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Eine Zugfahrt …

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“Der Platz ist leider schon besetzt”
Schon wieder acht Stunden unterwegs auf den Gleisen Deutschlands. Schlafen und Lernen sind natürlich Dinge, die einem bei so viel zur Verfügung stehender Zeit in den Sinn kommen. Wenn es denn möglich wäre. Denn die Wahrscheinlichkeit, während einer Zugfahrt in Ruhe gelassen zu werden, ist ziemlich gering.
Wenn nicht gerade am anderen Ende des Abteils ein Kind unrhythmisch schreit oder 15-jährige Kicher-Gören ihren neuen Billigkauf von DM durch die dürre Luft jagen. Ja, wenn nicht eben ein agnegeplagter Bube das Rap-Gestammel aus seinem Smartphone laut gestellt hat, so bleibt noch immer die Chance, dass sich einer von den 18 armen Tölpeln, die statistisch betrachtet jede Woche Schienensuizid begehen, sich unbedingt in meinen Fahrplan schmeißen muss. Das ist kein böser Zynismus, tragisch zwar, aber alles habe ich in den letzten 20 Jahren Zugfahrleiden exakt so erlebt. Selbst wenn der harmlose Fall einer zerstörten Oberleitung eintritt, kocht in mir nach Sekunden schon der Hass. Ich avanciere dann feierlich zu einem hervorragenden Freundlichkeitsblocker. Also kann mir jedes Grinsen gestohlen bleiben und nie würde es mir einfallen, mit hochrotem Kopf und hektisch auf und nieder schlagendem Bein jemandem zuzunicken. Apropos ausgetauschte Erfahrungen. Ich stellte mal ein Inserat für eine Bahnmitfahrgelegenheit ins Internet. Innerhalb von acht Stunden hatte ich sechs verschiedene Mitfahrer und bis auf die Tatsache, dass ich erheblich gespart hatte, war ich am Ende der Reise entsetzlich ausgelaugt vom ewigen Smalltalk. So sind doch sämtliche Geschichten von fremden Menschen wie die auf der Zugstrecke verteilten Haltestellen. Sie rauben dir Zeit und wie die Menschen ein- und aussteigen, so verdunsten auch die öden Geschichten. Stolpernd innerhalb der eigenen geheuchelten Aufmerksamkeit. Es ist also völlig in Ordnung wenn meine Mitfahrer die Augen schließen oder in ihrem Buch lesen. Nichts interessiert mich weniger als ihre Erfahrungen.
von Tobias Kunz
Spannende Geschichten
Wieder einmal liegt eine lange Zugfahrt vor mir. Sieben Stunden auf einem harten engen Sitz. Als Zeitvertreib stehen Lernen oder Schlafen zur Auswahl. Die Fahrt beginnt. Doch schon nach der ersten Stunde intensiven Lesens fallen mir schier die Augen zu. Zwei Stunden später wache ich wieder auf. Was nun? Auf Lernen hab ich keine Lust mehr und zum Schlafen bin ich viel zu wach. Auch die immergraue Landschaft des Ruhrgebiets bietet wenig Abwechslung. Also schaue ich mich innerhalb des Zuges ein wenig um. Schließlich will man ja auch wissen, wer einem alles beim Schlafen zugeschaut hat. Und dann kurz hinter Bonn passiert es: Der Zug bleibt stehen. “Wegen eines Schadens an der Oberleitung wird sich unsere Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögern.” Na super! Jeder im Zug hat es gehört. Jeder im Zug denkt das gleiche. Hier und dort treffen sich Blicke, man lächelt sich kurz zu und schaut wieder weg. Aber warum? Es denken eh alle das Gleiche und jeder will seinem Ärger Luft machen. Auch in meinem Vierer-Sitz spielt sich diese Szene ab. Doch dann bricht eine ältere Dame das Schweigen und wir fangen ein munteres Gespräch über die Panne an. Schließlich erzählt jeder seine Geschichten, die er auf Zugfahrten erlebt hat. Man tauscht sich gegenseitig über seine Erfahrungen aus. Und dabei kommen echt spannende Geschichten zutage. Als der Zug endlich weiter fährt, stellen wir verblüfft fest, dass wir zwei Stunden stillstanden, ohne es zu merken. Bis zum Ziel in Stuttgart fahre ich mit diesen Fahrgästen und habe eine echt nette, entspannte, abwechslungsreiche Unterhaltung.
Spätestens seit diesen zwei Stunden Wartezeit, in denen ich machtlos auf meinem schmalen, unbequemen Sitz ausharren musste, weiß ich Gespräche mit anderen Fahrgästen während der Fahrt zu schätzen. Es ist völlig in Ordnung, wenn man zwischendurch die Augen zu macht, ein Buch liest oder Arbeit erledigt, die Leute sind einem nicht böse. Aber wenn sich ein Gespräch ergibt, stelle ich jedes Mal fest, wie spannend es sein kann, fremden Menschen zuzuhören und ein bisschen aus ihrem Leben zu erfahren. Und ein ganz großer Vorteil, den solche Gespräche mit sich bringen: Wenn man in der Klemme steckt, kann man sich gegenseitig helfen. Selbst wenn diese Hilfe nur darin besteht, Erfahrungen zu teilen.
von Nina Gerlach

Spießer!?

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Wie spießig darf ein Student sein?
Pauken, Trinken, die sündhaften, jungen Jahre genießen und dabei reifen? Das Gesamtpaket „Student“ ist vollgepackt und fest geschnürt. Prioritäten müssen her! Manch einer konzentriert sich auf die Entwicklung des Geistes, ein anderer auf Beanspruchung der Leber. Studentenschaft zweigeteilt. (Stereotype erleichtern Welt und Texte.)
Schon gehört? Der Sonnenkampkeller trägt seine Exzessveranstaltungen nun schon des Längeren in der Cubar aus. Warum? Manche Ober-, Neben- oder Gegenübermieter konnten (an maximal zwei Nächten im Monat) bei all dem Krach nicht schlafen, bei all dem Gestank nicht atmen und bei all dem Dreck nicht leben.
Nun hat eine Beschwerde beim Studentenwerk Wirkung gezeigt. Zwei Nächte im Monat besserer Schlaf und der für Studenten gedachte Keller ist von nun an spaßfreie und nutzlose Zone. Schade irgendwie. Statt eine höhere Instanz zu informieren, die befugt ist, dem Treiben ein Ende zu bereiten, hätte man als gestörter Mieter mit der Führungsspitze der organisierten Partykultur doch sicher auch eine Einigung erzielen können, die beide Seiten glücklich macht?
Aber wo liegen die Grenzen des Ertragbaren? Wo findet sich die Basis für einen Kompromiss? Hat man als Student nicht die Pflicht zu leben, dabei auch ab und an Krach zu machen und doch das Recht auf Ruhe und Sauberkeit?
Dass der Sonnenkampkeller nun in Cuba(r) liegt, ist wirklich tragisch. Denn was den Keller ausmachte, findet sich dort leider nirgendwo. Aber vielleicht hätte man auch einfach nur die Anlage leiser drehen sollen. Oder?
von Tobias Kunz
Aufspießen oder Klappe halten?
„Du kannst dich gerne hinter mir anstellen!“ Reaktion auf einen Vordrängler. „Ruf doch die Polizei.“ Rat bei dauerhaft lauter Musik beim Nachbarn. „Kannst du deinen Rauch auch woanders hin pusten?!“ Ratet mal …!
Sind diese Reaktionen spießig? Einige würden diese Frage wohl bejahen. Sollte man sich manchmal vielleicht trotzdem so verhalten?
Spießige Typen sind auch nur Menschen, genau wie Studis. Aber können sich Studis auch von Zeit zu Zeit spießig verhalten, ohne gleich von der Menge der Leute, die sich als cool und aufgeschlossen empfinden, komisch angesehen zu werden?
Einige möchten nicht zu diesen Menschen gehören, die auch mal ihren Mund aufmachen, wenn ihnen etwas nicht passt und die Rücksichtnahme von ihrer Umwelt einfordern. Dann lieber Klappe halten und abgekühlt lächelnd das Verhalten vom Gegenüber ignorieren. Schlafen kann man auch später.
Aber ist Spießertum nur ein Verhalten oder auch ein Gefühl? Kann man sich spießig fühlen, diesem Drang dann aber nicht nachgehen? Oder gehört es vielleicht dazu, sich auch gleich immer äußern zu müssen?
Wie bei jedem Drang ist es wahrscheinlich besser, ihn nicht runter zu schlucken, sondern bisweilen in (für sich und die Umwelt) verträglichen Dosen raus zu lassen. Sonst kann sich schnell ein seltsames Gefühl in der Magengegend einstellen.
Die Frage ist eigentlich nur: Wer ist wirklich spießig? Der, der sich so verhält oder der, der jemanden so bezeichnet? Beide nervt ja eigentlich nur das Verhalten vom Gegenüber. Die haben wohl mehr gemeinsam, als sie denken.
von Alexander Dressler

Einzimmerappartement oder WG?

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© Simon / Photoopia
Ich bin frei!
Ich wohne alleine … und wisst ihr was?! Es ist geil.Niemand, der mich nervt und den ich nerven kann. Ich muss keine Rücksicht auf irgendwelche Mitbewohner nehmen. Wenn ich meine Sachen irgendwo rumschmeiße, interessiert das niemanden. Am besten finde ich, dass das, was ich mir an Lebensmitteln kaufe, solange in meinem Kühlschrank bleibt, bis mein Magen danach verlangt (oder bis das MHD abgelaufen ist). Ich brauche niemanden zu fragen, ob ich den Fernseher etwas lauter machen darf, oder welches Programm geguckt wird, denn die Herrin der Fernbedienung bin ich ganz alleine. Niemand zickt und zofft, oder labert mich schon morgens, wenn ich noch im Delirium bin, mit sinnlosen Sachen voll. Wenn ich einkaufen gehe, sieht es nicht wie bei einer Großfamilie aus, ich kann meine Sachen leicht in einer Box transportieren. Ich kann duschen und das Klo benutzen, wann immer es mich danach verlangt. Wenn ich Bock habe zu telefonieren, greife ich einfach zum Hörer, ohne dass nach einer halben Stunde jemand an meine Tür klopft, um zu fragen, ob es denn noch lange dauert.
Sollte mich wirklich ein Anflug von “Einsamkeit” plagen, schwinge ich mich in mein Auto und fahre zu meinen Freunden, um dort ein bisschen Chaos zu verbreiten. Wenn ich das erledigt habe, kann ich mich entspannt in meine vier Wände zurückziehen und das Alleinsein in Ruhe genießen.
von Kristin Rothe
Bild: Alexander Dressler
Zusammen ist man weniger allein!
“Ach du Schreck! Eine Sechser-WG!”, so reagieren die meisten, wenn sie von meinen Wohnverhältnissen hören. Doch ich kann nur Positives berichten!
Die Vorteile einer Wohngemeinschaft überwiegen meiner Meinung nach ganz klar. So lässt es sich wohl auch erklären, dass ich von Anfang an nur nach WGs gesucht habe, als ich mich vor etwas mehr als einem Jahr auf Wohnungssuche begab. Auf diese Weise hatte ich in der damals noch unbekannten Stadt direkt Menschen, die ich kannte, mit denen ich zusammen zu Vorlesungen, in die Mensa oder auf Uni-Partys gehen konnte. Immer hatte ich die Rückendeckung meiner Mitbewohner und konnte so die Fühler nach neuen Kontakten ausstrecken.
Neben praktischen Aspekten, wie den geringeren Kosten, Aufteilung der Putzarbeiten usw. hat es auch sonst so einige Vorteile. Zusammen kochen, Filme schauen, zusammen für Klausuren lernen, oder im Schwimmbad entspannen.
Man muss vielleicht dafür geboren sein, gerne die Küche zu teilen, auch mal auf eine freie Dusche zu warten, oder aber Rücksicht zu nehmen. Doch wenn man das alles ohne Probleme bewältigen kann, dann ist eine WG – passende Mitbewohner vorausgesetzt – eine Bereicherung! Und wer ist schon gerne allein? Ich finde eine Wohngemeinschaft ist einfach perfekt. Zurück ziehen kann sich ja jeder in sein eigenes Zimmer. Da kann man dann Musik hören, Filme schauen und so weiter, wie es einem beliebt, natürlich in einer normalen Lautstärke, man will die Mitbewohner ja nicht ärgern!
von Carola Hofmann

Struktur!

