war die Ausgangssituation. So starteten wir am Samstag den 26.05.2007 um 9 Uhr morgens das Experiment, voraussichtliches Ende Montag der 28.05.2007 ebenfalls 9 Uhr morgens.
von Melanie Ehlert, René Kohn, Stefan Hirsch und Stefanie Bruns
Das Protokoll
6:02 Uhr / 21 Std. wach:
Ein Durchhänger erfasst die Gruppe seit nunmehr einer gewissen Weile. Erste Unmutsäußerungen werden laut. Unmutsblicke können auch schon gesehen werden, weil erste technische Verluste in Kauf genommen werden müssen. Bisher alle Versuche erfolglos, die Technik wiederzubeleben.
Erster Kleiderwechsel am Morgen. Stefan nun mit hoch stehendem Kragen, schwarz, langärmlig.
Rene Kohn
09:26 Uhr / 24 Std. und 26 Min. wach:
Die ersten Schwächeanfälle wurden dank der Cam dokumentiert. Ich fühle mich komischerweise, bis auf dieses Sausen in meinem Kopf, recht fit. Erste Auffälligkeiten: Ich habe Schwierigkeiten mich auf eine Sache zu konzentrieren, denke an viele Dinge gleichzeitig, und versuche sie gleichzeitig zu begreifen, was mir bis jetzt noch nicht einmal gelang. Das kreative Potential hingegen ist gigantisch.
Melanie Ehlert
Zwischen 11:00 Uhr und 11:30 Uhr / 25-26 Std. wach:
Konsequenz der geballten Kreativität: Habe ein Dutzend Bilder mit Farbstiften gemalt. Die erste Geschichte steht und wird von Stefan vorgelesen. Melanie ist der Lyrik verfallen. Sehr schön! Stress mit den Sich-nicht-an-die- Regeln-Halter. Diskussion über Sinn und Zweck einer Aktion wie dieser. Was man gemacht hat, zählt nicht. Was man macht, zählt. Heißt: nicht schlafen!
Gesundheitlicher Zustand: Leichte Kopfschmerzen, mittlerweile gehabt, schon wieder vorbei. Vibrationen im Mundbereich. Was bedeutet das? (öh, klingt auf jeden Fall echt schräg… :-P)
Rene Kohn
12.00 Uhr / 27 Std. wach:
In meinem Kopf macht sich eine angenehme, warme Schwere breit. Das Sausen hat sich zu einer sanften Brise gelegt und streift meinen kreativen Geist. Habe heute schon wieder hochtrabende Lyrik geschaffen…Bis jetzt noch keinen Kampf gegen den gemeinen, feigen Sekundenschlaf gefochten. Mal gucken, ob der Wicht sich heute noch blicken lässt. Nein. Wir werden heute noch viel schaffen…, bestimmt, ganz bestimmt.
P.S: Nacken- und Schulterpartie ist eine komplette Verspannung… warum? Weiß der Geier…
Melanie Ehlert
14:05 Uhr / 29 Std. wach:
Während Melanie versucht, sich über einschlägige Chatprogramme fit zu halten um nicht einzuschlafen, schreib ich mal wieder einige Eindrücke. Mittlerweile geht’s wieder richtig gut. Weder ein Kribbeln im Gesicht noch Kopfschmerzen oder Sonstiges. Habe zwischendurch Badminton gespielt. Im Büro!
Stefan ist derweil auch in eine oder mehrere Schlafphasen gefallen. Sprich: Der Zweikampf ist eröffnet. Melanie braucht ein Battle, sonst hält sie es nicht durch.
Rene Kohn
15:31 Uhr / 30,5 Std. wach:
Zwischenzeitlich stechende Schmerzen am Hinterkopf. Nach Austausch mit der noch wachen Melanie haben wir beide festgestellt, dass das wohl nichts Sonderbares ist, weil wir es beide haben. Allgemeiner Austausch über Nebenwirkungen von Schlafentzug. Man ist doch nicht nur müde.
