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Interkulturelle Fettnäpfchen
Das Training des International Office

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Humor bewahren
Tipps für die ersten Wochen

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Nun beginnt wohl der Ernst des Lebens … oder die längste Party der Welt. Wie auch immer Du Dein Studium gestalten wirst, um ein paar grundsätzliche Themen wird auch der hartgesottenste Ersti nicht herumkommen. Damit Du nicht völlig verzweifelst, bevor Du Dein eigenes System entwickelt hast, haben wir für Dich die besten Tipps für die ersten Wochen zusammengestellt.
Stundenplan
Gehe nicht davon aus, dass Dein Stundenplan, Dein Raumplan oder überhaupt ein getätigter Plan von Dir in den ersten Wochen so bleibt, wie er war. Grundsätzlich ist erstmal alles offen und Du solltest es mit Humor nehmen. In den meisten Fällen relativiert sich das Chaos spätestens in der dritten Woche. Gönn‘ Dir lieber einen leckeren Kaffee im Bistro oder der Caféte, glaub mir, dabei wirst Du schnell Deinesgleichen finden.
Seminare
Auch an einer Universität ist Mitarbeit gefragt. Daher heißt es: Vorbereitung ist alles. Sollte diese eher dürftig ausgefallen sein und einschlägige Suchmaschinen sind Dir auch keine Hilfe mehr, heißt es Verstecken. Zunächst gilt: Wenn Du eh schon keine Ahnung hast, Klappe halten. Schamloses Plappern mit dem Nachbarn oder schadenfrohes Kichern, wenn es Dich nicht erwischt haben sollte, werden Dich zwangsläufig auf die Abschussliste bringen. Auch Gähnen empfiehlt sich, ob in leiser oder lauter Form, ganz und gar nicht. Die Kleidung mit Bedacht aussuchen: Der handgestrickte Ernie-Pullover ist eine wirklich tolle Sache, doch lenkt er zwangsläufig die Blicke auf Dich. „Du da in bunt gestreift …”, könnte die Folge sein. Von daher heißt es an solchen Tagen: Weniger ist einfach mehr.
Mensa
Gerade in den ersten Wochen nach Semesterbeginn solltest Du kein Seminar in der Mittagszeit besuchen, Dir einen Sturzhelm für die Schlacht an der Ausgabe anschaffen oder am besten Vegetarier werden. Ansonsten können wir Dir nur raten: Geduld und evtl. ein Pausenbrot für die Wartezeit. Letztendlich wirst Du mit einer großen Auswahl leckerer Menüs belohnt, weswegen sich das Warten durchaus lohnen wird. Innerhalb der Mensa solltest Du Folgendes beachten: Überlege Dir schon auf dem Weg genau, was Du essen willst. Verzichte auf Komponenten, wenn Du bereits an ihnen vorbei bist. Dein Hintermann wird sonst zwangsläufig Dein Tablett rammen und dann überholen. Du wirst den Anschluss an Deine Freunde verpassen und letztlich alleine dastehen. Und allein schmeckt das Essen nie! Gut, vielleicht etwas übertrieben, aber „Im-Weg-Rumsteher” nerven einfach. Punkt!
Verwaltung
Rechne grundsätzlich nie damit, dass Dinge einen einfachen Ablauf haben. Wenn Du einen einfachen Ablauf möchtest, geh zur Bundeswehr! An einer Hochschule ist mitdenken gefordert. Grundsätzlich gilt: Egal was du möchtest, Du wirst es kaum an diesem Tag bekommen. Zunächst ist es ratsam, Dich per E-Mail vorher anzumelden. Benutze dafür bitte Deine hochschulinterne Adresse: Auf geilesstück@web.de wirst Du sehr wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten. Sollte es dennoch fehlschlagen, wende Dich persönlich an die jeweiligen Stellen. Grundsätzlich gilt auch hier: Freundlichkeit ist alles. Da unsere Verwaltung an manchen Stellen schlichtweg überlastet ist, ist sie auch erstmal für nichts zuständig. Bleibe hart. Formuliere Deine Frage erneut. Betone dabei die Wichtigkeit deines Anliegens, aber vergewissere Dich im Voraus, ob Du die Frage nicht auch hättest selbst beantworten können (Lesen der Prüfungsordnung, Frage an den Dozenten, Zuhören in der Veranstaltung). Gerade während der Prüfungszeit halten solche Anfragen den Betrieb unnötig auf. Solltest Du Dir sicher sein, dass Du im Recht bist, vertrete Dein Recht. Sollte dennoch nichts fruchten, hast Du unseren Segen, mit der Faust ordentlich auf den Tisch zu hauen. Mitunter wirst Du jedoch feststellen, dass dies nur an den seltensten Stellen notwendig sein wird.
Alles in allem heißt es: Humor bewahren. Letztendlich ist hier noch keiner unter die Räder gekommen. Darüber hinaus freue Dich jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn Du dann diese weisen Worte an Deine Nachfolger richten kannst. Viel Spaß und ein erfolgreiches Studium wünscht Dir Dein uniVista-Team!
von Britta Simon

Das liebe Geld

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Bildung ist teuer, das ist nicht erst seit den Studiengebühren so. Deshalb steht jeder von Euch vor der Frage: Wie soll ich das alles finanzieren? Es gibt die Möglichkeit einen Studienkredit bei der KFW Bankengruppe in Anspruch zu nehmen oder, sofern berechtigt, BAföG zu beziehen. Doch eine wesentlich bessere Alternative wäre ein Studierendenstipendium. Bekommen könnt Ihr das bei den zwölf großen Begabtenförderungswerken (www.begabtenfoerderungswerke.de) oder bei kleineren Stiftungen und Vereinen.
Recherche lohnt sich, denn es gibt mehr Menschen, die Euch fördern wollen, als Ihr denkt. Ein Einser-Abitur ist nicht notwendig. Begabtenförderungswerke legen bei ihrer Auswahl Wert auf gute Schul- und Studienleistungen (um die 2,0) und gesellschaftliches und/oder politisches Engagement. Leitsatz ist, dass Lebenswege gefördert werden sollen, keine Karrieren. Dementsprechend gehört bei den meisten Stiftungen zur finanziellen Förderung auch eine ideelle Förderung, welche Euch die Möglichkeit eröffnet, Euch weiter zu bilden und Kontakte zu knüpfen. Bei der Auswahl Eurer Stiftung solltet Ihr darauf achten, welche zu Euch passt, denn diese repräsentiert Ihr auch als Stipendiat. Zögert nicht Euch zu bewerben.
von Stefanie Bruns

The Beast within
Über Dozenten und den Umgang mit ihnen

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Kaum etwas wird das Uni-Leben so sehr prägen wie die netten Menschen am Rednerpult, die eine Hand an der Fernbedienung des Beamers, die andere am Over-Head-Projektor.
Wie soll man mit den Halbmenschen, mit der Powerpoint-Präsentation, umgehen? Vereinen sie doch so viele Rollen in sich. Richter, Lehrer, Lebensretter, Mensch.
Dozenten sind viel, aber eben vor allem Letzteres. Auch sie können sich irren, veraltete Meinungen vertreten oder persönliche Probleme mit in die Veranstaltung tragen. Es gibt Exemplare, die halten besonders viel auf sich, andere versuchen sich in ihre eigene Studentenzeit zurückzuversetzen und die Belange der Studenten zu verstehen.
Welcher Typ Dozent Euch auch immer über den Weg läuft, jeder Dozent verdient einen gewissen Respekt, so schwierig sie oder er auch sein mag, allerdings auch nicht mehr. Seine Meinungen sind nicht besser, seine Fachrichtung nicht die Wichtigste, nicht einmal die Inhalte mögen alle besonders wichtig sein. Dozenten sind keine allwissenden nie fehlenden Überwesen. Auch sie berufen sich auf die Dinge, die ihnen beigebracht wurden. Auch sie berufen sich auf Konventionen, die sich nicht immer nur rational begründen lassen.
Man sollte sich also nicht von ihren Worten einschüchtern lassen, viel mehr sollte man sie als Herausforderung ansehen und ernst nehmen, dass ihr Beruf die Vermittlung von wissenschaftlich geprüftem Wissen und der wissenschaftlichen Methode an sich ist. Es sind nicht länger autoritäre Lehrer, die einem gegenübersitzen, es sind Menschen, die potenziell auf Augenhöhe mit einem selbst sind und daher sollte man es ihnen nicht zu einfach machen.
Stellt also Fragen, vertieft Dinge, die Euch interessieren und gebt Euch vor allem nicht mit ihren Meinungen zufrieden. Mit dem nötigen Feingefühl sollte auch die abschließende Note für das Modul kein Problem darstellen.
von Matthias Christ

Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Mündigkeit
Über Studenten und ihre eigene Meinung

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Das Modell “Student” schien beim Kauf außerordentlich bequem zu sein. Das Kleingedruckte im Vertrag? Das muss ich wohl überlesen haben …
Manchmal sind jedoch gerade diese kleinen Dinge die entscheidenden. Student sein, was bedeutet das eigentlich?
Wer die Schule erfolgreich hinter sich gebracht hat, weiß, wie man sich anpasst. Sei es in der Klasse, in den Kursen oder in schriftlichen Arbeiten, in denen für gute Noten genau die Meinung des Lehrers zu treffen ist. Rebellen gegen dieses System haben zwar meist einen besonderen Status, jedoch schlägt sich dieser nicht unbedingt in ihren Noten wieder.
Student sein heißt nun unangepasst zu sein. Es heißt eigene Ideen und Meinungen zu entwickeln und sich nicht mit den einfachen Lösungen zufriedenzugeben. Es heißt vor allem auch, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und einen kritischen Blick für Argumente oder Beweise zu entwickeln. Dinge sind eben nicht einfach wahr, nur weil es viele sagen. Letztendlich sind wir alle hier, weil uns diese spezielle Fachrichtung interessiert, weil die Themen für uns Bedeutung haben und die Inhalte uns helfen sollen im späteren Berufsleben wichtige Entscheidungen zu treffen. Dass nicht alles gleich nützlich ist, ist klar. Eine eigene Meinung und vor allem eigene Persönlichkeit jedoch kann wertvoller sein als jedes Fachwissen. Ein langweiliges Seminar wird gleich viel lebendiger, wenn über ein interessantes Thema mit herausfordernden Ansichten gesprochen wird.
Es ist also auch in Eurem Interesse, wenn Ihr versucht die Zeit zu nutzen, indem Ihr Eure Persönlichkeit mit hineinbringt und die Spannung der Vorlesung nicht durch passives Absitzen ins Unerträgliche steigert. Nutzt die Chance, die Ihr habt im Studium und entdeckt Euch und die Welt auf neue Weise.
von Matthias Christ

Eine Insel mit zwei Bergen
Der Wegfall der Studiengebühren naht

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Einfach mal abhauen!?

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Hinter den sieben Meeren
Kunstexkursion nach Wernigerode

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Zehn Kunststudierende der Universität Vechta haben vom 15. bis 29. Juli 2012 an dem Kunstprojekt Hinter den 7 Meeren, dem 14. Plenair des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins, teilgenommen. Die Leitung der zweiwöchigen Exkursion in den Harz hatte Herr Professor Wolf Bröll von der Universität Vechta. Unterstützt wurde das Pleinair (Anm. d. Red.: Freilichtmalerei) durch die Stadt, die Stadtwerke, die GWW Wernigerode und die Universität Vechta.
Das Pleinair diente der gemeinsamen künstlerischen Arbeit der Studierenden. Während der Arbeitsphasen sollte Interessierten jeder Altersklasse die Möglichkeit gegeben werden, den Künstlern bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Der künstlerische Prozess sollte so nach außen hin transparent gemacht und miterlebt werden. Am Sonntag, den 22. Juli wurde aus diesem Grund ein Aktionstag durchgeführt, an dem in der “Hohen Halle” jedem der Zugang zur offenen Druckwerkstatt ermöglicht wurde. Besucher informierten sich hier über das Verfahren des Kaltnadeldrucks und wurden selbst auch dazu aufgefordert einmal eine Druckplatte einzuwalzen und die Druckwalze zu drehen, um den Arbeitsprozess und den damit verbundenen Kraftaufwand besser nachempfinden zu können.
Bild: Jan Durgeloh
Neben den Tätigkeiten in der Druckwerkstatt arbeiteten die Studierenden in selbst eingerichteten Ateliers mit Aquarell-, Öl-, Acryl- und Pastellfarben hauptsächlich auf Leinwand. Einige fertigten Collagen an, andere machten von Grafit und Bleistift Gebrauch. Material, Form und Motiv konnten individuell frei gewählt werden. Auf diese Weise entstanden sehr unterschiedliche Zeichnungen, Radierungen, Collagen und Malereien. Professor Bröll stand allen Teilnehmern während des gesamten Pleinairs mit wertvollen Ratschlägen und konstruktiven Gesprächen zur Seite.
Von den Galeristen und Rainer Schulze, dem Leiter des Kunstvereins, erfuhren die Studierenden zudem viel über die Organisation, den Ablauf sowie den Aufbau einer Ausstellung. Zur Eröffnung am Donnerstag, den 19. Juli präsentierte die Galerie etwa vier Arbeiten pro Teilnehmer. Hierbei handelte es sich um Arbeiten, die während der letzten Semester entstanden und für die Ausstellung ausgewählt worden sind. Aus diesem Anlass führte Rainer Schulze mit den Studierenden und Herrn Professor Bröll ein öffentliches Gespräch über die Vorstellungen und Absichten der Teilnehmer für das Pleinair. Besucher hatten an dieser Stelle Gelegenheit, Fragen an die Studierenden zu richten und so einen offenen Dialog zwischen Künstlern und Betrachtern entstehen zu lassen. Die Resonanz der Besucher fiel erfreulich positiv aus.
Außer den künstlerischen Arbeitsprozessen lernten die Studierenden auch die historische mittelalterliche Stadt Wernigerode und ihre Umgebung genauer kennen. Professor Bröll lud die Teilnehmer in sein privates Atelier nach Mandelbeck ein, um ihnen einen Einblick in seine Arbeit als Bildhauer zu gewähren und gezielte Fragen zu beantworten.
Die Beteiligten wurden durch die gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke im Rahmen der kulturellen Ausflüge zu weiteren künstlerischen Produktionen motiviert und inspiriert. Die Abschlussausstellung am 26. Juli diente dann schließlich der Ergebnispräsentation des Pleinairs und dem erneuten öffentlichen Gespräch zwischen Teilnehmern und Publikum. Ein Großteil der in der Pleinair-Woche entstandenen Werke und ausgewählte Exemplare der ersten Ausstellung konnten anschließend bis zum 2. September in der Galerie im Ersten Stock betrachtet werden.
Die rundum gelungene Exkursion, gespeist durch ihre kulturellen Erlebnisse endete mit einem feierlichen Hoffest am Samstag, den 28. Juli. Musikalisch untermalt fand als Höhepunkt des Abends traditionell eine Versteigerung von den angefertigten Kunstwerken statt.
Weitere Informationen zu der Ausstellung gibt es unter www.kunstverein-wernigerode.de
von Imke Moosmüller
gekürzt durch Katja Südkamp

Bier, Politik und Lobbyisten
Eine Exkursion nach Brüssel

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Das Manneken Pis, Brunnenfigur
und Wahrzeichen von Brüssel,
als Süßigkeit
Im letzten Sommersemester bot unsere Universität, in Person von Dr. Martin Schwarz, erneut eine Exkursion in die Hauptstadt Europas an: Brüssel. Ziel der sechstägigen Reise war es, die Arbeit der zahlreichen Europapolitiker, Lobbyisten und Militärs kennen zu lernen und sie mit unseren Fragen zu löchern.
Doch zunächst wollten noch die gut 400 Kilometer Autofahrt zwischen Vechta und Brüssel bewältigt werden. An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis für jeden, der dort mit dem Auto fahren möchte: Lasst es sein! Nicht umsonst schafft es die Stadt auf Platz eins im Stau-Ranking eines führenden Navi-Herstellers. Und das haben wir später zu spüren bekommen. Denn nachdem eine Kommilitonin ihren Ausweis im Kloster vergessen hatte, gerieten wir direkt in den Berufsverkehr: in Brüssel die reinste Hölle.
Noch am ersten Tag machten wir dann einen ausgeprägten Stadtbummel am europäischen Parlament und dem Rathaus vorbei, um anschließend das Abendessen mit einem kühlen belgischen Bier zu genießen. Danach ging es in unsere Unterkunft: Das ruhig gelegene Kloster mit dem malerischen Namen Maison Notre-Dame du Chant d‘Oiseau. Frisch saniert und sowohl mit Bierautomat als auch einem “parc magnifique” ausgestattet, ließ es sich die Woche hier ausgesprochen angenehm aushalten.
Die folgenden Tage ermöglichten einen ausführlichen Einblick in die europäische Politik, deren Funktionsweise und einige Feinheiten. Mit den Besuchen bei der niedersächsischen und bayrischen Landesvertretung lernten wir die regionale Ebene der politischen Akteure kennen. Doch auch die nationale Ebene wurde nicht vernachlässigt und mit der Einkehr in den Vertretungen Deutschlands, Sloweniens, Maltas und – ganz zur Freude unseres brasilianischen Austauschstudentens – Brasiliens gründlich abgedeckt. Auf europäischer Ebene waren die Treffen mit dem Präsidenten des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses, Alexander Graf von Schwerin, sowie dem niedersächsischen Vertreter im Europäischen Parlament, Hans-Peter Mayer, nicht nur aufgrund der Räumlichkeiten interessant. Inhaltlich konnten uns beide viel über Aufgaben und Aufbau ihrer Institutionen und der EU allgemein nahe bringen. Das Treffen mit einem Beamten des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung stach dabei besonders heraus. Erstmals wurden wir über den Sinn einer Shrimp-Fabrik inmitten einer Wüste aufgeklärt: EU-Fördergelder einfangen. Sogar die internationale Ebene war mit einer Visite der Nato abgedeckt.
Neben der staatlichen Seite der europäischen Politik waren zusätzlich Besuche bei nicht-staatlichen Vertretern geplant. So wurden wir einerseits vom Think Tank der Europäischen Volkspartei – dem Centre for European Studies – der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem deutschen Caritasverband, dem internationalen Mieterbund und dem Deutschen Gewerkschaftsbund empfangen. Mit der Volkswagen AG kam zusätzlich ein “Lobbyist” aus der Privatwirtschaft hinzu. Nun ist die Arbeit all dieser Interessenvertreter nicht unbedingt geheim, sodass sich teils recht lockere Gespräche darüber entwickeln konnten. Jedoch wurden inhaltlich brenzlige Themen zumeist außen vor gelassen bzw. mehr oder weniger geschickt umschifft. Man kann durchaus davon sprechen, dass die getroffenen Lobbyisten den richtigen Beruf für sich gefunden haben.
Umso interessanter war der Besuch im obersten Hauptquartier der Nato. Hier erhielten wir einen ausführlichen Überblick über die Lage in Afghanistan und die Rolle der Nato in der globalen Politik. Auch die aktuelle Neuordnung der Nato, von einem trans-atlantischen zu einem global agierenden Bündnis, wurde dabei thematisiert. Ihre Einsätze in Afghanistan und dem Irak zeigen dabei ihre zunehmende Konzentration auf den Nahen und Mittleren Osten sowie Asien.
So viel zu der politischen Seite Brüssels. Doch besteht diese Stadt nicht bloß aus unzähligen politischen Institutionen. Ebenso zahlreich reihen sich Restaurants und Bars in der Innenstadt aneinander. Viele davon sind für Studierende kaum bezahlbar, doch es gibt auch Ausnahmen. Wir erhielten den Tipp, das “Delirium” zu besuchen. Zwar erfüllten sich unsere Erwartungen hier nicht, sodass wir uns in den nächsten Irish Pub begaben. Doch das “Delirium” fanden wir dennoch. Von der politischen Kühle ist abends und nach ein paar belgischen Bieren nichts mehr zu spüren. Einfluss darauf hat sicherlich auch die leicht erhöhte Drehzahl des belgischen Bieres im Vergleich zum deutschen. Was sich ab einer gewissen Menge erstaunlich bemerkbar macht. Feiern lässt es sich in Brüssel also definitiv.
Nur der Rückweg war nach Mitternacht außerordentlich unbequem, wie auch in diesem Jahr erneut festgestellt wurde. Neben dieser unbequemen Wahrheit lässt sich noch ein weiterer Kritikpunkt an Europas Hauptstadt finden: Alles hier ist unverhältnismäßig teuer. Das mag zwar einleuchten, angesichts zahlreicher gut verdienender Akteure aus Politik und Wirtschaft. Doch einen drittel Liter Bier für einen Schein zu verkaufen? Dazu gehört schon einiges an Dreistigkeit. Da kommt man sich in Vechtaer Kneipen glatt wie im Schlaraffenland vor. Zum Glück beschränkt sich dieser Umstand nicht auf alle Brüsseler Bars, sodass man zwar ein wenig suchen muss, seinen Rausch aber dennoch finden kann, ohne dabei arm zu werden.
Das Preisproblem Brüssels beschränkt sich dabei mitnichten nur auf das Nachtleben. Ein uns sich häufig zeigendes Bild während unseres Aufenthalts waren Zelte mitten in der Innenstadt. Aufgrund der hohen Wohnungsmieten, besonders in der Innenstadt, stehen nicht nur viele Wohnungen leer, es gibt im Umkehrschluss auch viele Obdachlose. Angesichts der typisch belgischen sintflutartigen Regenfälle bestimmt kein Vergnügen.
Allgemein gibt es einige soziale Probleme in der Stadt, denn auch hier klafft die Schere zwischen Arm und Reich auseinander. Passende Beispiele gab es oft genug zu sehen. So kann man sich an manch eine Kreuzung stellen und wenn man nach rechts schaut, sieht man große, neue und aufpolierte Bürogebäude. Schaut man jedoch nach links, so tut sich vor einem eine heruntergekommene Gasse, mit kaputter Straße und verfallenden Gebäuden auf. Dieses Beispiel ist schon fast symbolisch für Belgien, welches in das verhältnismäßig reiche Flandern und das relativ arme Wallonien unterteilt werden kann. Der sich daraus ergebende Streit könnte, nach den kürzlichen Regionalwahlen, bald zu einer Spaltung des Landes führen. Brüssel, das ebenfalls einen flämischen und einen wallonischen Teil besitzt, könnte dabei auch eine Rolle spielen. Man könnte fast von einer gespaltenen Stadt reden.
Alles in allem war die Exkursion ein sehr informativer, wenn auch ein sich hier und da überschneidender, Ausflug in die Politik der Europäischen Union. Durch den persönlichen Kontakt mit Entscheidungsträgern und Interessenvertretern erhielten wir nicht nur ein Bild der politischen Praxis, sondern zusätzlich einen Blick hinter die Kulissen des politischen Prozesses. Trotz zahlreichen gelaufenen Kilometern, Stunden im Stau, unverschämten Preisen und einer leeren Autobatterie lässt sich ein Resümee ziehen: Es hat sich gelohnt.
von Matthias Nowc
Hauptsitzungssaal im Europäischen Parlament in Brüssel

Ersti-Tipps

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Nun beginnt wohl der Ernst des Lebens … oder die längste Party der Welt. Wie auch immer Du Dein Studium gestalten wirst, um ein paar grundsätzliche Themen wird auch der hartgesottenste Ersti nicht herumkommen. Damit Du nicht völlig verzweifelst, bevor Du Dein eigenes System entwickelt hast, haben wir für Dich die besten Tipps für die ersten Wochen zusammengestellt.
Stundenplan
Gehe nicht davon aus, dass Dein Stundenplan, Dein Raumplan oder überhaupt ein getätigter Plan von Dir in den ersten Wochen so bleibt, wie er war. Grundsätzlich ist erstmal alles offen und Du solltest es mit Humor nehmen. In den meisten Fällen relativiert sich das Chaos spätestens in der dritten Woche. Gönn‘ Dir lieber einen leckeren Kaffee im Bistro oder der Caféte, glaub mir, dabei wirst Du schnell Deinesgleichen finden.
Seminare
Auch an einer Universität ist Mitarbeit gefragt. Daher heißt es: Vorbereitung ist alles. Sollte diese eher dürftig ausgefallen sein und einschlägige Suchmaschinen sind Dir auch keine Hilfe mehr, heißt es Verstecken. Zunächst gilt: Wenn Du eh schon keine Ahnung hast, Klappe halten. Schamloses Plappern mit dem Nachbarn oder schadenfrohes Kichern, wenn es Dich nicht erwischt haben sollte, werden Dich zwangsläufig auf die Abschussliste bringen. Auch Gähnen empfiehlt sich, ob in leiser oder lauter Form, ganz und gar nicht. Die Kleidung mit Bedacht aussuchen: Der handgestrickte Ernie-Pullover ist eine wirklich tolle Sache, doch lenkt er zwangsläufig die Blicke auf Dich. „Du da in bunt gestreift …”, könnte die Folge sein. Von daher heißt es an solchen Tagen: Weniger ist einfach mehr.
Mensa
Gerade in den ersten Wochen nach Semesterbeginn solltest Du kein Seminar in der Mittagszeit besuchen, Dir einen Sturzhelm für die Schlacht an der Ausgabe anschaffen oder am besten Vegetarier werden. Ansonsten können wir Dir nur raten: Geduld und evtl. ein Pausenbrot für die Wartezeit. Letztendlich wirst Du mit einer großen Auswahl leckerer Menüs belohnt, weswegen sich das Warten durchaus lohnen wird. Innerhalb der Mensa solltest Du Folgendes beachten: Überlege Dir schon auf dem Weg genau, was Du essen willst. Verzichte auf Komponenten, wenn Du bereits an ihnen vorbei bist. Dein Hintermann wird sonst zwangsläufig Dein Tablett rammen und dann überholen. Du wirst den Anschluss an Deine Freunde verpassen und letztlich alleine dastehen. Und allein schmeckt das Essen nie! Gut, vielleicht etwas übertrieben, aber „Im-Weg-Rumsteher” nerven einfach. Punkt!
Verwaltung
Rechne grundsätzlich nie damit, dass Dinge einen einfachen Ablauf haben. Wenn Du einen einfachen Ablauf möchtest, geh zur Bundeswehr! An einer Hochschule ist mitdenken gefordert. Grundsätzlich gilt: Egal was du möchtest, Du wirst es kaum an diesem Tag bekommen. Zunächst ist es ratsam, Dich per E-Mail vorher anzumelden. Benutze dafür bitte Deine hochschulinterne Adresse: Auf geilesstück@web.de wirst Du sehr wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten. Sollte es dennoch fehlschlagen, wende Dich persönlich an die jeweiligen Stellen. Grundsätzlich gilt auch hier: Freundlichkeit ist alles. Da unsere Verwaltung an manchen Stellen schlichtweg überlastet ist, ist sie auch erstmal für nichts zuständig. Bleibe hart. Formuliere Deine Frage erneut. Betone dabei die Wichtigkeit deines Anliegens, aber vergewissere Dich im Voraus, ob Du die Frage nicht auch hättest selbst beantworten können (Lesen der Prüfungsordnung, Frage an den Dozenten, Zuhören in der Veranstaltung). Gerade während der Prüfungszeit halten solche Anfragen den Betrieb unnötig auf. Solltest Du Dir sicher sein, dass Du im Recht bist, vertrete Dein Recht. Sollte dennoch nichts fruchten, hast Du unseren Segen, mit der Faust ordentlich auf den Tisch zu hauen. Mitunter wirst Du jedoch feststellen, dass dies nur an den seltensten Stellen notwendig sein wird.
Alles in allem heißt es: Humor bewahren. Letztendlich ist hier noch keiner unter die Räder gekommen. Darüber hinaus freue Dich jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn Du dann diese weisen Worte an Deine Nachfolger richten kannst. Viel Spaß und ein erfolgreiches Studium wünscht Dir Dein uniVista-Team!
von Britta Simon

Das liebe Geld

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Bildung ist teuer, das ist nicht erst seit den Studiengebühren so. Deshalb steht jeder von Euch vor der Frage: Wie soll ich das alles finanzieren? Es gibt die Möglichkeit einen Studienkredit bei der KFW Bankengruppe in Anspruch zu nehmen oder, sofern berechtigt, BAföG zu beziehen. Doch eine wesentlich bessere Alternative wäre ein Studierendenstipendium. Bekommen könnt Ihr das bei den zwölf großen Begabtenförderungswerken (www.begabtenfoerderungswerke.de) oder bei kleineren Stiftungen und Vereinen.
Recherche lohnt sich, denn es gibt mehr Menschen, die Euch fördern wollen, als Ihr denkt. Ein Einser-Abitur ist nicht notwendig. Begabtenförderungswerke legen bei ihrer Auswahl Wert auf gute Schul- und Studienleistungen (um die 2,0) und gesellschaftliches und/oder politisches Engagement. Leitsatz ist, dass Lebenswege gefördert werden sollen, keine Karrieren. Dementsprechend gehört bei den meisten Stiftungen zur finanziellen Förderung auch eine ideelle Förderung, welche Euch die Möglichkeit eröffnet, Euch weiter zu bilden und Kontakte zu knüpfen. Bei der Auswahl Eurer Stiftung solltet Ihr darauf achten, welche zu Euch passt, denn diese repräsentiert Ihr auch als Stipendiat. Zögert nicht Euch zu bewerben.
von Stefanie Bruns

Endlich mal Alternativen aufzeigen …
... auch bei Studiengebühren!