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Nein Danke!
Liebe Studierende,
Hand aufs Herz! Was ist aus diesem Studium geworden? Eine Schule? Ein enger, akademischer Käfig, der uns keine Luft zu freiem Lernen lässt? Der Bachelor aus der Hölle, der uns seine eisigen Finger um den Hals legt! Ja, ist es so schlimm? Ich glaube, so schlimm kann es nicht sein, wenn wir uns jedes mal an den “How I Met Your Mother”-Folgen auf dem Laptop des Vordermannes ergötzen können oder wir uns an dem arhythmischen Stakkato der Leertaste laben dürfen, das die freundliche Kommilitonin aus der hinteren Reihe erschallen lässt, wenn sie sich neue Solitair-Karten gibt. Oder wenn man einem ausladenden Gespräch über den wochenendlichen Alkoholexzess beiwohnen darf . Oder wenn wir den verehrten Mitstudenten, die sich während der Vorlesung der “höheren Literatur” widmen, über die Schulter schauen können. Natürlich bevorzugt nichts aus den aktuellen Veranstaltungen. Am liebsten liest man dicke Wälzer mit möglichst buntem Einband. Oder “Twilight”. An solchem Lesen kann man sich zwar nicht irgendwie passiv beteiligen, hat aber wenigstens die nötige Absolution selber bei studiVZ oder Facebook neue Freunde zu adden und irgendeinem geistreichen Online-Game nachzugehen, in dem man einen virtuellen Bauernhof verwaltet. Hauptsache ist, der Dozent quasselt gegen eine Wand aus surfenden Zombies, deren einziger Höhepunkt des Seminars das Krakeln der eigenen Unterschrift in die Anwesenheitslisten ist. Tja, es ist nicht so, dass der Autor dieses Textes im Bezug auf vieles davon ein Kind von Traurigkeit ist, doch passen die gemachten Schilderungen für meinen Geschmack einfach zu oft . Die Wahrheit liegt vermutlich auf der Mitte. Aber ich glaube manchmal – in seltenen Momenten – dass ein bisschen Struktur und Disziplin den meisten von uns eigentlich ganz gut täte, nähme man sie ernst. Vielleicht ist es ja nicht die Struktur des Bachelors, die uns am lernen hindert, sondern eher die eigene Motivation? Vielleicht sollten wir einfach erst schauen, was wir (an uns?) selbst verändern können, um das Studieren für uns und andere leichter und effektiver zu gestalten, statt gleich die große Keule gegen das böse System zu schwingen.
von Thomas Hülsmann
© Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Tötet Struktur die Kreativität?
Nach 12 bis 13 Jahren Schule haben wir immer noch nicht genug? Wollen wir uns auch jetzt noch vorschreiben lassen, dass wir Mathe montags früh in den ersten beiden Stunden, Sport aber am Freitag Nachmittag haben?
Dank des Bachelors und Dank der damit verbundenen Ablaufpläne kommt es dem nämlich schon sehr nahe.
Als ich damals in die 1. Klasse kam, haben alle gesagt “Jetzt fängt der Ernst des Lebens an!” Davon spürte ich in den vier Jahren Grundschulzeit nichts.
Dann kam ich in die 5. Klasse auf einem Gymnasium, wieder mit gut gemeinten Ratschlägen und “Jetzt fängt der Ernst des Lebens an!” und wieder kann man von Ernst nicht reden. Natürlich wuchs der Notendruck und um meine Freizeit war es schlechter bestellt als noch zu Grundschulzeiten, aber tatsächlich ernst war es auch hier nicht.
Bereits schon vor der Zeugnisvergabe denkt man ja darüber nach, was man nun machen will. Studieren! Und natürlich, nach 2 Fehlschüssen fängt aber JETZT der Ernst des Lebens an!?
Kaum vorstellbar, bekommen wir doch nahezu vollständig vorgefertigte Stundenpläne, man bekommt genau gesagt, in welchem Semester man welchen Kurs, welches Seminar, welches Modul belegen soll. In den Kursen gibt es selbstverständlich eine Anwesenheitspflicht, natürlich gibt es zur Kontrolle dennoch eine Liste. Man muss sich also keine Sorgen machen, denn den Dozenten entgeht kein Fehltag!
Man sollte doch meinen, dass die Studenten erwachsen und selbstständig sind, aber nein, an der Uni sieht man das wohl anders. Wir werden nicht nur an die Hand genommen, sondern man legt uns gleich eine Kette an.
Freiheiten, die hat man als Bachelor-Student doch kaum. Wenn ich da höre, was Diplom-Menschen berichten, da kann ich nur neidisch zu hören.
Also bitte, etwas mehr Vertrauen wäre schon schön, schließlich wollen wir doch studieren, wir machen das freiwillig. Warum tut man also so, als sei das Zwang?
von Carola Hofmann

Der feine Unterschied
Vechta vs. Leipzig

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Vechta
Studieren ist eine großartige Sache. Doch kann man sich als Student in einer Kleinstadt wie Vechta entfalten? Abgesehen vom allgegenwärtigen Wissen, welches auch um unsere Universität keinen Bogen macht und die Möglichkeit sich intellektuell zu entwickeln, stellt sich die Frage: Was bedarf es um einen sogenannten studentischen Kult aufrecht zu erhalten und ist die Umgebung in Vechta dafür geeignet? Halten wir fest. Student sein, kann bedeuten: brav lernen, sich einen akademischen Grad anheften lassen und in ein gewähltes Arbeitsfeld eintauchen. Was hier jedoch angesprochen werden soll, ist die Verschmelzung von Wissen, Kultur und Kunst, Politik, Partys, Mode, Geld und ein sich daraus selbst erklärender Lebensstil. Als Perfektionist dieses Lebensstiles in Vechta radelt man also mit Büchern unter dem Arm durch die Einöde der Familiensiedlungen bis hin zur Bibliothek, saugt eine geballte Ladung Wissen in sich auf und denkt auch an die Arschtaschen-Privatlektüre aus dem Bereich der Belletristik.
Liegt eine Party an, so besteht die Möglichkeit, sein möglichst individuell gestaltetes Outfit mit schmuddeligem Secondhand-Anteil auszustaffieren.
Man kann auch darauf verzichten. Die Bedienung an der Großen Straße bietet doch Mode-Freiraum und Klamotten für den studentischen Wiedererkennungswert? Die Kommilitonen sind leicht zu finden, denn die Auswahl der Clubs kann man an einer Hand abzählen. Cocktail schlürfen, Lümmeln auf Sofas in atmosphärisch beleuchteten Hinterzimmern, Tanzen und Abspacken und stets ein halb gefüllter Laden. Wer mag und braucht, kann sicher auch von Joint zu Shisha laufen und breit in Studentenzimmern vergammeln.
links: © khv24 / PIXELIO
rechts: © Peter von Bechen / PIXELIO
Kino, ab und an Theater, Zitadellenpark, Sportangebot, Hochschulpolitik und gleichgesinnte Studenten. Ist doch alles da! Oder doch nicht? Ich gebe ab an Leipzig: Wie ist es in Eurer Großstadt?
von Tobias Kunz
Leipzig
“Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute”, sagte schon Goethe, und ich kann ihm nur zustimmen, wenn ich mich von einem der roten Ledersofas der Campusbibo der 600 Jahre alten „alma mater lipsiensis“ erhebe, um schnell einen Abstecher ins Vapiano zu machen, um danach einen Venti-Café-Latte in unserem Lieblingsstarbucks zu schlürfen. Dabei fällt es uns für gewöhnlich leichter, die PartyStressLernSchlafdefizitSorgen zu verdrängen, die uns arme Medizinstudenten ach so häufig zu überkommen pflegen. Einen großen Milchschaumlöffel genießend, gehe ich in Gedanken die Wochenplanung durch. Heut Abend: Party STUK. Dann: früh raus zur VL oder Ausschlafen und dann erst Praktikum? Hmm … Karten für die Rockoper Faust in Auerbachs Keller besorgen (Dr.Jekyll & Mr.Hide läuft auch gerade, schade, dass ich schon wieder fast pleite bin …), anschließend Umsehen nach einer der en masse zu findenden spottbilligen Stuckdeckenwohnungen. 19 Uhr in die Moritzbastei zur Studentenparty. Am nächsten Tag nochmal in die Bibo, vielleicht diesmal in die der Juristen im Petersbogen, da ist gleich meine Lieblingsshoppingstraße, wo man mich zum tausendsten Mal anquatschen wird, ob ich nicht gedenke, Fitnessstudiomitglied zu werden. Zum Glück beuge ich der drohenden Verfettung durch 2malige Unisport-Aktionen wöchentlich vor, das Angebot ist riesig, die Kurse jedoch studentisch überfüllt. Mein Handy klingelt. Ob ich nicht Lust hätte, Samstag mit ins Velvet zu kommen. Miri hat mir eine Mail auf studiVZ gesendet: “Franzi, wie sieht‘s aus? Samstag Nachtcafé?” Ich überlege, wem ich jetzt absagen soll. Ich beschließe, zu Hause zu bleiben, zum Völkerschlachtdenkmal zu spazieren und ein bisschen die seltene Zeit für mich zu genießen. Mein Handy glüht, ich ändere die Tageseinstellung auf vibrations – und lautlos. Leipzig schläft nicht, aber hin und wieder gönne ich mir selbst diesen Luxus.
von Franziska Ehrst

Willkommen in Vechta!
Die nehmen hier fast jeden

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Foto: Alexander Dressler
“Bewerben sie sich in Vechta, die nehmen fast jeden”, sagte der Studienberater mit nachdenklichem Blick auf mein Abiturzeugnis. Klar, Vechta. Nie gehört. Sechs Wochen und unzählige Absagen später sollte sich das ändern.
Kommilitonen, mit denen ich mich in den ersten Wochen unterhielt, ging es ganz ähnlich. “Eigentlich wollte ich ja nach …, aber der N.C.”, hörte man immer wieder. So richtig freiwillig hatte sich kaum jemand fürs norddeutsche Outback entschieden. Schlechte Abiturienten kommen nach Vechta, gute überall hin. Naja.
Und jetzt? Anfangs musste ich mich ziemlich umstellen. Als Mountainbiker vermisste ich die Berge. Und ja, mir fehlte die Innenstadt. Ich komme aus Braunschweig, das ist schon nicht gerade New York. Aber immerhin bekommt man dort nicht nur, was man braucht, man hat sogar Auswahl. Und hier? Die Große Straße, die in jeder größeren Stadt vermutlich Kleine Straße heißen würde mit ihren paar Geschäften links und rechts, das war‘s. Nachts fahren dort getunte Golf GTI mit Schalldruckantrieb auf und ab, Atzenmusik versus Mickie Krause versus Sportauspuff. Jaja, bei uns auf dem Lande ist die Welt noch in Ordnung.
Aber irgendwie war ich ja nie so der Großstadt-Checker, und wenn man die richtigen Leute findet, gefällt‘s einem sowieso überall. Ich habe hier meine Freundin und ziemlich gute Freunde kennengelernt, war auf lauten und schmutzigen Partys und habe Theater gespielt. Ja, man kann in Vechta Spaß haben, ob mehr oder weniger als woanders, weiß ich nicht, ist mir auch egal, ich bin gerne hier.
Im ersten Semester war ich bloß von Montagmorgen bis Donnerstagnachmittag Vechteraner, bin jedes Wochenende nach Hause gefahren. Mittlerweile ist mein zu Hause hier. Vechta und ich haben uns aneinander gewöhnt.
Ob ein Lehramtsstudium an anderen, größeren Unis anders ist? Nicht wirklich, oder? Abgesehen von Verbindungsstudenten – statt denen gibt es glückliche Schweine auf saftigen Wiesen – bietet die Uni Vechta alles, was andere Hochschulen auch haben. Klausurenstress und überfüllte Hörsäle inklusive.
Ja, die Uni ist klein. Aber das heißt auch, sie ist überschaubar, Entscheidungsträger sind erreichbar. Will man ein Campusmagazin gründen, wird man dabei unterstützt, erhält Redaktionsraum, Postfach und Druckkostenzuschuss.
Irgendwann wird das Studium geschafft und die Zeit hier vorbei sein. Dann werde ich einerseits froh sein, dass es weiter geht, andererseits wahrscheinlich auch traurig, mein derzeitiges Leben hinter mir zu lassen.
Ich bin mir jedenfalls sicher: Auch Lehrer, die in Vechta studiert haben, werden später ihre Schülern mit Geschichten aus der wilden Studentenzeit nerven.
von Stefan Hirsch

Staatsfeind Nr. 1?
Kein Grund auf Party zu verzichten!