Immer wieder keimt die Frage in einem auf, was mache ich hier nur? Und die Tatsache, dass es weder hier drinnen und noch weniger draußen jemanden geben könnte, der einem das beantwortet, macht das Ganze nicht besser. Rühren daher die Kopfschmerzen? Denken sich diese kleinen, kaum zu definierenden und letztlich unverstandenen Reize etwa: Scheiß auf Synapsen! Wir schleudern uns direkt gegen die Hirnrinde! Nur hindurch.
Noch bin ich stolz auf mein Nervenkostüm!
Rene Kohn
15.41 Uhr / 30 Std. 42 Min. wach:
Sein Nervenkostüm in allen Ehren, aber ich glaube er besitzt keins mehr. Kopf fühlt sich nach wie vor dumpf an, kann mich aber noch gut artikulieren und den Gesprächen unserer Besucher und Mitstreiter folgen. Nacken verhärtet sich zusehends, kommt wahrscheinlich vom x-treme PC- und Stuhl- Hocking. Wollte noch soviel machen, aber verspüre eine zunehmende Gleichgültigkeit gegen alles was nicht koffeinhaltig ist, oder der direkten Erheiterung meiner Person dient.
Schlafentzug macht auch zu großen Teilen egoistisch, habe ich festgestellt…noch siegt meine soziale Ader, aber wer weiß wie lange….
Melanie Ehlert
Ab 17 Uhr / Über 32 Stunden wachh:
Waren draußen. Essen beim Chinesen. Befürchtete Müdigkeit machte sich umso mehr breit, umso mehr ich aß. Starrer Blick auf Straßenszenerie, während alle anderen gepflegte Konversation betrieben. Rauchen. Schule. Zahnarzt-Grusel-Geschichten. Lehnte mich zurück, zahlte brav die Rechnung und kaufte noch ein Eis. Kühles hilft ungemein gegen Müdigkeit. Da bleibe ich dran, habe ich beschlossen. Vielleicht fahre ich also noch das eine oder andere Mal diese Nacht zur Tanke.
BJO IST DA. 19.33 UHR: Freude. Einmal ein anderes Gesicht.
Rene Kohn
19.37 Uhr / 34 Stunden und 37 Minuten wach:
Auch ich freue mich, Bjo zu sehen, ein bekanntes Gesicht, jemand der zumindest ungefähr nachvollziehen kann, warum und wieso wir das tun, was wir tun.
3:20 Uhr /4 2 Stunden und 20 Minuten wach:
Melanie Ehlert
So langsam werden die Augen wieder ein wenig schwer. Melanies angekündigte Schwächelphase steht an und ich lasse mich scheinbar beeindrucken. Die letzten Stunden waren aber auch intensiv. Ablenkung und Aktion durch Spieleabend. Lustiges Begrifferaten, sprich wir haben Tabu gespielt, was der Redaktion mehr liegt als Activity. Meine Augen werden nicht zufallen. Und ich spüre die Müdigkeit im Nacken, was daran liegt, dass Melanie dort irgendwo sitzt.
Ansonsten muss ich sagen, bin ich positiv überrascht von meiner…naja, ich hab schon ein wenig damit gerechnet, eigenen Stärke. Allerdings stören mich die einen oder anderen roten Augen anderer. Und ich merke, dass ich eine gewisse Sensibilität entwickle gegenüber dummen Kommentaren. Aber sonst: alles locker. Bis später.
Rene Kohn
3:32 Uhr / 42 Stunden und 32 Minuten wach:
Nach einer, schon etwas aus der Bahn werfenden nachmittäglichen Schwindelanfallerfahrung, muss ich sagen dass es mir richtiggehend gut ging, bis ca. 3 Uhr, momentan zwischenzeitliche Gähnattacken und ein dumpfes Gefühl auf den Augenlidern, bis hoch zum Haaransatz. Konzentration ist angemessen, Gesprächen kann man noch gut, bis sehr gut folgen. Ebenso kreative Aufgaben lösen, oder neue Lösungsansätze finden.
Bemerke leicht aggressive und genervte Tendenzen in der gesamten Gruppe. Mich eingeschlossen. Halte mich selbst aber geschlossen, um nicht etwas zu sagen, dass ich eventuell bereuen könnte.