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Folglich des bundesweiten Bildungsstreiks, der auch hier in Vechta organisiert wurde, gab es keinerlei Reaktionen von der Politik und es wurden keine Alternativen aufgezeigt, wie es zu einer Besserung der Studiensituation kommen kann.
Die linken Studenten wollen eine Abschaffung der Studiengebühren – die Konservativen wollen diese meist behalten. Aber gibt es nur diese beiden Stimmen, gibt es keinen Königsweg aus diesem Dilemma? Sogar im recht konservativen Magazin Focus haben sie festgestellt, dass Studiengebühren auch ein Hindernis an einem Studium sind. Eine Studie von Rüdiger von Nitzsch zeigt, dass Studienanfänger schneller abbrechen oder erst gar nicht ein Studium beginnen, da die finanzielle Belastung zu hoch erscheint.
Diskutiert werden daher eine Absolventensteuer, die nach der Beendigung des Studiums erfolgt. Hierbei sollen ein Teil der Kosten bei der Ausbildung über Steuern refinanziert werden. In Schweden und Australien wird zum Beispiel je nach Gehalt eine gewisse Summe zurückbezahlt, somit entsteht ein soziales System zur Finanzierung des Studiums. Die Gefahr entsteht, dass die StudentInnen das Studium erst sehr langsam abschließen, um später ins Berufsleben einzutreten und tendenziell kein hohes Einkommen haben wollen. Wenn ein höheres Einkommen dazu führt, dass der Akademiker insgesamt mehr hat, als andere, wäre diese Alternative möglich. Ein positiver Effekt bei dieser Art der Finanzierung wäre, dass es nun für die Universitäten Anreize gibt, ihre Lehre zu verbessern. Insbesondere wenn die Absolventensteuer direkt den Universitäten zukommt. Außerdem würde durch diese Art der Finanzierung nicht die Gefahr bestehen, von Unternehmen unterwandert zu werden und unabhängig zu sein. Diese Steuer könnte sich demnach auch verlängern, je nach Länge des Studiums, damit diejenigen, die wenig Zeit in Anspruch genommen haben, auch nicht so lange zahlen müssen. Für die Personen, die eine längere Zeit für das Studium brauchen, sollte der Betrag daher etwas höher oder die Dauer verlängert werden.
Wir möchten von der AG Bildungsstreik eine Podiumsdiskussion zu den Studiengebühren veranstalten und werden Euch früh genug Bescheid geben, wann und wo diese Diskussion stattfinden soll.
von Tim K. (AG Bildungsstreik)

Bachelor – ja und nun?

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Blicke ich drei Jahre zurück in die Vergangenheit, befinde ich mich heute in ähnlicher Weise an einer vergleichbaren Stelle: der Stelle der Entscheidung. Fragen wie „Wo soll ich nach der Bachelorzeit leben?“, „Was will ich überhaupt machen?“ und „Wer kann und will ich sein?“ rücken allmählich in greifbare Nähe und machen sich unnachgiebig einen Platz innerhalb des täglichen Gedankenwirrwarrs. Hat man alle nötigen Punkte für die Bachelorarbeit zusammengekratzt und stolz einen Stempel auf dem Anmeldeformular erhalten, kommt man nicht mehr drumrum sich zu fragen: Bachelor – ja und nun?
uniVista hat für Euch zwei extreme Gegenpositionen gefunden, wenngleich auch keine Abneigungen gegenüber des anderen Lebensplans bestanden. Ob man sich nach dem Studium, neben vielen anderen Möglichkeiten, eher auf das Reisen oder den Master konzentrieren sollte, das wird in den folgenden Interviews thematisiert. Die Entscheidung liegt anschließend bei Euch.
Laura M., 23 Jahre
Bachelor Soziale Arbeit in Humandiensten
Beginn: WS 2009/2010
Wie soll es für Dich nach dem Bachelor weitergehen?
Nach dem Bachelor möchte ich vorerst ein paar Monate arbeiten, auch nicht zwangsläufig im Bereich der Sozialen Arbeit, sondern dort, wo ich in kurzer Zeit viel Geld verdienen kann. Anschließend möchte ich für sechs bis neun Monate in die Welt hinaus. Mein großer Traum ist es, eine Weltreise anzutreten. Wenn das nicht klappen sollte, werde ich nach Australien gehen und dort „Work & Travel“ machen.
Was reizt Dich so am Ausland?
Am Ausland reizt mich, dass man neue Menschen, Kulturen und Länder kennenlernt. Man wird an seine Grenzen gebracht, vor allem wenn man alleine solche Erfahrungen erlebt. Das fördert auch die Selbstständigkeit und man wird weltoffener, sodass der Horizont erweitert wird.
Warum kommt die Alternative des Masters nicht für Dich infrage?
Den Bachelor mit einem Master anzuschließen, kommt für mich zwar schon infrage, allerdings noch nicht sofort. Ich denke genau jetzt ist die Zeit gekommen, um sich noch ein bisschen auszutoben. Wenn man erst einmal an einen Job gebunden ist, wird es schwierig, einfach mal ein paar Monate auszusetzen. Zudem muss man noch lange genug arbeiten. Deshalb kann man sich vorher auch noch etwas ausleben.
Wo siehst Du Dich in drei Jahren?
So weit plane ich nicht! Meistens kommt es eh anders, als man denkt.
Was denkst Du, worauf hat Dich die dreijährige Bachelorzeit am besten vorbereitet?
Ich denke, ich bin relativ gut auf ein breit gefächertes und vielfältiges Feld der Sozialen Arbeit vorbereitet. Ich habe einen umfangreichen Einblick in die Theorie der Sozialen Arbeit erhalten. Zudem habe ich gelernt, dass man sich seine Zeit gut einteilen muss. Das klappt zwar nicht immer 100%ig, aber ich bin schon besser geworden. Innerhalb des Studiums wird das eigenständige Arbeiten auf jeden Fall gefördert. Kurz gesagt: Die Theorie ist drin – jetzt fehlt nur noch die Praxis. Auf die Praxis wird man leider im Studium eher weniger vorbereitet.
Was ist Dir nach Vechta für Dein kommendes Leben wichtig?
Für das kommende Leben? So weit plane ich schon gar nicht. Naja, ich möchte gern in eine größere Stadt ziehen, Spaß an dem haben, was ich tue und meine Reiselust nicht verlieren.
Bild: © Silke Kaiser (PIXELIO)
Angelika S., 22 Jahre
Bachelor Soziale Arbeit in Humandiensten
Beginn: WS 2009/2010
Wie soll es für Dich nach dem Bachelor weitergehen?
Nach dem Bachelor „Soziale Arbeit in Humandiensten“ möchte ich gerne meinen Master absolvieren.
Was reizt Dich so am Master?
Es ist mir wichtig weiterzustudieren, da ich mich in bestimmte Richtungen noch weiterbilden möchte, aber auch, um sicherer im Fachbereich der Sozialen Arbeit zu werden. Zudem weiß ich nicht, welchen Stellenwert der Bachelorabschluss in einigen Jahren haben wird, wenn er sich erst richtig etabliert hat. Zurzeit wissen die Einrichtungen und Arbeitgeber der Sozialen Arbeit noch nicht wirklich, was unter dem Bachelor- bzw. Masterabschluss zu verstehen ist und was man von den AbsolventInnen erwarten kann. Deswegen finde ich es sinnvoll, an den Bachelor noch einen Master anzuschließen, gerade dann, wenn man sich, wie ich, noch nicht ganz sicher ist, in welche Richtung man später gehen möchte.
Warum kommt die Alternative „Ausland“ nicht für Dich infrage?
Zuerst habe ich überlegt, nach dem Bachelor ins Ausland zu gehen. Aber aufgrund fehlender finanzieller Mittel und auch der Befürchtung, dass ich nach einer Auszeit nicht mehr die Motivation haben könnte, wieder zu studieren, entscheide ich mich für den Master. Ich hoffe, dass ich innerhalb des Masterstudiums ein Auslandssemester absolvieren kann und somit irgendwie beides verbinden werde.
Was denkst Du, worauf hat Dich die dreijährige Bachelorzeit am besten vorbereitet?
Die Bachelorzeit war für mich in vielerlei Hinsicht lehrreich und einfach toll. Ich habe tolle Leute kennengelernt und vor allem Menschen, die sich für ähnliche Interessen begeistern. Zudem hat mir das Studium viele Möglichkeiten geboten, in unterschiedlichste Fachbereiche zu schauen.
Was ist Dir nach Vechta für Dein kommendes Leben wichtig?
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich mit vielen Leuten aus Vechta weiterhin in Kontakt bleibe, vor allem mit meinen Freunden. Zudem hoffe ich, dass ich das Studium meiner Wahl erhalten werde und ich mich mit neuen Themen auseinandersetzen kann, die vielleicht im Bachelorstudium nur angerissen oder nicht behandelt wurden.
uniVista bedankt sich für die interessanten Gespräche und die offenen Antworten!
Viel Glück und Erfolg beim anstehenden Lebenswechsel, in welcher Form auch immer.
Das Interview führte Ina Bushuven.

Anwesenheitspflicht, Baby!
Nach den Beschlüssen des Senats gilt nun folgendes ...

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© berwis / PIXELIO
  1. In den Lehrveranstaltungen der Universität besteht grundsätzlich keine Anwesenheitspflicht.
Juhu! Die Anwesenheitspflicht ist abgeschafft! Das Volk jubiliert, der Pöbel grölt…
Wie die meisten von euch schon mitbekommen haben, ist die Anwesenheitspflicht NATÜRLICH NICHT abgeschafft. Denn nach diesem ersten wohlklingenden Teil des Beschlusses kommen folgende fette ABERS:
  1. Die regelmäßige aktive Teilnahme ist verpflichtend an denjenigen Lehrveranstaltungen, die
    1. durch aktive Teilnahme bestimmt sind: Seminare mit Referaten, Übungen im Labor, Projektveranstaltungen, fach- und schulpraktische Veranstaltungen
    2. teilnahmebeschränkt sind.
  2. Eine Anwesenheitspflicht besteht während des Praktikums bzw. während der Praxisphasen und bei Exkursionen.
  3. Für die Erfüllung der Anforderungen des Kontaktstudiums (z. B. tutorielle Begleitung von Lehrveranstaltungen auch in Form von E-Learning-, Internetforen) ist die regelmäßige aktive Teilnahme verpflichtend.
De facto bleibt also im Großen und Ganzen alles beim Alten
Die meisten Seminare weisen nämlich mindestens eine der oben aufgeführten “Ausnahmen” auf. Gerade Referate werden in den meisten Seminaren gehalten. Nur die großen “Massen”-Veranstaltungen (Psycho I und II, VWL …) bleiben also von der Anwesenheitspflicht ausgenommen. Da dort ohnehin meistens nicht geprüft wurde, ist auch hier keine große Veränderung festzustellen.
Was man nun davon hält, sei jedem selbst überlassen. Es ist wohl jedem klar, dass es Anwesenheitspflicht gibt, wenn die Biologen wieder Frösche aufschneiden- die Tiere sollen ja nicht umsonst verkommen sein. Wenn Exkursionen geplant werden, braucht man Planungssicherheit-OK haben wir verstanden. Wenn es eine Teilnehmerbeschränkung gibt, ist es ja auch irgendwie nicht in Ordnung wenn man wegbleibt, weil man ja irgendwelchen anderen interessierten Kommilitonen den Platz wegnimmt. Und es ist doch wohl einleuchtend, dass man den geliebten Mitstudenten unterstützt, wenn er sein mühsam zusammengestückeltes Referatsfeuerwerk abbrennt… Oh, dann haben wir ja alles abgedeckt. Worüber beschwert ihr euch eigentlich?
von Thomas Hülsmannn

Auf der anderen Seite des Tisches
Aus dem Alltag einer Arbeitsvermittlerin SGB II

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© Rainer Sturm / PIXELIO
Endlich nach fünf Jahren hatte ich das Diplom nun in der Tasche. Doch statt in die große weite Welt führten mich meine ersten Wege als Absolventin aber ins Arbeitsamt. Ich wurde Kundin, wie es so schön heißt, des Jobcenters. Das brachte vollkommen neue Herausforderungen mit sich. Es galt Anträge auszufüllen und Nachweise einzureichen. Mein Wortschatz erweiterte sich um Begriffe wie Eingliederungsvereinbarung, Meldeversäumnis, Weiterbewilligungsantrag u.v.m.
Nach über einem Jahr in den Mühlen dieser Bürokratiemaschine bekam ich dann doch endlich einen Job. Dieser führte mich nach Hamburg und wieder ins Arbeitsamt. Denn ich hatte einen Vertrag als Arbeitsvermittlerin im Bereich SGB II (umgangssprachlich Hartz IV) angeboten bekommen. Zwar waren mir die Begrifflichkeiten durch meine eigene Zeit als Kundin nicht mehr ganz so fremd, trotzdem war alles neu. Denn auf der anderen Seite des Tisches bekommen die Verwaltungsvorgänge eine ganz neue Bedeutung. Doch zunächst wurde ich von meinem Arbeitgeber in einen Schulungsmarathon geschickt und lernte neben den gesetzlichen Grundlagen weitere neue Worte, wie erwerbsfähiger Hilfebedürftiger (jetzt: erwerbsfähiger Leistungsberichtigter), Mehrbedarf, Passiv-leistungen etc. und, dass es für all diese Begrifflichkeiten natürlich auch Abkürzungen gibt (das interne Abkürzungsverzeichnis ist über 20 Seiten stark).
Nach gut zwei Monaten war es dann soweit. Ich führte meine ersten eigenverantwortlichen Kundengespräche. Nun war ich es die eine Eingliederungsvereinbarung schloss, zur Bewerbung aufforderte und in den weiten der Jobbörse die passende Stelle für den vor mir sitzenden Menschen zu finden versuchte, was für eine Herausforderung.
Zwar fühlte ich mich als Diplom Pädagogin der Gesprächssituation gewachsen, dennoch war der Perspektivwechsel nicht einfach. Denn häufig sind die Biographien der Menschen geprägt von Brüchen und Problemlagen, welche den Fokus auf Arbeit verstellen. Doch die Arbeitsvermittlung ist der Kern dieser Tätigkeit. Hinzu kommen Arbeitgeber, welche die Eier legende Wollmilchsau suchen, die es, wie wir alle wissen, nicht gibt. Hinzu kommen Zielvorgaben durch den eigenen Arbeitgeber und die Politik. Gefühlt sitze ich als Arbeitsvermittlerin immer zwischen diesen Stühlen.
Doch Arbeitsvermittlung ist nicht nur inhaltlich vielfältig und komplex, sondern auch von den Voraussetzungen, welche jeder Kollege mitbringt.
Denn Arbeitsvermittlung ist kein wirklicher Lehrberuf. Es gibt zwar den einen oder anderen Absolventen der BA- Hochschule, aber diese sind in der Minderheit. Der große Rest besteht aus Quereinsteigern. Denn um bei der BA für den höheren Dienst eingestellt zu werden ist lediglich ein absolviertes Studium (egal welches) oder entsprechende Berufserfahrung Voraussetzung. Dementsprechend sind unter den Kollegen, Juristen, Psychologen, Biologen, Archäologen, Historiker, Verlagskaufleute und vieles mehr zu finden.
Diese Vielfalt spiegelt einerseits eine Qualität wieder, da diese unterschiedlichen Erfahrungen auf den verschiedensten Fachgebieten auch bedeuten, dass viel Fachwissen im Jobcenter vertreten ist. Andrerseits ist das auch Ergebnis einer hohen Fluktuation innerhalb der Bundesagentur für Arbeit. Denn die Ansprüche an einen Arbeitsvermittler sind hoch. In einem normalen Jobcenter betreut ein einziger Arbeitsvermittler oft bis zu 400 Menschen auf einmal. Betreuung bedeutet dabei nicht nur die Gespräche zu führen, sondern auch alle Verwaltungsaufgaben zu erledigen, die anfallen. Dazu kommt, dass die Verträge häufig befristet sind. Arbeitsvermittler also selbst von der Arbeitslosigkeit bedroht werden.
Vorteilhaft ist, dass die Arbeitszeit durch Gleitzeitregelungen flexibel handhabbar ist und Überstunden unkompliziert abgegolten werden können. Auch das Anfangsgehalt, welches sich durchaus auch an der eigenen Qualifikation bemisst, ist zumindest für Arbeitnehmer aus dem sozialpädagogischen Bereich durchaus lukrativ.
Nach meinem ersten halben Jahr im Bereich Arbeitsvermittlung SGB II kann ich folgende Bilanz ziehen: Die Arbeit ist anspruchsvoll, gerade wenn es darum geht , sowohl dem Menschen, als auch dem Gesetz genüge zu tun. Der Alltag ist neben den Gesprächen vor allem durch Verwaltung geprägt.
Als Arbeitsvermittler ist man Teil der Exekutive. Das heißt, man führt geltendes Recht aus. Gerade im SGB II Bereich oftmals gegen viel Widerstand. Hinzu kommt, dass die Politik sich gern mit möglichst geringen Arbeitslosenzahlen schmückt und deshalb häufig Neuerungen eingeführt und wieder abgeschafft werden um politisch gewollte Ziele, in der Regel Zahlen zu erreichen.
von Stefanie Bruns

SOS-Tipps

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Nun beginnt wohl der Ernst des Lebens … oder die längste Party der Welt. Wie auch immer Du Dein Studium gestalten wirst, um ein paar grundsätzliche Themen wird auch der hartgesottenste Ersti nicht herumkommen. Damit Du nicht völlig verzweifelst, bevor Du Dein eigenes System entwickelt hast, haben wir für Dich die besten Tipps für die ersten Wochen zusammengestellt.
Stundenplan
Gehe nicht davon aus, dass Dein Stundenplan, Dein Raumplan oder überhaupt ein getätigter Plan von Dir in den ersten Wochen so bleibt, wie er war. Grundsätzlich ist erstmal alles offen und Du solltest es mit Humor nehmen. In den meisten Fällen relativiert sich das Chaos spätestens in der dritten Woche. Gönn‘ Dir lieber einen leckeren Kaffee im Bistro, glaub mir, dabei wirst Du schnell Deinesgleichen finden.
Seminare
Auch an einer Universität ist Mitarbeit gefragt. Daher heißt es: Vorbereitung ist alles. Sollte diese eher dürftig ausgefallen sein und einschlägige Suchmaschinen sind Dir auch keine Hilfe mehr, heißt es Verstecken. Zunächst gilt: Wenn Du eh schon keine Ahnung hast, Klappe halten. Schamloses Plappern mit dem Nachbarn oder schadenfrohes Kichern, wenn es Dich nicht erwischt haben sollte, werden Dich zwangsläufig auf die Abschussliste bringen. Auch Gähnen empfiehlt sich, ob in leiser oder lauter Form, ganz und gar nicht. Die Kleidung mit Bedacht aussuchen: Der handgestrickte Ernie-Pullover ist eine wirklich tolle Sache, doch lenkt er zwangsläufig die Blicke auf Dich. “Du da in bunt gestreift …”, könnte die Folge sein. Von daher heißt es an solchen Tagen: Weniger ist einfach mehr.
Mensa
Gerade in den ersten Wochen nach Semesterbeginn solltest Du kein Seminar in der Mittagszeit besuchen, Dir einen Sturzhelm für die Schlacht an der Ausgabe anschaffen, oder am besten Vegetarier werden. Ansonsten können wir Dir nur raten: Geduld und evtl. ein Pausenbrot für die Wartezeit. Letztendlich wirst Du mit einer großen Auswahl leckerer Menüs belohnt, weswegen sich das Warten durchaus lohnen wird. Innerhalb der Mensa solltest Du Folgendes beachten: Überlege Dir schon auf dem Weg genau, was Du essen willst. Verzichte auf Komponenten, wenn Du bereits an ihnen vorbei bist. Dein Hintermann wird sonst zwangsläufig Dein Tablett rammen und dann überholen. Du wirst den Anschluss an Deine Freunde verpassen und letztlich alleine dastehen. Und allein schmeckt das Essen nie! Gut, vielleicht etwas übertrieben, aber “Im-Weg-Rumsteher” nerven einfach. Punkt!
Verwaltung
Foto: Karen Ishikawa
Rechne grundsätzlich nie damit, dass Dinge einen einfachen Ablauf haben. Wenn Du einen einfachen Ablauf möchtest, geh zur Bundeswehr! An einer Hochschule ist mitdenken gefordert. Grundsätzlich gilt: Egal was du möchtest, Du wirst es kaum an diesem Tag bekommen. Zunächst ist es ratsam, Dich per E-Mail vorher anzumelden. Benutze dafür bitte Deine hochschulinterne Adresse: Auf geilesstück@web.de wirst Du sehr wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten. Sollte es dennoch fehlschlagen, wende Dich persönlich an die jeweiligen Stellen. Grundsätzlich gilt auch hier: Freundlichkeit ist alles. Da unsere Verwaltung an manchen Stellen schlichtweg überlastet ist, ist sie auch erstmal für nichts zuständig. Bleibe hart. Formuliere Deine Frage erneut. Betone dabei die Wichtigkeit deines Anliegens, aber vergewissere Dich im Voraus, ob Du die Frage nicht auch hättest selbst beantworten können (Lesen der Prüfungsordnung, Frage an den Dozenten, Zuhören in der Veranstaltung). Gerade während der Prüfungszeit halten solche Anfragen den Betrieb unnötig auf. Solltest Du Dir sicher sein, dass Du im Recht bist, vertrete Dein Recht. Sollte dennoch nichts fruchten, hast Du unseren Segen, mit der Faust ordentlich auf den Tisch zu hauen. Mitunter wirst Du jedoch feststellen, dass dies nur an den seltensten Stellen notwendig sein wird.
Alles in allem heißt es: Humor bewahren. Letztendlich ist hier noch keiner unter die Räder gekommen. Darüber hinaus freue Dich jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn Du dann diese weisen Worte an Deine Nachfolger richten kannst.
Viel Spaß und ein erfolgreiches Studium wünscht Dir Dein uniVista-Team!
von Britta Simon