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Geneigter Leser, Du bist Staatsfeind Nr. 1! Oh ha. Ja, das kommt jetzt überraschend, ich weiß. Aber gehen wir nur mal so zum Spaß davon aus, dass man herausgefunden hat, dass beim Uni-Bäcker letztens mal ein KitKat auf dem Kassenzettel „zu wenig aufgetaucht“ ist (Liebe Leserinnen, an dieser Stelle sei übrigens erwähnt, dass Süßigkeiten auch dick machen, wenn gesehen wird, dass Frau sie kauft), oder Du wiederholt von wahnsinnigem Übermut getrieben in Ullas Bistro gekippelt hast und heimlich morgens Elmex statt Aronal benutzt. Wie dem auch sei, verfolgt Dich nun Polizei, GSG 9, FBI, DLRG, CIA und alles, was sonst noch Rang und Namen hat, um Dein hübsches Popöchen durch die Republik zu jagen. Will Smith würde sich jetzt einen kauzig-grenzdebilen Opi im Kupferkäfig suchen, um mit ihm und ein paar markigen Sprüchen gegen diese Ungeheuerlichkeit in den Kampf zu ziehen. Wäre nicht mein Stil.
Viel spaßiger ist es doch, sich mit allerlei psychoaktiven Substanzen (Kaffee soll hier empfohlen sein) die Birne wegzublasen und mit der geilsten Mucke der Welt auf dem Vechtapferd seine allerletzte Überparty zu feiern. Man stelle sich vor, wie die Beamten gucken würden, wenn man auf dem bronzenen Rücken des stolzen Warwick Rex (so heißt der freakige Gaul) mal so richtig abgehen würde, nur um einfach der grünweißen Front die absolute, unüberbietbare Iss-mir-scheiß-egal-lichste Ignoranz entgegenzuschleudern, die man zu bieten hat. Das Megaphon-Geplärre wird zur tanzbaren Symphonie, das Blaulicht beleuchtet Deine Tanzfläche und die Warnschüsse geben den Takt. Wenn man dann im Kugelhagel eingeht, geht man wenigstens mit Stil. Vorhang, Applaus.
Wem bei dieser Option (nachvollziehbarerweise) ein bisschen das Understatement fehlt, kann auch einfach in die Schuberta gehen und an der ein oder anderen Stelle fallen lassen, dass man polizeilich gesuchter Untergrundkämpfer wider unseren faschistoiden Stasi-Staat sei. Bei halbwegs charismatischem Auftreten wird man Dich sicher – zumindest bis der Spuck vorbei ist – gut verstecken und mit reichlich Billigbier und Büchsenravioli versorgen.
Ich würd´ trotzdem das mit dem Pferd machen.
von Thomas Hülsmann
Ehrlich gesagt habe ich diesen Film mit Will Smith nie gesehen. Auch Bushidos Album habe ich nie gehört. Vielleicht hätte ich mich auf diesem Gebiet mehr bilden sollen, denn plötzlich bin ich Staatsfeind Nr. 1 und weiß nicht so recht warum. Die paar Farbbeutel auf ein paar Politiker? Jedenfalls flimmert mein Gesicht nun über den Bildschirm und Peter Klöppel verkündet dazu, ich sei gefährlich. Ich schalte den Fernseher aus (als Peter an Ulrike abgibt; ich konnte diese beiden eh nie leiden) und frage mich, was ich tun soll.
Anscheinend bin ich gefährlich. Anscheinend werde ich polizeilich gesucht. Mein Gesicht findet sich in den Nachrichten, in den Zeitungen, in den Blogs und selbstverständlich auf der Homepage des BKA.
Der einzige Ausweg, den ich jetzt noch sehe, ist so unauffällig wie möglich in den Zug zu steigen, an die Küste zu fahren und mir ein Segelboot zu kapern. Eine Hochseeyacht. Dann heißt es: “Tschüß Vechta, hallo Dominikanische Republik!” Um den ganzen weiten Weg segeln zu können, habe ich mir natürlich vorher einen umfassenden Vorrat an Büchsenravioli besorgt. Das von Thomas erwähnte Billigbier passte leider nicht mehr in die Kajüte. Ravioli scheinen eine gute Grundlage für einen Hochseetörn zu sein: Tomatensoße gegen Skorbut und reichlich Kohlenhydrate fürs Segeln.
Kaum in dem kleinen Inselstaat angelangt, schmiede ich Pläne für mein weiteres Leben. Wenn ich so böse sein soll, wieso verhalte ich mich nicht einfach so? In der Uni nannte man das Labeling Approach. Aber das ist egal. Ich bin jetzt nicht mehr Sozialarbeiterin, sondern kriminell. Nein, ich meine nicht kriminell im Sinne von Waffen- und Drogenschmuggel. Ich meine: richtig böse. Richtige Bösewichte betreiben Atomkraftwerke und verdunkeln die Sonne. Oder entführen Prinzessinnen. Oder ziehen sich grüne Strumpfhosen an und schweben mit einem grünen Surfbrett durch die Luft, um dann von Spinnenmenschen bekämpft zu werden. Hm. Dieses Schweben ist schwer umzusetzen. Ich könnte mir ein Jetpack besorgen. Ich könnte es aber auch lassen. Stigmatisierung ist eh nicht mein Fall und so viel Geld für ein Jetpack hab ich auch nicht. Der Dominikanische Peso ist eben nichts mehr wert. Egal, ich bleib einfach auf der Insel und verkaufe Strandgut an Touristen. Damit mich trotz meiner politischen Vergangenheit keiner erkennt, kleb ich mir einen falschen Schnurrbart an. Klingt doch solide, oder?
von Pia Klein

Plötzlich exmatrikuliert: Was nun?

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Der Zukunft lächelnd entgegen
Dichte Wälder, sprudelnde Flüsse und weite Felder ziehen an mir vorbei. Nichts und niemand kann mich stressen und stellt mir Fragen. Lediglich der nette Herr, der mir in diesem Moment einen frischen Kaffee anbietet. Doch kann ich ihn mir nicht leisten, und wenn wir ehrlich sind, bekommt der mir eh nicht. Aber auch das interessiert mich nicht, denn ich bin glücklich und frei. Keine Klausuren, kein Lernen und kein Zwang mich mit Dingen zu beschäftigen, die schon bald nicht mehr von Bedeutung sind. Denn ich bin exmatrikuliert, aus Gründen, die eben dafür sprechen. Ich als zukünftige Sozialarbeiterin? Die Traumblase ist nun zerplatzt. Doch wen kümmert‘s? Genügend andere, zum Teil selbst psychische Wracks, können diesen Job jetzt gerne für mich übernehmen. Ich hingegen nutze nun die Zeit für meine andere Leidenschaft.
Wie dumm wäre ich, wenn ich nun aufgeben würde? So bereise ich die Welt, oder wenigstens Nordrhein-Westfalen. Denn ich bin auf dem Weg nach Dortmund, da ich im Internet gelesen habe, dass ich mich dort zur Journalistin ausbilden lassen kann. Und was liegt nun näher, als diesen Weg anzustreben? Richtig: nichts! Also begebe ich mich auf den Weg dorthin, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, der letzten Endes bewirken soll, dass ich aufgenommen werde und meinen weiteren Lebensweg im angrenzenden Bundesland beschreiten werde. Es bleibt nur zu hoffen, dass er mich glücklich macht. Und so träume ich schon von künftigen Tagen, die mich am Abend sagen lassen, dass ich den richtigen Weg gewählt habe. Sie werden mich daran erinnern, wie ich einst hier saß und mich damit abgefunden hatte, „versagt“ zu haben. Sie werden mich aber auch daran erinnern, dass ein Weg nicht alles bedeutet und eine Fähigkeit von mir nicht alles ausmacht. Und während ich voller Hingabe positiv denke, frage ich mich, ob dieser Optimismus vielleicht nur daher rührt, weil dies alles rein hypothetisch ist.
von Jenniffer Malenz
Der Zukunft ächzend entgegen
Exmatrikuliert. Schon allein die unterschwellige Kraft, welche dieses Wort zu bieten hat, kann einem zartbesaiteten Studenten Angst einjagen. Da lacht man an einem sonnigen Morgen dem Himmel entgegen und in der bedrohlichen Dunkelheit eines kleinen Briefkastens entfaltet sich ein Wisch des Grauens. “Sie wurden exmatrikuliert. Sie haben versagt. Sie sind von der Liste der Pseudo-Intellektuellenelite gestrichen worden. Packen Sie ihre Sachen. Ihre ungenügenden Fähigkeiten werden hier keinesfalls mehr benötigt.”
Das feine Polster des Studentendaseins hat man mit perfektionierter Faulheit oder grenzenloser Dummheit zerstört. Die neu gewonnene Freiheit schmeckt bitter. Wohin mit der eigenen, vorerst gescheiterten Existenz?
Ein Abend an der Theke einer Eckkneipe sollte Klarheit schaffen. Dieser Ort hat eine raue Menge an gescheiterten Existenzen zu bieten und sollte bei der Frage helfen, ob man sich selbst dazuzählt.
Die geöffneten Arme der Familie fühlen sich an wie Schläge in das Gesicht. Das geht schon in Ordnung. 600 Euro pro Semester, investiert für das eigene besiegelte Scheitern. Da kann man die Wut und Enttäuschung der verwandten Geldgeber schon nachvollziehen. Die Rolle des Sündenbocks sollte man akzeptieren.
Irgendwann, nach wochenlangem Suhlen im Selbstmitleid, sollte man wieder in die Zukunft schauen. Das Leben anpacken. Der eigene Blick muss in die richtige Richtung gehen. Nämlich genau zu den Leuten, welche noch viel mehr versagt haben. Das ist menschlich und stärkt Körper und Geist. Immatrikulation heißt dann das Zauberwort. Eine Anmeldefrist für den Neuanfang gibt es nämlich nicht.
von Tobias Kunz

Dreck – Ein Hoch auf die Putzlappen

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Dreck wächst mit seinen Aufgaben. Dreck verweist auf Leben. Ja, Dreck reinigt sogar den Magen. Wieso also ein solch wunderbares Produkt unserer großzügigen Umwelt bekämpfen? Obwohl er alle Eigenschaften besitzt, der sich im Normalfall die Gesamtheit aller menschlichen Sinne entziehen möchte, bindet er vortrefflich die Charakterzüge eines Menschen zu einem Ganzen. Man möchte wissen mit welcher Person man es zu tun hat? Das Ausmaß der Verwüstung individueller Umfelde gibt darauf die Antwort. Nach dem Motto: Zeig mir deine Behausung und ich sage dir, wer du bist. Das Spektrum ist groß. Von psychisch gestörten Messies bis hin zu psychisch gestörten Ordnungswahnsinnigen. Oder unbrachial betrachtet: Von Menschen geregelter Verhältnisse bis hin zu Typen getriebener Planlosigkeit. Vielleicht sind solcherlei Betrachtungen wissenschaftlich relevant, vielleicht aber auch einfach nur: Müll.
Im Rahmen fortlaufender Emanzipation in allen sozialen Bereichen möchte ich auch sogleich das ausgelutschte Thema über die Unterschiede der Haushaltsführung zwischen den Geschlechtern verwerfen, entsorgen und pfandfrei niemals wiederverarbeiten.
Solange man angekündigten Besuch nicht als Gelegenheit auffasst, das vorläufig geplante Saubermachen tatsächlich umzusetzen, so bleibt zu sagen, das ein ungepflegtes Territorium eine Gelegenheit darstellt, um die Ernsthaftigkeit einer Beziehung zu Freund/Freundin oder Anderes auf die Probe zu stellen: Du willst mich? Du bekommst mich nur mit diesem und meinem Zimmer!
© Gisela Peter / PIXELIO
Es ist doch auch so, dass ein monatelanges, dahinsiechendes räumliches Umfeld einen Bezug zu der persönlichen Vergangenheit darstellt. Überwindet man sich wirklich einmal, den Frühjahrsputz durchzuziehen, könnte man unter dem eigenen Bett Dinge entdecken, die einem in schöne frühere Tage zurückversetzen. Eine Budweiserflasche vielleicht? – Ach ja, die verrückte Tschechin auf der WG-Party von `97. Das waren noch Zeiten. Das eigene unordentliche Zimmer dient also auch leidlich als eine Art Tagebuch.
Im Endeffekt bleibt zu erwähnen: Ob ordentlich oder unordentlich. Solange der Teppich nicht anfängt zu leben, ist doch alles in recht geordneten Verhältnissen.
von Tobias Kunz
So! Ich bin dann vor ein paar Monaten umgezogen. Im alten Zimmer hatte ich Laminat… also keinen Teppich. Ich hatte mich gut auf meinen Umzug vorbereitet, aber eine stille Gefahr habe ich nicht gesehen. Als mir meine Freunde geholfen haben mein Bett auseinander zu bauen, da sprangen sie mir fast ins Gesicht. Sie haben mich ausgelacht und streckten mir ihre grauen Zungen entgegen. Staubhasen oder wahlweise auch Staubmäuse genannt. Sie sammelten sich gesellig auf dem Boden und lachten uns mit ihrem Staub an. Zugleich mussten wir alle bei diesem Anblick keuchen vor Entsetzen… Naja, eigentlich eher wegen dem Staub, aber so klingt es dramatischer. Frisch umgezogen habe ich mir geschworen mehr für mein Zimmer zu sorgen. Daraus wurde leider noch nicht so viel, aber jetzt putze ich wenigstens. Mein Zimmer aufräumen? Ja, schon, aber… seien wir doch mal ehrlich! Wie viele von Euch räumen ihr Zimmer auf, wenn sich nicht gerade die Eltern oder anderer Besuch angemeldet hat? Also, ich gestehe hiermit, dass ich mein Zimmer nur aufräume, wenn Besuch kommt. Das ist in meinen Augen aber auch völlig in Ordnung, denn ich muss schließlich darin schlafen und nicht mein Besuch (naja, im Regelfall ist das so). Zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass ich aber wenigstens einen Grund habe mal richtig aufzuräumen und Besuch ist doch immer schön, also räume ich dann auch gerne auf, um meine Gäste gut zu empfangen. Und da ja Ausnahmen immer die Regel bestätigen, muss ich hier noch hinzufügen, dass auch sehr gerne während der Klausurenzeit geputzt wird. Hand aufs Herz, das ist doch bei Euch auch so.
Also hoch mit Euch Studenten und an die Putzlappen. Versucht auch, ohne dass Besuch kommt, Eure Staubhasen zu fangen und bringt sie zum Stillschweigen, denn sie haben kein Recht auf Leben! Mögen die Putzmittel und -lappen mit Euch sein!
von Sarah Kotten