Melanie Ehlert
05.42 Uhr / 44 Stunden und 42 Minuten wach:
Boar, es ist hart, René sagte zwar immer, nach 45 wird alles besser, aber wahrscheinlich war das nur ein fieses Gerücht, damit ich enttäuscht zusammenbreche, wenn dem nicht so ist. Warte jedenfalls seit mittlerweile 44 Minuten auf diesen Jungbrunneneffekt. Er tritt nicht ein…kann er auch nicht, denn ich habe gerade erfahren, dass mein Mathe mittlerweile zu wünschen übrig lässt und ich mich noch in der 44 Stunde befinde. Nacken und Schultern tun mir nach wie vor weh…meine Augenlider neigen immer wieder dazu, sich bleischwer und meine Augen gequollen anzufühlen. Ansonsten ist alles paletti und ich sitze hier, um kurz vor Schluss noch einmal ein bisschen was für die Nachwelt festzuhalten. 48 Stunden klingen eigentlich recht kurz…nach wie vor empfinde ich das auch so… das Wochenende ist irgendwie an mir vorbeigezogen…es war eigentlich nicht langweilig und schwer war es auch nicht. Die 48 Stunden wach zu bleiben, erweist sich jetzt, so knapp vor Schluss, als ein bisschen anstrengend, aber ich glaube, das ist einfach das Wittern der Zielgeraden, was den einen oder die andere ein bisschen kribbelig macht. Kommen wir zu unserer Fragestellung: Tendenziell sollte man in der Prüfungszeit besser keine 48 Stunden am Stück wach bleiben. Für den Körper ist es eine ungewohnte Zeitspanne, die er ohne Schlaf auskommen muss. Etwas auswendig zu lernen erwies sich schwerer als gedacht, etwa der Rollentext, den wir alle lernen wollten…ja…der ist beinahe noch so unberührt wie zuvor ;), fehlt einem ohne Schlaf doch der rechte Elan. Sind eure Aufgaben kreativer Natur und müsst ihr verrückte Einfälle haben, nur zu…ich kann die Nachts-wach-bleiben- Aktion für euch nur empfehlen, denn nachts hat man doch nach wie vor die besten Einfälle ;o)
Melanie Ehlert
07.21 Uhr / 46 Stunden und 21 Minuten wach:
Es geht gerade mal so gar nicht…aber so überhaupt nicht mehr. Da ist man seit über 46 Stunden wach und verschwendet keinen schnöden Gedanken an die Zeit und jetzt schleicht sie nur so dahin. Bin im Moment richtig müde, aber so richtig! Muss zwischendurch immer mal wieder aufstehen und umherlaufen, weil ich sonst merke, wie ich die Augen verdrehe, scheint ein erneuter Müdepunkt zu sein, den es zu überwinden gilt. Kann auch nur schwer Realität und was weiß ich auseinander halten, muss noch was schreiben…und das soll jetzt noch gemacht werden und wenn ich mit dem Kopf auf der Tastatur einschlage. René hält sich tapfer, muss ihn gerade ein bisschen bewundern, gesteh ich jetzt mal so, wobei er auch auffällig viel nebenbei macht…hat fast leichte Stefan’sche Basteltendenzen…Hauptsache was zu tun ;o)
Melanie Ehlert
7:30 Uhr / 46 Stunden und 30 Minuten:
Ich lenke mich derweil seit geraumer Zeit ab mit wichtiger Hausarbeit sowie mit technisch hoch komplizierten Verfahren. Jetzt bin ich fertig. Sitzen strengt an. Schreiben auch.
© Linda Dahrmann / PIXELIO
Und ja doch, selbst die Artikulation kostet schon mehr Aufwand. Ein Corny bewahrte mich vor einem wahrscheinlichen Hungertod. Wobei ich gerade noch dachte, ich hätte keinen Hunger, sondern das wären allmählich die Auswirkungen dieses Experiments: der körperliche Verfall. Tja, nun bin ich wieder fit, bis auf die davor beschriebenen Symptome und das Gefühl, irgendetwas ganz dringend tun zu müssen… Tschö.
Rene Kohn
07.58 Uhr / 46 Stunden und 58 Minuten wach:
Kribbeln/ Taubheitsgefühl rechte Hand…

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