Das liebe Geld

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Bildung ist teuer, das ist nicht erst seit den Studiengebühren so. Deshalb steht jeder von Euch vor der Frage, wie soll ich das alles finanzieren? Es gibt die Möglichkeit einen Studienkredit bei der KFW in Anspruch zu nehmen oder, sofern berechtigt, BAföG zu beziehen. Doch eine wesentlich bessere Alternative wäre ein Studierendenstipendium. Bekommen könnt Ihr das bei den sieben großen Begabtenförderungswerken (www.begabtenfoerderungswerke.de) oder bei kleineren Stiftungen und Vereinen.
Recherche lohnt sich, denn es gibt mehr Menschen, die Euch fördern wollen, als Ihr denkt. Ein Einser-Abitur ist nicht notwendig. Begabtenförderungswerke legen bei ihrer Auswahl Wert auf gute Schul- und Studienleistungen (um die 2,0) und gesellschaftliches und/oder politisches Engagement. Leitsatz ist, dass Lebenswege gefördert werden sollen, keine Karrieren. Dementsprechend gehört bei den meisten Stiftungen zur finanziellen Förderung auch eine ideelle Förderung, welche Euch die Möglichkeit eröffnet, Euch weiter zu bilden und Kontakte zu knüpfen. Bei der Auswahl Eurer Stiftung solltet Ihr darauf achten, welche zu Euch passt, denn diese repräsentiert Ihr auch als Stipendiat. Zögert nicht Euch zu bewerben.
von Stefanie Bruns

Semesterticket – Pro und Contra

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Herzlich willkommen erweitertes Semesterticket!
Auch ich gehöre zu den Betroffenen, die mit dem Nachgeschmack der eingeschränkten Freiheit zu kämpfen haben und die Erweiterung durchaus begrüßen würden.
Man muss sich mit den Zukunftsvisionen der Uni weiterentwickeln. Es widerspricht sich, wenn die Uni bereits das Feuer entdeckt hat, offene Arme für Entwicklung und Fortschritt sowie für angehende Studenten von überall her ausgestreckt hält, während das Semesterticket immer noch in Fellbekleidung durch die Wälder irrt und sich egoistischerweise auf die Menschen in unmittelbarer Nähe beschränkt.
Des Weiteren ist es ein Fakt, dass die NordWestBahn eine Preiserhöhung plant. 2012 wird der Preis für das bereits vorhandene Ticket 22,70 Euro betragen und weitere Preiserhöhungen sind nicht auszuschließen. Wenn dieser Fall eintrifft, lohnt sich das alte Ticket in Bezug auf das Preis-Leistungs-Verhältnis dann noch? Oder wollen wir mehr Qualität für einen, im Verhältnis zu den neuen Möglichkeiten kleinen Aufpreis?
© Erich Westendarp / PIXELIO
Ich halte mir vor Augen, wie flexibel ich dank des neuen Tickets wäre. Ich halte mir vor Augen, wie günstig ich beispielsweise meine Semesterferien gestalten könnte! Wieso nutzen wir nicht die zentrale Lage von Vechta und erleben kleine Abenteuer in den etwas weiter weg liegenden Städten, die eigentlich leicht zu erreichen wären? Was spricht dagegen, dass wir unsere Uni mit der Erweiterung des Semestertickets für unsere zukünftigen Mitstudenten attraktiver gestalten und ihnen ihre Heimfahrten erleichtern?
Ob man will oder nicht, in Zukunft wird sich noch so einiges mehr verändern und man wird es nicht verhindern können. Warum passen wir uns demnach nicht einfach an und ziehen Vorteile daraus?
Dann wäre Vechta kein „B-Plan“ mehr, sondern schon sehr bald eine nette Option, um die sich die Studenten reißen.
von Johanna-Maria Jaromin
Semesterticket – Mal wieder …
Auf ein Neues: Die Semesterticket-Welle rollt wieder. Der Dauerbrenner für die StuPa-Wahlen, dem Dies academicus oder in der Umfrage des AStA wurde mal wieder entstaubt. Zwar schaffte man erstmalig eine etwas repräsentativere Umfrage dank StudIP, dennoch sollte man irgendwie langsam mal merken, dass es eine Frage ohne Ziel ist. Den Leuten aus Cloppenburg, Bersenbrück, Sullingen oder Lohne bringt das Semesterticket in seiner jetzigen Form fast nichts. Sie dürfen aber trotzdem kräftig löhnen. Im Gegenteil, sie müssen sogar noch Sprit und andere Unterhaltungskosten zahlen, was bei der Verlässlichkeit der Bahn verständlich ist. Viele kennen es vielleicht, wenn der Zug mal wieder 1 ½ Std. Verspätung hat und dafür der Übernächste mit 5 Minuten Verspätung einen irgendwann aus der Kälte erlöst. Die Zug-Ersatz-Lösungen will ich erst gar nicht erwähnen. Eine Erweiterung um einige Strecken, die sie eh nicht nutzen, wäre also nicht gerade zur Freude des Geldbeutels. Und das obwohl bereits viele Studenten auf einen Nebenjob, Bafög oder Studienkredite angewiesen sind. Die außerhalb Niedersachsens Wohnenden Saarländer, Sachsen oder NRWler machen sich erst gar keine Hoffnung auf einen wirklichen Nutzen vom Semesterticket. Am Ende wäre es dann wohl einfach am fairsten wenn jeder seine Zeche zahlt und nicht zu Lasten einiger eine geringe Ersparnis anderer erzeugt wird. Wer fahren will, der soll auch zahlen. Aber wer nicht fahren will, warum sollte der für jemand anderen bezahlen? Schulden machen per BAföG für jemand anderes? Immerhin ist selbst die günstigste Erweiterung noch unterhalb der „deutlichen Erhöhung“ auf 16 Euro und selbst die 22,70 Euro im SoSe 2012 liegen nur geringfügig oberhalb des Metronom-Netzes, mit dessen Hilfe man nicht einmal aus Vechta wegkommt. Anstatt also über eine Neukonzipierung nachzudenken, wäre es vielleicht angebrachter einfach die Kosten runterzuhandeln.
von Matthias Christ

Ausgegeben
Was macht die Uni mit den Studiengebühren?

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“Dagegen” ist beinahe jeder, der studiert, Du höchstwahrscheinlich auch: Bei einer Umfrage unter vechtaer Studenten gaben gerade mal drei Prozent an, Studiengebühren ohne Wenn und Aber zu befürworten. Doch welchen Mehrwert bringen die umstrittenen Beiträge eigentlich? Was hat sich durch sie zum Positiven entwickelt? uniVista hat nachgefragt und weiß jetzt, wofür die Gelder verwendet werden.
Damals, als Studierende noch “StudentInnen” waren und lange Haare auf dem Kopf und unter den Armen hatten, reichten bereits um wenige Pfennig erhöhte Mensapreise, um die Massen vom Hörsaal auf die Straßen zu bringen.
Heutige Studentenproteste sind dagegen unambitioniert und zahnlos – sagen die Einen – oder stumpf, und Notwendigkeiten negierend – sagen die Anderen.
Die Wahrheit muss wohl irgendwo dazwischen liegen. Als vor geraumer Zeit die Einführung von Studiengebühren beschlossen wurde, waren die Gegenstimmen laut, die Kontra-Argumente vielschichtig und durchdacht. Gebracht hat es – zumindest in Niedersachsen – trotzdem nichts. Anders als in elf anderen Bundesländern werden Studierende im Nordwesten Deutschlands zur Kasse gebeten.
Dass wir Beiträge entrichten müssen, haben mittlerweile die meisten – mehr oder weniger zähneknirschend – akzeptiert. Doch Wofür zahlen wir eigentlich?
uniVista ist der Frage nachgegangen, und hat sich mit Vizepräsidentin Dr. Marion Rieken und Katharina Genn-Blümlein aus der Pressestelle getroffen, um über die Verwendung von Studiengebühren zu reden.
Studiengebühren und Semesterbeitrag
Derzeit sind pro Semester 634,20 Euro an die Uni zu überweisen. Davon sind 134,20 Euro ein sogenannter Semesterbeitrag, mit dem AStA, Studentenwerk und das Semesterticket für die NordWestBahn bezahlt werden. Dieser Posten ist auch an Unis fällig, an denen keine Studiengebühren erhoben werden, er wird von den meisten als angemessen empfunden, Proteste richten sich nahezu ausschließlich gegen die restlichen 500 Euro.
Nicht jeder muss zahlen
Momentan studieren ungefähr 3300 Leute an der Uni Vechta. Die Zahl der Gebührenzahler ist etwas geringer, im letzten Wintersemester überwiesen 2754 Studis an das Immatrikulationsamt. Es gibt einige Ausnahmefälle: Wer ein Kind hat oder Angehörige pflegen muss, ist von der Gebührenpflicht befreit. Für Studierende, die als Opfer einer Straftat schwer verletzt wurden, oder unter chronischen Krankheiten leiden, gelten Härtefallregelungen.
Ein Sonderfall sind auch die Langzeitstudiengebühren-Zahler. Bei ihnen sind je nach Semesterzahl sogar bis zu 934,20 Euro pro Halbjahr fällig. Die Uni sieht davon jedoch nur einen Bruchteil, das meiste muss sie an das Land Niedersachsen abführen.
Im Sommer sind deutlich weniger Leute eingeschrieben. Klar, manch einer ist nach dem Wintersemester mit seinem Studium fertig, Erstis hingegen können nur im Oktober anfangen. 2009 hat die Uni insgesamt 2,68 Mio. Euro eingenommen.
Verwendung vor allem für zusätzliches Personal
Der größte Teil der Einnahmen geht für Personalkosten drauf. Vor allem Dozenten mit dem Titel “Lehrkraft für besondere Aufgaben” werden sowohl komplett als auch teilweise von Studiengebühren bezahlt. Sie werden zusätzlich zu den anderen Lehrenden eingestellt, so dass mehr und kleinere Seminare angeboten werden können. 2009 wurden insgesamt 12,61 Dozentenstellen auf diese Weise geschaffen, die Kosten hierfür beliefen sich auf rund 708.000 Euro.
Darüber hinaus wird auch nebenberufliches Personal, d. h. Lehrbeauftragte und Tutoren mit den Mitteln der Studenten finanziert, dies ließ sich die Uni vorletztes Jahr ca. 999.000 Euro kosten. Auch hiermit wird dem Wunsch nach weniger überfüllten Seminaren und besserer Betreuung Rechnung getragen.
Weitere 391.000 Euro wandte die Uni für Personal im Verwaltungsdienst auf. Hierzu zählen Mitarbeiter in Studienzentrum, Service-Einrichtungen und Qualitätsmanagement. Insgesamt wurden 2009 78,2% der Studiengebühren ausgegeben, um mehr Angestellte zu beschäftigen.
Ein anderer großer Posten sind die Ausgaben, die für bauliche Maßnahmen anfielen. Über 554.000 Euro investierte die Uni 2009 unter anderem in den Umbau der Bibliothek, die Modernisierung von Laboren und die Schaffung von Arbeitsflächen. Von den Studiengebühren werden nur Baumaßnahmen bezahlt, die den Studierenden unmittelbar zugute kommen. Rechnungen für die Erneuerung der Fassade oder den Umbau des R-Gebäudes werden aus anderen Töpfen beglichen.
Wünsche der Studierenden werden berücksichtigt
Wünsche, Vorschläge und Kritik von Studierenden werden vom Präsidium ernst genommen. Von 2006 bis 2008 gab die Uni insgesamt knapp über 40.000 Euro für Stipendien aus. Dies wurde eingestellt, weil sich in einer Umfrage abzeichnete, dass der Großteil der Befragten dagegen war. Auch mit den verlängerten Bibliotheksöffnungszeiten, die vorletztes Jahr Mehrkosten von fast 75.000 Euro nach sich zogen, reagierte man auf Anregungen der Studenten.
So muss man doch, unabhängig davon, ob man für oder gegen Studiengebühren ist, sie bloß für lästig oder aber für einen Sargnagel des deutschen Bildungssystems hält, eins zugeben: Zumindest hier in Vechta werden sie sinnvoll, durchdacht und vor allem so eingesetzt, dass die Allermeisten davon profitieren. Gerüchte, denen zufolge die Gelder verschwendet würden, oder aber auf dunklen Konten vor sich hin schimmelten, weil die Uni es nicht schaffe, sie auszugeben, sind falsch.
Dass es hingegen immer noch zu Seminarausfällen und überfüllten Veranstaltungen kommt, Bibliotheksbücher vergriffen oder veraltet sind, und Dozenten zu wenig Zeit für ihre Studierenden haben, ist dennoch unvermeidlich. Der Gesamt-Etat der Universität liegt bei ungefähr 18 Mio. Euro. Die Studiengebühren sind zwar eine willkommene Finanzspritze, vervielfacht hat sich das Budget durch sie jedoch nicht.
Und trotzdem, auch wenn die Gelder so verwendet werden, dass sie dem Großteil der Studierenden nützen, ein unguter Nachgeschmack bleibt. Die meisten von uns würden wahrscheinlich gerne auf die zusätzlichen Dozenten, den Bibliotheksumbau und andere Annehmlichkeiten verzichten, wenn dafür auch die 500 Euro Kosten pro Semester wegfielen. Der Schaden hielte sich vermutlich in Grenzen, die besten Universitäten sind nicht automatisch die, an denen Studiengebühren erhoben werden, das verrät beispielsweise die Ranking-Seite des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE).
Doch die Uni ist nicht schuld an den Gebühren, verabschiedet wurden sie vom Niedersächsischen Landtag. Die Hochschulen setzen die Vorschrift lediglich um, über Ja oder Nein entscheiden sie nicht. Ein Regierungswechsel könnte dafür sorgen, dass Niedersachsen das zwölfte Bundesland wird, in dem das Erststudium kostenfrei ist.
von Stefan Hirsch
Verwendung der Studiengebühren 2009
(Prozentuale Verteilung gemessen an Gesamtausgaben, gerundet)
Gesamtausgaben 2009: 3.237.844 Euro; Gesamteinnahmen 2009: 2.681.889 Euro
Diagramm: Alexander Dressler; Quelle: AG Studiengebühren der Universität Vechta

Der zahnlose Tiger
Kommentar zum „Dies academicus“ der Studierenden

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Bestandsaufnahme
Der „Dies academicus“ der Studierenden war eine stressige, aber auch produktive und nicht zuletzt erfolgreiche Zeit. Die Arbeit der zuständigen Gremien, die Resonanz der Studenten und die abschließende Diskussion sollen daher auf jeden Fall gewürdigt bleiben.
Dennoch bleibt ein fader Nachgeschmack, der das Thema „Gutes Studieren – Studierendenwellness“ begleitet. Bereits zu Beginn wurden die Fachräte in der Vollversammlung der Fachräte erst am 3.11. über die am 17.11. anstehenden organisatorischen Maßnahmen informiert. Viele der Fachräte aber beispielsweise befanden sich gerade in dieser eh schon kurzen Zeit von 14 Tagen noch in der Neuformierung bzw. mussten erst noch neugewählt werden. Dass die Ergebnisse trotz dieser Widrigkeiten doch so positiv waren, lässt auf eine gute Organisation innerhalb der einzelnen Fachschaften schließen. Die Frage, warum gerade die Studentenschaft, als zahlenmäßig größter Anteil nur so wenig Zeit bekam, bleibt dennoch im Raum und nach Verursachern zu suchen, scheint wie immer in einem Spiel „Schwarzer Peter“ zu enden. Zu gutem Studieren sollte eben auch gehören, genug Zeit zu haben, sich angemessen vorbereiten zu können. Die Folgen dieses Organisationsengpasses sind deutlich spürbar. Aufgrund mangelnder Resonanz sind keine aussagekräftigen Rückmeldungen gekommen. Das Resultat: Der zuvor angekündigte offene Gesprächsaustausch wurde abgesagt. Nun würde es zu weit gehen eine strukturell gewollte Benachteiligung der Studenten zu unterstellen. Dennoch hätte man derartige Dinge vor der Organisation des Ganzen sicherlich überschauen können.
Foto: Alexander Dressler
Die Verwertung
Wie aber geht es nun weiter? Die Diskussion war im Vorfeld als konstruktiv und kooperativ angekündigt worden, um Studienbedingungen aktiv zu verbessern. Was geschieht nun aber mit den eingebrachten Vorschlägen, Anmerkungen und Protesten? Viele der Themen, die die Fachschaften gesammelt haben, sind häufig sehr speziell und gehen in einer breiten Podiumsdiskussion verloren. Gerade diese kleinen Schrauben sind es jedoch häufig und nicht die besprochenen eigentlich eh schon bekannten Themen wie das Semesterticket, Anwesenheitslisten und Modulprüfungen, die das Wohl des Einzelnen ausmachen. Es ist darüber hinaus noch kontrovers, was mit den gefundenen Ressourcen „Dinge, die bereits gut sind“ passieren soll. Im Sinne der Qualität sollten gerade diese bereits geschaffenen Kompetenzen als zukünftige Felder der Optimierung angesehen werden. Zu hoffen ist, dass sie daher nicht zu bloßen Marketingzwecken à la „Unsere Studenten bescheinigen: Wir sind gut in den und den Sachen“ werden. Wer einen solchen Tag der Lehre macht, muss sich darüber im Klaren sein, dass damit eine Politik des Vertröstens unvereinbar ist und Resultate umso mehr zählen, da Argumente ressourcen-orientiert, kooperativ und sachlich vorgetragen wurden.
Nachdem also Probleme angesprochen worden, müssen nun Lösungen gefunden, finanzierbar gemacht und durchgeführt werden. Terminierte Zusagen von verbindlicher Qualität sollten das Hauptziel sein. Es ist zu hoffen, dass die besprochenen Dinge nicht am Ende erst beim nächsten Studentenprotest auftauchen.
Zumindest in Sachen Transparenz der Studiengebühren sind schon erste Erfolge zu erkennen und so beispielsweise eine genauere Aufschlüsselung in dieser Ausgabe zu finden. Auch wenn dieser Erfolg mehr die Einlösung eines Versprechens aus dem vergangen Jahre darstellt. Im Sinne der Studienbedingungen können wir nur hoffen, dass alle Beteiligten die Vorarbeit nicht versanden lassen.
von Matthias Christ

Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Mündigkeit
Über Studenten und ihre eigene Meinung

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Das Modell “Student” schien beim Kauf außerordentlich bequem zu sein. Das Kleingedruckte im Vertrag? Das muss ich wohl überlesen haben …
Manchmal sind jedoch gerade diese kleinen Dinge die entscheidenden. Student sein, was bedeutet das eigentlich?
Wer die Schule erfolgreich hinter sich gebracht hat, weiß, wie man sich anpasst. Sei es in der Klasse, in den Kursen oder in schriftlichen Arbeiten, in denen für gute Noten genau die Meinung des Lehrers zu treffen ist. Rebellen gegen dieses System haben zwar meist einen besonderen Status, jedoch schlägt sich dieser nicht unbedingt in ihren Noten wieder.
Student sein heißt nun unangepasst zu sein. Es heißt eigene Ideen und Meinungen zu entwickeln und sich nicht mit den einfachen Lösungen zufriedenzugeben. Es heißt vor allem auch, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und einen kritischen Blick für Argumente oder Beweise zu entwickeln. Dinge sind eben nicht einfach wahr, nur weil es viele sagen. Letztendlich sind wir alle hier, weil uns diese spezielle Fachrichtung interessiert, weil die Themen für uns Bedeutung haben und die Inhalte uns helfen sollen im späteren Berufsleben wichtige Entscheidungen zu treffen. Dass nicht alles gleich nützlich ist, ist klar. Eine eigene Meinung und vor allem eigene Persönlichkeit jedoch kann wertvoller sein als jedes Fachwissen. Ein langweiliges Seminar wird gleich viel lebendiger, wenn über ein interessantes Thema mit herausfordernden Ansichten gesprochen wird.
Es ist also auch in Eurem Interesse, wenn Ihr versucht die Zeit zu nutzen, indem Ihr Eure Persönlichkeit mit hineinbringt und die Spannung der Vorlesung nicht durch passives Absitzen ins Unerträgliche steigert. Nutzt die Chance, die Ihr habt im Studium und entdeckt Euch und die Welt auf neue Weise.
von Matthias Christ

The Beast within
Über Dozenten und den Umgang mit ihnen

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Kaum etwas wird das Uni-Leben so sehr prägen wie die netten Menschen am Rednerpult, die eine Hand an der Fernbedienung des Beamers, die andere am Over-Head-Projektor.
Wie soll man mit den Halbmenschen, mit der Powerpoint-Präsentation, umgehen? Vereinen sie doch so viele Rollen in sich. Richter, Lehrer, Lebensretter, Mensch.
Dozenten sind viel, aber eben vor allem Letzteres. Auch sie können sich irren, veraltete Meinungen vertreten oder persönliche Probleme mit in die Veranstaltung tragen. Es gibt Exemplare, die halten besonders viel auf sich, andere versuchen sich in ihre eigene Studentenzeit zurückzuversetzen und die Belange der Studenten zu verstehen.
Welcher Typ Dozent Euch auch immer über den Weg läuft, jeder Dozent verdient einen gewissen Respekt, so schwierig sie oder er auch sein mag, allerdings auch nicht mehr. Seine Meinungen sind nicht besser, seine Fachrichtung nicht die Wichtigste, nicht einmal die Inhalte mögen alle besonders wichtig sein. Dozenten sind keine allwissenden nie fehlenden Überwesen. Auch sie berufen sich auf die Dinge, die ihnen beigebracht wurden. Auch sie berufen sich auf Konventionen, die sich nicht immer nur rational begründen lassen.
Man sollte sich also nicht von ihren Worten einschüchtern lassen, viel mehr sollte man sie als Herausforderung ansehen und ernst nehmen, dass ihr Beruf die Vermittlung von wissenschaftlich geprüftem Wissen und der wissenschaftlichen Methode an sich ist. Es sind nicht länger autoritäre Lehrer, die einem gegenübersitzen, es sind Menschen, die potenziell auf Augenhöhe mit einem selbst sind und daher sollte man es ihnen nicht zu einfach machen.
Stellt also Fragen, vertieft Dinge, die Euch interessieren und gebt Euch vor allem nicht mit ihren Meinungen zufrieden. Mit dem nötigen Feingefühl sollte auch die abschließende Note für das Modul kein Problem darstellen.
von Matthias Christ

Golden Rules
Ein Blick in die „goldene Methoden-Bibel“

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Seit 15.9. in der 2. Auflage
Quelle: Martin Krengel und Jolanda Buck
Selbstcoaching, Motivation, Zeitmanagement, Konzentration, Organisation. Dinge, die für jeden im Studium wichtig sind.
Martin Krengel, Referent und Doktorand, hat zu diesen Themen seine Golden Rules entwickelt, aus denen wir Euch hier einen Auszug präsentieren. Weitere Informationen sowie Downloads zum Buch gibt es auch in seinem Online-Ratgeber www.studienstrategie.de.
von Alexander Dressler
Gib Dir Ziele für jeden Lebensbereich
“Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man strebt, nach der man sich sehnt, die man verwirklichen möchte, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen.” Damit meinte Erich Fromm wohl das, was Psychologen heute intensiv untersucht haben: Demnach bestimmt die Motivation die Dauer, Intensität und Richtung des Handelns. Es liegt nahe, dass es anspornende Ziele sind, die hinter einer starken Motivation stehen: Je konkreter und detaillierter diese sind, desto besser werden sie Dein Handeln leiten. Während Dein persönliches Leitbild versucht, Deine Persönlichkeit und das “Große Ganze” zu fassen, geht es hier um greifbare Ziele und Motive. Es gilt dabei das Gesetz der Klarheit: Je klarer die Ziele sind, desto effizienter und effektiver kann man auf sie hinarbeiten! Brian Tracy sagt dazu: “Erfolg und Glück verdanken wir wahrscheinlich zu 80 Prozent der Klarheit im Denken.” Je öfter Du Deine Ziele aufschreibst, umschreibst, je mehr Du darüber nachdenkt, desto deutlicher werden sie Dir vor Augen treten! Wenn es eine Sache gibt, in der sich die Erfolgstrainer einig sind, dann ist es, dass Ziele eine Anziehungskraft haben: Ziele haben einen Einfluss auf Dein Denken. Glaubst Du an Dich und daran, dass Du es schaffen kannst, wirst Du Wege und Mittel suchen und finden, es tatsächlich zu realisieren.
Ziele haben eine weitere motivierende Funktion: Sie sind die Kriterien, an denen Du Dich messen kannst. Jedes Erfolgserlebnis hängt davon ab, was wir als Erfolg definieren! Nur durch konkrete Vorstellungen was gut ist und was nicht, können wir Rückmeldungen unseres Handelns einordnen. Bestimme jeweils auch persönliche Lern- und Entwicklungsziele für eine Aufgabe. Wenn der Chef flucht und tobt – Du kannst eine Sache für Dich bewerten und ein eigenes Resümee, gemessen an Deinen Kriterien, ziehen.
Kriterien zur Zielbestimmung
Spezifisch, messbar & terminierbar. Formuliere konkret: Nicht “Statistik vorbereiten”, sondern: “Bis Mittwoch Kapitel 3 durcharbeiten”
Anspruchsvoll, aber dennoch realistisch. Halte es sportlich, das spornt an. Machbar müssen die Ziele aber dennoch sein, sonst frustriert es.
Flexibel. Ziele können niemals absolut sein, denn sowohl Du, als auch Deine äußeren Umstände verändern sich.
Eine Freundin hat das nette Ritual, sich zum Jahresbeginn Ziele für das neue Jahr zu setzen. Sie erzählte mir am Neujahrstag euphorisch von ihren drei großen Zielen. Als ich dann im Juni nachfragte, wie es denn um ihren Fortschritt stünde, konnte sie sich spontan an keines ihrer Ziele mehr erinnern! Was lernen wir daraus? Erstens: Sich einmal im Jahr über die Richtung Gedanken zu machen, ist viel zu wenig. Zweitens: Wir müssen die Dinge aufschreiben und sichtbar machen, sonst können Ziele ihrer Orientierung gebende Funktion im Alltag nicht behaupten.
Durch das Aufschreiben werden Deine Träume konkreter und erhalten mehr Nachdruck. Das Notieren stärkt das Denken und lenkt die Richtung der Gedanken – sie drehen sich nicht mehr im Kreis. Aufschreiben beugt dem Vergessen vor und hat eine wichtige Erinnerungsfunktion. Voll Kraft wird nur dann entfaltet, wenn die Ziele tatsächlich präsent sind. Deswegen brauchst Du eine Zielscheibe vor Augen.
von Martin Krengel