Geschlechtertausch
Ein Tag im Körper des anderen Geschlechts

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Ich hätte Brüste. Und der Rest des Tages? Ich könnte es mal mit Schuhe kaufen versuchen. Eigentlich etwas, dass ich furchtbar finde und auch nur mache, wenn es unbedingt nötig ist. Normalerweise gehe ich in ein Schuhgeschäft, stelle fest, dass das einzige Paar, was mir passt und halbwegs gut aussieht, 179 Euro kostet, gehe genervt wieder raus und kaufe bei Karstadt mal wieder ein Paar Adidas Samba. Billig, robust und ich weiß auf Anhieb, welche Größe ich brauche. Aber als Frau? Vielleicht würde es mir Spaß machen? Dann könnte ich mir einen Mehrjahresvorrrat anschaffen. Herrenschuhe natürlich, schließlich wäre ich ja nur für einen Tag Frau. Außerdem gibt es Damenschuhe in meiner Größe nur im Sexshop, und so etwas gibt es in Vechta nicht, schließlich sind wir eine anständige Stadt. An meinem Tag als Frau würde ich dann einfach meine Sambas tragen, die stehen jedem – ja, ich gebs zu, ich trage sie sogar zum Anzug.
Mir stünden jede Menge Türen offen, die einem als Mann verschlossen bleiben. Es wäre mir zum Beispiel möglich, herauszufinden, ob Freundinnen sich tatsächlich über die sexuelle Kompetenz ihres Partners unterhalten. Soll ja angeblich so sein, obwohl eigene Freundinnen immer behaupten, dass sie das nie machen würde. Und ich könnte eine Handtasche tragen und bräuchte mir nicht mehr Autoschlüssel, Wohnungsschlüssel, Handy, Taschentücher und Portemonnaie in die Hosentaschen stopfen, was irgendwie der größte Nachteil am Sommer ist. Ich denke, ich würde mich für eine gefälschte Louis-Vuitton-Handtasche entscheiden. Die sind zwar stillos und seit einigen Jahren aus der Mode, aber weiß nicht, ich finde die Dinger irgendwie lustig.
kolumne13
Außerdem könnte ich mich in einem Frauen-Fitness-Center zu einem Probetraining anmelden, mich bei pro familia bezüglich eines Schwangerschaftsabbruchs beraten lassen, meine Kumpels fragen ob mein Hintern zu fett und wer ihre Lieblingsfigur bei Twilight ist und auf eine von diesen Flatrate-Partys gehen, die für Frauen 11 und für Männer 28 Euro Eintritt kosten. Ob da wohl Männer mit mir flirten würden? Wahrscheinlich nicht, schließlich wäre ich sehr schlecht geschminkt, ich hab da schließlich keine Erfahrungen mit, und statt Stiefeln mit hohen Absätzen würde ich Sambas tragen. Glück gehabt. Wenn ich keine Lust mehr hätte, würde ich jedenfalls nach Hause gehen. Allein. Denn: Ich hätte Brüste.
von Stefan Hirsch
Mh… so ein Tag als Mann, wie würde der wohl aussehen? Beim Blick in den Spiegel bekäme ich wahrscheinlich einen gehörigen Schreck, angesichts der Stoppeln in meinem Gesicht. Also erstmal rasieren. Das ist ganz schön lästig. Gut, dass ich das morgen nicht mehr machen muss.
Mein Kleiderschrank sähe plötzlich so voll aus. Eine Jeans und ein T-Shirt reichen doch vollkommen aus, oder? Oh Mann, so viele Schuhe, aber für heute gehen wohl nur die Turnschuhe.
Auf geht’s, erstmal in die Mensa, was essen. Es fühlt sich ganz schön komisch an, wie so ein Mann läuft. Oh, wer kommt denn da? Mädels! Wow, ich wusste nicht, dass Hintern und Brüste so anziehend sein können.
Bevor ich mich anstelle, gehe ich dorthin, wo Frauen sonst nicht hin dürfen, in die Toilette für Männer.
Irgendwie ist das aber doch nicht so spektakulär, wie ich erhofft hatte. Also zurück zum Essen.
Worüber reden Männer so unter sich? Ist die Standardbegrüßung wirklich: “Hey Alter, was geht?” Ich probier es aus und ernte komische Blicke. Anscheinend ist es doch nur so ein Klischee.
Was jetzt? Was macht ein Mann so den ganzen Tag? Ich versuch es mit einem Ego-Shooter. Ich spiel sonst eher Anno oder die Sims.
Abends geh ich auf eine Party, ohne mich vorher extra noch mal umzuziehen. Die Sachen sind ja noch gut. Es ist echt praktisch, wenn ein Kamm fürs Styling reicht und ich nicht soviel Zeit mit dem Make-up verschwende.
Ich will doch mal sehen, ob ich als Mann den Überschuss an Frauen hier in Vechta nicht nutzen kann. Also stell ich mich an die Tanzfläche, mein Bier in der Hand und sondiere die Lage. Mir gefällt, was ich sehe. Aber jetzt bin ich in Zugzwang. Männer müssen ja traditionell den ersten Schritt machen. Mir fällt jetzt zum ersten Mal auf, was für ein blödes Ritual das ist. Denn Mann soll ja nicht nur den ersten Schritt machen, sondern dabei auch noch intelligent und kreativ sein. Boah, darauf habe ich keine Lust. Ich bleib lieber bei meinem Bier, echtes Bier, nicht dieser Mixkram.
Dann geh ich, ohne es versucht zu haben, zu Bett. Morgen bin ich glücklicherweise ja wieder eine Frau.
von Stefanie Bruns

Weltuntergang – Und Du bist in Vechta!

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Weltuntergang… in Vechta? Oh man. Da, wo am Wochenende um acht Uhr schon die Bürgersteige hochgeklappt werden? Toll. Na ja, lässt sich nunmal nicht ändern. Da stecke ich also fest und überlege, was ich tun soll. Ich schätze, dass ich alle meine vermeintlichen Freunde zwingen würde, den letzten Tag unseres Lebens miteinander zu verbringen. Joa. Ansonsten, vielleicht ein paar Dinge, die man sonst noch nie gemacht hat… warum auch immer. Vielleicht irgendwas Kreatives an die Uni-Wände malen oder so. Ansonsten: Warten, beten und hoffen, aber Weltuntergang in Vechta ist echt unfair… zumindest für solche, die ihre Heimat woanders haben. Echt, ey!
von Sarah Kotten
kolumne12
© SarahC. / PIXELIO
© Gerd Altmann (geralt) / PIXELIO
Ich bin nicht sonderlich mutig. Vor allem nicht, wenn es darum geht, jemandem ganz klipp und klar die Meinung zu sagen. Ganz egal, ob die positiv oder negativ ausfällt. Meistens versuche ich alles ganz diplomatisch und so „einerseits-andererseits“-technisch auszudrücken. Ich denke aber immer: „Man müsste mal demunddem und so weiter…“ Ich denke, das würde ich tun: Ich würde den ganzen Tag damit verbringen, Lobhudeleien und (auch platonische) Liebeserklärungen an die (entsprechenden) Leute zu bringen und andere entsprechende Leute verbal (obwohl, dann is´ ja auch egal…) in der Luft zu zerreißen. Und dank Telefon geht das ja sogar über die Grenzen von Vechta hinaus…
von Lea Weber
Die Welt geht heute unter? Das allein ist schon eine gruselige Vorstellung. Zu allem Überfluss muss ich das dann auch noch in Vechta erleben? Wahrscheinlich würde ich meine Familie anrufen und mich dann mit meinen Freunden verabreden und in den Weltuntergang reinfeiern. Vielleicht würde ich auch Rotz und Wasser heulen und mich verkriechen. Oder all die Dinge tun, die ich schon immer tun wollte. Aber darüber müsste ich nachdenken und die Zeit hab ich doch gar nicht. Aaaargh.
von Stefanie Bruns
Auf der einen Seite gibt es Vechta, auf der anderen Seite die Welt. Wenn auch die Welt untergeht – Vechta bleibt. Im Falle eines Weltuntergangs rettet Weltfremdheit das Leben!
von Johanna Olberding
Weltuntergang, und ich bin in Vechta? Kein Ding. Ich schiebe alle unkoscheren Gedanken beiseite, zähle ein paar Ave Maria auf und bekreuzige mich. Denn wenn das wie mit dem Wetter läuft, dann machen die apokalyptischen Reiter eben so Halt vor den gläubigen Toren Vechtas wie der Niederschlag. Und wenn nicht, naja dann gibt’s ja immer noch das Paradies, und da ist ja eh alles schön. Nun, und wenn der heilige Schein nicht über Vechta wacht, dann gehe ich gepflegt mit meinen Liebsten in die Cubar und feier eine letzte Sause mit genügend Long Island Ice Teas. Insel, ich komme.
von René Kohn
Die Welt geht unter und ich bin dabei! Das ist ein fucking Event! An so einem Tag muss man was Besonderes machen. Mit Freunden treffen? Heulen? Kann man auch an allen anderen grauen Kleinstadttagen. Ich würde mir einen Porsche 911 Turbo mieten, und auf Vechtas Straßen alle 4 Teile von The Fast and the Furious nachspielen. In einem rosa Hasen-Kostüm. Betrunken. Bußgeld? Punkte? Scheiß drauf, die Welt geht unter und mit ihr mein Führerschein.
von Stefan Hirsch
Ich würde wohl zunächst abwarten, inwiefern meine ausbrechenden animalischen Triebe der aufkommenden Anarchie standhalten würden. Sicher spannend, ob ich dann Opfer oder (Wohl)täter wäre. Ansonsten würde ich Kette rauchen und dem letzten Feuer meines Lebens auf dem Pferd vor der Sparkasse in einem ausreichend geistesgestörten Zustand singend und heulend entgegen reiten.
von Tobias Kunz

R-Ziehung in der B-Ziehung
Von Anziehpüppchen und willenlosen Langweilern

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Es ist ja so… Sowohl in dem Wort „Erziehung“ als auch in „Beziehung“ befindet sich ein erheblicher Anteil an „Gezogenem“. Klingt irgendwie schon unschön und stressig. In dieser Kombination ist es das sicherlich auch.
Frauen erziehen meistens aus der Intention heraus, an ihrem Gegenüber etwas (grundlegend) zu ändern. Das fängt bei Gewohnheiten an – „Rauchen? Ach, das gewöhn ich ihm schon noch ab!“ – und geht bis an lebenslange Freundschaften – „Also sein komischer freakiger Kumpel, nee. Der geht gar nicht! Aber wenn er erstmal mit mir zusammen ist, dann…“. Im Stil-Teil der Welt am Sonntag wurde kürzlich sogar lang und breit erklärt, wie Frau ihren Partner zu einem ihr ansprechenderen Klamottenstil umerziehen soll. Es folgte der Nachsatz: „Im schlimmsten Falle machen Sie aus ihm ein hilfloses Anziehpüppchen“ – und das noch im Untertitel!
Männer hingegen wollen selten etwas an der Person ihrer Partnerin ändern. Sie wollen eigentlich hauptsächlich, dass alles so bleibt, wie sie es gewohnt sind. Und sei es „wie bei Mutti“. Dabei „erziehen“ sie gar nicht unbedingt bewusst, sondern erwarten vielmehr. Werden die Erwartungen nicht erfüllt, werden sie bockig: „Ich verstehe gerade nicht, warum ich mein Bett selbst beziehen soll.“ (Dabei handelte es sich dann selbstverständlich um sein Bett in seiner eigenen Wohnung…)
Oft genug passiert es (gerade den Frauen), dass ihnen ihr „Zögling“ nach erfolgreicher Arbeit irgendwie zu langweilig geworden ist, ein hilfloses Anziehpüppchen eben – „Ach, ich weiß auch nicht. Das ist so ein Ja-Sager geworden…“. Dann wird er nicht selten stehen gelassen, um dem nächsten „Projekt“ Platz zu machen.
kolumne11
© Gerd Altmann / PIXELIO
Übrigens, als ich meiner Mutter von dieser Kolumne erzählte, sagte die: „Oh, hab ich auch mal versucht. Ging total daneben. Am Ende bin ich gegangen und dann hab ich deinen Vater geheiratet.“ Die beiden rollen zwar, wie jedes „gesunde“ Paar, gelegentlich übereinander die Augen, aber… 29 Jahre glückliche Ehe und kein Ende in Sicht – denkt mal drüber nach…
von Lea Weber
Wenn man einmal die rosa Brille von der neuen Flamme aufgesetzt bekommen hat, nach der man sich instinktiv lange Zeit gesehnt hat, liegt es nicht an der Flamme selbst, dass man plötzlich wie neugeboren nicht mehr von sämtlichen Freundschaften wiedererkannt wird, viel mehr an der Glut, die in einem selbst entfacht ist. Klar ist dann, dass man nur noch lustlos als deprimierter Saufkumpel fungieren kann, wenn sich mit einem Male die ausgedehnte Schönheit der Menschlichkeit vor einem erströmt. Man wurde nicht schlicht und einfach umerzogen, man wurde entdeckt.
Liegen jedoch die Schmetterlinge im Bauch durch einschleichende Kälte im Sterben, ist es verständlich, dass man nicht mehr enthusiastisch für die Freundin jeden Handgriff erledigt. Wozu sollte dies auch gut sein? Man hat sie doch erobert, sie hat nun fast jede Facette deines Selbst erkannt, man muss sich nicht mehr von der besten Seite präsentieren. Wenn man ein wenig den Pascha in sich zeigt, wird nicht gleich die ganze Beziehung in Frage gestellt.
Immerhin trägt man selbst ja auch den dämlichen H&M-Hut, achtet stets darauf, dass die Kleidung perfekt sitzt und erduldet auf dem Friseurstuhl plärrende Einwände aus dem Hintergrund. Man hütet sich davor, fremden Mädchen hinterher zu schauen und vor dem Essen mit den Schwiegereltern werden noch einmal das Tischgebet studiert und die Essmanieren geprobt.
Mit den besten Saufkumpanen muss man Termine machen und auf Partys weiß die Freundin einfach immer besser, wann man seine Alkoholverträglichkeit ausgeschöpft hat. Irgendwann sieht man sich im Spiegel an und erkennt sich nicht mehr selbst, eher einen gelackten und geschniegelten Snob, den man doch immer so verachtet hat.
Man erinnert sich viel zu oft an den schönen Beginn der Beziehung, wenn man nicht selbst handelt und irgendwann sämtlichen Veränderungsprozessen einen Riegel vor die Tür schiebt, so bleibt zu erwarten, dass man verlassen wird, da man zu einem willenlosen Langweiler mutiert ist. „Du hast dich so verändert“, heißt es dann. Fassungslos kann man in solchen Augenblicken nur noch hoffen, dass man von seinem abgestoßenen Freundeskreis wieder aufgenommen wird und etwas länger Single bleibt.
von Tobias Kunz