SOS-Tipps

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Nun beginnt wohl der Ernst des Lebens … oder die längste Party der Welt. Wie auch immer Du Dein Studium gestalten wirst, um ein paar grundsätzliche Themen wird auch der hartgesottenste Ersti nicht herumkommen. Damit Du nicht völlig verzweifelst, bevor Du Dein eigenes System entwickelt hast, haben wir für Dich die besten Tipps für die ersten Wochen zusammengestellt.
Stundenplan
Gehe nicht davon aus, dass Dein Stundenplan, Dein Raumplan oder überhaupt ein getätigter Plan von Dir in den ersten Wochen so bleibt, wie er war. Grundsätzlich ist erstmal alles offen und Du solltest es mit Humor nehmen. In den meisten Fällen relativiert sich das Chaos spätestens in der dritten Woche. Gönn‘ Dir lieber einen leckeren Kaffee im Bistro, glaub mir, dabei wirst Du schnell Deinesgleichen finden.
Seminare
Auch an einer Universität ist Mitarbeit gefragt. Daher heißt es: Vorbereitung ist alles. Sollte diese eher dürftig ausgefallen sein und einschlägige Suchmaschinen sind Dir auch keine Hilfe mehr, heißt es Verstecken. Zunächst gilt: Wenn Du eh schon keine Ahnung hast, Klappe halten. Schamloses Plappern mit dem Nachbarn oder schadenfrohes Kichern, wenn es Dich nicht erwischt haben sollte, werden Dich zwangsläufig auf die Abschussliste bringen. Auch Gähnen empfiehlt sich, ob in leiser oder lauter Form, ganz und gar nicht. Die Kleidung mit Bedacht aussuchen: Der handgestrickte Ernie-Pullover ist eine wirklich tolle Sache, doch lenkt er zwangsläufig die Blicke auf Dich. “Du da in bunt gestreift …”, könnte die Folge sein. Von daher heißt es an solchen Tagen: Weniger ist einfach mehr.
Mensa
Gerade in den ersten Wochen nach Semesterbeginn solltest Du kein Seminar in der Mittagszeit besuchen, Dir einen Sturzhelm für die Schlacht an der Ausgabe anschaffen, oder am besten Vegetarier werden. Ansonsten können wir Dir nur raten: Geduld und evtl. ein Pausenbrot für die Wartezeit. Letztendlich wirst Du mit einer großen Auswahl leckerer Menüs belohnt, weswegen sich das Warten durchaus lohnen wird. Innerhalb der Mensa solltest Du Folgendes beachten: Überlege Dir schon auf dem Weg genau, was Du essen willst. Verzichte auf Komponenten, wenn Du bereits an ihnen vorbei bist. Dein Hintermann wird sonst zwangsläufig Dein Tablett rammen und dann überholen. Du wirst den Anschluss an Deine Freunde verpassen und letztlich alleine dastehen. Und allein schmeckt das Essen nie! Gut, vielleicht etwas übertrieben, aber “Im-Weg-Rumsteher” nerven einfach. Punkt!
Verwaltung
Foto: Karen Ishikawa
Rechne grundsätzlich nie damit, dass Dinge einen einfachen Ablauf haben. Wenn Du einen einfachen Ablauf möchtest, geh zur Bundeswehr! An einer Hochschule ist mitdenken gefordert. Grundsätzlich gilt: Egal was du möchtest, Du wirst es kaum an diesem Tag bekommen. Zunächst ist es ratsam, Dich per E-Mail vorher anzumelden. Benutze dafür bitte Deine hochschulinterne Adresse: Auf geilesstück@web.de wirst Du sehr wahrscheinlich nie eine Antwort erhalten. Sollte es dennoch fehlschlagen, wende Dich persönlich an die jeweiligen Stellen. Grundsätzlich gilt auch hier: Freundlichkeit ist alles. Da unsere Verwaltung an manchen Stellen schlichtweg überlastet ist, ist sie auch erstmal für nichts zuständig. Bleibe hart. Formuliere Deine Frage erneut. Betone dabei die Wichtigkeit deines Anliegens, aber vergewissere Dich im Voraus, ob Du die Frage nicht auch hättest selbst beantworten können (Lesen der Prüfungsordnung, Frage an den Dozenten, Zuhören in der Veranstaltung). Gerade während der Prüfungszeit halten solche Anfragen den Betrieb unnötig auf. Solltest Du Dir sicher sein, dass Du im Recht bist, vertrete Dein Recht. Sollte dennoch nichts fruchten, hast Du unseren Segen, mit der Faust ordentlich auf den Tisch zu hauen. Mitunter wirst Du jedoch feststellen, dass dies nur an den seltensten Stellen notwendig sein wird.
Alles in allem heißt es: Humor bewahren. Letztendlich ist hier noch keiner unter die Räder gekommen. Darüber hinaus freue Dich jetzt schon auf das nächste Jahr, wenn Du dann diese weisen Worte an Deine Nachfolger richten kannst.
Viel Spaß und ein erfolgreiches Studium wünscht Dir Dein uniVista-Team!
von Britta Simon

Das liebe Geld

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Bildung ist teuer, das ist nicht erst seit den Studiengebühren so. Deshalb steht jeder von Euch vor der Frage, wie soll ich das alles finanzieren? Es gibt die Möglichkeit einen Studienkredit bei der KFW in Anspruch zu nehmen oder, sofern berechtigt, BAföG zu beziehen. Doch eine wesentlich bessere Alternative wäre ein Studierendenstipendium. Bekommen könnt Ihr das bei den sieben großen Begabtenförderungswerken (www.begabtenfoerderungswerke.de) oder bei kleineren Stiftungen und Vereinen.
Recherche lohnt sich, denn es gibt mehr Menschen, die Euch fördern wollen, als Ihr denkt. Ein Einser-Abitur ist nicht notwendig. Begabtenförderungswerke
legen bei ihrer Auswahl Wert auf gute Schul- und Studienleistungen (um die 2,0) und gesellschaftliches und/oder politisches Engagement. Leitsatz ist, dass Lebenswege gefördert werden sollen, keine Karrieren. Dementsprechend gehört bei den meisten Stiftungen zur finanziellen Förderung auch eine ideelle Förderung, welche Euch die Möglichkeit eröffnet, Euch weiter zu bilden und Kontakte zu knüpfen. Bei der Auswahl Eurer Stiftung solltet Ihr darauf achten, welche zu Euch passt, denn diese repräsentiert Ihr auch als Stipendiat. Zögert nicht Euch zu bewerben.
von Stefanie Bruns

Der Stundentenbühne hinter die Kulissen geschaut

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Szene aus Weekend im Paradies
(Matthias Kalvelage und Wiebke Koch)
Foto: Pia Klein
Im Kurs des Optionalbereichs könnt Ihr selbst durch Mitgestalten und Anpacken erfahren, wie Theater gemacht wird.
Man kennt das ja: Quasi gerade von der Schule gekommen, auf der man lernte, dass selbstständiges Denken eine lebensnotwendige Fähigkeit ist, wird man nun im Bachelor- und Mastersystem mit Multiple-Choice-Klausuren konfrontiert und die erste Prüfungsleistung ohne Auswendiglernen wird auch erst im dritten Semester fällig. Die Uniwoche hat eben begonnen, es ist Montagabend und im Fernsehen läuft mal wieder nichts Besseres als Bauer sucht Frau. Es dürstet einen nach Anspruch, nach einem gewissen Niveau und einem Prozess des kreativen Auspowerns. Frustriert überfliegt man das Vorlesungsverzeichnis im StudIP mit der Frage im Hinterkopf, ob es dort nicht noch etwas an der Universität gibt, das einem etwas mehr geben kann als ständig nur körperlich anwesend sein zu müssen. Vom ganzen Stadt-Land-Fluss-Spielen hat man schließlich auch die Nase voll. Und dann, plötzlich, entdeckt man im Verzeichnis des Optionalbereichs einen Kurs, der eigentlich ganz interessant klingt. OB-3.2 steht dort geschrieben: Studentenbühne – Rollenbearbeitung und Inszenierung. Das macht neugierig und man findet sich am nachfolgenden Montagabend um 18 Uhr in der Aula ein.
Es handelt sich hier tatsächlich um einen Kurs im Optionalbereich. Im Studentenmund heißt er kurz und bündig: Studentenbühne. Und er beinhaltet auch genau das: Studenten und die Bühne. Auf der Bühne machen Studenten natürlich nicht irgendwas, sondern sie spielen Theater.
Begonnen wird dieser Kurs üblicherweise im Wintersemester und erstreckt sich über das anschließende Sommersemester. Im Verlauf dieser Zeit wird ein Theaterstück ausgewählt, erarbeitet und schließlich als Prüfungsleistung im Sommer aufgeführt. Das Wintersemester ist damit die Voraussetzung für das ausgewählte Stück, denn es werden durch einfaches Spielen die Grundlagen des Schauspielens und des Theaters näher gebracht. Der Teilnehmer wird langsam daran gewöhnt, sich in andere Rollen zu versetzen und diese auf der Bühne glaubwürdig verkörpern zu können. Dies geschieht zum Beispiel durch Improvisationstheater. Wollte nicht jeder schon einmal sehen, wie Angela Merkel Hänschen klein vorträgt?
Fachkundig angeleitet werden die Studierenden von Uwe Salewski, der normalerweise an der Liebfrauenschule in Vechta Deutsch, Englisch und Darstellendes Spiel unterrichtet. Mit viel Witz bringt Salewski den Studierenden in diesen zwei Semestern näher, was die Arbeit im Theater beinhaltet. Denn bei der Umsetzung eines Stückes muss auf wesentlich mehr geachtet werden, als darauf, dass der Text sitzt. Sind die Kostüme, die Bühne, das Licht und alles weitere bereit, kann der große Auftritt kommen. Im vergangenen Sommersemester inszenierte die Studentenbühne das Stück Weekend im Paradies von Franz Arnold und Ernst Bach, bei dem die Studierenden einen einmaligen Einblick in die Freizeitgestaltung der Beamten in den Goldenen Zwanzigern gewährten. Vor einem umfangreichen Bühnenbild präsentierten sie eine schlüpfrige Verwechslungskomödie, bei der kein Auge trocken blieb.
Welches Stück im nächsten Jahr aufgeführt wird, soll im Laufe des Semesters erarbeitet werden. Für die Teilnahme am Kurs können je nach Studiengang 2,5 AP für jeweils ein Semester im Optionalbereich angerechnet werden. Belegt Ihr den Kurs im Winter- und Sommersemester, bekommt Ihr dementsprechend 5 AP. Für genauere Informationen (besonders im Studiengang BA CS) konsultiert bitte Eure Vorlesungsverzeichnisse. An der Studentenbühne kann jedoch auch freiwillig ohne die Anrechnung von AP teilgenommen werden! Neue Gesichter werden gerne gesehen und in die ausgelassene Truppe aufgenommen.
von Pia Klein

Klausuren, von Bologna zum Spicker
Was hat sich nach dem Bildungsstreik wirklich geändert?

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Foto: Jenniffer Malenz
2010, das letzte Jahr des Bologna-Prozesses. Viel ist passiert seit dem Aufkommen der Idee einheitliche Standards für den europäischen Hochschulsektor zu schaffen. Die grundlegende Idee der internationalen Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen ist gut, aber die praktische Umsetzung lässt einige Wünsche offen. Auch hier in Vechta haben sich die Studenten gegen diese Missstände erhoben, wie bereits in der letzten Ausgabe (uniVista No. 14) berichtet. Doch was hat sich geändert? Die Erinnerungen an die AP-Jagd verblassen und die Post-its, die man noch vereinzelt findet, sind die letzten Überbleibsel dieser Tage.
Nach allen Versprechungen und geglückten bzw. weniger geglückten Reden in der Aula fand sich schnell wieder der Alltag ein. Die Klausuren standen an, ohne dass sich große Änderungen ergeben hätten. Jedoch bestimmen gerade diese maßgeblich die Vergleichbarkeit eines Hochschulabschlusses. Immerhin zeigen sie an, dass man in einem speziellen Modul den Unterrichtsstoff sehr gut, gut bis hin zu ausreichend verstanden hat und wiedergeben kann. Sie sind also Messinstrumente. Aber wie kann man internationale Vergleiche anstellen, wenn es selbst innerhalb eines Studienganges große Spielräume zur Gestaltung einer Klausur gibt?
Eine Klausur beispielsweise kann aus verschiedenen Komponenten aufgebaut sein.
Den größten Anteil stellen meist die Multiple-Choice-Fragen, aber auch Rechnungen sowie offene Fragen können enthalten sein. Vergleicht man Multiple-Choice-Fragen mit offenen, so zeigt sich, dass neben der Abfrage von Wissen auch das Ausdrucksvermögen mit geprüft wird bei letzteren. Jemand, dem es nicht gelingt Sachverhalte präzise darzustellen, hat es hier oft schwerer als andere. Eine Rechenaufgabe wiederum stellt neben den erst genannten Fragetypen eine besondere Kategorie dar, denn sie verlangt außer dem Wiedergeben von Wissen auch das Anwenden. Dies kommt zwar auch in den anderen Fragetypen vor, aber in geringerem Ausmaß.
Eine Modulabschlussklausur kann also erheblich im Schwierigkeitsgrad und in den Anforderungen variieren. Die APs hingegen variieren nicht unter diesen Aspekten.
Foto: Jenniffer Malenz
Selbst wenn man dies außer Acht lässt, so kommt man zum nächsten Problem der Klausuren: Manche Module müssen mit einer Prüfung beendet werden, die für 3 Teilmodule übergreifend ist. Bei anderen muss man lediglich eine Prüfung in einem Teilmodul machen. Dennoch sind die APs gleich.
Auch der anfallende Workload ist keineswegs vergleichbar, da unterschiedliche Dozenten unterschiedlich schnell durch den Stoff gehen und somit Qualität und Quantität der Themen variieren. Einige Teilmodule können außerdem lediglich durch Anwesenheit abgeschlossen werden, da man in nur einem Teil-modul eine Prüfung schreiben muss. Was folgt, ist die obligatorische körperliche Anwesenheit in diesen Veranstaltungen.
Zu guter Letzt gibt es noch das Problem, dass es neben Klausuren auch mündliche Prüfungen und Referate sowie Hausarbeiten gibt. Diese unterscheiden sich ebenfalls stark in Schwierigkeit und Umfang. Wer jetzt denkt, dass sich aufgrund der hohen Anzahl an Prüfungen während eines Studiums die einzelnen Ungerechtigkeiten gegenseitig aufheben, sollte bedenken, dass jede Note in den Klausuren hinterher mit darüber entscheidet, ob man einen Arbeitsplatz erhält oder ein Masterstudium beginnen darf.
Aus dieser Sicht wird es sogar fast unverantwortlich gegenüber der eigenen Zukunft nicht in einer Klausur zu betrügen, wo es nur geht. Gerade die Massenklausuren bieten allerlei Anlass zu Unterhaltungen, Spickern oder Internet-Handy-Suche aus gutem Grund.
Wenn man all dies abrechnet, so bleibt letztlich noch die Frage, wie gut man durch so eine Prüfung auf das Berufsleben vorbereitet wird. Lerne ich etwas für meinen Arbeitsplatz als Lehrer, Sozialarbeiter oder Manager?
Häufig erhält man nicht einmal die Gelegenheit die Klausur einzusehen und seine Fehler eventuell nachzubereiten. Aber darüber hinaus muss man sich fragen, was es mir bringt Definitionen von 1990 auswendig gelernt und die Bescheinigung darüber in Form einer Note erhalten zu haben, wenn es um das echte Anwenden von Wissen in Form von kritischen Entscheidungen geht, die das Leben von Menschen beeinflussen. Langfristig stellt das sogar den höheren Qualifizierungsgrad durch ein Studium infrage, da man sehr häufig lediglich nachweist, dass man ein gutes Gedächtnis hat, anstelle der Kompetenz mit dem gelernten Stoff Probleme lösen zu können.
Es darf also nicht mit dem Protest enden, nun müssen Lösungen gefunden werden.
von Matthias Christ

“Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut”

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bildungsstreik14
Dieser Ruf klang am 2. Dezember 2009 durch die Straßen von Vechta. Nachdem in den Nachrichten von europaweiten Protesten unter der Überschrift Bildungsstreik berichtet wurde, taten auch die Studenten und Studentinnen der HS Vechta ihren Unmut über das Bildungssystem Jahr kund. Im Gegensatz zu den doch eher kleinen Demos vor der Einführung der Studiengebühren und der ersten Bildungsstreikaktion „Betteln für Bildung“ im Sommer `09 (mit ca. 100 Teilnehmern) folgten dieses Mal unglaubliche, nach der Schätzung der Polizei, 500 Menschen dem Aufruf des AStA. Schon allein diese Menge macht deutlich, in Vechta bewegt sich etwas. Mit dem guten Gefühl nicht allein zu sein, zogen die StudentInnen und auch Dozierende zunächst auf der Windallee Richtung Füchtel, um dann in die Große Straße einzubiegen. Wartende PKWs drückten mit lautem Hupen ihre Solidarität aus. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der großen Kreuzung vor Fix und Fax ging es dann zurück zur Hochschule und in die Aula.
Dort angekommen positionierten sich die studentischen VertreterInnen sowohl zu den bundesweit einheitlichen Forderungen, bezüglich der Mängel der Bachelor- und Masterstudiengänge, als auch zu den expliziten Forderungen an das Präsidium der Hochschule Vechta. Dieses reagierte prompt und stellte seine Position dar. Ebenso gaben Dozierende wie unter anderem Professor von Lahr und Professor Möhring Hesse ihre Meinung kund. Dabei wurde mit Parolen wie „Lassen Sie sich das nicht gefallen!“ (von Lahr) und guten Ratschlägen nicht gespart.
Zusammenfassend lassen sich drei Feststellungen treffen:
  1. Die studentische Vertretung ist nah an den Studierenden dran und in der Lage deren Wünsche schnell und gut umzusetzen. Denn der Wunsch nach dieser Demo wurde an sie heran getragen und sie reagierten prompt.
  2. Die Studierendenschaft ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und scheint mobilisiert.
  3. Das Präsidium ist zum Dialog bereit und arbeitet hinter den Kulissen an der Umsetzung zumindest einer Forderung, nämlich der besseren Transparenz über die Verwendung der Studiengebühren. Bereits vor den Protesten trat die AG Studiengebühren an uniVista heran und arbeitet mit uns zusammen an einer Möglichkeit die Hochschulöffentlichkeit über die Verwendung der Gelder umfassend zu informieren.
von Stefanie Bruns

Bilderalbum
uniVista No. 14: Bildungsstreik 2009
 

Ein Brasilianer in Vechta

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Mein Name ist Vinícius Laurindo und ich studiere Philosophie und Sozialwissenschaften an der Universidade Federal da Paraíba (UFPB). Im Moment bin ich im 6. Semester und seit letztem Sommersemester studiere ich an der Hochschule Vechta. Weil ich sehr beeindruckt bin, was das Austauschprogramm zwischen Vechta und João Pessoa ermöglicht, will ich die Chance nutzen und Euch an dieser Stelle von einigen Erfahrungen meinerseits berichten.
Akademisches Leben:
Das akademische Leben an der Hochschule Vechta bedeutet für mich eine sehr reiche kulturelle Erfahrung. Außer der deutschen Sprache kann ich auch das deutsche Uni-System kennenlernen. Es ist ganz anders im Vergleich zu Universitäten in Brasilien. Die Universität von João Pessoa ist viel größer als die Hochschule Vechta, jedoch ist mir aufgefallen, dass die Seminare hier größer sind.
Deutschland hat eine sehr große philosophische Tradition, das ist für meine akademische Erfahrung sehr wichtig. Hier habe ich den Zugang zu vielen philosophischen Werken. Ich habe also die Möglichkeit die Werke im Orginal zu lesen, nicht mehr nur in der Übersetzung. Außerdem kann ich mit dieser Erfahrung reifer in meinem Bereich werden und vielleicht kann ich später wieder nach Deutschland kommen, um meinen Master zu machen. Deshalb ist diese Erfahrung ganz wichtig für mich, weil die Sprache langsam leichter wird und ich die deutsche Kultur schon erlebe.
Viele kulturelle Aspekte haben mich sehr beeindruckt, wie z. B. die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden. Meiner Meinung nach gibt es eine große Distanz zwischen den beiden Gruppen. Die Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden ist etwas anders in Brasilien. Vor allem kann es sein, dass die Studierenden nach den Vorlesungen mit den Dozierenden noch über das Seminar oder andere Sachen sprechen können. Hier in Vechta sehe ich schon einen großen Unterschied. Mir ist auch aufgefallen, dass alle sehr förmlich sind. Die Beziehung unter den Leuten ist hier sehr besonders. Beispielsweise werde ich hier auch anders angesprochen: In Vechta heiße ich nicht mehr Vinícius, sondern Herr Laurindo. Diese Feinheiten der deutschen Kultur sind schon genug, um einen Brasilianer in Erstaunen zu versetzen. Mit solchen gemachten Erfahrungen kann ich mit Sicherheit sagen: Sich auf die deutsche Kultur einzulassen bedeutet für mich, eine neue Kultur zu erleben.
Praktikum:
Dieses Programm zwischen Vechta und der brasilianischen Universität hat mir auch ermöglicht, ein Praktikum zu machen. Ich habe in Lohne ein Praktikum bei der Tafel gemacht. Die Lohner Tafel ist eine Nichtregierungsorganisation (NRO), die Spenden von Fabriken und Supermärkten bekommt. Solche Spenden sind Nahrungsmittel, welche übrig geblieben sind. Dennoch wählt die Lohner Tafel Essen aus und verteilt es unter ungefähr 400 Leuten pro Woche, die keine finanzielle Möglichkeit haben, ohne Hilfe täglich satt zu werden.
Als Herr Sandkötter, Soziologe und Leiter des Brasilienaustauschs an der Uni Vechta, mit mir über dieses Angebot gesprochen hatte, war ich sehr neugierig geworden, weil meine Arbeit bei der Tafel armen Leuten helfen würde. Mein Eindruck von der Einkommensverteilung in Deutschland war immer sehr positiv, weil ich keine armen Personen gesehen hatte und alles sehr reich aussieht. Ich weiß, dass Deutschland sehr reich ist, aber ich hatte gedacht, das wäre nur in großen Städten so, wie zum Beispiel in Berlin oder in München, aber nein, es ist überall so. Ich sehe hier in Vechta nur schöne Häuser, teure Autos, viel Konsum, Luxus – ein Lebensstil, den viele erreichen wollen. Ich habe sogar gedacht, dass alle hier das ideale Leben haben. Dieser Eindruck über die deutsche Gesellschaft hat sich jedoch total verändert, als mein Praktikum bei der Lohner Tafel angefangen hat. Es ist mir aufgefallen, dass solch ein Bild von teuren Autos, schönen großen Häusern, Luxus zu eingeschränkt und einseitig ist.
Wollt auch Ihr den Blick über den Tellerrand wagen?
Dann informiert Euch jetzt über Euer Wintersemester 2011/12 in Brasilien! Denn der Vorbereitungskurs beginnt am 12.04.2010!
Nähere Infos gibt‘s bei Dr. Stephan Sandkötter
(e-Mail: stephan.sandkoetter[at]uni-vechta.de)
Die Lohner Tafel hat mir nämlich eine andere Seite von Deutschland gezeigt. Da sah ich ungefähr 400 Leute mit großen Familien zu Hause, die nicht genügend zu essen hatten. Manchmal waren die Kinder nicht zu Hause, sondern mit ihren Eltern bei der Tafel und es ist oft passiert, dass die Kinder sehr zufrieden waren, weil ein Kollege von mir oder ich ihnen einfach extra Obst gegeben haben. Es war für mich eine sehr traurige Situation. Dennoch kann ich sagen, dass ich durch mein Praktikum ein bisschen besser die deutsche Gesellschaft kennen lernen konnte. Wenn ich meinen ersten Eindruck von der deutschen Gesellschaft mit meinem heutigen Eindruck vergleiche, merke ich, dass man das ganze Leben mit einem falschen Eindruck leben kann. Ich glaube, dass ich diese Erfahrung in meinem Leben nicht vergessen werde.
von Vinícius Laurindo

B.A. – Was nun?

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Nach dem Bachelor ist vor dem Master oder der Ahnungslosigkeit. uniVista stellt euch ausgewählte Fortbildungsmöglichkeiten an den Unis und Fachhochschulen Deutschlands vor.
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Eine kuriose Anekdote vorweg: Seit Bestehen von uniVista geschieht es immer wieder, dass gleiche Überschriften für Artikel von anderen uninahen Magazinen gefunden werden, so auch in diesem Fall. Zur Verteidigung von Ehre und Originalität müsste man jetzt beweisen können, dass wir schon lange zuvor in Sitzungen genau diesen Artikelnamen entwickelt haben. Vielleicht aber spricht es auch einfach nur dafür, dass die redaktionelle Hochschullandschaft ähnlich denkt.
Einen Unterschied gibt‘s dann aber doch: “B.A. – Was nun?” zielt in Augen zwinkender Weise vor allem darauf ab, welche Studiermöglichkeiten ihr habt, wenn es zum Master of Education nicht mehr reicht und/oder ihr euch noch einmal völlig neu orientieren wollt. Dafür haben wir einige – wie wir finden – interessant anmutende Studiengänge gefunden, die sich nicht zuletzt durch ein ganz besonderes Prädikat auszeichnen: Sie sind fast alle absolut krisensicher, glauben wir.
Leisure and Tourism:
Die gute Nachricht zuerst: Diesen Studiengang gibt es – wie im übrigen alle hier vorgestellten – wirklich. Die schlechte: Wenn ihr nicht schon einen Bachelor in Freizeitpädagogik oder etwas Ähnlichem gemacht habt, dann könnt ihr diesen Masterstudiengang an der Hochschule Bremen leider nicht studieren. Und nein, Voraussetzung sind auch keine Zeugenaussagen eurer Kommilitonen, die mit euch zusammen auf den Wiesen gelegen haben, um einfach mal die gute Freizeit zu genießen.
Besser sind dann schon richtig gute Englischkenntnisse, ein Praktikum in der Tourismusbranche und eine Abschlussnote von 2,5.
Und dann geht‘s ans Eingemachte: Forschungsfragen aus Freizeit und Tourismus stehen auf dem Lehrplan. Methodische und analytische Kompetenzen werden hier auch erworben. Dann gibt es doch noch wieder ein Handlungsfeld namens Wellness – immerhin! Aber dazu kommen auch weitere, die sich folgendermaßen nennen: Erlebnis, aber halt auch Lernen, Gesundheit (und die bereits erwähnte Wellness), Kultur und nachhaltige Entwicklung. Ihr seht: Es gibt kein Ying ohne Yang oder anders: keine Freizeit ohne Stress. Wobei, da fällt mir ein, und wieder einmal muss ich eine Lehrkraft zitieren, die einst meinte: Sie hätte doch tatsächlich Freizeitstress gehabt, nämlich, als sie in Altersteilzeit gegangen ist. Freizeitstress? Hm, ob man den zu bewältigen auch im Studium lernt. Findet es selbst heraus binnen von 3 Semestern.
Automatisierungstechnik:
Es gibt gute und es gibt schlechte Science Fiction; die gute zeichnet sich dadurch aus, dass sie realisierbar scheint, so oder so ähnlich sprach einst eine Lehrerin, die zusammen mit ihrem Sohn ein wöchentliches Ritual beging, nämlich Star Trek zu gucken. Die Bewertung dieser Serie halte ich an dieser Stelle heraus. Was drin bleiben soll, ist das Vorstellen von Geräten, Apparaturen, Maschinen und Techniken, die das Leben noch ein wenig bequemer machen können. Man denke nur an die Möglichkeiten eines Hausroboters, der die eigenen vier Wände sauber hält, das Essen bereitet und am besten noch als Sekretär fungiert. Genial! Oder an diesen Replikator aus erwähnter Serie, der einfach mal eben das materialisieren lässt, was du ihm befiehlst.
Du bist ein Meister der Vorstellung und hast dazu auch noch handwerkliches, mindestens aber technisches Geschick? Der Begriff des Ingenieurs ist dir nicht vollkommen fremd? Dann entwickle Dinge, die wir uns morgen nicht mehr wegdenken können. Aber zunächst musst du natürlich ein wenig studieren und dich in den Grunddisziplinen Messen, Steuern und Regeln üben.
An folgenden Orten kommst du deinen Vorstellungen – natürlich in den bewährten Bachelor- und Masterstudiengängen – näher: Etwa am Leuphana College in Lüneburg oder aber an der Fachhochschule in Hannover.
Fußballmanagement:
Relativ neu im Programm steht dieser Studiengang, der seit April 2007 am IST-Studieninstitut mit Sitz in Düsseldorf in der Organisation eines Fernstudiums angeboten wird. Auch oder vielleicht gerade für die geschlechtliche Mehrheit an dieser Uni mag es sich hierbei um eine durchaus sinnvolle Alternative handeln: ob als klassische Spielerfrau, die in jedem Fall Ahnung von Fußball und Management haben sollte oder als Trainerin der Nationalmannschaft, was ein Spitzenjob ist; die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen wird zwar weniger gesehen, aber sie ist rein sportlich erfolgreicher als die Herrenmannschaft. In jedem Fall gilt aber: Als studierte/r Fußballmanager/in hat man es in Deutschland mit dem Volkssport Nummer 1 zu tun, der – ob Wettskandale oder Weltwirtschaftskrise – wahre Fanhorden anzieht, etwa 7% der Bevölkerung in Vereine rennen lässt und alles in allem genug Geld in genügend Kassen einspielt. Fazit: Wer kein Fußballmanagement studiert, will auch nicht reich werden. Selbst schuld! Auf Fußballdeutsch: klassisches Eigentor.
Radioactive and Hazardous Waste Management:
Es gibt ja so Berufe, die sind – naja, sagen wir – nicht ganz so beliebt, aber immerhin einigermaßen gut bezahlt, etwa der Entsorgungsfachmann bzw. die Entsorgungsfachfrau (oder auch „Müllmann“ genannt). Legen wir einfach noch eine Schippe darauf, aber nicht von dem gewöhnlichen Bio-, Rest- und Plastikmüll, sondern von dem richtig harten Stoff: Atommüll. Die Endlagerung radioaktiven Mülls ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft, und wenn es nach einigen eher konservativen Parteien geht, dann bleiben die Meiler auch noch eine ganze Weile länger am Start und die Müllberge können sich weiter türmen.
Nun bist natürlich du an der Reihe, der nämlich dafür Sorge trägt, dem ganzen gefährlichen Müll auf die Schliche zu kommen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wörter wie Geologie, Physik, Chemie, Mathematik, Bergbau und Bauingenieurswesen sollten dir weder fremd sein noch Angst einjagen. Einiges davon solltest du bereits im Bachelor mitgenommen haben, denn dann heißt es demnächst an der TU Clausthal: 4 Semester Master of Radioactive and Hazardous Waste Management oder etwas schlagzeilen-comicmäßiger: Hier wirst du zum Radioactiveman oder zur Radioactivewoman.
Popular Music:
Vielleicht habt ihr euch diese Frage auch schon einmal gestellt: Was haben die Menschen, die in den zahlreichen Casting-Shows in der Jury sitzen, eigentlich gelernt? Eine mögliche Antwort wäre diese: Sie haben Popular Music studiert. Denn hierin wird man gleich zu einem „Mehrfach-Spezialist“ in der Popularmusik ausgezeichnet. Klingt doch verlockend, oder? Neben einer musikpraktischen Ausbildung in zwei Instrumenten lernt man – halt ganz praktisch – gleich noch, wie man komponiert, arrangiert, Songs schreibt und das Rohmaterial schließlich in Studios produziert. Neben der bunten Praxis gibt‘s aber auch jede Menge Musiktheorie, Musikwissenschaft, Einblicke in die Medienwissenschaft und last but not least wartet dieser künstlerisch-wissenschaftliche Studiengang mit Begriffen wie Medienmanagement und Journalistik auf. Individualität und Interdisziplinarität stehen außerdem hoch im Kurse. Hierzu dienlich ist vor allem die Anbindung weiterer einschlägiger Institute (etwa des IJK, Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung).
Also, wer meint, er habe den berühmt berüchtigten Rhythmus im Blut, den Soul in der Stimme und die Musik in den Ohren, der sollte sich für den achtsemestrigen Bachelor an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bewerben, am besten mit Pauken und Trompeten. Und immer schön daran denken: Der Ton macht die Musik. Viel Erfolg!
von René Kohn

Das Studium hinterlässt Fragen – und das ist gut so!

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Ich bin ein Befürworter von Fragen und halte es auch ganz sprichwörtlich: Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten. Vielleicht muss man auch ein wenig so denken, wenn das Ziel der Lehramtsberuf sein soll. Aber zunächst noch einige weitere Informationen über den Verfasser: Der Studiengang Master of Education ist nach nunmehr zwei Semestern absolviert. Das impliziert so einiges: Etwa einen vorherigen Bachelorabschluss mit mastergemäßem Schnitt, insgesamt acht Semester Studieren und eine Menge an Prüfungsleistungen, dass beim nachträglichen Durchlesen der Leistungsnachweise die Augen immer größer werden. Wie man das geschafft hat? Die erste Frage verrät ein wenig Ungläubigkeit und Staunen. Man sollte es auch: Studieren ist ein Wahnsinnsakt. Immerzu denken. Nachdenken, überdenken, neu denken, um dann endlich in den Händen das lang ersehnte Zeugnis zu halten: Welch ein Andenken!
Und es impliziert ferner ein ganzes Bündel an aufgekommenen Fragen, mitunter auch die nicht unwichtige Grundsatzfrage: Warum werde ich Lehrer? Die Antwort verschiebe ich auf später.
Die Berg- und Talfahrten hinter den Noten lassen sich oftmals nur erahnen. Ein wenig rastlos geht es von Station zu Station. Am Ende wirst du sie alle besucht haben und mindestens gut bestanden haben müssen, um weiter zu kommen und den Anschluss nicht zu verpassen. Und um ganz sicher zu gehen, solltest du am besten auf 1 lernen, denn man glaubt ja gar nicht, wie viele sehr gute Abschlüsse es hierzulande gibt.
fragen12
Zeit finden für Fragen ans und im Studium
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Aber noch einmal zurück zu dem Bild mit den Stationen. Ein Ziel der neueren Studiengänge gilt der gleichmäßigeren Verteilung der Prüfungsleistungen über das gesamte Studium. Was im Bachelor noch relativ gut funktioniert, stellt sich als Farce für den Master heraus. Ist es wirklich sinnvoll, den Master of Education auf nur zwei Semester anzulegen? Ein Blick in den Aufgabenkatalog für dieses professionalisierte Kurzstudium sollte genügen, um eine halbwegs realistische Einschätzung zu bekommen: 22 Stationen inklusive Fachpraktikum, mündliche Prüfung und Masterarbeit. Wenngleich hier und da in den Anforderungen zurückgerudert wird, bleibt ein weiterer Aspekt zumindest fragwürdig, wenn man sich das hehre Ziel der Verteilung vor Augen führt: Allein die Masterarbeit macht ein Viertel der Abschlussnote aus! Im ohnehin zu kurz geratenen Studium kommt spätestens hiermit der nötige Druck auf, damit es ihn auf jeden Fall weiterhin gibt: den Abschlussstress.
Einige Fälle sind mir in meinem Freundeskreis bekannt. Jene, die das gute alte Staatsexamen gemacht haben. Die fielen dann immer nach ihrem Examen in das berühmtberüchtigte schwarze Loch, weil sie ein ganzes Semester nonstop Prüfungen hatten. Wie wird das mit den Bachelor- und Masterabsolventen sein? Nach mindestens vier Jahren Studium, der Reise von einer Station zur nächsten, der permanenten Konfrontation mit Prüfungsleistungen? Das Beste, was einem dann passieren kann, ist es wohl, unmittelbar ins Referendariat zu flüchten, vorausgesetzt die Eins vor dem Komma steht. Hauptsache das Stresslevel hoch halten. 
Es war selten im Studium so einfach, Zeilen zu füllen wie hier und jetzt. Hier darf und soll es kürzer und knapper sein, steht keine Note am Ende, aber natürlich eine Leserschaft, die sich fragt: Ja und, was wolltest du uns eigentlich sagen? Diese Frage ist wie jede andere berechtigt. Die Antwort darauf ist hoffentlich nicht dumm: Jedes Studium sollte Fragen aufkommen und hinterlassen. Viele Fragen habe ich an dieser Stelle nicht gestellt und Antworten auch nur unzureichend gegeben. Dabei hätte ich einige Vorschläge, die gar nicht so neu und originell sein wollen, sondern in ihrem schlichten Verlangen vielmehr dem Unmut vieler Studierenden Rechnung tragen wollen, etwa zur Neustrukturierung zumindest des Masterstudiengangs: Warum nicht den Master auf die Regelstudienzeit von drei Semestern anheben? Warum die Bachelornote nicht anteilig in die Masterabschlussnote einfließen lassen?
Ach ja, hier spricht im übrigen keiner, der seine Abschlussarbeit vergeigt hat oder der befürchten muss, das Referendariat erst in zwei Jahren machen zu können, weil die Note nicht mehr hergibt. Einzig und allein spricht hier jemand, der hofft, viele Fragen im Studium gestellt zu haben und der sie auch jetzt noch stellt. Jemand, der seinen Schülerinnen und Schülern später gerne erzählen möchte, dass das Studium mehr als nur Mittel zum Zweck ist.
Und auf die Frage, warum ich Lehrer werden will, kann ich nur antworten: Eine gute Frage, aber noch bin ich keiner. Aber ich habe eine Vorstellung und werde es herausfinden, neue Fragen stellen und die eine oder andere brauchbare Antwort finden.
von René Kohn

Das Ausland im Inland – und wie vom Inland ins Ausland

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Nach dem Abitur wollen viele ins Ausland. Einfach mal die Welt sehen oder auch dort arbeiten und Verantwortung übernehmen. Auch Studenten gehen oft ins Ausland, um dort Erfahrungen zu sammeln, Praktika zu absolvieren oder zu studieren. Doch nicht nur deutsche Studenten lieben diese globale Art zu studieren, auch ausländische Studenten kommen gerne nach Deutschland, vielleicht weil sie Deutsch studieren oder einfach eine Partneruniversität in ihrem Land haben. Es gibt verschiedene Gründe, aber genau dieselben, die auch deutsche Studenten bewegen.
Das International Office – an dieser Stelle ein Dank – und uniVista haben drei Studentinnen gefunden, die momentan in Vechta sind und bereit waren, sich vorzustellen.
Olga ist 19 und kommt aus Lettland. Sie ist seit 3 Monaten in Deutschland und möchte Lehrerin werden. Die Vorlesungen in ihren Fächern sind nicht so stark besucht, wie in Vechta. Trotz der großen und nicht so persönlichen Besprechungen der Themen ist sie gern in Deutschland und freut sich über jede neue Erfahrung, die sie mitnehmen kann.
Yildiz ist 22 und kommt aus der Türkei. Sie ist seit 2 Monaten in Vechta. Da es in der Türkei eine Partneruniversität zu Vechta gibt, dachte sich Yildiz, mal nach Deutschland zu kommen. Sie möchte Lehrerin werden und denkt, dass das Vechtaer Vorlesungsangebot besser ist, als in ihrer Heimat, da dort der pädagogische Bezug fehlt. Yildiz ist froh in Deutschland zu sein, denn eine Erfahrung ist es auf jeden Fall wert.
Jiajia ist 21 und kommt aus China. Seit mehr als 2 Monaten ist sie in Vechta, wo sie Erfahrungen sammelt. Jiajia möchte Übersetzerin oder Dolmetscherin werden. In Deutschland vertieft sie ihre Kenntnisse. In China sind die Vorlesungen nicht so frei wählbar wie in Deutschland, aber auch dort gibt es viele Veranstaltungen, die unseren sehr ähneln.
von Sarah Kotten
Checkliste fürs Ausland
Auslands-BAföG: Informiert euch rechtzeitig unter www.bafoeg.de, welche Stadt für eure Region zuständig ist. Das deckt sich meistens nicht mit dem Inlands-BAföG.
Kreditkarten: Achtet darauf, dass ihr eine gebührenfreie Karte beantragt. Viele Banken bieten diese für Studenten an. Einfach mal bei der Bank eures Vertrauens anfragen. Weiter solltet ihr in einen Reiseführer schauen, wo in eurer Stadt internationale Bankautomaten sind. In guten Führern wie Marco Polo oder Loose erhält man alle lebenswichtigen Informationen. Die Kosten hierfür liegen zwischen 20 und 30 Euro, die aber goldrichtig investiert sind.
Visum: Bei nicht EU-Ländern ist ein Visum von Nöten. Hier gibt es verschiedene Abstufungen. Für ein Auslandssemester sollte man jedoch zusehen, dass ein Studentenvisum für ein Jahr bewilligt wird, auch wenn man nicht so lange bleiben möchte. Ein Touristenvisum schränkt einen doch etwas ein und nach spätestens 90 Tagen muss dieses verlängert werden oder ihr müsst das Land verlassen.
Wenn ihr ein Visum per Post beantragen solltet, rechnet mit mindestens 3 Wochen Bearbeitungszeit (obwohl das noch schnell ist). Nähere Infos erhaltet ihr auf den Konsulatsseiten der Länder.
Anrechnung/Beurlaubung: Falls ein Auslandssemester nicht zwingend für euer Studium angesetzt ist, solltet ihr euch mindestens ein Jahr im Voraus informieren, ob dieser Aufenthalt euch irgendwie für das Studium hier angerechnet werden kann. Hierfür einfach einmal im International Office oder direkt beim Prüfungsamt nachfragen. Ansonsten liegen beim SSC Formulare für die Beurlaubung aus (dann verliert ihr hier nicht euren Studienplatz, müsst aber auch keine Gebühren bezahlen).
Stipendien: Hier ist es ratsam das International Office zu befragen. Es gibt länderabhängige Stipendien wie Erasmus, Erasmus mundo, Leonardo und private Stiftungen. Wer vor hat, sich um ein Stipendium zu bewerben, sollte dieses min. 6 Monate vorher tun und besonders die Anmeldefristen beachten, die oft sehr früh sind.
Internationaler Führerschein (für nicht EU-Länder): Kostenfaktor ca. 14-16 Euro.
Versicherung: Eine Auslandskrankenversicherung ist nicht außer Acht zu lassen. Es gibt sehr gute Versicherungen, die im Monatsrhythmus gestaffelt sind. Hierzu können wir euch die ISIS empfehlen oder die Versicherung des ADAC. Hierbei lohnt es sich auch dringend, einen Preisvergleich zu unternehmen. Es ist zwar lästig, aber die Bedingungen ändern sich ständig und eine gute Versicherung ist lebenswichtig. Kostenfaktor für 6 Monate ca. 250-350 Euro.
Impfungen: Sollte euer Traumstudienort ein Nicht-EU-Land sein, solltet ihr dringend den Arzt eures Vertrauens aufsuchen und euch nach nötigen Impfungen erkundigen. Dieses bitte auch min. 6 Monate im Voraus. Falls ihr nicht alle Hepatitis-Impfungen haben solltet, dauern die nämlich schon einige Monate. Hierbei ist auch bei der Krankenkasse die Info einzuholen, ob diese die Kosten der Impfungen übernimmt. Für ein Studium ist dieses oft der Fall, aber auch von Kasse zu Kasse unterschiedlich.
Dokumente: Ganz wichtig vor der Abreise ist es, von allen Dokumenten – am besten mehrere – Kopien anzufertigen, und diese beglaubigen zu lassen. Fertigt eine Mappe an, die ihr bei euren Eltern, Verwandten oder besten Freunden hinterlasst, falls irgendetwas im Ausland verloren gehen sollte.
Reisepass: Zu beantragen ist der Reisepass für die Reise in Nicht-EU-Länder bei der Stadt, in der ihr mit eurem Erstwohnsitz gemeldet seid. Ein biometrisches Fotos ist Pflicht und dauert ca. 3 Monate. Kostenfaktor: 37-40 Euro.
Vor der Abreise ins Ausland solltet ihr auch unbedingt einige Passfotos machen lassen. Man weiß nie, wofür man die braucht, aber glaubt mir, ihr werdet sie brauchen.
von Jessica Barbato

Auf der Jagd nach APs

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Wer in Vechta nicht auf Lehramt studiert (und sich auch nicht Sozialer Arbeiter schimpft) kommt sich manchmal wie ein Aussätziger, manchmal wie etwas Besonderes vor. Wenn mein Mitbewohner mal wieder über eine mehr als langweilige EW-Vorlesung gemeckert hat, konnte ich lachen und sagen: „Tja, ich muss da nicht hin!“ Andererseits konnte er dann am Ende des Studiums über mich lachen, weil ich verzweifelt alle APs, die ich irgendwann in irgendeinem Optionalbereichsmodul geholt hatte, zusammenrechnen durfte, und hoffen musste, dass ich auch wirklich die erforderliche Punktzahl erreicht hatte. Denn wer die Freiheit hat, alles zu wählen, was er möchte, verliert am Ende auch gerne den Überblick über das Geleistete. Oder, was noch schlimmer ist, man fühlt sich, als hätte man nur wenige Pflichten und lässt alles schleifen. Böser Fehler!
Ob man die Punkte aber überhaupt bekommt, hängt manchmal von purem Glück ab, denn zukünftige Nicht-Lehrer scheinen ab und an einfach nicht auf Listen drauf zu passen. Man fühlt sich als Sprachwissenschaftler von den Dozenten oft genug nicht ernst genommen, weil man das Gelernte ja nicht an Schüler weitergeben wird. Da frage ich mich, ob dieser Satz denn nun wirklich genau bedacht wurde, denn schließlich war der Dozent, der mir gegenüber stand, offensichtlich genau so ein Knallfrosch, wie ich einer bin.
Es sind aber nicht nur die Dozenten oder die schon angesprochene Qual der Wahl, die einen Nicht-Lehrämtler dazu veranlassen, sich öfter mal als etwas anderes zu sehen, sondern auch, dass man von der Hochschule ziemlich alleine gelassen wird. Ein jeder Lehramts-BA, Sozialer Arbeiter, Gerontologe oder weiß der Geier was, kann schön damit rechnen, dass er auch den Rest seiner studentischen Laufbahn wohlbehütet und geleitet von der Uni Vechta absolvieren kann. Ein Sozialwissenschaftler/Anglist kann das nicht. Und da haben wir auch schon den Fehler: Warum wird ein BA-Fach angeboten, zu dem es keinen ausgewiesenen MA an der Hochschule gibt? „Geldmacherei“, schreien die einen, „Pech gehabt“, die anderen, und man selbst denkt sich „Verdammt, die Vorzeigeumstellung auf das BA-Format in Vechta hat wohl doch irgendwo eine Macke.“
Und so kommt es dann, dass man nach 6 (oder manchmal auch 7 oder mehr) Semestern sich schleunigst eine neue Uni, eine neue Wohnung und neue Freunde suchen darf. Dafür bekommt man aber auch neue Dozenten, was gut sein kann, wenn man es sich mit den alten versiebt hat. Oder es kann schlecht sein. Wenn man gerne schleimt und nun wieder von vorne anfangen muss.
Ob man nun etwas Gutes oder Schlechtes in dieser Situation sehen will, sei jedem selbst überlassen. Ich als Ex-Vechteraner bin froh, es mitgemacht haben zu dürfen. Nach nun mehr 3,5 Jahren (jaja, 7 Semester, ich weiß!) freue ich mich aber auch, etwas Neues erleben zu dürfen.
von Sebastian Dargel

Vom Potential der Musik im Religionsunterricht

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Jesus goes Pop!
© Gerd Altmann / PIXELIO
Welche Themen werden in einem religionspädagogischen Seminar eigentlich behandelt? Diese und andere Fragen werden häufig an einen Theologiestudenten gerichtet. Da dieses eine pädagogische Ausgabe ist, soll auch gerade die Religionspädagogik näher in den Blick genommen werden. Wohl kaum jemand der Leser würde vermuten, dass StudiVZ, Dailysoaps, Talkshows, Familienstrukturen, Gewalt in der Schule, Mediation, Gottesbilder in der Kunst oder Frieden in der Musik dem Bereich der Theologie zuzuordnen sind. Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen, soll explizit auf den Punkt der Funktion der Musik im Religionsunterricht näher eingegangen werden.
Einerseits werden Jugendliche durch die Musik mit einem Medium angesprochen, dessen Benutzung ihnen selbstverständlich ist, anders als wohlmöglich bei einem Bibeltext. Andererseits wird dem Schüler vor Augen geführt, dass in der heutigen Zeit religiöse Fragen immer noch einen hohen Stellenwert haben. Es wäre jetzt natürlich ein Trugschluss, der Meinung zu sein, dass Musik als eine Art Allheilmittel eingesetzt werden kann. Die in der Musik angesprochenen religiösen Inhalte können aber gleichzeitig eine neue Ebene darstellen, um mit den Schülern ins Gespräch zu kommen. Die Darstellungsskala beschreibt verschiedene Phänomene wie Stimmungsregulierung, emotionaler Stimulus, Symbol für Gruppenzugehörigkeit, Möglichkeit der Abgrenzung und Distanzierung von der Erwachsenenwelt, Mittel der Identitätssuche, Sozialisationsinstanz sowie Protestpotential. Ebenso dienen sie dazu, sich abzulenken, als eine Art Ersatzerlebnis. Musik kann dabei behilflich sein, die religiöse Sprachlosigkeit zu überwinden, da es einigen Textpassagen gelingt, im Ansatz das auszudrücken, was viele zwar emotional erleben, gleichzeitig aber nicht verbalisieren können.
Literaturtipps:
Böhm, Uwe, Buschmann, Gerd (2000): Popmusik – Religion – Unterricht. Modelle und Materialien zur Didaktik von Popularkultur.
Schwarze, Bernd (1997): Die Religion der Rock- und Popmusik. Analysen und Interpretationen.
Einige Anreize bezogen auf das Thema Frieden in der Musik sollen exemplarisch genannt werden. Lieder, die Frieden thematisieren, finden sich in der Klassik, der Rock- und Popmusik, der Reggaemusik sowie der Schlagermusik. Diese Lieder richten sich gegen Rechtsradikalismus, Gewalt in verschiedenen gesellschaftlichen Konstrukten und setzen sich mit häufig tabuisierten Themen auseinander. Songs wie „War“ von Bob Marley, „Friedenspanzer“ von den Ärzten oder „Peace on Earth“ von U2 widmen sich dem Frieden. Solche Songtexte beinhalten ein großes Potential für den Unterricht und lassen sich gut darin einbetten. Dadurch wird bei den Schülern eine Grundsehnsucht der Menschen angesprochen, die leider noch nicht umgesetzt wurde: ein friedvoller Umgang, der durch gegenseitigen Respekt und Anerkennung gekennzeichnet ist. Da Frieden in allen Religionen als erstrebenswertes Ziel und nicht nur als Gesinnung betrachtet wird, sondern sich auch auf der interaktionalen, zwischenmenschlichen Ebene ereignet, kann dies einen Ansatzpunkt für die Religionspädagogik bedeuten.
von Thomas Deters

Alle Jubeljahre – Jubiläen: Die Geschichte von B. und M.