Wenn Männner krank sind…
... über Fallobst- und Kranksheitsmomente

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Da liegt er nun… zusammengekauert, wimmernd, winselnd, jammernd. Mit zitternder und vor Krankheit geschwächter Stimme verkündet er: „Scha…schahatz…ich glaub, ich bin krank…“ und sinkt erschöpft zusammen. Sein flacher Atem, seine geröteten Augen und sein lautes Schniefen unterstützen seine waghalsige These, tatsächlich! Eine todbringende Erkältung.
Mal ehrlich, liebe Männer, Ihr wollt früher Mammuts gejagt und Schlachten geschlagen haben? Zugegeben, es gibt auch Männer der Kategorie: Eine Erkältung ist der sichere Tod, aber wenn wirklich etwas Ernstes, ist verschweige ich es besser – plötzliche Dissimulation und Bagatellisierung. Welch verquere Welt. Ich meine, wovor habt ihr Angst? Dass ihr im Allgemeinen schlecht warten könnt, ist uns Frauen ja bekannt, aber ist zum Arzt gehen in eurem Kopf ein Zeichen von Schwäche? Der Nachbar könnte einen ja sehen, wenn man vermummt die Praxis betritt! Auf dem Sofa rumjammern und ins Kissen zu schniefen ist natürlich viel männlicher, ihr habt schon Recht. Rein biologisch betrachtet müsst ihr euch eh damit auseinandersetzen, dass ihr von der Natur auf den Tod programmiert werdet, sobald ihr euer reproduktionsfähiges Alter erreicht habt. Immer noch eine Tatsache, und die hab ich mir nicht mal ausgedacht. Aber dieser Tod wird bestimmt nicht durch eine Erkältung eingeläutet, auch wenn ihr euch in diesem Moment so fühlen möchtet. Die Krone der Schöpfung, der Mann, durch einen klitzekleinen Virus plötzlich zu Fallobst geworden, tja. Aber manchmal sind es gerade diese Fallobst-Momente, die euer Inneres offenbaren und uns Frauen weich werden lassen. Da sitzt das kleine, kümmerliche, schniefige Etwas mit der roten Nase und krächzt nach einem Tee… kann man ihm das verwehren? Eigentlich bin ich froh über den Lauf der Dinge… die Regelung der Natur. Unsere testosteron gesteuerten Freunde sind zwar arg im Nachteil, was die Gesundheit angeht, aber so können wir Östradiol-Vertreter zeigen was in uns steckt.
© RainerSturm / PIXELIO
Liebe Männer ganz ehrlich, ihr könnt froh sein, dass wir das mit dem Kinderkriegen und den Menstruationsbeschwerden übernehmen. Herrje, nicht auszudenken wie es andersherum wäre…
von Melanie Ehlert
Männer und ihr Verhalten während einer Krankheit sind vor allem für Frauen schwer nach zu vollziehen. Zunächst gibt es drei verschiedene Arten von Männern und wie sie mit Krankheit umgehen: Die einen behaupten, dass sich auch ein offener Oberschenkelhalsbruch ganz leicht mit Pferdesalbe kurieren lässt. Dem ist definitiv nicht so, aber manche leiden lieber als Schwäche zu zeigen. Andere dagegen meinen, dass ein Kratzen im Hals sofort ein Anflug von SARS ist und sie sich deswegen schnellstmöglich in Quarantäne begeben müssten.
Die dritte und am meisten verbreitete Art sind Männer, die eine normale Erkältung ausnutzen, um drei Wochen flach zu liegen und sich wahlweise von Mutti oder der Freundin pflegen zu lassen. Lieber allerdings von Mutti, denn man will der Freundin gegenüber keine Schwäche zeigen, so dass man mal eben sämtliche Treffen für die nächsten Wochen im Voraus absagt. Denn mal ehrlich, es ist doch wirklich mehr als peinlich, im Bett zu liegen, Tee zu schlürfen und umringt von verrotzten Taschentüchern zu sein, während die Superfrau den dahinsiechenden Freund bemitleiden muss und den Dreck, den er über die letzte Woche angesammelt hat wegräumen „darf“.
Dazu hat Frau natürlich auch recht wenig Bock. Ein herausragender Grund für eine solche Unlust ist nicht unbedingt, dass das ganze ziemlich ekelig werden kann, sondern dass der Anblick des kranken Freundes als Blick in die Zukunft erschreckt: Kranker Ehemann, kranke Kinder, Frau darf alles machen, aber keinen interessiert‘s, wenn die Frau krank ist.
Deswegen wird also eine blöde Ausrede gefunden, die die Freundin akzeptiert und dann wird zu einem großen Teil zu Hause bei Mami gekränkelt. Denn die hat immer ein paar Tipps auf Lager, von denen wir wissen, dass sie sicher nichts gegen die Erkältung bringen werden. ABER: Dafür müssen wir uns nicht bewegen und können endlich unser Beachtungsdefizit wieder ausgleichen. Denn wenn sich jemand Sorgen um uns macht, dann die Frau, mit der wir den größten Teil unseres Lebens bereits verbracht haben. Sie kocht nicht den ekeligen Kamillentee, sondern den schönen Instant-Zitronentee, denn der schmeckt einfach besser. Sie bekocht uns, denn trotz guter Mensa schmeckt es einfach nirgendwo so gut wie zu Hause. Sie räumt voller Freude und Dankbarkeit hinter uns her, weil wir den Mülleimer mit den Rotzfahnen einfach nicht treffen können.
Und warum? Das ganze Leben ist ein Geben und Nehmen. Auch dessen sind wir Männer uns bewusst. Und wenn wir uns mal wieder seit 10 Wochen zu Hause nicht gemeldet haben, ist eine Erkältung der perfekte Grund wieder in die alte Heimat zu fahren. Die Familie freut sich uns zu sehen und Mama ganz besonders. Denn entgegen jeglichem Empfinden, dass sich Eltern freuen, wenn die Bälger endlich aus dem Haus sind, brauchen Mütter immer mal wieder das Gefühl, gebraucht zu werden und benötigen ein Zeichen von uns, dass wir sie trotz der fantastischen Freundin neben uns nie vergessen. Also nehmt uns das nicht so krumm, liebe Damen der Schöpfung!
von Sebastian Dargel

Das perfekte Gegenüber…
Irgendwann, irgendwo, irgendwie mit irgendwem - über perfekte Zeitpunkte, Zeitorte und Partner

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Ein Freund von mir sagte mal: „Wenn ich mit einer Frau zusammen komme, dann muss alles perfekt sein: die Frau, der Zeitpunkt, am besten noch der Ort…“ Klingt gut, plausibel. Will ich auch. Aber was ist denn überhaupt „perfekt“?
Nach einiger Recherche im engeren Freundeskreis bin ich zu folgendem Bild des „perfekten Mannes“ gekommen: Brad Pitts Körper, gepaart mit Heath Ledgers Lächeln, erstrahlt durch George Clooneys Augen, getragen von Einsteins IQ, verpackt im Charme von Patrick Dempsey und untermalt von der Stimme Vin Diesels. So einen würde vermutlich keine von uns von der Bettkante schubsen. Aber mal ganz abgesehen davon, dass die Wahrscheinlichkeit, so jemanden zu finden doch erschreckend gering ist, würde so ein „Traummann“ auch reichlich Nachteile mit sich bringen: Was nützt es uns, wenn der Typ mehr Zeit im Fitnessstudio und vorm Spiegel verbringt als mit uns? Wie gehen wir damit um, wenn wir uns nicht mehr trauen, tiefgründigere Gespräche als die Wetterlage anzuschneiden um neben ihm nicht als komplett dämlich dazustehen? Und, mal ehrlich, Mädels, was kann man an so einem Mann denn langfristig toll finden? So ganz ohne Ecken und Kanten. Eigentlich sind es doch immer die kleinen Macken, die einen Menschen erst interessant machen, denn die erzählen doch ein Stück von dem, wer man ist, was man erlebt hat, also alles das, was uns an einem anderen – tollen – Menschen eigentlich interessiert.
Und, um noch einmal auf den Faktor „perfekter Zeitpunkt“ zurück zu kommen, sind die Begegnungen mit solchen Menschen doch am spannendsten, wenn man sie am wenigsten erwartet: In der Schlange vorm Klo, beim Kampf um einen freien Kopierer in der Bibliothek oder beim Bezahlen im Bistro, weil Ulla zwei wildfremden Menschen was andichtet.
Ich möchte hiermit die Beschreibung von „perfekt“ korrigieren:
Bildnachweis: pixelio 255885
© Lea M. / PIXELIO
Der perfekte Mann hat das schönste Lächeln mit der kleinen Ecke am Schneidezahn vom Fahrradunfall in der Grundschule, die leuchtendsten Augen mit der kleinen Narbe neben der Augenbraue, die noch von den Windpocken übergeblieben ist, die er hatte, als er 3 war; er lacht sowohl über Dieter Nuhr (intelligent und lustig!), sich selbst und unsere Fettnäpfchensammlung; er hat diese knieschmelzende Stimme mit dem kleinen Lispeln, wenn er aufgeregt ist. Wir begegnen uns… irgendwann, irgendwo. Und vielleicht ist es auch alles ganz anders, aber das ist dann auch toll, denn das Perfekteste ist es doch eigentlich, sich vom Leben einfach mal überraschen zu lassen.
von Lea Weber
Welchen Typ Frau ein Mann sucht, das wissen Frauen scheinbar besser, als Männer selbst. Blond, groß (das bedeutet keinen Erdnuckel unter 1,60m oder ähnliches) flacher Bauch, große Brüste, knackiger Hintern, humorvoll und bitte nicht zu klug. Alles, was aus diesem Raster fällt, sollte sich zu Hause einschließen, denn darauf stehen Kerle ja nun wirklich nicht. Immer wenn mir ein weibliches Wesen meiner Umgebung erzählt, dass genau dieser Typ Frau der Traum aller Männer ist, frag ich mich, wieso schwarzhaarige Frauen auf dem Globus rumlaufen und sogar Freunde abgreifen. Ebenso finde ich es sehr komisch, dass haufenweise Frauen an der Uni einen Freund haben, aber mal eben so gar nicht groß und schlank sind.
Welchen Typ Frau wollen Männer denn nun bitte? Natürlich gibt es die Traumfrau, aber die sieht bei jedem Kerl ja nun mal anders aus. Dass die Models im Fernsehen hübsch und sexy sind, werden nur wenige Männer anzweifeln, aber haben will er sie nicht, sonst würde man sich ja eben das Model greifen oder zumindest eine Frau die ähnlich ausschaut. Und was genau will Mann nun? Was sucht Mann an einer Frau? Eigentlich will er alles, hat aber auch kein Problem damit, wenn es weniger ist. Wenn der Hintern nicht so knackig ist, wenn die Zähne nicht so weiß sind und die Brüste nun doch nicht so groß. Denn auch Männer schaffen es locker, über kleine Unzulänglichkeiten im Aussehen hinwegzusehen. Wir hoffen ja auch, dass Frauen uns unsere Fehler nicht allzu krum nehmen. Sache ist nur: Wenn ein Mann mit einer Frau zusammen ist, dann sieht er die kleinen Fehler gar nicht mehr. Dann hat er sich so eben das Supermodel aus dem Fernsehen gegriffen. Denn eines ist jawohl klar: Die schönste Frau auf der Welt liegt immer im eigenen Arm. Und die Definition von gutem Aussehen: Fühlt sich die Frau wohl und strahlt das aus, ist sie schön. Punkt aus.
Und genau deswegen hat das schrullige Mädel mit kurzen braunen Haaren, kleiner Brust, einer Größe von geschätzten 150cm und einem Klamottenstil wie frisch bei Schrader abgegriffen, ihren Freund seit zwei Jahren und ist glücklich wie am ersten Tag. Denn, und da kommt ein weiterer wichtiger Aspekt mit ins Spiel, ihr Freund spielt absolut in ihrer Liga, hört die gleiche Alternative Musik und steht auch irgendwie auf den vegetarischen Auflauf, den seine Herzdame jedes Wochenende zaubert.
Das Geheimnis ist somit gelüftet: Mann sucht nicht die wunderschönste Frau der Welt, sondern einfach ein passendes Gegenstück zu sich selbst. Aber: Kerle, die nur nach dem Charakter gehen, sind die Ausnahme.
Diese Aussage ist aber auch auf das Aussehen übertragbar. Denn auch kaum ein Kerl geht lediglich danach. Die Mischung machts und wenn diese stimmt, dann denkt niemand mehr an 90-60-90, sondern nur noch an die wundervolle Frau, die neben einem schläft. Und die ist eh besser als jedes Pseudo-Model, das sich von der Klum rumschubsen lässt.
von Sebastian Dargel