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Boris Antonio und seine Schwester Maria Esclarmonde (im Folgenden B.A. und M.Ed.) hatten es von Anfang an nicht leicht. Mit ihrer Geburtsstadt hatten sie noch verhältnismäßig Glück. Im schönen Italien lag die Stadt, die ein wenig klingt wie eine berühmte Speise aus dem selben Land: Bologna. Und selbst mit der Familie war es gar nicht so schlecht um sie bestellt: Sie war riesengroß, und die Verwandten kamen aus fast allen europäischen Ländern. So weit so gut. Oder auch nicht? Der Schein trog, denn so toll es war, eine solch große Familie zu haben, sie alle, ob Tante Amelié aus Frankreich oder Onkel Karl Heinz aus Deutschland, sie alle hatten immer irgendwas auszusetzen und wussten natürlich immer alles besser. Egal, wohin sie reisten, und sie reisten viel und gern, immer war da jemand, der es besser wusste und auf den sie sich neu einzustellen hatten.
© magicpen / PIXELIO
Da kamen die beiden eines Tages auf die glorreiche Idee, die kurze Zeit, die sie ja immer nur zur Verfügung hatten, so gut wie nur möglich auszunutzen und stellten gemeine Dinge an. Ihr Lieblingsziel war zumeist die Universität der Stadt – merkwürdigerweise gab es in jeder Stadt, in der ihre Verwandten lebten, eine Universität. Hier stürmten sie die Büros, gingen an die Schränke und Schreibtische, tauschten Zettel aus, spielten mit dem Kopierer, fertigten Kollagen an… Schließlich zogen sie weiter und hinterließen, wie Kinder das nun mal gerne tun, ein gewaltiges Chaos, das Tante Amelié schon erleben durfte, was sie aber für sich behielt und ihrem Bruder Karl Heinz in Deutschland verschwieg. Hier nun wüteten die beiden in den vergangenen Jahren kreuz und quer durch die Republik und besuchten viele ihrer Verwandten.
Erst einmal ins schulfähige Alter gekommen, galt es natürlich, nebenbei einen Schulabschluss zu machen, und hier kommen wir nun wieder zum Anfang zurück, denn leicht, so haben wir festgestellt, hatten es die beiden nun wahrlich nicht. Die ständigen Wechsel und Veränderungen in ihrem Leben, kein wirkliches Zuhause, das fehlende stabile Umfeld – kein Wunder, dass die beiden Kinder ganz verunsichert sein mussten. Ihr chaotisches, zuweilen zerstörerisches Verhalten mag ein Ventil hierfür sein, dass niemand sie wirklich und für längere Zeit in ihr Herz geschlossen hat. Nur schwer fanden sie Anschluss, wenn sie wieder einmal neu irgendwo ankamen; sie waren oftmals sehr eigen, zuweilen sehr auf sich selbst bedacht, ohne wirkliches Interesse am Mitmenschen. Und was ihre Leistungen anging, nun, die wurden so unterschiedlich bewertet, so unterschiedlich Tante Amelié aus Frankreich und Onkel Karl Heinz aus Deutschland sprechen, der wiederum seinen schwäbelnden Bruder, den Peter, kaum verstand. Mal waren sie die Besten, mal Mittelfeld, mal die die Schlechtesten; manchmal kam es sogar vor, dass man gar nichts mit ihnen anzufangen wusste. Was habt ihr da gemacht? Und warum?, hieß es dann etwa, und B.A. und seine Schwester M.Ed. schüttelten die Köpfe. Keine Ahnung, wir haben das einfach so gemacht, sagten sie dann. Aber einmal abgesehen von dem mangelnden Sozialverhalten und den unterschiedlich bewerteten Voraussetzungen, wer ihnen vorwarf, sie lernten zu langsam oder seien immer nur abgelenkt, nun, denen kann gesagt werden, dass sie sehr tüchtig waren. Schnell holten sie Stoff auf und nach, erzielten gute bis sehr gute Ergebnisse und wurden schließlich in die Klasse 4 versetzt – Abschlussklasse Primarschule. Das ist jetzt.
© Thomas Kölsch / PIXELIO
Es geht um nichts weniger als um die Empfehlung für die weiterführende Schule. Es geht also um Weichenstellung für die Zukunft. Dass Züge, besonders schnellere, hierbei schon entgleist sind, ist kein Geheimnis, und ein wenig Angst können B.A. und seine Schwester M.Ed. auch haben: Eifrig dabei sind etwa 23.000 Kollegen von Karl Heinz und Peter, die Gleise zu demontieren. Sie, Professoren, Dozenten, Wissenschaftler, sprechen sich nämlich für eine neue Strecke aus. Der Weg des Geschwisterpärchens, wir konnten ihn ein wenig begleiten, habe nämlich alles andere als Erfolge gebracht: Viel zu viele wollen viel zu viele Interessen durchsetzen und vergessen darüber das, worum es einst ging, damals in Bologna: B.A. und MEd – das sollten Symbole, Garanten, Statusfiguren für Internationalisierung und Vergleichbarkeit werden. Und was noch? Kürzere Studienzeiten. Na gut, geschenkt. Letzteres kann man aber auch verdrehen: Quantität vor Qualität. Stichwort Scheuklappenstudium. Und was stellen wir hierzulande bei Karl Heinz und Peter noch fest? Es studieren nicht mehr StudentInnen – der Geschwisterboom um B.A. und M.Ed. blieb aus. Die Abbrecherquoten steigen. Stichworte: Gleiche Stofffülle bei kürzerer Studiendauer. Und bis man eine Person gefunden hat, die einem eine Prüfungsordnung erklären kann, nun, das war wohlmöglich auch früher schon nicht so einfach. Aber damals hatten sich die meisten an die alte Prüfungsordnung mittlerweile gewöhnt und wussten, was drin stand.
Hintergrund:
Im nächsten Jahr wird der Bologna-Beschluss 10 Jahre alt. Kein Grund zu feiern, sagen sich 23.000 Professoren und Wissenschaftler. Sie haben ihre Unterschrift dafür gegeben, dass sofortige drastische Gegenmaßnahmen bzgl. des Bachelor-Studienganges eingeleitet werden.
Abgesehen davon lässt die europäische Geschichte in Hinblick auf den Bachelarius-Abschluss keinen Optimiusmus für diesen versprühen: Immer wieder wurde er eingeführt, um einige Jahre später wieder zu verschwinden.
Welche Empfehlung also geben wir unseren künftigen Zehnjährigen im nächsten Jahr? Trotz tüchtigen Arbeitsverhaltens, trotz guter bis sehr guter Noten? Sollte man sie noch einmal wiederholen lassen, um Zeit zu gewinnen für die richtige Entscheidung und den hoffentlich richtigen Weg? Oder im Gegenteil: Schicken wir sie auf eine Schule für Hochbegabte und schauen, was passiert. Hier findet doch Förderung statt, wenn es auch nur für die Wenigsten ist (vgl. Studierendenzahlen). Oder sollten wir ein einfaches Ticket ohne Rückfahrt nach Bologna kaufen, und sie erst dann wieder in die weite Welt schicken, bis dort all die Zettel sortiert worden sind, die die beiden – man verzeihe es ihnen – durcheinander gebracht haben. Ich meine, mein Gott, waren wir nicht alle einmal neun Jahre alt und haben uns so benommen?
Wichtig bleibt, was schon immer wichtig gewesen ist für unsere Kleinen in der Gesellschaft, also auch für Boris Antonio und Maria Esclarmonde: Klare und nachvollziehbare Strukturen zu schaffen, ohne dabei die freie Entfaltung, die Kreativität und die Phantasie vollkommen zu verwerfen, denn das alles werden wir brauchen, um Lösungen zu finden, die dem Wirrwarr der derzeitigen Hochschullandschaft Europas Konstruktives entgegensetzen.
von René Kohn

Netzwerken
Warum Vitamin B so hilfreich ist

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Ein neues Wort, welches so nicht im Duden zu finden ist, geistert durch Medien und Köpfe: Netzwerken. Dies soll der Schlüssel zu einer erfolgreichen Karriere sein. Darunter wird verstanden, dass ein jeder dazu angehalten ist, möglichst viele Kontakte zu knüpfen und Beziehungen zu pflegen. Getreu dem Motto: „eine Hand wäscht die andere“ sollen diese Netzwerke der gegenseitigen beruflichen Unterstützung dienen. Bei Politikern und Managern ist in diesem Kontext immer wieder von Seilschaften zu hören, welche diese Personen dort hin gebracht haben, wo sie heute stehen. Natürlich kann ein guter Kontakt nicht die eigene Kompetenz ersetzen. Doch er kann mir sagen wo eine Stelle frei wird oder mich empfehlen. Ein nicht kleiner Teil des Arbeitsmarktes funktioniert so. Stellen werden oftmals nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern durch Menschen besetzt, welche der Chef kennt oder die von einem Mitarbeiter empfohlen wurden.
Es ist also unbestreitbar, dass Kontakte nützlich sein können. Doch wo kann ich Kontakte knüpfen? Gerade als Student kenne ich doch überwiegend meine Kommilitonen, welche sich zunächst einmal in derselben Lage befinden wie ich.
Tagung in edlem Ambiente
©Thomas Bornschein / PIXELIO
Eine gute Möglichkeit über den eigenen Tellerrand zu schauen und wichtige Menschen in wichtigen Positionen kennen zu lernen bieten Kongresse und Tagungen. Über das ganze Jahr werden von den verschiedensten Fachrichtungen solche Veranstaltungen angeboten. Hier versammeln sich die Akademiker ebenso wie die Praktiker, um über neue Entwicklungen zu sprechen und sich über ihre Projekte auszutauschen. Dies ermöglicht es den Studierenden ihr Fachwissen zu vertiefen und auf Tuchfühlung zu gehen mit entscheidenden Persönlichkeiten. Es hat also eigentlich nur Vorteile. Dennoch sind die Zahlen der teilnehmenden Studenten oft sehr gering. Vielleicht sind es Berührungsängste, vielleicht der schmale Geldbeutel. Aber es lohnt sich, einfach mal über den eigenen Schatten zu springen. Viele Veranstalter bieten zudem für die Studierenden eine ermäßigte Teilnahmegebühr an.
Informieren könnt ihr Euch im Netz. Hier bieten alle großen Verbände auf ihren Homepages umfangreiche Terminkalender und Informationen an.
von Stefanie Bruns

Chancengleichheit für alle
... auch an der Uni Vechta

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Die Menschenrechte sichern jedem einzelnen Chancengleichheit zu. Das heißt, jeder Mensch soll die gleichen Rechte und Möglichkeiten für den Zugang zu Bildung und die Teilhabe an der Gesellschaft haben.
Dieser Ansatz findet sich auch in der Gesetzgebung wieder. So soll zum Beispiel das viel diskutierte Antidiskriminierungsgesetz verhindern, dass jemand aufgrund seiner Herkunft, Religion oder des Geschlechts benachteiligt wird. Auch der Nachteilsausgleich für Menschen mit Schwerbehinderung oder chronischer Krankheit soll der Chancengleichheit dienen.
Doch all diese Rechte und Gesetze sind zunächst nicht mehr als schwarze Buchstaben auf ziemlich dünnem weißem Papier zwischen zwei Buchdeckeln. Um sie mit Leben zu füllen, müssen sie im alltäglichen Leben umgesetzt werden.
Rollstuhlgerechter Umbau
des Haupteingangs der Uni
Foto: Alexander Dressler
Nun reicht ein kurzer Blick auf unser Bildungssystem, um zu erkennen, dass Chancengleichheit auf vielen Ebenen nicht gegeben ist. Wie in kaum einem anderen Land hängen in Deutschland die Chancen eines Kindes vom Geldbeutel und dem sozialen Status seiner Eltern ab. Dies fängt beim Kindergarten an und hört in der Uni noch lange nicht auf.
Wenn dazu noch eine Schwerbehinderung oder eine chronische Krankheit kommt, dann kann von Chancengleichheit nicht mehr die Rede sein.
Stellt Euch vor, dass ihr im Rollstuhl sitzt und motorisch stark eingeschränkt seid. Ihr habt das Abitur geschafft und wollt nun studieren. Ihr schaut Euch also in der Hochschullandschaft um. Doch bevor ihr Euch eine Uni näher anschauen könnt, müsst ihr erstmal die Stadt prüfen. Sind die Innenstadt und der Supermarkt mit dem Rollstuhl befahrbar? Gibt es die Möglichkeit, barrierefrei zu wohnen? Gibt es Fahrdienste und Stellen, bei denen ich mir persönliche Assistenzen holen kann? Ist das alles zur Zufriedenheit gegeben, geht der Blick zur Uni. Kann ich hier mit den Anforderungen, die ich mitbringe, adäquat studieren? Oft ist die Antwort nein. Auch an der HS Vechta hätte es ein Student im Rollstuhl schwer. Er käme trotz des neuen Haupteingangs längst nicht überall hin und müsste immense Umwege in Kauf nehmen. Doch nicht nur die baulichen Vorrausetzungen würden ein Studium in Vechta erschweren oder ganz und gar unmöglich machen. Auch die im Landesgesetz verankerten Nachteilsausgleiche, welche sich in den Prüfungsordnungen widerspiegeln sollten, werden gar nicht oder nur unzureichend umgesetzt. Selten ist in einer Prüfungsordnung ein Passus zu finden, welcher adäquate Prüfungsformen für Menschen mit chronischer Krankheit oder Schwerbehinderung zulässt. Hinzu kommt schließlich noch, dass das neue System von Bachelor/Master mit seinem sehr strengen Studienraster kaum Abweichungen zulässt. Doch ein Mensch, welcher zur Organisation seines Alltages sehr viel Zeit braucht, weil er viele Barrieren überwinden muss, benötigt eine flexible Uni, welche bereit ist, auch auf seine Bedürfnisse einzugehen.
An der HS Vechta gibt es jedoch niemanden, der sich dafür zuständig fühlt, die Rechte behinderter und chronisch kranker Studierender umzusetzen. Dadurch wird es Studierenden, welche ohnehin gegenüber ihren gesunden Kommilitonen benachteiligt sind, noch schwerer gemacht.
Es gibt jedoch seit dem vergangenen Semester eine Initiative an der HS Vechta, welche sich dafür einsetzt, das Bewusstsein zu stärken und die vorhandenen Lücken zu füllen. Leider steht diese sehr allein da. Es gab keine Unterstützung von Seiten des Studierendenparlaments und bisher auch keine des AStA. Das ist insofern schockierend, als dass der überwiegende Teil dieser Menschen doch einen sozialen Beruf ergreifen möchten.
Wenn Du diese Initiative unterstützen möchtest oder selber darunter leidest, dass Dir keine adäquaten Prüfungsformen zugestanden werden, dann kannst Du Dich unter ag.schwerbehinderung[at]yahoo.de melden. Hier kannst Du Information und Unterstützung bekommen.
Damit wir der Chancengleichheit ein kleines Stück näher kommen.
von Stefanie Bruns

Fleisch: gut durch – Studium: gut durch

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Was wir brauchen können
Zur Erinnerung: 1999 einigten sich in Bologna 29 europäische Länder auf ein gemeinsames Studiensystem, das den Bachelor- und Masterabschluss vorsieht. Mittlerweile sind es 46 Teilnehmerländer. Mit dem Bologna-Prozess sollten die bisherigen Hochschul-Abschlüsse Diplom, Staatsexamen und Magister abgelöst und ein erster Abschluss schon nach sechs Semestern möglich werden. An deutschen Universitäten sind derzeit mehr als die Hälfte der Studienprogramme auf die Bachelor- und Masterstruktur umgestellt. An den Fachhochschulen sind es fast 90 Prozent.
Exkurs 1:
Was den Geschmack des Fleisches betrifft sind wir uns einig. Viele Einflussfaktoren spielen hier eine Rolle. Das Fleisch selbst natürlich, das Wetter, der Grill, das Bier, womit wir dem Fleisch eine besondere Note verleihen, …, die Kohle. Ohne die Entdeckung des Feuers wären wir nicht, wo wir heute sind und auch das „Erster-Sonnenstrahl-Grill-täglich-raus“ im Studium wäre uns verwehrt gewesen.
© m.mieske / PIXELIO
Die brennende Kohle macht es uns möglich, dass uns während des Grillens schon das Wasser im Mund zusammenläuft. Der leicht rauchige Geruch, das Brutzeln … . Wie sieht es mit unserem Studium aus? Schon bei dem Gedanken daran verzieht es vielen das Gesicht, als hätten sie in eine saure Zitrone, anstelle eines saftigen Steaks gebissen.
Der Appetit vergeht?
Exkurs 1 Ende.
Besinnen wir uns kurz zurück auf das Ziel der, durch den Bologna Prozess eingeleiteten, Umstellung auf Bachelor/ Master. Ein kürzeres Studium, weniger Abbrecher, sowie bessere Qualität und Praxisbezug.
Ein kürzeres Studium ist es mit sechs Semestern durchaus. Ist es dadurch etwa weniger wert? Der Bachelor ist ein akademischer Abschluss. Und es steht außer Frage, dies einfordern zu müssen. Zur Frage steht aber, wie wir uns selbst hinter unseren eigenen Abschluss stellen… ?
Mehr Hochschulabsolventen sollten es werden, so hieß es. Derzeitige Zahlen sprechen jedoch von einer ansteigenden Zahl an Studierenden, die vor erreichen des Abschlusses das Studium beenden. Resultiert der Abbruch wirklich aus den veränderten Strukturen durch das Bachelor/ Master System oder liegt ein beachtlicher Teil vielleicht auch in der Korrelation Bachelor/ Master und Studiengebühren?
Bessere Qualität und Praxisbezug sind prägnante Ziele für einen Abschluss. Wodurch äußern sich jene?
Die Anstrengungen, die diese Umstellung mit sich bringen, dürfen nicht ungeachtet bleiben. Und das Engagement an der Optimierung des Bachelor/ Master Systems nicht vergessen werden. Es ist unvermeidbar, dass wir mit dieser Veränderung noch einige Jahre gemeinsamen Weges vor uns haben, aber:
In einer Umbruchphase steht noch kein Gerüst fest.
Selbst selbstständiges Denken bleibt nicht ganz außen vor, denn diese Zeit des Umbruchs erfordert viele klare Köpfe (Zum Beispiel bei der Erstellung des Stundenplans). Es mag vielleicht noch nicht den Studieninhalt direkt betreffen aber wenigstens schon in die Studienzeit selbst integriert sein.
Exkurs 2:
Welchen Einflussfaktor wir für den Garheitsgrad unseres Fleisches wählen entscheiden wir mit. Aber ich werde nicht das Fleisch sein und mich einfach grillen lassen. Manche Faktoren, wie den Wind oder die Kohlebeschaffenheit können wir nicht auf der Stelle ändern, wir können aber das Feuer anfachen, das Fleisch wenden … Griller oder Fleisch sein?
Und bevor ich` s vergesse: Wenn mindestens Kohle, Feuer, Grill und Griller zusammenarbeiten – kann das Fleisch nur „gut durch“ sein.
von Johanna Olberding

Trinationales Kolloquium in Polen

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Vechtaer Studenten in Polen.
Foto: Anna Nehoss
Man mag der Meinung sein, Vechta sei mit seiner Lage am Rande vom Nichts nur mäßig international, doch ab und zu kann man sich eines Besseren belehren lassen…
Ein internationales Treffen mit anderen Studenten aus Polen und Frankreich? In Polen, wo das Bier so schön billig ist und Zigaretten noch bezahlbar? Eine Woche keine Uni und dafür auch noch entschuldigt werden? Klingt ja super!!
Wo ist der Haken? Achja, es ist ein akademisches Arbeitstreffen mit dem Thema „Widerstand im Dritten Reich“. Muss das sein? Haben wir das nicht lange Jahre an der Schule gehabt und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir selbst nicht Schuld sind und wir trotzdem aufpassen müssen, dass das nicht noch mal passiert!? Reicht das denn nicht?
Um einen Schein für die Fahrt zu bekommen, war der Besuch eines vorbereitenden Seminars Pflicht.
Hier lasen wir Originaltexte der Widerständigen Helmuth James von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg. Sie waren die Köpfe einer Gruppe von Widerständigen, dem Kreisauer Kreis. Hey, war das nicht das Reiseziel?
Yorck und Moltke hatten während des Krieges Pläne erdacht, wie es nach Hitlers Sturz mit Deutschland weitergehen könnte. Denn dass der Krieg nicht mit einem Sieg für die Deutschen enden würde, schien ihnen offensichtlich. Ihre Ideen stützten sich auf die demokratischen Grundsätze Gleichheit der Menschen, Freiheit und Gerechtigkeit. Das Besondere an ihrem Widerstand war die Gewaltlosigkeit, denn „man kämpft nicht für irgendetwas, sondern nur gegen irgendetwas: Hass ist die Dominante des Krieges, nicht Liebe. Feigheit, Muckertum, Massenpsychose züchtet der Krieg.“ (H. Moltke).
Trotzdem sind sie gehengt worden, Moltke nur drei Monate vor Kriegsende, und nur weil er nachgedacht hatte. Weil er es gewagt hatte, gegen die NSDAP zu denken. Weil er die Würde jedes Menschen über seinen Glauben hob. Dieser Widerstand steht stellvertretend für viele andere. Für Menschen, die bereit waren, ihr Leben einem Ideal zu opfern. Menschen, die sich gewehrt haben.
Widerstand ist vielfältig: Es gibt ihn in den unterschiedlichsten Ausprägungen, als Volkswiderstand, als Einzelkämpfer, gewalttätig und gewaltfrei. Im Namen einer Organisation, einer Idee oder aufgrund der eigenen Moral. Widerstand ist so vielfältig wie die Menschen. Ihnen gemeinsam ist aber der Wille, etwas am aktuellen Zustand ändern zu wollen.
Genau diese Geisteshaltung hat den Bogen geschlagen von abgedroschener, langweiliger Geschichte zu einem interessanten Rückblick. Die Geschichte des Dritten Reiches ist so groß, unverständlich und grausam, dass es gar nicht genug Möglichkeiten geben kann, darüber zu informieren. Das muss nicht immer trocken oder langweilig sein, es geht nicht immer mit erhobenem Zeigefinger einher. In Kreisau waren wir auf dem Gut von Moltke untergebracht. Durch das Schloss zu gehen und zu wissen, dass vor etwas mehr als 60 Jahren in diesen Mauern Geheimtreffen stattfanden, berührt mehr als es viele Statistiken des Zweiten Weltkrieges zu schaffen vermögen.
So viele Fotografien zu sehen, Geschichten zu lesen und die einzelnen Menschen hinter den alten, angestaubten Büchern zu erkennen, geht tiefer unter die Haut als eine anonyme Zahl.
Die bunten Träume, Wünsche und Hoffnungen der Menschen, die der Maschinerie Hitlers zum Opfer fielen, sind es auch knapp 63 Jahre nach Kriegsende noch wert, gewürdigt und anerkannt zu werden.
Kreisau hat uns mit der Frage nach Hause geschickt, ob wir es merken würden, wenn sich wieder eine solche Macht zusammenbraut. Und ob wir den Wunsch hätten, uns zu wehren. Wie weit wir dafür gehen würden, ob wir uns unserer eigenen Moral beugen würden. Schwierige Fragen, die sich noch schwieriger beantworten lassen. Trotzdem: Mal einen Gedanken zu risikieren, kann ja nicht schaden!
von Anna Nehoss

Unser Semesterticket – ein Streitgespräch

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Pro
Die Wintersportgebiete im Harz, die Badeorte an der Nordsee, dazwischen Städte wie Hannover, Hamburg und Wildeshausen: Niedersachsen ist nicht wirklich scheiße. Wer sich davon erst noch überzeugen muss, kann es dank des Semestertickets der Deutschen Bahn völlig kostenlos. Vorausgesetzt natürlich, er studiert nicht in Vechta. Im Gegensatz zu anderen niedersächsischen Universitäten gilt unser Semesterticket nur im deutlich kleineren Streckennetz der Nord-West-Bahn.
Angeblich haben wir das selber so gewollt: Vor Jahren hat es Umfragen gegeben, denen zufolge die Vechtaer Studenten kein Interesse an einem niedersachsenweit gültigen Semesterticket, dass Mehrkosten von ca. 57,- € pro Halbjahr bedeuten würde, haben. Doch ist dieses Nein noch aktuell? Viele von uns sind Pendler und Wochenendheimfahrer, eine Bahncard 50 kostet mittlerweile selbst mit Ermäßigung 110,- €, ein Liter Normalbenzin fast 1,40 €, das Semesterticket würde sich für die meisten innerhalb kurzer Zeit bezahlt machen.
Auch andere Gründe wurden angeführt:
Das Semesterticket
ziemlich überschaubar
Die Bahn habe kein ernsthaftes Interesse, den Vechtaer Studenten ein Semesterticket zur Verfügung zu stellen, denn die Hochschule Vechta sei zu klein, der Bahnhof zu weit weg. Außerdem müsse die Uni eine heftige Vertragsstrafe zahlen, falls die Rechnung der Bahn zu spät bezahlt werden würde. Unüberwindliche Hürden? Unlösbare Probleme? Zumindest Vertragsstrafen lassen sich vermeiden, indem der Vertag einfach erfüllt wird. Für unsere Studentenvertreter ist das Thema Semesterticket mittlerweile durch. Zu Recht? Was spräche dagegen, erneut herauszufinden, ob sich die Mehrheit von uns ein solches Ticket wünscht, und – wenn das der Fall sein sollte – dafür zu sorgen, dass wir es bekommen?
von Stefan Hirsch
Contra
Unsere Pendler nutzen größtenteils das Auto und haben keine Lust auf die Bahn. Dazu kommt, dass alle Nichtpendler natürlich auch nicht einsehen, nicht 57,00 Euro, mehr bezahlen sollen für nichts.
Diese Diskussion führen wir in schöner Regelmäßigkeit, jedenfalls solange ich an dieser Uni bin, und das sind schon 3,5 Jahre. Der Asta hat sich diesbezüglich auch schon mit der Deutschen Bahn auseinandergesetzt. Die ist grundsätzlich nicht wirklich interessiert, weil Vechta nun mal keinen DB Bahnhof hat und erst ab Bremen bzw. Osnabrück dieselbe genutzt werden könnte.
Dazu kommt noch, dass wir mit 3500 Studierenden verhältnismäßig klein sind und es deshalb für die Bahn nicht gerade attraktiv ist, mit uns Geschäfte zu machen.
Auch nicht unerheblich sind natürlich die Bedingungen eines solchen Vertrages. Hier müssen wir uns nur an die Unstimmigkeiten mit der NWB erinnern. Das fängt bei laminierten oder vorläufigen Studentenausweisen an und lässt sich fortführen. Da die DB nun aber um einiges größer ist, sieht deren Vertrag auch Vertragsstrafen vor. Diese haben eine ganz erhebliche Höhe und würden fällig werden, wenn zum Beispiel die Überweisung nicht rechtzeitig kommt. Nun kennen wir die Uni und ihre Studenten. Da werden Studiengebühren und Semesterbeiträge zu spät gezahlt, im schlimmsten Fall erst nach Mahnung. Dann muss das Geld noch verteilt werden (Asta, Studentenwerk, NWB, Studiengebühren, Verwaltung). Das dauert. Der Asta erhält seine Gelder oft erst sehr spät. Deshalb wird angenommen, dass ein Risiko besteht, den Vertrag vielleicht nicht 100 % erfüllen zu können.
Hannover Hbf – per Semesterticket unerreichbar
Foto: Björn Franke
Die Gelder, die dann fällig würden, hätten ganz erhebliche Auswirkungen auf uns alle. Nun kann man sagen, dass das alles eine Frage der Organisation ist und zu lösen wäre. Meiner Meinung nach ist das eher ein strukturelles Problem und eben nicht so ohne weiteres aus der Welt zu schaffen.
Vollversammlungen wegen des Semestertickets gab es in den letzten Semestern des Öfteren. Denn der Asta muss sich jedes Mal die Legitimation der Studentenschaft holen, um den Vertrag zu verlängern. Diese sind nicht nur sehr schlecht besucht, dort wird auch oft über einen Euro mehr gemosert. So wurde zwar seither nicht mehr über ein Niedersachsenticket abgestimmt, aber es scheint eben auch kein Interesse daran zu geben.
von Stefanie Bruns

Master of Disaster?