Oh, es klingelt,…
Über das geschlechtsspezifische Fernmeldeverhalten

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“… Hallo, ich bin´s. … Was war denn das heut‘ Morgen im Seminar? Was wollte der Typ denn bitte von dir? (lacht) … (lacht wieder) … Ja, das habe ich mich auch gefragt. … Und eben auf dem Weg nach Hause …. Ja … Da hab ich Katha getroffen. … Du weißt schon, die mit dem Freund. … Na, der mit diesem seltsamen … Genau! (kichert) Naja, sie hat mir erzählt, dass sie Herrn P. gesehen hat. … Nein, nicht in der Uni. Rate! … Nein. … Schlimmer! …. Noch schlimmer! … Genau, in ihrer WG! … Er kam aus dem Zimmer ihrer Mitbewohnerin. Morgens! … Nee, ich kenn die nicht. … Ach. … Ach! … DIE ist das? Hat die nicht `nen Freund? … Ach so, hab ich verwechselt. Aber wie krass ist denn das? … Naja, zurück zu vorhin. Was hat der Typ gesagt? … Schon ein bisschen stumpf, oder? … Und, was machst du jetzt? … Echt? … Hm, ich weiß nicht. Sicher? … Wart‘ doch erst mal heute Abend ab. … Wie, du kommst nicht? Warum? … Kein Geld ist keine Ausrede. … Man, hier geht doch sonst nix, da muss man wenigstens mittwochs los. … Wir könnten doch vorsaufen. … Ich hab noch Reste. … Eklig? Eklig macht besoffen! (lacht) … Doch doch, das wird super. … Kannst ihn ja auch einladen. (lacht lauter) … Ok, eigentlich war das ein Scherz. … Naja, kannste ruhig machen. Ich frag dann noch ein paar Leute. … Ich meld mich später noch mal. … tschüß!“ „ … Hey. … Richtig! … Also, ich wollt dich fragen, ob du heut‘ Abend zum Vorsaufen kommst. … Bei mir. … Keine Ahnung, so um acht, neun? … Das ist ja super, ich hab auch noch was. … (lacht) … Ja, das hab ich auch schon gehört. Krass, ne?! … Ich dacht auch, ich fall aus allen Wolken, als Nadja das erzählt hat. … Unglaublich. … Ich mein … Irgendwie ist er ja auch ganz niedlich. … Naja, im Vergleich zu den anderen Profs. … Nein, ich bin nicht eklig! (lacht leise) … Oh, warte mal grad. … Da war nur grad mein Mitbewohner, hab das mal mit heut‘ geklärt. Der lädt dann auch noch ein paar Leute ein. … Gut, dann bis später! …”
“… Hallo. … Ich bin´s. … Ich rufe eigentlich an wegen…
Bildnachweis: pixelio.de (162319, 162320)
© Konstantin Gastmann / PIXELIO
Genau, woher … Ach, und hat sie auch von ihrer neuen Bekanntschaft erzählt? … Ja, dem Typen von heut‘ Morgen. … Der aus dem Seminar. … Ja, sie will sich ja anscheinend wirklich mit dem treffen! Oder ihn mitbringen heut Abend. … Hm. (lacht) … Und das von Nadjas Mitbewohnerin, haste das gehört? … … …”
von Julia Stock
Frauen und Naturwissenschaften, diese Kombination klingt ebenso phantastisch wie Frauen und Technik. Aber war es nicht Madame Curie, die das hochgefährliche Radium entdeckte? Und was die zweite Sache betrifft, fällt mir auf Anhieb eine technische Errungenschaft ein, die zwar von keiner Frau erfunden worden ist, aber die sie sich so sehr zu eigen gemacht hat, dass man das eine nicht mehr ohne das andere denken kann: das Telefon. Es ist schon abenteuerlich, wie lange und mit welcher Intensität die weiblichen Wesen unter uns das Telefonieren zelebrieren. Tag ein, Nacht ein – aus. Welch verbales Spiel, das kein Gegenüber in 3D braucht, welch gestische Vollkommenheit, die seit der Erfindung des kabellosen Telekommunikationsgerätes weitere Perfektion erfährt. Von Handys und den grenzen- und mauerlosen Möglichkeiten gar nicht zu sprechen. Unter dem Strich ist das alles wirklich eindrucksvoll und irgendwie, ja, auch irgendwie erschreckend. Was Männer vielleicht am Anfang einer Beziehung und ansatzweise in Fernbeziehungen schaffen und sonst möglichst kompakt in drei Sätzen runtersagen, da kommt Frau und füllt auf: ein eingeschobener Nebensatz, denn so gehört es sich, hier. Einen Hauptsatz finden wir noch dort. Und am Ende ist noch lange kein Ende in Sicht, sondern Punkt Punkt Punkt… Es ist nicht so, dass ich ein absoluter Anti-Telefonierer bin, ganz bestimmt nicht, aber manchmal habe ich einfach keine Lust. Ich sage dann Ja- oder Hm- oder Mhm-Sätze. Kennt jeder. Und manchmal bewege ich ganz langsam den Hörer weg, die Stimme am anderen Ende wird dann immer leiser. Dann wieder halte ich nur meinen Mund dran und sage einen dieser besagten Sätze, am besten aber nicht Ja, wenn ich vorher gar nichts gehört habe. Wenn Frau trotzdem fragen sollte, warum ich Mhm oder Hm gesagt habe, dann kommt die Ausrede mit dem Pudding, den ich gerade esse und der mir schmeckt. Nüsse eignen sich verständlicherweise nicht. Übrigens ist das mit dem Essen eine galante Ausrede, wie ich finde, denn beim Essen will man doch niemanden stören, oder? Also ist das Gespräch beendet. Bis es dann zehn Minuten später wieder klingelt. Man könnte dann unter die Dusche gesprungen sein, nen Spontanbesuch von nem Kumpel bekommen haben – nur auf ein Bier, versprochen! Man könnte, man könnte. Mann hätte auch etwas anderes erfinden können als das Telefon. Aber dann hätte es die Frau irgendwann erfunden. Garantiert! Und ich glaube sowieso, dass ein kaputtes Telefon, das noch funktionieren könnte, von einer Frau, eingeschlossen in einem Raum, ohne Probleme, mit etwas Zeit, repariert werden würde. Garantiert.
Nun gut, ich mache Schluss, denn es klingelt … oh, es ist das Telefon…
von René Kohn

Schenken ist schön…
Wenn die Zeit drängt, kommt zumindest die männliche Kreativität ins Stolpern

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Mein Geburtstag steht an. Die letzten zwei Monate habe ich in ahnender Voraussicht – ist ja nicht mein erster Freund – zig Anspielungen auf mögliche Geschenke gemacht. Ich weiß ja, dass sich Jungs irgendwie schwer damit tun, das Passende für ihre Partnerin zu finden. (Das Passende? Was hat mich denn da geritten? Noch mal: Ich weiß ja, dass sich Jungs irgendwie schwer damit tun, überhaupt ein Präsent für ihre Partnerin zu finden.) Also streute ich hier und da mal einen Hinweis, blieb mal länger vor einem Schaufenster stehen oder erzählte von schönen Dingen, „die ich mir aber ja jetzt, so kurz vor meinem Geburtstag, nicht selbst kaufe“. Ich selber wäre bei solch Andeutungen total eingeschnappt, würde es doch bedeuten, dass mein Liebster mir nicht zutraut, ein großartiges Geschenk für ihn auch ohne seine Hilfe zu finden. Mir, die in ihrem Timer extra eine Seite für Geschenkideen hat, die das ganze Jahr sofort brillante Geistesblitze hinsichtlich der Schenkerei einträgt und die immer Augen und Ohren offen hält. Aber rücksichtsvoll wie ich, die evolutionär bedingte Sammlerin mit Weitblick, halt bin, gebe ich Tipps und harre am Geburtstagmorgen den Päckchen, die da kommen. Ha. Ha ha. Könntet ihr mich hören, vernähmt ihr ein trockenes Hüsteln. Ihr fragt euch, was sich denn so Grauseliges im Geschenkpapier verbarg? Es gab gar nichts zum Auspacken, durch die Cellophanhülle des Blumenstraußes konnte ich auch so durchgucken. Rausgeschmissenes Geld für eine zwei Tage lang höchstens gespielte Freude. Was ist denn da von meinen Botschaften nicht angekommen? Was denkt sich ein Mann beim Geschenkekauf? Denkt er dabei überhaupt? Es wird wohl so gewesen sein:
Ein bis zwei Tage vorher erfährt er von meinem Geburtstag. Entweder, weil er es wirklich in seinem Timer/seinem Handy stehen hat, über StudiVZ, oder es fällt ihm im Zuge meiner Geburtstagsvorbereitungen ein. Wenn dann langsam die Zeit drängt, fährt er in die Stadt. Er weiß, dass ich gern lese, hat aber keine Ahnung, welche Bücher ich schon habe. Ein Gutschein kommt ihm dann doch ein bisschen langweilig vor. Und es gibt so viele Möglichkeiten, so viele Dinge, die ihn interessieren würden, er kann das alles gar nicht erfassen, es läuft an ihm vorbei.
Bildnachweis: pixelio.de (202625)
© BirgitH / PIXELIO
Und auf einmal ist es kurz vor acht, die Geschäfte schließen bald, leichte Panik erfasst ihn. Er, ganz der Jäger, stürmt den nächsten Blumenladen. „Ich brauche einen Strauß für meine Freundin zum Geburtstag! Er darf ruhig teuer sein.“ Denn ich werde ja sicher seinen guten Willen an den langstieligen und kostspieligen Rosen erkennen…
von Julia Stock
Geschenke müssen in einer funktionierenden Beziehung ja immerhin dreimal im Jahr besorgt werden. Das wäre an Weihnachten, am Geburtstag und am Jahrestag. Aber einfach ein Geschenk kaufen ist aus Sicht der Frau ja tierisch unpersönlich und deswegen sollte man sich schon mindestens 5 Monate vor dem Tag der Tage im Klaren sein, was denn der Freund Schönes braucht. Oder nein: Es wird nichts Brauchbares geschenkt, sondern was Liebes, Persönliches und vor allem Selbstgemachtes. Hier gibt es natürlich haufenweise Optionen, die Frau ziehen kann, aber am persönlichsten und auch fast am beliebtesten ist Folgendes: Erstmal alle Fotos, die je zusammen fabriziert haben, zusammensuchen… eine Collage ist doch wohl das Schönste, was der Herr kriegen kann! Am besten mit mehr Fotos von der Frau als von dem Mann. Wenn dann endlich alles zusammen gesammelt ist, geht es ab in den nächsten Bastelladen. Pappe, Kleber, Glitzersterne… alles eingepackt und ab an die Arbeit. Da Frau ja grundsätzlich feststellt, dass prinzipiell alle Fotos aus einem völlig falschen Winkel aufgenommen wurden, werden im nächsten Monat mehrere Fotoshootings mit der besten Freundin arrangiert. Aber halt: vorher werden noch Klamotten gekauft, damit auch alles wirklich brandneu ist, wenn der Liebste sein Geschenk bekommt. Nachdem auch diese Hürde gemeistert ist, sind es auch nur noch 3 Monate bis zum Jahrestag. Nun folgen die ca. 2- bis 10 Treffen mit der Freundin, es wird alles ins beste Licht gerückt und abgedrückt. Das ganze, vermischt mit den Fotos aus dem letzten gemeinsamen Urlaub, wird auf einen schönen Bogen Regenbogenpappe geklebt und reich verziert.
So. Nun sind es aber noch knappe 2 Monate bis zur Geschenkübergabe. Hmm – da stellt sich die berechtigte Frage, ob es sich wirklich lohnt, solange den Mund zu halten, obwohl er sich doch so sehr freuen würde, oder ob man doch nicht lieber zeitnah die Bombe platzen lassen sollte. Ach was soll’s, er kriegt das Geschenk einfach so, und ich denke mir was Neues aus, was ich ihm zu Weihnachten, zum Geburtstag oder zum Jahrestag schenken kann. Irgendwie war die ganze Arbeit ja gar keine, sondern eher ein Spaß, der sich gerne wiederholen lässt. Denn verdammt nochmal, er würde es vor seinen Freunden nicht zugeben, aber er ist doch mehr als stolz auf die Frau, die sich eine solche Mühe für ihn gegeben hat.
von Sebastian Dargel

Trinken hilft…
Der alkoholisierte zwischenmenschliche Kontakt zwischen Männern und Frauen

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Es ist ja so eine Sache mit dem Trinken – warum eigentlich? Haben wir doch schon so oft festgestellt, dass es fatale Folgen haben kann… insbesondere am nächsten Morgen, wenn man mal von dem unangenehmen Hämmern im gerade in Betrieb genommenen Dickschädel absieht. Es könnte das peinlichste Erwachen deines Lebens sein. Warum zum Geier tut man sich das an?
Und dann diese Theorie, man könne sich das andere Geschlecht schön trinken… nun gut, Männer können das vielleicht, wenn ich mir so manche Vertreterin des eleganteren Geschlechts anschaue, die an einem eigentlich viel zu schönen Mann dran klebt, bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass dieser seine Erkennungsfähigkeit schlichtweg ertränkt hat. Was vor zwei 0,4 l Long Island Ice Tea noch aussah wie ein fleischgewordenes Verhütungsmittel, kann in seiner Welt urplötzlich zu einem göttlichen Aphrodisiakum mutieren.
Aber wir Frauen machen doch so was nicht! Der Mann sieht noch genauso so aus wie vorher… und trinken wir noch so viel… er wird immer noch so aussehen. Und jetzt wird es nämlich interessant… meine Theorie ist: Frauen trinken sich gleichgültig! Ganz nach dem Motto: „Der ist doch nicht schön… aber egal, ich brauch jetzt ´nen Kerl“, fällt die betrunkene Frau über das vermeintliche Objekt ihrer Begierde her. Konsequenzen – Nebensache! Für die betrunkene Frau zählt nur der Augenblick, die Selbstbestätigung. Und hat man erst mal einen hässlichen, männlichen Rochen aus dem eh schon total überfischten nächtlichen Gewässer gezogen, ja herrje, dann kommt man sich doch wirklich einen Augenblick lang begehrenswert, gut aussehend und verführerisch vor, oder? Aber ist das das Erwachen am nächsten Morgen wert… die Erkenntnis, wenn sich der nebelige Dunstschleier im Gehirnskasten hebt, wenn das Herz kurz für einen Moment aussetzt und man mit weit aufgerissenen Augen die nächtlichen Taten Revue passieren lässt, oder dem Schrecken gar gegenüber liegt?
Bildnachweis: me
Foto: Melanie Ehlert
Naja, ihr könnt euch sicher sein, dass ihr in ein paar Jahren darüber lachen werdet, und ein bisschen Spaß ist auch gesund, aber abwägen solltet ihr schon und euch nicht unter Wert verkaufen… und jetzt könnt ihr euch mal überlegen, was es für ein Kompliment ist, wenn euch ein nüchterner Mann anspricht.
von Melanie Ehlert
Natürlich gibt es Prinzipien. Und es gibt Geschmack. Mein Prinzip: Ab einem bestimmten Pegel etwa keine Frauen mehr anzusprechen. (Ausnahme: Die, die man sicher kennt.) Mein Geschmack: Nehmen wir den Klassiker mit den blonden langen Haaren, Bikinifigur, schulterlang ist auch ok. Ach ja, und nicht zu vergessen: ein dufter Charakter.
Es gibt aber auch noch andere Prinzipien, etwa: Keine Uniparty ohne Bier. Und auch hier gibt’s Geschmäcker: nehmen wir das bremersche Heimatgebräu. Prost! Und nun wird’s interessant, wir befinden uns auf einer der berühmtberüchtigten Unipartys. Das letzte Prinzip macht das erste vergessen. Das kühle, blonde, prickelnde Nass steigt mir zu Kopf und lässt mich plötzlich oben beschriebenes weibliches Geschöpf einbilden. Aus zehn Metern Entfernung werden fünf. Dann ist sie nur noch einige Schritte entfernt. Irgendetwas in mir will sich mitteilen und mir etwas sagen. Ich kann es aber nicht genau hören, sondern nur die Musik, das Gerede und Gesinge um mich herum. Gute, ausgelassene Stimmung.
Mein Kumpel, der neben mir steht, schwankt. Oder soll es eine Art Tanz sein? Er macht eindeutige Anzeichen in seiner Gebärdensprache und seinem Mienenspiel: Komm schon, mach dich ran, die ist geil. Da hört man doch drauf, oder? Und die eigene Stimme sagt ja ohnehin nichts anderes mehr. Bis auf das unterschwellige Flüstern in meinem Kopf, eine zweite andere Stimme. Ich will dem inneren Monolog gerade Einhalt gebieten, will das Gewissen oder was auch immer als Spaßbremse be…, da vergess ich auch schon, was ich sagen will und denk auf einmal ganz wichtig: Wenn zwei Menschen das Gleiche sehen und denken, dann kann das nur objektiv der Wahrheit entsprechen. Oder? – Richtig. Die bierernste zweite Geige im trunkenen Chor hört eh keiner mehr.
Ich mache nun einen Schnitt. Der Absatz soll das noch mal verdeutlichen. Mittlerweile ist Zeit vergangen. Es ist morgens. Mir ist leicht schwindlig, ich habe Durst. Alles ist wie immer. Nur: dass ich feststelle, dass ich nicht allein in meinem Bett bin. Da liegt sie, und ich habe eine wage Erinnerung. Daran, dass alles irgendwie ganz anders gewesen ist. Denn eine blonde Bikinibekanntschaft liegt da nicht.
Ich höre das Lachen einer bekannten Stimme. Eher Gelächter. Es schwillt an, wird immer lauter. Irgendwann ist es schrill. Kaum noch auszuhalten. Der Wecker klingelt. Gott, hab ich Durst. In meinem Schädel hämmerts.
Ich drehe mich um, mache den Wecker aus, erleichtert bemerke ich, dass niemand da ist und ich meinem ersten Prinzip treu geblieben bin.
von René Kohn

Die Simplizität des Mannes …
Warum Männer und Frauen sich nie verstehen werden

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Der Mann… warum verstehen wir Frauen ihn dann und wann nicht? Nun, manchmal scheint der weibliche Intellekt einfach zu komplex, um dieses gegengeschlechtliche, Stoff wechselnde Etwas zu begreifen. Zugegeben, wir Frauen sind wahrscheinlich auch anstrengende Vertreter der Gattung Mensch. Ein Mann, der sich nach unserem Befinden erkundigt, fragt, was los sei und mit einem quengeligen „nichts“ abgespeist wird, wird sich damit zufrieden geben. In der Männerwelt heißt das wohl soviel wie: „Alles in Ordnung“. Oder es bedeutet schlicht und ergreifend das, was es bedeutet: Nichts. In der Frauenwelt bedeutet „Nichts“ nicht einfach „Nichts“! Es ist ein unglaublich vielschichtiger Begriff verzweigter Emotionen, welcher sich dem steinzeitlich anmutenden, unkomplizierten Dasein des Mannes in diesem wichtigen Moment einfach nicht erschließen wird. Und hofft Frau auch noch so sehr auf expressiven, männlichen, emotionalen Beistand… sie wird ihn nicht bekommen. Nichts ist Nichts.
Hat Frau es bewerkstelligt, sich dennoch in irgendeiner Form Gehör zu verschaffen, so stößt sie auf ein neues Problem: der männlichen Unempfänglichkeit für die typisch weiblichen, vagen Andeutungen. Der buchstäbliche Zaunpfahl (siehe Bild) direkt ins maskuline Antlitz geschlagen… Verschwendung! Der komplette Gartenzaun aus dem jungfräulichen, vorstädtlichen Schrebergarten gerissen, mit roter Farbe angestrichen und mit aufrührerischer Musik dem Manne engelsgleich um den Kopf geschleudert… vergebene Liebesmüh! Dem Manne direkt sagen, was wir denken… undenkbar! Wahrscheinlich würde es den possierlichen Mann in seinem natürlichen Direktheits-Habitat auch sehr verstören, wenn Frau dasselbe mit ungebremstem Entdeckerdrang betreten und erobern würde. Wie also sollen wir auf einen grünen Zweig kommen, ohne den Mann zu verstören, zu erschrecken? Wie uns verständlich machen?
Bildnachweis: pixelio.de
© (Fotograf unbekannt) / PIXELIO
Wie ich es drehe und auch wende, mir will keine geeignete Basis, keine geeignete Lösungsstrategie einfallen. Im Endeffekt ist es wohl so, Männer und Frauen werden sich nie vollkommen verstehen. Uns Menschen insgesamt ist es wohl nicht gegeben alles vollends zu verstehen, sei es Mann oder Frau oder die Welt an sich. Und ganz ehrlich… ich versteh´ mich ja selbst manchmal nicht…
von Melanie Ehlert
Warum bist du denn jetzt wieder eingeschnappt? Was habe ich denn gesagt?”, “Es geht nicht darum, was du gesagt hast, sondern wie!” Nun sollte ein strategischer Rückzug folgen, aber auf keinen Fall ein Kopfschütteln mit “Du meine Fresse!”. Als Mann steht man sehr häufig im Wald, wenn es um das Zwischenmenschliche geht. Man weiß zwar, dass die Frau an seiner Seite was Besonderes ist und man sie auch liebt, aber einige Dinge sind einfach nicht nachvollziehbar. Da braucht man gar nicht das allwochenendliche Thema des Sportes ansprechen. Es beginnt mit weitaus kleineren Dingen, die einem Mann, in der Masse vorkommend, jeglichen Nerv rauben. Bestes Beispiel sind Andeutungen jeglicher Art, die uns auf eine Fährte bringen sollen. “Hier könnte auch wieder aufgeräumt werden.” oder “Die Hose sitzt aber sehr tief.” Warum nicht einfach mal sagen, was gemacht werden soll? Würde Kraft sparen. Meistens knacken wir den Code ja, aber im Ganzen sind wir nicht fähig, Gedanken zu lesen und wenn wir es wären, würden wir es nicht tun. Auch stellt sich für uns kaum die Frage, was Frau denn nun anziehen soll, sie hat all ihre Sachen gekauft, weil sie gut aussehen, also wird sie auch heute abend wieder gut aussehen, wenn es nicht die Jogginghose ist.
Und was wir von der neuen Handtasche halten? Soviel wie du von unserer neu entdeckten Biersorte. So wie wir keine Handtaschen tragen, ist es bei euch sehr selten, dass Bier über Wein steht. Also belanglos.
Eine recht gute Möglichkeit, ungewollten Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, ist die Methode des komplimenthaften Reagierens. “Habe ich zugenommen?” “Nein!” “Ist sie schöner als ich?” “Nein!” Selbst wenn man lügt, alles ist besser als das Echo auf die Ehrlichkeit erfahren zu müssen. Aber die Wahrheit will ja nicht immer jeder wissen und manchmal muss man gar nicht lügen, denn natürlich hat man die schönste Frau an der Seite, sonst hätte man eine andere.
Wie man an diesen kleinen Beispielen sieht, ist es manchmal einfach schwierig, auf einen Nenner zu kommen. Der Grund, warum Männer und Frauen sich nicht verstehen, liegt nicht in den Genen oder an der Erziehung, sondern daran, dass sie es gar nicht wollen. Denn Friede, Freude, Eierkuchen 24/7, das hält weder Mann noch Frau aus.
von Sebastian Dargel