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Ausgenommen den Sozialen Arbeitern und den anderen paar Studenten, die nicht Lehrer werden wollen, blüht er allen in Vechta, der Master of Education (MEd), das wahre und echte Lehramt. Denn jeder, der Bachelor studiert und immer wieder ausdrücklich betont, er sei Lehramtsstudent, liegt da leider völlig falsch. Im Anschluss an die BA-Arbeit geht es so richtig zur Sache, erst dann winkt der vermeintliche Traumjob. Doch bevor man die Ziellinie durchläuft, hat die Uni Vechta den Studierenden einen Brocken hingelegt, den man wirklich als “die harte Version” des BA-Studiums bezeichnen kann. Schon der Anfang für die diesjährigen MED-Studenten verlief teilweise etwas holprig. Da die wenigsten Dozenten das neue StudIP System nutzen wollten, wurde auf die altbewährte Form der Listen zurückgegriffen. Leider bekam davon ein Großteil der Studenten nichts mit, woraus resultierte, dass einige nicht in die für sie vorgesehenen Kurse kamen. Bei Studenten, die schon immer in Vechta waren, kann man da einfaches “Pech” attestieren. Was aber sollen Studenten machen, die für den Master nach Vechta wechselten? Die können mit äußerster Sicherheit ihre Wohnung vorsorglich für 3 Semester buchen, denn einige Kurse werden nur jährlich angeboten.
Der Master – zu vollgepackt oder machbar?
Ob maßloser Kaffeekonsum allein ausreicht?
© adel / PIXELIO
Hat man die ersten Schrecken des Einschreibens verdaut, so kommt es in den Vorlesungen zu weiteren Überraschungen. Nachdem im Bachelor zumeist Klausuren geschrieben wurden, ist im Master größtenteils auf Hausarbeiten und Portfolios umgestellt worden. Eine an sich sehr gute Idee um die Studenten zu entlasten, leider ist das ganze aber wieder suboptimal, wenn alle Dozenten gleichzeitig umstellen und unsere Masteraspiranten dann während des Semesters 3 oder 4 Portfolios erstellen müssen. Und der Terminplan im Master ist sowieso schon arg eng gesteckt. Die Vorlesungszeit des Wintersemesters endet am 2. Februar. Am 4. Februar starten die Master in ihr Pflichtpraktikum das 6 Wochen dauert. Das ist durch die Osterferien der Schüler in 2 Teile gesplittet (vom 3. Februar bis zum 7. März und noch eine Woche vom 31. März bis zum 4. April). Die Abgabe des Berichts ist vorgesehen für den 18. April, das Sommersemester startet bereits am 7. April. Der Bericht muss also simultan zum Praktikum angefertigt werden und alle ausstehenden Hausarbeiten aus dem WS sollten natürlich auch schon fertig sein. Dass der Praktikumsbericht mit 7 AP bewertet wird und damit mehr als 10% der Masterendnote ausmacht, macht die Arbeit an dem 25-seitigen Werk nicht gerade einfacher. Die Masterarbeit selbst wird dann im Laufe des zweiten Semesters geschrieben, nachdem man den Tag über in der Uni war, also „locker nebenbei“, obwohl sie ein Viertel der Gesamtnote mit ihren 15 AP ausmacht!
Die Dozenten versuchen wirklich, den Studenten unter die Arme zu greifen, trotzdem wird ein Großteil der Masteranwärter ein drittes Semester dranhängen. Die Entscheidung zur Verlängerung ist verständlich, da Referendariatsstellen in Niedersachsen im letzten Jahr mit dem Notenschnitt 1,6 ausgelobt wurden. Wie aber soll man einen solchen Schnitt unter diesem Druck schaffen? Man wird wohl ein Wartese mester einlegen müssen. Das kann man aber besser an der Uni verbringen und das Studium etwas ruhiger angehen lassen… Wenn da das liebe Geld nicht wäre. Denn die Studenten müssen nicht nur 630 Euro an die Uni zahlen, sondern auch noch Miete und Fahrtkosten für ein halbes Jahr mit einrechnen. Ihr seht also, nach dem Bachelor wird es keineswegs leichter. Aber der Master ist keine unüberwindbare Hürde, sondern durchaus zu schaffen und deswegen drücke ich all unseren Masterstudenten die Daumen, um mit Bestnote zu bestehen… oder zumindest zu bestehen und eine Stelle zu bekommen. Ihr macht das schon.
von Sebastian Dargel

Das war euer Sommer: Studium

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Fotos: Mürvet Ebcinoglu / René Kohn / Jessica Barbato / Melanie Ehlert
Vamos para o Brasil
Von dem Studium an unserer geliebten Hochschule ins Studium an der Universidade Federal da Paraíba (UFPB). Semesterferien werden eh überbewertet. Aber wer meckert schon, wenn er im Paradies am anderen Ende der Welt studieren darf? So weit weg von der gewohnten Umgebung studiert man nicht nur Kunst, Pädagogik, Geschichte oder Sozialwissenschaften, sondern vor allem das Leben selbst. Kaum angekommen, jagt ein Kulturschock den nächsten.
Während in good old Vechta der Sommer langsam ausklingt, geht er in João Pessoa, Paraíba in Brasilien, erst richtig los. Jeden Tag klettern die Temperaturen ein paar Grad die Leiter hinauf und sind mittlerweile bei gut 30 Grad, was sich nach dem etwas lauen deutschen Sommer richtig gut anfühlt. Doch neben all dem Studieren findet man dennoch die Zeit sich die atemberaubende Seite der Stadt zu vergegenwärtigen. Ganz nach Urlaubsmanier versucht man zumindest am Wochenende an den Strand zu gehen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.
Es ist schon ein tolles Gefühl morgens vor der Uni, die hier schrecklicherweise schon um 7 Uhr früh beginnt, am Strand zu joggen oder schon vor dem Frühstück die erste Kokusnuss zu trinken. Dann fällt es einem auch viel leichter sich zu solch unchristlichen Zeiten in eine Vorlesung zu setzen und auch noch mit vollem Elan mitzuwirken.
Die Seminare bestehen hier teilweise aus 15 Personen oder weniger, was das Arbeiten an sich erheblich erleichtert, aber zugleich auch erschwert, denn beherrscht man die Sprache nicht fliessend, kann man schnell den Anschluss verlieren oder sehr wichtige Dinge völlig falsch auslegen. Ein Beispiel: Man nickt immer nett, versteht aber leider nur die Hälfte und auf einmal soll man ein Referat über 200 Jahre deutsche Geschichte auf Portugiesisch halten.
Zum Glück sind die Brasilianer sehr freundlich und helfen und erklären gerne alles noch einmal, damit man auch die Möglichkeit bekommt, sich voll einzubringen. Der ganze Aufwand lohnt sich ohne Zweifel. Denn nach einem anstrengenden Tag voller Wissensaufnahme kommt man auf dem Weg nach Hause am Meer vorbei. Auch wenn man es dann meist nur hören und riechen kann, denn um 18 Uhr ist es hier zappenduster und das Nachtleben beginnt. Dieses ist meist auch nicht ganz ungefährlich. Sobald die Sonne verschwindet, ist Brasilien nicht länger ein Paradies. Beinahe jeden Tag bekommt man mit, dass jemand mit vorgehaltener Waffe überfallen wurde.
Man könnte denken, mitten in einem Film zu stecken, doch leider ist dies die Realität, was einige Bekannte schon am eigenen Leib erfahren mussten. Mit dieser Kehrseite muss man allerdings leben, wenn man die wunderschönen Seiten genießen will.
von Jessica Barbato

Das war euer Sommer: Praktika

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City and Islington College London
Verglichen mit anderen Praktika, war ich am ersten Tag meines Praktikums an der City and Islington College in London sehr aufgeregt. Es sollte nicht das erste Mal sein, dass ich ein Praktikum in London mache und auch nicht das erste Praktikum in einer Schule. Es war die Tatsache, dass ich zum ersten Mal Erwachsene als Schüler in London haben sollte. ERWACHSENE. ERWACHSENENBILDUNG. Die Vorstellung allein hat mich schon drei Nächte lang nicht schlafen lassen. Zumal ich mich doch ganz steif auf das Grundschulleben in meiner Zukunft als Lehrerin fixiert hatte. Ich muss sagen, es stellte sich genau als das Gegenteil meiner Befürchtungen heraus. Die Schüler waren Menschen, die beispielsweise einen bestimmten Abschluss (A-Level = Abitur oder GCSE = Realschulabschluss) nachholen wollten oder Frauen, die vor 20 Jahren die Schule abgebrochen haben, weil sie schwanger wurden oder solche, die geistig oder körperlich behindert sind oder gar Menschen, die noch niemals zuvor in ihrem Leben mit Zahlen konfrontiert wurden. Kurz gesagt, diese Schule ist für Jedermann offen und gebührenfrei, was die meisten Situationen erleichtert.
Ich habe in zwei Matheklassen mit sehr niedrigem Niveau assistiert. Die Lehrer-Schüler-Beziehung in Klassen mit Erwachsenen als Schüler ist, muss ich gestehen, viel angenehmer, als die in einer Grundschule. Würde ich Kinder leider Gottes nicht lieben, hätte ich meine ganze Studienlaufbahn mit einem Schlag verändert. Das Erlernen vom jeweiligen Unterrichtsstoff ist selbstständig und demnach ist die Ebene, auf der sich der Unterricht und die Kommunikation stattfindet, sehr unbeschwert. Also das nächste Mal, bevor ich schlaflose Nächte bekomme, versuche ich mich darauf festzulegen, alles etwas “unbeschwerter“ zu sehen.
von Mürvet Ebcinoglu
Fotos: Mürvet Ebcinoglu / René Kohn / Jessica Barbato / Melanie Ehlert
Berlin Brandenburg International School (BBIS)
“I don´t can it”, sagte die kleine Theresa, als sie den Laptop hochgefahren hatte und anschließend bemüht versuchte, das Lernspielprogramm aufzurufen.
Nun ja, wir befinden uns im Klassenraum der 1C in der Berlin Brandenburg International School (BBIS), wo momentan der IT-Unterricht statt findet. Dies ist eines der wenigen Beispiele, die eine internationale Schule von einer stinknormalen öffentlichen Schule unterscheidet. Das will man aber auch erwarten, wenn man Unmengen von Gebühren im Jahr bezahlt, damit das eigene Kind wohlmöglich die beste Bildung bekommt.
Als Praktikantin dieser Schule habe ich ebenso die beste Betreuung bekommen, von der ich zuvor in gewohnten Praktika nicht einmal zu träumen wagte. Und das, ohne Gebühren zu zahlen, wohlbemerkt. Kaffee holen und Akten oder jegliche Papiere ordnen, gehörten diesmal nicht zu meinem Hauptarbeitsbereich. In dieser ASP-Zeit habe ich feststellen müssen, wie interessant, aber auch eigenartig es ist, zu sehen wie Kinder in jungen Jahren versuchen, eine Fremdsprache zu sprechen, die zugleich ihre Schulsprache ist. An der BBIS gab es nur selten Schüler, dessen Muttersprache Englisch war. Daher kamen sehr schnell Beispiele, wie “I don´t can it” zustande (und nicht I cannot), die aus dem Gedanken einer direkten Übersetzung entstehen. Eine süße Herausforderung, möchte ich meinen.
von Mürvet Ebcinoglu

Das liebe Geld…

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Bildung ist teuer, das ist nicht erst seit den Studiengebühren so. Deshalb steht jeder von euch vor der Frage, wie soll ich das alles finanzieren? Es gibt die Möglichkeit einen Studienkredit bei der KFW in Anspruch zu nehmen oder, sofern berechtigt, BAföG, zu beziehen. Doch eine wesentlich bessere Alternative wäre ein Studierendenstipendium. Bekommen könnt ihr das bei den sieben großen Begabtenförderungswerken (www.begabtenfoerderungswerke.de) oder bei kleineren Stiftungen und Vereinen.
Recherche lohnt sich, denn es gibt mehr Menschen, die euch fördern wollen als Ihr denkt. Ein Einser-Abitur ist nicht notwendig. Begabtenförderungswerke legen bei ihrer Auswahl Wert auf gute Schul-und Studienleistungen (um die 2,0) und gesellschaftliches und/oder politisches Engagement. Leitsatz ist, dass Lebenswege gefördert werden sollen, keine Karrieren. Dementsprechend gehört bei den meisten Stiftungen zur finanziellen Förderung auch eine ideelle Förderung, welche euch die Möglichkeit eröffnet euch weiter zu bilden und Kontakte zu knüpfen. Bei der Auswahl eurer Stiftung solltet ihr darauf achten, welche zu euch passt, denn diese repräsentiert ihr auch als Stipendiat. Zögert nicht euch zu bewerben, denn zur Zeit haben die Begabtenförderungswerke so viel Geld wie noch nie. Die Bundesbildungsministerin will mit ihrer Bildungsoffensive so viele Studierende fördern wie möglich.
Euer Ansprechpartner an der Uni ist Lars Hoffmeier (Referent für Forschungsförderung, e-Mail: lars.hoffmeier[at]uni-vechta. de, Raum: E 021)
von Stefanie Bruns
Stipendium in der Tasche? Zum Studentenvertreter gewählt?
Zwei weitere Gründe sich als Student mal gehen zu lassen
Foto: Karen Ishikawa

Wer wir sind und was wir wollen?
Zum heutigen Selbstverständnis des Studenten

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Fotos: Karen Ishikawa
Rollenfindung – Ein Versuch
Was eigentlich ist los? Ganz ehrlich. Ich meine, welche Rolle spielen wir Studenten noch in unserem Studentendasein? Wie definieren wir uns in dieser Rolle? Definieren wir uns überhaupt? Und wenn ja, heißt es dann, heutzutage Student zu sein, das meint, sich von einer Vorlesung zum nächsten Seminar zu bewegen, dazwischen wird noch ein bisschen gelesen, Kaffee getrunken, in die Mensa gegangen und wieder zugehört? Heißt Student zu sein heute, möglichst schnell durchzukommen durch ein vorgefertigtes Studium, in dem kaum noch Möglichkeiten geboten werden, sich zu entscheiden, was man machen möchte, weil das zur Folge haben könnte, dass, ja dass ein Studium tatsächlich länger als Regelstudienzeit dauern könnte? Alles schön diszipliniert, kontrolliert, fremdbestimmt und schnell. Ist das das neue Selbstverständnis des heutigen Studenten? Diese Fragen und Gedankengänge klingen bereits etwas provokativ an, natürlich, denn mindestens zum Thema Bloß-schnell-durch-sein und- immer-schön-gerad-aus-und-nie-nach-rechts-oder-links-gucken muss doch gesagt werden, was haben wir denn am Ende davon, wenn wir alle schnell fertig sind? Gut, mehr Geld im Portemonnaie. Aber haben wir etwas mitgenommen? Einsichten, Ansichten, Perspektiven, Alternativen…? Oder stehen wir, die Durchgehetzten, am Ende einfach nur auf Zehenspitzen herum, auf der Suche nach…ja nach was eigentlich? Nach dem besten Platz, einer guten Aussicht? Man könnte an das Bild denken, in dem sie alle auf Zehenspitzen stehen und letztlich keiner besser sieht. Abgesehen davon mag das auch nicht die angenehmste Position sein. Man muss den Standpunkt auch einmal verlagern. Vielleicht hilft es sogar, sich einmal hinzusetzen, vielleicht auch einmal, alle Viere von sich zu strecken, vielleicht in einem Seminar zur Stimm- und Atemtechnik oder in einem Sportkurs. Möglicherweise muss man auch einmal hochspringen, weitspringen, und vielleicht kann man so was auch als Nicht- Sportstudent angehen. Aufkommen kann man immer falsch. Und zu stolpern mag auch nicht verkehrt sein. Wir alle wissen doch, wie wir gehen gelernt haben: von Fall zu Fall….(letzteres ist geklaut, hat irgend so ein Neuropsychologe letztens in einem Film gebracht…Spitzer oder so…also nicht, dass ich mich mit fremden Federn schmücken will)
Immer wieder höre ich kritische Stimmen, was das heutige Studentendasein angeht, aber nicht etwa von den Studenten selbst, nein. Von meinem Vater bekomme ich regelmäßig zu hören, dass es wohl üblich heutzutage ist, alles hinzunehmen. Damals wäre das natürlich unmöglich gewesen. Ich höre Stichworte wie unpolitische Generation. Und zwischendurch klingt dann wieder das Klischee hindurch, wie wir Studenten leben. Pro Sieben, Taff, 17h: Guten Abend, Deutschland. Guten Morgen, liebe Studenten. Nun, aber wer sich schon nicht für die Probleme unseres Landes interessiert geschweige denn dafür, wie viel wir nun fürs Studium bezahlen müssen und überhaupt scheinbar alles über sich ergehen lässt, naja, dem wird wohl auch das egal sein. Aber trifft dieses Bild überhaupt zu? Als BaMa-Student erkenne ich hierin keine Wirklichkeit, wahrscheinlich habe ich um genannte Uhrzeit nicht einmal Zeit zum Fernsehen, und wenn mir davon jemand erzählt, dann habe ich gerade tausend andere Dinge im Kopf, den ich vielleicht noch schüttel, weil ich denke: Ja nee, ist klar. Ich glaube aber in der Tat, dass es den meisten egal ist, ob ein Bild zutrifft oder nicht und das Wenigste wird noch reflektiert, also kritisch reflektiert. Es geschieht was geschieht. Reflexion, Selbstreflexion, Kritik, alles das scheint fehl am Platze zu sein. Die an anderer Stelle zitierte “Suche nach der Wahrheit” wird ersetzt durch die Suche nach möglichen Klausurfragen. Was ist relevant? Kommt das auch vor? Müssen wir Daten kennen? Personen? Ist der Film von letzter Woche von Bedeutung, dieser Text, der Aufsatz? Nein, heißt es dann vielleicht, aber möglicherweise aufschlussreich. Immerhin reagieren Dozenten nun auch schon darauf und ergänzen ihre Seminare durch entsprechende Kommentare, was denn nun von diesen neunzig Minuten wichtig sein könnte. Danke!
Aber wem soll man einen Vorwurf machen? Vielleicht schlicht und einfach den neuen Strukturen, nämlich, dass die Universität mit den neuen Strukturen immer verschulter wird, aber mein Gott, so schlecht kann das ja auch nicht sein, oder?! Ich meine, letztlich gehen die meisten von uns wieder in die Schule, und ein bisschen mehr Praxis kann so schlecht nicht sein. Das neue Selbstverständnis des Studenten heutzutage? Die Frage stand am Anfang, und mir ist nun klar, dass ich falsch daran gegangen bin. Unsere Rolle ist ja vielmehr die eines Schülers, ohne diese Rolle abwerten zu wollen. Nein, darin liegt eine gewisse Herausforderung, und nächstes Mal wird diese dann einmal näher untersucht.
Übrigens: letztens war ich mit einem Kumpel in Italien. Vor Bologna sind wir abgedreht, Richtung Meer. Versprach mehr Aussicht.
von René Kohn
Ich bin genervt, ich bin frustriert…
Was nicht nur die ersten Zeilen eines Songs von den Ärzten sind, beschreibt meine Gefühle beim Anblick meines Schreibtisches recht treffend. Hier ein Abgabetermin für eine Ausarbeitung, da das Handout für das anstehende Referat, schon zugedeckt von ominösen Readern, unleserlichen Mitschriften, Büchern und dort noch der Kalender mit den dick unterstrichenen Klausurterminen. Nebenbei auch noch Zettel und Flyer mit den nächsten Partyterminen, Freundesadressen aus der ganzen Republik die ich doch schon lange mal wieder besuchen wollte, Festivaltickets, irgendeine Notiz weist noch auf die Arbeitsstelle für die Semesterferien hin und beinahe schon höhnisch grinsend sieht mich eine Postkarte mit dem Spruch „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag“ an.
Das hatte ich mir anders vorgestellt!
Damals, vor drei- vier Jahren, als ich noch in der Schule saß und vom tollen Studentenleben geträumt habe, war mir eines völlig klar: Das wird eine relaxte Zeit! Mit vielen Parties, nächtelangen Diskussionen über Gott und die Welt, spannenden Vorlesungen von begeisterungsfähigen Professoren, jeden Tag ausschlafen und Semesterferien mit dem Rucksack in Sizilien. An Arbeitsdruck und Modulabschlussklausuren hab ich nicht im Traum gedacht. Jetzt ist es kurz vor Mitternacht und ich bin nicht auf der Party mit meinen Freunden sondern am Rechner und versuche, trockene Fakten in mein Hirn zu speisen. Dabei habe ich im Hinterkopf ständig die Frage, ob ich nicht grade die Party des Jahres verpasse und mein Sozialleben sich auf die einsamen Gespräche mit meiner Yuccapalme beschränken wird.
Klar ist wohl, dass ich mich vom Bild des Studenten, wie es die ´68er Generation geprägt hat, verabschieden muss, will ich halbwegs erfolgreich ins Berufsleben starten. Aber was ist das neue Bild eines Studenten? Wo ist der rote Faden, der einem sagt: „ Hier geht´s lang, das ist dein Weg!“ ? Was will ich vom Leben? Von wessen Meinung und Ansicht lasse ich mich überzeugen? Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt bleibt dumm. Nur, wen soll man denn fragen? Meine Dozenten? Meine Kommilitonen? Das Kaffeesatz-Orakel?
Am Besten mich selbst.
Denn wer weiß mehr über meine Wünsche, Träume und Erfahrungen als ich? Und auf wessen Meinung sollte ich mehr Wert legen als auf meine?
Und während mir diese Gedanken so durch die Synapsen kreisen, wird mir bewusst, dass es nicht nur die Freiheiten und Rechte des Studentenlebens, sondern eben auch die Verpflichtungen und Bindungen sind, die es so reich machen. Die für Gesprächsthemen sorgen, die mich beschäftigen und mich zwingen, mich mit mir und meiner Arbeitshaltung auseinander zusetzen.
Und so nach und nach, also wirklich sehr langsam, verliert der Anblick meines Schreibtisches seinen Schrecken und ich mache mich an die Arbeit- in dem sicheren Wissen, dass der nächste Mittwoch, die nächste Party, kommen wird und ich Yucca dann doch noch eine Topfblume als Gesellschaft beistellen werde.
von Anna Nehoss
“Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 kein Kapitalist ist, hat keinen Verstand.”
Eine Freundin aus der Schweiz fragte mich vor paar Wochen, wo man in Osnabrück in besetzten Häusern übernachten kann. In einem der beiden Vechtaer Kinos gab es eine Veranstaltung der Contra AG zum Abschiebelager in Bramsche-Hesepe. Die Zuschauer: weitgehend Jugendliche. Die 68er von morgen?
Auch wenn man im Laufe der Zeit – oder sollte ich schreiben, im Laufe des Erwachsenwerdens? – immer mehr revolutionäre Gedanken gegen die eines geplanten Lebensentwurfs eintauscht, man mag sich doch fragen, ob das politische Interesse der Studierendenschaft abnimmt – sofern überhaupt vorhanden, jedenfalls in unserer beschaulichen Kleinstadt. Gewiss ist Vechta keine klassische Universitätsstadt, die Studenten identifizieren sich wahrscheinlich weniger mit ihrer Hochschule als Studierende anderer Unis.
Immerhin, ein kleiner Teil der Studierenden engagiert sich, im AStA, StuPA, beim Linken Vechta, oder bei uns in der Redaktion…, auch wenn die Motivation, sich außerhalb des eigentlichen Studiums zu betätigen, wohl aufgrund der Straffheit des BA/MA-Studiums wohl immer geringer ausfallen wird.
Prof. von Laer sagte im Rahmen der Informationsveranstaltung zum Studiengebührenboykott, es sei nicht der Sinn der Universität, ein wirtschaftliches Unternehmen zu sein, sondern nach der Wahrheit zu forschen. Forschen wir, die Studierenden, nach der Wahrheit?
Haben wir, die Studierenden, eine gesellschaftliche Verantwortung, gegen eingefahrene Strukturen anzugehen und frischen Wind in die alltägliche Welt der Praxis zu bringen?
In einem Artikel in der taz über eines der Camps in Rostock während des G8-Gipfels wurde unter anderem über eine Studentin berichtet, Mitte 20, aus Berlin, studiert Sozialpädagogik und will die Welt verändern. So etwas meine ich aber gar nicht zwangsläufig, dass jeder Student nach Heiligendamm hätte fahren sollen oder ähnliches.
Ich meine vielmehr, dass wir darauf achten, was uns an dieser Welt stört, dass wir nicht so werden wie die Menschen, die ihre eingefahrenen Muster haben und jegliche Veränderung ablehnen. Menschen, die nicht mehr nach links und rechts schauen und nicht sehen, was sie eigentlich machen. Es fängt in uns selbst an.
von Björn Franke
Fotos: Karen Ishikawa & Björn Franke

Die richtige Mixtur: Geld und Ansehen

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Wettbewerbe und Stipendien versprechen nicht nur ein dickes Plus auf dem Konto, sondern auch große Anerkennung und einen Blickfang für den Lebenslauf. Das Vorurteil, dass dabei nur Musterstudenten mit dem Schnitt 1,0 eine Chance haben, trifft dabei nur bedingt zu. Gute Noten sind sicher von Vorteil, aber nicht alleiniges Kriterium.
Gerade bei den Studentenwettbewerben, welche von Bundesministerien, Botschaften, Stiftungen oder Zeitschriften sowie vom deutschen Studentenwerk ausgeschrieben werden, ist zu erst einmal Kreativität gefragt. Es werden Aufsätze zu bestimmten Themen, eine Kurzgeschichte oder auch die Gestaltung eines Plakats, das Drehen eines Films oder die Entwicklung eines Spiels gefordert. Es ist also für jeden etwas dabei und die Mühe lohnt sich. Die Preise reichen von 500 Euro bis hin zu 10 000 Euro, ganz abgesehen von dem Prestige, das jeden Gewinner durch einen solchen Preis erwartet. Zudem wird meistens nicht nur der erste Platz ausgezeichnet, sondern auch der zweite und dritte. Trotz der oftmals hohen Summen, welche ausgeschrieben werden, ist die Beteiligung an solchen Wettbewerben in der Regel eher gering, was wohl daran liegt, dass die meisten Studierenden von der Existenz dieser Bewerbe gar nicht wissen. Die Chance also, einer unter wenigen oder sogar der Einzige zu sein, ist somit nicht gering. Mitmachen lohnt sich in jedem Fall. Weitere Informationen zu den aktuellen Ausschreibungen findet ihr am Ende des Artikels.
Stipendien sind in Deutschland noch nicht so populär wie zum Beispiel in den USA. Aber es gibt Bemühungen unserer Bundesbildungsministerin, Anette Schavan (selbst Stipendiatin der Konrad Adenauer-Stiftung), eine möglichst hohe Zahl von StudentInnen durch die 11 großen Begabtenförderungswerke zu fördern. Die aktuelle Quote liegt bei 0,7 % aller Studierenden und soll auf 1 % erhöht werden. Die Begabtenförderungswerke haben so viel Geld wie selten zuvor. Die Möglichkeit ist also günstig. Auch unsere Uni hat jüngst 20 Stipendien ausgeschrieben, welche den Auserwählten die Studiengebühren ersparen. Doch eine einmalige Zahlung ist eher untypisch für diese Art von Förderung.
Die Stipendien, welche vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMF) und von verschiedenen Begabtenförderungswerken (z.B. Konrad Adenauer-Stiftung, Friedrich Ebert- Stiftung, Heinrich Böll-Stiftung, Cusanuswerk u.v.m.) vergeben werden, enthalten eine monatliche Unterstützung von bis zu 525 Euro, je nach Einkommen. Hinzu kommt noch Büchergeld in Höhe von 80 Euro pro Monat. Die inländischen Studiengebühren sind nicht Teil des Stipendiums. Die finanzielle Förderung ist jedoch längst nicht alles: Ebenso ist eine ideelle Förderung Bestandteil eines Stipendiums bei den großen Stiftungen. Den Stipendiaten wird persönliche Beratung bei Studienfragen und Berufsfindung geboten. Zudem werden eine Vielzahl von Seminaren nur für die Stipendiaten organisiert, welche für eine umfangreiche zusätzliche Bildung sorgen und die Möglichkeit beinhalten sich mit anderen Studenten anderer Fachrichtungen auszutauschen und Netzwerke zu bilden. Die Reisekosten, welche für die Seminare anfallen, werden dabei von der Stiftung übernommen. Eine Bewerbung sollte möglichst früh im Studium geschehen. Bereits Abiturienten können sich für eine Studienförderung bewerben. Es wird empfohlen, dass man sich ab dem 2. bis zum 4. Semester bewirbt. Als Faustregel gilt, dass der Bewerber noch nicht 2/3 seiner Studienzeit rum haben sollte.
Bei Bachelorstudenten, welche den Master ranhängen wollen, gelten noch einmal andere Maßstäbe. Auswahlkriterien sind neben überdurchschnittlichen Studienleistungen (1-2 im Notenschnitt) auch ehrenamtliches Engagement in Kirche, Verein und/oder an der Uni etc. Denn die Begabtenförderungswerke wollen Biographien fördern, keine Karrieren und das induziert, dass das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen einen hohen Stellenwert hat. Aus diesem Grund sollte man sich auch mit den Grundsätzen der Stiftung identifizieren können, bei der er oder sie sich bewirbt.
Nähere Informationen zu den Begabtenförderungswerken und den einzelnen Stiftungen könnt ihr auf den jeweiligen Homepages finden. Wer nicht die Möglichkeit hat, sich im Internet zu informieren, kann sich auch innerhalb der Hochschule an den Referenten für Forschungsförderung Lars Hoffmeier (E021) wenden. Außerdem sind an der Hochschule zwei Stiftungen mit jeweils einem Vertrauensdozenten vertreten. Das ist zum einen Prof. Dr. Joachim Kuropka, Vertrauensdozent für die Konrad Adenauer-Stiftung, zum anderen Prof. Dr. Martin Winter, Vertreter der Hans Böckler-Stiftung.
Bewerben lohnt sich in jedem Fall. Denn entgegen der langläufigen Meinung, dass sich da bestimmt Tausende bewerben und man sowieso keine Chance hat, ist die Bewerberzahl auch bei den großen Stiftungen eher gering, gemessen an der Gesamtzahl der Studierenden im Bundesgebiet. So haben sich bei der Konrad Adenauer- Stiftung im vergangenen Jahr 1072 Studenten beworben, von denen letztlich 392 in die Stiftung aufgenommen wurden. Die Chance steht also nicht schlecht. Wer dennoch glaubt, dass er bei keiner der oben genannten etablierten Stiftungen eine Chance hat, für den gibt es auch noch unbekannte, kleine Organisationen, die Stipendien teilweise nach Ortszugehörigkeit oder Studiengang vergeben. Beispiele hierfür sind: Für die Historiker und Archäologen die Gerda Henkel-Stiftung
(www.gerda-henkel-stiftung.de), für arme Ärztekinder der Hartmannbund (www.hartmannbund.de), für diskriminierte Examenskandidaten die Peter Fud-Stiftung, für Studenten mit Migrationhintergrund etwa die Vodafone-Stiftung (vodafone-stiftung.de) u.v.m. Es lohnt sich also einfach mal, bei Google das Stichwort Stipendium einzugeben. Und auch hier zählt, ähnlich wie bei den Wettbewerben: Wer wagt, der gewinnt. Neben den bereits oben genannten finanziellen Vorteilen eines solchen Stipendiums ist auch die karrierefördernde Wirkung nicht zu unterschätzen. Viele Politiker wie Ex-Kanzler Schröder oder Oskar Lafontaine sind beispielsweise Stipendiaten und auch die Sprecherein der Tagesschau (Petra Gerster) ist in ihrer Studienzeit in den Genuss der Begabtenförderung gekommen.
Auch für Doktoranten oder solche, die es werden wollen, gibt es die Möglichkeit, über die Stiftungen gefördert zu werden (Graduiertenförderung). Innerhalb der Hochschule sind die KFN (Kommission für Nachwuchsförderung) und auch die KFG (Kommission für Frauenförderung und Gleichstellung) für diese Form von Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zuständig.
Also Vorteile über Vorteile für vergleichsweise wenig Aufwand. Deshalb: Traut euch und bewerbt euch! Letztlich könnt ihr nur gewinnen.
von Stefanie Bruns
Stipendien

BA-Leitfaden

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Wer bei dem Anblick von Modulen, Teilmodulen oder Modulabschlussprüfungen, Verlaufsplänen und Seminarreihenfolgen das blanke Entsetzen im Nacken spürt und sich mitunter fragt, ob ein Studium im BA-Studiengang wirklich die richtige Entscheidung war, den kann ich an dieser Stelle beruhigen. Denn einerseits sind solche Irrungen und Wirrungen vollkommen normal, andererseits wird insbesondere die Frage nach der richtigen Entscheidung mitunter auch während des Studiums nicht abreißen. Dennoch möchte uniVista in dieser und den folgenden Ausgaben ein wenig Licht ins Dunkle bringen und euch Leitfäden zur Verfügung stellen; in dieser Ausgabe zum Studiengang BA SKN.
Ziel ist der Erwerb des Bachelors, der sich in einer Regelstudienzeit von 6. Semestern festsetzt. Innerhalb dieses Zeitraumes ist eine Gesamtpunktzahl von 180 APs zu erreichen, dies gilt sowohl für den Bachelor mit als auch ohne Lehramtsoption. Entscheidet sich der Student für eine gleichwertige Fächerkombination, die sogenannte B/B Kombination, muss er in beiden Fächern jeweils 60 APs erreichen. Die APs ergeben sich durch Besuch und Abschluss der dem Fach zugeordneten Seminare und Vorlesungen. Sind diese 60 APs im jeweiligen Fach erreicht, ist es damit für den BA Studiengang abgeschlossen. Zusätzliche Veranstaltungen können besucht werden, werden jedoch nur unter Zusatzleistungen. Im Optionalbereich sind 50 APs zu erwerben. Diese setzen sich zusammen aus Erziehungswissenschaft (20 APs), Pädagogische Psychologie (10 APs), Praktika
(10 APs) und einem Wahlfach, in diesem Fall Soziologie, Politik oder Philosophie (10 APs). Um vom Bachelorstudiengang in den anschließenden Masterstudiengang zu wechseln – Voraussetzung, um in den Lehrerberuf einsteigen zu können -, ist momentan ein Gesamtdurchschnitt von 2,5 erforderlich, wobei der Durchschnitt in den beiden Hauptfächern auch 3,0 betragen kann. Bei der Fächerkombination A/C ändert sich lediglich die Wertung der beiden Unterrichtsfächer. Sie beträgt nun 80/40. Die Nebenfächer bleiben in der Wertung wie oben beschrieben.
Die meisten Institute bieten inzwischen so genannte Verlaufspläne an, die dem Studenten die Reihenfolge der zu belegenen Veranstaltungen aufzeigen. Somit ist ein Belegen der richtigen Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt gewährleistet. In vielen Fällen hängen diese Pläne am Schwarzen Brett des jeweiligen Faches. Ist dies nicht der Fall und die Internetpräsenz des jeweiligen Institutes auch eher dürftig, ist ein Nachfragen beim BA-Beauftragten des Faches möglich. Dieser ist im Vorlesungsverzeichnis ausfindig zu machen. Des Weiteren bietet die Universität den Studenten die Möglichkeit, zwei Mal pro Jahr eine Auflistung der erreichten Noten und APs per E-Mail zu erhalten. Dafür ist jedoch eine separate Anmeldung nötig, die beim Prüfungsamt eingereicht werden kann. Formblätter hängen dafür am Schwarzen Brett des Prüfungsamtes im E-Gebäude. Dort befindet sich ebenfalls die aktuelle Prüfungsordnung zum Nachlesen. In einigen Fächern existieren so genannte fachspezifische Anlagen zur allgemeinen Prüfungsordnung. Diese können entweder im Internet heruntergeladen werden oder sind im Sekretariat des jeweiligen Institutes erhältlich.
Abschließend möchten wir „alten Hasen” euch an dieser Stelle einen schönen Start ins Studium wünschen und hoffen, dass die momentane Aufregung bald einer gesunden Gelassenheit weicht, denn wie drückte man es bei unserer Ankunft 2003 aus: Sie sind jetzt Studenten des Bachelorstudienganges – beweisen Sie Mut zur Lücke. In diesem Sinne: Viel Erfolg!
von Britta Simon

Studiengebühren-Boykott 2007

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Die Studiengebühren sind da. Doch der Widerstand ist noch nicht am Ende. Bundesweit wird ein Boykott der Studiengebühren für das Sommersemester 2007 geplant. Die Aktion, welche sich Boykott 07 nennt, soll wie folgt ablaufen:
Jeder Student überweist seine 500€ anstatt an die Universität auf ein Treuhandkonto. (Die Studienbeiträge gehen wie gewohnt an die Uni.) Dieses Treuhandkonto wird von einem Anwalt geführt und es gelten AGBs, welche verhindern, dass der Anwalt frei über das Geld verfügen kann oder sonstige krumme Dinge passieren können. Durch die AGBs ist also rechtlich alles gesichert.
Hat bis zu einem bestimmten Stichtag ein gewisses Quorum (25-30%) der Studentenschaft der Hochschule Vechta auf dieses Treuhandkonto eingezahlt, wird davon ausgegangen, dass eine Exmatrikulation einer solch hohen Zahl der Studenten unwahrscheinlich wäre. Das Geld wird in diesem Fall an die Studenten zurück überwiesen, das Gesetz wird somit ad absurdum geführt und die Aktion hätte ihr Ziel erreicht.
Ist das Quorum nicht erfüllt, werden die 500€ fristgerecht von dem Treuhandkonto an die Hochschule überwiesen, und es ist quasi nichts passiert.
Diese Aktion wird bundesweit an beinahe allen Hochschulen stattfinden. Das Studentenparlament hat für unsere Universität einen Beauftragten gewählt, Johannes Doll.
Habt ihr noch Fragen? Siehe Infobox!
von Stefanie Bruns
E-Mail: vechta[at]boykottinfo.de

Dafür oder dagegen – eine 500€ teure Nullrechnung?

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studiengebuehren01
500€ zusätzlich zu den Studienbeiträgen und den Lebenshaltungskosten aufzubringen ist kein Pappenstiel und, da brauchen wir uns nichts vormachen, nicht von jedem zu leisten. Gerade Abiturienten aus einkommensschwachen Familien sind nicht in der Lage, ohne finanzielle Unterstützung (Bildungskredit, BAföG) zu studieren. Für diese wird sich die Situation in Zukunft verschärfen und ein Studium mit Risiken verbunden sein. Sie müssen den Mut haben, sich schon in jungen Jahren hohen finanziellen Verantwortungen zu stellen. Das kann von Vorteil sein, erscheint aber zunächst einmal als Nachteil und könnte von einem Studium eher abschrecken.
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass ein Blick ins Ausland genügt, um festzustellen, dass Studiengebühren erstens keine Seltenheit mehr sind und zweitens in der Höhe von 500€ pro Semester als durchaus moderat bezeichnet werden können. Die Frage ist also diese: Können wir es uns leisten, keine Studiengebühren zu erheben, während andere dieses Instrument benutzen und damit in Bildung investieren? Wer Bildung als wichtige Ressource begreift, von der der (Bildungs-) Standort Deutschland als Exportweltmeister maßgeblich abhing und auch in Zukunft abhängig sein wird, kann nicht den Kopf schütteln, wenn Versuche unternommen werden, das Bildungssystem grundlegend zu reformieren. Die durchaus wirtschaftliche Vokabel heißt in diesem Sinne natürlich Wettbewerb. Und den werden wir haben, wenn Studenten erst einmal entscheiden, an welcher Uni sie ihr Geld lassen wollen, um eine angemessene Ausbildung in Angriff nehmen zu können. Wer wird es sich beispielsweise noch gefallen lassen, dass Hörsäle überfüllt sind und auf Treppenstufen gesessen werden muss? Oder gar: Dass sich neuhochschulsprachlich (Teil-) Module überschneiden. Das Bachelor-/Mastersystem sieht eine stringentes Studium vor, die Studiengebühren ebnen dafür den Weg. Die viel zitierte Meinung, Studiengebühren seien höchst unsozial – hier müssen dann mal wieder die sozial schwächeren Familien herhalten oder die bildungsfernen Schichten -, übersieht zwei Dinge: Zum einen ist hier auf den Bildungskredit zu verweisen, der elternunabhängig und den Bedürfnissen entsprechend in Anspruch genommen werden kann. Zum anderen möchte ich darauf hinweisen, dass ein universitärer Abschluss nach wie vor angesehen ist und entsprechend entlohnt wird. Wer sich also entscheidet, ein Studium auf-zunehmen und sich dieses nur mittels eines Bildungskredites leisten kann, der wird sich diesen Schritt sehr wahrscheinlich gut überlegt haben, entsprechend zielstrebig voranschreiten, das stringente Studium erfolgreich abschließen anstatt in Nebenjobs abzutauchen und als Akademiker gutes Geld verdienen. Und schließlich: Was ist daran sozial ungerecht, wenn künftige breite Schultern schon am Anfang etwas in deren Wachstum investieren? So gesehen sprechen wir bei Studiengebühren klar von einem Prinzip der Solidarität.
Selbst wenn Studenten ihr Studium als eine Investition in die Zukunft ansehen und bereit sind, die notwendigen Mittel dafür aufzubringen, ändert das noch nichts an den maroden Hochschulen und dem zurückgebliebenen Bildungssystem in Deutschland. Erst die Zukunft wird zeigen, ob die Gelder der Studierenden wirklich zusätzliche Mittel für die Hochschulen darstellen. Wahrscheinlicher ist, dass die Länder ihre Finanzierung, im selben Umfang wie die Studiengebühren fließen, zurückfahren und die Universitäten letztendlich eher mit weniger Mitteln ausgestattet werden um sich dem Wettbewerb zu stellen. So gesehen würde es sich bei den Studienbeiträgen nur um eine Umfinanzierung handeln und nicht um eine Verbesserung. Indiz hierfür ist auch die beschlossene Föderalismusreform, welche vorsieht, dass Bildung nun vollkommen zur Ländersache wird und damit auch die Finanzierung von Schulen und Hochschulen. Bei dem viel beschworenem Wettbewerb, welcher durch die Studiengebühren angeregt werden soll, handelt es sich um genau so ein Luftschloss. Denn nach welchen Kriterien wird ein Abiturient wählen, wenn es Länder ohne Studiengebühren gibt? Die finanzielle Belastung wird sicher ein ausschlaggebender Punkt sein, wichtiger als Ruf und Reputation. Somit stellen die Studiengebühren also einen Wettbewerbsnachteil dar, so lange es Bundesländer gibt, welche sie nicht erheben.
Bleiben wir zunächst in Niedersachsen und glaubt man hierzulande den Worten des niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann, dann sollen die Studiengebühren klar zur Verbesserung der Lehre an den Hochschulen eingesetzt werden. (Stratmann-Brief aus dem Jahre 2005) Natürlich kann es nicht sein, dass Studenten die Schwarzen Löcher einer wie auch immer missratenen Finanzpolitik stopfen. Hier ist Transparenz angesagt und einzufordern. Und wie viel mehr ist es das Recht einer mittlerweile zahlenden Klientel, eine gute Ausbildung zu erfahren?
Sind wir doch gespannt, was sich die – und nun bundesweiten und gebührenpflichtigen – Universitäten einfallen lassen, um neue Akademiker ausbilden zu können und somit unter anderem an potenzielles Nachwuchspersonal zu kommen. Eröffnen wir den Ideenwettbewerb und schauen wir, wer mithalten kann. Neuzeitliche mitteleuropäische Völkerwanderungen, Studentenscharen, welche die gebührenfreien Unis überlaufen werden, kann ich mir nur schwer vorstellen. (Und die Flucht ins Ausland brächte ohnehin nicht viel.) Schließlich werden auch die noch studiengebührfreien Bundesländer bzw. vielmehr die dort vorhandenen Universitäten einsehen und schließlich ihr gutes Recht einfordern, dass die Einführung von Studiengebühren eine Chance für die Bildung sein kann. Dass StudentInnen Semester für Semester 500 € dafür ausgeben, um in einem maroden Bildungssystem” studieren zu können, bezweifle ich dabei doch stark. Studiengebühren bedeuten mit Sicherheit ein Umdenken in unserer Gesellschaft – sie bedeuten aber vor allem, dass nicht nur gedacht wird und Zustandsbeschreibungen, etwa die eines heruntergekommenen Bildungssystems gemacht werden, sondern sie bieten einen möglichen Reformansatz für mehr Wettbewerb und Unabhängigkeit in der Hochschulpolitik an. Die halbjährliche Zahlung der Gebühren ist dabei nicht nur ideen-, sondern darüber hinaus handlungsorientiert und das gleich im Doppelpack: Zum einen mag die Gebühr den einen oder anderen Studenten dazu anregen, über seine gewählte Universität nachzusinnen. Zum anderen: kann je nach Beurteilung eine aktive Teilnahme und entsprechende Unterstützung der Uni ebenso möglich sein wie das Zücken einer gelben oder roten Karte.
Die Entwicklung eines solchen Wettbewerbs ist höchst zweifelhaft. So bezahlen die Studenten auch das Studentenwerk und doch wissen nur wenige, was für Leistungen ihnen für diesen Beitrag zustehen und fordern diese auch nicht ein. Ebenso steigt der Identifikationsgrad nicht an und das, obwohl es Möglichkeiten gibt, im Studentenwerk mitzuwirken und die studentische Meinung gegenüber der Leitung des Studentenwerks geltend zu machen. Doch für diese ehrenamtlichen Ämter finden sich kaum Interessenten. Aus diesem Grunde halte ich es auch für fraglich, ob Studiengebühren tatsächlich motivierend wirken und sich die Studenten plötzlich mehr mit ihrer Hochschule auseinandersetzen und sich engagieren, um bei der Verteilung der Studiengebühren mitzuwirken und somit die Hochschule zu unterstützen. Gleichsam erscheint mir diese von den Befürwortern der Studiengebühren angepriesene Dienstleistungsmentalität an einer Hochschule für unangemessen. Es geht ja nicht darum, dass Studenten und Hochschule gegeneinander arbeiten. Vielmehr ist es in der Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler und Akademiker wichtig, in Zusammenarbeit mit den Lehrenden zu lernen und sich zu bilden. Doch für diese Zielsetzung ist die Druckausübung ä la „ich hab dafür bezahlt” unproduktiv.
Außerdem ist ein Studium ja nicht nur die Anhäufung von Fachwissen. Dieses gehört als Basis sicher unbestritten dazu. Doch es sollte auch darum gehen, den Menschen zu bilden und Aktivitäten über das Studium hinaus, beispielsweise in der Studentenvertretung, Chor, Theater etc. zu fördern anstatt das ohnehin schon enge Korsett der neuen Bachelorstudiengänge durch enorme Finanzen noch enger zu binden. Denn hohe Kosten verursachen auch einen hohen Leistungsdruck. Zwar wird unentwegt darauf hingewiesen, dass die Kredite zur Finanzierung der Studiengebühren von den Eltern unabhängig vergeben werden, aber welcher Student ist denn tatsächlich von Anfang an finanziell unabhängig und bei wie vielen Studenten zahlen nicht doch Mama und Papa die Miete und letztlich auch die Gebühren? Um sich in so jungen Jahren so hoch zu verschulden, braucht es Mut und Vertrauen in die Zukunft. Das deutsche Volk hat sich diesbezüglich jedoch noch nie besonders risikofreudig gezeigt. Das wird deutlich an der geringen Geburtenrate und an der in den letzten Jahren sehr hohen Sparquote. Die Menschen haben in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit und Terrorismus eher Angst vor der Zukunft, als dass sie in sie investieren und ein Mentalitätswandel ist nicht in Sicht.
Im Zeichen der Globalisierung den Kopf in den Sand zu stecken oder einen Sonderweg ohne Studiengebühren zu gehen – beide Handlungen scheinen wenig konstruktiv zu sein, um der zunehmenden kulturellen, gesellschaftlichen und vor allem der wirtschaftlichen Verflechtung im Weltgeschehen als einer der Protagonisten weiterhin beiwohnen zu können. Bildung schafft Perspektiven, kann Auswege aus Sackgassen bieten. Und den Karren an die Wand fahren, das würden wir geradewegs tun, wenn wir die nun viel zitierte Chance in den Studiengebühren versäumten. Dass Hochschulbildung nun neben Fleiß auch mehr Geld kosten soll, beteiligt die StudentenInnen an einer Entwicklung, die seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten zu erkennen ist: Um den Sozialstaat zu erhalten, muss jeder bereit sein, etwas dafür zu tun. Dass zukünftig Besserverdienende quasi einen Vorschuss hierfür bezahlen, kann darüber hinaus als ein Zeichen gesehen werden, wieder mehr Mut und Vertrauen in die Zukunft zu haben Warum sollen nun gerade hierfür die StudentInnen herhalten? Vielleicht mag der Vergleich mit den 68ern hinken, von denen sich unsere Generation sowieso eklatant unterscheiden soll und mit Sicherheit auch wirklich unterscheidet, aber eines muss in der nach wie vor verändernden Kraft des Hochschulbetriebes gesehen werden: Gut aufgelegte Universitäten ebnen nicht nur den Weg für Tausende von gut ausgebildeten Arbeitskräften, sie machen darüber hinaus den Weg frei für Gedanken, überhaupt für das Nachdenken über uns und können die Zukunft unseres Landes auf allen Ebenen klar mitgestalten. Hierfür zu bezahlen, warum nicht?
von René Kohn und Stefanie Bruns

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