Was das Quietscheentchen uns erzählen könnte

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Was machen diese Wesen, die nicht mal merken, wenn wir Frauen eine neue Frisur, geschweige denn neue Schuhe haben, diese Wesen, die sich selber für total unkompliziert halten, die sich damit rühmen, ganz natürlich (schön) zu sein, die von sich behaupten, keine Beautyprodukte zu benötigen, was machen diese Wesen so lange im Bad?
Laut oben genannten Selbsteinschätzungen und nach dem von uns bemerkten Desinteresse dürften Männer höchstens 10 Minuten für die Morgentoilette brauchen. Betreten, Radio anmachen, Zähne putzen: zahnprophylaktisch- nett geschätzte 3 1/2 Minuten. Toilettengang: 1/2 Minute. (Immerhin brauchen sie auf Partys ja auch nicht länger und mokieren sich nur immer, dass sie auf ihre Begleiterinnen warten müssen.) Duschen, da ja nichts enthaart oder gepeelt wird, und abtrocknen: 3 Minuten. Die restlichen 3 Minuten sollten für den natürlich- schönen Mann ja wohl für Rasur und Styling reichen. Ob die lesende Männerschaft nun verlogen mit dem Kopf nickt und zustimmt? Ihr angeblich von der Natur sonnengebräuntes Gesicht beschämt senkt? (Obgleich uns Frauen die neue Niveawerbung eines Besseren belehrt.) Ihr penibel gestyltes Haar hinters Ohr streicht? Die manikürten Finger selbstgefällig über der babyweichen Haut des Bauches faltet?
Bin ich gehässig? Nein, ich erkenne die „Naturschönheit“ ja. Ich bin nur eines Besseren belehrt worden und weiß, dass männliche Wesen oft genau so lange oder länger im Bad brauchen wie wir. Nur, dass sie es nicht zugeben. Was uns Frauen unweigerlich auf dumme Gedanken bringen muss: wenn der Mann nur 10 Minuten in der Kacheloase braucht, aber 25 Minuten darin verbringt, was tut er dann da? Vorm Spiegel posen? Mitsingen? Den Abfluss mit unserer Zahnbürste reinigen? Die Kosmetika der Freundin/ Mitbewohnerin testen? Aus der Kloschüssel trinken? Sich selbst befriedigen?
von Julia Stock
Einen Moment für den Klassiker, bitte! Frauen im Bad. Ein abendfüllendes Gespräch, wozu es natürlich allein deshalb nicht kommt, weil es sich so schlecht sprechen lässt, wenn man nicht zusammen in einem Raum ist. Dazu noch Föngeräusche und Dirty Dancing-Mucke und alles ist arrangiert für die Ausrede fürs Zuspätkommen, natürlich dem männlichen Part zukommend. Ich versuch, oh mein Gott, ich versuch die Frauen jetzt einmal zu verstehen, weil ich gerade ein wenig Zeit habe.
Weil Sinnfragen auch immer mit einem Warum anfangen, will ich das mal dabei belassen: Warum also brauchen Frauen so lange im Bad? Weil wir in einer Welt leben, in der Frauen lange im Bad brauchen. Ganz einfach. Das ist nun mal so. Klingt ironisch. Also nehme ich es nicht einfach so hin und hinterfrage das, weil ich ja nicht nur ein Mann, sondern auch Student bin. Neugierig und kritisch… Was steckt dahinter? Eine Annäherung: Langes Haar zum Beispiel gilt immer noch eher als weibliches Attribut, will gewaschen, geföhnt und gebürstet werden. Hier müssen bereits die einzelnen Schritte näher beleuchtet werden, denn Waschen heißt nicht mal eben nur mit Shampoo. Nein, hinzu kommt eine Spülung und diese muss i.d.R. erstmal einwirken. Zu guter letzt gibt’s noch ne Kur. Doppelte Einwirkzeit. Auf dass es helfe! Und auch die weiteren Vorgänge sind nicht zu unterschätzen. Lange, nasse Haare brauchen neben Liebe auch Wärme und damit nicht alles aussieht wie Hulle, muss die Bürste her. Ok, zugegeben, es gibt auch Kurzhaarfrisuren. Nun gut, aber die behaarten Beine gibt’s ja auch und die Werbung, in der so nen samt-seidenes Tuch über dieses Körperteil gleitet, ohne zu rucken, auch. Behaarte Beine, das muss folgerichtig und um der Ästhetik willen natürlich geändert werden. Respekt! Vergleiche Mann einmal die Oberflächen von Gesicht und Beinen. Wer schön sein will, muss ja bekanntlich leiden.
Natürlich sind solche Betrachtungen oberflächlich und durch die Tiefe des Schlüssellochs – nein, ich bin kein Spanner, das soll lediglich ein Wortspiel sein – erkennt man natürlich mehr: Frauen im Bad, hierbei geht es um etwas ganz Besonderes, um innere Werte etwa, die wir natürlich nicht sehen, weil wir ja nicht hineingucken können. Welch Dilemma!
Aber ich bleibe oberflächlich und schließe ab: Mann wartet insgeheim ganz gern. Und: Vorfreude ist die schönste Freude.
Entnervt lege ich den Stift beiseite. Das war hart. Ich glaube, die Zeilen werde ich für mich behalten. Ich stehe auf, rufe ganz unbeherrscht und schon kurz vor hysterisch: Schatz, bist du bald fertig? Wir müssen los. Nein, wir hätten schon da sein müssen. Vor einer Ewigkeit. Von wegen Vorfreude. Einen Moment,…
von René Kohn

Immer wieder samstags

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Um ehrlich zu sein, habe ich den Sinn dieses Spiels nun wirklich nie verstanden, aber gut, der Kleiderschrank einer Frau mag dem einen oder anderen auch ein Rätsel aufgeben. Nun ist das WM-Jahr rum und die Euphorie über die Ballkunst hat sich ebenfalls gelegt. Geblieben ist die Bundesliga und ein Mysterium, welches mich jedes Wochenende erneut den Kopf schütteln lässt. Fast möge man glauben, mit Eintritt in den Freitagabend entwickeln sich friedliebende, kultivierte Männer in Wesen, die die Tatsache, dass der Mensch vom Affen abstammt, immer wieder deutlich in Erinnerung rufen möchten. Dabei stellen sich mir als Beobachterin immer wieder dieselben Fragen: Wieso stört es sie eigentlich nicht, sich gegenseitig die Genitalien auf dem Feld zu kraueln bzw. sich liebevoll den Hintern zu tätscheln, wenn sie gleichzeitig im Alltag schon bei der Andeutung „homo…“ häufig dazu neigen, Ausschläge zu entwickeln. Weshalb gleicht die Jubelszene im Duschraum des Bundesligameisters einem einschlägigen Videothekenfilm, während gemeinsames Duschen sonst wohl eher Mangelware ist. Und warum eigentlich gibt es im Schalker Stadion ein Taufbecken?? Glauben die Männer tatsächlich, wir würden es zulassen, dass unser Erstgeborener in einem nach Fußschweiß riechenden Gewölbe auf den Namen Rudi getauft wird??? Fragen, die wohl ewig ihre Antwort suchen. Interessant ist auch die Sicht auf den Frauenfußball. Eigentlich müsste doch eine Fußballspielende Frau das perfekte Gegenstück zu ihnen sein. Keinen Samstag mehr ewiges Bummeln, stattdessen Kicken auf dem Bolzplatz und Entgegenfiebern der 18:00 Uhr Sportschau.
Kein ewiges Fragen nach dem Sinn eines Ballspiels, stattdessen gemeinsames Komponieren weiterer Stadienhymnen und auch in den heimischen vier Wänden kann die Erotik durch einen fröhlichen Trikottausch und Vorstoß in den Strafraum am Leben gehalten werden. Allerdings scheint die Nachfrage in diesem Bereich eher gering zu sein. Was tun? Anfreunden mit dem Lederfeind? Lächeln und Nicken lautet wohl die Devise, denn schließlich können wir uns ausgiebig revanchieren, wenn der Liebste dann einen Marathon von Gilmore Girls, Desperate Housewives und Grey´s Anatomy ertragen darf…und wird!
von Britta Simon
Was eigentlich ein Männerthema ist, war zumindest zur WM ein Thema für alle. Das schönste Spiel der Welt, im Alltag eigentlich kein Spiel, sondern eher eine gesunde Mischung aus Krieg und Religion, der Fußball. Was war das doch schön, als der Bäckermeister-Jürgen seine Jungs über den Rasen schickte und Mann und Frau gemeinsam eine schöne Zeit hatten. Doch was war es danach überraschend, dass Frauen dem Bundesliga-Alltag so gar nichts abgewinnen konnten. Der frühe Samstagabend wurde wieder zum Abenteuer, denn die Sportschau war nicht länger ein geduldeter Gast in hiesigen Wohnzimmern und die Männer stellten sich die Frage, wie Frau es denn schafft, ihren Schalter so schnell umzulegen? Hass, Liebe und dann wieder Hass? Sehr merkwürdig. Was ist da denn los, verdammt? Hassen die Frauen wirklich dieses von Gott gegebene Spiel und haben während der WM nicht wirklich den Fußball sondern dieses Sommermärchenhafte Feeling genossen? Fragen über Fragen. Leider ist es aber wohl Letzteres. Die meisten Frauen (ja genau, einige wenige sind sogar ausgeschlossen!) haben nicht den Spaß an ihren besoffenen Männern und den Bällen auf dem saftigen Grün gefunden, sondern ganz einfach an dem Spaß den diese Wahnsinnveranstaltung verbreitet hat. Und wahrscheinlich war es auch einfach das friedliche Miteinander und das alle (zumindest fast alle) auf der Seite ein und derselben Mannschaft standen. Vielleicht ist aber das Verständnis nicht da, das, zumindest für 90 Minuten, die besten Freunde zu den größten Feinden werden. Ich für meinen Teil, verstehe die Frauen nach der WM weniger als vorher…allerdings habe ich einen Deal ausgehandelt! Samstagabend wird nicht über Fußball gemeckert und ich schaue im Gegenzug „Desperate Housewives“. Nur ein Scherz, so einen Muff schau ich mir nicht mal mit vorgehaltener Pistole an! Kann es sein, dass genau diese Einstellung uns den Hass auf den Fußball einhandelt?
Mann weiß es nicht. Frau sicher.
von Sebastian Dargel

Was ist das mit uns Frauen? -oder- Ansprechen und dann?

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Was ist das mit uns Frauen?
Ist es normal, immer zu warten bis es zu spät ist? Ich meine, da ist ein Typ… ein echt toller Typ, du findest ihn heiß… er ist nett, zuvorkommend, höflich… unter dem Strich alles, was ein Mann sein sollte. Er ist sogar in deinem Freundeskreis, du siehst ihn im Schnitt 3x die Woche, auch an den Wochenenden. Du verbringst fast komplette Nächte mit ihm, hängst an seinen Lippen, dein Bauch kribbelt, ein Lächeln huscht über dein Gesicht, wenn du an ihn denkst, du verlierst dich in seinen Augen… tagelang, wochenlang, monatelang und dann…. eines schönen Tages ist SIE da. Seine neue Freundin! Objektiv betrachtet ist SIE nichts, was du bist. SIE ist nicht hübsch, klug, witzig, originell, kreativ… nichts. Naja gut, … vielleicht ist sie doch hübscher, schlanker, eloquenter, intelligenter… ach egal SIE ist ein Nichts, du willst SIE hassen, aber SIE ist auch noch so verdammt nett! Aber SIE ist der Feind, daran gibt es nichts zu rütteln. Denn SIE ist einfach nur da wo du gern sein würdest, an seiner Seite. Wahrscheinlich kennst du SIE sogar und hast ihr bestimmt 20.000 x erzählt wie toll er ist. Und eines schönen, sonnigen Tages dachte SIE sich: „Den schau ich mir mal genauer an.”
Was ist das? Hatte man etwa monatelang keinen Sprechapparat? Keinen Körper mit dem man eindeutige Signale hätte senden können?
Ist es die heutige Zeit, die uns allen das Leben so schwer macht? Ich meine die Steinzeit hatte doch was für sich! Da ist ein Typ der dir gefällt? Kein Problem! Du nimmst eine Keule, ziehst sie ihm über den Schädel und schleifst ihn in deine Höhle. Klingt doch einfach! Und wenn ich dann… wenn ich… wenn… und schon wieder denken wir nach, wir Frauen. Aber mal ganz ehrlich, bei 16% Männeranteil ist nicht viel mit Nachdenken, meine Damen! Da fällt mir gerade ein, das Ding mit der Höhle war in der Steinzeit auch nur den Männern vorbehalten, oder? Haben Männer auch diese Selbstzweifel? Bestimmt. Sie können doch gar nicht so anders sein… na ja…vielleicht doch.
von Melanie Ehlert
Ansprechen und dann?
Wenn man in einer Beziehung ist, dann ist eine Seite immer ganz besonders stolz, wenn sie die Aussage tätigen kann „Was wäre, wenn ich dich damals nicht angesprochen hätte?”.
Abgeklärte Kerle antworten darauf „Schatz, ich weiß es nicht aber es ist wundervoll, dass du es getan hast”, man küsst sich und schaut sich verliebt in die Augen. Toll. Nicht ganz so abgeklärt wäre die Antwort „Dann hätte ich heut ne andere.” Tja schade, schlechte Antworten werden immer bestraft und dumme sowieso, wahlweise mit Entzug von Matratzensport oder …nein kein oder, die Bestrafung zieht ja immer.
Aber um überhaupt dieses Gespräch führen zu können, muss man zuerst die angesprochene Situation im real-life erlebt haben. Dies wird nun am Beispiel unserer beliebten Unipartys durchgespielt, wo es immer wieder eben diese Situationen gibt, über die man sich am Mittag des nächsten Tages, wenn man gerade aufwacht, die Frage stellt „was wäre gewesen wenn?”.
Die Frau deiner Träume ist also endlich auch einmal auf einer Uniparty. Sie sieht, wie eigentlich immer, fantastisch aus. Wie stellt man es nun am besten an, mit ihr ins Gespräch zu kommen? Nun ja, erst einmal sollte der eigene Alkoholpegel eingeschätzt werden, denn wer zu voll ist, der wirkt, na sagen wir mal, eher abstoßend als anziehend. Ist diese erste Hürde bewältigt, sollte man überdenken, über was man reden will und auf gar keinen Fall mit irgendeinem Anmachspruch starten. „Du auch hier?” oder „Ist der Pulli aus Kamelhaar?” kommen weniger gut an. Auch, dass der Papa der jungen Dame irgendwelche Sterne geklaut haben soll, lassen sich Frauen ungern unterstellen.
Also Bauch rein und Brust raus, nicht von Freunden mit Tipps bombardieren lassen, denn der wirklich beste und sogar einfachste Weg ist es, einfach hingehen, lächeln und Fragen stellen. Frauen sind wie Männer (wenigstens einmal!!!), sie wissen schnell, ob sich ein tieferer Blick lohnt oder ob es mit euch gar nichts wird. Das gilt aber nicht nur für Unipartys. Wer Mut beweist, der wird belohnt, und wer noch ein bisschen mehr zu bieten hat als „heut war EW auch wieder langweilig, oder?”, kann unter Umständen das „was wäre gewesen wenn?” in ein „Ich hab dich zuerst angesprochen!” tauschen und sich selig noch einmal zur Seite drehen. Es ist schließlich erst 12 Uhr.
von Sebastian Dargel

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